10. April 2017 – Der Aktienmarkt hat zugelegt

08.00 Uhr Ich hüpfe pünktlich um 8 Uhr aus dem Bett und stosse die Terrassentüre auf. Weil ich von meinen Verwandten im Lowbank Drive erwartet werde, rudere ich kurzentschlossen mit den Armen und ziehe es vor, anschliessend in der Nasszelle zu verschwinden.
08.30 Uhr Um meine Familienmitglieder nicht warten zu lassen, verzichte ich ausnahmsweise auf ein Wirbelbad und dusche mich stattdessen kalt ab. Darüber hinaus rasiere ich mir die Bartstoppeln ab und vergesse auch nicht, meine Haare mit einem Pflegeprodukt aus dem Hause „Schwarzkopf“ zu waschen – wie gut das duftet.


Ich rasiere mich redlichst

09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten beende ich den Waschvorgang und schlüpfe in modische Freizeitkleidung. Danach halte ich nach Dixon Ausschau und stelle fest, dass sich der Rüde auf Frau Pontecorvos Terrasse tummelt. Meine Nachbarin winkt mir aufgeregt zu und lädt mich ein, ihr beim Frühstück Gesellschaft zu leisten. Ich schlage die Einladung jedoch aus und informiere, dass mich Georg und Maria erwarten. Meine Bekannte ist begeistert und sagt, dass sie mich kurzerhand begleiten wird – das hat gerade noch gefehlt.
09.45 Uhr Nachdem ich mit Edelbert telefoniert und ihn ebenfalls zum Frühstück eingeladen habe, eile ich mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum PS-strotzenden SUV. Frau Pontecorvo folgt mir plappernd und meint, dass wir zuerst den „Circle K“ Supermarkt ansteuern und für Maria einen Blumenstrauss besorgen sollten – papperlapapp.


Das Ferienhaus meiner Verwandten

10.30 Uhr Wenig später kommen wir vor dem Ferienhaus zum Halten und werden von Georg herzlich Willkommen geheissen. Mein Bruder lotst uns zuvorkommend zum Schwimmbecken und setzt uns darüber in Kenntnis, dass uns auch Herr Wang Gesellschaft leisten wird – das ist phantastisch.
11.00 Uhr Nachdem Edelbert zu uns gestossen ist, fährt meine Schwägerin eine lustige Platte mit luftgetrocknetem Parmaschinken auf. Ausserdem verwöhnt uns die Dame mit Rühreiern und frischen Früchten. Georg schmatzt laut und sagt, dass er diese Orangen gestern auf dem Gemüsemarkt am Hafen eingekauft hat – wie schön.
11.30 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, erzählt Frau Pontecorvo von ihrem Abstecher nach Jacksonville und animiert meine Verwandten, ihren Aufenthalt zum Anlass zu nehmen, um ebenfalls die schöne Stadt an der Mündung des St. Johns River zu besuchen. Ich komme aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und merke an, dass Jacksonville kaum Sehenswürdigkeiten bietet. Ferner gebe ich zu Protokoll, dass besagte Gemeinde industriell geprägt ist und eine hohe Kriminalitätsrate aufweist. Georg beruhigt mich redlichst und meint, dass er sich eigene Gedanken machen und am Nachmittag im Internetz über Jacksonville recherchieren wird – wie unlöblich.


Herr Trump macht einen hervorragenden Tschob

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, kommt Herr Wang auf Donald Trump zu sprechen und meint, dass der 45. Präsident bisher eine sehr gute Figur abgibt. Georg schlägt in die gleiche Kerbe und rechnet vor, dass seit Donald Trumps Amtsantritt der Aktienmarkt um 10 % zugelegt hat. In diesem Zusammenhang verweise ich auf die deutsche Regierung und lege anschaulich dar, dass Angela Merkel alles falsch macht und noch immer unzählige Einwanderer aus der islamischen Welt nach Deutschland lockt – wo soll das noch hinführen.
12.30 Uhr Zum Abschluss des Frühstücks tischt Maria gefrorenen Joghurt (unlöblich: Frozen Yoghurt) auf und lädt uns ein, am Abend mit ins Lichtspielhaus zu kommen. Georg reibt sich die Hände und verrät, dass er es kaum noch erwarten kann, die neue King Kong Verfilmung „Skull Island“ (löblich: Totenkopf Insel) zu sehen – wie unlöblich.

14.00 Uhr Da Herr Wang zum „Naples Manor Motel“ krusen, und Edelbert am Nachmittag im Buchgeschäft seines Vertrauens stöbern möchte, beenden wir die kleine Feier. Gutgelaunt scheuche ich den Vierbeiner zum Auto und animiere Georg und Maria, morgen früh im Willoughby Drive vorstellig zu werden. Im Anschluss trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und bringe Frau Pontecorvo sicher nach Hause.
14.45 Uhr Zurück in der kleinen Villa, falle ich erschöpft aus das Wohnzimmersofa und lege die Beine hoch. In Sekundenschnelle döse ich ein und träume von meinem letzten Aufenthalt im grossen Apfel – das war prima.
15.45 Uhr Nach einer Stunde rolle ich mich vom Kanapee und verspüre kaum Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Ich zucke mit den Schultern und fordere Dixon auf, mich bei einem Spaziergang zu begleiten. Der Rüde lässt sich nicht zweimal bitten und folgt mir brav zum „La Playa“ Golfplatz – da kommt Freude auf.
16.45 Uhr Mit knurrendem Magen schliesse ich die Haustüre auf und bereite das Nachtmahl vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, verfrachte ich eine TOMBSTONE Tiefkühlpizza ins vorgeheizte Backrohr und zaubere dazu einen vitaminreichen Gurkensalat.


Es gibt Pizza – Hurra!

18.00 Uhr Nach der Stärkung schalte ich die Glotze ein und mache mich auf FOX über Neuigkeiten aus allen Teilen der Welt schlau. Unter anderem erfahre ich, dass am Wochenende das Osterfest ansteht – wie aufregend.
19.00 Uhr Nachdem mich die bildhübsche FOX Moderatorin auf den aktuellen Stand gebracht hat, wechsle ich auf den Filmkanal AMC und schaue mir den deutschen Spielfilm „Toni Erdmann“ an. Ich staune nicht schlecht und kann während der folgenden 120 Minuten nicht verstehen, warum diese lächerliche Schmierenkomödie für einen Oscar in der Kategorie „bester ausländischer Spielfilm“ nominiert wurde. HEUREKA – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.15 Uhr Als endlich der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.