16. Juni 2017 – Kein Rabatt für Prominente

08.00 Uhr Dixon stürmt ans Bett und animiert mich, endlich aufzustehen. Ich rolle mich sportlich aus dem Wasserbett und trete auf ein quietschendes Hundespielzeug. Natürlich erhebe ich sogleich den Zeigefinger und halte den Rüden an, seine Sachen nicht im ganzen Haus zu verteilen. Danach öffne ich die Terrassentüre und bemerke, dass auch heute die Sonne vom Himmel brennt und für Rekordtemperaturen sorgt. Ich wische mir über die Stirn und entschliesse mich, die Morgengymnastik ausnahmsweise sausen zu lassen.


Meine Schwarzbeere

08.30 Uhr Als ich die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln lasse, greife ich kurzentschlossen zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe bei meinen Verwandten an. Weil sich keiner meldet, tippe ich spornstreichs die Handtelefonnummer meines Bruders ins Tastenfeld ein und bringe heraus, dass die lieben Menschen ein Spa (löblich: Schönheitsfarm) im Norden der Stadt besuchen. Meine Schwägerin ist ganz aus dem Häuschen und kündigt an, dass sie den Tag in einem Whirlpool (löblich: Wirbelbecken) verbringen wird.
09.30 Uhr Achselzuckend betätige ich den „Anruf beenden“ Knopf und nehme mir das Recht heraus, aus der Wanne zu steigen und das Frühstück einzunehmen. Währenddessen spiele ich mit der Idee, zum Supermarkt zu krusen und Getränke zu besuchen. Da irgendwer die schweren Einkaufstüten schleppen muss, kontaktiere ich den Professor und merke an, dass ich gegen 11 Uhr im „Publix“ sein werde. Der schlaue Mann freut sich und verspricht, zur besagten Zeit vor Ort zu sein – das hört man gerne.
10.15 Uhr Nachdem ich Dixon gefüttert und die Geschirrspülmaschine in Betrieb genommen habe, scheuche ich den Vierbeiner zum Auto, um zur fünf Meilen entfernten Markthalle zu rasen – wie aufregend.
11.00 Uhr Am Ziel angekommen, schüttle ich Edelberts Hand und mache es mir zur Aufgabe, einer tattrigen Seniorin einen Einkaufswagen streitig. Anschliessend schlendern wir lachend durch die breiten Gänge und kommen überein, dass die alte Schachtel zu Hause bleiben sollte. Edelbert legt beste Laune an den Tag und verfrachtet neben Hackfleisch, Schokoladenplätzchen und frischem Obst, ausserdem etliche Sechserpacks Budweiser sowie zwei Kartons „Cinnamon Flakes“ (löblich: Zimt Flocken) in den Wagen. Darüber hinaus verrät Edelbert, dass die Frühstückszerealien sehr vitaminreich sind – das hört man gerne.


Zimt Flocken schmecken prima

12.00 Uhr Nach einer Stunde streben wir zum Ausgang und werden von einer besonders unfreundlichen Kassiererin angehalten, insgesamt 97 Dollars für die Lebensmittel zu bezahlen. Ich zwinkere der Marktmitarbeiterin zu und verrate, dass ich ein Prominenter bin und 50% Rabatt haben möchte. Leider glaubt mir die übergewichtige Dame kein Wort und animiert mich, die Rechnung per Kreditkarte oder in Bar zu bezahlen – wie unlöblich.
12.30 Uhr Nachdem Edelbert die schweren Tüten zu den Autos geschleppt hat, kehren wir mit Hund Dixon im Schlepptau in die benachbarte „Dairy Queen“ (löblich: Molkerei Königin) Gaststätte ein. Fix und foxi werden wir an der Essensausgabe vorstellig und order zwei XXL Becher Diät Cola sowie schmackhafte Käseburger – das tut gut.


Die Beatles – Seargant Pepper

13.15 Uhr Mit vollem Magen verlasse ich die Wirtschaft und wünsche dem Professor einen angenehmen Nachmittag. Im Anschluss hüpfe ich winkend in den PS-strotzenden SUV und gleite radiohörend in Richtung Willoughby Drive davon. Unter anderem lausche ich einem Schlag (unlöblich: Hit) der Beatles und lerne, dass das Studioalbum „Seargant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ vor mittlerweile 50 Jahren veröffentlicht wurde. Ich kratze mich nachdenklich an der Schläfe und erinnere mich, dass das Lied „When I’m Sixty-Four“ (löblich: Wenn ich 64 bin) in Deutschland ein ganz grosser Erfolg war – wie schön.

14.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, räume ich die Lebensmittel in den Kühlschrank und bette mich dann auf dem Wohnzimmerkanapee zur Ruhe. Schon bald döse ich ein und sehe mich im Traum in den goldenen Westen versetzt – die Reise nach Berkeley werde ich so schnell nicht vergessen.
15.00 Uhr Um keine Wurzeln zu schlagen, setze ich mich nach dem Päuschen an den Schreibtisch und rufe Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter ab. Unter anderem klagt mir ein alleinerziehender Vater aus Nürnberg sein Leid und berichtet, dass sein Sohn Finn (14) Heimrechnerspielen verfallen ist und sich seine Freizeit mit dem virtuellen Mörderspiel „Pac Man“ vertreibt. Ich mache grosse Augen und rate Herrn F., schnellstmöglich mit dem Jugendamt in Kontakt zu treten – wo kämen wir denn da hin.
16.00 Uhr Vogelzeigend gehe ich von der Leine und eile mit Dixon in den Garten, um etwas Ball zu spielen. Leider wird die Ruhe bald durch Frau Pontecorvo gestört. Die Perle plappert ohne Unterlass und sagt, dass sie gleich Freundinnen in der Stadt treffen wird. Zu allem Überfluss lädt mich die Dame auch noch ins Lichtspielhaus ein. Selbstverständlich lehne ich dankend ab und gebe vor, einen wichtigen Termin im Kalender stehen zu haben.


Die Petersilie wächst

17.00 Uhr Nachdem ich die hochgewachsene Petersilie mit Wasser versorgt habe, rufe ich noch einmal im Ferienhaus an und registriere, dass meine Verwandten immer noch nicht zurück sind. Ich seufze laut und begebe mich in die Küche, um italienische Langnudeln mit Tomatensauce vorzubereiten. Ausserdem verzehre ich zum Abendessen einen Beilagensalat mit Fetakäse und Oliven – das schmeckt.
18.00 Uhr Nach dem Nachmahl lasse ich im Wohnzimmer die Seele baumeln und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Ich informiere mich über die aktuellen Geschehnisse in der Welt und bringe heraus, dass strenggläubige Muslime nun auch auf den Philippinen mobil machen und die Regierung stürzen wollen – wie schrecklich.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf den Bezahlkanal HBO und fröne der aufschlussreichen Dokumentation „Exit Through The Gift Shop“ (löblich: Ausgang durch den Andenkenladen), der auf amüsante Art und Weise das Treiben zwielichtiger Künstler beleuchtet.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Fernsehvergnügen schalte ich den neumodernen Flachbildschirm aus und lösche sämtliche Lichter. Danach wünsche ich Dixon angenehme Träume und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.