5. Oktober 2017 – Drywall Screws

08.00 Uhr Der Radiowecker springt an und ich erfahre, dass am kommenden Montag der beliebte „Columbus Day“ (löblich: Kolumbus Tag) gefeiert wird. Voller Vorfreude hüpfe ich aus dem Bett und spiele mit der Idee, den Gedenktag zum Anlass zu nehmen, eine Grillfeier auf der Terrasse zu veranstalten – das wäre phantastisch.
08.45 Uhr Als ich nach der schweisstreibenden Morgengymnastik die DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb nehme, gesellt sich Sandra an meine Seite und klagt über schreckliche Kopfschmerzen. Ich werfe der Maid skeptische Blicke zu und mutmasse, dass sie gestern zu tief ins Glas geschaut hat – das ist wieder typisch.


Sandra benötigt eine Tablette

09.15 Uhr Während des Waschvergnügens pocht das Kind plötzlich an die Badezimmertüre und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass sich ein braungebrannter Fremder in meinem Garten tummelt. Ich beruhige Sandra sofort und erinnere, dass ich seit dem Jahresanfang einen Gärtner habe, der sich einmal pro Woche um die anfallenden Arbeiten kümmert. Ferner gebe ich zu Protokoll, dass der Knecht Leonardo heisst und sehr fleissig ist.
09.45 Uhr Redlichst erfrischt schlüpfe ich in legere Freizeitkleidung und kehre in die Küche zurück, um festzustellen, dass in der Zwischenzeit auch meine Zugehfrau eingetroffen ist. Frau Gomez begrüsst mich herzlich und sagt, dass sie gestern leider verhindert war und erst heute ihren Pflichten nachkommen kann. Ferner deutet die Perle nach draussen und vertellt, dass meine Mieterin seit einer halben Stunde mit Herrn Leonardo plaudert. Natürlich eile ich spornstreichs in den Garten und erkläre dem Mädchen, dass wir gleich frühstücken können.
10.15 Uhr Anstatt meinem Aufruf nachzukommen, nimmt Sandra die wichtigste Mahlzeit des Tages auf der Terrasse ein und tratscht weiter mit dem muskelbepackten Gärtner – wie unlöblich.
10.45 Uhr Wenig später fährt Edelberts schneeweisser JEEP vor. Ich begrüsse meinen Bekannten per Handschlag und lade ihn ein, mit mir ein Bier zu trinken. Der Professor folgt mir händereibend in die Küche und gibt zu Protokoll, dass er gleich zum Baumarkt krusen wird, um Kreuzschlitzschrauben zu besorgen. Als ich genauer nachfrage, berichtet der gute Mann, dass er am Nachmittag eine Jalousie am Wohnzimmerfenster anbringen will. Ich winke demonstrativ ab und lotse Edelbert in die Garage. Ruckzuck hole ich meine Werkzeugkiste hervor und präsentiere sogenannte Drywall Screws (löblich: selbstschneidende Schrauben). Mein Gegenüber ist begeistert und bittet mich, ihm ausserdem meine Akkubohrmaschine zu borgen – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.


Edelbert benötigt Schrauben

11.30 Uhr Im Anschluss machen wir es uns auf der Terrasse bequem und geniessen süffiges Bier. Bei dieser Gelegenheit nehme ich meine sonnenbadende Mieterin ins Visier und lasse Edelbert wissen, dass das Kind ein Auge auf den Gärtner geworfen hat. Bevor Prof. Kuhn antworten kann, meldet sich Sandra zu Wort und weist auf die Tatsache hin, dass sie am Abend mit Carol Wang, John Avanzatti und Herrn Leonardo ins Lichtspielhaus gehen wird – wie unlöblich.
12.30 Uhr Nachdem Edelbert abgefahren ist, nehme ich mit einem Sandwich (unlöblich: Wurstbrot) Vorlieb und erzähle Sandra, dass am kommenden Montag dem italienische Seefahrer Christoph Kolumbus gedacht wird. Darüber hinaus bringe ich eine Grillfeier ins Spiel und lege anschaulich dar, dass ich nicht nur Edelbert und Frau Pontecorvo, sondern auch Herrn Wang einladen werde. Die Maid wird sogleich hellhörig und entgegnet, dass sie zur Feier des Tages einen Nudelsalat zubereiten wird – wie schön.
13.00 Uhr Um den Gästen etwas bieten zu können, ringe ich mich dazu durch, zum Alkoholgeschäft meines Vertrauens zu fahren. Ruckzuck scheuche ich Hund Dixon zum Chevrolet und gleite hupend vom Grundstück. Während der kurzweiligen Autofahrt drehe ich am Frequenzrad des Radios und lausche auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) angesagten Landmusikschlägen.
13.30 Uhr Während der Rüde im Auto verweilt, sehe ich mich in „Bob’s Liquor Store“ ganz genau um und verlade zwei Kisten Löwenbräu Helles, Erdinger Weissbier sowie vier Sechserpacks Budweiser in den Einkaufswagen. Ferner lege ich vier Flaschen Weisswein dazu und sehe mich an der Kasse genötigt, Herrn Bob knapp 90 Dollars aushändigen zu müssen – wo soll das noch hinführen.


Ich benötige kühles Bier

14.15 Uhr Als nächstes steuere ich eine McDonalds Filiale an und ordere am Drive Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter einen grossen McCafe Chocolate Shake. Anschliessend presche ich mit quietschenden Pneus in Richtung Willoughby Drive davon und lasse mir den Fahrtwind durchs Haar wehen – das macht Spass.
15.15 Uhr Nachdem ich die Getränke ins Haus geschleppt habe, schlüpfe ich aus den Schuhen und bette mich in der klimatisierten Stube zur Ruhe. Alsbald döse ich ein und sehe mich im Traum an den Lake Simcoe versetzt.


Der Lake Simcoe

16.15 Uhr Ich öffne die Augen und bemerke, dass sich Sandra mittlerweile am Heimrechner breitgemacht hat. Selbstverständlich blicke ich der Maid über die Schulter und bringe auf Anfrage heraus, dass sie morgen einen Ausflug unternehmen möchte. Ich nicke eifrig und schlage vor, dass wir nach Fort Myers krusen und das „Miromar Outlet Store“ (löblich: Miromar Auslassgeschäft) besuchen könnten. Sandra zeigt sich einverstanden und sagt, dass wir um 9 Uhr losfahren werden – das soll mir Recht sein.
17.00 Uhr Nachdem sich das Kind ins Kino verabschiedet hat, schiebe ich eine Pizza ins vorgeheizte Ofenrohr und serviere Dixon eine stattliche Portion Trockenfutter. Ausserdem zaubere ich einen Beilagensalat und beschalle die kleine Villa mit prima Dolly Parton Musik – was kann es schöneres geben.
18.00 Uhr Nach der Mahlzeit lasse ich die Seele im Wohnzimmer baumeln. Wie es sich für einen interessierten Rentner gehört, fröne ich den FOX Nachrichten und mache mich über die politischen Geschehnisse in der Welt schlau.
18.45 Uhr Weil keine brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, wechsle ich auf HBO und gebe mich der preisgekrönten Eigenproduktion „The Leftovers“ aus dem Jahre 2014 hin. Ich staune nicht schlecht und werde Zeuge, wie eines Tages zwei Prozent der Weltbevölkerung spurlos verschwindet – wie unlöblich.
21.00 Uhr Nach der zweiten Episoden schalte ich den Flachbildschirm kopfschüttelnd aus und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt verschliesse ich sämtliche Türen und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.