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03.12.2008
07.00 Uhr Ein neuer Tag beginnt und ich fühle mich super. Wie es sich für einen sportbegeisterten Rentner gehört, laufe ich unverzüglich in den Garten und führe bei angenehmen 70°F (21°C) die Morgengymnastik durch. Ich absolviere mehrere Kniebeugen und vergesse auch nicht, eine Rolle vorwärts zu machen.
07.30 Uhr Nachdem ich die Tageszeitung auf den Küchentisch gelegt und die Kaffeemaschine in Betrieb genommen habe, genehmige ich mir ein sprudelndes Wirbelbad. Nebenher folge ich einer lehrreichen Radiorückschau auf dem Kurzwellenprogramm des BR und lerne, dass heute in der freien Welt der "Internationale Tag der Behinderten" begangen wird. Dieser Aktionstag wurde vor 16 Jahren von der "World Health Organisation" (löblich: Weltgesundheitsorganisation) ins Leben gerufen und soll an die Probleme der Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen erinnern. Die WHO Verantwortlichen in Deutschland werden diverse Informationsveranstaltungen dazu nutzen, um die Gesellschaft aufzurütteln und klarzustellen, dass Behinderte ganz normale Menschen sind - wie schön.
08.15 Uhr Als ich mir eigene Gedanken mache und mir die Haare wasche, wird mein Badevergnügen durch lautes und sehr aggressives Telefonklingeln unterbrochen. Verärgert greife ich zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und freue mich sehr,
Herrn Wangs Stimme zu hören. Mein Bekannter begrüsst mich überschwänglich und kündigt an, dass wir gegen 15 Uhr den Motelkomplex am Naples Manor besuchen werden. Als ich genauer nachfrage, erinnert mich der Gute an unser Gespräch vom vergangenem Donnerstag und meint, dass sich der Motelbesitzer (88) im kommenden Frühjahr in den verdienten Ruhestand verabschieden wird. Selbstverständlich sage ich zu und verspreche, gegen halb drei zum Old Town Hotel zu kommen. Mein Gesprächspartner ist begeistert und fügt an, dass wir nach der Besichtigung eine schöne Gaststätte aufsuchen und gemeinsam zu Abend essen können
- das soll mir recht sein.
08.30 Uhr Frisch in Schale geworfen, setze ich mich an den Frühstückstisch und lasse mir ein Mahl in Form gebutterter Weissbrotscheiben, Rühreiern mit Speck sowie ein Gläschen Cristal als dem Hause Louis Roederer munden. Während ich kraftvoll zubeisse, blättere ich gelangweilt in der "Naples Daily News" und werde erneut auf eine Winn Dixie Werbedepesche aufmerksam, die günstige Kompaktscheiben und DVD Filme für nur 5,98 Dollars verspricht - wie aufregend. Da ich sowieso zum Einkaufen fahren muss, entschliesse ich mich ganz spontan, nach dem wichtigsten Mahl des Tages in die Gänge zu kommen und ordentlich abzuschoppen.
09.15 Uhr Ausgestattet mit einer PET Flasche Coca Cola und einer prallgefüllten Geldbörse, zwänge ich mich auf den Ledersitz meines PS-strotzenden Fahrzeugs und schicke mich an, mit durchdrehenden Reifen zum Winn Dixie Geschäft am Golden Gate Parkway zu preschen. Während der kurzweiligen Ausfahrt auf der vierspurigen Strasse lausche ich der Wettervorhersage auf
WCKT CAT COUNTY und vernehme, dass es zum Wochenende etwas kühler werden soll - das kann mir nur recht sein.
09.45 Uhr Nachdem ich mein Auto sicher neben dem Haupteingang geparkt habe, schnappe ich mir einen Einkaufswagen und belade ihn mit saftigen T-Bone Steaks, Cuban Rolls (löblich: kubanische Semmeln), Tomaten, Eiern von glücklichen texanischen Hühnern, Holzkohle, delikaten Äpfel, Uncle Ben's Reis, Butter, Zahnpasta, Mama Lucia's Meatballs (löblich: Mutter Lucias Fleischbälle), Winn Dixie Creme Cakes (löblich: Kremkuchen), Jumbo Shrimps, Tombstone Tiefkühlpizzas, Weissbrot, Brokkoli, Rotwein, Heinz Ketchup, Chicken Drumsticks (löblich: Hühnchen Trommelstäbe), Budweiser, Batterien, Orangensaft im 5 Liter Kanister, Gourmet Pasta Sauce, Coca Cola im Zwölferpack sowie weitere Produkte des täglichen Bedarfs.
10.15 Uhr Wenig später werde ich in der Unterhaltungselektronikabteilung vorstellig und komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Neben unzähligen Kompaktscheiben angesagter Künstler wie Ray LaMontagne, den Rascal Flatts, Darius Rucker, Taylor Swift und Waylon Jennings, finde ich zudem eine reichhaltige Auswahl an aktuellen DVD Hits (löblich: Schlägen) vor. Ich werfe "The Globe Sessions" von Sheryl Crow, "Ten" (löblich: Zehn) aus der Feder von Trace Adkins sowie Randy Housers "Anything Goes" (löblich: Alles geht) auf die Lebensmittel. Zudem entscheide ich mich für eine Errol Flynn Westernfilmkollektion in einer repräsentativen Metallschachtel - das ist super trouper.
10.45 Uhr Als ich skeptisch das neue Album des garstigen Reppers Lil Wayne beäuge, werde ich auf mehrere Jugendliche aufmerksam, die nichts besseres zu tun haben, als seltsame Bewegungen vorzuführen und Unfug zu treiben. Selbstverständlich erhebe ich sogleich den Zeigefinger und fordere die gewaltbereiten Bürschchen auf, still zu sein und mich nicht beim Einkaufen zu stören. Verwundert stelle ich fest, dass die Rüpel meiner Bitte anstandslos nachkommen und sich sogar entschuldigen. HEUREKA - an diesem Verhalten könnte sich die verlotterte Jugend in meiner weissblauen Heimat ein Beispiel nehmen.
11.15 Uhr Mit einem schönen Lied auf den Lippen gehe ich zur Kasse und komme in den Genuss, 10% Preisnachlass bei Kreditkartenbezahlung einzustreichen. Gutgelaunt händige ich der Kassiererin mein Bezahlkärtchen aus und trage die schweren Einkaufstüten direkt zum JEEP. Da man bei dieser Hitze auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten sollte, öle ich meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck Coca Cola und kruse dann radiohörend ins Wohngebiet zurück.
11.45 Uhr Daheim angekommen, verfrachte ich die Lebensmittel in den Kühlschrank und bereite ein nahrhaftes Mittagessen vor. Um nicht den ganzen Tag in der Küche stehen zu müssen, giesse ich etwas Olivenöl in eine Pfanne und zaubere in minutenschnelle köstliche Jumbo Shrimps in deftiger Sauce mit Langnudeln. Dazu gibt es vitaminreichen Tomatensalat sowie ein eiskaltes Bier
- das schmeckt.
12.15 Uhr Als ich bei angenehmen Temperaturen auf der fliegenvergitterten Terrasse sitze und aus dem Zungeschnalzen gar nicht mehr herauskomme, bimmelt plötzlich das Telefon. Seufzend nehme ich den Hörer von der Gabel und freue mich, Prof. Kuhn begrüssen zu dürfen. Edelbert wünscht mir einen schönen Nachmittag und kommt auf seinen anstehenden Besuch in Florida zu sprechen. Bei dieser Gelegenheit erinnert der Gute daran, dass er bereits in 13 Tagen den Sprung über den grossen Teich wagen wird
- wie aufregend. Der Professor kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und sagt, dass er am 16. Dezember gegen 21.30 Uhr vom Flughafen in Fort Myers abgeholt werden möchte.
12.30 Uhr Nachdem ich Edelbert versprochen habe, ihn persönlich in Empfang zu nehmen, wechselt er das Thema und berichtet, dass Admiral a.D. Bürstenbinder am Wochenende ein stattliches Sümmchen beim Roulette gewonnen hat. Neugierig fordere ich weitere Infos und erfahre, dass Friedbert im Spielkasino von Bad Wiessee eine Glückssträhne hatte und insgesamt 7.700 Euros einstreichen konnte - das ist phantastisch. Edelbert geht noch weiter und gibt zu Protokoll, dass unser gemeinsamer Bekannter möglicherweise im kommenden Jahr nach Amerika fliegen wird, um mich zu besuchen und in Las Vegas die Würfel zu rollen - das hat gerade noch gefehlt.
13.00 Uhr Kopfschüttelnd beende ich das Telefonat und lege mich gähnend aufs Sofa, um die Seele baumeln zu lassen und mich zu entspannen. Schon bald schlummere ich ein und sehe mich im Traum neben meinen Bekannten im
Wilden Esel sitzen - wie schön.
14.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und erkenne beim Blick auf meine wertvolle ROLEX, dass es langsam Zeit wird, zum Old Town Hotel zu fahren und Herrn Wang abzuholen. Gutgelaunt steile ich mein Haar und rase dann laut hupend in Richtung Innenstadt davon.
14.30 Uhr Pünktlich auf die Minute treffe ich am Ziel ein und sehe, dass sich Herr Wang bereits vor seiner Herberge postiert hat. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, betätige ich mehrmals das Horn und animiere den Mann, in den Wagen zu springen und sich anzuschnallen. Herr Wang lässt sich nicht zweimal bitten und sagt, dass ich dem Tamiami Trail nach Süden folgen und am Thomasson Drive links abfahren muss. Zudem bittet mich Herr Wang, während der Besichtigung besser im Hintergrund zu bleiben die Kaufverhandlungen nicht zu stören
- wie unlöblich.
15.00 Uhr Nach ungefähr fünf Meilen verlasse ich die Schnellstrasse und finde mich plötzlich neben einem neuen Wohngebiet wieder. Mein Bekannter lotst mich gekonnt zu einer Motelanlage und sagt, dass ich den JEEP neben dem Büro abstellen soll. Kurze Zeit später betreten wir eine schmucke Rezeption und sehen uns mir einem pfeiferauchenden Mann konfrontiert, der sich uns als Besitzer des Motels vorstellt.
15.15 Uhr Nachdem wir uns händeschüttelnd begrüsst und ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk) geführt haben, beginnen wir mit der Besichtigung und lassen uns von Herrn Goulding (88) die Motelanlage zeigen. Der gute Mann präsentiert uns zuerst das kleine
Restaurant neben der Rezeption und berichtet, dass er hier jeden Morgen ein Frühstücksbuffet anbietet
- wie schön. Als nächstes inspizieren wir einige der 38 Zimmer und erkennen mit geschulten Augen, dass alles sehr gut in Schuss ist.
15.45 Uhr Während Herr Wang mit Herrn Goulding die vier LKW Parkplätze anschaut, überprüfe ich das Schwimmbecken und lasse es mir nicht nehmen, einen sonnenbadenden Motelgast und seine junge Begleiterin auszufragen sowie aussagekräftige Photos mit meiner NIKON Digitalkamera zu schiessen. Herr Roberts (60) lobt das Motel in den höchsten Tönen und berichtet, dass er mindestens einmal pro Woche herkommt, um sich einige Stunden mit seiner Freundin Lisa (23) zu vergnügen
- das ist ja allerhand.
16.00 Uhr Ich schliesse mich wieder Herrn Wang und dem Motelbesitzer an und erfahre unter anderem, dass Herr Goulding keine Lust hat, sein schmuckes Motel an eine der grossen Hotelketten zu verkaufen. Weiter hören wir, dass das gesamte Objekt lediglich 1,4 Millionen Dollars kosten soll und somit ein echtes Schnäppchen ist. Als ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage und mir die vielen Nullen vorstelle, winkt Herr Goulding ab und stellt klar, dass das Motel erst vor zwei Jahren auf etwa das Doppelte geschätzt wurde
- wie aufregend.
16.30 Uhr Nachdem wir mit Herrn Goulding noch einen Kaffee in der Rezeption getrunken haben, verabschieden wir uns händeschüttelnd und geben zu Protokoll, dass wir uns bis spätestens Ende des Jahres wieder melden werden. Danach steigen wir in meinen JEEP ein und machen uns mit quietschenden Reifen auf den Weg in Richtung Norden. Unterwegs plappert Herr Wang unentwegt von dem Motel und meint, dass man unbedingt sofort investieren sollte
- wie unlöblich. Bei dieser Gelegenheit bringe ich meine begrenzten finanziellen Möglichkeiten ins Spiel und zeige auf, dass ich nach dem Erwerb meines Eigenheims im
Willoughby Drive so gut wie pleite bin.
17.00 Uhr Ich setze Herrn Wang vor seinem Anwesen im Lowbank Drive ab und mache mich dann nachdenklich auf den Weg nach Hause. Nebenbei mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Ergebnis, dass ich zwar gerne in das Motelprojekt einsteigen würde, zuerst aber meine finanziellen Spielräume genauestens durchrechnen sollte.
17.30 Uhr Wieder zurück im Eigenheim, eile ich schnellstens zum Kühlschrank und genehmige mir als erstes ein eiskaltes Budweiser
- das tut gut. Ich lasse mir den Hopfentrunk im Stehen auf der Terrasse schmecken und atme die gute Abendluft. HEUREKA
- kaum zu glauben, dass die Leute in Bayern mit Wintermänteln durch die Gegend laufen.
18.00 Uhr Weil mir langsam der Magen knurrt, begebe ich mich in die Küche und bereite eine kalte, aber keusche Platte mit Schweizer Käse, köstlichem Schinken, Oliven, Gewürzgurken sowie frischem Brot vor. Ausserdem entzünde ich eine Kerze und decke den Tisch auf der weihnachtlich geschmückten Terrasse
- da kommt Freude auf.
18.45 Uhr Während ich mir die Köstlichkeiten zungeschnalzend munden lasse, greife ich zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe meinen Bruder in Toronto an. Der Gute meldet sich bereits nach dem zweiten Klingeln und sagt, dass er gerade vom Büro nach Hause gekommen ist
- wie schön. Selbstverständlich erzähle ich sofort von der Motelbesichtigung mit Herrn Wang und fordere Georg auf, eine fundierte Analyse abzugeben. Leider lacht mein Bruder nur und meint, dass er gar kein Urteil abgeben kann, solange er das Objekt nicht gesehen hat.
19.15 Uhr Nachdem ich Georg versprochen habe, ihm einige Digitalphotos des Motels per elektronischer Post zu senden, beende ich das sündteure Ferngespräch und lasse mir ein weiteres Bierchen schmecken.
19.45 Uhr Ich sorge in der Küche für Sauberkeit und Ordnung und nehme dann am Heimrechner platz, um noch geschwind an die Leine (unlöblich: online) zu gehen. Als erstes überprüfe ich den
elektronischen Briefkasten und stelle fest, dass verzweifelte Erziehungsberechtigte
meinen Rat brauchen. Unter anderem empfehle ich einem Familienvater aus Görlitz, seiner Tochter Tina (16) den Gang zum
Stechstudio zu verbieten und stelle klar, dass Jugendliche keinesfalls mit einem Nasenring herumlaufen sollten
- wo kämen wir denn da hin.
20.30 Uhr Gekonnt sende ich die Motelbilder an die E-Post Adresse meines Bruders und vergesse auch nicht, einige netten Zeilen anzufügen. Als nächstes sehe ich im
elektronischen Gästebuch nach dem Rechten und freue mich über die aktuellen Einträge freundlicher Menschen
- wie schön.
21.15 Uhr Laut gähnend fahre ich den Heimrechner herunter und unternehme noch schnell einen Rundgang durch Haus und Garten. Danach gehe ich müde ins Bett und schlafe schon bald ein. Gute Nacht.
02.12.2008
07.00 Uhr Ich erwache am 337. Tag der Jahres mit schrecklichen Rückenschmerzen. Nörgelnd quäle ich mich aus dem Bett und kann mich kaum auf den Beinen halten. Um nicht den ganzen Tag in gebückter Haltung verbringen zu müssen, greife ich kurzerhand zum Telefon und rufe bei
Herrn Wang im Lowbank Drive an. Mein Bekannter meldet sich nach dem zweiten Klingeln und teilt mir mit, dass ich schnellstmöglich ins Krankenhaus fahren und mir eine Spritze verabreichen lassen sollte. HEUREKA - das ist eine hervorragende Idee.
07.30 Uhr Nachdem ich mich in eine Adidas Sporthose sowie ein farbenfrohes Hawaiihemd gezwängt habe, kruse ich laut hupend zum zwei Meilen entfernten "North Collier Hospital". Da die Rückenschmerzen kaum mehr zu ertragen sind, parke ich den PS-strotzenden JEEP praktischerweise vor der Notaufnahme und fordere einen zigaretterauchenden Pfleger auf, mir zu helfen. Der langhaarige Knecht (23) kommt der Aufforderung ohne zu zögern nach schiebt mich in einem Rollstuhl zum Empfang.
07.45 Dort angekommen, werde ich von einer vorlauten Angestellten genötigt, meine
Kreditkarte zu hinterlegen und einen Aufnahmeantrag auszufüllen. Mit zitternder Hand beantworte ich sämtliche Fragen und werde erst dann in einen Behandlungsraum gebracht. Anstatt mir in diesen schweren Stunden beizustehen, macht der freche Pfleger kehrt und lässt die Zimmertüre laut krachend ins Schloss fallen - das ist ja allerhand.
08.30 Uhr Mit schmerzverzerrtem Gesicht blicke ich nach draussen und werde Zeuge, wie just in diesem Augenblick ein Polizeiwagen vor der Notaufnahme vorfährt und meinen im Parkverbot abgestellten Wagen inspiziert. Um nicht abgeschleppt zu werden, öffne ich das Fenster und rufe den Ordnungshütern zu, dass ich schwer erkrankt bin und mich gleich einer Notoperation stellen muss. Wie nicht anders zu erwarten, glauben mir die Uniformierten aufs Wort und ziehen es vor, mir alles Gute zu wünschen und weiterzufahren - das ging gerade noch einmal gut.
09.00 Uhr Nach geschlagenen dreissig Minuten gesellt sich endlich ein Arzt an meine Seite und erkundigt sich nach dem Rechten. Wild gestikulierend schildere ich meine Leiden und berichte, dass ich gestern Fussball gespielt habe. Mein Gegenüber macht sich eifrig Notizen und bittet mich, das Hemd auszuziehen und mich auf eine Pritsche zu legen. Als ich mich schon im Operationssaal sehe, drischt der Rüpel auf mein Schulterblatt und behauptet, dass die Schmerzen in wenigen Augenblicken abklingen werden - papperlapapp. Als ich aufstehen und Einspruch erheben möchte, bemerke ich, dass der Heini tatsächlich recht hat. Überglücklich hüpfe ich von einem Bein aufs andere und verspüre weder eine Verspannung, noch stechende Schmerzen - das ist phantastisch.
09.30 Uhr Als ich mir weiterführende Infos erbete, zuckt Dr. Perkins (43) mit den Schultern und sagt, dass ich mir lediglich eine Nervenquetschung in der Halswirbelgegend zugezogen habe. Der gute Mann beruhigt mich redlichst und meint, dass ich in meinem Alter etwas kürzer treten und nicht wie ein Jungspund am Strand herumtollen sollte. Eifrig nickend schüttle ich Dr. Perkins Hand und laufe ganz schnell zur Rezeption, um meine Kreditkarte abzuholen. Die grimmig dreinblickende Dame hinter dem Tresen mustert mich ganz genau und sagt ernsthaft, dass das Krankenhaus für die erbrachten Dienstleistungen 278 Dollars und 73 ZENTS berechnen wird. HEUREKA - wenn das so weitergeht, muss ich bald meine Zelte in Florida abbrechen und meinen Lebensabend im Schuldenturm verbringen.
10.00 Uhr Zurück im Eigenheim brühe ich frischen Kaffee auf und ärgere mich über die Rechnung, die ich fürs erste aus eigener Tasche bezahlen muss. Ganz im Gegensatz zu den gewöhnlichen Kassenpatienten in Deutschland, die aus Langeweile wöchentlich zu mehreren Fachärzten zu gehen, bin ich als Privatpatient gezwungen, einen Grossteil der Leistungen selbst zu begleichen.
10.30 Uhr Während ich mir ein kleines Frühstück munden lasse und Familie Cranes Golden Retriever Joey beim Sonnenbaden im Garten zusehe, klingelt plötzlich das Telefon. Erschrocken nehme ich das Gespräch entgegen und freue mich sehr, Scherriff
Bradfort in der Leitung zu haben. Mein Bekannter kommt prompt auf den Grund seines Anrufs zu sprechen und erinnert daran, dass ich versprochen habe, am Vormittag mit der Bohrmaschine auf dem Präsidium zu erscheinen. HEUREKA - das hätte ich beinahe vergessen. Um Herrn Bradfort nicht noch länger warten zu lassen, beende ich das Telefonat und schicke mich an, mit überhöhter Geschwindigkeit zur angegebene Adresse am Tamiami Trail East zu rasen. Da ich mich im Polizeieinsatz befinde, hupe ich während der Fahrt und schalte zudem die Warnblinkanlage ein - das macht Spass.
11.15 Uhr Als ich mit einer Bohrmaschine unter dem Arm in die Polizeistation renne, sehe ich mich mit mehreren Polizisten konfrontiert. Um keine Handschellen angelegt zu bekommen, gebe ich mich als Reinhard Pfaffenberg zu erkennen und kläre die Herrschaften darüber auf, dass ich unverzüglich zum Scherriff gebracht werden will. Ein untersetzter Hilfspolizist mit Halbglatze begleitet mich in den ersten Stock und behauptet, dass ich Herrn Bradfort in Zimmer 111 finden kann. Gutgelaunt wünsche ich meinem Freund einen schönen Tag und erkundige mich nach den anfallenden Arbeiten. Mein Gegenüber deutet auf eine frisch gestrichene Wand und meint, dass er zwei Auszeichnungen des Polizeipräsidenten sowie ein Regal anbringen möchte. Fachmännisch schwinge ich die Black&Decker Akkubohrmaschine und schaffe es in Sekundenschnelle zwei in Gold gefasste Belobigungen aus der Polizeihauptzentrale an die Wand zu dübeln
- da kommt Freude auf.
12.00 Uhr Just als ich einen historischen Scherriffstern aus dem 19. Jahrhundert bestaune, deutet der Gesetzeshüter auf meine Black&Decker Maschine und behauptet, dass im letzten Juli eine ganze LKW Ladung mit hochwertigen Elektrowerkzeugen abhanden gekommen ist. Um nicht in Verdacht zu geraten, wechsle ich ganz schnell das Thema und verschweige, dass ich den leistungsstarken Bohrer von Herrn Porello erhalten habe. Stattdessen komme ich auf meinen Krankenhausaufenthalt zu sprechen und erzähle, dass ich heute Morgen unglaubliche Schmerzen hatte. Mein Bekannter schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und erwidert, dass er schon seit vielen Jahren mit einer Wirbelsäulenverkrümmung zu kämpfen hat - wie furchtbar.
12.30 Uhr Nach nicht einmal sechzig Minuten, habe ich mein Werk vollbracht und kann mich redlichst verabschieden. Da mir nach dem nervenaufreibenden Vormittag der Magen knurrt, fahre ich kurzerhand zu Julies Restaurant und freue mich auf ein feines Mittagessen - man gönnt sich ja sonst nichts. Gutgelaunt kehre ich in die einladende Gastwirtschaft ein und lasse mich an meinem angestammten Platz am Fenster nieder. Bedienung Peggy (46) lässt nicht lange auf sich warten und überreicht mir mit einem Lächeln auf den Lippen die Lunchkarte. Ruckzuck tippe ich auf das gewünschte Gericht und fordere die Dame auf, ein vitaminreiches T-Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) mit Kartoffelstäben und Salat aufzufahren - das gibt ein Festessen.
13.15 Uhr Während ich die wohlverdiente Mahlzeit verzehre, plaudere ich mit Frau Peggy über dies und das. Die gute Seele versorgt mich mit dem neuesten Tratsch und erzählt, dass ihre Scheffin am Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen und bald wieder ihren Dienst antreten wird - das ist wunderbar.
14.00 Uhr Nachdem ich mir eine kleine Nachspeise in Form eines Junior-Eisbechers mit Sahne geleistet habe, bezahle ich die Rechnung in Bar. Anschliessend kruse ich in den Willoughby Drive und kann es kaum erwarten, im klimatisierten Wohnzimmer ein Mittagsschläfchen zu halten.
14.30 Uhr Wieder zurück in meinem schmucken Eigenheim, nehme ich auf dem Sofa platz und lasse die Seele redlichst baumeln - das tut gut.
15.30 Uhr Als ich mich im Traum mit dem kleinen David (3) spielen sehe, wird die himmlische Ruhe durch sehr lautes Klopfen unterbrochen - wie unlöblich. Augenreibend eile ich auf die Terrasse und sehe, dass General a.D. Kenneth Booth vor meinem Haus steht. Mein Nachbar präsentiert mir eine Hochglanzbroschüre aus dem "Home Depot" Baumarkt und erkundigt sich, welcher Zaun sich für seine Terrasse eignen würde. Als gelernter Schweisser nehme ich die Angebote genauer in Augenschein und schlage vor, dass er sich für das Modell "Ashley's Arbors Country Corner Picket" entscheiden sollte. Herr Booth zeigt sich einverstanden und kündigt an, dass er noch heute eine Bestellung tätigen und die benötigten Materialien anliefern lassen wird - das soll mir auch recht sein.
16.00 Uhr Nachdem ich versprochen habe, beim Zaunbau zu helfen, brühe ich frischen Bohnenkaffee von Bustelo auf. Danach setze ich mich an den Heimrechner und nehme die wichtige Anschnurarbeit in Angriff. Kaffeegeniessend und donutverzehrend studiere ich
unzählige Hilferufe und werde auf eine elektronische Depesche einer 47jährigen Münchnerin aufmerksam. Die arme Frau schildert mir ihre Sorgen in allen Einzelheiten und schreibt, dass ihr Sohn Klaus (17) täglich gefährliche Tanzlokale besucht und Alkopops am laufenden Band konsumiert - wie schrecklich. In meiner Funktion als staatlich geprüfter Anschnurseelsorger rate ich der Dame, dem Bürschchen das
Taschengeld zu streichen und ihn mit Stubenarrest nicht unter sieben Wochen zu belegen
- wo kämen wir denn da hin.
16.45 Uhr Just als ich im elektronischen Gästebuch für Ordnung sorge, klopft Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und lädt mich zum Abendessen ein. Da ich keine Lust habe, stundenlang den Kochlöffel zu schwingen, stimme ich unverzüglich zu und antworte, dass ich mich noch schnell in Schale werfen und in einer Stunde hinüber kommen werde.
17.15 Uhr Düdeldü - nachdem ich eine Dusche genommen und meine Haare gesteilt habe, trage ich etwas
Duftwasser aus dem Hause "RP Lob" auf. Im Anschluss ziehe ich ein weisses Polohemd sowie meinen Cowboyhut an und entscheide mich, Frau Pontecorvo als kleines Dankeschön ein Fläschchen Schaumwein der Nobelmarke Cristal mitzubringen.
17.45 Uhr Während ich entspannt im Wohnzimmer sitze und die geschmacklose Einrichtung betrachte, kredenzt meine Nachbarin ein undefinierbares Gericht aus Italien. Als ich vorsichtig koste und mich nach einem Käseburger sehne, setzt mich die Dame darüber in Kenntnis, dass es sich hierbei um Kutteln in Tomatensauce handelt. Da ich mit diesem Begriff recht wenig anfangen kann, frage ich Frau Pontecorvo weiter aus und bringe in Erfahrung, dass es sich hierbei um das neapolitanische Nationalgericht handelt. Als mir die Frau das Rezept verrät und vorgibt, den in Streifen geschnittenen Vormagen einer Kuh eingekocht zu haben, lege ich das Besteck ganz schnell beiseite. Angeekelt leere ich meinen Sektkelch und ziehe es vor, erneute Rückenschmerzen zu mimen und nach Hause zu gehen. HEUREKA - kaum zu glauben, was ich alles ertragen muss.
18.30 Uhr Da man nicht ohne löbliches Abendessen zu Bett gehen sollte, schiebe ich praktischerweise eine Fertigpizza von TOMBSTONE ins Backrohr. Dazu gibt es einen feinen Salat aus handgepflückten texanischen Cocktailtomaten und lustigen Zwiebelringen - das schmeckt.
19.30 Uhr Nachdem ich die Spülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, finde ich mich im Wohnzimmer ein und lasse den anstrengenden Tag mit einer nagelneuen Folge der Spielschau "Who Wants to Be a Millionaire?" (löblich: Wer wird Millionär) ausklingen. Natürlich rate ich redlichst mit und schaffe es ohne Schwierigkeiten, die 100.000 Dollar Frage richtig zu beantworten - wie schön.
20.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich den Programmplatz und wähle den Bezahlsender HBO aus, wo just im Moment der preisgekrönte Zukunftsfilm "Sunshine" (löblich: Sonnenschein) anfängt. Obwohl ich ganz genau aufpasse und meinen Blick kaum vom Bildschirm abwende, ist es mir nicht möglich, dem Handlungsverlauf zu folgen - wie unlöblich.
21.00 Uhr Nun wird es mir zu bunt. Um nicht total zu verblöden, schalte ich den neumodernen Flachbildschirm aus und verschliesse sämtliche Türen und Fenster. Danach gehe ich zufrieden ins Bett und lese noch etwas in der heiligen Schrift. Gute
Nacht.
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