18. April 2017 – Key West

08.00 Uhr Ich rolle mich gutgelaunt aus dem Bett und nehme mir das Recht heraus, noch vor dem Frühsport ein Osterei zu essen. Danach eile ich zungeschnalzend nach draussen und mache es mir zur Aufgabe, etliche Purzelbäume zu schlagen – was kann es schöneres geben.


Ich esse ein Osterei

08.30 Uhr Während Dixon es vorzieht, an der frischen Luft zu bleiben, kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und gönne mir ein lustiges Wirbelbad. Ausserdem telefoniere ich mit Georg und bringe heraus, dass der gute Mann heute das Wohnmobil waschen und Einkäufe erledigen wird. Mein Bruder freut sich und kündigt grossspurig an, dass er morgen mit Maria nach Key West krusen und dort einige Tage verbringen wird. Weil ich keine Termine im Kalender verzeichnet habe, verspreche ich meinem Verwandten, kurzfristig vorbeizukommen und ihm zu helfen.
09.30 Uhr Nach dem Badevergnügen werfe ich mich in Schale und erkläre dem Vierbeiner, dass wir das Frühstück im Lowbank Drive einnehmen werden. Dixon spitzt sogleich die Ohren und flitzt wie von der Tarantel gestochen zum Auto. Ich lache laut und zögere nicht, ihm auf die Ladefläche zu helfen und mit quietschenden Pneus aus dem beschaulichen Wohngebiet zu rasen – da kommt besonders grosse Freude auf.


Der Travato verfügt über eine Küchenzeile

10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten erreiche ich mein Ziel und werde Zeuge, wie sich Georg am Wassertank des WINNEBAGO zu schaffen macht. Obgleich mein Magen knurrt, geselle ich mich an die Seite meines Bruders und weise auf die Tatsache hin, dass er den Tank vor der Abfahrt auffüllen sollte. Darüber hinaus tippe ich auf die Zusatzbatterie und informiere, dass man die Batteriespannung nicht aus dem Auge lassen sollte. Der gute Mann nickt zustimmend und vertellt, dass er den Akkumulator bereits gestern aufgeladen hat – wie schön.
10.45 Uhr Um nicht aus den Flip Flops zu kippen, schlendern wir ins Haus und nehmen plaudernd am Frühstückstisch platz. Maria kredenzt selbstzubereiteten Eierkuchen mit Pilzfüllung und setzt uns darüber in Kenntnis, dass sie bald zum Supermarkt fahren und Lebensmittel für die anstehende Reise einkaufen wird. Georg erhebt mahnend den Zeigefinger und bittet seine Ehefrau, genügend Getränke und Brot mitzubringen. Zudem vernehme ich, dass die zwei die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf dem „Calusa Camp Resort“ verbringen wollen – das ist phantastisch.
11.15 Uhr Nachdem ich mir den Mund an einer Serviette abgewischt habe, fahren wir mit der Arbeit fort. Voller Elan holen wir den Gartenschlauch hervor und spritzen den Camper redlichst ab. Unterdessen rechnet Georg vor, dass er mindestens fünf Tage „on the Road“ (löblich: auf der Strasse) sein wird. Ich nicke zustimmend und lasse meinen Nebenmann wissen, dass Key West wunderschön ist. In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Schriftsteller Ernest Hemingway und belehre, dass der Pulitzer-Preis-Gewinner viele Jahre auf den Keys gelebt hat.


Key West ist eine Reise wert

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, rollen wir den Gartenschlauch auf und beginnen damit, die Karosserie mit einem Poliermittel auf Hochglanz zu bringen. Während die Sonne unbarmherzig vom Himmel brennt, wienere ich mir die Hände wund und bemerke, dass langsam meine Kehle austrocknet. Georg kommt aus dem Lachen kaum noch heraus und versorgt mich prompt mit einem süffigen Budweiser – das tut gut.
12.30 Uhr Um keinen Sonnenstich zu bekommen, setzen wir uns ins Wohnmobil und plaudern über dies und das. Unter anderem kommt Georg auf meine Forschungsreise in den goldenen Westen zu sprechen und lotet aus, wann wir nach San Francisco ausfliegen werden. Ich stehe Georg Rede und Antwort und gebe zu Protokoll, dass wir am 14. Mai abreisen und sieben Tage in der Studentenstadt Berkeley bleiben werden – das wird spannend.
13.00 Uhr Endlich kommt Maria von ihrem Schoppingausflug zurück. Die gute Seele präsentiert Tüten mit indischen Spezialitäten und meint, dass sie auf dem Rückweg eine Gaststätte angesteuert und drei Portionen „Chicken Tikka Masala“ mitgebracht hat. Wir lassen uns nicht zweimal bitten und folgen der Frau spornstreichs in die Küche.
13.30 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse und meinen Hals mit süffigem Hopfentrunk spüle, bringt meine Schwägerin die morgige Abfahrt ins Spiel und meint, dass sie bereits kurz nach 9 Uhr losfahren wollen. Georg schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass sie in Miami einen Zwischenstopp einlegen und dort zu Mittag essen werden.
14.15 Uhr Nachdem wir das Mittagessen mit Schaumkaffees und lustigen Donuts abgerundet haben, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und entschliesse mich, die Heimfahrt anzutreten. Zum Abschied schütteln wir Hände und verabreden, dass wir uns am kommenden Wochenende in alter Frische wiedersehen werden.
14.15 Uhr Zuhause angekommen, kredenze ich Dixon gesundes Trockenfutter und falle dann gähnend aufs Kanapee. Im Handumdrehen schlummere ich ein und träume von meiner nervenaufreibenden Appalachian Trail Wanderung im April 2013 – das waren noch bessere Zeiten.


Ich träume vom Appalachian Trail

15.15 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass es bereits Drei geschlagen hat. Weil der Garten bewässert werden muss, verzichte ich ausnahmsweise auf die Anschnurseelsorge und scheuche Dixon an die frische Luft. Fachmännisch hole ich den Schlauch hervor und versorge das Petersilienbeet mit H²O. Bei dieser Gelegenheit tratsche ich mit Frau Pontecorvo und höre, dass die Alte am Abend Freundinnen in der Stadt treffen wird – wie langweilig.
16.30 Uhr Nachdem ich die Arbeit beendet habe, richte ich eine Brotzeitplatte mit Cheddarkäse, Capocollo und luftgetrockneter Salami an. Dazu gibt es ein bayerisches Weissbier mit perfekter Schaumkrone – das schmeckt.
18.00 Uhr Zum Abschluss des stressigen Tages sorge ich in der Küche für Sauberkeit und lasse mich dann erschöpft auf dem Sofa nieder. Weil ist stets auf dem Laufenden bleiben muss, fröne ich den FOX Nachrichten und mache mich über die Geschehnisse in der Welt schlau.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf HBO und gebe mich dem Krimi „Da Vinci Code“ hin. Die Hollywoodproduktion aus dem Jahre 2006 erzählt aus dem Leben des schlauen Symbologen Robert Langdon, der einer Verschwörung auf die Schliche kommt – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und unternehme mit Dixon einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Anschliessend verschliesse ich die Haustüre und gehe ins Bett. Gute Nacht.