30. September 2016 – Der letzte Septembertag

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08.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und bemerke beim Blick auf den Wandkalender, dass der September heute zu Ende geht. Kopfkratzend rolle ich mich aus dem Wasserbett und komme zu dem Schluss, dass am kommenden Montag in Deutschland der “Tag der deutschen Einheit” gefeiert wird.
08.30 Uhr Just als ich die Morgengymnastik auf der schattigen Terrasse absolviere, kommt Frau Pontecorvo dazu und erkundigt sich, ob ich zum Frühstück nach nebenan kommen möchte. Natürlich nicke ich eifrig und verspreche, grossen Hunger mitzubringen – da kommt Freude auf.
09.00 Uhr Zuvor lasse ich die Seele jedoch bei einem Wirbelbad baumeln. Ferner telefoniere ich mit Edelbert und bringe heraus, dass er am heutigen Nachmittag an einer Lesung in der örtlichen Barnes & Nobles Buchhandlung teilnehmen wird. Ich lege meinen Kopf schief und vernehme weiter, dass ein ortsansässiger Schriftsteller aus seinem autobiografischen Werk “How sad a fate” (löblich: Welch trauriges Schicksal) vorlesen wird – wie langweilig.

melone
Ich esse eine Honigmelone

09.45 Uhr Wenig später beende ich den Badespass und eile mit dem Vierbeiner im Schlepptau nach nebenan. Frau Pontecorvo heisst uns herzlich Willkommen und serviert Rühreier mit röschen Speck. Dazu gibt es köstlichen EARL GREY (löblich: Graf Grau) Tee sowie in mundgerechte Stücke geschnittene Honigmelone – das schmeckt.
10.15 Uhr Als ich von meinem Telefonat mit dem Professor erzähle, klatscht meine Nachbarin freudig in ihre Hände und beteuert, dass der Autor Vincent Rubinstein heisst und derzeit von der Presse hochgelobt wird. Frau Pontecorvo geht sogar noch weiter und setzt mich darüber in Kenntnis, dass Herr Rubinstein sogar für den “National Book Award” (löblich: Nationaler Buchpreis) nominiert wurde – das ist mir Wurst.
10.45 Uhr Um nicht über amerikanische Literatur plaudern zu müssen, wechsle ich schnell das Thema und rege eine Ausfahrt an den Strand an. Frau Pontecorvo ist begeistert und drängt zur sofortigen Abreise – wie schön.

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Morgen schoppe ich im Miromar Auslassgeschäft

11.15 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise im aufpolierten Chevrolet Suburban erreichen wir endlich den Strandabschnitt an der Vanderbilt Bay und freuen uns, nur wenige Menschen am Meer anzutreffen. Wie es sich gehört, lasse ich den Vierbeiner von der Leine und bade meine Füsse im kühlen Nass. Meine Bekannte tut es mir gleich und berichtet, dass sie Morgen zum “Miromar Outlet Store” (löblich: Miromar Auslassgeschäft) rasen und sich mit neuen Kleidern eindecken wird. Ich zucke mit den Schultern und erwidere, dass ich nichts besseres zu tun habe und mich dieser Reise kurzerhand anschliessen werde.
12.00 Uhr Weil die Sonne unbarmherzlich vom Himmel brennt, kehren wir in eine klimatisierte Strandgaststätte ein. Ich schnippe mit den Fingern und beauftrage eine leichtbekleidete Kellnerin, uns eine Karaffe Eistee sowie zwei Gläser zu servieren. Darüber hinaus deute ich zum hechelnden Hund und gebe zu Protokoll, dass Dixon ebenfalls durstig ist. Die Bardame nickt eifrig und fährt neben einer Schüssel Wasser ausserdem köstliche Erdnüsse aus dem Hause PLANTERS auf – wie aufmerksam.

weihnacht
Bald steht das Christkind vor der Türe

12.45 Uhr Während Frau Pontecorvo verträumt aufs azurblaue Wasser späht, komme ich auf Weihnachten zu sprechen und lege anschaulich dar, dass ich die “staade Zeit” in Toronto verbringen werde. Meine Tischnachbarin schenkt mir ein Lächeln und wirft ein, dass sich ihre Freundin Blanche zum Weihnachtsfest angekündigt hat.
13.15 Uhr Nachdem wir Sandwichts (löblich: Wurstbrote) verzehrt haben, zücke ich meine GOLDEN HEAD Geldbörse und begleiche die Rechung aus der eigenen Tasche. Nebenher erfahre ich, dass Frau Pontecorvo am Abend den hochnäsigen Bestatter aus dem Willoughby Drive im Lichtspielhaus treffen wird. Ich winke demonstrativ ab und erwähne, dass mir Herr Fisher gestohlen bleiben kann.
14.00 Uhr Zurück im Willoughby Drive, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und wünsche Frau Pontecorvo viel Vergnügen im Kino. Danach werfe ich die Pforte ins Schloss und falle erschöpft aufs Kanapee.

tennisball
Ich werfe einen Tennisball in den Teich

15.00 Uhr Leider wird mein Müssiggang bald durch Hund Dixon gestört. Als ich mir den Schlaf aus den Augen reibe, stelle ich fest, dass sich Nachbarshund Joey im Garten eingefunden hat. Um den Rabauken eine kleine Freude zu bereiten, schleudere ich einen Tennisball zum Teich und kredenze ihnen zudem lustige Kauknochen.
15.30 Uhr Während die Vierbeiner ausgelassen spielen, mache ich mich im Garten nützlich und bringe die hochgewachsenen Mangroven auf das rechte Mass. Bei meinem Tun lasse ich natürlich grösste Vorsicht walten und komme den gefährlichen Ameisen sowie einem grimmig dreinschauendem Gürteltier nicht zu nahe.
16.30 Uhr Schlussendlich ziehe ich mich schnaufend in die klimatisierten Stube zurück und giesse mir ein erfrischendes bayerisches Vollbier ein. Ferner bereite ich das Abendessen vor und entschliesse mich, mit einem gut durchgebratenen T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) sowie einem gemischten Salat mit Thousand Island Dressing (löblich: 1.000 Insel Sauce) Vorlieb zu nehmen.

18.00 Uhr Nach der schweisstreibenden Hausarbeit beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich schenke mir eine weitere Hopfenkaltschale ein und gebe mich auf FOX den Abendnachrichten hin. Unter anderem lerne ich, dass in vier Tagen die Vizepräsidentschaftskandidaten der demokratischen sowie der republikanischen Partei zu einer Fernsehdebatte zusammen kommen werden – das wird spannend.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf den Spartenkanal “SYFY Channel” und erfreue mich am nervenaufreibenden Fernsehspiel “Helix”. Ich tauche in die Welt einiger Forscher ein, die im ewigen Eis den Ausbruch einer Seuche verhindern müssen – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach vier Folgen beende ich den Fernsehabend und putze mir die Zähne. Danach lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.