2. Oktober 2017 – Nur Ärger mit Sandra

08.00 Uhr Die 40. Woche des Jahres bricht an und ich rolle mich ausgeschlafen aus dem Bett. Als ich mir den Morgenmantel überwerfe, vernehme ich plötzlich eigenartige Geräusche aus der Küche. Natürlich sehe ich augenblicklich nach dem Rechten und werde Zeuge, wie sich Sandra ungeniert aus dem Kühlschrank bedient. Darüber hinaus plappert das Kind ohne Unterlass und beteuert, dass es während der Nacht geschwitzt hat. Ich nicke eifrig und rate dem Mädchen, den Schalter neben der Türe zu betätigen und die Klimaanlage einzuschalten.
08.30 Uhr Als ich kopfschüttelnd auf die Terrasse eile und meine Glieder lockere, kommt Frau Pontecorvo daher und möchte wissen, ob sich mein Hausgast gut eingelebt hat. Ich schüttle den Kopf und entgegne, dass Sandra mit dem falschen Bein aufgestanden ist und kaum zu ertragen ist. Meine Nachbarin beruhigt mich redlichst und nimmt sich das Recht heraus, Sandra beim Kaffeekochen beizustehen. Währenddessen ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln – das tut gut.


Sandra raubt mir den letzten Nerv

09.30 Uhr Wenig später kehre ich in die Küche zurück und treffe Sandra und Frau Pontecorvo tratschend am Tisch an. Natürlich setze ich mich dazu und bemerke, dass die Weibsbilder nicht nur das Toast (löblich: Weissbrot) sondern auch den Cheddarkäse aufgefressen haben. Trotz alledem bleibe ich freundlich und frage Sandra, ob sie zum Strand krusen möchte. Meine Tischnachbarin willigt prompt ein und meint, dass wir vorher zum Supermarkt fahren könnten – das hat gerade noch gefehlt.
10.15 Uhr Nach der wichtigsten Mahlzeit des Tages verabschieden wir Frau Pontecorvo und fassen den Entschluss, im WAL MART Lebensmittel zu besorgen. Sandra hüpft in ihrem roten Strandkleid aufgeregt auf und ab und meint, dass sie mich barfuss zur Markthalle begleiten wird. Ferner erzählt meine Mieterin, dass sich in Las Vegas ein verheerender Terroranschlag ereignet hat. Um der Sache auf den Grund zu gehen, schalte ich den Fernseher ein und lerne, dass ein 64jähriger Rentner in der „Stadt der Sünde“ wild um sich geschossen und 50 Besucher eines Musikfestivals ermordet hat. Ich fahre mir entsetzt durchs Haare und bin mir sicher, dass der Täter unter dem Einfluss von gefährlichen Drogen stand.

11.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise im Chevrolet erreichen wir den WAL MART Supercenter am Juliet Boulevard und ich berichte, dass zahlreiche Supermärkte nach dem verheerenden Hurrikan Irma geschlossen blieben. In diesem Zusammenhang deute ich in Richtung eines grimmig dreinschauenden Puertoricaners und lege anschaulich dar, dass Ganoven den Tropensturm zum Anlass nahmen, um in verbarrikadierte Geschäfte einzubrechen. Sandra macht grosse Augen und schimpft, weil der Strassenbelag viel zu heiss ist – papperlapapp.


Während des Hurrikans Irma wurde geplündert

11.45 Uhr Während des Schoppingvergnügens stösst sich die Maid den grossen Zeh an einem Regal und meint, dass wir schnellstmöglich zum Auto zurückkehren sollten. Um mich nicht ärgern zu müssen, lotse ich das Kind zu einem Regal mit Gartenlatschen und ermutige es, ein Paar GLOGS auszusuchen. Nach kurzem Zögern kommt Sandra dem Ratschlag nach und sagt, dass sie sich in diesen Schuhen kaum in der Öffentlichkeit zeigen kann – jaja.
12.15 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten verlassen wir den Supermarkt mit prallgefüllten Tüten. Ich verlade die Waren skeptisch ins Auto und steuere im Anschluss eine SUBWAY Gaststätte an. Weil mein Magen knurrt, schlendere ich an Sandras Seite in die Wirtschaft und ordere ein grosses Schinkenbrot mit Gurke. Meine Begleiterin nimmt das Essensangebot ganz genau in Augenschein und wählt schlussendlich ein vegetarisches Brot mit Gemüse.
13.00 Uhr Kurze Zeit später erreichen wir den „Clam Pass Park“ und bescheren dem Vierbeiner etwas Auslauf. Ferner folgen wir dem Strandweg zum azurblauen Golf und haben sogar das grosse Glück, einen eleganten Silberreiher im kniehohen Gestrüpp zu sehen.


Wir blicken auf das Meer

13.30 Uhr Während wir uns auf eine Bank setzen und auf das Wasser spähen, kommt Sandra auf den Abend zu sprechen und erzählt, dass sie von John Avanzatti zum Essen eingeladen wurde. Ich spitze neugierig die Ohren und bringe heraus, dass sich die jungen Leute die Bäuche im „Sushi One“ (löblich: Sushi Eins) vollschlagen wollen. Selbstverständlich winke ich schnell ab und gebe zu Protokoll, dass ich keinen rohen Fisch esse und zuhause bleiben werde.
14.15 Uhr Da die Sonne unbarmherzlich vom Himmel brennt und die Mosquitos um unsere Köpfe herumschwirren, brechen wir unsere Zelte am Meer ab und laufen zum Auto zurück. Ruckzuck helfe ich Dixon in den Laderaum und bitte Sandra, mich sicher in den Willoughby Drive zurück zu bringen.


Mein Zuhause unter Palmen

15.00 Uhr Zuhause angekommen, trage ich die Einkaufstüten in die Küche und zögere nicht, den zum Himmel stinkenden Porree in den Mülleimer zu stecken. Sandra schimpft wie ein Rohrspatz und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass sie Morgen eine kräftige Lauchsuppe zaubern wollte. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und flunkere, dass die Lauchstangen verschimmelt waren. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, stibitze ich mir ein Budweiser aus dem Eiskasten und mache es mir bierschlürfend auf dem Sofa gemütlich.


Lauch – Pfui Teufel

16.00 Uhr Sechzig Minuten später erwache ich redlichst ausgeruht und sehe, wie Sandra ihre Nase in den TV GUIDE (löblich: Fernsehführer) steckt. Darüber hinaus erfahre ich, dass morgen eine neue Serie namens „The Mayor“ auf ABC anlaufen wird. Ich zucke mit den Schultern und begebe mich in den Garten, um Dixon einen Tennisball zuzuwerfen. Ausserdem stelle ich den Rasensprenger ein und halte mit Herrn Booth ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk). Mein Nachbar kommt aus dem Schimpfen gar nicht mehr heraus und behauptet, dass Hund Dixon in seinem Rosenbeet gebuddelt hat – was muss ich denn noch alles ertragen.
17.00 Uhr Als ich mich in der Küche nützlich mache und Langnudeln mit Pesto zubereite, bimmelt es an der Türe. Ich öffne die Pforte und treffe Herrn Avanzatti in einem schicken Anzug vor der kleinen Villa an. Bevor ich mich versehe, flitzt Sandra an mir vorbei und sagt, dass sie gegen Mitternacht zurück sein wird – das ist mir Wurst.


Ich beisse kraftvoll zu

18.00 Uhr Ein langer und nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Um endlich zur Ruhe zu kommen, schalte ich die Glotze ein und gebe mich den FOX Abendnachrichten hin. Aus erster Hand informiere ich mich über den Terrorschützen, der in Las Vegas um sich geschossen hat und bringe heraus, dass mittlerweile 58 Menschen gestorben sind – das ist ja kaum zu glauben.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: Besten Sendezeit) fröne ich dem NETFLIX Programm und schaue mir das Fernsehspiel „The Deuce“ an. Die Dramaserie ist in den späten 1970er Jahren angesiedelt und zeigt den Aufstieg der amerikanischen Sexindustrie – wie unlöblich.
21.00 Uhr Nach der zweiten Episode beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.