8. November 2017 – Ameisenbären

08.00 Uhr Ich werde durch das Schellen des Festnetzanschlusses aus einem schönen Traum gerissen. Haareraufend nehme ich das Gespräch an und erfahre von meiner Schwägerin, dass wir uns um 10 Uhr vor dem Haupteingang des “Naples Zoo” treffen werden. Ich räuspere mich und sichere der kleinen Frau zu, dass ich pünktlich vor Ort sein und beste Laune mitbringen werde.
08.30 Uhr Nachdem ich die Bettdecke aufgeschüttelt und den Frühsport auf der Terrasse absolviert habe, ziehe ich mich ins Bad zurück, um mich ordentlich auszuwaschen. Während die Düsen der Wirbelbadewanne auf Hochtouren laufen, rufe ich beim Professor an und lasse ihn wissen, dass Georg und Maria den örtlichen Tierpark besuchen wollen. Anstatt hellauf begeistert zu sein, winkt der Professor gelangweilt ab und meint, dass er sich diesem Ausflug nicht anschliessen wird. Stattdessen kündigt mein Bekannter an, in der Barnes & Noble Buchhandlung nach neuem Lesestoff suchen zu wollen – das soll mir auch Recht sein.
09.15 Uhr Nach Schaum duftend, schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und nehme mir das Recht heraus, ein kleines Frühstück einzunehmen. Danach trommle ich mit den Fingern auf die Tischplatte und gebe meinem Haustier zu verstehen, dass nun die Zeit gekommen ist, um die kleine Villa zu verlassen. Ruckzuck scheuche ich den Rüden zum Auto und presche mit durchdrehenden Pneus von dannen.


Mein Zuhause unter Palmen

10.00 Uhr Pünktlich erreiche ich mein Ziel und habe das Vergnügen, direkt neben Georgs JEEP einen Stellplatz zu ergattern. Wie es sich gehört, begrüsse ich meine Verwandten herzlich und erinnere daran, dass der Tierpark von Hurrikan Irma verwüstet wurde und mehrere Wochen geschlossen war. Mein Bruder nickt eifrig und informiert, dass der “Naples Zoo” vor drei Wochen wiedereröffnet wurde und nun mit einem nagelneuen Ameisenbären-Gehege lockt. Ich schnalze anerkennend mit der Zunge und erwidere, dass diese Tierart auch Vermilingua genannt wird und hauptsächlich in Mittel- und Südamerika vorkommt.
10.30 Uhr Nachdem wir Eintrittskarten gelöst und der Dame am Eingang klargemacht haben, dass Dixon ein verlässlicher Blindenhund ist, können wir das Zoogelände endlich betreten. Als erstes folgen wir dem Wanderweg zum sogenannten “Cactus Hill” (löblich: Kaktushügel) und nehmen exotische Pflanzen in Augenschein. Danach schlendern wir zur “Alligator Bay” (löblich: Alligator Bucht) und werden Zeugen, wie ein Knecht Fleischteile ins trübe Wasser wirft. Ruckzuck schiessen stattliche Alligatoren aus dem Ufergestrüpp und zögern nicht, sich auf das Fressen zu stürzen – wie aufregend.


Alligatoren sind gefährlich

11.00 Uhr Während wir unseren Spaziergang fortsetzen und lustige Landschildkröten beäugen, verweise ich auf einen Zeitungsbericht und rechne vor, dass im Collier County fast jedes Jahr gut ein Dutzend Menschen von gefährlichen Alligatoren attackiert werden. Maria macht grosse Augen und meint, dass ihr bisher noch kein Krokodil in freier Wildbahn begegnet ist.
11.45 Uhr Nachdem wir Honigdachse gesehen haben, erreichen wir das Gehege mit den Ameisenbären. Beeindruckt deute ich in Richtung eines übergewichtigen Exemplars und lese auf einer Informationstafel, dass die grossen Ameisenbären ein Gewicht von bis zu 100 Pfund erreichen können – das ist ja kaum zu glauben.
12.30 Uhr Nach zweieinhalb Stunden stehen wir vor dem Ausgang und besuchen zu guter Letzt den zooeigenen Andenkenladen. Während sich meine Schwägerin den feilgebotenen T-Hemden zuwendet, reibt sich Georg den Bauch und kündigt an, dass wir nun zum “The Turtle Club Restaurant” krusen und ein reichhaltiges Mittagessen verzehren werden. Ich schlage in die gleiche Kerbe und merke an, dass das besagte Spitzenlokal dem renommierten “Vanderbilt Beach Hotel & Resort” angeschlossen ist.
13.15 Uhr Hungrig und durstig schwinge ich mich hinter das Lenkrad des Chevrolets und folge Georgs JEEP gen Norden. Nebenher erfreue ich mich an stimmungsvoller Landmusik und singe zu einer Waylon Jennings Komposition laut mit – da kommt besonders grosse Freude auf.


Bier ist gesund

14.00 Uhr Nach 11 Meilen parken wir die Autos auf dem Besucherparkplatz des “Vanderbilt Beach Hotels” und laufen geschwind in die Wirtschaft, um einen Pitcher Coors Light (löblich: Leicht) sowie fangfrische Krebse mit Kartoffelspalten zu ordern. Der Kellner lässt sich nicht lange bitten und fährt alsbald grosse Portionen auf. Ich greife spornstreichs zur Gabel und bemerke als Feinschmecker, dass die Mahlzeit prima schmeckt. Meine Tischnachbarn sind ebenfalls begeistert und kommen aus dem Zungeschnalzen gar nicht mehr heraus.
15.00 Uhr Redlichst gestärkt verlassen wir die Anlage und wünschen einander einen angenehmen Abend. Im Anschluss gleite ich hupend von dannen und stelle Hund Dixon ruhige Stunden in der kleinen Villa in Aussicht.
15.45 Uhr Zuhause angekommen, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen. Nach wenigen Atemzügen döse ich ein und sehe mich im Traum auf verstaubte Wanderwege des Appalachian Trails versetzt.


Ich träume vom Appalachian Trail

16.45 Uhr Um nicht den ganzen Tag auf der faulen Haut zu liegen, rapple ich mich auf und mache mich in der Küche nützlich. Fachmännisch koche ich italienische Schmetterlingsnudeln auf und zaubere dazu eine saubere Pesto Sauce aus dem Glas – das gib ein Festessen.
17.45 Uhr Zum Abschluss des anstrengenden Tages erledige ich die Hausarbeit und setze mich dann in die gute Stube, um den FOX Nachrichten zu frönen. Darüber hinaus fällt mir ein, dass James am kommenden Samstag seinen Geburtstag feiern wird. Ich lege meine Stirn in Falten und komme zu dem Schluss, dass ich dem Buben unbedingt ein kleines Geschenk besorgen sollte – was das wieder kostet.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf HBO und erfreue mich am Zukunftsfilm “Guardians of the Galaxy”. Der kunterbunte Lichtspielhauserfolg aus dem Jahre 2014 erzählt die haarsträubende Geschichte eines Weltraumpiraten, der auf der Suche nach kostbaren Relikten plötzlich auf eine Superwaffe stösst – wie unlöblich.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Weltraumklamauk beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und verabschiede mich ins Schlafzimmer. Gute Nacht.

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