11. Oktober 2017 – Standmixer und Texas Dry Ribs

08.00 Uhr Wie es sich für einen rüstigen Rentner gehört, stehe ich pünktlich zum Achtuhrläuten auf und lockere meine Glieder auf der Terrasse. Während ich mit den Armen rudere, fällt mir jedoch auf, dass Hund Dixon und Sandra bereits ausgeflogen sind. Ich beende den Frühsport und nehme mir das Recht heraus, im Gästezimmer nach dem Rechten zu sehen. Unter anderem spähe ich in Sandras Nachtkästchen und stelle fest, dass das unterbelichtete Kind dort zwei Schachteln Zigaretten versteckt hat – wo soll das noch hinführen.


Ich stehe pünktlich auf

08.30 Uhr Dreissig Minuten später stösst mein Hausgast keuchend die Terrassentüre auf und berichtet, dass es mit dem Vierbeiner einen Dauerlauf unternommen hat. Sandra lässt sich schnaufend auf das Kanapee fallen und zögert nicht, ihre verstaubten NIKE Laufschuhe auszuziehen. Selbstverständlich erhebe ich augenblicklich Einspruch und bitte das Mädchen, die Treter auf die Terrasse zu stellen. Sandra nölt in einer Tour und lässt mich wissen, dass sie gleich in die Stadt krusen und John Avanzatti zum Frühstück treffen wird – das ist wieder typisch.
09.15 Uhr Nachdem sich die Maid frisch gemacht und das Haus verlassen hat, ziehe ich mich kopfschüttelnd in die Nasszelle zurück und entspanne mich bei einem Wirbelbad. Unterdessen rufe ich bei Prof. Kuhn an und bringe heraus, dass er heute zum WAL MART rasen wird, um sich einen neuen Mixer zu kaufen. Ich werde prompt hellhörig und entgegne, dass ich kurzerhand mitkommen werde.


Mein goldener Chronograph aus dem Hause ROLEX

10.15 Uhr Geschwind beende ich die Morgenwäsche und komme beim Blick auf meine wertvolle ROLEX zu dem Schluss, dass kaum noch Zeit für ein reichhaltiges Frühstück bleibt. Verärgert nehme ich mit einem Nutellabrot Vorlieb und scheuche Dixon zum PS-strotzenden Chevrolet – da kommt besonders grosse Freude auf.
11.00 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt komme ich gerade noch rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt an und werde vom Professor herzlich begrüsst. Während der Fellträger im Auto wartet, schlendern wir in den Flachbau und sehen uns in der Haushaltsabteilung um. Schon bald werden wir fündig und lernen, dass der “Tristar Ultimate” Standmixer über einen leistungsstarken 1.500 Watt Motor verfügt. Edelbert nickt eifrig und belehrt, dass er allmorgendlich einen Smoothie (löblich: Mischgetränk) schlürft. Ich schüttle mich angeekelt und gebe zu Protokoll, dass ich Kaffee bevorzuge. Mein Begleiter zuckt mit den Schultern und wirft ein, dass Obstsäfte viele Vitamine enthalten und die Verdauung anregen – jaja.
11.30 Uhr Nachdem Edelbert einer Marktmitarbeiterin an Kasse Nummer 7 einhundert Dollars beschert hat, verlassen wir das Geschäft und fassen den Entschluss zu “Chili’s Grill & Bar” an der Immokalee Road zu gleiten und dort zu Mittag zu essen – das ist die beste Nachricht des Tages.
12.00 Uhr Zum Zwölfuhrläuten betreten wir das mexikanische Speiselokal und lesen, dass täglich zur Mittagszeit besonders preiswerte Gerichte feilgeboten werden. Wir fackeln nicht lange und ordern zwei “Texas Dry Ribs” (löblich: Texas trocken Rippchen) mit Maiskolben, Kartoffelstäben und feuriger Sauce. Dazu gibt es süffiges Root Beer (löblich: Wurzelbier) und farbenfrohe Beilagensalate – schmeckt gar nicht schlecht.


Wir beissen kraftvoll zu

13.00 Uhr Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, verschaffen wir dem Rüden Auslauf. Ausserdem berichte ich ausführlich von Sandras Treiben und merke an, dass mir die Maid noch eine ganze Woche lang auf die Nerven fallen wird. Edelbert beruhigt mich sofort und rät, die Zügel fester anzuziehen und meinem Hausgast klare Grenzen aufzuzeigen – jaja.
13.45 Uhr Langsam wird es aber Zeit, Edelbert Lebewohl zu sagen und die Heimreise anzutreten. Voller Elan schwinge ich mich hinters Lenkrad und presche winkend von dannen.
14.30 Uhr Zuhause angekommen, stelle ich wohlwollend fest, dass während meiner Abwesenheit Frau Gomez zugegen war und die kleine Villa auf Vordermann gebracht hat. Ich lasse mich erschöpft auf dem Kanapee nieder und döse schnell ein, um von meiner spannenden Reise quer durch den Kontinent zu träumen.
15.30 Uhr Leider wird mein Müssiggang alsbald durch Sandras Geplappere gestört. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und vernehme, dass das Mädchen ein Schuhgeschäft besucht und sich modische ADIDAS Turnschuhe geleistet hat. Bevor ich antworten kann, hält mir Sandra die Gymnastikschuhe vor die Nase und rechnet vor, dass dieses Modell in Deutschland gut und gerne das doppelte kostet – das ist mir Wurst.


Mein Zuhause unter Palmen

16.00 Uhr Während ich Kaffee aufbrühe und einen Kuchen anschneide, erkundigt sich die Maid, wann wir den Wocheneinkauf erledigen werden. Ich verweise auf den Donnerstag und stelle klar, dass es angebracht wäre, etwas Geld beizusteuern. Sandra stimmt zu und verspricht, mich zum WINN DIXIE zu begleiten – wie schön.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner Wanduhr auf 5 zugeht, erhebt sich Sandra vom Sofa und beteuert, dass sie sich nun mit Carol Wang am Strand treffen wird. Als ich auf einen gemeinsamen Fernsehabend zu sprechen komme, winkt die Maid gelangweilt ab und sagt, dass sie anschliessend zum Crayton Grove Restaurant fahren wird, um dort einen schönen Abend zu erleben – was muss ich denn noch alles ertragen.


Bald wird Halloween gefeiert

18.00 Uhr Nachdem ich eine Pizza gefressen habe, mache ich es mir biertrinkend in der guten Stube bequem und schaue in Hund Dixons Gesellschaft fern. Ich informiere mich bei den FOX Nachrichten über die Geschehnisse in der Welt und lerne, dass in 19 Tagen Halloween gefeiert wird. Entsetzt schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen und erkläre dem Haustier, dass mir dieser Unsinn gestohlen bleiben kann.
19.00 Uhr Im Anschluss wechsle ich auf PBS und gebe mich der sehenswerten Dokumentation “The Vietnam War” (löblich: Der Vietnam Krieg) hin. Ich staune nicht schlecht und bringe in Erfahrung, dass bereits im Jahre 1858 französische Kanonenboote den Hafen Da Nang überfielen – wie furchtbar.
21.00 Uhr Einhundertzwanzig Minuten später beende ich den Fernsehabend und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.