27. November 2015 – Black Friday

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08.00 Uhr Ich werde in aller Frühe durch aggressives Telefonläuten aus einem schönen Traum gerissen. Zu allem Überfluss meldet sich Edelbert und erinnert, dass der Freitag nach Thanksgiving (löblich: Erntedank) auch “Black Friday” (löblich: Schwarzer Freitag) genannt wird. Ich nicke eifrig und bringe weiter heraus, dass sich der Professor gemeinsam mit seinem Sohn ins Getümmel stürzen und im Stadtzentrum abschoppen möchte. Als mich der schlaue Mann zu einem Bummel entlang der 5th Avenue einlädt, winke ich ab und gebe zu Protokoll, dass ich heute keinen Schritt vor die Türe wagen werde – wo kämen wir denn da hin.

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In der Innenstadt wird heute geschoppt

08.30 Uhr Just als ich auf die Terrasse trete und ein Rad schlage, kommt Frau Pontecorvo daher und macht mich darauf aufmerksam, dass viele Menschen den “Black Friday” als Brückentag nutzen, um Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass ich aus genau diesem Grund zu Hause bleiben werde.
09.00 Uhr Nachdem meine Nachbarin das Weite gesucht hat, verabschiede ich mich in die Nasszelle. Während des Wirbelbades lausche ich dem Programm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe das zweifelhafte Vergnügen, penetranter Radiowerbung ausgesetzt zu sein. Der Moderator bringt ebenfalls den “Black Friday” ins Spiel und plappert davon, dass er gleich nach Sendeschluss in Fort Myers abschoppen wird – papperlapapp.
10.00 Uhr Missmutig steige ich aus der Wanne und ziehe es vor, Hund Dixon ins Haus zu rufen und im Wohnzimmer ein reichhaltiges Frühstück einzunehmen. Als ich meine staubtrockne Kehle mit brühfrischem Earl Grey (löblich: Graf Grau) Tee durchspüle, schalte ich die Glotze ein und komme in den Genuss, den Vorspann zum Weihnachtsfilm “National Lampoon’s Christmas Vacation” (auf Deutsch: Schöne Bescherung) zu sehen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und komme zu dem Ergebnis, dass es heutzutage gar nicht so leicht ist, sich dem Weihnachtstrubel zu entziehen.

10.45 Uhr Redlichst gestärkt stelle ich das Geschirr in die Spüle und mache es mir zur Aufgabe, den Karton mit der Weihnachtsdekoration aus der Garage zu holen. Im Anschluss schmücke ich unter den skeptischen Blicken meines Haustieres die gute Stube mit Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirge. Darüber hinaus sprühe ich künstlichen Schnee an die Fensterscheiben und bemerke, dass bei dieser Affenhitze kaum Weihnachtsstimmung aufkommen will – wie schade.
11.30 Uhr Schweissgebadet beende ich mein Werk und schenke mir ein süffiges Budweiser ein. Nebenher rufe ich bei Sandra an und höre, dass das unterbelichtete Mädchen für morgen einen Flohmarktbesuch ins Auge gefasst hat. HEUREKA – diesen Unsinn muss man gehört haben.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit wünsche ich dem Kind ein schönes Wochenende und knalle den Hörer auf die Gabel. Danach mache ich mich in der Küche nützlich und verfrachte eine Tiefkühlpizza in den Backofen.
12.45 Uhr Dummerweise wird die Ruhe zeitnah durch ohrenbetäubendes Klingeln unterbrochen. Als ich die Pforte schwungvoll öffne, sehe ich mich mit der Dame von nebenan konfrontiert. Frau Pontecorvo schiebt mich zur Seite und informiert, dass sie im Supermarkt Lebensmittel eingekauft hat und noch heute Weihnachtsplätzchen backen wird. Wie es sich gehört, lotse ich die Alte ins Wohnzimmer und spendiere ihr ein Tasse Kaffee. Ferner lasse ich mir die Pizza schmecken und stelle klar, dass ich in der Zwischenzeit die kleine Villa geschmückt habe.

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Pizza schmeckt prima

13.45 Uhr Nachdem endlich Ruhe im Eigenheim eingekehrt ist, gönne ich mir eine kleine Pause. Ich schliesse die Augen und schlummere bald ein, um von meiner letzten Forschungsreise nach Rom zu träumen.
14.45 Uhr Weil Dixon langsam unruhig wird, greife ich zur Hundeleine und breche mit dem Vierbeiner zu einem erquickenden Spaziergang auf. Mit einer schönen Melodie auf den Lippen überquere ich die stark befahrene Immokalee Road und stehe plötzlich vor der einladenden “Pelican Larry’s Raw Bar & Grill” Wirtschaft. Achselzuckend stosse ich die Türe auf und wünsche dem Wirt einen guten Tag. Herr Larry begrüsst mich herzlich und versorgt mich mit einem Pitcher (löblich: Krug) Miller Bier – wie schön.

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Ich nehme einen kräftigen Schluck

15.30 Uhr Ich nehme einen kräftigen Schluck und erzähle, dass mich der Weihnachtstrubel bald in den Wahnsinn treibt. Der Gaststättenbetreiber schlägt in die gleiche Kerbe und nimmt sich das Recht heraus, mir einen Tequila auszugeben. Ausserdem vernehme ich, dass Herr Larry die Weihnachtszeit zum Anlass nehmen wird, um nach Colorado auszufliegen. Als ich genauer nachfrage, rückt der Bartträger mit der ganzen Wahrheit heraus und berichtet, dass er in Denver Verwandte besuchen und “Mules” (löblich: Maultierhirsche) jagen wird – wie aufregend.
16.00 Uhr Nach dem Umtrunk beschere ich dem Wirt ein stattliches Trinkgeld und mache mich auf den Heimweg. Pfeifend werfe ich dem Vierbeiner Stöckchen zu und animiere ihn, beim Überqueren der Immokalee Road grösste Vorsicht an den Tag zu legen – immerhin kann man jugendlichen Autofahrern nicht über den Weg trauen.
16.45 Uhr Zuhause angekommen, schlüpfe ich aus den schweren Kuhjungenstiefeln und mache es mir in der Hollywood Schaukel bequem, um in der Tageszeitung zu blättern.
17.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Um auch Dixon etwas Gutes zu tun, fülle ich seinen Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter auf. Anschliessend nehme ich selbst mit einer kalten Wurstplatte und köstlichem Weissbrot Vorlieb.

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Ich lasse mir Wurstbrute schmecken

18.00 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit gesorgt habe, rufe ich noch einmal bei Edelbert an und erkundige mich nach dem Rechten. Mein Bekannter lässt seine Tageserlebnisse Revue passieren und setzt mich darüber in Kenntnis, dass die Geschäfte überlaufen waren. Zudem bringt der Professor die Abreise seines Sohnes am Sonntag zur Sprache und lotet aus, ob wir morgen eine Abschiedsfeier ausrichten wollen.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit gebe ich mich dem Qualitätsprogramm von HBO hin und fröne den letzten Folgen der preisgekrönten Kriminalserie “True Detectives”. Ich schaufle Lay’s Kartoffelchips in mich hinein und werde Zeuge, wie die Staatspolizisten Cohle und Hart einen gemeingefährlichen Serienmörder zur Strecke bringen.
21.00 Uhr Nach zwei nervenaufreibenden Stunden, betätige ich den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.