19. April 2017 – Bald fliegen wir nach Kalifornien

08.00 Uhr Auch heute lacht die Sonne vom Himmel und ich läute den sechzehnten Mittwoch des Jahres mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Weil ich ein rüstiger Rentner bin und auf perfektes Aussehen grössten Wert lege, absolviere ich etliche Kniebeugel und vergesse auch nicht, ein Rad zu schlagen.
08.30 Uhr Als ich den Rasensprenger in Betrieb nehme, kommt Frau Pontecorvo daher und schimpft, weil ihr FORD MUSTANG Öl verliert. Die Gute legt ihre Stirn in Falten und vertellt, dass sich auf ihrem Garagenboden bereits ein stattlicher Ölfleck gebildet hat. Ich beruhige die Dame redlichst und rate, schnellstmöglich zur Werkstatt zu rasen und einen Fachmann zu Rate zu ziehen – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.


Mein Zuhause unter Palmen

09.00 Uhr Kopfschüttelnd kehre ich in die kleine Villa zurück und telefoniere während des Badevergnügens mit meiner Schwägerin. Maria gibt sich kurzangebunden und plappert davon, dass sie in Bälde in Richtung Key West aufbrechen wird. Ferner bringe ich heraus, dass Georg gerade damit beschäftigt ist, den Ölstand des TRAVATO zu überprüfen und Lebensmittel in den Kühlschrank einzuräumen. Natürlich wünsche ich meinen Verwandten eine schöne Reise und halte sie an, auf den Highways grösste Vorsicht an den Tag zu legen.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten nehme ich am Frühstückstisch Platz und führe mir in Hund Dixons Gesellschaft eine Schüssel mit KELLOGGS Flocken zu Gemüte. Dazu trinke ich echten Bohnenkaffee und lasse es mir nicht nehmen, in der Morgenzeitung zu blättern. Dummerweise bimmelt bald das Telefon und Edelbert bringt einen gemeinsamen Schoppingausflug in den PUBLIX Supermarkt zur Sprache. Ich nehme das Angebot spornstreichs an und lasse den schlauen Mann wissen, dass ich gegen halb 12 vor Ort sein werde.
10.45 Uhr Nachdem ich mich gestärkt habe, räume ich das Geschirr in die Spülmaschine und ziehe es vor, zum Auto zu schlendern. Just in diesem Moment fährt der verrostete Kleinwagen meiner Zugehfrau vor. Ich heisse Frau Gomez herzlich Willkommen und lege ihr nahe, den Vormittag auszunutzen, um den Küchenboden zu wischen und Wäsche zu waschen. Die kleinwüchsige Mexikanerin nickt eifrig und bittet mich, vom Supermarkt Topfschwämme, eine Flasche Allzweckreiniger sowie TIDE Waschmittel mitzubringen.


Der Boden muss gewischt werden

11.15 Uhr Ich komme frühzeitig am Ziel an und bemerke, dass Edelbert noch auf sich warten lässt. Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, nehme ich den Vierbeiner an die Leine und animiere ihn, auf dem Grünstreifen sein Beinchen zu heben. Nebenher beobachte ich eine übergewichtige Rentnerin, die unter grösster Kraftanstrengung einen voll beladenen Einkaufswagen über den Parkplatz schiebt – da kommt besonders grosse Freude auf.
11.30 Uhr Endlich fährt der schneeweisse JEEP meines Bekannten auf den Kundenparkplatz. Ich helfe Dixon auf die Ladefläche und gebe zu Protokoll, dass er während meiner Abwesenheit brav sein muss. Anschliessend folge ich Edelbert in den Flachbau und wähle allerhand Waren des täglichen Bedarfs aus. Zudem verweise ich auf meine Verwandtschaft und stelle klar, dass Georg und Maria bis zum kommenden Wochenende auf Reisen sind. Edelbert schnalzt mit der Zunge und verfrachtet mehrere Sechserpacks Budweiser in den Einkaufswagen.


Ein süffiges Bier darf nicht fehlen

12.30 Uhr Nach einer Stunde werden wir an Kasse Nummer 7 vorstellig und bezahlen die Rechnungen mit unseren praktischen Kreditkarten. Währenddessen legt der Professor beste Laune an den Tag und meint, dass wir nun ins benachbarte Mexikogasthaus einkehren sollten – das ist phantastisch.
13.00 Uhr Nachdem wir die Lebensmittel verstaut haben, suchen wir die angeschlossene Tex Mex Wirtschaft auf und ordern landestypische Speisen. Der vollbärtiger Kellner nimmt die Bestellung mit grimmiger Miene auf und serviert alsbald mit Schweinefleisch gefüllte Tortillas. Darüber hinaus laben wir uns an süffigem Light Beer (löblich: Leicht Bier) sowie farbenfrohen Beilagesalaten – schmeckt gar nicht schlecht.
13.30 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, kommt mein Tischnachbar auf unsere Forschungsreise nach Berkeley zu sprechen und merkt an, dass er mittlerweile mit Herrn Tyrus Boetticher telefoniert und unser Kommen angekündigt hat. Als ich nachfrage, plappert der Professor munter weiter und setzt mich darüber in Kenntnis, dass der 61jährige an der besagten Lehranstalt seit vielen Jahren physikalische Versuche durchführt und ausserdem Präsident der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung ist – wie aufregend.


Wir fliegen bald nach Kalifornien

14.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Rechnung zu begleichen und die Heimfahrt anzutreten. Weil ich die Spendierhosen angezogen habe, fackle ich nicht lange und überlasse dem Kellner kurzerhand mehrere Geldscheine. Danach reiche ich Edelbert die Hand und scheuche Dixon zum PS-strotzenden SUV.
16.00 Uhr Zuhause angekommen, stelle ich die Klimaanlage höher und falle fix und foxi aufs Kanapee. Schon bald döse ich ein und sehe mich im Traum über die Golden Gate Bridge spazieren.
17.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und bemerke, dass es für die Anschnurseelsorge viel zu spät ist. Achselzuckend hole ich mir eine Flasche Budweiser aus dem Eiskasten und mache mich dann in der Küche nützlich. Zu stimmungsvollen WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Klängen richte ich eine kalte Brotzeitplatte mit luftgetrockneter Salami, Capocollo und Cheddarkäse an. Zu guter Letzt lege ich etliche Scheiben Weissbrot dazu und trinke eine weitere Hopfenkaltschale – das tut gut.


Ich beisse kraftvoll zu

18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages sorge ich in der Küche für Sauberkeit und mache es mir dann in der Wohnstube bequem, um mir die Abendnachrichten auf FOX anzuschauen.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit nehme ich mit dem Amazon Angebot Vorlieb und fröne der nagelneuen Serie „Taboo“, die von einem unerschrockenen Forscher erzählt, der nach einem zehnjährigen Afrikaaufenthalt ins London des Jahres 1814 zurückkehrt – wie aufregend.
21.00 Uhr Weil ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, schalte ich die Glotze nach der zweiten Episode aus und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Anschliessend verschliesse ich die Haustüre besonders sicher und lege mich schlafen. Gute Nacht.

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