29. September 2014 – Elsbeths Geburtstag

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08.00 Uhr Ich werde durch stimmungsvolle Neil Young Musik geweckt und schwinge mich zu den Klängen von “Old Man” (löblich: Alter Mann) aus dem Bett. Da ich noch längst nicht zum alten Eisen zähle, flitze ich nach draussen und stähle meine Glieder mit dem Frühsport. Nebenher mache ich mir eigenen Gedanken und erinnere mich, dass meine Schwester just heute ihren Geburtstag feiert – wie aufregend.
08.30 Uhr Während ich mich bei einem Wirbelbad entspanne, telefoniere ich mit Elsbeth und lasse es mir nicht nehmen, ihr die besten Glückwünsche zu übermitteln. Die Perle freut sich und bestätigt, dass heute Morgen ein FLEUROP Mitarbeiter geklingelt hat, um ihr in meinem Namen einen Blumenstrauss zu überreichen – wie schön.

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Alles Gute liebe Elsbeth

09.30 Uhr Nachdem ich das sündteure Ferngespräch beendet und mir die Haare gewaschen habe, hüpfe ich aus der Wanne und trockne mich redlichst ab. Unterdessen pfeife ich die Melodie von der launischen Forelle und entschliesse mich, gleich nach dem Frühstück zum Naples Manor Motel zu krusen – das wird eine Gaudi.
10.00 Uhr Als ich mich am Küchentisch niederlasse, pocht plötzlich Herr Booth an die Terrassentüre und schimpft, weil Dixon schon wieder ein Loch in Nachbarsgarten gebuddelt hat. Missmutig reiche ich dem Heini die Hand und lasse ihn wissen, dass ich in Zukunft besser aufpassen werde. Der Vietnamveteran fixiert mich skeptisch und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er in seinem Garten wertvolle Rosen angepflanzt hat – jaja.
10.30 Uhr Nach dem Frühstück setze ich mir meinen repräsentativen Cowboyhut aus Dallas auf und scheuche den Rüden nach draussen. Da es bewölkt und nicht zu warm ist, lege ich meine Aquarelle kurzerhand auf den Beifahrersitz des FORD BRONCO und erkläre Dixon, dass wir heute im Geländewagen reisen werden. Ruckzuck fahre ich das Auto aus der Garage und brettere mit pfeifenden Pneus von dannen.

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Ein besonders schönes Aquarell

11.15 Uhr Am Ziel angekommen, lasse ich den Vierbeiner von der Ladefläche springen und stelle enttäuscht fest, dass Herr Wang gar nicht im Büro ist. Stattdessen treffe ich seine Tochter hinter den Tresen an und erfahre, dass ihr Vater nach St. Petersburg gefahren ist, um eine Eiswürfelmaschine zu kaufen. Ich zucke mit den Schultern und gebe Carol zu verstehen, dass ich vorbeigekommen bin, um drei neue Aquarelle auszustellen. Das Mädchen reibt sich die Hände und entgegnet, dass ich die Bilder gerne wieder an die Wand hängen kann – das ist prima.
12.00 Uhr Nach getaner Arbeit lüfte ich meinen Hut und kehre mit dem Vierbeiner im Schlepptau in die benachbarte Denny’s Gaststätte ein. Ich werde von einer freundlichen Mitarbeiterin an einen schönen Tisch geführt und zögere nicht, eine vitaminreiche Chicken Noodle Soup (löblich: Hühnersuppe mit Nudeln) sowie einen Mushroom Swiss Burger (löblich: Schweizer Pilzsemmel) zu ordern – schmeckt gar nicht schlecht.
12.45 Uhr Bevor ich nach Hause fahre, suche ich den Waschraum auf und mache es mir zur Aufgabe, einen ekligen Fleck von meinem modischen T-Hemd zu wischen – was muss ich denn noch alles ertragen.
13.15 Uhr Endlich sitze ich wieder im Auto und gleite radiohörend nach Norden zurück. Ich setze auf dem Tamiami Trail zu waghalsigen Überholmanövern an und habe das zweifelhafte Vergnügen, auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) das neue Leonard Cohen Lied “Born in Chains” (löblich: In Ketten geboren) zu hören. Ich kommt aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und bin mir sicher, dass das aktuelle Studioalbum des Künstlers in meiner Musiksammlung keinen Platz finden wird – diesen Mist muss man gehört haben.


Leonard Cohen – Popular Problems

14.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, schlüpfe ich aus den schweren Kuhjungenstiefel und serviere Dixon gesundes Trockenfutter. Anschliessend mache ich es mir auf der Terrasse bequem und schlummere bald ein.
15.00 Uhr Nach einer Stunde schellt Frau Pontecorvo an der Haustüre und überrascht mich mit einem Käsekuchen. Ich bitte die Dame schmunzelnd herein und decke den Wohnzimmertisch mit dem besten Geschirr ein. Ferner brühe ich Bohnentrunk auf und schneide den Kuchen an – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
15.30 Uhr Während des Kaffeekränzchens halte ich mit meiner Nachbarin Kleingespräche (unlöblich: Smalltalk) und vernehme, dass Edelbert am Vormittag im Willoughby Drive war und sich nach mir erkundigt hat. Ich seufze laut und antworte, dass ich Bilder im Empfangsbereich des Naples Manor Motels aufhängen musste.
16.00 Uhr Nachdem sich die gute Seele verabschiedet hat, setze ich mich an den Schreibtisch und helfe verzweifelten Eltern aus schier ausweglosen Situationen. Unter anderem rate ich Frau H. aus Zwiesel, ihrem 7jährigen Sohn kein sündteures Apfel (unlöblich: Apple) Handtelefon zu schenken – wo kämen wir denn da hin.

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Mein wertvoller Chronograph

17.00 Uhr Als der Zeiger meiner ROLEX auf 5 deutet, überfliege ich die Einträge im Gästebuch und gehe von der Leine. Dixon folgt mir fiepend in die Küche und freut sich, als ich Nudelwasser aufsetze und eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank hole.
18.00 Uhr Nachdem ich zu Abend gegessen und mit Edelbert telefoniert habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schalte die Glotze ein. Wissbegierig schaue ich mir die Nachrichten auf FOX an und lerne, dass heute zur besten Sendezeit die New England Patriots gegen die Kansas City Chiefs im American Football (löblich: Amerikanischer Fussball) antreten werden – wie langweilig

19.00 Uhr Weil ich mir aus dieser Sportart nichts mache, wechsle ich auf den Bezahlsender Showtime und fröne der Gruselserie “Penny Dreadful”, die mich ins düstere London des Jahres 1880 entführt – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zwei Episoden beende ich den Fernsehabend und trinke ein letztes Bier auf der Terrasse. Nebenbei werde ich Zeuge, wie Dixon seine Notdurft auf dem Grundstück von Familie Booth verrichtet – wie schön.
21.30 Uhr Im Anschluss verschliesse ich die Pforte und wünsche Dixon süsse Träume. Gute Nacht.