20. April 2017 – Rubin Carter

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Sehr verehrter Leser,

in meinem heutigen Tagebucheintrag möchte ich an den dunkelhäutigen Mittelgewichtsboxer Rubin Carter erinnern.

Wie jeder amerikanischer Staatsbürger weiss, erblickte der gute Mann am 6. Mai 1937 in der Kleinstadt Clifton in New Jersey das Licht der Welt. Zwischen 1961 und 1966 war er als Boxprofi aktiv und bestritt 40 Kämpfe, von denen er 27 gewinnen konnte. Anno 1964 stellte sich Herr Carter sogar einem Titelkampf gegen den WBA- und WBC Champion Joey Giardello und verlor knapp nach Punkten.

Zwei Jahre später wurde er von der Bundespolizei wegen Mordverdachts festgenommen und vor ein Gericht gestellt. Während der Verhandlung wurden er und sein Freund John Artis wegen Mordes an drei Weissen für schuldig befunden und von den Geschworenen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Obgleich er in Revision ging, wurde der Schuldspruch in einem zweiten Prozess im Jahre 1976 bestätigt. Erst 1985 stellte das Bundesgericht fest, dass Herr Carter durch fragwürdige Zeugenaussagen verurteilt wurde. Da den Behörden ausserdem „grobe Verfahrensverstösse“ nachgewiesen werden konnten, wurde Rubin Carter mit sofortiger Wirkung aus der Haft entlassen.

Der Fall des Rubin Carter, der fast zwanzig Jahre unschuldig im Gefängnis sass, ging als einer der grössten Justizskandale in die amerikanische Geschichte ein. Daraufhin gründete Rubin Carter die „Association in Defense of the Wrongfully Convicted“ (löblich: „Vereinigung zur Verteidigung der zu Unrecht Verurteilten) und schrieb es sich auf die Fahnen, sich für zu Unrecht Verurteilte einzusetzen. In Folge dessen wurde ihm anno 1993 der Weltmeisterschaftsgürtel der WBC überreicht.

Natürlich wurde Rubin Carters Kampf gegen die amerikanische Justiz verfilmt.
Die im Jahre 1999 entstandene Filmbiografie „Hurricane“ erntete hervorragende Kritiken und wurde mit einem „Silbernen Bären“ sowie einem „Golden Globe“ ausgezeichnet.

Rubin Carter starb am 20. April 2014 im Alter von 76 Jahren an der Folgen einer heimtückischen Krebserkrankung.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg