13. April 2017 – Am Strand

08.00 Uhr Ich werde durch sehr aggressives Telefonschellen geweckt und sehe mich genötigt, mit Sandra plaudern zu müssen. Meine Mieterin meldet sich aufgeregt aus der alten Heimat und plappert, dass sie das Osterfest bei ihren Eltern in Frankfurt verbringen wird. Zudem bringe ich heraus, dass das unterbelichtete Kind mit der Idee spielt, über Pfingsten nach Florida auszufliegen – das kann ja heiter werden.
08.30 Uhr Just als ich auf der Terrasse den Frühsport absolviere, kommt meine Nachbarin daher und erkundigt sich, ob ich zum Frühstück herüberkommen möchte. Ich nicke eifrig und antworte, dass ich anschliessend an den Strand krusen und mit Georg und Maria einen Spaziergang unternehmen werde – da kommt besonders grosse Freude auf.
09.00 Uhr Weil ich um 11 Uhr mit meinen Verwandten verabredet bin, verabschiede ich mich ins Bad und wasche mich ordentlich heraus. Nebenher telefoniere ich mit Georg und erinnere, dass wir uns am Barefoot Beach treffen werden. Mein Bruder ist begeistert und sagt, dass er seine Badehose mitnehmen wird – das soll mir Recht sein.
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten statte ich der Perle von nebenan einen Besuch ab und labe mich an vitaminreiche KELLOGGS Froot Loops mit frischer Muhmilch. Ferner tischt Frau Pontecorvo brühfrischen Bohnenkaffee sowie leckere Rühreier auf und meint, dass sie mich an den Golf leider nicht begleiten kann. Während ich mit den Schultern zucke, verweist meine Bekannte auf einen Frisörtermin und kündigt an, dass sie die Vormittagsstunden ausnutzen möchte, um sich von Frisörmeister Luigi aufsteilen zu lassen – jaja.


Wir krusen an den Strand

10.30 Uhr Nun wird es aber Zeit, meiner Nachbarin Lebewohl zu sagen. Wie es sich gehört, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und lasse die kleine Frau wissen, dass die Mahlzeit hervorragend geschmeckt hat. Anschliessend scheuche ich Dixon zum Auto und trete das Gaspedal bis zum Anschlag durch – das macht Spass.
11.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich den Strandabschnitt im Westen und freue mich, nicht nur Georg und Maria, sondern auch Edelbert am Barfussstrand anzutreffen. Der Professor legt beste Laune an den Tag und erzählt meinen Verwandten, dass an diesem Strandabschnitt vor Kurzem ein ausgewachsener Hai gesichtet wurde. Georg wischt sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und meint, dass er unter diesen Umständen ganz bestimmt nicht im kühlen Nass planschen wird.
11.30 Uhr Während Dixon Stöckchen apportiert, plaudere ich angeregt mit meinem Bruder und gebe zu Protokoll, dass mein unlöblicher Neffe Guido angekündigt hat, mich im Sommer zu besuchen. Georg hat nur Hohn und Spott übrig und beteuert, dass er ebenfalls einen Brief aus der Hansestadt Hamburg erhalten hat. Darüber hinaus ermutigt mich der gute Mann, im Fall der Fälle mit Guido kurzen Prozess zu machen. Als ich mich skeptisch gebe, ballt mein Bruder die Fäuste und legt mir nahe, den Ganoven mit einem gezielten Schlag niederzustrecken.


Ich ziehe Guido die Ohren lang – SAPPERLOTT

12.15 Uhr Weil die Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt und Dixon aus dem Hecheln gar nicht mehr herauskommt, lotse ich meine Begleiter in eine einladende Strandgaststätte. Hungrig und durstig lassen wir uns an der Bar nieder und ordern bei einer rassige Kellnerin zwei Krüge Bier sowie fünf Gläser. Dazu gibt es vitaminreiche Fishburger (löblich: Fischburger) mit Folienkartoffeln – schmeckt gar nicht schlecht.
13.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, schmieden Georg und Maria Pläne und verabreden, dass sie nach Ostern im WINNEBAGO TRAVATO eine Reise zu den Florida Keys unternehmen wollen. Mein Bruder schwärmt in den höchsten Tönen und sagt, dass er unbedingt Islamorada und Key West besuchen möchte – wie schön.
13.45 Uhr Nachdem wir uns gestärkt haben, zückt Georg seine American Express Card und begleicht die gesalzene Rechnung mit seinem guten Namen. Danach schlendern wir plaudernd am Golf entlang und haben das Vergnügen, leichtbekleidete Frauen zu sehen, die sich mit Ballspielen die Langeweile vertreiben.
14.30 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf halb Drei zugeht, treffen wie an den Autos ein und verabschieden uns händeschüttelnd. Georg schnalzt währenddessen mit der Zunge und unterbreitet, dass er am Abend Herrn Wang zum Golfspielen treffen wird – wie langweilig.
15.15 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann mich in der klimatisierten Stube von den Strapazen erholen. Ich falle erschöpft aufs Kanapee und döse prompt ein.

16.15 Uhr Leider weckt mich Dixon und fordert mich auf, seinen Napf mit Trockenfutter aufzufüllen. Weil ich ein Tierfreund bin, komme ich in die Gänge und serviere dem Rüden ausserdem frisches Wasser. Danach lasse ich auf der schattigen Terrasse die Seele baumeln und studiere das heutige Fernsehprogramm. Unter anderem erfahre ich, dass FOX zur besten Sendezeit den Zukunftsklassiker „2001“ ausstrahlen wird. Ich mache grosse Augen und erkläre Dixon, dass wir uns dieses Meisterwerk unter keinen Umständen entgehen lassen sollten.
17.00 Uhr Bevor ich mich in den wohlverdienten Feierabend verabschiede, mache ich mich in der Küche nützlich. Mit knurrendem Magen koche ich italienische Schmetterlingsnudeln (unlöblich: Farfalle) auf und zaubere dazu ein feines Tomatensösschen mit Pinienkernen – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

18.00 Uhr Nach der schmackhaften Jause nehme ich den neumodernen Flachbildschirm in Betrieb und informiere mich bei den Abendnachrichten über die aktuellen Geschehnisse in der Welt.
19.00 Uhr Zur Hauptsendezeit entkorke ich eine Flasche Rotwein aus dem goldenen Kalifornien und gebe mich Stanley Kubricks Weltraumepos aus dem Jahre 1968 hin. Ich staune Bauklötze und werde Zeuge, wie sich das Raumschiff „Discovery One“ auf den Weg zum Jupiter macht – da kommt Spannung auf.
21.30 Uhr Nach zweieinhalbstündigem Nervenkitzel schalte ich die Glotze aus und verabschiede mich gähnend ins Schlafzimmer. Gute Nacht.