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09.03.2010
07.15 Uhr Der Radiowecker geht an und weckt mich mit einem Musikbeitrag der Südstaatencombo "Scott McLeod Band". Ich hüpfe
fröhlich aus den Federn und bemerke, dass die Quecksilberanzeige des Thermometers schon zu früher Stunde 73°F (23°C) erreicht hat. Da man bei subtropischen Temperaturen auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten muss, eile ich mit schnellen Schritten in die Küche und schenke mir ein Glas Milch ein - das schmeckt. Danach ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem löblichen Vollbad baumeln.
07.45 Uhr Während ich mich einseife, folge ich einer Internetzschau des BR und finde heraus, dass amerikanische Flugzeugverbände vor 65 Jahren die schwersten konventionellen Angriffe auf Tokio flogen. Während des zwei Tage andauernden Bombardements warfen 279 Bomber etwa 1.700 Tonnen Sprengstoff auf die japanische Hauptstadt ab. Zum Einsatz kamen hauptsächlich Napalm- und Phosphorbomben, die 41 km² Stadtgebiet vollkommen zerstörten und bis zu 100.000 Menschen den Tod brachten. Anstatt endlich aufzugeben und mit Amerika Frieden zu schliessen, schworen die garstigen Japaner blutige Rache und bauten ihre Stellungen auf den Pazifikinseln weiter aus. Erst die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vier Monate später sorgte für einen Waffenstillstand und einen dauerhaften Frieden in Asien. HEUREKA - Gott sei Dank gehört dieses dunkle Kapitel der Geschichte längst der Vergangenheit an.
08.45 Uhr Nach dem Badevergnügen greife ich zur Schwarzbeere und rufe bei Edelbert an. Als der gute Mann das Gespräch nach dem dritten Klingeln annimmt, schlage ich vor, dass wir heute etwas sinnvolles unternehmen und das städtische
Holocaust Museum besuchen sollten. Der Professor zeigt sich schnell einverstanden und sagt, dass wir uns nach dem Frühstück vor dem Ausstellungsgebäude am Tamiami Trail treffen werden - das soll mir Recht sein.
09.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, setze ich mich an den Frühstückstisch und labe mich an gebutterten Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) und einer Schüssel mit Kelloggs Maisflocken. Währenddessen blättere ich in der Morgenzeitung und stosse dabei auf die Werbebroschüre eines neu eröffneten Pizzabringdienstes. Wissbegierig überfliege ich die angebotenen Speisen und erfahre, dass die netten Wirtsleute neben traditionellen italienischen Gerichten auch eine sogenannte "Breakfast Pizza" (löblich: Frühstückspizza) feilbieten
- wie aufregend. Weil man stets neugierig bleiben sollte, tippe ich augenblicklich die angegebene Rufnummer ins Tastenfeld meiner Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und ordere eine mit lustigen Tomatenscheiben, Salami und Käse belegte Pizza. Die zuvorkommende Telefonistin versorgt mich mit wissenswerten Infos und erklärt, dass die Kreation ausserdem mit einem Ei und Hackfleisch daherkommt. HEUREKA - schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
09.30 Uhr Dreissig Minuten später kommt ein alter Kleinwagen der Marke HYUNDAI vor meinem beschaulichen Anwesen zum Halten. Um dem Lieferanten eine kleine Freude zu bereiten, stecke ich ihm einige funkelnde Münzen zu und beauftrage ihn, sich von dem Geld ein Eis zu kaufen. Im Anschluss geselle ich mich neben Hund Dixon aufs Wohnzimmersofa und beisse kraftvoll zu. HEUREKA -
schmeckt gar nicht schlecht.
10.00 Uhr Nachdem ich meine ausgetrocknete Kehle mit Diät Coca Cola geölt und die Pizzaschachtel in Frau Pontecorvos Mülltonne gesteckt habe, lasse ich den Motor meines JEEP aufheulen. Zu stimmungsvoller
WCKT CAT COUNTRY Radiomusik fahre ich gen Süden und erkläre meinem tierischen Begleiter, dass er während des Museumsrundgangs beste Manieren an den Tag legen muss. Hund Dixon ist ganz anderer Meinung und zieht es vor, laut zu bellen und auf und ab zu hüpfen
- wie unlöblich.
10.30 Uhr Pünktlich auf die Minute kann ich den PS-strotzenden Geländewagen neben Edelberts schneeweissem JEEP parken und meine Bekannten recht herzlich begrüssen. Prof. Kuhn führt uns spornstreichs zum Haupteingang und löst drei Eintrittskarten. Wissbegierig schliessen wir uns einer Führung an und kommen in den zweifelhaften Genuss, schmutzige Kleidungsstücks aus dem Konzentrationslager Dachau zu sehen. Während ich die Sachen genau anschaue, erzählt ein Museumsangestellter, dass besagtes Lager im Jahre 1933 auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik errichtet wurde. Ferner gab der damalige Münchner Polizeipräsident Heinrich Himmler die Order aus, die alleinige Gerichtsbarkeit der SS zu übertragen - wie unlöblich. Selbstverständlich schuf die sogenannte Schutzstaffel schon bald einen "Staat im Staat" und machte es sich zur Aufgabe, politische Gefangene zu foltern und zu ermorden.
11.00 Uhr Als nächstes finden wir uns vor einer Schautafel wieder und lernen, dass die Nazis bis Kriegsende 26 Konzentrationslager in ganz Europa, Russland und dem Balkan betrieben. Der Museumsführer ist bestens informiert und rechnet vor, dass in diesen Tötungsfabriken 1,5 Millionen Juden, Sinti und Romas, Homosexuelle und politische Gegner drangsaliert und letztendlich in die Gaskammern geschickt wurden. Des weiteren gab es unzählige Durchgangslager sowie Jugendanstalten, die ebenfalls für den Tod Tausender Menschen sorgten
- wie schrecklich. Friedbert wendet sich an den Museumsmitarbeiter und moniert, dass man in Deutschland kaum die Möglichkeit hat, sich über das Leiden der von den Nazis verfolgten Menschen zu informieren - wie wahr.
11.30 Uhr Zu guter Letzt lotst uns der bärtige Museumsmann in den Innenhof und präsentiert einen restaurierten Zugwaggon, der den SS-Schergen einst als Transportmittel diente. Um einen genaueren Einblick zu bekommen, nehmen wir die eingestanzten Buchstaben an der Vorderseite in Augenschein und bringen heraus, dass der Wagen während der Nazidiktatur zwischen Landsberg am Lech und diversen Gefangenenlagern pendelte.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, kehren wir deprimiert zu unseren Autos zurück und sind der Meinung, dass jetzt eine reichhaltige Mahlzeit nicht schaden kann. Um auf andere Gedanken zu kommen, bringe ich einen Abstecher zur
"Pelican Larry's Raw Bar & Grill" Gaststätte an der Immokalee Road ins Spiel. Der ehemalige Seefahrer reibt sich den Bauch und verkündet, dass er grossen Durst hat und einen Pitcher (unlöblich: Krug) alleine leeren wird.
12.30 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt können wir das klimatisierte Sportwirtshaus endlich betreten und uns an einen Tisch mit Ausblick setzen. Während sich Hund Dixon gähnend einrollt, winken wir Herrn Larry herbei und bestellen süffiges Miller Bier sowie vitaminreiche Cheeseburgers mit Caesar Salads (löblich: Cäsar Salate).
13.00 Uhr Als wir uns über das wohlverdiente Mittagessen hermachen, kommt Edelbert auf unsere geplante Reise nach Orlando zu Sprechen und meint, dass wir am Donnerstag gegen halb Neun starten sollten. Da ich mich mit der Route bereits vertraut gemacht habe, lege ich meinen Burger zur Seite und kläre über die Tatsache auf, dass wir für die 180 Meilen mindestens 4 Stunden einplanen müssen. Der Professor vertritt die gleiche Meinung und sagt, dass wir uns bis zum Abend im
"Disney World Resort" vergnügen und die Nacht in einem angrenzenden Motel verbringen könnten - das soll mir Recht sein.
13.45 Uhr Nachdem wir uns gestärkt und die Rechnung in Bar beglichen haben, heisst es Abschied nehmen. Ich reiche meinen Freunden die Hand und gebe zu Protokoll, dass ich jetzt ruckzuck nach Hause fahren und mich aufs Ohr legen werde. Friedbert lacht auf und entgegnet, dass er am Nachmittag einen ausgedehnten Strandspaziergang unternehmen und sich die aktuelle Bikinimode ansehen wird - wie unlöblich. Kopfschüttelnd bugsiere ich Dixon auf den Rücksitz des Autos und presche mit quietschenden Reifen davon.
14.15 Uhr Daheim angekommen, serviere ich dem Haustier eine Portion Royal Canin Trockenfutter. Während sich der Hund gierig auf die Jause stürzt, lege ich mich aufs bequeme Wohnzimmersofa und strecke genüsslich die Beine aus - das tut gut.
15.15 Uhr Sehr aggressives Telefonklingeln reisst mich aus einem schönen Traum. Missmutig halte ich mir den Sprechapparat ans Ohr und bin überrascht, Herrn Wonglers Stimme in der Leitung zu haben. Herr Wangs Nachbar redet ohne Unterlass auf mich ein und verdeutlicht, dass er seine Mexikoreise kurzfristig um eine Woche verlängert hat und erst seit Sonntag wieder in Naples ist. Der 79jährige schwärmt in den höchsten Tönen und sagt, dass er seinen Aufenthalt in Cancún genossen und täglich abgefeiert hat - das ist phantastisch. Weil ich unter Zeitdruck stehe und nicht den ganzen Nachmittag plaudern kann, sichere ich Herrn Wongler zu, morgen in den Lowbank Drive zu kommen und etwas Zeit mitzubringen. Mein Gesprächspartner ist begeistert und erklärt, dass er mich gegen halb Eins zum Mittagessen erwarten wird.
15.45 Uhr Nachdem ich den alten Mann endlich abgewimmelt habe, brühe ich frischen Bohnenkaffee auf und setze mich dann an den
leistungsstarken Heimrechner. Wie es sich für einen staatlich anerkannten Anschnurseelsorger gehört, rufe ich Depeschen
besorgter Heimseitenbesucher ab. Unter anderem schreibt Herr Ulrich R. (66) aus Aue, dass er grosse Probleme mit seiner thailändischen Ehefrau (23) hat. Anstatt sich aufopferungsvoll um den Haushalt zu kümmern, zieht es das Kind vor,
zigaretterauchend auf dem Kanapee zu liegen und zwielichtigen Seifensendungen im öffentlich rechtlichen Fernsehen zu frönen - wie unlöblich. Um schlimmeres Unheil abzuwenden, spreche ich dem Mann gut zu und rate ihm, härtere Saiten aufzuziehen und schnellstmöglich die Scheidung einzureichen. Immerhin gehört es zum Aufgabenfeld einer jeden Frau, ihrem Ehemann zu dienen und den Haushalt in Schuss zu halten.
16.30 Uhr Nach getaner Arbeit werfe ich einen Blick ins elektronisches Gästebuch und schalte Nachrichten freundlicher Internetzstehsegler frei. Danach gehe ich von der Leine und schnappe mir vom Küchentisch einen vitaminreichen Donut mit Zuckerguss.
16.45 Uhr Als ich mir das Gebäckstück auf der fliegenvergitterten Terrasse schmecken lasse und in den wolkenlosen Himmel schaue, gesellt sich Frau Pontecorvo dazu und möchte wissen, ob ich ihr beim Abendessen Gesellschaft leisten möchte. Da ich ausnahmsweise keine wichtigen Termine habe, stimme ich prompt zu und folge der guten Frau nach Nebenan.
17.15 Uhr Während meine Nachbarin in der Küche mit den Töpfen hantiert, decke ich den Esstisch und vergesse nicht, ein Fläschchen KERBEL Weisswein aus dem goldenen Kalifornien zu entkorken. Nebenher lasse ich den heutigen Museumsbesuch Revue passieren und gebe bekannt, dass ich am Donnerstag nach Orlando reisen werde. Meine Gastgeberin wird schnell hellhörig und meint, dass sie sich diesem Ausflug gerne anschliessen würde - papperlapapp. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, falle ich der Dame ins Wort und stelle klar, dass die Reise bestimmt sehr strapaziös wird.
17.45 Uhr Während wir ein herzhaftes Nudelgericht im klimatisierten Wohnzimmer verköstigen und mit den Weinkelchen anstossen, straft mich Frau Pontecorvo mit kritischen Blicken und meint, dass es ihr durchaus Freude bereiten würde, nach Orlando zu fahren. Um der netten Frau den ganzen Stress zu ersparen, winke ich demonstrativ ab und erläutere, dass es sich um eine Art Forschungsreise handelt und Friedbert keine Frauen dabei haben will.
18.30 Uhr Nachdem ich Frau Pontecorvo einen angenehmen Fernsehabend gewünscht habe, kehre ich in meine Villa zurück und erfreue mich an einer neuen Ausgabe der spannenden Verbrecherschau
"Americas Most Wanted" (löblich: Amerikas meist Gesuchte). Moderator John Walsh präsentiert auch heute die schlimmsten Verbrechen auf dem nordamerikanischen Kontinent und informiert über einen Auftragsmord, der derzeit die ganze Nation in Atem hält. Ich kralle mich an der Sofalehne fest und verfolge mit Schrecken die Lebensgeschichte eines griechischen Einwanderers, der vor drei Wochen Opfer eines Schwerverbrechens wurde. Die ermittelnden Behörden gehen aktuell davon aus, dass Herr Yanis G. (25) im Drogenmilieu unterwegs war und von hochrangigen Mafiamitgliedern zur Strecke gebracht wurde - wie aufregend.
19.30 Uhr Zur besten Sendezeit wähle ich den Bezahlsender HBO aus und entspanne mich beim sehenswerten Serienformat "Rome" (löblich: Rom). Dabei werde ich Zeuge, wie Cleopatra die italienische Hauptstadt besucht, um die Anerkennung Caesarions als legitimen Sohn des ermordeten Julius Caesar zu fordern - da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Als der Abspann über den Bildschirm flimmert, mache ich einen kleinen Rundgang durchs Eigenheim und verschliesse sämtliche Fenster und Türen. Danach gehe ich zufrieden ins Bett und blättere noch etwas im Rand McNally Strassenatlas. Gute Nacht.
08.03.2010
07.15 Uhr Ich werde durch wunderschöne Musik geweckt und erfahre auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land), dass
Johnny
Cashs langjähriger Produzent Jack Rubin vor wenigen Wochen eine Kompaktscheibe mit bisher unveröffentlichten Liedern des Künstlers auf den Markt gebracht hat - wie aufregend. Ich hüpfe zu den Klängen von "Cool Water" (löblich: kühles Wasser) von der Matratze und führe den Frühsport auf der fliegenvergitterten Terrasse durch - wer rastet, der rostet.
07.30 Uhr Während ich meine Muskeln stähle und in den wolkenlosen Himmel schaue, kommt Frau Pontecorvo aufgeregt an die
Grundstücksgrenze und gibt bekannt, dass sich ein Stinktier im Nachbarhaus tummelt
- wie unlöblich. Weil diese Raubtierart sehr gefährlich ist, renne ich badebemäntelt ins Schlafzimmer und hole meinen Revolver aus dem Nachtkästchen. Danach folge ich Frau Pontecorvo nach Nebenan und werde Zeuge, wie der aggressive Skunk durch die gute Stube flitzt und unter einem Schrank Schutz sucht. Fachmännisch bringe ich Kimme und Korn in Einklang und feuere eine Salve auf den Eindringling ab. Dummerweise geht dabei die Anrichte mit dem wertvollen Porzellan zu Bruch - wie furchtbar. Frau Pontecorvo kreischt hysterisch und bittet mich, nicht noch mehr Schäden anzurichten - papperlapapp.
08.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 8 deutet, haben wir das Tier endlich in die Flucht geschlagen. Meine Nachbarin fällt völlig erschöpft aufs Wohnzimmersofa und gibt mit nassen Augen zu Protokoll, dass ich das kostbare Familienporzellan zerstört habe. Achselzuckend falle ich der Dame ins Wort und erwidere, dass ich sie auch aus den Fängen einer blutrünstigen Bestie befreit habe. Frau Pontecorvo will jedoch nicht hören und sagt, dass ich den Schaden schnellstmöglich meiner Versicherung melden sollte. HEUREKA - das ist also der Dank für alles.
08.30 Uhr Nachdem ich die Schaulustigen vor dem Anwesen beruhigt habe, kehre ich in mein bescheidenes Haus zurück und genehmige mir ein Wirbelbad. Während ich mich wasche und rasiere, mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Schluss, dass mir der Einsatz teuer zu stehen kommen wird. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und kontaktiere die ALLIANZ Vertretung in meiner weissblauen Heimat. Als sich nach dem dritten Klingeln endlich ein Versicherungsheini meldet, klage ich ihm mein Leid und lasse das Geschehene in allen Einzelheiten Revue passieren. Als ich nachfrage, ob das Unternehmen für das zerbrochene Geschirr bezahlen wird, bricht der Depp in lautes Gelächter aus und erklärt, dass meine private Haftpflichtversicherung bei Schäden durch Schusswaffengebrauch nicht einspringt. HEUREKA - nun habe ich den Salat.
09.30 Uhr Deprimiert finde ich mich vor dem Spiegel ein und schlüpfe in bequeme Freizeitkleidung. Danach rufe ich in Edelberts Stadtwohnung an und lasse meinen Bekannten wissen, dass ich in finanzielle Schieflage geraten bin und höchstwahrscheinlich bald ins Armenhaus umziehen muss. Bei dieser Gelegenheit bringe ich den Skunküberfall zur Sprache und erwähne, dass ich das Monstrum zwar in den Garten scheuchen konnte, aber dabei wertvolle Teller zerdeppert habe. Edelbert nimmt sich meiner Probleme an und schlägt vor, dass wir uns im "Bella Maria" (löblich: Schöne Maria) Italiengasthaus treffen und das Frühstück einnehmen könnten - das ist eine hervorragende Idee.
10.00 Uhr Wenig später sitze ich im PS-strotzenden Geländewagen und schlängle mich durch den Vormittagsverkehr. Während ich unvorsichtige Verkehrsteilnehmer mit der Lichthupe zur Ordnung rufe, hüpft Hund Dixon auf dem Rücksitz auf und ab und schleckt mit seiner nassen Zunge über die Fensterscheiben - gleich platzt mir der Kragen.
10.30 Uhr Nach langer Parkplatzsuche kann ich den JEEP endlich vor dem renommierten "Hotel Escalante" abstellen und die letzten Meter auf Schusters Rappen zurücklegen. Ich treffe Edelbert und den Admiral an einem Tisch mit Ausblick auf die 5th Avenue an und vernehme, dass die beiden bereits einen ausgedehnten Spaziergang unternommen haben. Friedbert präsentiert mir eine Papiertüte mit allerhand Tand und sagt, dass er sich nicht hat lumpen lassen und Mitbringsel für seine Freunde eingekauft hat. Seufzend winke
ich einer Kellnerin zu und ordere eine Tasse Bohnenkaffee sowie ein Frühstück mit Rühreiern, Speckstreifen und organischem Vollkornbrot.
11.00 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, löchere ich den Professor mit Fragen und erzähle, dass die ALLIANZ Versicherung keinen Pfennig lockermachen und mich auf den hohen Schadenersatzansprüchen sitzen lassen wird. Edelbert schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass ich mit Frau Pontecorvo in aller Ruhe reden und ihr einige Scheine zustecken sollte.
11.30 Uhr Kurz vor der Mittagszeit verlassen wir das schöne Restaurant und spazieren durch den menschenüberlaufenen Stadtkern. Während ich meinen Blick zum Boden richte, plappert der ehemalige Seefahrer ohne Unterlass und meint, dass wir nun in
"Paddy Murphy's Irish Pub" (löblich: Paddy Murphys Irische Biertränke) einkehren und ein kräftiges Guinness verköstigen sollten.
12.00 Uhr Da aus besagter Wirtschaft stimmungsvolle Musik dröhnt, zeige ich mich einverstanden und lasse mich spontan zu einem Kaltgetränk einladen. Der Wirt heisst uns herzlich Willkommen und weist uns Plätze an der Bar zu. Während wir unsere ausgetrockneten Kehlen mit kräftigen Schlucken ölen, frönen wir den Klängen der aufspielenden Musikanten und verabreden, dass wir im Laufe der Woche das örtliche
"Holocaust Museum" am Tamiami Trail besichtigen sollten. Friedbert ist begeistert und sagt, dass man die Schreckenstaten der Nationalsozialisten nicht in Vergessenheit geraten lassen darf - wie wahr. Ferner bringt Edelbert einen Ausflug nach Orlando ins Spiel und meint, dass das
"Walt Disney World Resort" während der Frühlingsmonate mit besonders günstigen Preisen lockt. Nachdem es schon immer mein grösster Wunsch war, Mickey Maus persönlich zu treffen, nicke ich eifrig und antworte, dass wir uns am Donnerstag auf den Weg machen sollten.
13.00 Uhr Nach einer weitere Hopfenkaltschale lege ich Scheine auf die Tischplatte und unterbreite, dass ich jetzt nach Hause fahren werde. Edelbert wünscht mir alles Gute und sagt, dass wir morgen telefonieren sollten. Im Anschluss renne ich mit Hund Dixon zum Auto und presche ruckzuck ins Wohngebiet zurück.
13.30 Uhr Bevor ich eine wohlverdiente Mittagspause einlege, sehe ich im Zuhause von Frau Pontecorvo nach dem Rechten und registriere, dass die Dame mit den Aufräumarbeiten beschäftigt ist. Meine Nachbarin wischt sich den Schweiss von der Stirn und sagt, dass es bei dieser Hitze kein Vergnügen ist, das stinkende Skunksekret von den Möbeln zu wischen. Weil ich mich nicht um alles kümmern kann, zücke ich meine prall gefüllte Geldscheinklammer und zähle der Frau wortlos 300 Dollars auf die Hand. Frau Pontecorvo bedankt sich artig und rechnet vor, dass sie von diesem Geld wenigstens einen Teil des zerstörten Porzellans nachkaufen kann.
14.00 Uhr Wieder zurück in der Villa, ziehe ich die
Cowboystiefel (löblich: Kuhjungenstiefel) aus und lege mich aufs bequeme Sofa. Während Hund Dixon in einer Tour schlabbert und seinen Fressnapf leert, schliesse ich die Augen und döse wenige Augenblicke später ein.
15.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und bemerke, dass der Vierbeiner schon wieder ausgebüchst ist und mit den Nachbarshunden im Garten spielt. Da das Haustier offensichtlich seinen eigenen Weg geht, winke ich demonstrativ ab und brühe frischen JACOBS Bohnenkaffee auf - wie gut das duftet.
15.30 Uhr Da die Anschnurarbeit nicht zu kurz kommen darf, nehme ich am Schreibtisch Platz und beginne,
Fragen leidgeprüfter Erziehungsberechtigter abzurufen. Unter anderem berichtet Herr Roland K. aus Bochum, dass sein Sohn Elmar (15) ein Anhänger des ortsansässigen Fussball Bundesligavereins ist. Da der Bube sogar die
Schule schwänzt, um heimlich zum Übungsplatz des VFB Bochum zu pilgern, mache ich sogleich Nägel mit Köpfen und verfasse ein gepfeffertes Antwortschreiben. Ich informiere über die Gefahren des Fussballsports und rate dem alleinerziehenden Familienvater, härter durchzugreifen und schnellstmöglich mit RTL Diplom Pädagogin Katharina Saalfrank in Verbindung zu treten.
16.15 Uhr Just als ich einen weiteren Brief absende, werde ich durch sehr aggressives Klingeln gestört. Ich renne zur Pforte und finde Frau Pontecorvo auf der Einfahrt vor. Die Gute wünscht mir einen schönen Nachmittag und sagt, dass sie unser gutes Nachbarschaftsverhältnis nicht auf die Probe stellen möchte und mir aus diesem Grund das Geld zurückgeben wird. Als ich dankend ablehne und darauf hinweise, dass ich stets für meine Fehler einstehe, straft mich meine Nachbarin mit bösen Blicken und meint, dass ich sie bei Gelegenheit zum Essen ausführen kann.
16.45 Uhr Nachdem ich das Geld letztendlich doch angenommen habe, kehre ich an den
Heimrechner zurück und schalte die neuesten Einträge im
beliebten Gästebuch frei. Als mein Magen zu knurren beginnt und sein Recht auf eine Mahlzeit herausfordert, eile ich in die Küche und schiebe eine vitaminreiche Fertigpizza von TOMBSTONE ins Backrohr. Zudem bereite ich einen Tomatensalat mit perfekt geschnittenen Zwiebelringen und Olivenöl aus Italien zu. HEUREKA - das gibt ein Festessen.
17.30 Uhr Ich lasse mir die italienische Spezialität auf der fliegenvergitterten Terrasse munden und kann es kaum erwarten, am Donnerstag nach Orlando zu fahren und "Disney World" aus nächster Nähe zu bestaunen.
18.15 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb genommen habe, setze ich mich noch einmal ans leistungsstarke DELL Arbeitsgerät und segle auf die Internetpräsenz des Walt Disney Unternehmens. Nach wenigen Mausbewegungen finde ich mich auf der Heimseite der Anlage wieder und lerne, dass ein Tagesbillet mit 50 Dollars zu Buche schlägt
- wie unlöblich. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und drücke mir einen Übersichtsplan der Attraktionen aus.
19.00 Uhr Als meine geschmackvolle Wanduhr sieben Mal schlägt, beende ich die Anschnursitzung und geselle mich zu Dixon ins Wohnzimmer, um den langen Tag bei einem hunde- und rentnergerechten Fernsehabend ausklingen zu lassen. Ich schalte mich durch die unzähligen Programmplätze und verweile auf ABC, wo just im Moment eine Wiederholung der gestrigen Oscarverleihung anfängt. Ich lehne mich zurück und sehe, wie der österreichische Schauspieler Christoph Waltz eine Trophäe für seine Rolle als SS-Mann in "Inglourious Basterds" erhält - da kommt Freude auf.
21.00 Uhr Ein unterhaltsamer Abend geht zu Ende und ich schalte den neumodernen Flachbildschirm aus. Nachdem ich im Garten nach dem Rechten gesehen habe, schliesse ich die Türe sicher ab und gehe zufrieden ins Bett. Gute Nacht.
07.03.2010
Hi Fans,
in der Werkstatt meines Cousins ging's heute ganz schön zur Sache. James war so freundlich und hat uns beim Motoraustausch geholfen. Trotz eines zusätzlichen Helfers hat die Prozedur fast 6 Stunden gedauert.
Der JEEP schnurrt nun wieder wie ein Kätzchen und erstrahlt Dank der Lackierarbeiten in ganz neuem Glanz. Ich wollte heute schon eine Runde durch die Gemeinde drehen, aber Bernd hat mir abgeraten. Ich werde das Auto bis zum Dienstag in der Garage stehen lassen und es dann auf Herz und Nieren testen. Der Spass hat mich jetzt ganze 4000 € gekostet. Aber ich bin richtig froh, weil ich mir keinen Neuwagen anschaffen
muss. Ansonsten gibt's nicht viel zu erzählen. Mit Pfaffenberg habe ich heute auch schon telefoniert und ihm versichern müssen, dass ich ihm die ausstehende Februarmiete bis Morgen aufs Konto überweisen werde. Er war total sauer und hat mir vorgerechnet, dass das Leben in Florida richtig ins Geld geht. Das glaube ich gerne, weil mein Vermieter alleine für Restaurantbesuche im Monat 500 $ aus dem Fenster wirft :-)
Für die kommende Woche haben sich einige Pensionsgäste angemeldet. In München finden gleich zwei Messen statt. Anlässlich der "NUMISMATA" (Münzmesse) werde ich einen Sammler aus Graz beherbergen. Am Donnerstag checkt dann ein Werkzeugbauer aus Bremerhaven ein. Der Mann wird auf der "IHM PROFI - Fachmesse für Technik, Werkstatt und Werkzeuge" einen neuartigen Lötkolben präsentieren und Geschäftskunden treffen. Ich hab' auf Pfaffenbergs Anraten ordentlich an der Preisschraube gedreht und werde den Gästen 89,-- € für eine
Übernachtung inkl. Frühstück abknöpfen :-)
Jetzt muss ich das Abendessen vorbereiten und danach "Pirates of the Caribbean 2" auf PRO7 anschauen. Wir lesen uns am kommenden Samstag wieder.
Alles Gute
Eure Sandra C. |