Das Tagebuch von Reinhard Pfaffenberg
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04.02.2012
Hi Fans,

wie ihr wisst, ist meine Mitbewohnerin am Dienstag nach Gran Canaria geflogen, um Sport zu treiben und im "Rondo Aparthotel" in Playa Del Ingles zu chillen. Ausserdem will Bärbel bis zum 7. Februar Sonne tanken und viel Geld in den Shopping Locations der Stadt lassen. Während Bärbel die Sau rauslässt und in den angesagten Discos feiert, sitze ich alleine in der grossen Villa und weiss mit meiner Freizeit gar nichts anzufangen. Das
Pensionszimmer steht derzeit auch leer und mir bleibt nichts anderes übrig, als mir die Langeweile mit Online-Games oder meinem Massagestab zu vertreiben :-(

Nur gut, dass heute Samstag ist.
Ich werde gleich meine Freundin Marlene im Waldweg begrüssen. Wir wollen einen gepflegten Frauenabend einlegen und uns "Deutschland sucht den Superstar" auf RTL anschauen. Danach gibt's die "Während Du schliefst" und "Das Haus am Meer" auf DVD. Rausgehen kann man sowieso nicht, weil es bitterkalt ist (- 13°C).
Morgen wollen wir übrigens ein Konzert in Freising besuchen. Der bayerische Liedermacher Werner Schmidbauer hat ein neues Album rausgebracht und wird am Sonntag Abend im Asamsaal seine neuen Songs vorstellen.

Click for Naples, Florida Forecast
Das Wetter in Naples, FL

Mit meinem Vermieter habe ich heute auch schon gesprochen.
Pfaffenberg hat am Vormittag Sport getrieben und sich beim Rudern den Rücken verrenkt. Anscheinend waren die Schmerzen so schlimm, dass er nach der Sportstunde zum Arzt fahren musste. Ich hoffe, dass er sich bald erholt und am Montag wieder richtig durchstarten kann.

Nun muss ich aber mit dem Kochen anfangen.
Ich will Marlene nämlich mit einer vegetarischen Pizza überraschen.

  Morgen melde ich mich wieder
  Sandra


03.02.2012
07.30 Uhr Ich werde durch das aggressive Kreischen eines weissen Ibis aus einen schönen Traum gerissen. Laut seufzend steige ich aus dem Bett und mache es mir zur Aufgabe, einen meiner Josef Seibel Wohlfühlhausschuhe nach dem Vieh zu schleudern. Dummerweise verfehlt der Schuh sein Ziel und fällt in das Rosenbeet der Nachbarn - wie unlöblich.
07.45 Uhr Um nicht geschimpft zu werden, eile ich badebemäntelt nach nebenan und fische den Pantoffel schnell aus dem Garten. Dummerweise kommt just in diesem Moment Herr Booth dazu und wünscht mir einen guten Morgen. Ich erwidere den Gruss und flunkere, dass Hund Dixon mit dem Hausschuh gespielt und ihn auf dem Rasen liegen gelassen hat. Der hochdekorierte Vietnamveteran schenkt mir ein Lächeln und bittet mich, den Rüden von der Blütenpracht fernzuhalten. Ich nicke eifrig und erfahre, dass sich der gute Mann der Rosenzucht verschrieben und im vergangenen Jahr die weltbekannte "John F. Kennedy Rose" angepflanzt hat - wie aufregend.
08.15 Uhr Nachdem wir etwas geredet haben, kehre ich in die gute Stube zurück und nehme ein löbliches Wirbelbad. Nebenher lausche ich dem Internetzradioprogramm aus meiner weissblauen Heimat und lerne, dass amerikanische Truppenverbände vor genau 58 Jahren die Vorbereitungen für den ersten Wasserstoffbombentest auf dem Bikini Atoll abgeschlossen haben. 18 Tage später zündeten Wissenschaftler auf einer künstlichen Insel eine 15 Megatonnen Bombe und führten die bis dahin stärkste thermonukleare Kernexplosion herbei. Weil die Forscher Lithium 7 zum Einsatz brachten, wurde deutlich mehr Energie als ursprünglich erwartet freigesetzt - das ist ja allerhand.
09.15 Uhr Voller Elan steige ich aus der Wanne und setze mich an den Küchentisch. Während ich mir ein ausgewogenes Frühstück in Form von Kelloggs Rice Krispies mit frischer Muh, gebutterten Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) und hauchdünn aufgeschnittenes Capocollo verzehre, navigiere ich mit dem iPad durchs Internetz. Auf der Videoplattform YouTube (löblich: Du Röhre) werde ich auf ein Filmdokument aufmerksam und habe das Vergnügen, die eben besprochene Explosion mit eigenen Augen zu sehen. Ich staune nicht schlecht und vernehme, dass der Lichtblitz der sogenannten "Castle Bravo" Versuchsreihe noch in 4.000 Kilometern Entfernung zu sehen war.
09.45 Uhr Wenig später klopft Frau Pontecorvo ans Küchenfenster und fordert mich per Handzeichen auf, ihr Einlass zu gewähren. Ich komme der Bitte anstandslos nach und gebe der Alten zu verstehen, dass ich mir gerade im Internetz Videos über Atombombenexplosionen anschaue. Meine Nachbarin will davon nichts wissen und meint, dass es angebracht wäre, die Hinterlassenschaften der gestrigen Grillfeier zu beseitigen. Ich stimme zu und folge der Dame auf die Terrasse.
10.15 Uhr Während sich Hund Dixon in Richtung des Teichs verabschiedet, stellen wir die Gläser auf ein Tablett und plaudern über dies und das. Unter anderem kommt meine Bekannte auf das anstehende NFL Finale im "Lucas Oil Stadium" in Indianapolis, IN zu sprechen und sagt, dass sie das Spiel in Gesellschaft einiger Freundinnen in der Innenstadt sehen wird. Ich reibe mir die Hände und antworte, dass ich es vorziehen werden, das "Super Bowl" Spektakel in der Naples Manor Bar zu verfolgen. In diesem Zusammenhang bin ich mir ziemlich sicher, dass die Giganten aus dem grossen Apfel das Meisterschaftsendspiel für sich entscheiden und die Patrioten aus Neu England besiegen werden.
11.00 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten haben wir die Terrasse endlich auf Vordermann gebracht. Ich lasse mich schnaufend in die Hollywood Schaukel fallen und gönne mir eine süffige Diät Cola aus der Dose. Ausserdem reibe ich mir den Bauch und merke an, dass es langsam Zeit wird, ein reichhaltiges Mittagessen vorzubereiten. Meine Nachbarin zuckt mit den Schultern und antwortet, dass sie keine grosse Lust hat, stundenlang am heissen Herd zu stehen. Ich schlage in die gleiche Kerbe und bringe eine Ausfahrt zur zwei Meilen entfernten "Bob Evans" Gaststätte zur Sprache. Frau Pontecorvo ist begeistert und drängt zur sofortigen Abfahrt. Nachdem ich Hund Dixon auf den Rücksitz geholfen habe, lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und gleite zu prima WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radioklänge gen Osten davon.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten betreten wir das gutbesuchte Familienrestaurant und haben das grosse Glück, einen Zweiertisch am Fenster zu ergattern. Da mein Magen bereits knurrt, winke ich eine Kellnerin herbei und bestelle ein Gericht namens "Chicken& Broccoli Alfredo" (löblich: Huhn und Brokkoli Alfred). Dazu gibt es einen vitaminreichen Caesars Salad (löblich: Cäsar Salat). Meine Bekannte folgt meinem Beispiel und nimmt sich das Recht heraus, einen grossen Krug (unlöblich: Pitcher) Zitronenlimonade zu ordern - da kommt Freude auf.
12.15 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, erzählt Frau Pontecorvo, dass die über die Grenzen der USA hinaus bekannte Landmusiksängerin Martina McBride vor wenigen Tagen ein Best-Of (löblich: Das Beste von) Album veröffentlicht hat. Ich schnalze demonstrativ mit der Zunge und entgegne, dass ich mich daheim an den Heimrechner setzen und mir das Werk auf Amazon.com herunterladen werde. Frau Pontecorvo schenkt mir ein Lächeln und bittet mich, ihr bei dieser Gelegenheit eine Kompaktscheibe mit den grössten Erfolgen der Sängerin zu brennen.
12.45 Uhr Weil man auf einem Bein bekanntlich nicht stehen kann, runden wir die Mahlzeit mit einer exquisiten Nachspeise ab. Wir ordern hausgemachten "Coconut Cream Pie" (löblich: Kokosnuss Sahnetorte) und vertreten einstimmig die Meinung, dass dies Dessert ganz vorzüglich mundet.
13.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang unternehmen wir einen kleinen Spaziergang. Bei angenehmen 70°F (21°C) werfen wir Dixon Stöckchen zu und verabreden. dass wir uns am Wochenende zum gemeinsamen Frühstück in Julies Restaurant treffen sollen. Ich zeige mich schnell einverstanden und erinnere daran, dass ich morgen Sport treiben werde und erst am Sonntag einen Termin freihabe. HEUREKA - diesen Stress hält nicht einmal der stärkste Rentner aus.
14.15 Uhr Nachdem wir uns die Füsse vertreten haben, begeben wir uns auf den Heimweg. Ich gleite gutgelaunt durchs Wohngebiet und unterbreite, dass ich am Montag mit Herrn Sam West geplaudert habe und in Erfahrung bringen konnte, dass er mit seiner Angetrauten nach Atlanta reisen wird. Meine Beifahrerin winkt ab und meint, dass die hochnäsige Hollywood Diva bald ihren 100. Geburtstag feiern wird.
15.00 Uhr Zuhause angekommen, verabschiede ich Frau Pontecorvo und stosse die Pforte zu meinem kultivierten Eigenheim auf. Wie es sich gehört, versorge ich Dixon mit frischem Leitungswasser und einer Portion ROYAL CANIN Trockenfutter. Danach strecke ich auf dem bequemen Kanapee die Beine aus und entspanne mich redlichst.
16.00 Uhr Als ich mich im Traum vor dem Empire State Building in der Millionenmetropole New York City stehen sehe, leckt mir der Vierbeiner plötzlich übers Gesicht. Missmutig setze ich mich auf und bemerke, dass es bereits 15 Uhr geschlagen hat. Um nicht den ganzen Nachmittag auf der faulen Haut zu liegen, komme ich in die Gänge und brühe mit dem futuristischen DeLonghi Vollautomaten frischen Bohnenkaffee auf.
16.30 Uhr Im Anschluss finde ich mich am Schreibtisch ein und segle auf die Heimseite des Internetzhändlers amazon.com. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Angebot und schaffe es ohne grössere Probleme, das am 17. Januar veröffentlichte Martina McBride Album auf der Festplatte abzuspeichern. Anschliessend rufe ich die 1by1 Weichware (löblich: Software) auf und erfreue mich am Hitparadenerfolg "Wild Angels" (löblich: Wilde Engel) – wie schön.
17.00 Uhr Auch heute beantworte ich Fragen besorgter Erziehungsberechtigter und sehe mich genötigt, Herrn Karl V. aus Potsdam mit Ratschlägen zu versorgen. Der arme Mann schildert mir seine Probleme und schreibt, dass seine unterbelichtete Tochter Dörte (16) jedes Wochenende in gefährlichen Tanzlokalen anzutreffen ist - wie furchtbar. Selbstverständlich tröste ich den Heini redlichst und empfehle ihm, dem Kind das Taschegeld für mindestens 6 Monate zu streichen und eventuell Hausarrest zu verordnen - so kann es jedenfalls nicht weitergehen.
17.30 Uhr Nachdem ich weitere Hilferufe beantwortet habe, sorge ich im Gästebuch für Ordnung. Zu guter Letzt überprüfe ich die aktuellen Bestellungen im Andenkenladen und gehe zufrieden von der Leine, um mir ein leichtes Nudelgericht zuzubereiten. Fachmännisch stelle ich einen Topf mit Wasser auf die Herdplatte und zaubere im Handumdrehen köstliche Farfalle (löblich: Schmetterlingsnudeln) mit Tomatensauce - wie gut das duftet. Danach lasse ich mir die Jause im Wohnzimmer schmecken und fröne weitere den grössten Erfolgen der aus Sharon in Kansas stammenden Ausnahmesängerin Martina McBride - was kann es schöneres geben.
18.15 Uhr Als sich die Nacht über Naples legt, setze ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Gang und lasse dann den anstrengenden Tag bei einem hunde- und rentnergerechten Fernsehabend ausklingen. Ich drücke mich cocacolaschlürfend durch die unzähligen Programme und registriere, dass von spannenden Fernsehformaten keine Rede sein kann - wie schade. Letztendlich bleibe ich auf dem Nachrichtensender FOX hängen und folge einem Vorbericht zum anstehenden "Super Bowl" Finale in Indianapolis.
19.00 Uhr Um nicht ganz zu verblöden, verfrachte ich zur besten Sendezeit eine selbstgebrannte DVD ins Abspielgerät und lasse die Seele bei der 1970er Vorabendserie "Der ganz normale Wahnsinn" baumeln. Die Produktion erzählt aus dem Leben des frisch geschiedenen Journalisten Maximilian, der sich unsterblich in die rassige Gloria verliebt. Ich öffne eine Packung PRINGLES und werde Zeuge, wie die zwei auf Wohnungssuche gehen und in haarsträubende Abenteuer verwickelt werden - da kommt Freude auf.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung betätige ich den "OFF" (löblich: AUS) Knopf und unternehme mit Dixon im Schlepptau einen kleinen Rundgang durch den Garten. Nachdem ich die Verandatüre verschlossen habe, lege ich mich ins Bett und schmökere noch etwas in einem spannenden Dean Koontz Gruselroman. Gute Nacht.


02.02.2012
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser,

heute, am vierzigsten Tag nach Heilig Abend, wird in den christlich geprägten Ländern "Mariä Lichtmess" gefeiert. In unzähligen katholischen Kirchengemeinden werden Kerzen geweiht und Lichterprozessionen abgehalten. Die brennenden Kerzen werden anschliessend in die Häuser getragen, um sie gut sichtbar in die Fenster zu stellen. Laut einer alten Sage soll das weisse Licht vor Krankheiten, Unwetter und Tod schützen.

Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika wird mit dem "Candlemass Day" an die Einführung Jesu in den Tempel erinnert. Darüber hinaus steht der 2. Februar ganz im Zeichen des "Groundhog Days". Besagter Brauch entstand im späten 19. Jahrhundert im Bundesstaat Pennsylvania. Seit dem Jahre 1887 macht es sich der Bürgermeister der kleinen Stadt Punxsutawney zur Aufgabe, Murmeltiere aufzuschrecken und sie nach dem Wetter zu befragen. Wenn sich die putzigen Nagetiere in ihre Bauten zurück ziehen, ist davon auszugehen, dass der Winter noch weitere 6 Wochen andauern wird.

Durch den amerikanischen Spielfilm "Groundhog Day" (auf deutsch: Und täglich grüsst das Murmeltier) wurde das Ritual international bekannt und entwickelte sich auf dem nordamerikanischen Kontinent zu einem beliebten Familienfest. Mittlerweile wird der "Groundhog Day" in den USA, Kanada und Mexiko mit farbenfrohen Strassenumzügen und/oder Volksfesten begangen - wie schön.

Ich habe den heutigen Tag dazu genutzt, um in Edelberts und Frau Pontecorvos Gesellschaft die heilige Messe in der "Naples Christian Church" zu besuchen. Anschliessend habe ich die netten Leute zu einem Umtrunk in meine kleine Villa eingeladen und sie mit vitaminreichem Grillfleisch verwöhnt. HEUREKA - das war ein Vergnügen.

Ich wünsche ihnen einen gesegneten Lichtmesstag
Reinhard Pfaffenberg


01.02.2012
07.30 Uhr Ich öffne die Augen und registriere beim Blick auf den Wandkalender, dass heute der Rebmonat Februar beginnt. Um nicht noch mehr Zeit im Bett zu vertrödeln, stehe ich spornstreichs auf und erkläre meinem tierischen Mitbewohner, dass der zweite Monat in diesem
Jahr nicht 28, sondern 29 Tage umfasst. Ferner weise ich auf die Tatsache hin, dass der Februar in meiner alten Heimat auch "Hornung" genannt wird, weil Rothirsche während der kommenden Wochen ihre Hörner abwerfen. Dixon interessiert sich nur am Rande für meine Aussagen und macht es sich zur Aufgabe, sich am Ohr zu kratzen und aus dem Zimmer zu laufen.
08.00 Uhr Ich folge dem Vierbeiner an die frische Luft und zögere nicht, meine eingerosteten Muskeln mit Dehn- und Streckübungen zu stählen. Ausserdem begrüsse ich den Milchmann und höre, dass ich Herrn Forrest Geld schulde. Der freundliche Lieferant präsentiert eine Rechnung und behauptet, dass seit Dezember 38 Dollars ausstehen. Ich kratze mich am Ohr und überreiche dem Heini den gewünschten Betrag in Bar.
08.15 Uhr Danach kehre ich in die gute Stube zurück und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Nebenher rufe ich bei Edelbert an und lasse meinen Bekannten wissen, dass ich den WINN DIXIE Supermarkt am Golden Gate Parkway ansteuern und Lebensmittel kaufen muss. Prof. Kuhn freut sich und erklärt sich prompt bereit, mich zu begleiten. Ich fackle nicht lange und entgegne, dass ich bald losfahren und ihn gegen 10 Uhr am Haupteingang treffen werde. Edelbert zeigt sich schnell einverstanden und verspricht, pünktlich vor Ort zu sein - wie schön.
09.00 Uhr Da man ohne eine Stärkung nicht aus dem Haus gehen sollte, setze ich mich nach dem Badespass an den Küchentisch und lasse mir in Gesellschaft meines bettelnden Haustieres eine reichhaltige Mahlzeit schmecken. Unter anderem verzehre ich vitaminreiche Honigbrote, Rühreier sowie einen Donut aus dem PUBLIX Supermarkt. Bei dieser Gelegenheit schlage ich die Morgenzeitung auf und erfahre, dass ein örtlicher Sportverein am Wochenende zu einem Halbmarathonlauf einlädt. Ich überfliege den Artikel und lerne, dass die Läufer am Hafen starten und quer durch die Gemeinde rennen werden. Zu allem Überfluss bittet die Polizei alle Anwohner, am Samstag Nachmittag auf die Marathonläufer grösste Rücksicht zu nehmen und das Zentrum weiträumig zu umfahren - das ist wieder typisch.
09.30 Uhr Nachdem ich den Kaffeebecher geleert habe, scheuche ich Dixon zum Chevrolet. Während der kurzweiligen Fahrt zum Supermarkt meines Vertrauens, lausche ich dem Qualitätsradioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und bringe heraus, dass der aus Phoenix in Arizona stammende Landmusiksänger Dierks Bentley in einer Woche sein sechstes Studioalbum mit dem Titel "Home" (löblich: Heimat) veröffentlichen wird. Morgenmoderatorin Amy Lynn überschüttet das Werk mit viel Lob und vermutet, dass sich "Home" spätestens Ende Februar auf Platz 1 der Billboard Hitparade wiederfinden wird - das soll mir auch Recht sein.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute treffe ich am Ziel ein und kann Edelbert freundlich begrüssen. Der schlaue Mann präsentiert sich in einem edlen Anzug und berichtet, dass er nach dem Abschoppen seinen ehemaligen Kollegen von der Universität Berkeley, Herrn Satesh, im renommierten Italiengasthaus "Campiello" treffen wird. Prof. Kuhn ist begeistert und sagt, dass er dem guten Mann einen ersten Entwurf seiner niedergeschriebenen Lebensgeschichte überreichen wird. Ich mache grosse Augen und vernehme weiter, dass mein Bekannter mittlerweile 40 DIN A4 Seiten mit Geschichten aus seiner Jugendzeit gefüllt hat - wie aufregend.
10.15 Uhr Während Hund Dixon brav im Auto wartet, schieben wir einen Einkaufswagen durch die breiten Gänge und laden Waren des täglichen Bedarfs ein. Mein Begleiter plappert wie ein Wasserfall und kündigt an, dass er mir selbstverständlich auch ein Exemplar aushändigen wird. Trotz allem bleibe ich skeptisch und unke, dass es kein leichtes Unterfangen wird, einen Verleger zu finden. Edelbert weiss es besser und sagt, dass er seine Biografie in Eigenregie veröffentlichen und die Bestsellerlisten stürmen wird - darüber kann ich nur lachen.
11.00 Uhr Nachdem wir frisches Obst, Gemüse, Teigwaren und Süssigkeiten ausgewählt haben, eilen wir zur Fleischtheke und geben bei einer übergewichtigen Wurstfachverkäuferin ein Pfund Center Pork Chops (löblich: Schweinekoteletts), hauchdünn aufgeschnittenes Capocollo sowie luftgetrocknete Salami aus Italien in Auftrag. Ich schnalze demonstrativ mit der Zunge und gebe Edelbert zu verstehen, dass ich am "Groundhog Day" das praktische Grillfass mit Holzkohle befüllen und ein exquisites Mittagessen zaubern werde. Der Professor reibt sich die Hände und meint, dass wir vorher die Kirche besuchen und anlässlich des Mariä Himmelfahrt Hochfestes ein Gebet sprechen sollten - wie schön.
11.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schleppe ich die schweren Einkaufstüten zum Auto und freue mich, als mir Edelbert das versprochene Manuskript aushändigt. Nebenbei gibt der schlaue Mann zu Protokoll, dass er auf mein Urteil sehr gespannt ist. Ich nehme die Leseprobe dankbar an und sichere zu, während des Nachmittags einen Blick ins Textbuch zu werfen. Im Anschluss hüpfe ich ruckzuck in den PS-strotzenden SUV und fahre zu stimmungsvoller Radiomusik in Richtung Willoughby Drive davon.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, bin ich endlich wieder daheim und kann aus den Kuhjungenstiefeln schlüpfen. Bevor ich mich von den Strapazen des Vormittages erhole, stelle ich einen Topf mit Wasser aufs Kochfeld und bereite eine nahrhafte Spezialität zu. Des weiteren fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und stelle klar, dass er von meinem Mittagessen nichts abbekommen wird.
12.30 Uhr Während ich Langnudeln mit Kräutern und Olivenöl verzehre, schmökere ich in Edelberts Lebensgeschichte und stelle wohlwollend fest, dass er seine Kindheitserlebnisse trotz des nüchternen Schreibstils spannungsreich schildert. Ich schaufle die Spaghetti in mich hinein und lese, wie Edelbert anno 1948 eingeschult wurde und grosse Probleme mit den strengen Lehrern hatte. Schmunzelnd blättere ich weiter und stosse auf ein Kapitel, das sich mit Edelberts Philosophiestudium an der Ludwig-Maximilians-Universität beschäftigt - wie aufregend.
13.15 Uhr Als ich kurz nach dem Einuhrläuten das Pamphlet weg lege, schellt es plötzlich an der Türe. Ich treffe Frau Gomez an und höre, dass meine Zugehfrau ihren Schlüsselbund vergessen hat. Achselzuckend winke ich die fleissige Dame herein und bitte sie, den Läufer im Wohnzimmer zu saugen und die Wäsche zu waschen.
13.30 Uhr Während die Putzfrau in die Gänge kommt, verabschiede ich mich ins Schlafzimmer und gönne mir eine wohlverdiente Pause. Schon nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum auf das Oktoberfest in der bayerischen Landeshauptstadt München versetzt.
14.30 Uhr Wenig später werde ich durch ohrenbetäubendes Staubsaugerdröhnen geweckt. Weil man bei diesem Krach kein Auge schliessen kann, kehre ich in die gute Stube zurück und brühe frischen Bohnenkaffee auf. Nebenbei tratsche ich mit der Reinigungskraft und unterbreite, dass ich mir in der vergangenen Woche einen Kurzurlaub geleistet und die mexikanische Touristenhochburg Cancún besichtigt habe. Frau Gomez staunt nicht schlecht und erwidert, dass es nichts schöneres geben kann, als auf den azurblauen Golfo de México (löblich: Golf von Mexiko) zu blicken und die Füsse im warmen Wasser zu baden - wie wahr.
15.00 Uhr Nach dem Kaffeekränzchen setze ich mich an den Heimrechner und rufe Fragen besorgter Erziehungsberechtigter ab. Frau Fabienne K. aus Berlin berichtet schier Unglaubliches und schreibt, dass ihre Tochter Julia (13) einschlägige Internetzplauderkanäle besucht und sich mit anderen Jugendlichen über unsinnige Themen austauscht. Da diese Freizeitbeschäftigung sehr unlöblich ist und sogar zum Gehirnbrand führen kann, rate ich der armen Frau, schnellstmöglich mit dem Fernsehsender KABEL 1 in Verbindung zu treten und das Kind für das Sendeformat "Die strengsten Eltern der Welt" anzumelden.
15.30 Uhr Nachdem ich einem alleinerziehenden Vater aus Düsseldorf geraten habe, seine beiden Kinder Bert und Bärbel (15 und 16) nicht jedes Wochenende ins Tanzlokal wandern zu lassen, schalte ich noch geschwind die aktuellen Einträge im Gästebuch frei - da kommt Freude auf.
16.00 Uhr Danach widme ich mich meiner privaten Korrespondenz und finde im elektronischen Postkasten eine Nachricht meines Bekannten Friedbert Bürstenbinder. Ich erhalte die Auskunft, dass der ehemalige Seefahrer mit dem Gedanken spielt, im Wonnemonat Mai nach Florida auszufliegen und mir für einige Tage Gesellschaft zu leisten - wie aufregend.
16.30 Uhr Endlich ist alles abgearbeitet und ich kann den Heimrechner mausdrückend herunterfahren. Weil man gerade im Alter auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten sollte, laufe ich in die Küche und genehmige mir ein kühles Budweiser direkt aus dem Eiskasten - das tut gut.
16.45 Uhr Just als ich im Liegestuhl auf der Terrasse platz nehme und mir den Hopfentrunk munden lasse, werde ich durch lautes Telefonschrillen gestört - wie unlöblich. Ich nehme das Gespräch entgegen und bin überrascht, Prof. Kuhn in der Leitung zu haben. Der Professor kommt sofort auf den Grund seines Anrufs zu sprechen und berichtet von dem Treffen mit seinem ehemaligen Kollegen Dr. Satesh. Der schlaue Mann von der Universität Berkeley verfügt anscheinend über schriftstellerische Erfahrung und gab Edelbert zu verstehen, dass der Entwurf seiner Memoiren zwar ganz nett zu lesen ist, jedoch recht unprofessionell daherkommt. Prof. Kuhn ist verärgert und meint, dass er jetzt alles überarbeiten muss und eventuell sogar die Hilfe eines erfahrenen Schriftstellers in Anspruch nehmen wird - wie unlöblich.
17.15 Uhr Nachdem ich meinem Bekannten erklärt habe, dass er die ganze Sache am Besten sein lassen sollte, beende ich das Telefonat und trinke in Ruhe mein Bier aus. Währenddessen beobachte ich Hund Dixon, der ausgelassen mit einem Stückchen Holz im Garten spielt - da kommt Freude auf.
18.15 Uhr Da es langsam Zeit für eine kleine Brotzeit wird, gehe ich in die Küche und mache mich daran, das löbliche Abendessen zuzubereiten. Nachdem ich bereits heute Mittag fürstlich gespeist habe, begnüge ich mich mit einer Kleinigkeit und zaubere einen bunten Salat mit Oliven, Tomaten, Karotten sowie Petersilie und garniere das ganze mit köstlichem Thunfisch aus der Dose - wie gut das duftet.
18.30 Uhr Ich lasse mir das gesunde Mahl zungeschnalzend im Wohnzimmer schmecken und gebe meinem bettelnden Haustier das eine oder andere Stück Thunfisch ab. Nebenbei blättere ich in der Fernsehzeitung und komme schnell zu der Einsicht, dass ich heute wieder einmal einen gepflegten DVD Abend einlegen sollte.
19.00 Uhr Bevor ich mit dem Haustier zu einem Abendspaziergang aufbreche, sorge ich in der Küche für Sauberkeit und Ordnung und vergesse auch nicht, die Spülmaschine knopfdrückend in Betrieb zu nehmen. Danach leine ich Dixon an und fordere ihn auf, mir nach draussen zu folgen. Der Vierbeiner freut sich ganz besonders und rennt ausgelassen hinaus - wie schön.
19.15 Uhr Wir spazieren gutgelaunt den Willoughby Drive hinunter und werden Zeugen, wie drei ältere Damen in einem goldenen Cadillac an uns vorbeifahren und freundlich winken. Ich grüsse zurück und erinnere mich, dass es sich bei den alten Schachteln um Frau Pontecorvos Freundinnen handelt, die jede Woche zum Kartenspielen anrücken - wie unlöblich.
19.45 Uhr Zurück in meiner gemütlichen Villa, nehme ich entspannt auf dem Wohnzimmersofa platz und freue mich auf entspannte Stunden vor dem Fernseher. Zuerst stelle ich allerdings eine Schale mit Erdnüssen auf den Tisch und vergesse auch nicht, eine Flasche Coca Cola zu öffnen.
20.00 Uhr Während Hund Dixon sich mit einem Kauknochen beschäftigt, drücke ich auf den "PLAY“ (löblich: Spiel) Knopf der DVD Fernbedienung und sehe wenig später, wie Kommissar Franz Schöninger in der bayerischen Landeshauptstadt für Recht und Ordnung sorgt und nebenbei seinen Sohn in Richtung Gebirgsjäger verabschiedet.
20.30 Uhr Als Herrn Schöningers Ehefrau Elisabeth auch noch einen Urlaubsflug nach Madeira bucht, komme ich aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und erkläre Dixon, dass "Polizeiinspektion 1" ein echtes Fernsehschmankerl war. HEUREKA - von solchen Serien kann man heutzutage nur noch träumen.
21.00 Uhr Ein virtueller Ausflug in die alte Heimat geht zu Ende und ich schalte alle elektronischen Geräte aus. Nachdem ich mit meinem Haustier noch einen kleinen Rundgang durch den Garten unternommen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schlafe schon bald ein. Gute Nacht.


31,01.2012
07.30 Uhr Der Radiowecker geht an und ich habe das Vergnügen, "Trailer for Rent" (löblich: Wohnwagen zu vermieten) der Frauenkapelle "Pistol Annies" zu hören. Beschwingt werfe ich die Bettdecke zur Seite und erkläre Hund Dixon, dass ich mich heute in Naples bestem 
Turnstudio sportlich betätigen werde. Weil Morgenstund' bekanntlich Gold im Mund hat, rolle ich mich aus dem Wasserbett und lockere meine eingeschlafenen Muskeln auf der Terrasse. Währenddessen fällt mir auf, dass ein kühler Ostwind um die kleine Villa fegt - wie unlöblich. Angesichts von nur 58°F (14°C) mache ich prompt kehrt und nehme ein wärmendes Vollbad mit Schaum.
08.00 Uhr Während ich mich wasche und rasiere, folge ich wissbegierig der Internetzradioberichterstattung des Bayerischen Rundfunks und lerne, dass der 31. Januar ein wichtiges Datum in der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt war. Anno 1958 schoss die NASA ihren ersten Satelliten in den Orbit. Die "Explorer 1" (löblich: Erkunder 1) wurde erfolgreich in die Erdumlaufbahn gebracht und sendete 12 lange Jahre Messdaten zur Erde. Drei Jahre später, am 31. Januar 1961, startete der Schimpanse Ham von Cape Canaveral aus ins All. Der Affe blieb für sechs Minuten in der Schwerelosigkeit und wurde am gleiche Tag lebend aus dem Atlantik geborgen. Ferner wurde am 31. Januar 1971 die "Apollo 14" Mission mit den Astronauten Stuart Roosa, Alan Shepard und Edgar Mitchell zum Mond entsandt. Die Raumfahrer erkundeten das "Fra-Mauro-Hochland" und brachten Gesteinsproben zur Erde - wie aufregend. Ich seufze laut und würde mich freuen, ebenfalls in den Weltraum zu fliegen und unseren blauen Heimatplaneten von oben zu sehen. HEUREKA - höchstwahrscheinlich wird dieser Wunsch nie in Erfüllung gehen.
09.00 Uhr Nachdem ich modische Sportkleidung angezogen habe, setze ich mich an den Küchentisch und labe mich an gesunden Kellogg's Krave™ Chocolate Cereal und frischer Muh. Dazu trinke ich süffigen O-Saft aus dem Hause TROPICANA und lasse mein Haustier wissen, dass es grossen Spass bereitet, in einer Turnhalle Sport zu treiben. Der störrische Rüde kaut gelangweilt auf einem Tennisball herum und zieht es vor, nach nebenan zu trotten, um Nachbarshund Joey mit einem Besuch zu überraschen.
09.30 Uhr Redlichst gestärkt laufe ich zum Eigenheim der Cranes und gebe der Frau des Hauses zu verstehen, dass nun die Zeit gekommen ist, Gewichte im "Whitaker Wellness Center" zu stemmen. Die ehemalige Olympiateilnehmerin zwinkert mir zu und sagt, dass sie gerne auf Dixon aufpassen und ihm ein reichhaltiges Mittagessen vorsetzen wird - wie schön. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, hüpfe ich in den Chevrolet und rase hupend in Richtung Süden davon. Um für beste Stimmung zu sorgen, wähle ich den in Fort Myers beheimateten Qualitätssender WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) aus und erfreue mich an aktuellen Landmusikschlägen von Joe Nichols und Steve Holy - was kann es schöneres geben.
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 deutet, betrete ich die Turnhalle meines Vertrauens und werde von Empfangsdame Kelly herzlich begrüsst. Die Frau überreicht mir ein Handtuch und möchte wissen, ob ich heute mit einer Massage Vorlieb nehmen möchte. Ich nicke eifrig und stelle klar, dass ich zuvor im Geräteraum einige Meilen auf einem Trimm-Dich Fahrrad abstrampeln werde. Das Mädchen schenkt mir ein Lächeln und verspricht, den Massageraum für 12 Uhr zu reservieren.
10.15 Uhr Nachdem ich Herrn Jensen einen guten Morgen gewünscht habe, steige ich auf den Ergometer und mache es mir zur Aufgabe, kräftig in die Pedale zu treten. Der Übungsleiter leistet mir Gesellschaft und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass man kerzengerade auf dem Fahrrad sitzen muss. Ich schlage in die gleiche Kerbe und erwähne nebenbei, dass ich in der vergangenen Woche in Cancún war. Herr Jensen ist begeistert und entgegnet, dass er vor 10 Jahren auf einem klapprigen Drahtesel durch Mexiko gefahren ist und die im Dschungel liegende Mayatempelanlage "Coba" besichtigt hat - wie aufregend.
10.45 Uhr Nach dreissig Minuten torkle ich nach Luft ringend in das angeschlossene Bistro und gebe beim Schankkellner eine braun'sche Röhre in Auftrag. Der muskelbepackte Heini kredenzt zuvorkommend eine Diät Coca Cola und unkt, dass ich gleich aus den NIKE Turnschuhen kippen und einem Herzinfarkt zum Opfer fallen werde. Ich winke lachend ab und unterbreite, dass mein Kreislauf bestens in Schuss ist. Der Wirt zuckt mit den Schultern und animiert mich, Steroide sowie Hormonpräparate einzunehmen, um meine Leistungsfähigkeit zu steigern - wie unlöblich.
11.15 Uhr Im Anschluss nehme ich auf einer Hantelbank platz und stemme ohne grössere Anstrengung 40 Pfund in die Luft. Herr Jensen belobigt mich und meint, dass ich am Jahresende bei der "Mr. Universe" Wahl in Los Angeles teilnehmen kann - das wäre phantastisch.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten beende ich die Übung und trinke ein weiteres Coca Cola in der Wirtschaft. Bei dieser Gelegenheit komme ich mit einem älteren Herren ins Gespräch und erfahre, dass der 61jährige täglich das "Whitaker Wellness Center" besucht, um bei einer Watsu Massage die Seele baumeln zu lassen. Da ich mit diesem Begriff nichts anfangen kann, frage ich nach und erhalte die Auskunft, dass man bei einer japanischen Wasserdruckmassage splitternackt im brusttiefen Salzwasser liegt und eigenartige Verrenkungen vorführen muss. Ich mache grosse Augen und erwidere, dass ich es vorziehe, mich nach althergebrachter Art und Weise durchkneten zu lassen - immerhin bin ich ein seriöser Rentner mit Prinzipien.
12.15 Uhr Mit kurzer Verspätung stosse ich die Türe zum Massageraum 7 auf und werde von Frau Maggie gebeten, mich auf eine Pritsche zu legen. Natürlich komme ich der Aufforderung anstandslos nach und komme in den Genuss, von der übergewichtigen Dame verwöhnt zu werden. Frau Maggie verteilt duftendes Öl auf meinem Rücken und macht sich daran, meine verspannte Schulterpartie zu lockern und für eine verbesserte Durchblutung zu sorgen.
13.00 Uhr Völlig entspannt steige ich in den PS-strotzenden SUV ein und steuere kurzerhand einen McDonalds Drive-Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter an, um ein vitaminreiches Mittagessen zu erstehen. Weil gesunde Ernährung heutzutage besonders wichtig ist, ordere ich per Sprechdurchsage einen BigMac, XXL Portion Kartoffelstäbe, 12 Chicken Breast Strips (löblich: Hühner Bruststreifen) sowie einen Premium Caesars Salad (löblich: Prämierten Cäsar Salat). Danach rase ich ohne Umwege nach Hause und hole Dixon bei Familie Crane ab.
13.45 Uhr Anschliessend mache ich es mir im Wohnzimmer gemütlich und beisse kraftvoll in den gesunden Burger. Hund Dixon fiept unterdessen in einer Tour und fordert mich auf, ihm etwas von der Mahlzeit abzugeben. Ich drücke ausnahmsweise ein Auge zu und kredenze dem Vierbeiner zwei Kartoffelstäbe sowie einen Hühnerklumpen - das schmeckt ihm.
14.15 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit gesorgt und die Mülltüte hinaus getragen habe, bette ich mich in der guten Stube zur Ruhe. Während sich Dixon mit einem quietschenden Spielzeug beschäftigt, schliesse ich die Augen und schlummere bald ein.
15.15 Uhr Leider wird mein Nickerchen wenig später durch ohrenbetäubendes Telefonklingeln unterbrochen. Zu allem Überfluss meldet sich Sandra und berichtet, dass ihre Mitbewohnerin Bärbel heute nach Gran Canaria ausgeflogen ist. Meine Mieterin versorgt mich mit Infos und erzählt, dass Bärbel ein Last-Minute-Angebot (löblich: Letzte Minute Angebot) in Anspruch genommen hat und sich bis zum 7. Februar im "Rondo Aparthotel" in Playa Del Ingles von den Alltagsstrapazen entspannen wird. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und stelle klar, dass ich mir solch sündteuren Luxusreisen unmöglich leisten kann. Sandra hat nur Hohn und Spott übrig und erinnert, dass ich in der vergangenen Woche in Cancún war. Um in kein Streitgespräch verwickelt zu werden, beende ich das Telefonat und brühe mit dem futuristischen DeLonghi Vollautomaten echten Bohnenkaffee auf.
15.45 Uhr Um die Nachmittagsstunden sinnvoll zu gestalten, nehme ich am Schreibtisch Platz und beginne mit der Anschnurarbeit. Mit flinken Fingern tippe ich die Adresse meiner Heimseite in die Firefox (löblich: Feuerfuchs) Leiste und rufe Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter ab. Frau Käthe F. aus dem schönen Ennepetal schildert mir ihr Leid und schreibt, dass ihr Sohn Patrick (16) eine Vorliebe für gewaltverherrlichende Heimrechnerspiele hat und sich die Nächte vor dem Bildschirm um die Ohren schlägt - wie schrecklich. Um schlimmeres Unheil abzuwenden, rate ich der kleinen Frau, dem Buben ins Gewissen zu reden und den Heimrechner im Keller zu verstecken.
16.30 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten beende ich die Anschnurseelsorge und nehme die aktuellen Nachrichten im beliebten Gästebuch in Augenschein. Weil schon wieder freche Jugendliche beleidigende Botschaften hinterlassen haben, sehe ich mich genötigt, Anzeige beim BKA zu erstatten - wo soll das noch hinführen.
17.00 Uhr Nachdem ich zu guter Letzt Schreiben meines ehemaligen Studienkollegen Thomas Kronach und Admiral a.D. Friedbert Bürstenbinder beantwortet habe, schalte ich das Arbeitsgerät aus und lotse Hund Dixon in die Küche. Wie es sich für einen Tierfreund gehört, serviere ich dem Vierbeiner eine stattliche Portion Royal Canin Trockenfutter sowie frisches Wasser. Ausserdem bereite ich für mich eine Brotzeitplatte mit hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo und Cheddarkäse zu. HEUREKA - schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
17.30 Uhr Danach setze ich mich auf die fliegenvergitterte Terrasse und komme zu dem Schluss, dass der englische Kuhmilchkäse, den ich gestern im "The Sandy Butler Market" (löblich: Der sandige Knecht Markt) gekauft habe, ganz vorzüglich mundet.
18.15 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, lasse ich den Tag im Wohnzimmer ausklingen. Mit Hilfe der neumodernen Fernbedienung navigiere ich durch die unzähligen Satellitenprogramme und verweile letztendlich auf PBC, wo über die Vorwahlen der Republikanischen Partei berichtet wird. Neugierig folge ich den Aussagen des Sprechers und höre, dass heute in Florida Tausende Wähler aufgerufen waren, über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten zu entscheiden - wie aufregend.
19.00 Uhr Da ich keine Lust auf Politik habe, schalte ich auf den Bezahlsender HBO um und entspanne mich beim oscarprämierten Zukunftsfilm "Avatar". Die Produktion aus dem Jahre 2009 erzählt die Lebensgeschichte des Raumfahrers Jake Sully, der die Bewohner des Planeten Pandora ausspionieren soll. Ich lehne mich kartoffelchipsknabbernd zurück und folge gespannt den nervenaufreibenden Schlachten zwischen den Ureinwohnern und den menschlichen Eindringlingen - da kommt Spannung auf.
21.45 Uhr Nach 161 Minuten flimmert endlich der Abspann über den Flachbildschirm. Ich unternehme mit Dixon einen kurzen Spaziergang durch den Garten und stelle erleichtert fest, dass sich keine blauen Ausserirdischen auf meinem Grundstück tummeln. Trotzdem verschliesse ich die Türen besonders sicher und gehe dann zufrieden ins Bett, um noch etwas Radio zu hören. Gute Nacht.


30.01.2012
07.30 Uhr Eine neue Woche beginnt und ich werde durch sehr aggressives Telefonklingeln aus einem schönen Traum gerissen. Zu allem
Überfluss habe ich Edelberts Stimme im Ohr und vernehme, dass am Donnerstag der "Groundhog Day" (löblich: Mariä Lichtmess) gefeiert wird. Mein Bekannter kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und macht mich darauf aufmerksam, dass an besagtem Tag unzählige Schaulustige nach Punxsutawney im Bundesstaat Pennsylvania reisen, um am "Murmeltiertag" teilzunehmen. Ich mache grosse Augen und lerne weiter, dass der Bürgermeister der 6.000 Einwohner zählenden Gemeinde ein Waldmurmeltier aus seinem Versteck locken und es nach dem Wetter befragen wird. Als der Professor vorschlägt, noch heute nach Punxsutawney auszufliegen, knalle ich den Hörer auf die Gabel und hüpfe aus dem Bett. HEUREKA - anscheinend hat Prof. Kuhn nun endgültig den Verstand verloren.
08.00 Uhr Während im Radio das schöne Lied "I got you" (löblich: Ich habe dich) aus der Feder des einstigen Künstlerehepaares Sonny & Cher ertönt, eile ich auf die Terrasse und führe bei mässig warmen Temperaturen die Morgengymnastik durch. Nebenbei spähe ich durchs Küchenfenster meiner Nachbarin und werde Zeuge, wie Frau Pontecorvo den Kaffeevollautomaten mit Wasser auffüllt. Selbstverständlich winke ich der Dame redlichst zu und lasse mich zum wichtigsten Mahl des Tages einladen. Die Gute freut sich und verspricht, wegen der Eiseskälte die Heizung einzustellen - wie schön.
08.15 Uhr Um meine Nachbarin nicht warten zu lassen, verabschiede ich mich spornstreichs ins Badezimmer und lasse bei einem wärmenden Wirbelbad die Seele baumeln. Nebenbei fröne ich dem Internetzradioprogramm des BR und bringe heraus, dass das Bundesinnenministerium just heute vor 32 Jahren die "Wehrsportgruppe Hoffmann" verboten hat. Wie jedes Kind weiss, wurde die kriminelle Vereinigung im Jahre 1973 von Karl-Heinz Hoffmann gegründet und entwickelte sich schnell zur grössten Wehrsportgruppe Deutschlands. Wenige Wochen nach dem Verbot, machte sich ein ehemaliges Mitglied daran, Vergeltung zu üben und auf dem Münchner Oktoberfest eine Bombe zu zünden - wie furchtbar. Obgleich eine unmittelbare Beteiligung von Hoffmann ausgeschlossen werden konnte, war sich die ermittelnde Staatsanwaltschaft sicher, dass der Attentäter in diesem Umfeld seine ideologische und technische Ausbildung erhalten hatte.
09.15 Uhr Nachdem ich in eine frisch gewaschene WRANGLER Tschiens und ein Polohemd geschlüpft bin, eile ich mit Hund Dixon im Schlepptau nach nebenan. Frau Pontecorvo heisst uns herzlich Willkommen und zögert nicht, ein reichhaltiges Frühstück für mich, sowie angebratenen Schinken für den Vierbeiner aufzufahren. Als ich kraftvoll zubeisse, erzähle ich von Edelberts Anruf und unterbreite, dass der verwirrte Professor jetzt auch noch nach Pennsylvania fliegen will, um sich ein Murmeltier anzusehen. Meine Tischnachbarin schüttelt entschieden den Kopf und sagt, dass sie so schnell nicht wieder verreisen wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und stelle klar, dass ich diese Woche keinen Finger rühren werde.
09.45 Uhr Im weiteren Verlauf des Frühstücks kommt meine Nachbarin auf Frau Crane zu sprechen und meint, dass es angebracht wäre, der ehemaligen Olympiateilnehmerin eine Freude zu bereiten. Ich nickt eifrig und entgegne, dass die kleine Frau Hund Dixon während meiner Abwesenheit hervorragend gepflegt hat. Frau Pontecorvo vertritt die gleiche Meinung und hält mich an, der Dame einen Blumenstrauss sowie eine Schachtel Pralinés zu überreichen.
10.30 Uhr Nach der Stärkung streichle ich Dixon übers Köpfchen und fasse den Entschluss, in die Stadt zu krusen und im WAL MART abzuschoppen. Frau Pontecorvo straft mich jedoch mit skeptischen Blicken und sagt, dass es klüger wäre, nach Estero zu fahren, um im "The Sandy Butler Market" (löblich: Der sandige Knecht Markt) nach köstlichen Nuss-Nougat-Pralinen Ausschau zu halten.
10.45 Uhr Wenig später sitze ich im Chevrolet Suburban und rase zu stimmungsvoller Elvis Presley Musik gen Norden davon. Während ich in regelmässigen Abständen die Hupe ertönen lasse, hüpft Dixon ausgelassen auf und ab und drückt seine nasse Schnauze gegen die Fensterscheiben - wie unlöblich.
11.15 Uhr Nach dreissig Minuten verlasse ich die Interstate 75 und folge dem Daniels Parkway in Richtung Ozean. Unterdessen pfeife ich die schöne Melodie zu "Blue Moon" (löblich: Blauer Mond) und lasse Dixon wissen, dass Richard Rodgers und Lorenz Hart dieses Lied im Jahre 1934 komponiert haben. Ferner gebe ich zu Protokoll, dass der "King" (löblich: König) das Stück zwanzig Jahre später in Memphis, TN aufgenommen und auf seinem Debütalbum veröffentlicht hat - wie aufregend.
11.45 Uhr Kurz vor der Mittagszeit komme ich mit quietschenden Bremsen auf dem Parkplatz des Feinkostladens zum Stehen. Wie es sich gehört, lasse ich den Rüden im KFZ zurück und betrete alleine die weitläufige Halle, in der es neben Lebensmitteln und alkoholischen Getränken auch diverse Spezialitäten aus aller Herren Länder zu kaufen gibt. Ich fackle nicht lange und ringe mich dazu durch, zwei Flaschen Veuve Clicquot Schaumwein, einen Liter "Bargamote Olivenöl", Hersheys Schokolade, ein Pfund Cheddarkäse sowie eine Überraschungsschachtel mit 25 Pralinés aus der weltbekannten "Norman Love" Manufaktur auszuwählen.
12.15 Uhr Danach schiebe ich den Einkaufswagen zur Kasse und werde aufgefordert, knapp 90 Dollars zu bezahlen. Ich raufe mir die Haare und zeige nach kurzem Zögern meine praktische Meisterkarte (unlöblich: Mastercard) vor. Die platinblonde Kassenkraft (34) schiebt das Kärtchen fachmännisch durch den Schlitz und kündigt an, dass Kunden in der nächsten Woche 25 % Rabatt bei Barzahlung einstreichen können - das soll mir auch Recht sein.
12.45 Uhr Wieder zurück am Auto, stelle ich die Einkaufstüten im Kofferraum ab und fahre als nächstes ein Blumengeschäft an, um weitere 25 Dollars in einen farbenfrohen Strauss zu investieren. HEUREKA - wenn sich die Preisschraube weiter in diesem Tempo dreht, muss ich wohl doch meine Habseligkeiten auf der Internetzplattform Ebay (löblich: E-Bucht) versteigern und ins Armenhaus umziehen. Missmutig lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und rase ruckzuck nach Naples zurück.
13.30 Uhr Im Willoughby Drive angekommen, statte ich Frau Crane einen Besuch ab und überrasche sie mit feinstem Konfekt und bunten Blumen. Die in die Jahre gekommene Eiskunstläuferin überschlägt sich vor Freude und lässt es sich nicht nehmen, mich zu einem Becher Kaffee in die gute Stube zu bitten.
14.00 Uhr Während ich meine ausgetrocknete Kehle öle, koste ich einige Trüffelpralinés und komme prompt zu dem Schluss, dass die Naschwaren vorzüglich munden. Während Dixon und Joey durchs Wohnzimmer toben, berichtet Frau Crane, dass es ihr grossen Spass bereitet hat, mein Haustier für vier Tage zu beherbergen. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, bringe ich den Dienstag ins Gespräch und lege anschaulich dar, dass ich morgen im "Whitaker Wellness Center" Sport treiben und Dixon erneut in Pflege geben werde.
14.30 Uhr Nachdem das letzte Stück Schokolade in meinem Mund verschwunden ist, verabschiede ich mich winkend und kehre in meine kleine Villa zurück. Ich schlüpfe aus den schweren Kuhjungenstiefeln und ziehe es vor, Dixons Napf mit Royal Canin Trockenfutter aufzufüllen und ein Wurstbrot zu verzehren. Im Anschluss falle ich erschöpft aufs Wohnzimmersofa und strecke genüsslich die Beine aus - das tut gut.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und setze mich schaumweintrinkend an den Schreibtisch. Auch heute komme ich meinen Pflichten als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger nach und erkenne mit geschultem Auge, dass viele Erziehungsberechtigte Ratschläge zum Umgang mit jugendlichen Rabauken benötigen. Herr Conrad T. aus Aschaffenburg schreibt, dass seine Tochter Marlies (15) einen Termin im Stechstudio vereinbart hat und sich einen Nasenring zulegen will - wie unlöblich. Natürlich verfasse ich postwendend eine Antwort und fordere den Familienvater auf, den Stechladen anzuzeigen und seiner Tochter das Taschengeld zu streichen - wo kämen wir denn da hin.
16.15 Uhr Nachdem ich einer alleinerziehenden Mutter aus den neuen Bundesländern geraten habe, ihren alkoholsüchtigen Sohn (16) ins Heim abzuschieben, sehe ich im Andenkenladen nach dem Rechten und führe eine kleine Inventur durch. Bei dieser Gelegenheit sende ich eine elektronische Depesche an meinen indonesischen Grosshändler Bambang ab und bestelle T-Hemden mit meinem Konterfei sowie Lobkappen - da kommt Freude auf.
16.45 Uhr Zu guter Letzt werfe ich prüfende Blicke ins beliebte Gästebuch und schalte Botschaften freundlicher Heimseitenbesucher frei. Anschliessend beende ich die nervenaufreibende Arbeit und mache mich daran, das Abendessen vorzubereiten. Um nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, schiebe ich eine TOMBSTONE Fertigpizza ins Rohr und zaubere einen lustigen Beilagensalat mit Tomaten, Gurkenscheiben, Radieschen und selbstangebauter Petersilie - wie gut das duftet.
17.30 Uhr Ich lasse mir die ausgewogene Mahlzeit in Gesellschaft meines bettelnden Haustieres auf der fliegenvergitterten Terrasse schmecken und blättere nebenher in der Tageszeitung. Ich überfliege einen Artikel über das Super Bowl Finale am kommenden Sonntag und bringe in Erfahrung, dass ESPN ab 18.30 Uhr direkt aus Indianapolis übertragen wird - wie aufregend.
18.15 Uhr Als die Küche blitzt und blinkt, leine ich meinen treuen Begleiter an und animiere ihn, mich auf einem kleinen Spaziergang zu begleiten. Dixon lässt sich nicht zweimal bitten und zerrt mich bellend an den gepflegten Nachbarsgrundstücken vorbei. Nach wenigen Metern halte ich kurz Inne und habe das Vergnügen, ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk) mit Herrn West halten zu können. Der 79jährige wünscht mir einen guten Abend und sagt, dass er morgen mit seiner Angetrauten verreisen wird, um in Atlanta Freunde zu besuchen - wie schön.
19.00 Uhr Nach dem ausgedehnten Gassigang setze ich mich ins Wohnzimmer und fröne den Nachrichten auf FOX. Unter anderem berichtet der Moderator, dass morgen in Florida die Vorwahlen der Republikanischen Partei stattfinden - wie aufregend. Anschliessend schiebe ich eine DVD mit den Abenteuern der Familie Drombusch ins Abspielgerät und schaue mir die ersten beiden Episode des 1980er Jahre Serienerfolgs an. Dabei werde ich Zeuge, wie Oma Drombusch der Familie am Weihnachtstag einen Besuch abstattet. HEUREKA - das muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Weil mir langsam die Augen zufallen, drücke ich auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der neumodernen Fernbedienung. Nachdem ich sämtliche Fenster und Türen sicher verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schlafe bald ein. Gute Nacht.


29.01.2012
Hi Fans,

Clint Eastwoods "J. Edgar" ist ein Film, den man gesehen haben muss. Während der 140 Minuten taucht der Zuschauer nicht nur in das öffentliche Leben des Gründers und langjährigen Direktors des FBI ein. Es wird ausserdem ein Blick auf das private Leben des mächtigen Mannes geworfen. Trotz seines Ruhmes blieb er zeitlebens ein einsamer Mensch, der nur seiner Sekretärin Gandy (gespielt von Naomi Watts) und seinem engsten Mitarbeiter Clyde vertrauen konnte.

Mir hat der Look des Filmes besonders gut gefallen.
Clint Eastwood entschied sich - wie schon bei "Der fremde Sohn" - für ein farbschwaches Bild, das fast wie schwarz/weiss aussieht. Ebenfalls typisch für einen Clint Eastwood Film sind die melancholischen Klavierklänge, die er selbst beigesteuert hat. Ich bin mir sicher, dass "J. Edgar" bei der Oscarverleihung der grosse Gewinner sein und etliche Trophäen ergattern wird :-)

Mein Vermieter hat heute auch schon zweimal angerufen. Er scheint sich einen entspannten Tag auf der Terrasse zu gönnen. Ausserdem hat er zwei Tickets für das Jimmy Buffett Konzert in Tampa am 30. März online auf Ticketmaster.com bestellt. Er und Prof. Kuhn werden Tags zuvor ins 200 Meilen entfernte Tampa fahren und drei Tage dort bleiben. Reinhard ist ganz aus dem Häuschen und kann es gar nicht mehr erwarten, zu Hits wie Margaritaville, Cheeseburger in Paradise oder It's Five O'Clock Somewhere die Hüften kreisen zu lassen ;-)

Jetzt steht Fernsehen auf dem Programm. Ich werde jetzt eine Coppenrath und Wiese Erdbeertorte anschneiden, Kaffee kochen und mich dann zu Bärbel ins Wohnzimmer setzen. Am Abend werden wir natürlich "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus - Das grosse Wiedersehen" anschauen und bestimmt sehr viel Spass haben.

  Bis zum kommenden Wochenende wünsche ich euch alles Gute
  Sandra


28.01.2012
Hallo Leute,

während ich im Münchner KVR schuften und musste mich mit nervigen Kollegen herumgeschlagen habe, urlaubte mein Vermieter in Cancún. Am Wochenanfang las ich Pfaffenbergs Tagebuch und musste erfahren, dass er sich einen "günstigen" Kurzurlaub gegönnt hat. Gemeinsam mit der Pontecorvo und Prof. Edelbert Kuhn flog er am Dienstag nach Cancún, einer Touristenhochburg an der Küste der Halbinsel Yucatáns, und checkte ins Vier-Sterne "InterContinental Resort" ein. Natürlich stand neben einem Besuch bei den Maya Ruinen im Süden auch Shopping auf dem Programm ;-)

Von einem "günstigen" Kurzurlaub kann wirklich keine Rede sein.
Ich habe gerade mit Pfaffenberg telefoniert und gehört, dass der viertägige Aufenthalt in Mexiko knapp 1400 $ verschlungen hat. Kein Wunder - immerhin hat er die Minibar leer gesoffen und am Abend das hoteleigene Bezahlfernsehen in Anspruch genommen. Ausserdem waren die Restaurantbesuche auch nicht gerade billig. Naja, mir soll's Recht sein. Ich hab' Ende März Urlaub und werde dann nach Florida reisen, um kostengünstig bei meinem Vermieter zu wohnen. Teure Urlaube kann ich mir nämlich nicht leisten !!!

Jetzt ist aber Wochenende und ich werde gleich meine Freundinnen Bärbel und Marlene im Kino treffen.
Wir wollen uns das neue Clint Eastwood Meisterwerk "J. Edgar" mit Leonardo DiCaprio, Naomi Watts und Judi Dench anschauen und Popcorn fressen. In der Filmzeitschrift "CINEMA" wurde der Film bereits ausführlich besprochen und mit Lob überschüttet. "J. Edgar" erzählt die Lebensgeschichte des J. Edgar Hoover, der ab 1924 bis zu seinem Tod im Jahre 1972 Direktor des FBI war.

  Mehr gibt es nicht zu berichten. Morgen melde ich mich wieder.
  Eure Sandra


27.01.2012
07.30 Uhr Ich werde durch ein Erdbeben aus einem schönen Traum gerissen und stehe sofort auf. Als ich die Vorhänge zur Seite ziehe
und in Richtung des Hotelschwimmbeckens schaue, fällt mir auf, dass schwergewichtige Damen Aerobic absolvieren. Zu allem Überfluss hüpfen die Walrösser auf und ab und führen zum 1980er Van Halen Hitparadenerfolg "Jump" (löblich: Spring) die Morgengymnastik durch - das ist ja allerhand.
07.45 Uhr Kopfschüttelnd schliesse ich die Balkontüre und mache mich daran, aus dem Schlafanzug zu schlüpfen und ein löbliches Vollbad zu nehmen. Nebenher tippe ich die Nummer von Familie Crane ins NOKIA Handtelefon und freue mich, mit der ehemaligen Olympiateilnehmerin plaudern zu können. Selbstverständlich erkundige ich mich nach Dixon und höre, dass sich der Vierbeiner bei meinen Nachbarn pudelwohl fühlt. Frau Crane lässt die letzten Tage Revue passieren und berichtet, dass mein Haustier sehr brav ist und mich kaum vermisst - das ist wieder typisch. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, komme ich auf meinen Rückflug nach Fort Myers zu sprechen und lege anschaulich dar, dass ich gegen 19 Uhr im Willoughby Drive eintreffen werde.
08.45 Uhr Nach dem Badevergnügen befülle ich den DELSEY Rollkoffer mit meinen Habseligkeiten und vergesse auch nicht, den Bademantel sowie einen Aschenbecher mit "InterContinental Presidente Resort Cancún" Gravur einzupacken. Danach hinterlege ich etwas Kleingeld auf dem Nachttischkästchen und gehe zu Edelberts Zimmer hinüber. Der Professor begrüsst mich freundlich und sagt, dass er hungrig ist und jetzt das wichtigste Mahl des Tages einnehmen möchte. Ich nicke eifrig und bringe in Erfahrung, dass Frau Pontecorvo vor einer Stunde zu einem Strandspaziergang aufgebrochen ist und uns gegen halb 10 im Frühstücksraum treffen wird - das ist phantastisch.
09.15 Uhr Um die kleine Frau nicht warten zu lassen, steigen wir in den Aufzug ein und fahren spornstreichs nach unten, um das Reisegepäck an der Rezeption abzugeben. Anschliessend eilen wir in den Frühstücksraum und gesellen uns gutgelaunt zu Frau Pontecorvo an einen Ecktisch. Ferner winken wir eine Bedienung herbei und ordern kurzerhand grosse Frühstücke, die in Mexiko "Grande Desayuno" genannt werden.
09.45 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, tratsche ich mit meinen Bekannten und erzähle, dass ich gestern Abend auf dem Bezahlkanal AMC eine lustige Komödie gesehen habe. Edelbert wirft mir skeptische Blicke zu und macht mich darauf aufmerksam, dass demnächst ein stattlicher Betrag von meinem Kreditkartenkonto abgebucht werden wird. Ich zucke mit den Schultern und fahre fort, dass ich ausserdem eine ausgetrocknete Kehle hatte und mir zwei Diät Coca Colas, ein Fläschchen Weisswein sowie einen Whiskey aus der Minibar gegönnt habe. Prof. Kuhn hat nur Hohn und Spott übrig und erklärt, dass er schlau ist und mit der 7UP Limonade Vorlieb nimmt. Der gute Mann kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und sagt, dass er die leeren Flaschen mit Leitungswasser auffüllt und sie dann in den Kühlschrank zurückstellt - wie unlöblich.
10.30 Uhr Weil noch etwas Zeit bleibt, schlendern wir nach dem Frühstück zum Strand und vertreten uns die Füsse. Edelbert deutet beeindruckt auf eine leicht bekleidete Blondine mit barocken Formen und unterbreitet, dass es den Frauen in Mexiko erlaubt ist, sich oben ohne zu sonnen. Frau Pontecorvo nörgelt in einer Tour und sagt, dass es sich für eine Dame nicht ziert, sich halbnackt im Sand zu räkeln. Natürlich schlage ich in die gleiche Kerbe und mache es mir zur Aufgabe, die NIKON Digitalkamera zu zücken und ein Beweisphoto zu knipsen - wo kämen wir denn da hin.
11.00 Uhr Nachdem wir marodierende Jugendliche beobachtet haben, die sich auf einer aufblasbaren Spassbanane in die Fluten gestürzt haben, kehren wir zum Hotel zurück und genehmigen uns auf der Sonnenterrasse vitaminreiche Langgetränke (unlöblich: Longdrinks). Ich ordere einen Trunk namens "Island Queen" (löblich: Insel Königin) und lasse meine Bekannten wissen, dass ich am Montag das "Whitaker Wellness Center" aufsuchen und einige Pfunde abtrainieren werde. Edelbert ist begeistert und sagt, dass er meinem Beispiel folgen und sich ebenfalls in Naples bestem Turnstudio anmelden wird. Ich klopfe dem schlauen Mann auf die Schulter und stelle klar, dass körperliche Betätigung besonders im Alter sehr wichtig ist.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten bestellen wir eine weitere Runde Kaltgetränke sowie köstliche Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit French Fries (löblich: französische Kartoffelstäbe). Während der Mahlzeit schwärmt Frau Pontecorvo in den höchsten Tönen und bestätigt, dass es ein Vergnügen war, in Cancún für vier Tage die Seele baumeln zu lassen. Ich stimme prompt zu und gebe zu Protokoll, dass ich bald wieder nach Mexiko ausfliegen werde. Edelbert freut sich und meint, dass wir dann Acapulco im Westen besuchen und uns dort von den Strapazen des Alltags erholen sollten - wie aufregend.
12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, laufen wir zur Rezeption und fordern einen däumchendrehenden Hotelmitarbeiter auf, unsere Koffer herauszurücken und die Rechnung zu präsentieren. Zu allem Überfluss sehe ich mich genötigt, 6.463 Pesos (= 476 Dollars) für Getränke und diverse Restaurantbesuche bezahlen zu müssen. HEUREKA - ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen und weise auf die Tatsache hin, dass ich bald RTL Schuldnerberater Peter Zwegat verständigen muss.
13.00 Uhr Nachdem sich mein Pulsschlag normalisiert hat, verlassen wir das Hotel und besteigen das erstbeste Taxi. Wehmütig präsentiere ich meinen Flugschein und bitte den bärtigen Schoffeur, den 15 Meilen im Südwesten liegenden "Cancún International Airport" anzusteuern. Während der kurzweiligen Fahrt entlang der vorgelagerten Insel, blicke ich ein letztes Mal auf den Golfo de México (löblich: Golf von Mexiko) und erläutere, dass die Halbinsel Yucatán vor 65 Millionen Jahren entstanden ist. Edelbert ist wie immer bestens informiert und wirft ein, dass damals ein zirka 180 Kilometer grosser Meteorit in Mittelamerika eingeschlagen ist und den sogenannten "Chicxulub Krater" ins Erdreich gerissen hat. Angesehene Forscher gehen sogar davon aus, dass kurz nach der verheerenden Katastrophe die Dinosaurier ausgestorben sind.
13.45 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt erreichen wir endlich den Flughafen. Wir schieben unsere Koffer zu einem VIVA AIROBUS Schalter und lernen, dass unser Flug pünktlich um 15 Uhr starten wird - wie schön. Missmutig stellen wir unsere Gepäckstücke aufs Förderband und werden aufgefordert, pro Koffer je 15 Dollars zu bezahlen.
14.15 Uhr Anschliessend bringen wir die Passkontrolle hinter uns und zögern nicht, in die klapprige BOEING 737-300 einzusteigen. Ich lasse mich völlig erschöpft auf meinen Platz fallen und gebe Frau Pontecorvo zu verstehen, dass diesem Stress nicht einmal der stärkste Rentner Stand hält. Meine Sitznachbarin wirkt beruhigend auf mich ein und sagt, dass wir in zweieinhalb Stunden zu Hause sein werden - wie schön.
15.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erhebt sich der Flieger in die Lüfte und dreht nach Norden ab. Ich spähe neugierig aus dem Fenster und habe das grosse Glück, stattliche Öltanker zu sehen, die den Hafen der Millionenmetropole New Orleans ansteuern - wie aufregend.
15.30 Uhr Während wir am sozialistischen Inselstaat Kuba vorbeirasen, stelle ich meine Uhr um eine Stunde vor und erkenne, dass immer noch ein fünfzigminütiger Flug vor uns liegt. Um keine Langeweile zu bekommen, schliesse ich die Augen und entspanne mich redlichst. Schon nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume vom lehrreichen Ausflug zu den Maya Ruinen.
17.15 Uhr Wenig später wird mein Nickerchen durch eine ohrenbetäubende Sprechdurchsage unterbrochen. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und vernehme, dass der Kapitän gerade den Landeanflug eingeleitet hat. Wie es sich gehört, stelle ich den Sitz in die aufrechte Position und unke angesichts des Gepolters, dass der Luftbus auseinanderbrechen wird. Edelbert schickt ein Stossgebet zum Himmel und sagt, dass er nie wieder mit VIVA AIROBUS fliegen wird.
17.45 Uhr Kurze Zeit später setzt der Flugkapitän die BOEING sicher auf der Landebahn auf. Ich wische mir den Angstschweiss von der Stirn und haste zum Ausgang, um endlich wieder amerikanischen Boden zu betreten. Da ich es kaum noch erwarten kann, Hund Dixon in meine Arme zu schliessen, lotse ich meine Reisebegleiter zur Zollkontrolle und mache einem grimmig dreinschauenden Beamten klar, dass wir seriöse Rentner sind und keine Drogen nach Amerika einführen. Der schwerbewaffnete Kontrolleur zieht die Augenbrauen nach oben und wünscht uns einen schönen Abend - das ist phantastisch.
18.30 Uhr Nachdem wir die Koffer in Empfang genommen haben, zeige ich mich spendabel und lade meine Bekannten zu einer Taxifahrt ein. Wir steigen in einen nagelneuen Lincoln Stadtwagen (unlöblich: Lincoln Towncar) mit Lederausstattung ein und animieren den farbigen Fahrer, uns nach Naples zu bringen. Der Mann lässt den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und fährt gemächlich los. Ich lehne mich zufrieden zurück und freue mich, neben der Interstate 75 eine turmhohe Reklametafel mit McDonalds Aufschrift zu entdecken.
19.15 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten biegt der Fahrer in den beschaulichen Willoughby Drive ein. Ich deute lachend in Richtung meiner kleinen Villa und registriere, dass Herr Booth während meiner Abwesenheit den Rasen gemäht hat. Voller Vorfreude überreiche ich dem Taxifahrer druckfrische Scheine und flitze dann wie der Wind zum Anwesen der Cranes. Während sich Hund Dixon auf mich stürzt und mir die Hand leckt, tausche ich mich mit der Frau des Hauses aus und höre, dass der Rüde bereits gefressen und einen Abendspaziergang unternommen hat. Ich bedanke mich für alles und entgegne, dass ich mich schon bald erkenntlich zeigen werde.
19.45 Uhr Danach bitte ich Edelbert und Frau Pontecorvo in mein bescheidenes Haus und entkorke ein Fläschchen Cristal Schaumwein aus dem Hause Louis Roederer. Dazu reiche ich belegte Brote und Gewürzgurken aus dem Glas - das schmeckt. Während wir dem abendlichen Grillkonzert lauschen und mit den Schaumweingläsern anstossen, bringe ich für morgen Früh einen Abstecher in Julies Restaurant zur Sprache. Frau Pontecorvo schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass sie sich für die tollen Tage erkenntlich zeigen und uns gerne einladen möchte - wie schön.
20.30 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb Neun deutet, begleite ich die Gäste zur Türe und wünsche ihnen eine gute Nacht. Im Anschluss fülle ich Dixons Napf mit Royal Canin Trockenfutter auf und ziehe mich ins Badezimmer zurück. Während sich das Haustier mit einem Tennisball vergnügt, entspanne ich mich bei einer Dusche und wasche mir die Haare - das tut gut.
21.00 Uhr Zu guter Letzt lösche ich das Licht und lege mich neben Dixon ins Bett. Ich streichle den Rüden übers krause Fell und schlafe bald ein. Gute Nacht.


26.01.2012
07.45 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und fühle mich prima. Da ich meine Bekannten um 9 Uhr in der Hotelhalle treffen werde, hüpfe ich augenblicklich aus dem King-Size Bett und gönne mir ein Vollbad. Nebenher navigiere ich mit dem praktischen iPad durchs Internetz und bringe heraus, dass das "La Isla Shopping Center" im Stadtteil "Framboyanes" gelegen und bequem mit einem Taxi zu erreichen ist. Weil Frau Pontecorvo das besagte Kaufhaus besuchen möchte, mache ich mich weiter schlau und lerne, dass der Einkaufstempel 150 Geschäfte beheimatet und zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt - das ist knorke.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten schlüpfe ich in farbenfrohe Freizeitkleidung und mache es mir zur Aufgabe, meine GOLDEN HEAD Geldbörse mit Scheinen zu befüllen. Anschliessend fahre ich mit dem Aufzug ins Parterre und bin überrascht, Prof. Kuhn und meine Nachbarin an der Rezeption anzutreffen. Edelbert redet wild gestikulierend auf einen Hotelmitarbeiter ein und macht auf den Umstand aufmerksam, dass seine Toilette verstopft ist. Ich mische mich prompt in die Diskussion ein und lasse den Knecht am Empfang wissen, dass man so mit seriösen Rentnern nicht umspringen kann. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, deute ich auf meine Uhr und stelle klar, dass der Makel bis zum Abend behoben werden muss. Der Hotelheini seufzt laut und verspricht, sofort einen Techniker in den fünften Stock zu beordern - wie schön.
09.15 Uhr Nachdem sich mein Pulsschlag beruhigt hat, schlendern wir in den Frühstücksraum und laben uns an gesunden Rühreiern, getrockneten Tortillastreifen mit Käse sowie brühfrischem Bohnentrunk. Unterdessen löchere ich den Professor mit Fragen und erfahre, dass ihm gestern ein Strumpf ins Klosett gefallen ist und er versehentlich die Spülung betätigt hat. Trotz allem lasse ich kein gutes Haar an den Angestellten des "InterContinental Presidente Resort" und moniere, dass der Service sehr zu Wünschen übrig lässt. Darüber hinaus komme ich auf meine Recherchen zu sprechen und erkläre Frau Pontecorvo, dass wir nach dem wichtigsten Mahl des Tages zum weltbekannten "La Isla Shopping Village" (löblich: Insel Einkaufsdorf) fahren werden. Meine Bekannte überschlägt sich vor Freude und sagt, dass sie die Gelegenheit beim Schopf packen und schöne Kleidung kaufen wird.
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 deutet, verlassen wir das Hotel und winken ein Taxi herbei. Ein  unterbelichteter Fahrer namens Miguel (55) bringt uns in einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt nach Süden und berichtet, dass die Mall an die Cancún Lagune angrenzt und mit exquisiten Freiluft Promenaden aufwartet, die von Kanälen durchzogen sind. Der bärtige Mann zwinkert uns redlichst zu und sagt, dass seine Tochter (19) im "Chili's Restaurant" arbeitet und dort als Tellerwäscherin gutes Geld verdient - wie schön.
10.30 Uhr Wenig später treffen wir am Ziel ein und registrieren, dass wir nicht die einzigen Besucher sind. Missmutig kämpfen wir uns durch die Menschenmenge und gehen als erstes ins "Faconnable" Fachgeschäft, wo sündteure Schuhe und Kleider für Sie und Ihn feilgeboten werden. Ich mache grosse Augen und gebe angesichts der gepfefferten Preise vor, keinen Goldesel im Vorgarten stehen zu haben. Edelbert gibt mir Recht und sagt, dass es in Zeiten der Weltwirtschaftskrise nicht angebracht ist, Seidenkrawatten für 6.800 Pesos (= 500 Dollars) anzubieten.
11.15 Uhr Um mich nicht ärgern zu müssen, lotse ich meine Reisebegleitung ins nächste Geschäft und nehme günstige Polohemden aus dem Hause LACOSTE in Augenschein. Weil mir die Preise angemessen erscheinen, probiere ich ein Hemd an und fasse den Entschluss, meine Börse zu öffnen und dem hochnäsigen Verkäufer vier 20 Dollar Scheine für zwei Exemplare zuzustecken.
11.45 Uhr Im Anschluss führt uns Frau Pontecorvo in eine "Massimo Dutti" Filiale und erzählt, dass angesehene Gesangssterne wie Adele oder Celine Dion auf den spanischen Modeschöpfer schwören. Ich zucke gelangweilt mit den Schultern und werde Zeuge, wie meine Nachbarin mehrere Blusen vom Regal nimmt und in einer Umkleidekabine verschwindet. Währenddessen plaudere ich mit Edelbert und merke an, dass es keinen Spass macht, mit einer Frau zum Einkaufen zu gehen. Der Professor schlägt in die gleiche Kerbe und entgegnet, dass wir langsam eine Wirtschaft ausspähen und uns die Bäuche voll schlagen sollten - wie wahr.
12.15 Uhr Nach geschlagenen dreissig Minuten präsentiert Frau Pontecorvo ein T-Hemd und sagt, dass sie dieses gute Stück zum Preis von 1.900 Pesos (= 140 Dollars) kaufen wird. Ich verdrehe demonstrativ die Augen und antworte, dass man die gleichen Hemden auch bei WAL MART für 8 Dollars bekommt. Die kleine Frau rümpft ihre Nase und deutet stolz auf den "Massimo Dutti" Einnäher im Kragen.
12.45 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, überqueren wir eine Wasserstrasse und kehren in eine einladende "Taco Grill" Gaststätte ein. Wir lassen uns auf der Sonnenterrasse nieder und geniessen den Ausblick auf die angrenzende Lagune. Eine beschürzte Kellnerin lässt nicht lange auf sich warten und serviert durstlöschendes Wasser sowie die Speisekarten. Ich fackle nicht lange und bitte die Mexikanerin, mit Rindfleisch gefüllte Enchiladas aufzufahren. Meine Tischnachbarn folgen meinem Beispiel und entschliessen sich ebenfalls für das mexikanische Nationalgericht.
13.30 Uhr Bereits nach wenigen Augenblicken fährt die rassige Kellnerin (31) die gewünschten Speisen auf und wir kommen in den Genuss, bei schweisstreibenden 79°F (26°C) schmackhaftes Fladenbrot mit Füllung zu essen. Ich lobe die mexikanische Küche über den Schellenkönig und gebe bekannt, dass ich meinen Aufenthalt gerne um einige Tage verlängern würde. Edelbert fällt mir jedoch ins Wort und kündigt an, dass wir morgen um 13 Uhr am Flughafen sein und leider nach Fort Myers zurück fliegen müssen - wie schade.
14.00 Uhr Nach vitaminreichen Eisbechern setzen wir unseren Spaziergang fort und passieren diverse Boutiquen international agierender Handelsketten wie "Avargas", "Brooks Brothers" und "Boss". Als wir nach wenigen Minuten an einem "Socios Comerciales" Souvenirgeschäft vorbeikommen, halte ich kurz inne und gebe meinen Bekannten zu verstehen, dass wir Erinnerungsstücke kaufen sollten. Edelbert winkt gelangweilt ab und erwidert, dass er Geld sparen und morgen kurzerhand den Hotelbademantel einpacken wird - das ist eine hervorragende Idee.
14.30 Uhr Zu guter Letzt bugsiert uns Frau Pontecorvo ins GULA Schuhgeschäft und probiert Sandalen an, die mit Swarowskisteinen verziert sind. Um keine Langeweile zu bekommen, nehme ich entspannt auf einer Bank platz und beobachte einen schwerreichen Russen, der seiner platinblonden und stark geschminkten Freundin hochhackige Pumps kauft. Ich wende mich entnervt Edelbert zu und unterbreite, dass man vor den ungehobelten Russen nirgendwo mehr sicher ist - wo soll das noch hinführen.
15.15 Uhr Endlich hat Frau Pontecorvo eine Entscheidung gefällt und weitere 100 Dollars in modische Halbschuhe investiert. Gähnend verlassen wir den Saftladen und laufen mit schnellen Schritten zum Ausgang, um ins erstbeste Taxi einzusteigen. Mit Händen und Füssen machen wir dem Fahrer klar, dass wir schnellstmöglich zum Hard Rock Cafe gebracht werden möchten. Obgleich der Heini der englischen Sprache kaum mächtig ist, prescht er mit durchdrehenden Pneus in Richtung "Zona Hotelera" davon. Während der kurzweiligen Fahrt plappert der Knecht in fremden Zungen und behauptet, dass in besagter Wirtschaft ein rotes Sakko seines Idols Michael Jackson ausgestellt ist. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben.
16.00 Uhr Völlig verschwitzt betreten wir das gutbesuchte Gasthaus und können einen freien Tisch auf der Empore ergattern. Während meine Freunde Gitarren, Kleidungsstücke und andere Devotionalien anerkannter Musikanten anschauen, winke ich einen Kellner herbei und lasse es mir nicht nehmen, einen grossen Krug Budweiser sowie drei Portionen Nachos zu bestellen - da kommt Freude auf. Prof. Kuhn knipst derweil Photos und weist auf die Tatsache hin, dass das "Hard Rock Cafe Cancún" im Jahre 1974 eröffnet wurde und auch einen Karateanzug beheimatet, der einst Elvis Presley gehört haben soll - wie aufregend.
16.30 Uhr Obwohl ohrenbetäubende Felsenmusik aus den Lautsprechern dröhnt, lassen wir uns die gute Laune nicht verderben. Edelbert schaufelt die mit Käse überbackenen Nachos genüsslich in sich hinein und beteuert, dass wir zeitnah zum Hotel zurückkehren und den Sonnenuntergang auf der Terrasse geniessen sollten. Ich gebe dem schlauen Mann Recht und erwähne, dass ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann.
17.15 Uhr Redlichst gestärkt bemühen wir ein weiteres Taxi und animieren den Fahrer, uns zum InterContinental zu kutschieren. Derweil schaue ich in meine Geldbörse und bemerke, dass das Bargeld langsam zur Neige geht. HEUREKA - wenn sich die Preisschraube weiter in diesem Tempo dreht, muss ich doch noch ins Armenhaus umziehen.
18.00 Uhr Wieder zurück im Hotel, suchen wir die Sonnenterrasse auf und beschliessen den Tag bei süffigen Langgetränken (unlöblich: Longdrinks) und frittierten Zwiebelringen. Nebenbei blicke ich über den azurblauen Golf von Mexiko und bin traurig, in wenigen Stunden der schönen Stadt Cancún auf Wiedersehen sagen zu müssen. Auch Edelbert gibt sich deprimiert und sagt, dass er spätestens im Herbst erneut die Halbinsel Yucatán besuchen und dann etwas länger bleiben wird.
19.00 Uhr Als die Sonne ins Meer sinkt und die Umgebung in ein glühend rotes Licht taucht, überreichen wir dem Kellner ein stattliches Trinkgeld und fahren mit dem Lift nach oben. Ich wünsche meinen Bekannten eine gute Nacht und schliesse dann die Türe zu meinem Zimmer auf.
19.30 Uhr Nachdem ich die neuen Polohemden in den Rollkoffer verfrachtet habe, entspanne ich mich bei einer Dusche. Danach lege ich mich ins Bett und folge interessiert den Abendnachrichten auf FOX. Weil ausnahmsweise keine "Breaking News" (löblich: brechende Neuigkeiten) vorliegen, schalte ich auf den Film- und Serienkanal AMC um und lasse die Seele bei der sehenswerten Komödie "Duplex" (auf deutsch: Der Appartement Schreck) baumeln. Die amerikanische Komödie erzählt die Geschichte des Schriftstellers Alex und der Grafikerin Nancy, die im grossen Apfel eine neue Wohnung beziehen. Doch schon bald gerät das Liebespaar mit einer Nachbarin in Streit - wie schön.
21.00 Uhr Als nach 90 heiteren Filmminuten der Abspann über die Mattscheibe flimmert, drücke ich auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der Fernbedienung und schlummere bald ein. Gute Nacht.


25.01.2012
07.30 Uhr Ich öffne die Augen und habe gar keine Orientierung. Erst als ich auf den Balkon des "InterContinental Presidente Resort" trete, fällt mir ein, dass ich mich seit gestern Nachmittag in Cancún aufhalte - wie aufregend. Ich blicke in Richtung des Hotelschwimmbeckens und werde Zeuge, wie gut ein Dutzend übergewichtiger Frauen im kühlen Nass die Morgengymnastik absolvieren. Kopfschüttelnd kehre ich in die gute Stube zurück und nehme ein Vollbad mit Schaum.
08.00 Uhr Während des Badevergnügens tippe ich Edelberts Nummer ins NOKIA Handtelefon und ärgere mich, weil das Schnurlostelefon keine Verbindung aufbauen kann - das ist wieder typisch. An diesem Beispiel sieht man anschaulich, dass Mexiko ein Entwicklungsland ist und den Vereinigten Staaten von Amerika kaum das Wasser reichen kann. Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und greife zur Seife, um mich ordentlich zu waschen.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und statte Edelbert im Nachbarzimmer einen Besuch ab. Ich tippe auf meine goldene ROLEX und gebe zu Protokoll, dass es langsam Zeit wird, das Vier-Sterne-Hotel zu verlassen und die Maya Ruinen im Süden zu erkunden. Prof. Kuhn stimmt zu und entgegnet, dass wir uns zuvor im hauseigenen Frühstücksraum stärken sollten. Ich nicke eifrig und fordere meinen Bekannten auf, endlich in die Gänge zu kommen. Der schaue Mann gähnt ausgiebig und meint, dass er mich gegen 10 Uhr im Restaurant treffen wird - das ist wieder typisch.
09.00 Uhr Um mir nicht noch länger die Beine in den Bauch stehen zu müssen, klopfe ich an Frau Pontecorvos Türe und stelle erleichtert fest, dass sich die Gute bereits in Schale geworfen hat. Um der kleinen Frau eine Freude zu bereiten, lade ich sie kurzerhand zu einem erquickenden Strandspaziergang ein. Meine Nachbarin ist hellauf begeistert und folgt mir quasselnd zum Aufzug.
09.15 Uhr Wenig später verlassen wir die weitläufige Hotelanlage und saugen die frische Luft tief in unsere Lungen ein. Ich deute beeindruckt auf das azurblaue Wasser und informiere, dass in 500 Meilen Entfernung unser Zuhause liegt. Frau Pontecorvo seufzt in einer Tour und sagt, es bis Kuba auch nur ein Katzensprung ist. Bei dieser Gelegenheit schwärmt meine Bekannte in den höchsten Tönen und unterbreitet, dass es ein Jugendtraum ist, den 150 Meilen im Nordwesten liegenden Inselstaat zu besuchen und durch die Altstadt von Havanna zu schlendern - papperlapapp. Ich lache laut auf und erinnere an die Tatsache, dass es amerikanischen Staatsbürgern nur in Ausnahmefällen erlaubt ist, ins kommunistische Kuba einzureisen.
10.00 Uhr Nachdem wir Muscheln aufgesammelt und Sonne getankt haben, laufen wir zum Hotel und treffen Edelbert kaffeeschlürfend im Frühstücksraum an. Wir setzen uns dazu und ordern bei einer rassigen Kellnerin namens Lupita zwei grosse Frühstücke (unlöblich: Grande Desayuno), bestehend aus gebutterten Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), köstlichem Grillfleisch und einer undefinierbaren braunen Tunke. Frau Pontecorvo greift zu Messer und Gabel und sagt, dass es sich hierbei um eine deftige "Mole" (löblich: Sauce) handelt, die in Mexiko zu fast allen Speisen serviert wird - schmeckt gar nicht schlecht.
10.30 Uhr Während ich meine ausgetrocknete Kehle mit kräftigem Bohnentrunk öle, bringt Edelbert unseren geplanten Ausflug zu den El Rey Ruinen zur Sprache. Der Professor kratzt sich am Ohr und behauptet, dass es bequemer wäre, nicht im Hotelbus, sondern mit einem Taxi zur Sehenswürdigkeit zu fahren. Ich zeige mich schnell einverstanden und gebe vor, dass ich die Spendierhosen angezogen habe und die Kraftdroschke bezahlen werde.
11.00 Uhr Nachdem wir aufgegessen und der Bedienung ein stattliches Trinkgeld zugesteckt haben, eilen wir zum Ausgang und hüpfen ausgelassen in einen verrosteten TOYOTA. Der braungebrannte Fahrer (33) heisst uns herzlich Willkommen und erläutert, dass er sich im Stadtzentrum bestens auskennt und uns die günstigsten Einkaufsmöglichkeiten zeigen könnte. Wir lehnen dankend ab und fordern den Heini auf, die Maya Ruinen im Süden anzusteuern. Der Mexikaner schnalzt mit der Zunge und prescht mit quietschenden Reifen vom Gelände.
11.15 Uhr Während der dreissigminütigen Taxifahrt entlang der sogenannten "Zona Hoteleria" haben wir das Vergnügen, ohrenbetäubender Radiomusik zu lauschen und unzählige Hotelanlagen zu sehen. Der Schoffeur plappert unterdessen ohne Unterlass und setzt uns darüber in Kenntnis, dass im Januar viele Touristen nach Cancún kommen, um ausgelassen zu feiern - das soll uns auch Recht sein.
11.45 Uhr Endlich sind wir am Ziel und ich sehe mich genötigt, dem Halsabschneider 15 Dollars in die Hand zu drücken - wie unlöblich. Nörgelnd folge ich meinen Bekannten zu einem Steinhaufen und lerne anhand einer Infotafel, dass El Rey bereits ab etwas 300 nach Christus von den Mayas besiedelt war. Obgleich Forscher keine Reste von Wohngebäuden gefunden haben, geht man davon aus, dass dieser Ort ein wichtiger Umschlagsplatz für Waren aller Art war - wie aufregend.
12.30 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, spazieren wir zu einem Tempel und lesen, dass die Religion in der Kultur des indigenen Volkes einen grossen Stellenwert eingenommen hat. Edelbert versorgt uns mit Fakten und berichtet, dass Maya Priester die Sterne beobachtet und Kalender erstellt haben, um Vorhersagen für die Zukunft zu treffen. Ich schlage in die gleiche Kerbe und entgegne, dass die Hochkultur trotz ihres immensen Wissens im frühen 19. Jahrhundert zu Grunde gegangen ist. Edelbert belehrt mich jedoch eines Besseren und rechnet vor, dass heutzutage immer noch zirka 6 Millionen Mayas auf der Yucatán Halbinsel sowie in Belize, Guatemala und Honduras leben.
13.15 Uhr Im weiteren Verlauf unseres lehrreichen Rundganges stehen wir plötzlich vor einem Observatorium und erhalten die Auskunft, dass der legendäre Maya Kalender am 21. Dezember 2012 endet. Am besagten Tag soll die Gottheit Golon Yotke (löblich: Gott der Totenwelt) auf die Erde kommen und das Ende der menschlichen Zivilisation einläuten. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben.
14.00 Uhr Nachdem wir alles gesehen haben, laufen wir zur Touristeninformation und nehmen diverse Schaubilder in Augenschein. Unter anderem erfahre ich, dass Menschenopfer in der Religion der Mayas durchaus üblich waren. Wenn man den Aufzeichnungen Glauben schenken kann, wurden nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch Mitglieder des eigenen Stammes geköpft, gesteinigt oder sogar lebendig begraben - wie schrecklich.
14.30 Uhr Zu guter Letzt erwerben wir Postkarten und machen es uns zur Aufgabe, Urlaubsgrüsse an Freunde und Verwandte zu verfassen. Obwohl ich finanziell keineswegs auf Rosen gebettet bin, kaufe ich fünf Briefmarken und lasse meiner Mieterin Sandra, Admiral a.D. Bürstenbinder, meinem Bruder und den Kindern sowie Familie Crane schöne Ansichtskarten zukommen - da kommt Freude auf.
15.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen Armbanduhr auf Drei zugeht, kehren wir völlig verschwitzt zum Bus- und Taxiparkplatz zurück. Um keinen Sonnenstich zu riskieren, steigen wir in eine klimatisierte Kraftdroschke ein und geben dem Fahrer zu verstehen, dass wir hungrig sind und im Zentrum ein einladendes Restaurant besuchen wollen. Der bärtige Heini kommt dem Auftrag prompt nach und bringt uns in einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt ins Zentrum.
15.15 Uhr Ich tippe währenddessen Sandras Nummer ins Handtelefon ein und freue mich, nach dem dritten Tuten mit dem Mädchen sprechen zu können. Natürlich bringe ich meinen Kurzurlaub ins Spiel und lasse die Maid wissen, dass ich mich seit gestern Nachmittag auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán aufhalte. Sandra staunt nicht schlecht und sagt, dass sie sich solche Luxusreisen beim besten Willen nicht leisten kann. Ich winke demonstrativ ab und gebe vor, lediglich 470 zuzüglich 200 Dollars Einzelzimmerzuschlag bezahlt zu haben. Darüber hinaus lasse ich meinen Abstecher zu den Maya Ruinen Revue passieren und kündige an, dass ich gleich eine reichhaltige Mahlzeit verdrücken werde.
15.45 Uhr Um weitere zwanzig Dollars erleichtert, laufen wir durch die engen Gassen Cancúns und fassen den Entschluss, in ein Restaurant namens "La Habichuela" einzukehren. Wir lassen uns entspannt an einem einladenden Tisch nieder und bestellen bei einem zuvorkommenden Ober "Shrimp Steaks" (löblich: Garnelenschnitzel) mit buntem Gemüseteller und süss/saurer Kokosnusssauce. Dazu gibt es hausgemachtes Knoblauchbrot sowie süffiges Corona.
16.15 Uhr Während wir uns den Gaumenfreuden hingeben, plappert Frau Pontecorvo wie ein Wasserfall und sagt, dass wir morgen unbedingt das örtliche "Hard Rock Cafe" besuchen und ausserdem einen Rundgang durch das weltbekannte "La Isla Shopping Village" (löblich: Insel Einkaufsdorf) unternehmen müssen. Die Dame überschlägt sich vor Freude und beteuert, dass man in besagtem Kaufhaus besonders günstige Kleidung und Schuhe kaufen kann - wie aufregend.
16.45 Uhr Nach dem Bezahlvorgang vertreten wir uns die Füsse und gehen auf Schusters Rappen durch die gepflegte Innenstadt, die mit unzähligen Denkmälern und Springbrunnen aufwartet. Ausserdem kommen wir an zwielichtigen Diskotheken vorbei, aus denen schon jetzt aggressive Hipf Hüpf Musik dröhnt. Ich halte mir entnervt die Ohren zu und erkläre Edelbert, dass es die mexikanische Jugend ziemlich bunt treibt. Prof. Kuhn vertritt die gleiche Meinung und winkt ein Taxi herbei, das uns in Windeseile zum InterContinental Hotel zurückbringt.
17.30 Uhr Im Hotel angekommen, suchen wir die hauseigene Gaststätte auf der Sonnenterrasse auf und beschliessen den nervenaufreibenden Tag bei lustigen Langgetränken (unlöblich: Longdrinks) und vitaminreichen Burritos. Bei dieser Gelegenheit plaudere ich mit meinen Bekannten und vermute, dass mich Hund Dixon ganz sicher vermissen wird. Frau Pontecorvo wirkt beruhigend auf mich ein und sagt, dass es dem Vierbeiner bei Familie Crane an nichts fehlen wird.
18.00 Uhr Um auf Nummer sicher zu gehen, rufe ich kurzerhand in Südflorida an und höre, dass die ehemalige Olympiateilnehmerin am Nachmittag einen ausgedehnten Spaziergang unternommen hat und auch im PETCO Hundegeschäft war. Frau Crane kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und berichtet, dass mein Haustier just im Moment mit einem nagelneuen Spielzeug im Garten umhertollt - wie schön.
19.00 Uhr Um Morgen topfit zu sein, leeren wir die Gläser und brechen zu einem kleinen Spaziergang auf. Bei annähernd 82°F (28°C) folgen wir dem Boardwalk (löblich: Strandweg) gen Süden und erfreuen uns am Rauschen des Wassers - was kann es schöneres geben.
19.30 Uhr Danach ziehe ich mich auf mein Zimmer zurück und gönne mir auf dem Balkon eine eiskalte braun'sche Röhre. Im Anschluss hänge ich die Strassenkleidung über eine Stuhllehne und lasse bei einer Dusche die Seele baumeln.
20.00 Uhr Zur besten Sendezeit lege ich mich ins Bett, um mir auf dem Spartenkanal NETFLIX eine Doppelfolge der Ganovenserie "Lilyhammer" anzuschauen. Die amerikanische Produktion erzählt aus dem Leben des Frank Tagliano, der in das Zeugenschutzprogramm eintritt, nachdem er gegen einen New Yorker Mafiaboss ausgesagt hat. Zu allem Überfluss wird der ehemalige Mafiosi nach Norwegen ausgeflogen und sieht sich gezwungen, im verschneiten Lillehammer ein neues Leben zu beginnen - da kommt Freude auf.
21.15 Uhr Nachdem ich mich auf FOX NEWS über die aktuellen Geschehnisse in der Welt schlau gemacht habe, reguliere ich die Klimaanlage und schlafe bald ein. Gute Nacht.

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