14. Juni 2017 – Moraya Bay Beach Tower

08.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und läute den vierzehnten Tag des Brachmonats Juni mit der Morgengymnastik ein. Als ich den Hampelmann absolviere und das Lied „Halleluja“ des weltbekannten Sängers Jeff Buckley lausche, kommt Frau Pontecorvo daher und klagt über Bauchschmerzen. Ich mustere die Perle skeptisch und bringe heraus, dass sie gestern mit Freundinnen ein indisches Lokal besucht hat. Selbstverständlich schlage ich sogleich die Hände über dem Kopf zusammen und informiere, dass die Turbanträger mit ranzigem Fett kochen. Darüber hinaus rate ich meiner Nachbarin, sich schleunigst ins Bett zu verkriechen.

08.30 Uhr Nachdem sich die kleine Frau verabschiedet hat, kehre ich ins klimatisierte Haus zurück und freue mich, als plötzlich Frau Gomez die Haustüre aufstösst. Ich begrüsse die mexikanische Putzfrau überschwänglich und bitte sie, Staub zu wischen und Wäsche zu waschen – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
09.00 Uhr Anschliessend stecke ich Hund Dixon einen Kauknochen ins Maul und ziehe mich ins Bad zurück, um die Wirbelwanne mit lauwarmen Wasser volllaufen zu lassen – da kommt besonders grosse Freude auf.
10.00 Uhr Nach dem Badespass werfe ich mich in Schale und nehme mir das Recht heraus, die wichtigste Mahlzeit des Tages auf der schattigen Terrasse einzunehmen. Ausserdem blättere ich wissbegierig in der Tageszeitung und erfahre, dass am gestrigen Abend der berüchtigte amerikanische Krawallmusiker Ted Nugent im örtlichen „Southwest Florida Performing Arts Center“ aufgespielt hat – wie unlöblich.
10.30 Uhr Just als ich die „Naples Daily News“ (löblich: Naples tägliche Nachrichten) beiseite lege, fährt der JEEP meiner Verwandten vor. Georg und Maria legen beste Laune an den Tag und fordern mich auf, mit an den Strand zu kommen. Ich fackle nicht lange und entgegne, dass es ein Vergnügen werden wird, unsere Füsse im kühlen Nass zu baden. Bevor ich jedoch aufbreche, bürste ich Dixons krauses Fell und vergesse auch nicht, Frau Gomes etwas Kleingeld für ihre Dienste zuzustecken.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten lotse ich den Vierbeiner zum JEEP und vernehme, dass wir zum Delnor Wiggins Park rasen und das Mittagessen im Restaurant des „Moraya Bay Beach Towers“ einnehmen werden. Ich schnalze zufrieden mit der Zunge und lasse es mir nicht nehmen, Dixon auf die Ladefläche zu helfen. Im Anschluss preschen wir mit quietschenden Pneus von dannen und lauschen dem Qualitätsradioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – das macht Spass.


Katze Land – der beste Radiosender

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, treffen wir am Ziel ein und schicken uns an, einen erquickenden Spaziergang entlang des azurblauen Wassers zu unternehmen. Da Dixon ganz unruhig ist, lasse ich ihn von der Leine und animiere ihn, die kreischenden Möwen zu verjagen.

12.45 Uhr Fünfundvierzig Minuten später stehen wir vor dem neugebauten „Moraya Bay Beach Tower“ und erfahren beim Blick auf eine Informationstafel, dass in diesem Turm 72 luxuriöse Appartements, zwei Spitzenlokale sowie diverse Geschäfte untergebracht sind. Georg nimmt den Prachtbau beeindruckt in Augenschein und mutmasst, dass die Wohnungen nicht unter einer Million veräussert wurden. Ich wische mir die Schweissperlen von der Stirn und folge meinen Verwandten spornstreichs in das einladende Restaurant mit Meerblick, wo wir von einer freundlichen Kellnerin mit süffigem Tafelwasser begrüsst werden – wie schön.
13.15 Uhr Weil unsere Mägen knurren, nehmen wir die Tageskarten in Augenschein und entschliessen uns, vitaminreiche „Red Snapper“ (löblich: Rote Schnapper) Menüs mit Saisongemüse, Kartoffeln und Salate zu ordern. Dazu gibt es frischgepressten Orangensaft mit einem Schuss Aperol – schmeckt gar nicht schlecht.
13.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und unsere Kehlen ölen, kommt Georg auf morgen zu sprechen und erinnert, dass am Donnerstag Fronleichnam gefeiert wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und antworte, dass wir nach dem Frühstück die Kirche besuchen und anschliessend in den Zoo gehen sollten. Maria ist hellauf begeistert und stibitzt sich eine Karotte von meinem Teller – was muss ich denn noch alles ertragen.


Wir beissen kraftvoll zu

14.30 Uhr Nachdem wir die Mahlzeit mit Apfelkuchen abgerundet haben, laufen wir zum Auto zurück. Währenddessen werfe ich Dixon ein Stöckchen zu und telefoniere mit Edelbert. Selbstverständlich lade ich meinen Bekannten für Morgen in die Kirche ein und lasse ihn wissen, dass wir anschliessend in den Zoo gehen werden.
15.15 Uhr Fix und foxi hüpfe ich auf den Rücksitz des nachtschwarzen Geländewagens und bitte meinen Bruder, mich schnellstmöglich in den Willoughby Drive zurück zu bringen.
16.00 Uhr Zuhause angekommen, schlüpfe ich schnaufend aus den Flip Flops und fülle Dixons Näpfe mit Trockenfutter sowie Wasser auf. Danach falle ich erschöpft aufs Kanapee und döse schnell ein.
17.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und schenke mir ein kühles Bier ein. Ferner mache ich mich in der Küche nützlich und bereite das Nachtmahl vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, nehme ich mit mehreren Wurstbroten sowie Gewürzgurken aus dem Glas Vorlieb.
18.00 Uhr Nach der Stärkung schalte ich die Glotze ein und mache mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt schlau. Unter anderem wird über den Konföderations-Pokal berichtet und ich lerne, dass sich die Deutsche Fussballnationalmannschaft vom 17. Juni bis zum 2. Juli mit Australien, Chile, Mexiko, Neuseeland, Portugal, Kamerun und dem Gastgeber Russland messen wird – wie langweilig.

19.00 Uhr Da keine weiteren brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, versüsse ich mir den Abend mit dem NETFLIX Programm und gebe mich der Komödie „War Machine“ (löblich: Kriegsmaschine) hin. Ich lache lauthals los und werde Zeuge, wie ein hochdekorierter General nach Afghanistan entsandt wird, um das Kommando über die amerikanischen Truppen zu übernehmen.
21.00 Uhr Zwei Stunden später flimmert der Abspann über die Mattscheibe und ich fische mir den letzten Kartoffelchip aus der Tüte. Anschliessend verschliesse ich die Haustüre sorgsam und lege mich schlafen. Gute Nacht.