11. Juli 2017 – Ein Krustenbraten zum Abschied

08.00 Uhr Erfrischt und voller Vorfreude auf den anstehenden Tag rolle ich mich aus dem Bett. Wie es sich gehört, stelle ich die Musikanlage ein und beschalle die kleine Villa mit prima George Strait Klängen. Danach werfe ich mir meinen rotseidenen Morgenmantel über und absolviere auf der schattigen Terrasse den Frühsport.
08.30 Uhr Vor der Ertüchtigung nehme ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb und lasse Hund Dixon wissen, dass wir gleich frühstücken werden. Der Rüde leckt sich die Lefzen und hüpft ausgelassen auf das Kanapee, um einen zwischen den Kissen versteckten Kauknochen hervorzuholen – das ist ja allerhand.


Dixons Kauknochen

09.00 Uhr Während ich mich ordentlich wasche, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu meiner Freude meldet sich Maria in der Leitung und lädt mich zum Mittagessen in den Lowbank Drive ein. Darüber hinaus erfahre ich, dass die lieben Menschen am morgigen Tag gegen 7 Uhr zum Flughafen nach Miami krusen müssen. Ich nicke eifrig und entgegne, dass es mir eine Freude sein wird, den Schoffeur zu spielen. Meine Schwägerin bedankt sich artig und sagt, dass sie nun Edelbert anrufen wird – das soll mir auch Recht sein.
10.00 Uhr Sechzig Minuten später schlendere ich frisch in Schale geworfen in die Küche und richte auf einem schweren Silbertablett eine Karaffe mit köstlichem Orangensaft, zwei Schokoladencroissants aus dem PUBLIX Supermarkt sowie eine Schale mit gezuckerten Erdbeeren an. Im Anschluss trage ich das Tablett ins Wohnzimmer und ringe mich während der Mahlzeit dazu durch, lustige Geschenke für meine Liebsten in Kanada zu besorgen – da kommt besonders grosse Freude auf.
10.30 Uhr Wenig später pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und erkundigt sich, ob es mir gut geht. Die Perle erinnert an den gestrigen Zeckenbiss und unkt, dass ich mir womöglich doch eine Infektionskrankheit eingefangen habe. Selbstverständlich winke ich gelangweilt ab und erkläre der kleinen Frau, dass ich nun zum WAL MART krusen und Präsente für die Kinder besorgen muss. Mein Hausgast freut sich und kündigt an, mich kurzerhand zu begleiten – das kann ja heiter werden.


Wir schoppen bei WAL MART

11.00 Uhr Endlich sitzen wir im Chevrolet und gleiten mit Hund Dixon zum fünf Meilen entfernten Supercenter. Während Josh Turner im Radio ein belangloses Lied trällert, folge ich der Immokalee Road gen Osten und informiere, dass ich James, Amanda und David sehr vermisse. Meine Begleiterin zeigt Verständnis und legt mir nahe, einen Flug in den hohen Norden zu buchen. Ich schüttle jedoch den Kopf und erinnere daran, dass ich ein armer Rentner bin und mir diesen Luxus nicht leisten kann – wie traurig.
11.30 Uhr Schnaufend betreten wir das Kaufhaus und schicken uns an, die hauseigene Musikabteilung zu besuchen. Ich fackle nicht lange und wähle die exklusiv bei Wal Mart erhältliche “The Alan Jackson Story” (löblich: Die Alan Jackson Geschichte) aus. Anschliessend begeben wir uns zur Kleiderabteilung und fassen den Entschluss, für Amanda und David farbenfrohe Badetücher auszuwählen. Ich schnippe mit den Fingern und erkläre meiner Nachbarin, dass die jungen Leute derzeit ihren wohlverdienten Sommerurlaub am Lake Simcoe verbringen.


The Alan Jackson Story

12.15 Uhr Kurz nach dem Zwölfuhrläuten sitzen wir wieder im PS-strotzenden SUV und rasen ohne Umwege zum Ferienhaus meiner Verwandten. Frau Pontecorvo legt währenddessen beste Laune an den Tag und vermutet, dass Maria zur Feier des Tages ein besonders schmackhaftes Mittagessen auf den Tisch bringen wird – wie aufregend.
12.45 Uhr Überpünktlich erreichen wir unser Ziel und haben die Ehre, nicht nur Edelbert, sondern auch Herrn Wang begrüssen zu können. Ruckzuck nehmen wir am festlich gedeckten Esstisch Platz und werden von meiner Schwägerin mit einem bayerischen Krustenbraten und ausgemachten Serviettenknödeln überrascht. Die Meisterköchin wischt sich demonstrativ über die Stirn und rechnet vor, dass sie in der Satreales Metzgerei knapp 40 Dollars für zwei Pfund Schweineschulter bezahlen musste – das ist ja allerhand.
13.15 Uhr Trotz der hohen Kosten beissen wir kraftvoll zu und sind einstimmig der Meinung, dass sich Maria wieder einmal selbst übertroffen hat. Edelbert giesst sich etwas Sause über die vitaminreiche Beilage und belehrt, dass Serviettenknödel bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts ausschliesslich in der Tschechoslowakei bekannt waren.
14.00 Uhr Just als Maria Latte Maschinatos und Käsekuchen serviert, präsentiere ich die Mitbringsel aus dem WAL MART und bitte Georg, die Geschenke an die Kinder weiterzureichen. Mein Bruder nickt zustimmend und ruft mich auf, im Laufe des Sommers doch nach Kanada auszufliegen – das werden wir erst noch sehen.


Der Winnebago Travato

15.00 Uhr Wir lassen das Mittagessen mit alkoholfreien Langgetränken (unlöblich: Longdrinks) am Schwimmbecken ausklingen und tratschen über dies und das. Natürlich lässt Georg seinen mehrwöchigen Floridaaufenthalt noch einmal Revue passieren und unterbreitet, dass es eine Gaudi war, mit dem WINNEBAGO TRAVATO die Umgebung zu erkunden. Darüber hinaus vernehmen wir, dass die lieben Leute im Spätherbst wiederkommen und das Weihnachtsfest im Sonnenscheinstaat erleben wollen – das hört man gerne.
16.00 Uhr Zurück im Willoughby Drive, hauche ich der Pontecorvo ein Bussi auf die Wange und ziehe mich in die gute Stube zurück. Nachdem ich Dixons Napf mit Futter aufgefüllt habe, falle ich aufs Sofa und schliesse die Augen.
17.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und mache es mir zur Aufgabe, Nudeln aufzukochen und einen Salat anzurichten. Nach wenigen Minuten gebe ich die Teigwaren in eine Pfanne und zaubere im Handumdrehen “Spaghetti Aglio e Olio” (löblich: Langnudeln mit Knoblauch und Olivenöl) – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

18.00 Uhr Nach dem Schmaus gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über und gebe mich dem Amazon Programm hin. Ruckzuck navigiere ich durch das Videoangebot und fröne dem oscarprämierten Meisterwerk “Manchester by the Sea”. Das amerikanische Drama erzählt aus dem Leben eines Hausmeisters, dessen Bruder ganz überraschend an einer Herzschwäche stirbt – wie traurig.
20.30 Uhr Zweieinhalb Stunden später flimmert der Abspann über die Mattscheibe und ich betätige nachdenklich den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der neumodernen Fernbedienung. Danach rufe ich den Vierbeiner ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.