5. Juli 2017 – Nach dem Independence Day

08.00 Uhr Der Radiowecker klingelt und ich habe mit schrecklichen Kopfschmerzen zu kämpfen. Weil auch meine Kehle ganz ausgetrocknet ist, stehe ich umgehend auf und fülle ein Tom-Collins Glas mit durstlöschender Diät Cola auf. Danach lasse ich mich im Ohrensessel nieder und erkläre Hund Dixon, dass ich gestern zu viel getrunken habe. Der Vierbeiner stellt prompt seine Ohren auf und schlendert mit wedelnder Rute zur Terrassentüre.


Ich lasse mir eine Diät Cola schmecken

08.30 Uhr Nachdem ich die Pforte geöffnet und dem Haustier einen Kauknochen ins Maul gesteckt habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen.
09.00 Uhr Dummerweise wird die Ruhe wenig später durch schrilles Telefonläuten unterbrochen. Zu meiner Freude meldet sich Maria in der Leitung und gibt zu Protokoll, dass Georg immer noch im Reich der Träume verweilt. Ich gähne ausgiebig und erwidere, dass die gestrige Independence Feier völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Meine Schwägerin gibt mir Recht und mutmasst, dass ich ebenfalls einen Kater habe – das kann man laut sagen.
09.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, in der Nasszelle zu verschwinden und die Seele bei einem Wirbelbad baumeln zu lassen. Wie es sich gehört, schwinge ich auch den Nassrasierer und rücke den Bartstoppeln zu Leibe.
10.30 Uhr Gegen halb Elf schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und ringe mich dazu durch, die wichtigste Mahlzeit des Tages ausnahmsweise sausen zu lassen. Stattdessen giesse ich mir eine weitere Cola ein und spüle meinen Hals auf der Terrasse mit kräftigen Schlucken durch – das tut gut.


Frau Melody stammt aus dem Grossen Apfel

10.45 Uhr Just als ich es mir in der Hollywoodschaukel bequem mache, werde ich auf eine brünette Schönheit im Nachbarsgarten aufmerksam. Natürlich winke ich dem feschen Hasen freundlich zu und komme zu dem Schluss, dass es sich hierbei um Herrn Booths Nichte Melody handelt. Die 33jährige wünscht mir einen schönen Morgen und erzählt, dass sie sich seit Montag im Sonnenscheinstaat aufhält und bis August bleiben wird. Darüber hinaus bringe ich heraus, dass die aus New York stammende Karikaturistin ihren Urlaub zum Anlass nehmen wird, um Freunde in Miami zu treffen und an Zeichnungen zu feilen. Ich schnalze mit der Zunge und lege der Maid nahe, sich nicht zu lange in der Sonne zu aalen. Danach mache ich kehrt und bette mich in der Schaukel zur Ruhe.
11.30 Uhr Während Dixon mit dem Nachbarshund am Teich spielt, blättere ich in der Zeitung und lerne, dass sich in zwei Tagen Abraham Lincolns Ermordung zum 207 mal jährt. Ich überfliege den Bericht mit grossem Interesse und erfahre ausserdem, dass der im Collier County lebende Regisseur Stephen Spielberg seit vielen Jahren mit der Idee spielt, den Mordanschlag durch John Wilkes Booth auf die grosse Kinoleinwand zu bringen – das hört man gerne.
12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten trifft Edelbert in der kleinen Villa ein. Mein Bekannter gibt sich deprimiert und beteuert, dass er am Morgen ebenfalls mit hämmernden Kopfschmerzen zu kämpfen hatte. Ich nicke eifrig und nehme mir das Recht heraus, zwei Coladosen aus dem Kühlschrank zu holen und dem Professor redlichst zuzuprosten. Ferner richte ich vitaminreiche Wurstbrote an und ermutige Edelbert, sich eine Stulle schmecken zu lassen. Der schlaue Mann lässt sich nicht zweimal bitten und meint, dass er ab sofort dem Alkohol abschwören wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und mache auf den Umstand aufmerksam, dass wir gestern nicht nur fünf Flaschen Wein und drei Sechserpacks Budweiser, sondern auch eine Halbe Flasche Bourbon getrunken haben.


Das Bier floss in Strömen

13.00 Uhr Wir beenden die Brotzeit und entschliessen uns, nach Dixon zu sehen. Während wir zum Teich spazieren, deutet Edelbert plötzlich zum Nachbarsgarten und freut sich, Frau Melody wiederzusehen. Bevor ich mich versehe, zückt der gute Mann sein Telefon und knipst ungeniert ein Foto. Ich strafe den Professor mit skeptischen Blicken ab und stelle klar, dass es sich nicht gehört, ein Weibsbild beim Sonnenbaden zu knipsen.
13.30 Uhr Nachdem sich Prof. Kuhn zum Auto verabschiedet hat, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und schaue etwas fern. Unter anderem sehe ich mir die Wiederholung der gestrigen “Big Brother” (löblich: Grosser Bruder) Sendung auf CBS an und ärgere mich über die dummdreisten Protagonisten – gleich platzt mir der Kragen.
14.30 Uhr Um nicht ganz zu verblöden, schalte ich den modernen Flachbildschirm aus und ziehe es vor, die Augen zu schliessen und etwas zu dösen.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und beschalle mein Zuhause mit prima George Strait Musik. Zudem rufe ich bei Frau Pontecorvo an und vernehme, dass die Dame bis zum Sonntag in Jacksonville bleiben wird – wie schön.
16.00 Uhr Nachdem ich der Perle viel Vergnügen gewünscht habe, beende ich das Gespräch und arbeite etwas im Garten. Ausserdem werfe ich Dixon einen Tennisball zu und fordere ihn auf, selbständig Gassi zu gehen.


Dixon spielt mit einem Tennisball

17.00 Uhr Nach der schweisstreibenden Gartenarbeit kehre ich ins kühle Haus zurück und kümmere mich um das Abendessen. Da ich noch immer keinen grossen Hunger habe, nehme ich mit einer im Ofen aufgebackenen Thunfischpizza Vorlieb. Dazu gibt es einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen.
18.00 Uhr Ein besonders nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Zu guter Letzt sorge ich in der Küche für Ordnung und rufe dann Dixon ins Haus. Da ich stets auf dem Laufenden bleiben muss, fröne ich im Anschluss den Nachrichten auf FOX und mache mich über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt schlau.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit gesellt sich Dixon zu mir aufs Sofa und gibt sich an meiner Seite dem amerikanischen Märchenfilm “Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children” (auf deutsch: Die Insel der besonderen Kinder) hin. Während ich gesunde Maischips (unlöblich: Nachos) knabbere, werde ich Zeuge, wie ein unterbelichteter Jugendlicher (16) mit seinem Vater nach Wales reist, um das Waisenhaus zu besuchen, in dem sein verstorbener Opa viele Jahre gelebt hat – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Kopfschüttelnd beende ich den Fernsehabend und begleite den Vierbeiner noch einmal in den Garten. Danach reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.