9. März 2017 – Eine Grillfeier am Wochenende

08.00 Uhr Beschwingt durch stimmungsvolle Alan Jackson Musik hüpfe ich aus dem Bett und reibe mir den Schlaf aus den Augen. Im Anschluss ertüchtige ich mich auf der Terrasse und bemerke, dass mittlerweile die ersten Radieschentriebe aus dem Gemüsebeet schiessen – wie aufregend.
08.30 Uhr Während ich ein Rad schlage, gesellt sich Herr Booth an die Grundstücksgrenze und wünscht mir einen guten Tag. Ich erwidere den Gruss und lasse den hochdekorierten Kriegsveteran wissen, dass ich auch in diesem Jahr lustige Radieschen ernten werde. Mein Nachbar blickt skeptisch drein und erinnert daran, dass am kommenden Sonntag die Uhren umgestellt werden – das soll mir auch Recht sein.


Bald werde ich Radieschen ernten

09.00 Uhr Während meine eingerosteten Knochen vom Sprudelwasser umspült werden, navigiere ich mit dem iPad durch das WINN DIXIE Internetzangebot und erfahre, dass bis zum Wochenende Spare Rips besonders günstig zu haben sind. Ich mache grosse Augen und lasse es mir nicht nehmen, bei Edelbert anzurufen und ihn zu einer Grillfeier am morgigen Abend einzuladen. Mein Bekannter schnalzt mit der Zunge und animiert mich, auch Frau Pontecorvo über die Feierlichkeit in Kenntnis zu setzen.
09.30 Uhr Nach sechzig Minuten steige ich aus der Wanne und nehme in Gesellschaft meines Haustieres die wichtigste Mahlzeit des Tages ein. Unterdessen verrate ich Dixon, dass wir morgen Gäste im Willoughby Drive empfangen und leckeres Grillfleisch fressen werden – das wird phantastisch.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten scheuche ich den Rüden zum Auto und helfe ihm als vorbildlicher Tierhalter auf die Ladefläche des Chevrolets. Anschliessend presche ich mit quietschenden Pneus von dannen und steuere die fünf Meilen entfernte Markthalle an.


Hund Dixon muss im Auto warten

10.45 Uhr Am Ziel angekommen, lasse ich den Motor laufen und erkläre Dixon, dass er während meiner Abwesenheit brav im Auto warten muss. Danach laufe ich zielstrebig in den klimatisierten Flachbau und bitte eine übergewichtige Fleischfachverkäuferin, sechs Pfund Spare Rips sowie luftgetrocknete Salami aus Italien in eine umweltfreundliche Plastiktüte zu verfrachten – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
11.15 Uhr Wenig später zwänge ich mich wieder auf den Fahrersitz des PS-strotzenden SUVs und registriere, dass mein Magen laut knurrt. Um nicht vom Fleisch zu fallen, kruse ich als nächstes zur „Bob Evans“ Gaststätte am Northbrooke Drive, um mir ein opulentes Mittagessen zu gönnen. Eine platinblonde Kellnerin mit stattlicher Oberweite heisst mich herzlich Willkommen und zögert nicht, mir einen vitaminreichen „Farm Burger“ (löblich: Bauernhof Semmel) mit Kartoffelstäben und Salat vorzusetzen – das schmeckt.
12.00 Uhr Redlichst gestärkt bezahle ich die Rechung in Bar und trete zu prima WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radioklängen die Heimreise an. Ich beschleunige das Auto auf schwindelerregende 35 Meilen pro Stunde und kann es kaum noch erwarten, am Nachmittag eine ruhige Kugel in der kleinen Villa zu schieben.
12.30 Uhr Zurück im Willoughby Drive, falle ich erschöpft aufs Sofa und lege die Beine hoch. Nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume von der anstehenden Grillfeier im Kreise meiner Bekannten.


Mein Zuhause unter Palmen

13.30 Uhr Ich öffne die Augen und verspüre wegen der grossen Hitze wenig Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Stattdessen hole ich eine Flasche Bier aus dem Eiskasten und setze mich vor die Glotze, um etwas fernzusehen. Unter anderem verfolge ich auf PBS einer aufschlussreichen Dokumentation über den blutigen Pazifikkrieg und lerne, dass just heute vor 72 Jahren der schwerste konventionelle Bombenangriff aller Zeiten stattfand. Ich staune nicht schlecht und vernehme, dass unzählige amerikanische B-29 Bomber die japanische Hauptstadt Tokio in Schutt und Asche bombten und rund 100.000 Menschen töteten – das ist ja allerhand.
14.30 Uhr Weil Dixon aus dem Fiepen gar nicht mehr herauskommt, betätige ich den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und breche mit meinem tierischen Mitbewohner zu einem Spaziergang auf. Bei annähernd 90°F (32°C) schlendern wir zum „La Playa“ Golfplatz und halten im hohen Gras nach Golfbällen Ausschau. Der Vierbeiner ist ganz aus dem Häuschen und freut sich, als uns plötzlich Frau Crane mit Nachbarshund Joey begegnet. Wie es sich gehört, tratsche ich angeregt mit der ehemaligen Olympiateilnehmerin und merke an, dass das heisse Wetter sogar den stärksten Rentner aus der Bahn wirft. Die Gute gibt mir Recht und vertellt, dass es am Wochenende noch heisser werden soll – wie unlöblich.


Am Wochenende wird gegrillt

15.30 Uhr Endlich bin ich wieder daheim und kann meine staubtrockne Kehle mit einer weiteren Hopfenkaltschale durchspülen. Unterdessen mache ich mir eigene Gedanken bezüglich der anstehenden Grillfeier und mache es mir zur Aufgabe, Frau Pontecorvo einen Besuch abzustatten. Die kleine Frau lotst mich zuvorkommend in die gute Stube und lässt es sich nicht nehmen, mich zu brühfrischem Bohnenkaffee und Kuchen einzuladen.
16.00 Uhr Während wir romantischer Michael Bolton Musik lauschen und Käsekuchen verzehren, komme ich auf morgen zu sprechen und bitte Frau Pontecorvo, zur Feier des Tages einen Nudelsalat beizusteuern. Meine Nachbarin nickt eifrig und sichert zu, auch ein Fläschchen Schaumwein aus dem Hause Louis Roederer zu spendieren – wie schön.
17.00 Uhr Nachdem ich mich von Frau Pontecorvo redlichst verabschiedet habe, kehre ich in mein bescheidenes Haus zurück und mache mich in der Küche nützlich. Ich verfrachte eine Thunfischpizza in den Backofen und zaubere dazu einen lustigen Karottensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und einer herzhaften Joghurtsauce – das schmeckt.

18.00 Uhr Nach dem Abendessen gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über und informiere mich auf FOX über die Geschehnisse in der Welt.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Film- und Serienkanal HBO, um mir das preisgekrönte Drama „Captain Fantastic“ anzuschauen. Das Meisterwerk des jungen Filmschaffenden Matt Ross erzählt aus dem Leben eines Familienvaters, der zusammen mit seiner Ehefrau und den fünf Kindern in den düsteren Wäldern der amerikanischen Nordwestküste lebt – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend streichle ich Dixon über den Kopf und lege mich schlafen. Gute Nacht.