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24.01.2012
07.15 Uhr Der Radiowecker schellt und ich sehe mich genötigt, wegen des anstehenden Abflugs nach Cancún zeitig in die Gänge zu kommen. Ich schlage nörgelnd die Bettdecke beiseite und laufe mit Hund Dixon im Schlepptau auf die fliegenvergitterte Terrasse. Während ich meine eingerosteten Muskeln lockere, erzähle ich dem Vierbeiner, dass er bis zum Freitag auf mich verzichten und bei Familie Crane wohnen muss. Der Rüde seufzt laut und schnappt sich einen Tennisball, um zum Teich zu trotten.
07.45 Uhr Während Dixon die handzahme Echse Billy anknurrt, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und entspanne mich bei einem Wirbelbad. Nebenher navigiere ich mit dem iPad durchs Internetz und lerne auf
wunderground.com, dass es in Cancún sonnig und mit 86°F (30°C) angenehm warm ist. Ferner rufe ich Wikipedia auf und bringe in Erfahrung, dass die Stadt auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán vor 40 Jahren auf dem Reissbrett konzipiert wurde. Mittlerweile verfügt die Gemeinde über 100.000 Hotelbetten, unzählige Restaurants und einladende Gaststätten, die mit Musik und schmackhaften Spezialitäten locken - das ist phantastisch.
08.30 Uhr Um nicht noch mehr kostbare Zeit zu vertrödeln, steige ich aus der Wirbelbadewanne und rufe bei Edelbert an. Der Professor nimmt das Gespräch nach dem dritten Tuten an und sagt, dass er in einer Stunde in den
Willoughby Drive kommen wird. Ich verspreche, unterdessen ein Taxi für 11 Uhr zu organisieren. HEUREKA - diesen Stress hält nicht einmal der stärkste Rentner aus.
08.45 Uhr Bevor ich meinen Pflichten nachkomme, bereite ich ein prima Frühstück in Form gerösteter Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) mit echtem Clover Crest Bienenhonig und Rühreier vor. Darüber hinaus nehme ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb und bemerke, dass das Gerät demnächst entkalkt werden muss. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und gebe Dixon etwas von den Rühreiern ab.
09.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb Zehn deutet, klingelt es an der Türe und ich kann den Professor recht herzlich begrüssen. Der schlaue Mann folgt mir in die gute Stube und erzählt, dass er sich gestern im Internetz über die mexikanische Billigfluglinie VIVA AIROBUS schlau gemacht hat. Mein Bekannter lässt kein gutes
Haar an besagtem Unternehmen und berichtet, dass Reisende pro Gepäckstück 15 Dollars an Gebühren am Schalter entrichten müssen - das ist ja allerhand.
10.00 Uhr Wenig später pocht Frau Pontecorvo ans Küchenfenster und bittet uns, ihr Einlass zu gewähren. Während meine Bekannten angeregt plaudern, kontaktiere ich die kostengünstige Zip2 Telefonauskunft und fordere die Dame am anderen Ende der Leitung auf, mich mit der örtlichen "Taxicab Service Company" (löblich: Taxi Dienstgesellschaft) zu verbinden. Schon nach wenigen Sekunden habe ich eine Mitarbeiterin dran und ordere für 11 Uhr ein Taxi. Die zuvorkommende Telefonistin notiert sich alle Angaben ganz genau und bestätigt, dass der Fahrer pünktlich vor meinem Haus eintreffen wird
- wie schön.
10.30 Uhr Um die Wartezeit sinnvoll zu gestalten, lade ich meine Bekannten zu Kaffee und Donuts aus dem PUBLIX Supermarkt ein. Ausserdem verfrachte ich einige Tennisbälle, Spielsachen sowie ROYAL CANIN Trockenfutter in eine Tüte und gebe vor, dass es langsam Zeit wird, Dixon bei den Nachbarn abzuliefern. Edelbert streichelt dem Tier über den Kopf und erklärt, dass es ihm bei den Nachbarn an nichts fehlen wird.
11.00 Uhr Nachdem wir an der Villa der Cranes geklingelt und uns von Dixon verabschiedet haben, schleppen wir das Gepäck zur Strasse und warten ungeduldig auf das Taxi. Der Fahrer lässt nicht lange auf sich warten und hilft uns dabei, die Rollerkoffer in den Kofferraum zu heben. Danach lässt der dunkelhäutige Taxifahrer (43) den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und prescht mit durchdrehenden Pneus in Richtung Norden davon.
11.30 Uhr Während der kurzweiligen Fahrt nach Fort Myers löchert uns der Neger mit Fragen und erkundigt sich, wohin unsere Reise geht. Ich stehe dem Mann Rede und Antwort und erkläre, dass wir um 13.30 Uhr mit VIVA AIROBUS nach Cancún ausfliegen werden. Der Taxifahrer schlägt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen und erwidert, dass besagtes Flugunternehmen keinen guten Ruf geniesst und viele Flughäfen im Süden der USA gar nicht mehr anfliegen darf - das kann ja heiter werden.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten gehen wir in den "Southwest Florida International Airport" und werden an einem VIVA AIROBUS Schalter vorstellig. Eine schlechtgelaunte Mitarbeiterin nimmt uns die Flugscheine ab und sagt, dass wir pro Koffer 15 Dollars bezahlen müssen. Zudem hören wir, dass es während des neunzigminütigen Fluges weder Getränke, noch eine Brotzeit geben wird. Die kleinwüchsige Mexikanerin mustert uns skeptisch und sagt, dass wir im Wartebereich Getränke kaufen können - das soll mir auch Recht sein.
12.30 Uhr Nachdem wir den Sicherheitstscheck hinter uns gebracht haben, sehen wir uns im Abflugbereich D mit kreischenden Jugendlichen konfrontiert. Als die marodierende Meute auch noch Sprechchöre anstimmt, spreche ich einen Polizisten an und fordere ihn auf, den Krawallbrüdern Handschellen anzulegen. Der Beamte will jedoch nicht hören und entgegnet, dass er eine Ehefrau und zwei kleine Kinder zu ernähren hat und in keine Schlägerei verwickelt werden will - das ist wieder typisch.
13.00 Uhr Endlich beginnt der Einsteigevorgang und wir können unsere Plätze in einer in die Jahre gekommenen BOEING 737-300 einnehmen. Edelbert deutet auf einen verschmutzten Sitzüberzug und unkt, dass das Flugzeug seit mehreren Monaten keine Putzfrau mehr gesehen hat. Ich nicke eifrig und rechne vor, dass wir in knapp zwei Stunde mexikanischen Boden betreten und die Seele am Strand baumeln lassen werden.
13.45 Uhr Mit kurzer Verspätung erhebt sich der klapprige Stahlvogel in die Lüfte und wir erhaschen einen beeindruckenden Ausblick auf den Golf von Mexiko. Während ich grosse Augen mache, krallt sich der Professor am Sitz fest und macht uns darauf aufmerksam, dass die Tragflächen von Roststellen gezeichnet sind. Ich zucke gelangweilt mit den Schultern und merke an, dass wir nun unsere Armbanduhren um eine Stunde zurück stellen müssen.
14.30 Uhr Nach achtzig Minuten setzt der Flieger sicher auf der südlichen Landebahn des
"Cancún International Airport" auf. Noch bevor
die Maschine zum Stehen kommt, eile ich zum Ausgang und habe das Vergnügen, als erster Passagier von Bord gehen zu können. An der Passkontrolle heisst uns ein bärtiger Mexikaner Willkommen und möchte wissen, wie lange wir in Cancún bleiben wollen. Ich zeige spornstreichs den Hotelgutschein vor und stelle klar, dass wir uns bis Freitag von den Strapazen des Alltags erholen werden. Der Staatsdiener drückt rote Stempel in unsere Reisepässe und wünscht uns einen angenehmen Aufenthalt
- wie schön.
15.15 Uhr Nachdem wir uns am Förderband die Beine für dreissig Minuten in den Bauch stehen mussten, erblicken wir endlich unsere Koffer. Wir nehmen die Gepäckstücke vom Band und laufen dann nach draussen, um ins erstbeste Taxi einzusteigen. Dort geben wir uns als spendable Touristen zu erkennen und animieren den kaugummikauenden Fahrer, uns zum renommierten
"InterContinental Presidente Resort"
zu kutschieren.
15.30 Uhr Während der Mann unseren Auftrag in die Tat umsetzt, wische ich mir über die nasse Stirn und lasse meine Reisebegleiter wissen, dass es eine prima Idee war, einen
Kurzurlaub in Cancún einzulegen. Frau Pontecorvo schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass sie sich im Hotel zur Ruhe betten und sich von den Strapazen der langen Anreise erholen muss.
16.15 Uhr Um weitere 60 Dollars erleichtert, treffen wir im Hotel ein und erfahren an der Rezeption, dass lediglich ein Drei-Bett-Zimmer reserviert wurde. Ich komme aus dem Schimpfen gar nicht mehr heraus und fordere die gelangweilt dreinblickende Hotelmaid auf, Rücksicht auf gestresste Rentner zu nehmen und uns drei Einzelzimmer zu vermieten. Die Dame zeigt sich schnell einverstanden und sagt, dass sie unter diesen Umständen unsere
Kreditkarten mit je 150 Dollars belasten muss
- wie unlöblich.
16.45 Uhr Obgleich wir keinen Goldesel im Vorgarten stehen haben, gehen wir nach kurzer Diskussion auf den Handel ein und bekommen im Gegenzug Schlüsselkarten für drei nebeneinanderliegenden Räumlichkeiten im fünften Stock ausgehändigt. Erleichtert fahren wir mit dem Aufzug nach oben und freuen uns, schöne Zimmer mit Ausblick auf den azurblauen Golf von Mexiko vorzufinden.
17.30 Uhr Ich werfe den Rollkoffer aufs bequeme King Size Bett und mache mich daran, meine Tschiens auszuziehen und in eine bequeme Bermudahose zu schlüpfen. Danach gönne ich mir ein eiskaltes Corona aus der Minibar und spüle meine ausgetrocknete Kehle auf dem Balkon durch. Nebenbei blicke ich zum Schwimmbecken und werde Zeuge, wie jugendliche Urlauber im kühlen Nass planschen und einen Höllenlärm veranstalten - wie schrecklich.
18.00 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, verschliesse ich die Balkontüre und falle aufs Bett. Schon nach wenigen Sekunden schlummere ich ein und träume von Hund Dixon, der in Naples zurückbleiben musste - wie schade.
19.00 Uhr Leider werde ich bald durch ohrenbetäubendes Klopfen unterbrochen. Ich treffe Frau Pontecorvo und Edelbert vor dem Zimmer an und höre, dass meine Bekannte hungrig sind und ins hoteleigene Restaurant einkehren wollen. Voller Vorfreude fahren wir mit dem Lift ins Parterre und laufen plaudernd ins gutbesuchte "El Caribeño Restaurant", um an einem Tisch unweit des Büffets Platz zu nehmen. Weil mein Magen rebelliert, entscheiden wir uns für einen Pitcher (löblich: Krug) Modelo Bier und nehmen uns das Recht heraus, unsere Teller am Büffet zu befüllen. Unter anderem kosten wir gegrillte Meeresfrüchte, im Speckmantel eingewickelte Kartoffeln sowie mit Käse überbackene Nachos - schmeckt gar nicht schlecht.
19.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, planen wir den morgigen Tag und verabreden, die Maya Ruinen im Süden zu besichtigen. Edelbert ist wie immer bestens informiert und erzählt, dass Hotelgäste die Möglichkeit haben, mit einem Bus zur besagten Sehenswürdigkeit zu gelangen - das ist phantastisch. Ausserdem kommt Edelbert auf den mexikanischen Pesos zur sprechen und meint, dass wir unbedingt ein Geldinstitut aufsuchen und Dollars umtauschen sollten.
20.15 Uhr Nachdem wir das Abendessen mit lustigen Schnäpsen und einer mexikanischen Süssspeise namens "Churros" abgerundet haben, unternehmen wir einen Spaziergang zum nahegelegen Strandabschnitt. Wir baden unsere Füsse im angenehm warmen Salzwasser und stossen immer wieder auf Liebespaare, die sich in die Dünen ablecken
- wo soll das noch hinführen.
21.00 Uhr Ein langer Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Völlig erschöpft kehre ich aufs Zimmer zurück und genehmige mir eine Dusche. Zu guter Letzt rufe ich bei Frau Crane im fernen Naples an und lasse meine nervenaufreibende Anreise nach Mexiko Revue passieren. Die ehemalige Olympiateilnehmerin wünscht mir einen schönen Urlaub und sagt, dass sie stets ein Auge auf Dixon hat - wie schön.
22.00 Uhr Nachdem ich ein weiteres Bier getrunken und die Klimaanlage reguliert habe, lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.
23.01.2012
07.30 Uhr Der Radiowecker springt an und reisst mich mit einem Lori McKenna Hitparadenerfolg aus einem schönen Traum. Während die 44jährige ihren Gassenhauer "Lorraine" trällert, blicke ich skeptisch in den Garten hinaus und lasse meinen tierischen Mitbewohner
wissen, dass es wie aus Eimern schüttet. Hund Dixon seufzt und zieht es vor, ins Wasserbett zu hüpfen und sich neben mir einzurollen
- wie schön.
07.45 Uhr Nachdem ich den Vierbeiner ausgiebig gekrault habe, stehe ich auf und komme prompt zu dem Schluss, dass ich bei diesem Sauwetter nicht aus dem Haus gehen werde.
08.15 Uhr Während ich mich bei einem löblichen Wirbelbad entspanne, blättere ich in der
Naples Daily News (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) und bringe in Erfahrung, dass ein örtliches Reisebüro preisgünstige Last-Minute (löblich: Letzte Minute) Angebote bereithält. Ich mache grosse Augen und lese weiter, dass ein viertägiger Urlaub nach Cancún lediglich 470 Dollars kosten würde - wie aufregend. Voller Vorfreude tippe ich Edelberts Nummer ins NOKIA Handtelefon und gebe dem Professor zu verstehen, dass wir uns etwas Luxus leisten und die mexikanische Halbinsel Yucatán besuchen sollten. Ausserdem zitiere ich aus der Werbedepesche und merke an, dass wir nach dem Frühstück das besagte Reisebüro im Zentrum ansteuern sollten. Edelbert ist hellauf begeistert und erwidert, dass er mich gegen halb Elf erwartet - wie schön.
09.15 Uhr Nach dem Badespass flitze ich mit schnellen Schritten zum Nachbarhaus und teile Frau Pontecorvo mit, dass ich hungrig bin und ein reichhaltiges Frühstück vertragen könnte. Die kleine Frau winkt mich zuvorkommend herein und sagt, dass sie gerade leckere Rühreier mit Schinken zubereitet. Ich setze mich an den Küchentisch und gebe während der wichtigsten Mahlzeit des Tages vor, dass ich bald nach Mexiko ausfliegen werde. Meine Nachbarin folgt meinen Erzählungen mit grossem Interesse und behauptet, dass sie Cancún wie ihre Westetasche kennt und gerne mitkommen würde. Ich nicke eifrig und lade die Frau ein, mich nach dem Frühstück in die Stadt zu begleiten. Frau Pontecorvo schenkt mir ein Lächeln und meint, dass es ein Vergnügen wird, die präkolumbischen Ruinen der Mayas zu bestaunen.
09.45 Uhr Als ich kraftvoll in eine geröstete Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) beisse, präsentiert die kleine Frau einen Weltatlas und
unterbreitet, dass Cancún eine Stadt im Regierungsbezirk Benito Juárez ist und eine rund 20 Kilometer lange Hotelzone in Meernähe beheimatet. Ich bin begeistert und antworte, dass wir uns langsam auf den Weg in die Stadt machen sollten.
10.15 Uhr Wenig später sitzen wir im geräumigen Chevrolet Suburban und gleiten zu stimmungsvoller
Jimmy Buffett Karibikmusik gen Süden. Währenddessen schwärmt Frau Pontecorvo in den höchsten Tönen und sagt, dass sie es gar nicht mehr erwarten kann, mexikanische Spezialitäten zu essen. Ich schlage in die gleiche Kerbe und kündige grossspurig an, dass ich mich nicht lumpen lassen und für eine reichhaltige Mahlzeit einstehen werde.
10.45 Uhr Pünktlich auf die Minute komme ich mit quietschenden Bremsen vor Edelberts Wohnkomplex zum Halten. Wir treffen den schlauen Mann am Bürgersteig an und vernehmen, dass die "American Travel Company" (löblich: Amerikanische Reisefirma) einen Steinwurf entfernt liegt und bequem zu Fuss zu erreichen ist. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, parke ich den PS-strotzenden SUV im Innenhof und folge meinen Bekannten spornstreichs zur 5th Avenue.
11.15 Uhr Nachdem Hund Dixon das Werbeschild einer koreanischen Reinigung bewässert hat, schlendern wir ins Reisebüro und freuen uns, vom Inhaber höchstpersönlich begrüsst zu werden. Herr Grier (59) heisst uns herzlich Willkommen und vermutet, dass wir
Touristen sind und einen Tagesausflug in die Everglades buchen wollen. Natürlich belehren wir den Heini eines Besseren und stellen klar, dass wir Bürger der Stadt sind und nach Cancún reisen möchten. Der Büroleiter nippt an seinem Kaffeebecher und bittet uns, Platz zu nehmen. Danach hackt der schmächtige Mann auf seine Heimrechnertastatur ein und bestätigt, dass wir morgen mit der mexikanischen Linie
VIVA AIROBUS ab Fort Myers fliegen könnten. Herr Grier legt uns einen Prospekt vor und sagt, dass wir drei Mal im renommierten
"InterContinental Presidente Resort" übernachten könnten und 470 Dollars zuzüglich der anfallenden Steuern bezahlen müssen
- wie aufregend. Als ich Hund Dixon ins Spiel bringe, zuckt der gute Mann mit den Schultern und setzt mich darüber in Kenntnis, dass Haustiere leider nicht nach Mexiko einreisen dürfen - das ist wieder typisch.
11.45 Uhr Als ich traurig zu Boden blicke, beruhigt mich Frau Pontecorvo und meint, dass sich Frau Crane bestimmt bereit erklären würde, bis Freitag auf den Hund aufzupassen. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, kontaktiere ich die ehemalige Olympiateilnehmerin per Handtelefon und frage nach, ob sie so freundlich wäre, Dixon bis Freitag Asyl zu gewähren. Meine Nachbarin zeigt sich schnell einverstanden und meint, dass es ihr Freude machen würde, das brave Haustier bis zum Wochenende zu beherbergen - das ist phantastisch.
12.00 Uhr Nachdem sämtliche Widrigkeiten aus der Welt geschafft sind, legen wir unsere praktischen Kreditkarten vor und animieren den Reiseexperten, Nägel mit Köpfen zu machen. Herr Grier lässt sich nicht zweimal bitten und macht es sich zur Aufgabe, die Flugscheine auszudrucken und uns ausserdem drei Voucher (löblich: Gutscheine) für das Hotel zu überreichen.
12.30 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten verlassen wir das Reisebüro und entschliessen uns, ins benachbarte
"Bistro 821" einzukehren. Wir lassen uns zufrieden an einem Fenstertisch nieder und ordern bei einer beschürzten Bedienung namens Inga (21) süffige Hopfenkaltschalen sowie vitaminreiche Cheeseburger (löblich: Käseburger). Bei dieser Gelegenheit tratsche ich mit meinen Freunden und weise auf die Tatsache hin, dass wir morgen gegen 11 Uhr ein Taxi bemühen und zum Flughafen fahren müssen. Edelbert gibt mir Recht und sagt, dass wir bereits am frühen Nachmittag in Cancún landen und Langgetränke (unlöblich: Longdrinks) am hauseigenen Schwimmbecken schlürfen werden
- wie schön.
13.15 Uhr Wir runden das Mittagessen mit Schaumkaffees und Apfelkuchen ab und eilen dann zum Auto, um die Heimfahrt anzutreten. Während der kurzweiligen Fahrt lausche ich den Klängen einer Jimmy Buffett Kompaktscheibe und berichte, dass der erfolgreiche Künstler eine Villa auf der Yucatán Halbinsel besitzt.
13.45 Uhr Im Willoughby Drive angekommen, verabschiede ich Frau Pontecorvo freundlichst. Danach schliesse ich die Pforte zu meinem Haus auf und falle erschöpft aufs bequeme Wohnzimmersofa. Schon nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum aufs
Münchner Oktoberfest versetzt.
14.45 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und lasse es mir nicht nehmen, die Musikanlage einzustellen und die Hüften zu prima
WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik kreisen zu lassen. Nebenbei hole ich den DELSEY Rollkoffer aus der Garage und befülle ihn mit modischer Freizeitkleidung, Kulturbeutel, Unterwäsche,
Flip Flops und anderem Zeug.
15.15 Uhr Im Anschluss fülle ich meine Hahn und Henne Tasse mit brühfrischem Bohnentrunk auf und rufe ganz spontan bei meiner Familie im fernen Toronto an. Als sich meine Schwägerin nach dem zweiten Klingeln meldet, übermittle ich ihr die frohe Kunde und gebe bekannt. dass ich morgen nach Mexiko ausfliegen und für drei Tage die Seele in Cancún baumeln lassen werde. Maria kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und meint, dass ich den Kurzurlaub nutzen werde, um Drogen zu kaufen und Unmengen an Bier zu trinken
- wie unlöblich. Ich falle Maria nörgelnd ins Wort und berichtige, dass ich lediglich an der Kultur des Landes interessiert bin und die Maya Ruinen bestaunen werde.
15.45 Uhr Nachdem ich Georgs Ehefrau gebeten habe, meinem Bruder die besten Grüsse auszurichten, beende ich das Telefonat und verfrachte den Rollkoffer neben die Haustüre. Anschliessend setze ich mich pflichtbewusst an den Heimrechner und rufe
Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter ab. Herr Roman B. aus Hamburg schreibt, dass seine Tochter Lisa (15) gefährliche Tanzlokale besucht und dort nicht nur Alkopops trinkt, sondern auch Extrasi in rauen Mengen konsumiert. Da mir das Wohl der jungen Generation sehr am Herzen liegt, tröste ich den Familienvater und rate ihm, seiner verlotterten Tochter das
Taschegeld zu streichen - so kann es jedenfalls nicht weitergehen.
16.30 Uhr Nachdem ich zu guter Letzt im beliebten Gästebuch für Ordnung gesorgt habe, schenke ich mir als kleine Belohnung ein Budweiser ein. Ich öle meine ausgetrocknete Kehle mit kräftigen Schlucken und freue mich, als Frau Pontecorvo an die Terrasse kommt. Meine Nachbarin winkt mir zu und kündigt an, dass sie nun ihr Ränzlein schnüren und alles für den anstehenden Urlaub vorbereiten wird - wie schön.
17.00 Uhr Weil es immer noch regnet, ziehe ich mich in die gute Stube zurück und verfrachte einen Topf auf die Herdplatte. Zu den Klängen der aktuellen Joe Nichols Kompaktscheibe gebe ich ein halbes Pfund Farfalle ins Nudelwasser und zaubere zudem eine deftige Tomatensauce mit eigenhändig geernteter Petersilie und einem Schluss Olivenöl - wie gut das duftet.
17.30 Uhr Während ich das mediterrane Abendessen geniesse, kommt Hund Dixon tropfnass von seinem Ausflug zum Teich zurück und animiert mich, ihm etwas von der Mahlzeit abzugeben. Ich streiche dem Vierbeiner übers Köpfchen und stelle klar, dass Hunde nichts vom Tisch abbekommen.
18.15 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, finde ich mich erschöpft im Wohnzimmer ein und lasse den nervenaufreibenden Tag bei einem
hunde- und rentnergerechten Fernsehabend ausklingen.
18.45 Uhr Schaumweinschlürfend schalte ich mich durch die unzähligen Programme und registriere, dass heute weder meine Lieblingssendung "Cops" (löblich: Polizisten), noch ein sehenswerter Spielfilm ausgestrahlt wird - wie schade. Trotzdem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und verfrachte eine selbstgebrannte DVD mit einigen Episoden der erfolgreichen ARD Vorabendserie "Polizeiinspektion 1" ins Abspielgerät. Während der folgenden Stunden tauche ich in das Leben des Polizeiinspektors Schöninger ein, der mit frechen Ganoven aneinander gerät
- da kommt Freude auf.
20.15 Uhr Als meine geschmackvolle Wanduhr acht mal schlägt, betätige ich gähnend den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der neumodernen Fernbedienung und unternehme in Gesellschaft meines Haustieres einen kleinen Rundgang durch den Garten.
21.00 Uhr Nachdem ich kreischende Ajajas verscheucht und die Verandatüre sicher verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und lese noch etwas in der Bibel. Gute Nacht.
22.01.2012
Hallo Fans,
Herr Pfaffenberg sagt immer: "Etwas Kultur schadet nicht".
Ich habe mir diese Aussage zu Herzen genommen und heute eine Ausstellung in München besucht.
Mirko
Borsche, ein Münchner Grafikdesigner, stellt derzeit seine preisgekrönten Werke in der Pinakothek der Moderne aus. Unter dem Motto "Unplugged" präsentiert er handgemalte Schwarz-Weiss-Plakate im Format 70 x 100 cm. Unser Rundgang durch die Ausstellung war richtig spannend, denn Borsche schaffte es, abstrakte Malerei mit dem Alltäglichen zu verbinden.
Anschliessend haben wir Kuchen im Café Tambosi am Odeonsplatz gegessen und uns über die Angeber amüsiert, die sich bei der Kälte mit roten Fleecedecken vor die Gaststätte setzen und dort ihren Cappuccino trinken. Übrigens öffnete das Kaffeehaus bereits im Jahre 1827 seine Pforten und zählt somit zu den ältesten Wirtshäusern der Landeshauptstadt
!!! Ausserdem habe ich gerade mit Herrn Pfaffenberg telefoniert.
Der Rentner hat mir von seinen Erlebnissen im Sunshine State erzählt und auch die gestrige Party in der Naples Manor Bar zur Sprache gebracht. Reinhard, Frau Pontecorvo und Prof. Kuhn haben bis weit nach Mitternacht abgefeiert und eine örtliche Band beklatscht, die Beatles Klassiker zum Besten gegeben hat :-).
Wie ihr euch denken könnt, fühlt sich mein Vermieter heute ziemlich schlapp. Trotzdem ist er heute Vormittag an der Rezeption des Motels anzutreffen und wird Herrn Wang bei der Büroarbeit helfen :-)
Ich werde jetzt chillen und mir am Abend den Tatort aus Saarbrücken anschauen. Heute ermitteln Maximilian Brückner und Stefan Deininger in einer Hochhaussiedlung.
Okay, mehr gibt es nicht zu berichten.
Ich wünsche euch allen eine tolle und stressfreie Woche
Sandra
21.01.2012
Hi Leute,
letzte Woche war echt die Hölle los.
Am Montag Abend schellte ein Fremder an der Haustüre und wollte das Pensionszimmer mieten. Obwohl keine Reservierung vorlag, hab ich mich breitschlagen lassen und dem Mann das Zimmer überlassen. Herr Asmy stammt aus Kiel und wollte seine Tochter besuchen, die im Hotel Birkenhof eine Ausbildung zur Hotelfachfrau macht. Da das Hotel ausgebucht war, musste er sich eine andere Bleibe suchen und landete schlussendlich im Waldweg. Der Mann war sehr nett und blieb bis Mittwoch. Beim Putzen ist mir aber aufgefallen, dass er die Duscharmatur aus der Wand gerissen hat. Nur gut, dass mein Cousin handwerklich begabt ist und den Schaden schnell beseitigen
konnte.
Ausserdem habe ich einen Brief vom Finanzamt erhalten. Die Leute wollen, dass ich die gemeinschaftlich mit Herrn Pfaffenberg erwirtschafteten Mieteinnahmen der Pension Waldblick bei der nächsten Steuererklärung gesondert aufführe. Ausserdem soll ich den Steuervordruck "Anlage V - Einkünfte aus Vermietungen und Verpachtungen" abgeben.
FRECHHEIT - ich blicke da nicht durch und muss jetzt einen Steuerberater zu Rate ziehen. Natürlich hab ich bereits mit meinem Vermieter telefoniert und ihm die Probleme geschildert. Pfaffenberg hat versprochen, sich der Angelegenheit anzunehmen und mit Franz-Xaver Ollmann zu sprechen. Der alte Mann hat früher in der Hypo-Bank gearbeitet und kennt sich mit Steuerangelegenheiten
"bestens" aus.
Übrigens wurde am Donnerstag bekannt, dass Bruce Springsteen Anfang März sein 17. Studioalbum veröffentlichen wird. Ich bin total gespannt und freue mich, etwas neues vom "Boss" zu hören :-)
Jetzt ist Fernsehschauen angesagt.
Ich werde meiner Mitbewohnerin beim TV Abend Gesellschaft leisten und mir DSDS zu Gemüte führen. Morgen hört ihr wieder von mir !!!
Eure Sandra
20.01.2012
07.30 Uhr Der zwanzigste Tag des Schaltjahres beginnt und ich fühle mich prächtig. Da ich heute mit Edelbert und der Pontecorvo nach Cape Coral fahren werde, stehe ich zeitig auf und läute den sonnigen Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Obgleich es mit 58°F
(14°C) bitterkalt ist, lockere ich meine Muskeln und pfeife die schöne Melodie vom "narrischen Kastanienbaum" - das macht Spass.
08.00 Uhr Nachdem ich meinem tierischen Mitbewohner einen Kauknochen überreicht habe, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Währenddessen lausche ich der Internetzberichterstattung des Bayerischen Rundfunks und höre, dass laut einer Maya Überlieferung am 22. Dezember 2012 die Welt untergehen wird. Der GEZ-Vorleser versorgt mich mit Infos und erzählt, dass sich im Laufe der letzten Jahrhunderte immer wieder Quacksalber zu Wort gemeldet und vom Niedergang der Menschheit berichtet haben. So sagte unter anderem der angesehene Astronom Johannes von Toledo anno 1186 voraus, dass die Erde im Jahre 1179 von verheerenden Erdbeben heimgesucht werden wird. 234 Jahre später war es die böhmische Taborite Bewegung, die vorgab, Christus werde am 14. Februar des gleichen Jahres erscheinen und den Weltuntergang einleiten. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben.
09.00 Uhr Nach dem Badevergnügen setze ich mich an den Frühstückstisch und lasse mir gesunde Kelloggs Maisflocken mit frischer Muh schmecken. Nebenbei schlage ich die
Tageszeitung auf und stosse im Reklameteil auf eine halbseitige Anzeige des "Naples Manor Motel". Ich mache grosse Augen und zögere nicht, zum NOKIA Handtelefon zu greifen und
Herrn Wang anzurufen. Der chinesischstämmige Unternehmer meldet sich nach dem zweiten Tuten und bestätigt, dass er morgen eine grosse Feier in der hauseigenen TIKI Bar veranstalten wird. Ferner vernehme ich, dass der Mann die Feier zum Anlass genommen hat, über die günstigen Wochenendpauschalen in seinem Haus zu informieren - das ist phantastisch. Der Motelbesitzer ist hellauf begeistert und sagt, dass sein Betrieb bis zum Februar ausgebucht ist und er sich vor Arbeit kaum retten kann. Als ich schon wieder auflegen will, bittet mich Herr Wang, ihm am Sonntag Gesellschaft an der Rezeption zu leisten - das hat gerade noch gefehlt.
09.30 Uhr Just als ich brühfrischen Bohnentrunk geniesse, klingelt es an der Türe und ich kann Frau Pontecorvo herzlich Willkommen heissen. Die Frau von nebenan tippt auf ihre CARTIER Armbanduhr und erinnert, dass wir um 10 Uhr mit Edelbert im Stadtzentrum verabredet sind. Um meinen Bekannten nicht warten zu lassen, scheuche ich Hund Dixon zum Chevrolet und schicke mich an, mit durchdrehenden Pneus aus der Doppelgarage zu brettern. Während der kurzweiligen Reise bringe ich Herrn Wangs Feier zur Sprache und lege anschaulich dar, dass sich die Gäste nicht nur über Spezialitäten vom Grill, sondern auch über musikalische Darbietungen einer örtlichen Kapelle freuen dürfen. Meine Nachbarin reibt sich die Hände und meint, dass wir die Gelegenheit am Schopfe packen und das Tanzbein schwingen könnten - das kann ja heiter werden.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute komme ich vor Edelberts Wohnkomplex unweit der 5th Avenue zum Stehen und betätige die Hupe. Der schlaue Mann lässt nicht lange auf sich warten und freut sich, Frau Pontecorvo begrüssen zu können. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und fahre gemächlich in Richtung Interstate 75. Unterdessen plappert Edelbert ohne Unterlass und behauptet, dass wir in sechzig Minuten in Cape Coral sein und köstliches Bauernbrot in "Peter's Bakery" einkaufen werden. Der Professor geht noch weiter und erzählt, dass Herr Peter ein begnadeter Bäcker ist und seine Kunden mit Laugensemmeln, Brezen und bayerischen Krapfen verwöhnt - schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
10.30 Uhr Auf halber Strecke stehen wir plötzlich im Stau und haben das zweifelhafte Vergnügen, im Schritttempo an einem umgestürzten Lastkraftwagen vorbeizurollen. Wir verdrehen uns neugierig die Hälse und werden Zeugen, wie Feuerwehrmänner damit beschäftigt sind, eine ausgelaufene Flüssigkeit von der Fahrbahn zu kehren. Da ich stets über alles informiert sein will, trete ich beherzt auf die Bremse und unke, dass es sich um eine gefährliche Chemikalie handelt. Einer der Helfer belehrt mich eines Besseren und sagt, dass der Lastwagen Flüssigei für die industrielle Lebensmittelproduktion geladen hatte - wie aufregend.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten treffen wir am Ziel ein und können den PS-strotzenden SUV direkt vor "Peter's Bakery" parken. Voller Vorfreude eile ich ins Geschäft und registriere, dass Edelbert nicht zu viel versprochen hat.
11.30 Uhr Nachdem wir uns wegen des grossen Andrangs fünfzehn Minuten die Beine in den Bauch stehen mussten, sind wir endlich an der Reihe. Ich stelle mich als
Reinhard Pfaffenberg aus Naples vor und verrate, dass ich meiner bayerischen Heimat vor Jahren den Rücken gekehrt habe, um in Amerika in Ruhe leben zu können. Die nette Verkäuferin schenkt mir ein Lächeln und erwidert, dass sie aus Regensburg stammt und vor zwei Jahren nach Cape Coral gezogen ist. Ich fackle nicht lange und bitte die kleine Frau, zwei Pfund Bauernbrot mit röscher Kruste, einen Wecken Vollkornbrot, drei Elsässer Semmeln sowie fünf Brezen in eine Papiertüte zu stecken. Darüber hinaus deute ich in die Auslage und ordere zudem Bienenstich sowie zwei Stück Schwarzwälder Kirsch Torte. Edelbert staunt nicht schlecht und lässt es sich nicht nehmen, köstliche Kartoffellaiberl, Sonnenblumenbrot und Bamberger Hörnchen mitzunehmen.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir wieder auf der Strasse und unternehmen mit Hund Dixon einen kleinen Spaziergang entlang des Del Prato Boulevards. Ich beisse kraftvoll in eine Breze und lasse Frau Pontecorvo wissen, dass dieses Backwerk einer Legende nach von einem Bäcker aus dem baden-württembergischen Bad Urach erfunden wurde. Prof. Kuhn schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass die Breze seit Beginn des 14. Jahrhunderts das Zunftzeichen der Bäckergesellen ist. Meine Nachbarin zuckt
mit den Schultern und labt sich an einem mit Käse überbackenen Croissant (löblich: französisches Hörnchen).
12.30 Uhr Nach wenigen Metern passieren wir eine einladende KFC Gaststätte und entschliessen uns, ein Mittagessen einzunehmen. Weil ich heute die Spendierhosen angezogen habe, sichere ich meinen Bekannten zu, für sämtliche Getränke und Speisen einzustehen. Edelbert leckt sich die Lippen und kündigt an, unter diesen Umständen das teuerste Gericht auszuwählen - das ist wieder typisch.
13.00 Uhr Während wir gemütlich an einem Ecktisch sitzen, braun´sche Röhren trinken und "KFC Snacker Sandwiches" (löblich: KFC belegte Imbissbrote) mit Kartoffelstäben und "Caesar Side Salads" (löblich: Cäsar Beilagensalate) essen, kommt Frau Pontecorvo auf Herrn Wangs Grillparty am morgigen Abend zu sprechen. Wie nicht anders zu erwarten, klatscht Edelbert freudig in die Hände und erklärt, dass er uns begleiten wird.
13.45 Uhr Nachdem wir das Mittagessen mit Schaumkaffees und Muffins abgerundet haben, laufen wir zum Auto und begeben uns auf den Heimweg. Nebenher erfreuen wir uns am Qualitätsprogramm von
WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und kommen in den Genuss, das schöne Lied "Marina del Rey" aus
George Straits Feder zu hören
- das ist wunderbar.
14.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb Drei deutet, taucht endlich das Willkommensschild der 22.000 Einwohner Stadt Naples vor uns auf. Ich fahre zügig von der Autobahn ab und setze Edelbert sicher im Stadtzentrum ab. Danach presche ich gen Norden weiter und erkläre Frau Pontecorvo, dass ich am Abend vitaminreiche Wurstbrote essen werde. Meine Nachbarin tippt zum Takt der Radiomusik auf die Mittelarmlehne und sagt, dass sie um Sieben mit ihrer Freundin Dorothy im "Pavilion Cinema" (löblich: Pavillon
Lichtspielhaus) verabredet ist und sich den neuen Sherlock Holmes Film anschauen wird - das soll mir auch Recht sein.
15.00 Uhr Tütenbepackt stosse ich die Pforte zur kleinen Villa auf und gönne mir vor der wohlverdienten Pause eine weitere Breze. Bei dieser Gelegenheit fülle ich den Napf meines Haustieres mit Trockenfutter auf und versorge es ausserdem mit frischem Trinkwasser.
15.30 Uhr Im Anschluss falle ich erschöpft aufs bequeme Wohnzimmerkanapee und schlummere bald ein, um von unbeschwerten
Oktoberfestbesuchen zu träumen. HEUREKA
- eine süffige Mass wäre jetzt nicht schlecht.
16.30 Uhr Ich erwache gähnend und nehme in meiner Funktion als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger am Schreibtisch Platz. Auch heute rufe ich
Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter ab und stehe einer verzweifelten Ostdeutschen (54) aus Zwickau zur Seite. Frau Heidelinde K. schreibt, dass ihre Tochter Mandy (19) an Gehirnbrand erkrankt ist und sich den Namen ihres Lebensgefährten auf den Arsch hat
tätowieren lassen - wie furchtbar. Selbstverständlich spende ich der alleinerziehenden Mutter Trost und rate ihr, das Kind umgehend aus dem Haus zu werfen.
17.15 Uhr Nachdem ich einem arbeitslosen Akademiker (28) aus Fürth empfohlen habe, sich einen Tschob auf dem Bau zu suchen, beende ich die Beratungsstunde und sorge im
elektronischen Gästebuch für Ordnung. Wie immer lese ich die aktuellen Einträge genau durch und sehe mich genötigt, Anzeige wegen Beleidigung beim BKA zu erstatten.
17.45 Uhr Endlich kann ich den Heimrechner ausschalten und mich in der Küche nützlich machen. Ich bestreiche zwei Scheiben Bauernbrot mit Butter und belege das Backwerk ausserdem mit hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo. Dazu trinke ich ein Gläschen Tavernello Weisswein und gebe dem bettelnden Vierbeiner zu verstehen, dass besagter italienischer Traubentrunk seit einigen Jahren nach Ozeanien, Nordamerika und Asien exportiert wird.
18.30 Uhr Nachdem ich die Hausarbeit erledigt habe, setze ich mich gemütlich ins Wohnzimmer und schalte die Glotze ein. Während ich mir die Schwarzwälder Kirsch Torte schmecken lasse, fröne ich den FOX NEWS (löblich: Fuchs Neuigkeiten) und lerne, dass Ronald Reagan heute vor 31 Jahren zum vierzigsten Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt wurde. HEUREKA - das waren noch bessere Zeiten.
19.15 Uhr Zur besten Sendezeit wähle ich den im grossen Apfel beheimateten
Bezahlsender HBO aus und bin überrascht, den Vorspann zur deutschen Serie "Väter und Söhne" zu sehen. Ich aktivierte wissbegierig das Infomenü der digitalen Satellitenempfangsanlage und erhalte die Auskunft, dass der Fernsehsender übers Wochenende herausragende Produktionen aus dem alten Europa ausstrahlt - wie schön. Ich lehne mich entspannt zurück und schaue mir die erste Episode des Welterfolgs aus den 1980er Jahren an. "Väter uns Söhne" erzählt vom Aufstieg und Niedergang einer deutschen Industriellenfamilie zwischen 1911 und 1947 - wie interessant.
21.00 Uhr Ein aufschlussreicher Fernsehabend geht zu Ende und ich drücke auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der neumodernen Fernbedienung. Nachdem ich alle Fenster sicher verschlossen und Dixon durch den Garten geführt habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schlafe bald ein. Gute Nacht.
19.01.2012
07.30 Uhr Der Radiowecker geht an und ich habe den aktuellen Hitparadenerfolg der aus Reading in Pennsylvania stammenden Sängerin
Taylor Swift im Ohr. Beschwingt hüpfe ich aus dem Bett und lerne, dass die 22jährige im vergangenen Jahr alleine durch Konzertauftritte
104 Millionen Dollars verdient hat.
WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Morgenmoderatorin Amy Lynn ist bestens informiert und fährt fort, dass die kleine Frau anno 2011 2.000.000 Tonträger verkauft und einen lukrativen Werbevertrag mit dem amerikanischen Pflegeprodukthersteller "CoverGirl" geschlossen hat
- wie unlöblich.
08.00 Uhr Kopfschüttelnd absolviere ich die Morgengymnastik auf der fliegenvergitterten Terrasse und lasse Hund Dixon wissen, dass ich von solchem Reichtum nur träumen kann. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und kehre ins Wohnzimmer zurück, um den
Heimrechner einzuschalten. Auf der Internetzplattform Finanzen.net mache ich mich über die aktuellen Kursverläufe der Coca Cola und McDonalds Aktien schlau und erfahre, dass die Notierungen stabil geblieben sind - wie schön.
08.15 Uhr Nachdem ich mein DiBa Aktiendepot eingesehen habe, verabschiede ich mich ins Badezimmer und lasse die Seele bei einem löblichen Wirbelbad baumeln. Unterdessen fröne ich weiter dem Programm von WCKT CAT COUNTRY und vernehme, dass sich die Bürger des Collier County bis zum Sonntag auf kühle Temperaturen einstellen müssen. Ich lasse etwas heisses Wasser nachlaufen und gebe Hund Dixon zu verstehen, dass ich der Kälte trotzen und mich im
"Whitaker Wellness Center"
sportlich betätigen werde. Der lustige Vierbeiner freut sich und rennt ausgelassen zum Haus von Familie Crane, um Hund Joey zu besuchen.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten schlüpfe ich in die nagelneuen NIKE
Turnschuhe und bin überrascht, Frau Crane an der Grundstücksgrenze anzutreffen. Die ehemalige Olympiateilnehmerin wünscht mir einen guten Morgen und erkundigt sich, ob sie auf mein Haustier aufpassen soll. Ich nicke eifrig und gebe vor, trainieren zu müssen und spätestens gegen 13 Uhr zurück zu sein. Meine Nachbarin zwinkert mir redlichst zu und sagt, dass sie ihren Pflichten nachkommen und einen ausgedehnten Gassigang zum nahegelegenen "Imperial Golf Course" (löblich: Kaiser Golf Platz) unternehmen wird. Um den spielenden Vierbeinern eine kleine Freude zu bereiten, schleudere ich einen Tennisball zum Teich und verspreche Frau Crane, mich irgendwann erkenntlich zu zeigen.
09.45 Uhr Wenig später sitze ich im geräumigen Chevrolet Suburban und kruse zu prima Radiomusik zur 11 Meilen entfernten Turnhalle. Nebenher hupe ich in regelmässigen Abständen und erfreue mich an karibischen Jimmy Buffett Klängen - was kann es schöneres geben.
10.15 Uhr Voller Vorfreude betrete ich Naples bestes Turnstudio und reiche Frau Kelly am Empfang die Hand. Die wasserstoffblond Maid heisst mich herzlich Willkommen und unterbreitet, dass Herr Jensen (29) an einem Fortbildungskurs teilnimmt und sich leider nicht um mich kümmern kann. Als ich schon wieder kehrt machen möchte, beruhigt mich die Empfangsdame und meint, dass Herr Raul (26) im Geräteraum anzutreffen ist und mir bei den Übungen helfen wird. Missmutig schlendere ich ins Fitnessstudio und sehe mich mit einem dunkelhäutigen Heini konfrontiert, der just im Moment damit beschäftigt ist, einem älteren Herren (88) die Handhabung eines Laufbandes zu erklären.
10.30 Uhr Nachdem ich meine Muskeln gelockert habe, setze ich mich auf den Fahrradergometer und mache es mir zur Aufgabe, ordentlich in die Pedale zu treten - da kommt Freude auf.
11.00 Uhr Als mir der Schweiss von der Stirn tropft, kommt Herr Raul dazu und animiert mich, es langsamer anzugehen und einen Schluck Wasser zu trinken. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich zur Höchstform auflaufe und im Herbst beim
New York Marathon teilnehmen werde. Der braungebrannte Übungsleiter mustert mich skeptisch und meint, dass ich bis zum 4. November 2012 mindestens 20 Pfund abspecken muss - das ist ja allerhand.
11.15 Uhr Als nächstes nehme ich auf einer sogenannten Weight Machine (löblich: Gewichtsmaschine) platz und zögere nicht, meine Bizeps in Form zu bringen und 15 Kilo zu stemmen. Nebenbei nehme ich einen muskelbepackten Jungspund (23) ins Visier und werde Zeuge, wie sich der Angeber an einem Flaschenzug zu schaffen macht und 200 Pfund in die Höhe zieht.
11.45 Uhr Weil meine Kehle ganz ausgetrocknet ist, beende ich die Sportstunde und ziehe es vor, in das angeschlossene Bistro zu gehen und frisch gepressten Orangensaft zu bestellen. Ausserdem verwickle ich den Wirt in ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk) und höre, dass es sich anbieten würde, neben dem harten Training auch Pilates zu erlernen. Der 47jährige reibt sich die Hände und sagt, dass es ein Vergnügen ist, mit leichtbekleideten Frauen dem Bodenturnen zu frönen. Ich schlage entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen und antworte, dass ich ein seriöser Rentner bin und ganz bestimmt keiner Dame in den Ausschnitt spähen werde.
12.15 Uhr Nachdem ich meinen trockenen Hals geölt habe, suche ich eine Duschkabine auf und brause mich ab. Im Anschluss schlüpfe ich in die Strassenkleidung und wünsche Frau Kelly einen schönen Arbeitstag.
13.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby
Drive, werde ich von Hund Dixon freudig begrüsst. Während mir der Vierbeiner die Hand ableckt, versorge ich Frau Crane mit Fakten und gebe zu Protokoll, dass ich heute Morgen Tausende Kalorien verbrannt habe und mich nun auf ein reichhaltiges Mittagessen freue. Die in die Jahre gekommene Spitzensportlerin kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und legt mir nahe, fette Speisen sein zu lassen und auf ballaststoffreiche Kost zu setzen. Ich stimme prompt zu und merke an, dass eine TOMBSTONE Tiefkühlpizza sehr vitaminreich ist. Bevor die Dame etwas erwidern kann, lasse ich die Pforte ins Schloss fallen und heize das Backrohr vor.
13.30 Uhr Während sich eine Thunfischpizza mit Zwiebeln im Ofenlicht sonnt, zaubere ich einen knackigen Beilagensalat und vergesse
auch nicht, Dixons Napf mit gesundem ROYAL CANIN Trockenfutter aufzufüllen - wie gut das duftet.
14.00 Uhr Völlig erschöpft setze ich mich in die Hollywoodschaukel und blicke während des Mittagessens auf die angrenzende Grünanlage. Dummerweise wird die himmlische Ruhe schon bald durch das ohrenbetäubende Bimmeln des NOKIA Handtelefons gestört. Zu allem Überfluss meldet sich Edelbert und erinnert daran, dass wir morgen nach Cape Coral rasen und die Backstube eines deutschen Auswanderers besuchen wollten. Ich zeige mich schnell einverstanden und sichere zu, gegen 10 Uhr ins Zentrum zu kommen. HEUREKA - diesen Stress hält nicht einmal der stärkste Rentner aus.
14.30 Uhr Nachdem ich das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine verfrachtet habe, strecke ich auf dem Wohnzimmerkanapee die Beine aus. Schon nach wenigen Augenblicken schlummere ich ein und träume von meinem spannenden Aufenthalt in
Nashville, TN vor mittlerweile 7 Jahren - das waren noch Zeiten.
15.45 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und nehme augenblicklich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb. Anschliessend kümmere ich mich um die Anschnurarbeit und mache mich daran,
Hilferufe abzurufen und leidgeprüften Erziehungsberechtigten zur Seite zu stehen. Unter anderem berichtet Frau Jutta W. aus Passau schier Unglaubliches und schreibt, dass ihr Sohn Bernhard (15) den Verstand verloren hat und Profimusiker in einer
Hipf Hüpf Kapelle werden will - wie schrecklich. Da bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen, verfasse ich ein Antwortschreiben auf und rate der Mutter, dem Buben die Ohren lang zu ziehen und ihm eine seriöse Ausbildung ans Herz zu legen. Wie jedes Kind weiss, kann man als Maurer oder Anstreicher gutes Geld verdienen.
16.30 Uhr Just als ich die neuesten Einträge im elektronischen Gästebuch überfliege, stattet mir Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Die Dame von nebenan strahlt wie ein Honigkuchenpferd und berichtet, dass sie viel Geld im
Miromar Outlet Store (löblich: Miromar Auslass Geschäft) gelassen und ein Sommerkleid gekauft hat. Ferner präsentiert die Frau hellblaue Stöckelschuhe aus dem Hause MANOLO BLAHNIK und kündigt an, demnächst die Hauptrolle in der beliebten Seifensendung "Sex and the City" (löblich: Unzucht und die Stadt) zu übernehmen. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben.
17.00 Uhr Während wir echten BUSTELO Bohnenkaffee trinken und Donuts aus dem PUBLIX Supermarkt verzehren, komme ich auf meinen anstehenden Ausflug nach Cape Coral zu sprechen und lade Frau Pontecorvo ein, uns kurzerhand zu begleiten. Meine Nachbarin ist hellauf begeistert und sagt, dass sie die Gelegenheit beim Schopf packen und ebenfalls deutsches Brot kaufen wird - wie schön.
17.30 Uhr Nachdem wir Nägel mit Köpfen gemacht haben, lotse ich Frau Pontecorvo zur Türe und freue mich auf einen ruhigen und besinnlichen Fernsehabend. Zuvor richte ich jedoch eine Wurst- und Käseplatte an und bestreiche vier Scheiben Weissbrot mit gesalzener Butter.
18.00 Uhr Danach schalte ich den Farbfernseher ein und fröne einigen Episoden der 1960er Jahre Fernsehproduktion
"The Munsters" (löblich: Die Monster) auf CBS. Während ich kraftvoll zubeisse, tauche ich in das Leben der Familie Munster ein, die in der Mockingbird Lane 1313 in der amerikanischen Gemeinde Mockingbird Heights ein trauriges Dasein fristet. Weil der Familienvorstand Hermann eine frappierende Ähnlichkeit mit Frankensteins Kreatur aufweist, ist es für die Familie nicht einfach, Freunde zu finden.
19.00 Uhr Nach heiteren sechzig Minuten schalte ich auf HBO um und schaue mir in Hund Dixons Gesellschaft den sehenswerten Alfred Hitchcock Klassiker "The Birds" (auf deutsch: Die Vögel) aus dem Jahre 1963 an. Der
Film erzählt die Geschichte der jungen Melanie, die gemeinsam mit ihrem Freund dessen Heimatstadt an der Pazifikküste besucht. Anstatt ausgelassene Tage am Meer zu erleben, muss sich die Dame mit angriffslustigen Vögeln herumschlagen - da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Ein langer Tag neigt sich seinem Ende zu und ich schalte den neumodischen Flachbildschirm knopfdrückend aus. Wie es sich gehört, unternehme ich mit Dixon zu guter Letzt einen kleinen Rundgang durch den Garten. Im Anschluss verschliesse ich sämtliche Türen und Fenster und lege mich schlafen. Gute Nacht.
18.01.2012
07.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und freue mich, den schwanzwedelnden Dixon am Wasserbett vorzufinden. Ich streiche dem braven Vierbeiner übers Fell und lasse ihn wissen, dass wir heute tief in die Tasche greifen und Lebensmittel im
PUBLIX Supermarkt besorgen
müssen.
07.45 Uhr Um nicht noch mehr kostbare Zeit zu vertrödeln, stehe ich spornstreichs auf und lockere meine eingerosteten Muskeln auf der fliegenvergitterten Terrasse. Währenddessen fällt mir auf, dass die Petersilienstauden im Garten eine stattliche Höhe erreicht haben und dringend abgeerntet werden müssen. Weil ich mich ausser Stande sehe, die Gartenarbeit zu erledigen und das wichtigste Mahl des Tages vorzubereiten, eile ich badebemäntelt zum Nachbarhaus und frage Frau Pontecorvo, ob ich mich ausnahmsweise zum Frühstück einladen darf. Meine Nachbarin nickt eifrig und verspricht, in einer Stunde alles vorbereitet zu haben
- wie schön.
08.00 Uhr Bevor ich mich bei einem Wirbelbad entspanne, stutze ich die Gewürzpflanzen auf das richtige Mass. Danach verfrachte ich die Ernte in praktische Portionsbeutel und erkläre Dixon, dass ich einen Teil einfrieren werde.
08.30 Uhr Nach der harten Arbeit lasse ich die Badewanne mit Wasser voll laufen und lausche dem Programm eines örtlichen Radionachrichtensenders. Der Moderator berichtet über das vorgeschlagene Zensurgesetz "Stop Online Piracy Act" (löblich: Stoppt Anschnur Piraten Gesetz) und erzählt, dass heute Abgeordnete im Repräsentantenhaus zusammenkommen werden, um über eine Internetzzensur abzustimmen. Sollte sich eine Mehrheit finden, würde es dem Justizministerium erlaubt sein, gerichtliche Verfügungen gegen Heimseiten zu erwirken, die einen Verstoss gegen das strenge amerikanische Urheberrecht darstellen. Letztendlich könnte der Vorstoss dazu führen, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung abgeschafft werden und in der freien Welt Zustände wie in China oder Kuba herrschen würden - wie unlöblich.
09.30 Uhr Redlichst informiert steige ich aus der Wirbelwanne und schlüpfe in eine frisch gewaschene WRANGLER Tschiens sowie ein modisches Hawaiihemd mit Papageiaufdruck. Anschliessend statte ich meiner Nachbarin einen Besuch ab und setze mich hungrig an den festlich gedeckten Terrassentisch.
10.00 Uhr Frau Pontecorvo serviert brühfrischen Bohnentrunk und überrascht mich ausserdem mit hausgemachtem Käsekuchen. Während ich kraftvoll zubeisse, präsentiere ich einen Strauss Petersilie und überreiche ihn meiner Nachbarin. Meine Bekannte nimmt das Doldengewächs dankbar an und unterbreitet, dass ich den brachliegenden Acker am Ende der Strasse kaufen und eine Plantage anlegen könnte
- wie unlöblich.
10.30 Uhr Nachdem ich mich gestärkt habe, tippe ich auf meine goldene Armbanduhr und erinnere, dass nun die Zeit gekommen ist, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Meine Tischnachbarin ist begeistert und sagt, dass sie mich kurzerhand begleiten wird - das soll mir Recht sein.
10.45 Uhr Wenig später helfe ich Frau Pontecorvo als Kavalier der alten Schule in den Chevrolet. Während Hund Dixon auf dem Rücksitz auf und ab hüpft, fahre ich gemächlich vom Grundstück und gebe vor, Obst und Gemüse sowie eine Fernsehzeitung besorgen zu müssen. Meine Begleiterin seufzt in einer Tour und behauptet, dass sie ohne
Fernsehgerät sehr gut leben könnte. Zudem behauptet die gute Seele, dass das Programm sehr zu wünschen übrig lässt und kaum sehenswerte Sendungen bietet. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben.
11.15 Uhr Wir betreten den Supermarkt unseres Vertrauens und machen einer alleinerziehenden Mutter von drei kreischenden Kindern (2, 3 und 5) einen Einkaufswagen streitig. Danach schiebe ich das klapperige Gefährt durch die breiten Gänge und freue mich, als ich von einer Reklamefrau animiert werde, eine neue Wurstsorte aus dem Hause "Dainty Food" zu kosten. Ich schiebe mir das feilgebotene Schmankerl prompt in den Mund und erwidere, dass diesem Fleischerzeugnis die Würze fehlt. Um weiteren Diskussionen aus den Weg zu gehen, lotse ich Frau Pontecorvo zum Obststand und lade gesunde Äpfel, Orangen und Feigen aus dem Nachbarstaat Georgia ein.
11.45 Uhr Nachdem wir weitere Produkte des täglichen Bedarfs ausgewählt haben, werde ich am Kartoffelchipsregal vorstellig und werfe zwei Packungen "Wavy Ranch Flavored Potato Chips" (löblich: Wellig Bauernhofaroma Kartoffel Chips) zu den anderen Sachen. Frau
Pontecorvo folgt meinem Beispiel und erläutert, dass die gebackenen "Original Lay's Potato Chips" mit dem hauseigenen "French Onion Dip" (löblich: Französische Zwiebeltunke) ganz vorzüglich munden.
12.15 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten eilen wir mit schnellen Schritten zur Kasse und werden genötigt, knapp 70 Dollars zu bezahlen. Ich krame meine silberne Geldscheinklammer aus der Hosentasche und begleiche die Rechnung mit druckfrischen 20 Dollar Scheinen. Im Anschluss schleppen wir die Einkaufstüten zum Auto und werden von Dixon freudig begrüsst
- wie schön.
12.45 Uhr Um nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, fahre ich die benachbarte
McDonalds Schnellessgaststätte an und ordere am Drive Thru (löblich: Fahr Hindurch) Schalter ein "Extra Value Meal" (löblich: Extra Wert Mahlzeit), bestehend aus einem vitaminreichen "Quarter Pounder with Cheese" (löblich: Viertelpfünder mit Käse) und Kartoffelstäben. Meine Nachbarin überlegt nicht lange und sagt, dass sie mit einem "Premium Southwest Salad" (löblich: Erstklassiger Südwest Salat) mit Thousand Island Dressing (löblich: 1.000 Insel Sauce) Vorlieb nehmen wird.
13.15 Uhr Wieder zurück im Willoughby
Drive, lade ich Frau Pontecorvo spontan in mein kultiviertes Heim ein und stelle eine eiskalte Hopfenkaltschale in Aussicht. Als ich die Pforte aufsperre, sehe ich mich jedoch mit Frau Gomez konfrontiert, die just im Moment mit dem Staubsauger durch das Wohnzimmer poltert
- wie unlöblich. Augenrollend deute ich zur Terrasse und stelle klar, dass wir an der frischen Luft Ruhe und Entspannung finden werden.
13.45 Uhr Während wir es uns schmecken lassen, bringe ich meine Finanzgeschäfte ins Gespräch und erwähne, dass ich seit gestern stolzer Besitzer von 350 Coca Cola und 100 McDonalds Aktien bin. Frau Pontecorvo macht grosse Augen und entgegnet, dass bereits der Gründer unserer Nation, Thomas Jefferson, vor den Auswüchsen des Kapitalismus gewarnt und Aktienkäufe strikt abgelehnt hat. Ich zucke gelangweilt mit den Schultern und antworte, dass ich die Wertpapiere nicht als Spekulationsmasse, sondern als langfristige Anlage sehe.
14.30 Uhr Nachdem sich meine Bekannte winkend verabschiedet hat, kehre ich ins Wohnzimmer zurück und werde Zeuge, wie meine Zugehfrau einen Wäschekorb durch die Stube trägt. Ausserdem wirft mir die kleine Mexikanerin böse Blicke zu und bittet mich, getragene Socken nicht im ganzen Haus zu verteilen. Ich schiebe alle Schuld von mir und beteuere, dass Dixon der Übeltäter ist.
15.00 Uhr Während Frau Gomez die Waschmaschine in Betrieb nimmt, lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und träume von
wunderschönen Stunden auf verstaubten Highways (löblich: Landstrassen).
16.00 Uhr Ich werde durch besonders aggressives Telefonklingeln aus einem schönen Traum gerissen und habe
Sandra dran. Meine Mieterin kommt sogleich auf den Grund ihres Anrufs zu sprechen und sagt, dass sie heute ein Schreiben des Finanzamts im Briefkasten vorgefunden hat. Das unterbelichtete Kind will sich gar nicht mehr beruhigen und sagt, dass sie von der Behörde angehalten wurde, die Einnahmen der Pension Waldblick bei der nächsten Jahreserklärung gesondert aufzuführen - das ist ja allerhand. Natürlich spende ich der Maid Trost und rate dazu, einen erfahrenen Steuerberater aufzusuchen - immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
16.30 Uhr Nachdem ich das Mädchen abgewimmelt und Frau Gomez verabschiedet habe, setze ich mich an den Schreibtisch und nehme mir
Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter zur Brust. Herr Peter H. (41) beschwert sich über seine Zahnärztin und macht mich darauf aufmerksam, dass die Dentalmedizinerin eine überhöhte Rechnung gestellt hat. Ich zuckt mit den Schultern und erwähne in meinem Antwortschreiben, dass es weitaus grössere Probleme gibt. Immerhin ist es kein Geheimnis, dass in Afrika Tag für Tag Tausende Kinder an Unterernährung sterben oder als Kindersoldaten in den Krieg geschickt werden.
17.00 Uhr Zu guter Letzt werfe ich prüfende Blicke in das beliebte Gästebuch und stelle mit Schrecken fest, dass ich schon wieder von dummen Jugendlichen aufs Übelste beschimpft wurde. Selbstverständlich fackle ich nicht lange und leite die besagten Depeschen umgehend ans BKA weiter
- wo kämen wir denn da hin.
17.30 Uhr Nachdem alles abgearbeitet ist, schalte ich das Arbeitsgerät mausdrückend ab und gönne mir auf der fliegenvergitterten Terrasse eine braun'sche Röhre. Ich nippe genüsslich an der Diät Coca Cola Dose und erkläre dem Vierbeiner, dass ich wenig Lust habe, mir am Herd die Beine in den Bauch zu stehen. Seufzend nehme ich das NOKIA Telefon zur Hand und tippe spontan die Heissleine (unlöblich: Hotline) des DOMINOS Pizzabringdienst ins Tastenfeld ein. Nach dem zweiten Klingeln meldet sich eine Telefonistin und nimmt bereitwillig meine Bestellung auf. Ich stelle mich als
Reinhard Pfaffenberg aus dem Willoughby Drive vor und ordere eine Vier-Käse-Pizza sowie einen kleinen Caesars Salat.
18.00 Uhr Nach nicht einmal dreissig Minuten kommt ein verrostetes Auto vor der kleinen Villa zum Halten und ich kann das Abendessen zungeschnalzend in Empfang nehmen. Um die Speisen nicht kalt werden zu lassen, ziehe ich mich ins Wohnzimmer zurück und lasse mir die italienische Köstlichkeit redlichst schmecken.
18.45 Uhr Als meine geschmackvolle Wanduhr dreimal Mal schlägt, sorge ich in der Küche für Sauberkeit und vergesse auch nicht, die Pizzaschachtel in die Mülltonne von Familie Booth zu stopfen. HEUREKA - diesen Stress hält nicht einmal der stärkste Rentner aus.
19.15 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, fülle ich Dixons Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter auf und setze mich dann ins Wohnzimmer. Ich schaue mir die Abendnachrichten auf FOX an und vernehme, dass der texanische Gouverneur Rick Perry offenbar mit dem Gedanken spielt, seinen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner zu beenden - das soll mir auch Recht sein.
19.45 Uhr Zur besten Sendezeit wähle ich den Spartenkanal SCI-FI CHANNEL aus und erfreue mich an der Pilotfolge der spannenden Zukunftsserie "Dark Skies" (löblich: Dunkle Himmel). Die Produktion aus dem Jahre 1996 erzählt von einem jungen Bundesbeamten, der für den amerikanischen Geheimdienst arbeitet und UFO-Aktivitäten untersuchen muss - wie aufregend. Ich gönne mir eine weitere Diät Cola und erfahre, dass die Erde bereits seit über 2.500 Jahren von grünen Marsmenschen heimgesucht wird.
21.15 Uhr Nach neunzig nervenaufreibenden Filmminuten flimmert der Abspann über den überdimensionalen Flachbildschirm. Ich schalte die Glotze gähnend ab und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Danach lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.
17.01.2012
07.30 Uhr Ich öffne die Augen und fühle mich ganz schlapp. Weil ich auch mit einem Muskelkater zu kämpfen habe, rolle ich mich auf den Rücken und lasse Hund Dixon wissen, dass die Sportübungen im
"Whitaker Wellness Center"
gar nicht nach meinem Geschmack sind.
07.45 Uhr Trotz der Beschwerden komme ich bald in die Gänge und läute den sonnigen Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Ich rudere mit den Armen und bemerke, dass Frau Pontecorvo auch schon aufgestanden ist und sich eine braun'sche Röhre auf der Veranda munden lässt. Ich winke meiner Nachbarin freundlich zu und frage, ob die Coca Cola mundet. Die Gute erwidert meinen Gruss und behauptet, dass sie gleich in die Stadt krusen wird, um Frau Dorothy zu treffen. Ich freue mich und antworte, dass ich den Tag ruhig angehen lassen und ausnahmsweise auf sportliche Betätigung verzichten werde.
08.15 Uhr Nachdem ich meinem tierischen Mitbewohner einen Kauknochen aus echter Büffelhaut überreicht habe, laufe ich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem Wirbelbad. Nebenbei mache ich mich im Internetzradioprogramm des BR über die aktuellen Entwicklungen schlau und lerne, dass die Erwerbstätigkeit in Deutschland im vergangenen Jahr einen Rekordstand erreicht hat. Ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer gab zu Protokoll, dass 2011 knapp 41 Millionen Menschen in Lohn und Brot standen. Ferner berechneten die Statistiker, dass die Deutschen 2011 so viel Geld ausgegeben haben, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Ich fahre mir mit dem Waschlappen übers Gesicht und bin ziemlich sicher, dass die positive Stimmung angesichts der Eurokrise bald abkühlen wird. HEUREKA - vielleicht sollte ich meine Geldwerte aus der
alten Heimat abziehen und auf amerikanische Aktien setzen.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten schlüpfe ich in farbenfrohe Freizeitkleidung und lasse mir im Beisein meines bettelnden Haustieres ein ausgewogenes Frühstück in Form gebutterter Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), Rühreier mit Schinken und hauchdünn aufgeschnittenes Capocollo munden. Ausserdem schmökere ich interessiert im Wirtschaftsteil der
"Naples Daily News" (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) und erfahre, dass die Coca Cola Aktie kontinuierlich ansteigt und für knapp 70 Dollars zu haben ist - wie aufregend.
09.45 Uhr Da mein ehemaliger Studienkollege Thomas Kronach mit allen Wassern gewaschen ist, greife ich spornstreichs zum NOKIA Handtelefon und lasse es mir nicht nehmen, das Büro der renommierten Anwaltskanzlei "Pruzansky& Besunder" im grossen Apfel zu
kontaktieren. Eine zuvorkommende Telefonistin nimmt den Anruf an und stellt mich ins Büro meines Bekannten durch. Ich wünsche Thomas einen guten Morgen und gebe vor, dass ich mit der Idee spiele, 20.000 Euros zu investieren. Als ich die in Atlanta beheimatete
Coca Cola Corporation ins Spiel bringe, überschlägt sich mein Gesprächspartner vor Freude und meint, dass das Geld dort hervorragend angelegt sein wird.
10.15 Uhr Nachdem wir etwas geplaudert haben, beende ich das Telefonat und nehme am Heimrechner platz. Mit flinken Fingern navigiere ich durch das Internetz und rufe die Heimseite meiner Anschnur-Hausbank auf. Weil ich schon ein Wertpapier Depot habe, fällt es mir nicht schwer, 350 Coca Cola Aktien zu je 54 Euros zu kaufen. Darüber hinaus rufe ich den aktuellen Kurs der McDonalds Aktie auf und lese, dass das weltgrösste Schnellessunternehmen riesige Gewinne einfährt und die Wertpapiere sogar als Kauf-Tipp eingestuft wurden. Obgleich ich finanziell keineswegs auf Rosen gebettet bin, ringe ich mich dazu durch, erneut zuzuschlagen und 100
Schnellessaktien in mein Depot zu verfrachten - da kommt Freude auf.
11.00 Uhr Nach getaner Arbeit atme ich tief durch und erkläre dem kauknochenkauenden Rüden, dass ich trotz meines Alters sehr schlau bin und bald im Geld schwimmen werde. Mausdrückend fahre ich den leistungsstarken
Heimrechner herunter und nehme mir das Recht heraus, bei Edelbert anzurufen und ihn in Julies Restaurant einzuladen. Der schlaue Mann ist begeistert und sichert zu, in fünfundvierzig Minuten vor Ort zu sein und Hunger mitzubringen
- wie schön.
11.15 Uhr Wenig später verlasse ich die Villa und rase mit durchdrehenden Reifen gen Süden davon. Während der kurzeiligen Fahrt fröne ich dem Qualitätsradioprogramm von
WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und komme in den Genuss, eine stimmungsvolle Komposition des aus North Carolina stammenden Ausnahmekünstlers Ryan Adams zu hören - was kann es schöneres geben.
11.45 Uhr Am Ziel angekommen, reiche ich meinem Bekannten die Hand und lotse ihn zu einem freien Fenstertisch. Frau Julie lässt nicht lange auf sich warten und freut sich, uns nach langer Zeit wiederzusehen. Ich seufze laut und ordere ein Glas Eistee sowie einen vitaminreichen Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben. Edelbert tut es mir gleich und sagt, dass er heute noch gar nichts gegessen hat. Ich schlage entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen und entgegne, dass man ohne ein reichhaltiges Frühstück nicht aus dem Haus gehen sollte.
12.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, komme ich auf meine Aktienkäufe zu sprechen und erzähle stolz, dass ich bald ein schwerreicher Rentner sein werde. Edelbert macht grosse Augen und unterbreitet, dass die Wirtschaftslage nicht einzuschätzen ist und ich womöglich meine Ersparnisse verlieren werde. Ich schüttle entschieden den Kopf und weise auf die Tatsache hin, dass ich auf grundsolide Werte gesetzt und einen Teil meines stattlichen Vermögens in McDonalds und Coca Cola Wertpapiere investiert habe. Edelbert zuckt mit den Schultern und meint, dass die Leute wahrscheinlich immer essen und trinken werden - wie wahr.
12.45 Uhr Da man auf einem Bein nicht stehen kann, winken wir die Wirtin abermals herbei und entschliessen uns, echten Bohnenkaffee sowie Käsekuchen zu bestellen. Nebenher halte ich mit Prof. Kuhn Kleingespräche (unlöblich: Smalltalk) und höre, dass er am Freitag nach Cape Coral fahren möchte, um in einer neueröffneten Bäckerei frisches Brot einzukaufen. Mein Gegenüber schwärmt in den höchsten Tönen und berichtet, dass ein aus München stammender Unternehmer (45) vor wenigen Tagen eine prima Backstube in der Nachbargemeinde eröffnet hat. Ich werde sogleich hellhörig und verspreche, mich dem Ausflug anzuschliessen.
13.15 Uhr Nachdem wir aufgegessen haben, wünsche ich meinem Bekannten einen ruhigen Nachmittag. Danach helfe ich Hund Dixon in den Chevrolet und trete zu wunderschöner WCKT CAT COUNTRY Radiomusik die Heimfahrt ins beschauliche Wohngebiet an.
13.45 Uhr Zurück in der klimatisierten
Villa, falle ich erschöpft aufs Sofa und schliesse die Augen. Ich döse bald ein und träume von der spannenden
Geheimmission, die mich vor sieben Jahren in den grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) geführt hat - das war ganz schön aufregend.
14.45 Uhr Just als ich mich im Traum vor der Freiheitsstatue stehen sehe, werde ich durch lautes Bellen geweckt. Ich hüpfe erschrocken vom Kanapee und erkenne mit glasklarem LASIK Blick, dass sich Dixon auf der Terrasse eingefunden hat und die handzahme Echse Billy anknurrt. Weil das Reptil meiner Immobilie gefährlich nahe gekommen ist, laufe ich ruckzuck hinaus und lotse den Rüden in die gute Stube zurück
- wo soll das noch hinführen.
15.15 Uhr Nachdem sich der Vierbeiner beruhigt hat, setze ich mich an den Schreibtisch und mache es mir zur Aufgabe,
Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter abzurufen. Unter anderem klagt mir Frau Evelyn J. aus Bad Nauheim ihr Leid und schreibt, dass ihr frecher Sohn Pascal (17) im kommenden Jahr zum sogenannten
"Spring Break" (löblich: Frühlingsbruch) nach Florida reisen möchte. Da ich mit dieser Thematik bestens vertraut bin, verfasse ich ein Antwortschreiben und stelle klar, dass pöbelnde Jugendliche im Rentnerparadies nicht gerne gesehen sind. Anstatt in Fort Lauderdale oder Daytona Beach die Puppen tanzen zu lassen, sollte der Bube lieber die schöne Stadt München besuchen und sich die sehenswerten Ausstellungsstücke im "Deutschen Museum" anschauen.
16.00 Uhr Zu guter Letzt schalte ich die Botschaften im elektronischen Gästebuch frei und rufe einen Brief des Forschungszentrums Kuschmelka (München) ab. Ich überfliege das Pamphlet interessiert und lese, dass laut einer aktuellen Wählerbefragung die CSU auf ein neues Rekordtief abgestürzt ist. Wenn man den Erhebungen der Wahlforscher Glauben schenken darf, sollen nur noch 39% bereit sein, dem CSU Scheff Horst Seehofer das Vertrauen auszusprechen - das ist ja allerhand.
16.30 Uhr Nachdenklich gehe ich von der Leine und trinke ein Coca Cola auf der schattigen Terrasse. Ausserdem mache ich mir meine eigenen Gedanken und komme zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland weiter bergab geht. HEUREKA - ich kann mich wirklich glücklich schätzen, im freiheitsliebenden Amerika zu leben.
17.00 Uhr Als die Sonne hinter einem Palmenhain verschwindet, schalte ich den Elektroherd ein und bereite in Dixons Gesellschaft eine feine Jause zu. Während ich Gnocchis (löblich: Kartoffelnocken) aus dem PUBLIX Markt aufkoche, gebe ich dem Haustier zu verstehen, dass er mit ROYAL CANIN Trockenfutter Vorlieb nehmen muss.
17.30 Uhr Ich lasse mir das mediterrane Abendessen zungeschnalzend munden und trinke dazu ein Gläschen Rotwein aus dem goldenen Kalifornien. Unterdessen blättere ich in der Fernsehzeitung und erfahre, dass am Abend auf
HBO die erfolgreiche Spasssendung "Little Britain USA" (löblich: Kleines England USA) wiederholt wird
- da kommt Freude auf.
18.15 Uhr Nachdem ich die Küche geputzt und eine Packung Pringles geöffnet habe, falle ich fix und fertig auf das Wohnzimmersofa und greife zur Fernbedienung. Als erstes informiere ich mich auf FOX über das politische Tagesgeschehen und höre, dass sich die Mitglieder der republikanischen Partei noch immer nicht über einen Präsidentschaftskandidaten einigen konnten.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wähle ich den Bezahlsender HBO aus und lasse bei der sehenswerten Eigenproduktion "Little Britain USA" die Seele baumeln. Unter anderem werde ich Zeuge, wie Lou Todd und Andy Pipkin die Südstaaten besuchen und in allerhand Schwierigkeiten geraten.
21.00 Uhr Als nach vier heiteren Episoden der Abspann über den Bildschirm flimmert, schalte ich das neumoderne Farbfernsehgerät aus und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Nachdem ich sämtliche Fenster und Türen sicher verschlossen habe, lösche ich das Licht und gehe ins Bett. Gute Nacht.
16.01.2012
Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Heimseitenbesucher,
aufgrund des heutigen Feiertags - dem Martin Luther King jr. Day - ist es mir eine Ehre, aus dem spannenden Leben des Baptistenpastors und Bürgerrechtlers zu erzählen. Herr King wurde vorgestern vor 83 Jahren in Atlanta, Georgia geboren und trat schon in frühester Jugend als Kämpfer gegen soziale Unterdrückung in Erscheinung. Er propagierte den sogenannten "Zivilen Ungehorsam" und rief die schwarze Bevölkerung auf, friedlich gegen die vorherrschende Rassentrennung vorzugehen. Die "Civil Rights Movement" (löblich: Bürgerrechtsbewegung) entwickelte sich schnell zu einer Massenbewegung und brachte ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft.
Martin Luther King jr. war es zu verdanken, dass Schwarze in Gaststätten einkehren und ein schmackhaftes Mittagessen verzehren konnten. Kurz nach der Ermordung des beliebten Präsidenten John Fitzgerald Kennedy sorgte dessen Nachfolger, Lyndon B. Johnson, dafür, die Bürgerrechte der schwarzen Bevölkerung anzuerkennen und die Rassentrennung mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Martin Luther King wurde für sein Tun im Jahre 1964 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Leider wurde der Politiker vier Jahre später bei einer Rede auf dem Balkon des "Lorraine Motels" in Memphis, TN
niedergeschossen. 
Zu seinen Ehren wurde erstmals am 20. Januar 1986 ein Gedenktag in wenigen Bundesstaaten begangen. Seit dem Jahr 2000 ist der "Martin Luther King jr. Day" ein landesweiter Feiertag, der jährlich am dritten Montag am Januar gefeiert wird. Traditionell versammeln sich Mitglieder der Gewerkschaften und Sozialkassen in den Innenstädten, um dort zu feiern. Ausserdem finden in vielen Gemeindesälen Ausstellungen zur Bürgerrechtsbewegung statt - wie schön.
Ich wünsche ihnen einen gesegneten Feiertag
Reinhard Pfaffenberg
15.01.2012
Hi Fans,
heute bin ich total träge und weiss gar nicht, was ich schreiben soll.
Übrigens ist es draussen bitterkalt und es lohnt gar nicht, einen Spaziergang zu unternehmen. Mitbewohnerin Bärbel hat vom schlechten Wetter ebenfalls genug und will gleich abfliegen. Ich würde Bärbel gerne begleiten, aber ich habe bereits meinen Urlaubsantrag abgegeben. Wie ihr wisst, werde ich Ende März meinem Vermieter in Naples einen Besuch abstatten und höchstwahrscheinlich drei Wochen dort
bleiben. In der vergangenen Woche habe ich Pfaffenbergs ehemaligen Studienkollegen Thomas Kronach eine Mail zukommen lassen. Thomas hat noch am gleichen Tag geantwortet und mich eingeladen, einige Tage nach New York zu kommen. Ich könnte in seiner Wohnung übernachten und den Big Apple erkunden
;-) Der gestrige Fernsehabend war richtig nett.
Nach DSDS und dem Dschungelcamp haben wir Pizza bestellt und die beiden letzten Harry Potter Filme auf DVD gesehen. Ansonsten hat Bärbel ihren Urlaub klar gemacht und einen Flug nach Gran Canaria für den 31. Januar gebucht. Meine Mitbewohnerin wird eine Woche bleiben und am 7. Februar zurück sein. Der Spass kostet inkl. Flug und Halbpension im "Rondo Aparthotel" in Playa Del Ingles nur 429 €. Bärbel will sich von den Alltagsstrapazen erholen, etwas Sport treiben und die Insel erkunden :-)
Am frühen Nachmittag habe ich übrigens mit Pfaffenberg telefoniert.
Mein Vermieter will den Sonntag am Ozean verbringen und mit Dixon einen Spaziergang zu den Meeresschildkröten am Coquina Beach unternehmen. Ausserdem ist er am Nachmittag bei Frau Pontecorvo zum Kaffeekränzchen eingeladen ^^
Okay, mehr gibt es wirklich zu berichten. Ihr hört am kommenden Samstag wieder von mir.
Sandra
14.01.2012
Hallo Leute,
Weihnachten war wunderschön, aber nun hat uns der Alltag eingeholt.
Alles geht seinen gewohnten Gang und ich muss jeden Morgen in einer vollen S-Bahn nach München fahren und im Kreisverwaltungsreferat langweilige Büroarbeit erledigen. Ausserdem dufte ich am Dienstag Herrn Löschnik von Vorwerk in der Pension Waldblick begrüssen. Der Vertreter war gar nicht glücklich und hatte wenig Lust, einen Kurs für angehende Staubsaugerverkäufer im Nachbarort zu leiten. Aber alles klagen hilf nichts - irgendwie muss man schliesslich über die Runden kommen und Geld verdienen. Herr Löschnik blieb bis gestern und hat uns täglich beim Fernsehschauen Gesellschaft geleistet
:-) Bei meinem Vermieter in Florida läuft auch alles perfekt.
Der Rentner hat zum Geburtstag eine Jahresmitgliedschaft in einem Fitness Studio geschenkt bekommen. Seit Dienstag trainiert er auf einem Ruder- und Fahrradergometer und hat sich in den Kopf gesetzt, seine Leistungsfähigkeit zu steigern. Am Freitag war er im Miromar Outlet Store und hat viel Geld für Shorts und neue Sneakers ausgegeben. Am Montag will er wieder trainieren und 5 Meilen auf einem Ergometer abstrampeln. Danach steht eine Massage bei Frau Maggie auf dem Programm. Ich hoffe, Pfaffenberg überanstrengt sich nicht ....
Ich werde das Wochenende chillig angehen lassen und für meine Mitbewohnerin Bärbel kochen.
Es gibt Thaireis mit Scampi und Rucolasalat. Anschliessend werden wir uns aufs Sofa verkriechen, "DSDS" und "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" anschauen. Dank Dieter Bohlen und Dirk Bach gibt es immer etwas zu lachen.
Morgen melde ich mich wieder.
Ich wünsche euch allen einen schönen Samstagabend.
Sandra
13.01.2012
07.30 Uhr Der Radiowecker geht an und ich höre das schöne Lied "Help Me Make It Through The Night" (löblich: Hilf mir durch die Nacht) des aufstrebenden Landmusikers
Steve Holy (39).
WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Morgenmoderatorin Amy Lynn ist bestens
informiert und berichtet, dass die Komposition ursprünglich aus Kris Kristoffersons Feder stammte und bereits im Jahre 1970 veröffentlicht wurde.
07.45 Uhr Weil ich mit Frau Pontecorvo verabredet bin, hüpfe ich aus den Federn und läute den Tag mit löblichen Dehnübungen auf der Terrasse ein. Während ich meine eingerosteten Muskeln stähle, blicke ich in den wolkenverhangenen Himmel und erkläre dem Vierbeiner, dass bald ein ergiebiger Schauer niedergehen wird - das hat gerade noch gefehlt.
08.15 Uhr Kurz nach dem Achtuhrläuten laufe ich ins Badezimmer und nehme ein löbliches Wirbelbad. Um stets auf dem Laufenden zu bleiben, fröne ich nebenher dem Internetzradioprogramm des Bayerischen Rundfunks und bringe in Erfahrung, dass die Schweden heute den St. Knut Tag feiern. Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und vernehme, dass die Weihnachtszeit in Skandinavien zwanzig Tage umfasst und am 13. Januar endet. Am letzten Tag werden traditionell die Kerzen und die Strohsterne vom Christbaum entfernt und die Tanne feierlich aus dem Fenster geworfen - da kommt Freude auf.
09.15 Uhr Nach dem Badespass nehme ich in der weihnachtlich geschmückten Stube Platz und komme während des Frühstücks zu dem Schluss, dass ich ebenfalls den St. Knut Tag begehen sollte. Ich erhebe den Zeigefinger und erkläre meinem bettelnden Haustier, dass wir morgen die Räuchermänner, den Schwibbogen sowie die wertvolle Drehpyramide aus dem Erzgebirge in Schachteln verfrachten müssen.
09.45 Uhr Wenig später klingelt es an der Türe und ich kann meine Nachbarin recht herzlich begrüssen. Frau Pontecorvo tippt auf ihre CARTIER Armbanduhr und sagt, dass es langsam Zeit wird, nach Fort Myers zu fahren. Ich stimme prompt zu und mache es mir zur Aufgabe, den Küchentisch abzuräumen und die Geschirrspülmaschine in Betrieb zu nehmen. Mein Gast blättert unterdessen in der Tageszeitung und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass wir in den nächsten Tagen einen
Wintereinbruch erleben werden. Frau Pontecorvo seufzt in einer Tour und behauptet, dass die Quecksilberanzeige kaum über die 65°F (18°C) Grenze steigen wird - das ist ja allerhand.
10.15 Uhr Trotz der schlechten Nachrichten lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und scheuchen Hund Dixon zum Chevrolet. Im Anschluss lasse ich den PS-strotzenden Motor aufheulen und gleite zu prima Radiomusik vom Grundstück. Ich schlage den Weg gen Norden ein und erzähle während der kurzweiligen Fahrt, dass ich eine Sportskanone bin und eine modische Turnhose im
"Miromar Outlet Store" (löblich: Miromar Auslass Geschäft) kaufen werde. Darüber hinaus gebe ich zu Protokoll, dass es ausserdem angebracht wäre, nach bequemen
Sportschuhen Ausschau zu halten. Frau Pontecorvo ist begeistert und meint, dass wir im "NIKE FACTORY STORE" (löblich: Nike Herstellungsgeschäft) sicher fündig werden.
11.00 Uhr Am Ziel angekommen, nehme ich den störrischen Vierbeiner an die Leine und animiere ihn, an einer hochgewachsenen Palme sein Beinchen zu heben. Anschliessend schlendern wir durch die Kaufhaus Arkaden und kaufen an einem Kiosk zwei lustige Eis in der Waffel - schmeckt.
11.30 Uhr Nach der Stärkung besuchen wir das gutbesuchte NIKE Fachgeschäft und werden in der Gymnastik- und Sportabteilung vorstellig. Da wir uns kaum zurecht finden, winken wir einen Verkäufer herbei und bitten ihn, modische Turnhosen zu präsentieren. Der zuvorkommende Knecht hält mir knielange Shorts unter die Nase und informiert, dass das gute Stück mit einem sogenannten Dri-FIT Netzfutter überzeugen kann und über einen elastischen Hosenbund verfügt. Ich mache grosse Augen und erwidere, dass ich Hochleistungssportler bin und auf Qualität grössten Wert lege. Mein Gegenüber nickt eifrig und bestätigt, dass unter anderem die Spieler des "Miami Heat" Basketballteams (löblich: Korbballmannschaft) auf NIKE Produkte schwören.
12.00 Uhr Nachdem ich die Hose bezahlt habe, folge ich meiner Bekannte in die Schuhabteilung und probiere sündteure Trainingsschuhe an. Als ich in rote Treter mit NIKE Aufdruck schlüpfe, lacht Frau Pontecorvo laut auf und sagt, dass meine HELLO KITTY Kniestrümpfe sehr modisch sind
- wie wahr.
12.30 Uhr Obgleich ich keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, ringe ich mich dazu durch, weitere 170 Dollars in ein "Nike Trainer 1.3 Max Breathe Manny Pacquiao" Schuhpaar zu investieren. Der dumm dreinschauende Kassierer beglückwünscht mich und verspricht, dass ich in diesen Turnschuhen noch bessere Leistungen abliefern werde
- wie aufregend.
13.00 Uhr Um nicht verhungern zu müssen, lotse ich Frau Pontecorvo und Hund Dixon als nächstes in das
"Auntie Anne's Pretzels" (löblich: Tante Annes Brezen) Gasthaus und ordere zwei "Jalapeño Cheese Pretzel Dogs" (löblich: Paprika Käse Brezen Hund) sowie durstlöschende braune Brausen. Wir lassen uns entspannt an einem einladenden Ecktisch nieder und plaudern während der Brotzeit über belanglose Dinge. Frau Pontecorvo kommt plötzlich auf das gestrige Fernsehprogramm zu sprechen und unterbreitet, dass auf PBC eine spannende Dokumentation über die Landmusikcombo "The Byrds" lief.
13.15 Uhr Meine Tischnachbarin reibt sich die Hände und sagt, dass wir zum Abschluss unseres Schoppingausflugs unbedingt ein Musikgeschäft aufsuchen und nach einem Album besagter Combo fragen sollten. Ich rolle mit den Augen und erkläre mich bereit, meine Golden Head Geldbörse erneut zu öffnen und weitere Scheine locker zu machen.
13.45 Uhr Bevor wir die Heimfahrt antreten, begleite ich Frau Pontecorvo zur Musikabteilung des "BOOK WAREHOUSE" (löblich: Buch Warenhaus) und suche nach preisgünstigen Veröffentlichungen der aus Kalifornien stammenden Musikformation. Schon nach wenigen Augenblicken werde ich fündig und überreiche meiner Nachbarin einen Silberling mit dem Titel "The Notorious Byrd Brothers" (löblich: Die berüchtigten Byrd Brüder) aus dem Jahre 1968.
14.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang spazieren wir zum Auto und freuen uns auf einen entspannten Nachmittag im 35 Meilen entfernten Naples. Als ich mit quietschenden Pneus vom Kundenparkplatz presche, schiebt meine Bekannte die Scheibe in die Musikanlage und ich habe das Vergnügen, merkwürdige Klänge zu hören. Als ich mich nachdenklich an der Schläfe kratze, schwelgt meine Beifahrerin in Erinnerungen und sagt, dass sie in den frühen 1970er Jahren ein Byrds Konzert in Atlanta besucht und vom Gitarristen David Crosby mit einem Autogramm bedacht wurde
- wie aufregend.
15.15 Uhr Wieder zurück im Willoughby
Drive, wünsche ich Frau Pontecorvo einen schönen Nachmittag und verabschiede mich in meine Villa. Weil ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, stelle ich die Einkaufstüten achtlos auf dem Küchentisch ab und ziehe es vor, mich aufs Sofa zu legen. Nach wenigen Sekunden schlummere ich ein und träume von meiner
spannenden Reise quer durch den Kontinent - das waren noch Zeiten.
16.15 Uhr Leider wird die himmlische Ruhe bald durch das laute Schellen des NOKIA
Handtelefons unterbrochen. Zu allem Überfluss meldet sich Edelbert und möchte wissen, wo ich mich heute Vormittag herumgetrieben habe. Ich stehe dem schlauen Mann Rede und Antwort und gebe zu Protokoll, dass ich Frau Pontecorvo zum Abschoppen begleiten musste. Edelbert freut sich und lotet aus, ob wir morgen erneut einen Ausflug unternehmen und nach Marco Island krusen wollen. Ich überlege kurz und willige letztendlich ein. Edelbert schnalzt mit der Zunge und verspricht, mich gegen 10 Uhr abzuholen.
16.45 Uhr Nachdem ich die Hahn und Henne Tasse mit duftendem Bohnentrunk aufgefüllt habe, setze ich mich pflichtbewusst an den Schreibtisch. Auch heute rufe ich
Anfragen besorgter Erziehungsberechtigter ab und erfahre, dass es die Zwillinge von Frau S. aus Offenbach am Main faustdick hinter den Ohren haben. Die besorgte Dame schreibt, dass Oscar und Otto (beide 11) immer frecher werden und die Nachbarschaft mit
ohrenbetäubender Repmusik beschallen - wie unlöblich. Natürlich spende ich der kleinen Frau Trost und rate, die Musikanlage der Kinder zu konfiszieren und mit Stubenarrest zu drohen.
17.30 Uhr Während die Sonne hinter einem Palmenhain verschwindet, schalte ich geschwind die neuesten Einträge im
beliebten Gästebuch frei. Danach gehe ich von der Leine und bereite in der Küche ein nahrhaftes Abendessen in Form vitaminreicher Rühreier mit Schinken zu. Ausserdem röste ich fünf Fischstäbe im heissen Pflanzenöl und vergesse auch nicht, Dixons Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter aufzufüllen.
18.15 Uhr Nachdem ich aufgegessen und in der Küche für Sauberkeit und Ordnung gesorgt habe, nehme ich mein vierbeiniges Haustier an die Leine und unternehme einen erquickenden Abendspaziergang. Wir wandern gutgelaunt den Willoughby Drive hinunter und treffen nach wenigen Metern auf die Nachbarkinder Emily und Francis. Ich lüfte freundlich meine NY Yankees Kappe und gebe den Kleinen zu verstehen, dass es langsam Zeit fürs Bett wird. Der 11jährige Bube zuckt mit den Schultern und antwortet, dass er bereits die Hausaufgaben erledigt hat und bis 21 Uhr fernsehschauen wird - wo soll das noch hinführen.
19.00 Uhr Zurück im redlichst klimatisierten Eigenheim, lasse ich mich im Wohnzimmer nieder und schalte den Fernseher ein. Cocacolaschlürfend und kartoffelchipsknabbernd wähle ich das Qualitätsprogramm von HBO aus und gebe mich zwei weiteren Episoden der preisgekrönten Gruselserie "Stephen King's The Stand" (auf Deutsch: Stephen Kings - Das letzte Gefecht) hin. Heute werde ich Zeuge, wie die selbsternannten "Boten Gottes" nach Las Vegas ziehen, um das Böse zum letzten Schlagabtausch herauszufordern. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Nach einhundertzwanzig gähnend langweiligen Minuten schalte ich alle elektronischen Geräte aus und scheuche Hund Dixon durch den Garten. Nachdem der Lausbube die vertrockneten Mangroven bewässert hat, lösche ich das Licht und gehe ins Bett. Gute Nacht.
12.01.2012
07.30 Uhr Ein undefinierbares Scheppern reisst mich aus einem schönen Traum. Weil ich über alles informiert sein will, renne ich wie der Wind zum Fenster und werde beim Blick auf die Strasse Zeuge, wie sich Herr Connor (40) die
Haare rauft und die Motorhaube seines in die
Jahre gekommenen MAZDA öffnet. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und erkläre Hund Dixon, dass das KFZ Schrott ist und unser Nachbar nun viel Geld in einen Neuwagen investieren muss.
08.00 Uhr Während sich der Vierbeiner in Richtung des Teichs verabschiedet, entspanne ich mich bei einem Wirbelbad. Unterdessen rufe ich spontan bei den
Kindern im fernen Toronto an und erzähle, dass ich gleich das
"Whitaker Wellness Center"
besuchen und meine Bizeps stählen werde. James lobt mich und meint, dass man im Alter etwas für sein Wohlbefinden tun sollte - wie wahr. Ferner bringe ich in Erfahrung, dass die jungen Leute am Samstag nach Hamilton fahren wollen, um James Schwester Laura zu besuchen. Mein löblicher Neffe freut sich und kündigt an, dass er der jungen Frau helfen wird, einen neuen Herd zu installieren. Da ich handwerklich sehr geschickt bin, versorge ich James mit Ratschlägen und erinnere, dass ein Elektroherd an drei Phasen betrieben wird. James plappert in einer Tour und behauptet, dass er sich selbst zu helfen weiss und nichts falsch machen wird.
09.00 Uhr Weil man ohne ein reichhaltiges Frühstück nicht aus dem Haus gehen sollte, lasse ich mich nach dem Badevergnügen am Küchentisch nieder. In Gesellschaft meines bettelnden Haustieres verzehre ich eine Schüssel mit Kelloggs Flocken und frischer Muh und berichte, dass ich mich heute sportlich betätigen werde. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, deute ich zum Eigenheim von Familie Crane und stelle klar, dass Hunde im "Whitaker Wellness Center" nicht gerne gesehen sind. Dixon versteht mich aufs Wort und flitzt spornstreichs zum Nachbarhaus, um Joey zu besuchen
- wie schön.
09.30 Uhr Redlichst gestärkt schlüpfe ich in die NIKE Turnschuhe und mache es mir zur Aufgabe, am Eigenheim der Cranes zu klingeln. Die Dame des Hauses öffnet zuvorkommend die Türe und erklärt sich prompt bereit, Dixon während der Vormittagsstunden zu hüten. Ich gebe mich erleichtert und erwidere, dass ich einem wichtigen Termin nachkommen muss und spätestens gegen 14 Uhr zurück sein werde.
10.00 Uhr Wenig später sitze ich im geräumigen Chevrolet und gleite zu stimmungsvoller
Joe Nichols Landmusik gen Süden davon. Ich betätige in regelmässigen Abständen die Hupe und komme schnell zu dem Schluss, dass heute besonders viele Sonntagsfahrer auf den Strassen unterwegs sind. Um schneller voran zu kommen, blinke ich die anderen Verkehrsteilnehmer an und nehme mir das Recht heraus, zu waghalsigen Überholmanövern anzusetzen - da kommt Freude auf.
10.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner goldenen ROLEX auf halb Elf zeigt, betrete ich Naples bestes Turnstudio und reiche Frau Kelly am Empfang die Hand. Die wasserstoffblonde Schönheit freut sich, mich wiederzusehen und erkundigt sich, ob ich mich heute bei einer Massage entspannen möchte. Ich stimme zu und gebe zu Protokoll, dass ich zuvor Herrn Jensen im Geräteraum besuchen und mich am Ruderergometer versuchen werde. Die 23jährige zeigt sich einverstanden und antwortet, dass sie eine Massage für 13.30 Uhr vormerken wird - das soll mir Recht sein.
11.15 Uhr Nachdem ich Herrn Jensen begrüsst und den persönlichen Trainingsplan erhalten habe, lockere ich meine Beine. Der Übungsleiter tut es mir gleich und kündigt an, dass das Training auf einem Rudergerät den Kreislauf anregt und gleichzeitig die Rücken-, Schulter-, Arm- und Oberschenkelmuskulatur stählt. Ich pruste ohne Unterlass und merke an, dass ich schon jetzt völlig ausser Atem bin. Trotz aller Widrigkeiten nehme ich auf einem "Kadett Rower" aus der weltbekannten KETTLER Manufaktur Platz und ertüchtige mich redlichst. Der Turnhallenmitarbeiter klatscht freudig in die Hände und beteuert, dass ich die Übung 45 Minuten durchhalten sollte - gleich platzt mir der Kragen.
11.45 Uhr Obwohl ich mir die grösste Mühe gebe, muss ich nach einer halben Stunde die Segel streichen. Ich torkle nach Luft ringend in die angeschlossene Wirtschaft und bitte den Knecht hinter dem Tresen, ein Glas Orangensaft sowie einen ballaststoffreichen Energieriegen zu kredenzen. HEUREKA - diesem Stress steht nicht einmal der stärkste Rentner stand.
12.15 Uhr Nachdem ich wieder zu Kräften gekommen bin, kehre ich in die Turnhalle zurück und setze mich auf ein Trimm-Dich Fahrrad. Gemächlich trete ich in die Pedale und bemerke anhand des Pulsanzeigers, dass meine Leistungsfähigkeit arg zu wünschen übrig lässt. Herr Jensen schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass sich eine Verbesserung frühestens in zwei Wochen einstellen wird - das kann ja heiter werden.
12.45 Uhr Entnervt beende ich die Sportstunde und genehmige mir als kleine Belohung ein alkoholfreies Langgetränk (unlöblich: Longdrink). Nebenbei komme ich mit dem muskelbepackten Wirt (47) ins Gespräch und erfahre, dass er in den frühen 1990er Jahren an Kraftsportmeisterschaften im ganzen Land teilgenommen hat. Ich staune nicht schlecht und höre weiter, dass der gute Mann damals Steroide gespritzt und Hormonpräparate eingenommen hat - das ist ja allerhand.
13.30 Uhr Pünktlich auf die Minute schlendere ich zum Massageraum und freue mich, Frau Maggie
wiederzusehen. Ich hüpfe juchzend auf die Liege und bitte die erfahrene Masseurin, etwas sanfter vorzugehen und Rücksicht auf mein geprelltes Steissbein zu nehmen. Die Perle folgt meinem Aufruf und macht sich daran, meine verspannte Halsmuskulatur zu lockern - das tut gut.
14.15 Uhr Nachdem ich der kleinen Frau mehrere Quarters zugesteckt und mich bedankt habe, verlasse ich das Studio und laufe zufrieden zum Auto zurück. Mit quietschenden Reifen brettere ich vom Kundenparkplatz und steuere die erstbeste McDonalds
Schnellgaststätte an, um zwei "Quarter Pounder with Cheese" (löblich: Viertelpfünder mit Käse), ein "Southern Style Crispy Chicken Sandwich" (löblich: knusprige Hühnerwurstsemmel nach südlicher Art) sowie einen XXL Becher Diät Coca Cola zu ordern.
15.00 Uhr Zuhause angekommen, hole ich Dixon bei Familie Crane ab und nehme dann hungrig in der Hollywoodschaukel Platz, um mich den Gaumenfreuden hinzugeben. Während ich Dixon vom Cheeseburger abbeissen lasse, komme ich auf meine Erlebnisse im Whitaker Wellness Center zu sprechen und lasse den Vierbeiner wissen, dass ich heute keinen Finger mehr krümmen werde. Mein treuer Begleiter schmatzt in einer Tour und zieht es vor, zum Teich zu laufen und die handzahme Echse Billy anzuknurren.
15.30 Uhr Nach der reichhaltigen Mahlzeit falle ich gähnend aufs Wohnzimmersofa und strecke die Beine aus. Schon nach wenigen Augenblicken schlummere ich ein und sehe mich im Traum in die
Weltkulturhauptstadt New York versetzt.
16.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und bemerke, dass Dixon schon wieder einen meiner Josef Seibel Wohlfühlhausschuhe stibitzt hat. Natürlich erhebe ich mahnend den Zeigefinger und mache dem Racker klar, dass man mit Schuhen nicht spielt - wo kämen wir denn da hin.
16.45 Uhr Nachdem sich der Lausbube winselnd ins Schlafzimmer verzogen hat, brühe ich mit dem futuristischen DeLonghi Vollautomaten köstlichen Cappuccino (löblich: Schaumkaffee) auf. Anschliessend lasse ich die Seele auf der schattigen Terrasse baumeln und freue mich, Frau Pontecorvo an der Grundstückgrenze anzutreffen. Ich winke meiner Nachbarin freundlichst zu und lade sie ein, mir beim Abendessen Gesellschaft zu leisten. Frau Pontecorvo nimmt die Einladung dankbar an und folgt mir plappernd in die Küche.
17.30 Uhr Während wir dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) frönen, heize ich das Backrohr vor und hole eine tiefgefrorene Lasagne (löblich: Nudelschichtgericht) aus dem Eiskasten. Zudem bereiten wir im Handumdrehen einen leckeren Beilagensalat mit Oliven und Petersilie aus eigenem Anbau zu - wie gut das duftet.
18.00 Uhr Schon nach wenigen Minuten können wir es uns im Esszimmer bequem machen und das mediterrane Abendessen geniessen. Mein Gast schnalzt mit der Zunge und sagt, dass das Gericht prima schmeckt - das kann man laut sagen. Darüber hinaus rege ich für morgen einen Ausflug nach Fort Myers an und erläutere, dass ich mich im
"Miromar Outlet Store" (löblich: Miromar Auslass Geschäft) nach modischer Sportkleidung umsehen möchte. Frau Pontecorvo ist begeistert und sagt, dass es ihr eine Ehre wäre, mich zu begleiten - wie schön.
18.45 Uhr Ein schöner Abend neigt sich seinem Ende zu und ich begleite die Perle als Kavalier der alten Schule zur Haustüre. Nachdem ich mich per Zungenkuss verabschiedet habe, fülle ich Dixons Trinknapf mit frischem Wasser auf und genehmige mir ein süffiges Budweiser.
19.15 Uhr Nach der schweisstreibenden Hausarbeit reguliere ich die Klimaanlage und schalte das Farbfernsehgerät ein. Zu meiner Freude haben die Verantwortlichen des Bezahlsenders
HBO die sehenswerte Miniserie "Stephen King's The Stand" (auf Deutsch: Stephen Kings - Das letzte Gefecht) ins Programm genommen. Ich lehne mich zufrieden zurück und folge den Abenteuern mehrerer Menschen, die eine Seuche überlebt haben und nun quer durch Amerika ziehen - da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach der zweiten Episode, schalte ich die Glotze ab und unternehme einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Danach verschliesse ich die Haustüre und gehe zufrieden ins Bett. Gute Nacht.
11.01.2012
07.45 Uhr Ich werde durch wunderschöne Landmusikklänge geweckt und erfahre beim Blick auf den Wandkalender, dass heute vor 10 Jahren das "Wolfratshauser Frühstück" stattfand. Während ich aus dem Wasserbett springen und auf die Terrasse eile, erinnere ich mich,
dass damals Angela Merkel und Edmund Stoiber im oberbayerischen Wolfratshausen zusammentrafen, um die anstehende Kanzlerkandidatur zu regeln. Obgleich Frau Merkel als aussichtsreiche Kandidatin galt, entschloss sich die Ostdeutsche, dem bayerischen Ministerpräsidenten das Feld zu überlassen. Herrn Stoiber gelang es im Herbst 2002 jedoch nicht, einen Regierungswechsel herbeizuführen - wie schade.
08.30 Uhr Nachdem ich den Frühsport hinter mich gebracht und Dixons Napf mit Trockenfutter aufgefüllt habe, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück. Ich nehme ein Wirbelbad und fröne nebenher dem Internetzradioprogramm des BR. Als ich mir die
Haare wasche, lerne ich, dass heute das Bundeskabinett zusammentreffen wird, um ein Gesetz zur Einführung der sogenannten "Neonazi Datei" auf den Weg zu bringen. Die Polizei und Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern sollen laut dem Entwurf künftig dazu verpflichtet werden, ihre Daten zum "gewaltbezogenen Rechtsextremismus" in die Datei zu speichern.
09.30 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, schalte ich das iPad aus dem Hause Apfel (unlöblich: Apple) aus und schlüpfe in farbenfrohe Freizeitkleidung. Danach scheuche ich den Vierbeiner in die Küche und freue mich auf ein Frühstück der Extraklasse.
09.45 Uhr Dummerweise werde ich bereits nach wenigen Minuten durch ohrenbetäubendes Klingeln gestört. Ich eile nörgelnd zur Pforte und bin überrascht, Edelbert anzutreffen. Mein Bekannter wünscht mir einen guten Morgen und sagt, dass er grossen Hunger mitgebracht hat. Ich nicke eifrig und erwidere, dass ich wenig Zeit habe und bald zum Supermarkt fahren muss. Prof. Kuhn zuckt mit den Schultern und erklärt, dass er ausnahmsweise keine wichtigen Termine im Kalender stehen hat und mich begleiten wird - das soll mir auch Recht sein.
10.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und uns an brühfrischem Bohnenkaffee laben, lasse ich meinen gestrigen Besuch im
"Whitaker Wellness Center" Revue passieren. Ich schwärme in den höchsten Tönen und lasse meinen Bekannten wissen, dass es mir grossen Spass bereitet hat, auf einem Ergometer zu strampeln und eine Massage über mich ergehen zu lassen. Edelbert gibt mir Recht und entgegnet, dass er regelmässig den thailändischen Massagesalon an der 1st Avenue aufsucht und sich von Frau Mai-Lin (23) verwöhnen lässt. Ich winke demonstrativ ab und stelle klar, dass ich mich in Zukunft sportlich betätigen und mindestens zweimal pro Woche die besagte Turnhalle ansteuern werde. Edelbert ist begeistert und kündigt an, dass er in der kommenden Woche mitkommen und eventuell einen Pilates Kurs belegen wird.
10.45 Uhr Nach der Stärkung verlassen wir mit Hund Dixon die kleine Villa und hüpfen ausgelassen in den PS-strotzenden Chevrolet Suburban. Ich lasse den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und gebe zu Protokoll, dass es sich anbieten würde, zum nahegelegene PUBLIX zu krusen. Edelbert reibt sich die Hände und behauptet, dass in der Filiale am "Riverchase Shopping Center" unzählige Probierstände aufgebaut wurden, die mit Spezialitäten aus aller Herren Länder locken
- wie aufregend.
11.15 Uhr Am Ziel angekommen, stecke ich Dixon einen Hundekeks ins Maul und beauftrage ihn, stets wachsam zu sein und auf das Auto aufzupassen. Im Anschluss schnappen wir einer alten Schachtel einen Einkaufswagen vor der Nase weg und laufen gutgelaunt durch die breiten Gänge. Neben Lebensmitteln aller Art, lade ich auch drei Flaschen "Korbel Brut Champagne" zu je 9,99 Dollars ein und merke an, dass dieser Schaumwein prima schmeckt. Edelbert winkt ab und erwidert, dass er auf Cristal schwört und dieses Gesöff nicht anrühren würde.
11.45 Uhr Nachdem wir Obst und Gemüse ausgesucht haben, werden wir an einem Probierstand vorstellig und kosten "Nabisco Toasted Chips" mit feiner Worcestersauce. Mein Begleiter hält wie immer wissenswerte Infos bereit und erzählt, dass die Tunke einst vom englischen Unternehmen "Lea& Perrins" aus Essig, Melasse, Zucker, Salz, Sardellen, Tamarinden-Extrakt, Zwiebeln, Knoblauch und
diversen Gewürzen hergestellt wurde. Darüber hinaus erklärt der schlaue Mann, dass das Sösschen der Legende nach auf einem indischen Rezept beruht und die Verdauung anregen soll
- wie schön.
12.15 Uhr Kurz nach dem Zwölfuhrläuten laufen wir zum Ausgang und werden an der Kasse aufgefordert, knapp 80 Dollars für die Waren zu bezahlen. Ich krame meine praktische
Meisterkarte (unlöblich: Mastercard) aus der Hosentasche und erkläre der schmächtigen Kassiererin, dass ich bald ins Armenhaus umziehen werde.
12.45 Uhr Weil unsere Mägen knurren, schleppen wir die schweren Einkaufstüten zum Auto und entschliessen uns, ins benachbarte
"Blimpie's" Gasthaus einzukehren. Ich lege Dixon die Leine um und fordere den Professor auf, mich einzuladen und eine durstlöschende Diät Cola zu spendieren. Edelbert windet sich geschickt aus der Verantwortung und sagt, dass er selbst kaum noch über die Runden kommt und deswegen den Gürtel enger schnallen muss. Trotz allem lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und ordern an der Essensausgabe "Meatball Parmigiana Sandwiches" (löblich: Fleischbälle Parmesanbrote) sowie vitaminreiche "Chicken Caesar Wrap" (löblich: Hühner Cäsar Wickel) - da läuft einem das Wasser im Munde zusammen.
13.15 Uhr Wir lassen uns die Mahlzeit an einem einladenden Tisch unweit des Eingangs munden und tratschen nebenher über meine Jahresmitgliedschaft in Naples bestem Wellness Center (löblich: Wohlfühl Zentrum). Ich nippe genüsslich an der braunen Brause und berichte, dass ich morgen meiner Gesundheit wieder etwas Gutes tun werde. Edelbert folgt meinen Aussagen und meint, dass ich in meinem Alter etwas kürzer treten und mich nicht überanstrengen sollte - papperlapapp.
13.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, nach Hause zu fahren. Mit dem Hund im Schlepptau schlendern wir zum Auto und treten bei stimmungsvoller
WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik die Heimfahrt in den Willoughby Drive an. Unterdessen plappert Edelbert wie ein Wasserfall und sagt, dass er den Nachmittag nutzen wird, um einen Einkaufsbummel zu unternehmen. Ich wünsche meinem Bekannten viel Vergnügen und kehre dann tütenbepackt in die Villa zurück.
14.15 Uhr Zu allem Überfluss sehe ich mich in der Küche mit meiner Zugehfrau konfrontiert und höre, dass Frau Gomez die Vorhänge im Esszimmer abgehängt hat. Ich lobe die kleine Mexikanerin und trage ihr auf, noch schnell die Doppelgarage zu entrümpeln und die Wohnzimmerwände zu streichen. Frau Gomez zeigt mir im Gegenzug den Vogel und meint, dass sie die Waschmaschine einstellen und dann nach Hause fahren wird - das ist wieder typisch.
14.45 Uhr Nachdem ich die Lebensmittel in die Schränke verfrachtet habe, steige ich aus den schweren Kuhjungenstiefeln und lege im Wohnzimmer eine kleine Pause ein. Ich verschränke gähnend die Arme vor der Brust und döse bald ein.
15.45 Uhr Ich öffne die Augen und werde Zeuge, wie Nachbarhund Joey um mein Eigenheim streift. Weil Dixon in lautes Bellen ausbricht, öffne ich kurzerhand die Terrassentüre und lasse den Racker an die frische Luft hinaus.
16.00 Uhr Anschliessend setze ich mich an den Schreibtisch und gehe kaffeetrinkend an die Leine. Auch heute widme ich mich der Elternberatung und finde im elektronischen Posteingang
Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter vor. Unter anderem klagt mir eine alleinerziehende HARTZ IV Empfängerin (37) aus Berlin ihr Leid und schreibt, dass ihre Tochter Daphne (16) an den Wochenenden
gefährliche Tanzlokale besucht. Weil mir das Wohl der jungen Generation sehr am Herzen liegt, tröste ich die arme Frau und rate dazu, dem Kind erst einmal das
Taschegeld zu streichen - so kann es jedenfalls nicht weitergehen.
16.30 Uhr Nachdem ich einem Familienvater aus Dortmund geraten habe, mit seinen drei Kindern nicht täglich das benachbarte
Schnellessgasthaus aufzusuchen, beende ich die Beratungsstunde und kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten. Als erstes bezahle ich mit Hilfe des Anschnur-Bankings einige Rechnungen und vergesse auch nicht, die aktuellen Kontoauszüge auszudrucken
- da kommt Freude auf.
17.15 Uhr Bevor ich den Heimrechner herunterfahre, sende ich noch schnell eine
elektronische Depesche an Familie Omariba im Waldweg 7 und wünsche den netten Leuten ein gutes Jahr 2012. Danach begebe ich mich in die Küche und genehmige mir ein eiskaltes Bier aus dem Hause Anheuser Busch
- das tut gut. Ich lasse mir den Hopfentrunk auf der Terrasse schmecken und erkläre Dixon, dass ich jetzt gleich das löbliche Abendessen zubereiten werde. Der Vierbeiner versteht mich genau und hüpft vor lauter Freude auf und ab
- wie schön.
17.45 Uhr In Gesellschaft des Vierbeiners mache ich mich in der Küche zu schaffen und entscheide mich für eine leichte Mahlzeit in Form von zwei Schinkenboten, Oliven aus dem Glas sowie einem Kirschjoghurt
- immerhin muss ich auf meine Diät achten.
18.15 Uhr Ich lasse mir das Abendessen auf der fliegenvergitterten Terrasse schmecken und trinke ein Gläschen
"Nero d´Avola" aus dem fernen Sizilien dazu. HEUREKA - dieses rote Tröpfchen muss man einfach probiert haben. Das Haustier liegt in der Zwischenzeit neben mir und verzehrt genüsslich einen Kauknochen aus echter Büffelhaut.
19.00 Uhr Nachdem ich noch ein Glas Wein verköstigt habe, beende ich die Brotzeit und sorge in der Küche für Sauberkeit und Ordnung. Nebenbei telephoniere ich mit Prof. Kuhn und bringe in Erfahrung, dass der gute Mann heute Nachmittag beim Schopping eine Menge Geld ausgegeben hat. Edelbert berichtet, dass er nicht nur italienische Halbschuhe, sondern auch einen Kugelschreiber aus dem Hause Montblanc erstanden hat. HEUREKA
- solchen Luxus kann ich mir leider nicht leisten.
19.30 Uhr Um mich nicht länger ärgern zu müssen, beende ich das Gespräch und rufe Hund Dixon auf, mir an die frische Luft zu folgen. Mit einem lustigen Lied auf dem Lippen wandere ich den Willoughby Drive hinunter und sehe, wie Dixon bei jeder Gelegenheit sein Beinchen hebt und exotische Gewächse bewässert. Nebenbei mache ich den Vierbeiner darauf aufmerksam, dass wir uns glücklich schätzen können, im angenehm warmen Florida und nicht im
winterlichen Bayern zu leben.
20.00 Uhr Zurück in der redlichst klimatisierten Villa lasse ich mich im Wohnzimmer nieder und freue mich auf einen
Fernsehabend in den eigenen vier Wänden. Bevor ich mich allerdings zurücklehne, stelle ich eine Flasche Coca Cola sowie eine Schüssel mit Erdnüssen aus dem Nachbarstaat Georgia bereit
- da kommt Freude auf.
20.15 Uhr Zur Abwechslung greife ich heute auf meine DVD Sammlung zurück und schaue mir eine Folge der 1980er Jahre Serie
"Der Schwammerlkönig" mit Walter Sedlmayr und Wolfgang Fierek an. Ich erkläre Dixon, dass diese Produktion in der Nähe des alten Flughafens München-Riem spielt und in den 80er Jahren im bayerischen Fernsehen gelaufen ist.
21.15 Uhr Als auch noch Dolly Parton als Stargast eines Riemer Landmusikfestes auftaucht und die Mutter von Wolfgang Fierek mimt, wird mir der Quatsch zu gross und ich schalte alle elektronischen Geräte aus. Nachdem ich mit dem Hund noch schnell im Garten war, verriegle ich die Pforte und gehe zufrieden ins Bett. Gute Nacht.
10.01.2012
07.30 Uhr Der zehnte Tag des Schaltjahres beginnt und ich fühle mich blendend. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, schnippe ich mit den Fingern und scheuche Hund Dixon an die frische Luft. Während der Vierbeiner zum Teich läuft, führe ich die Morgengymnastik durch
und stähle meine eingerosteten Muskeln mit Kniebeugen - was kann es schöneres geben.
08.00 Uhr Just als ich in die kleine Villa zurückkehren möchte, kommt Frau Pontecorvo dazu und fragt, ob ich sie zum PUBLIX Einkaufsmarkt begleiten möchte. Ich schüttle entschieden den Kopf und erkläre, dass ich besseres zu tun habe und das
"Whitaker
Wellness Center" an der Goodlette Road aufsuchen werde. Meine Nachbarin ist begeistert und wünscht mir viel Vergnügen - wie schön.
08.30 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, entspanne ich mich bei einem Wirbelbad. Ich wasche und rasiere mich und lausche dem Internetzradioprogramm des BR. Neben den tagesaktuellen Meldungen aus der Welt der Politik, erzählt der Sprecher ausserdem, dass heute vor 149 Jahren die Londoner U-Bahn aus der Taufe gehoben wurde. Bereits im Jahre 1860 begannen fleissige Arbeiter der "Metropolitan Railway Company" mit den Bauarbeiten und schafften es innerhalb von nur drei Jahren, einen Tunnel zwischen Farringdon und Paddington entstehen zu lassen - das ist phantastisch. Ich lehne mich seufzend zurück und erinnere mich an meine spannende
London Reise vor mittlerweile 8 Jahren - das waren noch Zeiten.
09.30 Uhr Nach dem Badespass rufe ich Dixon in die gute Stube und lasse mir ein ausgewogenes Frühstück in Form gerösteter Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), Rühreier und köstlichen Donuts aus der Bäckerei des WINN DIXIE Supermarkts schmecken. Ausserdem rede ich auf den Vierbeiner ein und stelle klar, dass er mich unmöglich zur Whitaker Wellness Oase begleiten kann. Um Nägel mit Köpfen zu machen, rufe ich kurzerhand bei Frau Crane an und frage nach, ob es ihr möglich wäre, das Haustier für einige Stunden zu beaufsichtigen. Die ehemalige Olympiateilnehmerin freut sich und sagt, dass ich Dixon jederzeit vorbeibringen kann
- wie schön.
10.00 Uhr Nachdem ich Sportbekleidung in eine schicke Plastiktüte gesteckt habe, lotse ich den störrischen Hund nach nebenan und berichte meiner Nachbarin, dass mich meine Familie mit einer Jahresmitgliedschaft in einem Fitness- und Gesundheitszentrum überrascht hat. Ich wische mir demonstrativ über die Stirn und fahre fort, dass ich nun das besagte Etablissement besuchen und eine Massage über mich ergehen lassen werde. Frau Crane nimmt lächelnd die Hundeleine in Empfang und meint, dass sie mit meinem Liebling einen ausgedehnten Spaziergang unternehmen wird.
10.30 Uhr Wenig später rase ich hupend in Richtung Stadtzentrum davon und fröne dem Qualitätsradioprogramm von
WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land). Morgenmoderatorin Amy Lynn plappert ohne Unterlass und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass
Tim McGraw am 17. Januar 2012 ein neues Studioalbum mit dem Titel "Emotional Traffic" (löblich: Emotionaler Verkehr) veröffentlichen wird. Darüber hinaus spielt die Dame den Hitparadenerfolg "Felt Good On My Lips" (löblich: Fühlte sich gut auf meinen Lippen an) und bestätigt, dass sich die Plattengeschäfte schon jetzt auf einen stattlichen Reibach freuen dürfen.
11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 deutet, komme ich mit quietschenden Bremsen vor dem "Whitaker Wellness Center" zum Stehen. Ich gleite sportlich vom Fahrersitz und mache mich daran, mit gezücktem Mitgliedsausweis in den Flachbau zu laufen und einer blondierten Rezeptionistin einen guten Morgen zu wünschen. Frau Kelly (23) heisst mich herzlich Willkommen und erkundigt sich, ob ich am Pilates Einführungskurs teilnehmen möchte. Ich zuckt mit den Schultern und antworte, dass ich am 3. Januar Geburtstag hatte und einen Mitgliedsausweis geschenkt bekommen habe. Das braungebrannte Mädchen nickt eifrig und sagt, dass sie mich als erstes durch das Wellness Center führen und mir die Mitarbeiter vorstellen wird - das soll mir Recht sein.
11.30 Uhr Nachdem ich einen Blick in die Saunalandschaft geworfen und mich mit Bademeister Herrn Ken (33) bekannt gemacht habe, führt mich Frau Kelly in einem mit Bodenmatten ausstaffierten Raum. Unterdessen erhalte ich wissenswerte Infos und erfahre, dass Pilates eine Übungsform beschreibt, die zur Kräftigung der Muskulatur angewandt wird. Die Mitarbeiterin ist bestens unterrichtet und quasselt davon, dass die Pilates-Methode vom deutschstämmigen Joseph Hubert Pilates entwickelt wurde und für eine korrekte und gesunde Körperhaltung sorgen soll. Ich gebe mich gelangweilt und erwidere, dass ich keine grosse Lust habe, mich auf dem kalten Boden zu räkeln und einen Bandscheibenvorfall zu riskieren.
12.00 Uhr Als nächstes schiebt mich die Maid in einen voll ausgestatteten Fitnessraum und behauptet, dass die Mitglieder auch die
Möglichkeit haben, sich an modernen Turngeräten zu ertüchtigen. Ich reibe mir die Hände und kündige an, Gewichte stemmen und mich anschliessend bei einer Massage entspannen zu wollen. Frau Kelly freut sich und sagt, dass ich gegen 14 Uhr noch einmal zum Empfang kommen sollte.
12.15 Uhr Um die Zeit bis dahin sinnvoll zu gestalten, verabschiede ich mich in eine Umkleidekabine und schlüpfe in eine bequeme ADIDAS Turnhose, T-Hemd mit NYPD Aufdruck und NIKE
Sportschuhe. Danach schwinge ich mich gutgelaunt auf ein futuristisch anmutendes Trimm-Dich Fahrrad und trete schnaufend in die Pedale. Leider kommt schon nach wenigen Augenblicken ein sogenannter Personal Trainer (löblich: Persönlicher Übungsleiter) dazu und sagt, dass man mit einem Ergometer die Leistungsfähigkeit eines Sportlers genau definieren kann. Bevor ich antworten kann, schnallt mir der Heini ein Blutdruckgerät um und animiert mich, mir eine Herzfrequenzklemme ans Ohr zu heften - wie unlöblich. Augenrollend komme ich dem Aufruf nach und muss mir den Vorwurf gefallen lassen, ausser Form zu sein. Herr Jensen (29) deutet auf die Ergometrieanzeige und unterbreitet, dass meine Herzfrequenz bereits bei einer Belastung von 50 Watt ins Unermessliche steigt.
13.00 Uhr Weil mir der Schweiss in Bächen von der Stirn rinnt, steige ich nörgelnd vom Ergometer und lege mich auf eine Hantelbank. Herr Jensen weicht nicht von meiner Seite und erklärt, dass er ein 30 Pfund schweres Gewicht auflegen wird. Ich atme tief durch und schaffe es mit grösster Anstrengung, das Gewicht in der Waagerechten zu halten. Der Betreuer zwinkert mir redlichst zu und sagt, dass noch nie ein Meister vom Himmel gefallen ist - wie wahr.
13.30 Uhr Völlig ausser Atem richte ich mich auf und bemerke, dass es kein Vergnügen ist, stundenlang in einer Turnhalle zuzubringen. Der freundliche Übungsleiter schenkt mir ein Lächeln und führt mich in die angeschlossene Wirtschaft, um einen süffigen Orangensaft sowie einen ballaststoffreichen Schokoladenriegel zu spendieren. Während ich meine ausgetrocknete Kehle öle, redet mir der Sportler gut zu und meint, dass er bis zum Donnerstag einen persönlichen Trainingsplan ausarbeiten wird - wie schön.
14.15 Uhr Ich reiche dem Sportlehrer die Hand und eile dann zur Rezeption, um die versprochene Massage einzufordern. Die Empfangsdame deutet zum Massageraum 3 und sagt, dass sich Frau Maggie um mich kümmern wird. Neugierig stosse ich die Türe auf und sehe mich mit einer übergewichtigen Mitfünfzigerin konfrontiert, die ihre Hände mit Öl einreibt. Nachdem ich mich als
Reinhard Pfaffenberg aus dem Willoughby Drive vorgestellt habe, entledige ich mich des verschwitzten T Hemds und komme in den Genuss, ordentlich durchgeknetet zu werden. Die erfahrene Masseurin plappert wie ein Wasserfall und stellt die Behauptung auf, dass meine Rückenmuskulatur gänzlich verspannt ist. Ich schlage in die gleiche Kerbe und gebe bekannt, dass mir meine Gesundheit sehr wichtig ist und ich aus diesem Grund regelmässig das Whitaker Wellness Center aufsuchen werde.
15.00 Uhr Nach dreissig Minuten rolle ich mich von der Liege und fühle mich wie neugeboren. Ich stecke Frau Maggie ein stattliches Trinkgeld zu und laufe dann in die Umkleidekabine, um mich abzuduschen und in Schale zu werfen.
15.30 Uhr Kurze Zeit später verlasse ich das Wellnesszentrum und trete zu stimmungsvollen Radioklängen die Heimfahrt an. Nebenbei rufe ich im fernen Kanada an und lasse meinen Bruder wissen, dass es eine prima Idee war, mir eine Jahreskarte für das Whitaker Wellness Center zu schenken. Ich lobe die zuvorkommenden Mitarbeiter über den Schellenkönig und gebe zu Protokoll, dass es echt Spass bereitet, massiert zu werden und Gewichte zu stemmen.
16.00 Uhr Nachdem ich Dixon abgeholt habe, schliesse ich die Pforte zu meinem bescheidenden Haus auf und lasse mich auf dem bequemen Wohnzimmerkanapee nieder. Schon nach wenigen Sekunden schlummere ich ein und träume von schönen Stunden in Kreise meiner
Familie.
17.00 Uhr Ich werde durch das laute Fiepen des Haustieres geweckt und registriere, dass mein Magen Knurrlaute von sich gibt. Um nicht verhungern zu müssen, stelle ich einen Topf aufs Kochfeld und bereite im Handumdrehen italienische Langnudeln (unlöblich: Spaghetti) mit Pesto aus dem Glas zu.
17.30 Uhr Während ich die Teigwaren mit einem Schuss Olivenöl und selbst angebauter Petersilie verfeinere, erläutere ich, dass gesunde Ernährung sehr wichtig ist. Hund Dixon legt seinen Kopf schief und macht sich daran, zum Napf zu schielen und ebenfalls eine Brotzeit einzufordern.
18.00 Uhr Endlich kann ich zur Gabel greifen und mir das feine Nudelgericht bei angenehmen Temperaturen auf der Terrasse munden lassen. Ich beisse kraftvoll zu und studiere nebenher die aktuellen Artikel in der Tageszeitung. Unter anderem lerne ich, dass im örtlichen Zoo zwei seltene Waschbären abhanden gekommen sind.
Scherriff Bradford geht davon aus, dass international agierende Tierhändler hinter dem Verschwinden stecken und die Viecher womöglich an einen Privatmann verscherbelt haben - das ist ja allerhand.
18.30 Uhr Nach der Hausarbeit setze ich mich gähnend ins Wohnzimmer und lasse den anstrengenden Tag bei hunde- und rentnergerechten Fernsehformaten ausklingen. Wie es sich für einen interessierten Bürger gehört, folge ich den Abendnachrichten auf FOX und vernehme, dass es in der arabischen Welt abermals zu Bobenattentaten auf friedliebende Christen gekommen ist - wie unlöblich.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit schalte ich auf den Bezahlsender HBO um und schaue mir das mit Preisen überschüttete Sportlerdrama "The Wrestler" mit Mickey Rourke an. Der Film erzählt vom abgehalfterten Ringer Randy Robinson, der ein trauriges Dasein in New Jersey fristet. Zu allem Überfluss lässt sich der Hauptprotagonist zu einem letzten Kampf überreden, den er schlussendlich mit seinem Leben bezahlen muss - wie schrecklich.
21.00 Uhr Als der Abspann über den Bildschirm flimmert, schalte ich die Glotze ab und unternehme mit dem Vierbeiner einen kleinen Rundgang durch den Garten. Anschliessend verriegle ich die Haustüre und gehe ins Bett, um im Dean Koontz Gruselroman "Die Unbekannten" zu schmökern. Gute Nacht.
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