Das Tagebuch von Reinhard Pfaffenberg
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28.08.2010
Hallo Leute,

mein Urlaub ist echt super und hat mir auch noch Glück gebracht. Wie ihr wisst, habe ich für meinen unverschuldeten Unfall und dem daraus resultierenden Krankenhausaufenthalt eine Stange Geld (4.800 $) bekommen. Gestern hab' ich ausserdem das grosse Los gezogen und bei einem Gewinnspiel im Supermarkt eine TOTAL GYM Trainingsbank gewonnen.
Das Allroundgerät ist geeignet für ein umfangreiches Training wie Butterfly, Bankdrücken und Beincurlen. Zudem kann man auch Bizeps, Trizeps, Schulter, Bauch, Rücken und Po trainieren :-)

Leider kann ich das sperrige Ding nicht nach Deutschland mitnehmen. Deswegen werde ich mich am Abflugtag (7. September) mit schwerem Herzen von der Bank trennen und sie meinem Vermieter überlassen müssen :-(
Aber egal, ab Dezember bin ich endlich wieder in Lohn und Brot und verdiene im Münchner Kreisverwaltungsreferat gutes Geld, um mir selbst eine Trainingsbank leisten zu können. Ich hab' mich gestern Abend auf Amazon.de schlau gemacht und werde mich höchstwahrscheinlich für den "Elite Gym Pro Ganzkörpertrainer" entscheiden :-)

Herr Pfaffenberg hatte den ganzen Samstag über schlechte Laune, weil Dixon beim Frühstück ausgebüchst ist. Den ganzen Vormittag ist mein Vermieter kreuz und quer durchs Wohngebiet gefahren und hat Dixon gesucht. Gegen Mittag hat er ihn im Erie Drive endlich gefunden. Der Rüde sass angeblich stundenlang vor einem Anwesen, in dem eine läufige Hündin lebt. Reinhard war richtig sauer und hat angekündigt, dass er den Vierbeiner in der nächsten Woche zum Tierarzt bringen wird, um ihn kastrieren zu lassen. Aber ich bin mir sicher, dass er das nicht übers Herz bringen wird :-)

Jetzt steht ein Clubbesuch auf dem Programm. John Avanzatti und Carol holen mich gleich ab und ich muss mich noch aufbrezeln. Bis morgen wünsche ich euch viel Fun und jede Menge Sonnenschein.

  Eure Sandra


27.08.2010
07.15 Uhr Ich werde durch lautes Niessen geweckt und registriere, dass Sandra auch schon auf den Beinen ist. Das unterbelichtete Kind läuft auf spitzen Zehen durchs Haus und macht sich nach wenigen Augenblicken am Badezimmerschrank zu schaffen. Weil ich über 
alles informiert sein will, stelle ich die Maid zur Rede und bringe heraus, dass sie vom Heuschnupfen geplagt wird. Ich nicke eifrig und belehre, dass dieser allergische Schnupfen in den Vereinigten Staaten "Hay Fever" genannt wird und derzeit viele Menschen heimsucht. Nebenbei deute ich aus dem Fenster und lasse meinen Gast wissen, dass momentan die Mangrovengewächse blühen. Das Mädchen ist alles andere als begeistert und erkundigt sich, ob ich ein Nasensprüh im Schrank habe. Da mir das Wohl meines Gastes sehr am Herzen liegt, öffne ich eine Schublade und überreiche ihm ein wirksames Präparat aus dem Hause "Otrivin". Die Maid gibt sich erleichtert und verspricht, jetzt das Frühstück vorzubereiten - wie schön. 
08.00 Uhr Nach dem schweisstreibenden Frühsport gönne ich mir ein löbliches Wirbelbad. Während das Wasser sprudelt, lausche ich dem Internetzradioprogramm des BR und lerne, dass just heute vor 151 Jahren das Zeitalter der Petroleumindustrie eingeläutet wurde. Der amerikanische Forscher Edwin Laurentine Drake stiess am 27. August 1859 bei einer Probebohrung in Titusville, PA auf eine Ölquelle und machte es sich zur Aufgabe, den Rohstoff mit einer Handpumpe an die Oberfläche zu befördern. Schon bald war es ihm möglich, bis zu 1.500 Liter pro Tag aus dem 21 Meter tiefen Ölloch zu holen. Sein Fund löste im Bundesstaat Pennsylvania einen Ölboom aus und schon ein Jahr später waren zirka 2.000 Förderanlagen entlang des Allegheny Stroms zu finden, welche 2/3 der Weltölförderung produzierten - wie aufregend. 
09.00 Uhr Als meine englische Wanduhr neunmal schlägt, nehme ich am Küchentisch Platz und labe mich an köstlichen Rühreiern und gebutterten Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast). Unterdessen tratsche ich mit Sandra und vernehme, dass das Mädchen gestern im Lichtspielhaus war und sich eine neu angelaufene Hollywoodproduktion mit ihrer Lieblingsschauspielerin Jennifer Anniston angeschaut hat. Sandra kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und meldet, dass "The Switch" (löblich: Der Ausschalter) sehr lustig war - wie unlöblich. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich ferngesehen und Hund Dixon gestreichelt habe. 
09.30 Uhr Just als ich die Butter in den Eiskasten stelle, schellt das Telefon besonders aggressiv und ein Mitarbeiter des WINN DIXIE Supermarkts am Golden Gate Center meldet sich im Rohr. Der Heini redet ohne Unterlass auf mich ein und sagt, dass Mrs. Corte eine multifunktionale Hantelbank im Wert von 400 Dollars gewonnen hat. Ich überlege kurz und erinnere mich, dass wir am Mittwoch an einem Preisausschreiben teilgenommen haben. Staunend aktiviere ich die Freisprechanlage und erfahre weiter, dass die Corte jederzeit zum Supermarkt kommen und den Preis in Empfang nehmen kann - wie aufregend. Sandra springt vor Freude auf und ab und animiert mich, sofort in die Gänge zu kommen.
09.45 Uhr Mit Hund Dixon im Schlepptau laufen wir zum JEEP und hüpfen ausgelassen ins Auto, um mit durchdrehenden Reifen vom Grundstück zu preschen. Während ich mich durch den dichten Verkehr schlängle, macht sich Sandra eigene Gedanken und meint, dass es ihr nicht möglich sein wird, die Hantelbank mit nach Bayern zu nehmen. Ich stimme lachend zu und antworte, dass sich das gute Stück hervorragend in meinem Gästezimmer machen wird.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten betreten wir den Supermarkt und fordern die kleine Frau am Informationsschalter auf, den Preis herauszurücken. Frau Elvira (57) begrüsst uns überschwänglich und greift augenblicklich zum Mikrofon, um Herrn Kurt Bossi, den Geschäftsführer des grössten WINN DIXIE Einkaufsparadieses im Collier County, auszurufen. Der bierbäuchige Heini lässt nicht lange auf sich warten und plappert davon, dass sich die Marktleitung vor zwei Wochen entschlossen hat, mit dem renommierten Gerätehersteller "TOTAL GYM" eine Werbekampagne ins Leben zu rufen und die platzsparenden Produkte der Firma anzupreisen - wie schön. 
10.30 Uhr Herr Bossi quasselt munter weiter und lotst uns in sein Büro, um uns eine überdimensionale Kiste zu präsentieren. Bei dieser Gelegenheit hören wir, dass es ein Kinderspiel werden sollte, das Gerät zuhause aufzubauen. Als ich in die Hände spucke und die Schachtel zum Auto schleppen möchte, klopft mir der Anzugträger auf die Schulter und sagt, dass er einen Handlanger zu Hilfe rufen wird. Ferner sehen wir uns genötigt, ein Gewinnformular zu unterzeichnen und uns mit dem Geschäftsführer photografieren zu lassen. Herr Bossi legt beste Laune an den Tag und sagt, dass wir in der nächsten Schnäppchenbeilage namentlich und mit Photo erwähnt werden - wie aufregend. Ich bin mir in diesem Zusammenhang ziemlich sicher, dass bald aufdringliche Fans (löblich: Bewunderer) mein Anwesen im Willoughby Drive belagern und mir keine ruhige Minute mehr lassen werden. 
11.15 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten sitzen wir endlich wieder im Auto und können zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Musikuntermalung nach Hause rasen. Sandra schnippt währenddessen mit den Fingern und sagt, dass sie sich gleich um den Aufbau der Gerätschaft kümmern wird - das soll mir Recht sein.
11.45 Uhr Wieder zurück im klimatisierten Eigenheim, helfe ich der Maid, die zentnerschwere Kiste in die Villa zu schleppen. Im Anschluss leine ich Hund Dixon an und gebe zu Protokoll, dass ich jetzt ein kleines Mittagessen im "Pelican Larry's Raw Bar & Grill" Gasthaus an der Immokalee Road einnehmen werde. Weil eine Mahlzeit in Gesellschaft viel besser mundet, klingle ich ganz spontan am Haus von Frau Pontecorvo und lade die Dame kurzerhand ein. Meine Nachbarin ist begeistert und folgt mir artig zur Biertränke im Süden. Während Dixon sein Beinchen hebt und jeden Strauch markiert, lasse ich den Vormittag Revue passieren und erzähle, dass ich seit heute stolzer Besitzer einer sündteuren Hantelbank bin. Meine Begleiterin macht grosse Augen und moniert, dass der Gewinn eigentlich Sandra zusteht - papperlapapp. 
12.30 Uhr Hungrig und durstig betreten wir die einladende Wirtschaft und werden vom Inhaber herzlich Willkommen geheissen. Weil sich nur wenige Gäste in der Gaststätte tummeln, setzen wir uns kurzerhand an den Tresen und ordern bei Herrn Larry zwei vitaminreiche Baconburger (löblich: Speckburger) mit würzigen Kartoffelspalten und hausgemachter Sauce. Dazu gibt es zwei Krüge Hopfentrunk aus der weltbekannten Anheuser-Busch Brauerei - das schmeckt. 
13.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, bringe ich unsere geplante Ausfahrt nach San Franzisko zur Sprache und erkläre, dass es ein Vergnügen wird, durch diverse Bundesstaaten zu fahren. Frau Pontecorvo folgt meinen Aussagen mit Argwohn und meint, dass wir für die einfache Wegstrecke mindestens zwei Wochen einplanen müssen - wie wahr. 
14.00 Uhr Nachdem wir uns am Daily Dessert (löblich: Tägliche Nachspeise) erfreut und Käsekuchen mit Schlagobers verzehrt haben, bezahlen wir die Rechnung in Bar. Danach kehren wir ins Wohngebiet zurück und verabreden, dass wir uns morgen in Frau Pontecorvos Hütte zum Frühstück treffen werden. 
14.30 Uhr Wieder zurück in der Villa, treffe ich Sandra gewichtestemmend im Gästezimmer an und höre, dass die "TOTAL GYM" Trainingsbank super ist. Weil ich mich vor Müdigkeit kaum mehr auf den Beinen halten kann, mache ich schnell kehrt und lege auf dem Wohnzimmersofa ein wohlverdientes Päuschen ein. Ich schlummere bald ein und träume von meinen Katzen Jenny und Tony, die leider in der alten Heimat zurückbleiben mussten. 
15.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen auf und habe eine ganz trockene Kehle. Um diesem Missstand schnellstmöglich entgegenzuwirken, stehe ich auf und genehmige mir eine Diät Coca Cola aus dem Kühlschrank. Danach geselle ich mich zu Sandra und werde Zeuge, wie das Kind seine Oberschenkelmuskulatur stählt. Meine Mieterin ist voll des Lobes und ermutigt mich, ihrem Beispiel zu folgen und mich ebenfalls sportlich zu betätigen. Um nicht von einer Gewichtstange erschlagen zu werden, ziehe ich es jedoch vor, mich an den Schreibtisch zu setzen und Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter zu beantworten.
15.45 Uhr Unter anderem schildert Herr K. aus Berlin schier Unglaubliches und schreibt, dass sein Sohn Oliver (21) mit dem Gedanken spielt, im September nach Italien zu reisen, um dem Formel 1 Spektakel in Monza beizuwohnen. Da diese Sportart zu schwerwiegenden seelischen Störungen führen kann, beantworte ich die Frage und rate dem alleinerziehenden Mann, seinem Sohn diesen Unsinn auszureden - wo kämen wir denn da hin. 
16.15 Uhr Nachdem ich weitere Briefe im Rahmen der Elternberatung beantwortet habe, kümmere ich mich um meine eigene Korrespondenz und finde eine nette Grussbotschaft von Admiral a.D. Friedbert Bürstenbinder im Posteingang vor - wie schön. Zu guter Letzt schalte ich die neuesten Einträge im elektronischen Gästebuch frei und gehe dann von der Leine, um mir ein eisgekühltes Budweiser zu genehmigen. 
16.45 Uhr Weil Sandra immer noch Hanteln stemmt, nehme ich neben Hund Dixon auf dem Wohnzimmersofa Platz und vertreibe mir die Zeit mit einem Kreuzworträtsel in der Zeitung. Gekonnt fülle ich alle Kästchen aus und komme bald auf das Lösungswort "RDINBOLO" - wie merkwürdig. 
17.30 Uhr Nun wird es aber Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Weil ich mich nicht um alles kümmern kann, rufe ich Sandra in die Küche und bitte sie, ihre Kochkünste unter Beweis zu stellen. Die Maid wischt sich die Schweissperlen von der Stirn und sagt, dass man als Sportler auf eine ausgewogene Ernährung achten sollte - wie wahr. Ich schlage in die gleiche Kerbe und verfrachte einen Topf mit Wasser aufs Cerankochfeld. Ferner schütte ich den Inhalt einer Konserve in eine Pfanne und stelle klar, dass wir die Teigwaren mit gebratenem Gemüse verfeinern werden - wie gut das duftet.
18.00 Uhr Endlich ist es soweit und wir können es uns auf der fliegenvergitterten Terrasse bequem machen und die Mahlzeit verzehren. Sandra plappert nebenher wie ein Wasserfall und meint, dass sie Gefallen am Hantelstemmen gefunden hat und sich in Bayern auch einen Heimtrainer kaufen wird - das soll mir Recht sein. 
18.30 Uhr Da mir Ordnung und Sauberkeit sehr am Herzen liegen, wische ich nach dem reichhaltigen Abendessen mit einem nassen Lappen über die Küchenplatte und nehme auch die leistungsstarke Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb. 
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit lasse ich mich im Wohnzimmer nieder und fröne den Nachrichten auf FOX (löblich: Fuchs). Weil keine brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, schaltet Sandra auf HBO um und wir können beim sehenswerten Spielfilm "The Cider House Rules" (auf deutsch: Gottes Werk und Teufels Beitrag) die Seele baumeln lassen. Das oscarprämierte Meisterwerk aus dem Jahre 1999 erzählt die Lebensgeschichte eines Mannes, der sich im Waisenhaus St. Cloud um bemitleidenswerte Kinder kümmert. Um seinen Horizont zu erweitern, schliesst sich der junge Homer einem befreundeten Paar an und will auf einer Apfelfarm Feldarbeit leisten - wie schön. 
21.15 Uhr Ein anstrengender Tag neigt sich seinem Ende zu und ich leere mein Schaumweinglas. Nachdem ich Sandra eine angenehme Nacht gewünscht habe, unternehme ich mit Dixon einen kurzen Rundgang durch Haus und Garten. Danach reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.


26.08.2010
07.15 Uhr Ein neuer Tag beginnt und ich schlüpfe gutgelaunt in meine bequemen Josef Seibel Qualitätshausschuhe. Just als ich nach draussen gehen und meine eingerosteten Muskeln stählen möchte, flitzen Sandra und Hund Dixon durch den Garten. 
Selbstverständlich winke ich der Maid zu und erkundige mich, ob sie auch Frühsport betreibt. Das Kind nickt eifrig und entgegnet, dass es überflüssige Pfunde abtrainieren muss - das soll mir Recht sein. 
08.00 Uhr Nachdem ich mich mit löblichen Kniebeugen ertüchtigt habe, stelle ich mich auf die Waage und erkenne, dass ich mein Idealgewicht seit Jahren halte. HEUREKA - an diesem Beispiel sieht man anschaulich, dass gesunde Ernährung und ausreichend Sport genügen, um auch im Alter fit und munter zu bleiben. 
08.15 Uhr Während ich mich wasche und rasiere, fröne ich dem durch GEZ Zwangsgebühren finanzierten Internetzradioprogramm des BR und lerne, dass das diesjährige Oktoberfest am 18. September beginnen und bis zum 4. Oktober dauern wird. Zum 200. Geburtstag des weltgrössten Bierfestes sollen auch historische Fahrgeschäfte, Karussells und ein Ausstellungszelt des Stadtmuseums auf der Theresienwiese aufgebaut werden. Ferner haben sich die Verantwortlichen entschlossen, dem Münchner Tierschutzverein die Möglichkeit zu geben, sich auf dem Volksfest mit einem eigenen Tierzelt zu präsentieren. Leider hat das Kreisverwaltungsreferat entschieden, die strengen Nichtraucher-Gesetze erst im kommendem Jahr in die Tat umzusetzen. Deswegen wird es heuer noch möglich sein, Zigarren, Pfeifen und/oder stinkende Zigaretten in den Festzelten zu qualmen - wie unlöblich. Nur schade, dass ich in diesem Jahr wegen meines kriminellen Neffen Guido nicht nach München ausfliegen kann. Trotzdem werde ich mir die gute Laune nicht verderben lassen und bald zu einer erquickenden Reise quer durch Amerika aufbrechen - wie aufregend.
09.15 Uhr Als ich mich an den Küchentisch setze, schellt das Telefon besonders aggressiv und ich habe Edelberts Stimme im Ohr. Der Professor wirkt gelangweilt und schlägt vor, dass wir einen Ausflug unternehmen könnten. Ich falle meinem Bekannten prompt ins Wort und gebe bekannt, dass wir unsere Reise quer durch die Vereinigten Staaten in trockene Tücher bringen sollten. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, lade ich den schlauen Mann kurzerhand zum Frühstück ein. Edelbert freut sich und verspricht, in dreissig Minuten vorbeizukommen - wie schön. 
09.45 Uhr Just als Sandra völlig verschwitzt vom Dauerlauf zurückkommt und Dixons Fell bürstet, kommt auch Prof. Kuhns schneeweisser Geländewagen auf der Einfahrt zum Stehen. Selbstverständlich rufe ich die zwei sofort herein und fahre Rühreier mit Speck sowie eine Schüssel mit Kelloggs Maisflocken auf. Während wir kraftvoll zubeissen, verweise ich auf unsere geplante Autofahrt nach San Franzisko und lasse den Professor wissen, dass wir spätestens Mitte September losfahren sollten. Mein Tischnachbar nickt eifrig und erinnert, dass wir am 3. September dem Toby Keith Konzert in Tampa beiwohnen wollen. HEUREKA - das hätte ich beinahe vergessen. Ich reibe mir die Hände und rechne nach, dass Sandra bis zum 7. September meine Gastfreundschaft in Anspruch nehmen wird. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, lege ich kurzerhand fest, dass wir am Sonntag, den 12. September aufbrechen werden. Edelbert zeigt sich einverstanden und meint, dass wir die Gelegenheit beim Schopf packen und meine ehemaligen Nachbarn in Vermillion, SD einen Besuch abstatten sollten - wie schön. 
10.30 Uhr Nach der reichhaltigen Mahlzeit schalte ich den Heimrechner ein und nehme die GOOGLE Weltkarte in Betrieb. Unter den faszinierten Blicken meiner Bekannten lasse ich die Fahrstrecke berechnen und registriere, dass wir bis zum Zielort in South Dakota durch die Bundesstaaten Georgia, Alabama, Tennessee, Arkansas, Missouri, Kansas und Nebraska krusen werden. Edelbert schnalzt mit der Zunge und sagt, dass wir bis San Franzisko ausserdem durch Wyoming, Utah, Nevada und Kalifornien fahren müssen. Anstatt sich zu freuen, bricht Sandra in schallendes Gelächter aus und sagt, dass es gescheiter wäre, einen Direktflug zu buchen - papperlapapp. 
11.00 Uhr Nachdem ich die Reiseroute ausgedruckt habe, lassen wir uns entspannt auf der fliegenvergitterten Terrasse nieder und lesen, dass fast 4.000 Meilen vor uns liegen. 
11.30 Uhr Da mein Magen trotz des Frühstücks knurrt, bringe ich einen Abstecher in Julies Restaurant ins Gespräch. Sandra und der Professor sind auch hungrig und folgen mir schnurstracks auf die Einfahrt. 
12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten betreten wir das Gasthaus unseres Vertrauens und werden von der Inhaberin persönlich begrüsst. Frau Julie bietet uns Plätze an einem Ecktisch an und rennt ruckzuck in die Küche, um nach wenigen Augenblicken mit einer Kanne Eistee und den Speisekarten wieder zu kommen. HEUREKA - diesen Service muss man erlebt haben. Ich schenke der zuvorkommenden Wirtin ein Lächeln und bestelle einen deftigen Cheeseburger (löblich: Käseburger) für mich, sowie eine Schüssel H²O für Dixon. Meine Begleiter stecken ihre Nasen ebenfalls in die Speisekarten und ordern köstliche Chicken Wings (löblich: Hühner Flügel) bzw. einen Gartensalat mit Thunfisch (unlöblich: Gardensalad with Thuna).
12.30 Uhr Als wir es uns schmecken lassen, gibt sich Sandra plötzlich deprimiert und behauptet, dass es ihr grossen Spass machen würde, sich der spannenden Tour anzuschliessen. Ich zucke mit den Schultern und stelle klar, dass ihr Urlaub in 13 Tagen zu Ende geht. Das unterbelichtete Mädchen blickt traurig drein und mutmasst, dass sie in Bayern ihre Bräune innerhalb von wenigen Tagen verlieren wird.
13.15 Uhr Redlichst gestärkt bezahlen wir die Zeche und entschliessen uns, einen kurzweiligen Spaziergang entlang der Vanderbilt Beach Road zu machen. Mit Hund Dixon im Schlepptau laufen wir an den unzähligen koreanischen Reinigungsunternehmen vorbei und plaudern währenddessen über den anstehenden Urlaub. Edelbert meint, dass wir für den Ausflug mindestens drei Wochen einplanen sollten. Ich lache herzlich und gebe zu Protokoll, dass wir sowieso keinen Verpflichtungen nachkommen müssen und alle Zeit der Welt haben. 
14.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 14 Uhr zugeht, hüpfe ich ins Auto und winke Edelbert zum Abschied hinterher. Der Professor erwidert meinen Gruss und sagt, dass er sich jetzt einen entspannten Nachmittag in den eigenen vier Wänden gönnen wird - das soll mir auch Recht sein. Danach lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und fahre schnellstmöglich in den Willoughby Drive zurück. 
14.30 Uhr Während sich Sandra leichtbekleidet in der Sonne aalt und in einem Dean Koontz Gruselroman schmökert, lege ich im klimatisierten Wohnzimmer die Beine hoch und träume von wunderschönen Stunden auf verstaubten Highways (löblich: Landstrassen) - wie aufregend.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und sehe, wie Sandra in einem aufreizenden Bikini im Jacuzzi planscht. Um von den Nachbarn in kein schlechtes Licht gerückt zu werden, rufe ich die Maid abermals zur Ordnung und bitte sie, nach dem Bad in ein weites T-Hemd zu schlüpfen. Das Kind winkt nur ab und antwortet, dass es gleich Frau Carol treffen und ins Lichtspielhaus gehen wird. Seufzend schenke ich mir einen Becher Kaffee ein und nehme dann am Heimrechner Platz. 
16.00 Uhr Wie es sich für einen staatlich anerkannten Anschnurseelsorger gehört, rufe ich Depeschen besorgter Erziehungsberechtiger ab und studiere die Nachricht einer 41jährigen Hausfrau aus Oberursel. Frau M. schreibt, dass sie vor wenigen Tagen ein Facebook (löblich: Gesichtsbuch) Konto angelegt hat und seitdem von Jugendlichen mit unflätigen Pinnwandeinträgen terrorisiert wird - wie unlöblich. Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen und lasse in meinem Antwortschreiben verlauten, dass Soziale Netzwerke sehr gefährlich sind. Um der Dame einen genaueren Einblick zu gewähren, verweise ich auf meinen diesbezüglichen Bericht und rate, das Bundeskriminalamt zu verständigen. 
16.45 Uhr Zu guter Letzt überprüfe ich die neuesten Einträge im beliebten Gästebuch und sehe mich genötigt, auch die Rubrik mit den dümmsten Heimseitenbesuchern zu aktualisieren. Nachdem alles abgearbeitet ist, gehe ich von der Leine und sehe mich im Badezimmer mit Sandra konfrontiert. Die Maid bürstet sich das Haar und sagt, dass Herrn Wangs Tochter gleich vorbeikommen und sie abholen wird. Weil mir Sandras Wohl echt am Herzen liegt, drücke ich ihr etwas Kleingeld in die Hand und fordere sie auf, sich davon ein Eis zu kaufen. 
17.15 Uhr Als endlich Ruhe und Frieden eingekehrt ist, schwenke ich etwas Butter in der Pfanne und bereite Bratkartoffeln und Fischstäbe aus dem WINN DIXIE Markt zu. Hund Dixon weicht währenddessen nicht von meiner Seite und fordert mich fiepend auf, ihm ebenfalls ein Abendessen zu servieren - das soll mir Recht sein. 
18.00 Uhr Endlich kann ich mich an den Küchentisch setzen uns im Beisein meines bettelnden Haustieres die köstliche Mahlzeit verspeisen - schmeckt nicht schlecht, Herr Specht.
18.30 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine eingeschaltet habe, lasse ich mich fix und fertig aufs bequeme Wohnzimmersofa fallen und schaue mir eine informative Nachrichtenschau auf FOX an. Dabei erfahre ich, dass am Wochenende mit ergiebigen Regenfällen und starken Windböen zu rechnen ist - wie unlöblich. 
19.30 Uhr Während sich langsam die Nacht über das Collier County legt, drücke ich mich weiter durch die unzähligen Satellitenprogramme und bleibe letztendlich auf HBO hängen, wo gerade der mit Preisen überschüttete amerikanische Spielfilm "Thelma & Louise" anfängt. Ich lehne mich budweiserschlürfend zurück und werde Zeuge, wie die chaotische Hausfrau Thelma Dickinson mit ihrer Freundin Louise Sawyer der Zivilisation den Rücken kehrt und zu einer Autofahrt ins ländliche Arkansas aufbricht. Dummerweise geraten die beiden an einen Grobian und Frau Thelma sieht sich gezwungen, ihren Revolver zu zücken und den Heini niederzustrecken - wie schrecklich. 
21.30 Uhr Nachdem die Frauen den Freitod gewählt und das Auto in den Grand Canyon gelenkt haben, drücke ich kopfschüttelnd auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf und unternehme einen kleinen Rundgang durch den Garten. Hund Dixon hebt am Nachbarhaus brav sein Beinchen und spitzt die Ohren, als plötzlich ein frecher Waschbär durch den Garten huscht. Im letzten Augenblick kann ich den Vierbeiner zurückhalten und sicher ins Haus lotsen. Danach versperre ich die Pforte und lege mich schlafen. Gute Nacht.


25.08.2010
07.15 Uhr Ich werde durch das ohrenbetäubende Schellen des Festnetzanschlusses geweckt und staune nicht schlecht, als sich James in der Leitung meldet. Der Bube kommt sofort auf den Grund seines Anrufs zu sprechen und bestätigt, dass er soeben sicher in der 
Heimat gelandet ist. Ich gebe mich erleichtert und erkundige mich, ob mein Grossneffe (bald 5) die nervenaufreibende Atlantiküberquerung gut überstanden hat. Mein löblicher Neffe beruhigt mich redlichst und sagt, dass David putzmunter ist und das Wiedersehen mit seiner Freundin Lisa (5) kaum mehr erwarten kann - wie schön. 
07.45 Uhr Nachdem ich dem jungen Mann alles Gute gewünscht habe, stehe ich auf und eile ins Gästezimmer, um Sandra über den Anruf in Kenntnis zu setzen. Die Besucherin zieht sich die Bettdecke über den Kopf und entgegnet, dass sie müde ist und noch eine Mütze Schlaf vertragen kann. Trotz der Widerworte bleibe ich standhaft und lasse den Faulpelz wissen, dass wir gleich zum WINN DIXIE Supermarkt fahren und Lebensmittel einkaufen müssen. 
08.00 Uhr Im Anschluss entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und erfahre im Radioprogramm, dass sich der ehemalige Präsidentschaftsanwärter John McCain (73) bei den Vorwahlen zum US Senat deutlich gegen seinen Mitbewerber J.D. Hayworth durchsetzen konnte. Ferner schaffte es auch in Alaska der Republikaner Joe Miller, gegen die amtierende Senatorin Lisa Murkowski zu gewinnen. Wie jedes Kind weiss, werden die Amerikaner am 2. November an die Wahlurnen treten, um alle 453 Sitze im Repräsentantenhaus neu zu wählen. Weil die Umfragewerte des derzeitigen Präsidenten Barack Obama in den Keller gefallen sind, ist davon auszugehen, dass die Republikanische Partei und besonders deren rechter Flügen einen Erdrutschsieg einfahren wird - das ist phantastisch. 
09.00 Uhr Nach dem Badespass nehme ich den futuristischen DeLonghi Kaffeevollautomaten in Betrieb und sorge dafür, dass der Küchentisch gedeckt wird. Weil Sandra immer noch nicht aufgestanden ist, poche ich erneut an die Gästezimmertüre und stelle klar, dass ich meine Zeit nicht gestohlen habe. Die Maid lässt nicht lange auf sich warten und leistet mir beim wichtigsten Mahl des Tages Gesellschaft. Während ich kraftvoll zubeisse und meine staubtrockene Kehle mit einem kräftigen Schluck Bohnentrunk öle, plappert das Mädchen in einer Tour und behauptet, dass es Kopfschmerzen hat und unter keinen Umständen zum Einkaufen mitkommen kann - papperlapapp. Vogelzeigend hole ich eine Packung ASPIRIN aus dem Küchenschrank und animiere das Kind, zwei Tabletten einzunehmen und sich am Frühstück zu laben. Die Maid kommt dem Vorschlag augenblicklich nach und vermutet, dass sie gestern etwas zu tief ins Schaumweinglas geschaut hat - das ist typisch. 
09.30 Uhr Just als ich die Morgenzeitung aufschlage und aktuelle Berichte studiere, kommt die Putzfrau zur Türe herein. Frau Gomez wünscht uns einen schönen guten Morgen und kündigt an, dass sie während der Vormittagsstunden die Betten beziehen und ausserdem den Wohnzimmerboden wischen wird. Ich nicke eifrig und trage der fleissigen Zugehfrau auf, zudem das Gäste WC auf Vordermann zu bringen und die Fenster zu putzen. Immerhin ist mir Sauberkeit und Ordnung sehr wichtig. 
10.00 Uhr Nachdem ich mich gestärkt habe, tippe ich auf meine wertvolle ROLEX und gebe zu Protokoll, dass nun die Zeit gekommen ist, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Sandra verdreht demonstrativ die Augen und sagt, dass sie vorher duschen will. Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, scheuche ich Hund Dixon an die frische Luft und werfe ein Stöckchen. Der Vierbeiner ist ganz aus dem Häuschen und hüpft ausgelassen über das satte Grün, um das Holzstück zu apportieren - da kommt Freude auf.
10.30 Uhr Nach dreissig Minuten ist es soweit und wir können endlich losfahren. Während es sich Dixon auf dem Rücksitz bequem macht und aus dem Hecheln gar nicht mehr herauskommt, fahre ich gemächlich vom Grundstück und frage Sandra, ob es ihr mittlerweile besser geht. Das Kind rückt ihre Sonnenbrille zurecht und meint, dass es immer noch ein Dröhnen im Kopf hat und heute auf alkoholische Getränke aller Art verzichten wird - wie schön.
11.00 Uhr Wenig später betreten wir den Supermarkt unseres Vertrauens und greifen umgehend nach einem Einkaufswagen. Ich schiebe das klapperige Gefährt durch die breiten Gänge und freue mich, als ich von einer Reklamefrau animiert werden, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Weil man einem geschenkten Gaul bekanntlich nicht ins Maul schaut, gebe ich mich interessiert und finde heraus, dass man neben sündteuren Sportklamotten aus dem Hause NIKE auch eine praktische Gymnastikbank für Zuhause gewinnen kann. Selbstverständlich lasse ich mir sogleich zwei Gewinnscheine aushändigen und erfahre, dass man lediglich seinen Namen niederschreiben muss. Meine Begleiterin schnalzt mit der Zunge und zögert nicht, zum Bleistift zu greifen und meine Adresse preiszugeben. Die zuvorkommende Werbedame nimmt die Lose lächelnd entgegen und sagt, dass die Gewinner am Freitag telefonisch benachrichtigt werden - wie aufregend.
12.00 Uhr Nachdem wir Produkte des täglichen Bedarfs eingeladen haben, laufen wir mit schnellen Schritten zur Kasse Nummer 4 und werden genötigt, knapp 70 Dollars zu bezahlen. Ich krame meine prall gefüllte GOLDEN HEAD Geldbörse aus der Hosentasche und begleiche die Rechnung mit druckfrischen 20 Dollar Scheinen. Danach schleppen wir die Einkaufstüten zum JEEP und werden von Hund Dixon schwanzwedelnd begrüsst - wie schön.
12.30 Uhr Um nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, fahre ich nach dem Einkaufsvergnügen die benachbarte McDonalds Schnellessgaststätte an und gebe am Drive Thru (löblich: Fahr Hindurch) Schalter ein "Extra Value Meal" (löblich: Extra Wert Mahlzeit), bestehend aus einem "Quarter Pounder with Cheese" (löblich: Viertelpfünder mit Käse), grosse Kartoffelstäbe und einem XXL-Becher Diet Coke (löblich: Diät Cola) in Auftrag. Sandra überlegt kurz und entscheidet sich für einen "Premium Southwest Salad" (löblich: Erstklassiger Südwest Salat) mit Thousand Island Dressing (löblich: 1.000 Insel Sauce). 
13.15 Uhr Daheim angekommen, breite ich die feine Jause auf dem Küchentisch aus und lasse sie mir redlichst schmecken. Sandra tut es mir gleich und meint, dass die amerikanischen McDonalds Salate im Vergleich zu den deutschen sehr gut schmecken. Ich zucke mit den Schultern und erwidere, dass ich kein Hase bin und auf Grünzeug gut verzichten kann. 
14.00 Uhr Bevor ich mich aufs Ohr lege, räumen wir die vielen Waren in den Eiskasten und sorgen ausserdem dafür, dass der Vierbeiner eine stattliche Portion ROYAL CANIN Trockenfutter vorgesetzt bekommt. Wie nicht anders zu erwarten, stürzt sich der Racker sogleich auf das wohlverdiente Mittagessen - wie schön. 
14.30 Uhr Nachdem ich Frau Gomez einen guten Tag gewünscht habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und gönne mir ein kurzes Päuschen. Ich schlummere bald ein und träume von meiner ersten Reise in den Sonnenscheinstaat Florida - das waren noch Zeiten. 
15.30 Uhr Leider ist mir die himmlische Ruhe nicht lange gegönnt. Da mein Hausgast wieder einmal über die Stränge schlägt und das Radiogerät zu laut eingestellt hat, springe ich verärgert auf und mache Sandra klar, dass in meinem Eigenheim ausschliesslich Landmusik gespielt werden darf. Sandra wirft mir skeptische Blicke zu und kontert, dass sie diese "Countrypolka" bald nicht mehr hören kann - wie unlöblich.
16.00 Uhr Um mich nicht weiter zu ärgern, nehme ich am Schreibtisch platz und beginne mit der wichtigen Anschnurarbeit. Als erstes schaue ich im elektronischen Briefkasten nach dem Rechten und erkenne schnell, dass auch heute wieder viele besorgte Eltern Ratschläge zum Umgang mit jugendlichen Rabauken benötigen. Unter anderem berichtet Herr Gerd F. aus Frankfurt, dass sein Sohn Andreas (17) Geld spart, um im Frühling mit seinen Freunden zum sogenannten Spring Break nach Florida zu reisen - wie unlöblich. Selbstverständlich stehe ich mit qualifizierten Empfehlungen zur Seite und rate dazu, dem Buben kein Taschengeld mehr zu geben und ihm die Fahrt zum Frühlingsbruch zu verbieten - wo kämen wir denn da hin.
16.45 Uhr Nachdem ich weitere Depeschen im Rahmen der Beratungsstunde abgesendet habe, schalte ich die neuen Beiträge im Gästebuch frei. Danach überprüfe ich den beliebten Andenkenladen und stelle mit Freude fest, dass sich die T-Hemden mit meinem Konterfei in der heissen Jahreszeit ganz besonders gut verkaufen - wie schön.
17.15 Uhr Endlich ist es geschafft und ich kann den Heimrechner mausdrückend herunterfahren. Zur Belohnung genehmige ich mir jetzt ein eisgekühltes Budweiser und setze mich gemütlich auf das Sofa - das tut gut. Bei dieser Gelegenheit erblicke ich Sandra im Garten und bemerke, dass das Kind in einem knappen Bikini auf der Wiese liegt - wie unlöblich. Ich rufe die Maid umgehend zur Ordnung und erinnere sie daran, dass dieses unzüchtige Verhalten womöglich meinem Ruf in der Nachbarschaft schaden könnte. Weil meine Besucherin nichts davon wissen will und nur abwinkt, wende ich mich ab und schaue etwas in die Flimmerkiste.
18.00 Uhr Redlichst informiert schalte ich den Flachbildfernseher aus und gehe nochmals auf die Terrasse, um Sandra hereinzurufen. Die Maid lässt sich nicht zweimal bitten und gibt zu Protokoll, dass sie jetzt eine Brotzeit zubereiten wird - wie schön.
18.30 Uhr Endlich ist es soweit und wir können uns eine schmackhafte Mahlzeit in Form von Käsebroten, Oliven, Gewürzgurken sowie Salat munden lassen. Sandra kommt aus dem Zungeschnalzen gar nicht mehr heraus und meint, dass der knackige Salat mit French Dressing (löblich: französische Sauce) ganz ausgezeichnet schmeckt - wie wahr.
19.00 Uhr Während wir eine Flasche Rotwein leeren, frage ich die Maid bezüglich ihrer Pläne für den Abend aus und erfahre, dass sie einen ruhigen Abend einlegen und im weltweiten Internetz segeln will - das soll mir Recht sein. Trotz allem fordere ich das Kind auf, mir nicht die ganze Arbeit aufzubürden, sondern in der Küche für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Ausnahmsweise folgt Sandra aufs Wort und erklärt sich bereit, die Spülmaschine einzuräumen - wie schön.
19.45 Uhr Nachdem mein Gast sich mit seinem Netbook (löblich: Netzbuch) ins Gästezimmer zurückgezogen hat, greife ich zur Hundeleine und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch das Wohngebiet.
20.15 Uhr Da die schwüle Hitze heute wieder kaum auszuhalten ist, kehren wir nach wenigen Minuten ins klimatisierte Haus zurück und lassen uns auf dem Sofa nieder. Um nicht ewig nach rentner- und hundegerechten Fernsehformaten suchen zu müssen, schiebe ich kurzerhand eine DVD der 1980er Jahre Serie "Irgendwie und sowieso" ins Abspielgerät. In der Folge "Indien und Umgebung" werde ich Zeuge, wie die Protagonisten sich auf den Weg nach Asien machen. Wegen Sepps Flugangst endet die Reise jedoch anstatt in Indien, auf einer verschneiten Berghütte in den Alpen - wie aufregend.
21.15 Uhr Ein unterhaltsamer Abend geht zu Ende und ich schalte den Bildschirm knopfdrückend aus. Nachdem ich Hund Dixon noch geschwind durch den Garten geführt habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schlafe schon bald ein. Gute Nacht.


24.08.2010
07.15 Uhr Der Radiowecker geht an und ich kann es nicht glauben, dass der Urlaub meiner Verwandten heute schon zu Ende geht. Um den Kindern ein extraordinäres Frühstück in Julies Restaurant zu ermöglichen, klopfe ich an die Gästezimmertüre und lasse Sandra 
wissen, dass wir gleich zum Gasthaus unseres Vertrauens fahren werden. Die Besucherin aus Bayern weiss Bescheid und erwidert, dass sie sofort mit Amanda telefonieren und alles weitere besprechen wird - das kann mir nur Recht sein. 
07.45 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik auf der fliegenvergitterten Terrasse absolviert habe, entspanne ich mich bei einem löblichen Wirbelbad. Wie es sich für einen interessierten Rentner gehört, lausche ich dem Internetzradioprogramm aus meiner weissblauen Heimat und vernehme, dass heute vor 157 Jahren die Kartoffelchips erfunden wurden. Die Köstlichkeit wurde vermutlich im Jahre 1853 von einem Koch des "Moon Lake Lodge Hotels" in Sarasota Springs, NY zum ersten Mal zubereitet, weil sich ein Gast wiederholt über zu üppige Bratkartoffeln beschwert hatte. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schnitt der Koch einen Erdapfel in hauchdünne Scheiben und machte es sich zur Aufgabe, die Kartoffelschnipsel im heissen Fett herauszubraten. Wie nicht anders zu erwarten, fanden die "Sarasota Chips" bei den Gästen grossen Anklang und der Erfinder fasste den Entschluss, seine Kreation in ganz Neuengland bekannt zu machen. 50 Jahre später kaufte der Industrielle Herman Lay die Idee und konzipierte eine Schälmaschine, mit der es auch möglich war, die Kartoffeln automatisch zu schneiden und zu würzen - das ist phantastisch. 
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten beende ich das Badevergnügen und treffe Sandra in der Küche an. Die Maid nippt genüsslich an einer Teetasse und behauptet, dass wir James, Amanda und den kleinen David gegen halb 10 in Julies Restaurant treffen werden. Ferner deutet Sandra zum Fenster und meint, dass sie auch Frau Pontecorvo eingeladen hat.
09.00 Uhr Wenig später sitzen wir im JEEP und rasen bei stimmungsvoller Radiomusik in Richtung Vanderbilt Beach Road davon. Während die aus Los Angeles stammende Combo Los Lobos ihren Hitparadenerfolg "The Lady and the Rose" (löblich: Die Frau und die Rose) trällert, gibt sich meine Nachbarin deprimiert und sagt, dass der Urlaub meiner Verwandten viel zu schnell vorüber gegangen ist. Sandra schlägt in die gleiche Kerbe und merkt an, dass sie ebenfalls in vierzehn Tagen das Ränzlein schnüren und nach Hause fliegen muss. Ich falle dem unterbelichteten Kind ins Wort und stelle klar, dass ich kurz darauf auf grosse Reise gehen und mit Prof. Kuhn und Hund Dixon quer durchs Land fahren werde - das wird ein Spass. Frau Pontecorvo will es nun genau wissen und lotet aus, ob ich die Idee nicht verwerfen und doch zum Oktoberfest nach München ausfliegen möchte. Ich schüttle entschieden den Kopf und gebe bekannt, dass ich keine Lust habe, meinem kriminellen Neffen Guido zu begegnen. 
09.30 Uhr Pünktlich auf die Minute treffen wir in Julies Restaurant ein und finden die jungen Menschen an einem einladenden Fenstertisch vor. Ich begrüsse die Kinder besonders herzlich und setze mich neben David (bald 5). Nebenbei bestelle ich ein Frühstück und sichere zu, ausnahmsweise für Speis und Trank aufzukommen. 
10.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, löchere ich James mit Fragen und bringe heraus, dass die Kinder in zehn Stunden abfliegen und morgen Mittag auf dem "Franz Josef Strauss Flughafen" im Erdinger Moos landen werden. Mein löblicher Neffe seufzt ohne Unterlass und sagt, dass er mit Amandas Mitarbeiterin Simone telefoniert und die Dame gebeten hat, zur besagten Uhrzeit am Flughafen zu sein. Zudem erfahre ich, dass Amanda ab Mittwoch wieder in ihrem Geschäft stehen und Donuts an hungrige Kunden verkaufen wird. Die Gewerbetreibende ist alles andere als begeistert und wirft ein, dass sie die Ferien am liebsten um mehrere Wochen ausdehnen würde. HEUREKA - leider kann man im Leben nicht alles haben. 
10.30 Uhr Nachdem ich mein Kreditartenkonto mit einem stattlichen Sümmchen belastet habe, folge ich meinen Liebsten auf den Parkplatz und höre, dass sie nun im Ferienhaus für Sauberkeit sorgen wollen. James ruft mich auf, gegen halb Drei in den Lowbank Drive zu kommen. Ich nicke eifrig und klopfe dem Buben aufmunternd auf die Schulter. Im Anschluss helfe ich Hund Dixon in den JEEP und trete entspannt die Heimfahrt an.
11.00 Uhr Wieder zurück im klimatisierten Eigenheim, kredenze ich dem ausgehungerten Haustier eine Extraportion ROYAL CANIN Trockenfutter. Ausserdem stelle ich eine Pfanne aufs Cerankochfeld und gebe zu Protokoll, dass ein kleines Mittagessen nicht schaden kann. Sandra verdreht die Augen und meint, dass sie abnehmen muss und auf eine weitere Mahlzeit verzichten wird. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und schlage zwei Eier in die Pfanne - wie gut das duftet. 
11.30 Uhr Wenig später kann ich es mir auf der Terrasse bequem machen und die Brotzeit im Beisein meines bettelnden Hundes verzehren. Unterdessen lasse ich meinen Blick über den künstlich angelegten Teich schweifen und sehe, wie die handzahme Echse Billy aus dem trüben Wasser schnellt und nach einem Vogel schnappt. HEUREKA - diese Idylle muss man erlebt haben. 
12.15 Uhr Nach der schweisstreibenden Hausarbeit falle ich schnaufend aufs Kanapee und strecke genüsslich die Beine aus. Nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum vor meiner Immobilie im Waldweg 11 stehen. 
13.15 Uhr Leider wird mein Nickerchen nach wenigen Minuten durch das aggressive Schellen der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) gestört. Zu meiner Freude meldet sich der kleine David und berichtet, dass er soeben die Nintendo Wii Spielkonsole in einen Koffer geworfen hat. Als ich antworten möchte, reicht der Frechdachs den Hörer an seine Mutter weiter. Amanda begrüsst mich freundlich und erinnert daran, dass wir in sechzig Minuten zum Flughafen fahren müssen. Natürlich beruhige ich das Kind und entgegne, dass ich den Termin nicht vergessen habe. Immerhin bin ich noch längst kein seniler alter Depp, dem man alles dreimal sagen muss. 
13.45 Uhr Bevor ich die Kinder zum Flughafen kutschiere, leiste ich Sandra auf der Terrasse Gesellschaft und erkundige mich, was sie während meiner Abwesenheit machen wird. Die Maid grinst mich frech an und erläutert, dass sie sich den Nachmittag mit Tschätten vertreiben wird. Sandra deutet zum Heimrechner und sagt, dass Bärbel versprochen hat, ab 20 Uhr Anschnur zu sein und die Internetzkamera in Betrieb zu nehmen. Kopfschüttelnd öle ich meine trockene Kehle mit einem Schluck Coca Cola und bemerke, dass ich von technischen Begriffen wie VoIP und diversen Channels (löblich: Kanäle) im MirC Netzwerk keine blassen Schimmer habe.
14.00 Uhr Nun ist aber die Zeit gekommen, um meine Verwandten zum Flughafen zu bringen. Ich erhebe mich ächzend von der Hollywoodschaukel und beauftrage den Hausgast, während der kommenden Stunden ein Auge auf Dixon zu werfen. Danach ziehe ich mir die NY YANKEES Kappe ins Gesicht und eile zum PS-strotzenden Geländewagen. 
14.30 Uhr Zur verabredeten Zeit komme ich vor dem Ferienhaus meines Bruders zum Halten und erkenne mit geschultem Auge, dass James sechs Koffer und zwei Reisetaschen vor dem Haus deponiert hat. Kopfschüttelnd laufe ich in die gute Stube und finde meine Liebsten kühlschrankauswischend in der Küche vor. Amanda schimpft am laufenden Band und kündigt an, dass sie vor der Abfahrt noch duschen muss - das kann ja heiter werden. Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, nehme ich David huckepack und helfe seinem Vater, das Reisegepäck zum Auto zu tragen. Der junge Mann lässt kein gutes Haar an seiner Ehefrau und unkt, dass er bestimmt in den Fokus der Münchner Zollbeamten geraten wird. Der Bube wuchtet die schweren Gepäckstücke auf die Ladefläche und erzählt, dass Amanda zwölf Kleider, zwei sündteure RAY BAN Sonnenbrillen, Stöckelschuhe, Kleidung für David und sogar einen neuen IPod gekauft hat. HEUREKA - weil mir das Wohl der jungen Leute sehr am Herzen liegt, animiere ich James, am Münchner Flughafen sicherheitshalber durch den "roten Ausgang" zu gehen und die Waren zu deklarieren.
15.00 Uhr Nachdem ich mir dreissig Minuten die Beine in den Bauch stehen musste, ist Amanda endlich abfahrbereit. Ich lasse den Motor aufheulen und bringe den Geländewagen augenblicklich auf die Interstate 75. 
15.45 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten passieren wir das Willkommensschild des Internationalen Flughafens von Fort Myers und können das KFZ sicher abstellen. Danach verfrachten wir die Koffer auf einen Transportwagen und eilen mit schnellen Schritten zum AIR BERLIN Schalter, um die Pässe einer deutschsprachigen Mitarbeiterin zu überreichen. Frau Ilona (36) freut sich und lotet aus, ob der kleine Junge am Fenster sitzen möchte. 
16.30 Uhr Nach langem Hin und Her können wir endlich die Einsteigekarten in Empfang nehmen. James gibt sich erleichtert und lotst uns spornstreichs zum SBARRO Gasthaus in der Ebene C. Dort angekommen, nehmen wir an einem Tisch mit Ausblick auf die Landebahn Platz und lassen uns süffige Dr. Pepper Limonaden sowie "Spinach, Broccoli & Tomato" (löblich: Spinat, Brokkoli und Tomaten) Pizzas schmecken.
17.00 Uhr Während des Abendessens lässt James den dreiwöchigen Urlaub in allen Facetten Revue passieren und sagt, dass sein nächster Amerikaaufenthalt nicht lange auf sich warten lassen wird. Amanda reibt sich die Hände und bestätigt, dass ihr Ehemann im November nach Nashville kommen und mit seiner Bande "Northstar" eine neue Kompaktscheibe einspielen wird - das ist prima. 
17.30 Uhr Langsam wird es Zeit, die Kinder ans Abflugtor zu bringen und sie zu verabschieden. Ich nehme David an die Hand und spaziere in James und Amandas Gesellschaft zur Sicherheitsschleuse. Ich schliesse die jungen Leute zum Abschied in meine Arme und lasse mir zusichern, dass wir morgen telefonieren werden. Danach winke ich der kleinen Familie hinterher und werde Zeuge, wie die jungen Menschen im Getümmel der Reisenden verschwinden. Danach mache ich kehrt und laufe ganz schnell zum Auto zurück.
18.15 Uhr Als der Minutenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf Viertel nach Sechs zugeht, komme ich mit quietschenden Bremsen vor meiner Villa zum Stehen. Hund Dixon springt vor Freude auf und ab und nimmt sich das Recht heraus, mir mit der nassen Zunge übers Gesicht zu schlecken. Weil ich mich vor Müdigkeit kaum mehr auf den Beinen halten kann, setze ich mich ins klimatisierte Wohnzimmer und lasse mir von Sandra ein eisgekühltes Budweiser servieren. Das Kind fährt zudem eine kalte Platte mit Käse auf und sagt, dass wir uns heute einen gemütlichen Fernsehabend genehmigen sollten - das soll mir Recht sein. 
19.00 Uhr Nachdem ich mich erfrischt habe und in bequeme Freizeitkleidung geschlüpft bin, schalte ich den überdimensionalen Flachbildschirm ein und lasse beim sehenswerten Spielfilm "An American Crime" (löblich: Eine amerikanische Straftat) auf HBO die Seele baumeln. Während Sandra Kartoffelchips in sich hineinschaufelt, tauche ich in das traurige Leben der erst 14jährigen Sylvia Likens ein, die anno 1966 den Sommer bei einer Pflegemutter verbringen musste. Anstatt ihren Pflichten nachzukommen, zog es die verrückte Frau vor, das arme Kind in den Keller zu sperren und schwer zu misshandeln. Sandra macht grosse Augen und behauptet, dass diese Geschichte auf wahren Tatsachen beruht - wie schrecklich. 
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung flimmert der Abspann über den Bildschirm und wir lernen, dass die kleine Sylvia einen furchtbaren Tod erleiden musste. Gott sei Dank hat das Gericht harte Strafen ausgesprochen und die Pflegemutter sowie alle Mittäter zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 
21.30 Uhr Nachdem ich wehmütig in den sternenklaren Himmel geschaut und einen kleinen Gassigang durch den Garten unternommen habe, lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.


23.08.2010
07.15 Uhr Eine neue Woche fängt an und ich hüpfe voller Elan aus dem Bett, um die wichtige Morgengymnastik im Freien zu absolvieren. Während ich mit den Armen rudere und in den wolkenlosen Himmel schaue, kommt plötzlich Fernsehkoch Wayne Gregor daher und erzählt, dass er am Abend 
Gäste erwartet. Natürlich frage ich genauer nach und vernehme, dass der Kochprofi afrikanische Spezialitäten auftischen und Straussensteaks zaubern wird - wie unlöblich. Herr Gregor ist begeistert und fragt an, ob ich zum Essen vorbeikommen möchte. Weil ich besagtes Federvieh nicht leiden kann, schüttle ich den Kopf und erwidere, dass die Abschiedsfeier meiner Verwandten auf dem Programm steht. Mein Nachbar blickt traurig drein und animiert mich, im Laufe der Woche auf ein Bier vorbeizukommen - das soll mir Recht sein. 
07.45 Uhr Nachdem ich dem Heini einen schönen Tag gewünscht habe, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und stelle fest, dass Sandra schon wieder ein Seidenhöschen liegen gelassen hat. Schimpfend stosse ich die Gästezimmertüre auf und lasse die Besucherin wissen, dass ich auf Sauberkeit und Ordnung grössten Wert lege. Sandra gähnt in einer Tour und behauptet, dass sie müde ist und noch etwas schlafen möchte. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und entspanne mich bei einem Wirbelbad - das tut gut. 
08.00 Uhr Während ich mit dem Schwamm hantiere, fröne ich dem Internetzradioprogramm des BR und lerne, dass Gerhard Schröder heute vor 11 Jahren seine Arbeit als Kanzler am neuen Regierungssitz in Berlin aufgenommen hat. Wie jedes Kind weiss, zog es die Bundesregierung nach der Wiedervereinigung vor, mehrere Milliarden aus dem Fenster zu werfen und der Hauptstadt Bonn den Rücken zu kehren. Neben den immensen Kosten, die für den Umzug der Behörden aufgebracht werden mussten, sicherten die Politiker der Region Bonn ausserdem eine sogenannte "Ausgleichsmassnahme" in Höhe von 1,5 Milliarden EUROS zu. Von diesem Geld wurden Fachhochschulen, wissenschaftliche Fakultäten und ein internationales Kongresszentrum gebaut, welche meistens leer stehen - das ist typisch. 
09.00 Uhr Kopfschüttelnd beende ich die Morgenwäsche und nehme neben Sandra am reich gedeckten Küchentisch platz. Ich lasse mir das wichtigste Mahl des Tages munden und ärgere mich sehr, weil schon zur frühen Stunde das Telefon bimmelt. Als ich mir den Sprechapparat ans Ohr halte, meldet sich James und gibt zu Protokoll, dass der für morgen um 19.55 Uhr geplante Direktflug nach München bestätigt wurde. Mein Neffe seufzt in einer Tour und sagt, dass sein dreiwöchiger Urlaub viel zu schnell vergangen ist. Um dem Buben eine kleine Freude zu bereiten, bringe ich eine Abschiedsfeier ins Gespräch und zeige auf, dass ich mich nicht lumpen lassen und die Familie am Abend zu einer extraordinären Grillfeier erwarten werde. James ist hellauf begeistert und sichert zu, pünktlich um 17 Uhr auf der Matte zu stehen - das ist phantastisch. 
09.30 Uhr Voller Tatendrang leere ich den Kaffeebecher und zücke den Füllfederhalter, um einen ellenlangen Einkaufszettel zu verfassen. Ich notiere diverse Lebensmittel auf einem Blatt Papier und gebe Sandra zu verstehen, dass sie jetzt zum WINN DIXIE Einkaufsmarkt fahren muss, um Hackfleisch, Ketchup sowie Hamburgersemmeln zu besorgen. Das Kind straft mich mit skeptischen Blicken und mutmasst, dass ich mich währenddessen auf die faule Haut legen werde. Selbstverständlich erhebe ich den Zeigefinger und erkläre, dass von einem entspannten Vormittag keine Rede sein kann. Immerhin muss ich "Bob's Liquor Store" aufsuchen und eine Stange Geld für Getränke ausgeben. HEUREKA - diesen Stress hält nicht einmal der stärkste Rentner aus. 
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 deutet, helfe ich Hund Dixon in den JEEP und presche mit quietschenden Reifen in Richtung Immokalee Road davon. 
10.30 Uhr Wenig später betrete ich das Alkoholgeschäft meines Vertrauens und werde vom Inhaber händeschüttelnd begrüsst. Herr Bob rückt seine Baseballmütze mit BUDWEISER Aufdruck zurecht und fragt, ob mir das Bier ausgegangen ist. Ich nicke eifrig und erläutere, dass ich eine grosse Sause steigen lassen werde. Der nette Zeitgenosse schnalzt mit der Zunge und schlägt vor, dass ich den Gästen Langgetränke kredenzen könnte - das ist gar keine schlechte Idee. Herr Bob überreicht mir ein Buch mit 750 Cocktail Rezepten und sagt, dass in einer perfekt ausgestatteten Hausbar weder Grand Marnier, noch Pernod fehlen darf. Zudem verfrachtet der Schnapskenner eine Karaffe mit sündteurem Amaretto, Orangenbitter, Maraschino, Absinth, Gin sowie zwei Flaschen Rum in den Einkaufswagen. Als ich grosse Augen mache und mich schon im Schuldenturm sitzen sehe, führt mich der Mann weiter durchs Geschäft und nötigt mich, Orangen- und Zitronensaft, dunklen Rohrzucker, Tequila, Campari sowie Jack Daniels mitzunehmen. 
11.15 Uhr Nach geschlagenen fünfundvierzig Minuten stehe ich endlich an der Kasse und muss weit über 250 Dollars blechen - wie unlöblich. Herr Bob reibt sich die Hände und wünscht mir viel Vergnügen bei der Zubereitung der alkoholischen Getränke. 
11.30 Uhr Weil mein Magen laut knurrt, steuere ich nun eine McDonalds Schnellessgaststätte an und gebe am Drive Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter ein "Grilled Chicken Club Sandwich" (löblich: gegrilltes Hühnchen Vereinsbrot) mit Kartoffelstäben und eine grosse Diät Coca Cola für mich, sowie einen saftigen McDouble Burger für meinen tierischen Begleiter in Auftrag. Ich nehme die Brotzeit zungeschnalzend an und serviere dem Vierbeiner sein wohlverdientes Mittagessen. Danach lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und kruse direkt nach Hause. 
12.00 Uhr Als ich die Pforte zu meinem bescheidenen Eigenheim aufsperre, finde ich die Villa verlassen vor - wie schön. Weil sich Sandra immer noch im Supermarkt tummelt, strecke ich auf dem Sofa die Beine aus und lausche den stimmungsvollen Klängen auf meinem Lieblinsradiosender WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land). Leider wird der Müssiggang nach wenigen Augenblicken durch undefinierbare Geräusche gestört. Sandra stolpert tütenbepackt ins Haus und schimpft, weil der Supermarkt mit Rentnerehepaaren überfüllt war. Ausserdem hält mit das Kind zwei Pfund Halsgrad unter die Nase und fragt an, was es mit dem Fleisch machen soll. Augenrollend deute ich zur Küche und trage der Maid auf, die Köstlichkeiten im Kühlschrank zu lagern. 
12.30 Uhr Während sich Sandra in der Küche zu schaffen macht, schliesse ich die Augen und schlummere bald ein, um von James und Amandas Hochzeit im Mai 2004 zu träumen - das waren noch bessere Zeiten. 
13.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und ich bemerke beim Blick auf die Wanduhr, dass nun die Zeit gekommen ist, um der Anschnurseelsorge nachzukommen. Ich giesse köstlichen Bohnentrunk in eine Hahn und Henne Tasse und setze mich dann an den Schreibtisch, um Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher zu studieren. Unterdessen klappert Sandra mit den Töpfen und macht es sich zur Aufgabe, einen Nudelsalat vorzubereiten. Wie nicht anders zu erwarten, entdeckt das Mädchen auch die unzähligen Alkoholflaschen und erkundigt sich, ob ich in die Fussstapfen eines Charles Bukowski treten möchte. Ich zeige Sandra den Vogel und erkläre, dass ich ein seriöser Rentner bin und die Spirituosen nur gekauft habe, um am Abend als Langgetränkmischer zu fungieren. 
14.00 Uhr Nachdem Sandra nach draussen geeilt ist, um Holzkohle in den Grill zu schütten, nehme ich das Schreiben einer 81jährigen Münchnerin in Augenschein und bringe heraus, dass sich Frau Gmeinwieser von den marodierenden Jugendbanden in der Nachbarschaft bedroht fühlt. Die kleine Frau lässt kein gutes Haar an den vorlauten Mofabesitzern und schreibt, dass sie täglich mit den Rockern in Streit gerät. Wie es sich gehört, verfasse ich augenblicklich ein Antwortschreiben und rate, in einem unbeobachteten Moment die Tankdeckel der Knatterfahrräder zu öffnen und Würfelzucker hineinzuwerfen - das sollte den Ganoven eine Lehre sein. 
14.45 Uhr Zu guter Letzt sorge ich im elektronischen Gästebuch für Ordnung und freue mich über die neuesten Einträge. Allerdings muss ich feststellen, dass sich während der grossen Sommerferien besonders viele PISA Absolventen auf meine lehrreiche Internetzpräsenz verirren und hasserfüllte Depeschen hinterlassen - wie unlöblich. 
15.30 Uhr Nachdem ich das BKA informiert und Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe, fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter. Danach nehme ich die Schwarzbeere zur Hand und rufe spontan bei Edelbert an, um ihn über die Abschiedsfeier in Kenntnis zu setzen. Der schlaue Mann nimmt die Einladung an und sichert zu, Hunger mitzubringen - wie schön. 
16.00 Uhr Weil Sandra auch alleine die Vorbereitungen treffen kann, besuche ich Frau Pontecorvo im Nachbarhaus und lasse mir ein Kaltgetränk im klimatisierten Wohnzimmer kredenzen. Die Gute freut sich über meinen Besuch und möchte wissen, ob ich heute Abend grillen werde. Ich stimme uneingeschränkt zu und entgegne, dass ich mit den jungen Leuten Abschied feiern will. Frau Pontecorvo wird sogleich hellhörig und sagt, dass sie natürlich auch vorbeikommen wird - das soll mir Recht sein. 
16.45 Uhr Kurz vor dem Fünfuhrläuten erhebe ich mich vom Kanapee und laufe mit Frau Pontecorvo im Schlepptau nach nebenan, um Sandra zur Hand zu gehen. Just als ich Spiritus auf die Holzkohlen träufle und ein Feuer entfache, treffen auch schon die Gäste ein. Ich eile zum Auto und staune nicht schlecht, als Herr Wang aus James JEEP aussteigt und mir einen guten Abend wünscht. Der Motelbesitzer strahlt wie ein Honigkuchenpferd und sagt, dass er sich einen freien Tag gegönnt hat und gerne mitfeiern würde - wie schön. Gutgelaunt führe ich die netten Leute auf die fliegenvergitterte Terrasse und fahre durstlöschenden Schaumwein aus dem Hause Louis Roederer auf. Anschliessend bugsiere ich James zum Grill und fordere ihn auf, sein Können unter Beweis zu stellen. 
17.15 Uhr Während wir gemütlich zusammensitzen und den Urlaub der Kinder Revue passieren lassen, meldet sich plötzlich der kleine David zu Wort und sagt, dass er übermorgen seine Freundin Lisa (5) wiedertreffen wird. Ich gebe dem Buben recht und verspreche, dass ihn sein Vater bestimmt zum Spielplatz begleiten wird. 
17.45 Uhr Endlich ist es soweit und mein löblicher Neffe fährt vitaminreiche Hamburger mit Kartoffelstäbe aus dem Backrohr auf. Dazu kosten wir Sandras selbstzubereiteten Nudelsalat sowie herzhaftes Knoblauchbrot und Maiskolben vom Grill. Herr Wang kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und bietet James prompt einen Tschob in seiner neu eröffneten "Naples Manor Bar" an. Der gute Junge lehnt jedoch ab und bestätigt, dass er doch lieber auf musikalischen Pfaden wandern und mit seiner Combo "Northstar" die Hitparaden stürmen wird - wie schön. 
18.30 Uhr Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, laufe ich mit schnellen Schritten in die Küche und schlage die Cocktail Rezeptsammlung auf. Mit flinken Fingern überfliege ich die Inhaltsangabe und entschliesse mich, fruchtige Mai Tais zu mischen. Fachmännisch fülle ich 12 Zentiliter Cognac, 18 Zentiliter weissen Rum sowie die gleiche Menge an braunen Rum in den Schüttler (unlöblich: Shaker) und fülle das Zeug in sechs Gläser. Weil das Auge bekanntlich mittrinkt, garniere ich die Trinkgefässe mit gestossenem Eis, Cocktailkirschen aus dem Glas, lustigen Zitronenscheiben sowie farbenfrohen Strohhalmen - da kommt Freude auf. 
19.00 Uhr Langgetränkschlürfend lauschen wir dem abendlichen Konzert der Grillen und besprechen noch einmal den morgigen Abreisetag. James versorgt mich mit Fakten und sagt, dass wir uns gegen 15 Uhr auf den Weg nach Fort Myers machen und den Urlaub bei einem Abendessen in der flughafeneigenen SBARRO Gaststätte ausklingen lassen sollten - wie aufregend. 
20.00 Uhr Da morgen ein anstrengender Tag bevorsteht, heisst es nun Abschied nehmen. Ich bringe die Kinder und Herrn Wang zum Auto und stelle klar, dass wir morgen das Frühstück in Julies Restaurant einnehmen sollten. Bei dieser Gelegenheit kneife ich David in die Wange und fordere ihn auf, nicht traurig zu sein. Spätestens an Weihnachten werden wir uns wiedersehen. 
20.45 Uhr Nachdem ich die Küche auf Vordermann gebracht und Frau Pontecorvo redlichst verabschiedet habe, falle ich fix und fertig aufs Sofa und drücke mich zum Abschluss des langen Tages durch die unzähligen Satellitenprogramme. Nebenbei trinke ich in Sandra Gesellschaft einen weiteren Mai Tai und registriere, dass der Trunk mit einem herben Abgang überzeugen kann. Sandra weiss es wie immer besser und meint, dass ich morgen mit einem dicken Schädel aufwachen werde - papperlapapp.
21.30 Uhr Nach einer eiskalten Dusche und einem Gassigang durch den Garten gehe ich ins Bett und schlafe auch sofort ein. Gute Nacht. 


22.08.2010
Hi Fans,

wie ihr vielleicht wisst, war ich gestern Abend mit Herrn Wangs Tochter Carol und John Avanzatti im Kino. Wir haben uns "Piranha 3D" mit Supermodel Kelly Brook in der Hauptrolle angeschaut. Im Remake des Horror-Klassikers von 1978 geht es um eine Gruppe junger Leute, die ausgelassen eine Spring Break Party am Lake Victoria feiern. Dummerweise kam wenige Tage vorher ein Schwarm prähistorischer Piranhas bei einem Unterwasserbeben frei. Ich könnt euch sicher denken, dass sich das Wasser bald blutrot färbte :-)

Mein Fazit zum Film lautet: 90 Minuten zum Abgewöhnen !!! Wer auf Gänsehaut steht, sollte zum 30 Jahre alten Original greifen. Die Neuverfilmung kann man sich getrost schenken. 

Am Strand waren wir heute Nachmittag übrigens auch.
Pfaffi hat uns zum "Lowdermilk Park" kutschiert und Eisbecher in einer TIKI BAR spendiert. Ausserdem haben wir im Golf gebadet und mit David eine Sandburg gebaut. Der Ausflug war richtig lustig und wir hatten einen Heidenspass.

Leider müssen Amanda und James am Dienstag ihre Koffer packen und nach Hause fliegen. Die letzten drei Wochen sind wie im Flug vergangen. Aber unser Wiedersehen wird nicht lange auf sich warten lassen. Mein Heimflug steht nämlich auch schon in 16 Tagen auf dem Programm :-(

Ansonsten gibt es nichts interessantes zu erzählen, nur dass mir die Musik von Arcade Fire langsam auf die Nerven geht. Die Band aus Kanada hat vor vier Wochen ein neues Album namens "The Suburbs" veröffentlicht. Die gleichnamige Singleauskopplung läuft seitdem im Radio rauf und runter :-()

  So, das soll es für diese Woche gewesen sein.
  Ich schicke euch die besten Grüsse über den Atlantik
  Sandra Corte


21.08.2010
Hallo Tagebuchleser und Leserinnen :-),

gestern stand Shopping auf dem Programm.

Mit meinem Vermieter, James, Amanda und David habe ich die Mall on Venetian Bay besucht und viel zu viel Geld ausgegeben. Im HT Chittum Shop hab' ich mir eine Skinny Cargo Hose gekauft und ausserdem mehrere Joe's Jeans Kayla Tees anprobiert. Die Shirts waren mir aber zu teuer. Deswegen haben wir uns auch im Crazy Gecko Geschäft umgeschaut und die gleichen Hemden im Sonderangebot entdeckt. Pfaffenberg hat der Ausflug gar nicht gefallen. Er wollte sich partout nicht die Beine in den Bauch stehen und hat sich mit David aus dem Staub gemacht. Amanda war ganz schön sauer, als wir die beiden nach einer halben Stunde in einer Eisdiele gefunden haben. 

Nach dem Mittagessen im "MiraMare" hatte Pfaffenberg die Schnauze voll und ist nach Hause gefahren. Wir waren noch den ganzen Nachmittag in der Mall und haben das neue IPad ausprobiert und CDs gekauft. In Amerika kann man viele Schnäppchen ergattern. Besonders billig sind Musikalben, Sonnenbrillen, Elektroartikel und natürlich Klamotten. Aber zu viel darf man auch nicht einkaufen, denn die europäischen Zöllner sind sehr streng und haben die Möglichkeit, einem ziemlich hohe Strafen aufzubrummen. Ich werde aus diesem Grund in der nächsten Woche zur Post fahren und ein Paket auf die Reise schicken :-)

Heute wollten wir eigentlich zum Lowdermilk Park fahren. Aber David hat sich nicht wohl gefühlt. Deswegen haben wir den Ausflug auf Morgen verschoben. Ich denke, dem Kleinen wird es am Sonntag wieder besser gehen. 

Jetzt geht's ab ins Kino.
Carol hat zwei Karten für die Premiere des Horrorschockers "Piranha 3D" ergattert und mich eingeladen. 

  Ich wünsche euch bis Morgen alles Gute. 
  Sandra


20.08.2010
07.30 Uhr Ich werde durch das aggressive Bimmeln der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) geweckt und stelle mit Schrecken fest, dass ich verschlafen habe. Gähnend nehme ich das Schnurlostelefon zur Hand und freue mich, David (bald 5) dran zu haben. Der Kleine 
redet ohne Unterlass auf mich ein und behauptet, dass seine Eltern Judies Restaurant besuchen und anschliessend nach "Venedig" fahren wollen. Ich belehre den Buben eines Besseren und lege anschaulich dar, dass es nicht "Judies" sondern "Julies" heissen muss. Ausserdem gebe ich zu Protokoll, dass seine Eltern nicht nach Venedig, sondern zum "The Village on Venetian Bay" (löblich: Die Stadt an der venezianischen Bucht) Einkaufsparadies gehen werden. Bevor ich mich versehe, beendet der Junge das Gespräch und ich habe nur noch ein Tuten im Ohr - das ist wieder typisch. 
08.00 Uhr Nachdem ich Sandra geweckt und dem Hund übers Fell gestreichelt habe, entspanne ich mich bei einem Wirbelbad. Um stets auf dem Laufenden zu bleiben, lausche ich dem Internetzradioprogramm aus meiner weissblauen Heimat und finde heraus, dass in Pakistan aufgrund einer verheerenden Flutkatastrophe fast 4,6 Millionen Menschen obdachlos geworden sind. Ein Sprecher des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe rechnete in diesem Zusammenhang vor, dass das Land mindestens 460 Millionen Dollars für den Wiederaufbau benötigt. Ausserdem geht die UNO fest davon aus, dass die Überschwemmung für eine noch nie da gewesene Cholera- und Typhus-Epidemie sorgen wird. Obwohl ich armen Menschen stets gerne unter die Arme greife, werde ich in diesem Fall keinen CENT spenden. Wie jedes Kind weiss, verschleudert der Islamische Staat Jährlich mehrere Milliarden Dollars für sein zwielichtiges Atomprogramm. Zudem halten es die Machthaber für nötig, Unsummen für den Bau von Moscheen und luxuriösen Regierungsgebäuden aus dem Fenster zu werfen. Anstatt die internationale Gemeinschaft um Hilfsgüter anzubetteln, wären die Mohammedaner besser beraten, eigene Mittel bereitzustellen und die Armee in die Krisenregion zu entsenden.
09.00 Uhr Um die jungen Leute nicht warten zu lassen, scheuche ich Sandra und Hund Dixon zum Jeep und schicke mich an, mit durchdrehenden Reifen aus der Garage zu preschen. Ich schlängle mich in einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt durch den Vormittagsverkehr und lasse meine Begleiter wissen, dass wir nach dem wichtigsten Mahl des Tages ordentlich abschoppen werden. Sandra macht grossen Augen und erwidert, dass sie sich nach einer neuen Sonnenbrille und Flip Flops umsehen wird - das soll mir auch Recht sein. 
09.30 Uhr Pünktlich auf die Minute treffen wir im Gasthaus unseres Vertrauens ein und werden von Kellnerin Peggy zu einem einladenden Fenstertisch mit Ausblick geführt. Ich wünsche meinen Verwandten einen guten Morgen und lasse mich erschöpft neben James nieder. Mein löblicher Neffe nippt genüsslich an einem Becher Bohnentrunk und bestätigt, dass er heute die Spendierhosen angezogen hat und seine Liebsten mit Geschenke überhäufen wird. Ich werde sogleich hellhörig und gebe dem jungen Mann zu verstehen, dass mir eine neue WRANGLER Tschiens gut stehen würde. Leider straft mich der Bube mit skeptischen Blicken und erklärt, dass er lediglich seiner Ehefrau und seinem Sohn etwas kaufen wird. HEUREKA - das ist also der Dank für alles. Trotz der schlechten Nachrichten bleibe ich freundlich und ordere bei der Wirtin ein grosses Frühstück. 
10.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, löchere ich Amanda mit Fragen und lote aus, ob wir am Wochenende einen Ausflug unternehmen wollen. Die junge Frau zuckt mit den Schultern und meint, dass sie die letzten Urlaubstage in vollen Zügen geniessen möchte. Weil ich Südflorida wie meine Westentasche kenne, falle ich dem Kind ins Wort und unterbreite, dass wir das schöne Wetter ausnutzen und den "Lowdermilk Beach Park" ansteuern könnten. Um den Leuten einen genaueren Einblick zu ermöglichen, komme ich auf den wunderschönen Sandstrand zu Sprechen und zeige auf, dass man dort auch Tretboote mieten kann. James ist begeistert und sagt, dass wir morgen in aller Frühe losfahren und uns einen super Tag am Meer machen sollten - wie aufregend.
11.00 Uhr Nachdem wir die Teller geleert haben, übernimmt James freundlicherweise die Rechnung. Ich wünsche Frau Julie gute Geschäfte und folge den Kindern spornstreichs nach draussen. Während ich in den JEEP einsteige und die Klimaanlage auf die höchste Stufe einstelle, fordert mich mein Neffe zu einem Rennen heraus. Ich lasse den Motor aufheulen und teile meinem Verwandten mit, dass er keine Schanze hat. Ich presche ruckzuck gen Süden davon und schaffe es ohne grössere Schwierigkeiten, als erster den Tamiami Trail zu erreichen. Sandra krallt sich währenddessen am Beifahrersitz fest und unkt, dass wir alle im Krankenhaus landen werden - papperlapapp. 
11.30 Uhr Dreissig Minuten später lasse ich den PS-strotzenden Geländewagen in der Tiefgarage des Einkaufszentrums ausrollen. Wenig später treffen auch die Kinder ein und wir können im Aufzug nach oben fahren. Bei angenehmen 82°F (28°C) schlendern wir an den unzähligen Geschäften vorbei und sehen uns plötzlich mit einem Pantomimen konfrontiert, der augenscheinlich nichts Gutes im Schilde führt. Als der Heini meinen lässigen Gang imitiert, balle ich die Fäuste und fordere den Clown auf, keine Spässe auf Kosten anderer zu machen - wo kämen wir denn da hin. Nachdem ich dem Penner eine Tracht Prügel angedroht habe, gehen wir ins "HT CHITTUM & CO" Kaufhaus und nehmen die aktuelle Sommermode in Augenschein.
12.15 Uhr Während die jungen Leute Klamotten anprobieren, nehme ich mit David auf einer Bank platz und animiere ihn, Hund Dixon zu streicheln. Das Kleinkind will jedoch nicht hören und bittet mich, ihm ein Eis zu spendieren. Weil mir Davids Wohl sehr am Herzen liegt, verlassen wir den Saftladen und kehren ins benachbarte Eiskaffee ein. Ich zeige mich spendabel und bestelle bei einem hochnäsigen Kellner einen lustigen Kindereisbecher für den Buben sowie eine Dose Diät Coca Cola für mich - das schmeckt.
12.45 Uhr Als wir die Seele baumeln lassen und das eiskalte Schmankerl verzehren, poltert Amanda zur Türe herein. Die Maid schimpft wie ein Bierkutscher und behauptet, dass sie sich sehr grosse Sorgen gemacht hat. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, hinterlege ich einige Scheine auf dem Tisch und lotse Amanda in die "Aqua Beach Wear" Filiale. Während sich die Frau am Schuhregal tummeln, wende ich mich James zu und stelle klar, dass ich gleich verdursten werde. Mein löblicher Neffe schlägt in die gleiche Kerbe und kündigt an, dass wir als nächstes das Italiengasthaus "MiraMare" aufsuchen werden - wie schön. 
13.30 Uhr Tütenbepackt laufen wir in die neu eröffnete Gaststätte und werden von einem Ober im Anzug begrüsst. Der Italiener überreicht uns die Tageskarten und möchte wissen, ob wir ein Aperitif bevorzugen. Weil meine Kehle ganz ausgetrocknet ist, bestelle ich kurzerhand ein süffiges Budweiser sowie eine Pizza Tricolore. Der Knecht verschwindet prompt in der Küche und fährt nach wenigen Minuten die beste Pizza auf, die ich je auf dem nordamerikanischen Kontinent gegessen habe. Meine Tischnachbarn vertreten die gleiche Meinung und sagen, dass der Koch ein echter Artist des Kochlöffels sein muss - wie wahr. 
14.15 Uhr Nach dem opulenten Mittagessen reibe ich mir den Bauch und gebe bekannt, dass ich jetzt nach Hause fahren und einen ruhigen Nachmittag in der Villa einlegen werde. Anstatt mich zu begleiten, zieht es Sandra vor, weiter durch das Schoppingcenter zu flanieren und viel Geld aus dem Fenster zu werfen. Trotzdem bleibe ich bei meiner Entscheidung und kehre winkend zum JEEP zurück.
15.00 Uhr Endlich bin ich wieder daheim und kann mich auf dem bequemen Wohnzimmersofa zur Ruhe betten. Während sich das Haustier über seine Trockenfuttermahlzeit hermacht, schliesse ich die Augen und träume von meiner letzten Kulturreise in die Millionenmetropole Rom - wie schön.
16.00 Uhr Gerade als mich im Traum vor der Engelsburg stehen sehe, stupst mich Dixon mit seiner nassen Schnauze an und schielt verstohlen in Richtung Terrassentüre. Selbstverständlich richte ich mich sofort auf und lasse den Vierbeiner hinaus. Zu meiner Freude treffe ich Fernsehkoch Wayne Gregor mit Pudel Max am künstlich angelegten Teich an und vernehme, dass der Koch vorgestern aus Los Angeles zurückgekehrt ist. Mein Nachbar lässt kein gutes Haar an seinem geldgierigen Verleger und sagt, dass er während der letzten Wochen viele Lesungen im ganzen Land halten musste. Mein Gegenüber gibt sich erleichtert und erklärt, dass er jetzt einen kleinen Urlaub einlegen und das Leben im Sonnenscheinstaat in vollen Zügen geniessen wird - das ist prima. 
16.30 Um Im Anschluss setze ich mich an den Schreibtisch und segle auf meine beliebte Heimseite. Auch heute beantworte ich Fragen besorgter Heimseitenbesucher und sehe mich gezwungen, einer alleinerziehenden Mutter aus dem Schwarzwald klarzumachen, dass gewaltverherrlichende Heimrechnerspiele für Jugendliche unter 21 Jahren nicht geeignet sind. Ferner überprüfe ich die neuen Einträge im elektronischen Gästebuch und freue mich über viele Zuschriften.
17.15 Uhr Als alles abgearbeitet ist, fahre ich den leistungsstarken Heimrechner mausdrückend herunter. Während ich an einer eisgekühlten Budweiserflasche nippe, stelle ich einen Topf aufs Cerankochfeld und zaubere im Minutenschnelle ein vitaminreiches Nudelgericht mit Pesto aus dem Glas - wie gut das duftet.
18.00 Uhr Ich lasse mir die nahrhafte Mahlzeit in Gesellschaft des Haustieres auf der Terrasse munden und werde Zeuge, wie James JEEP mit quietschenden Bremsen vor der Villa zu Halten kommt. Sandra hüpft ausgelassen vom Rücksitz und schleppt gut ein Dutzend Papiertüten ins Haus. Als ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage, beruhigt mich die Maid redlichst und rechnet vor, dass sie lediglich 250 Dollars für Converse Turnschuhe, Blautschiens und T-Hemden ausgegeben hat - wie unlöblich.
18.30 Uhr Weil es mir im Freien zu heiss ist, kehre ich ins klimatisierte Wohnzimmer zurück und schalte die Flimmerkiste ein. Zudem schiebe ich einen Datenträger ins DVD Laufwerk und erfreue mich an den Abenteuern des Monaco Franze. In der Ausgabe "Der Herr der sieben Meere" trifft der ewige Stenz eine ehemalige Freundin wieder und muss erkennen, dass die fesche Lilly mittlerweile ein Kind von einer anderen Faschingsbekanntschaft bekommen hat - das ist ja allerhand. 
21.00 Uhr Nach drei weiteren Folgen geht der heitere Ausflug in die bayerische Landeshauptstadt leider zu Ende. Ich gähne laut und ziehe es vor, die Fernbedienung an Sandra weiterzureichen. Nachdem ich sämtliche Fenster und Türen verschlossen habe, lege ich mich schlafen und ärgere mich sehr, weil ich in diesem Jahr nicht das Oktoberfest besuchen kann. Gute Nacht.


19.08.2010
07.15 Uhr Der 231. Tag des gregorianischen Kalenders beginnt und ich erinnere mich, dass Frau Pontecorvo heute ihren Geburtstag feiert. Um meiner Nachbarin eine kleine Freude zu bereiten, hüpfe ich aus dem Bett und mache mich daran, den schönsten Anzug aus 
dem Schrank zu holen. Danach führe ich die Morgengymnastik auf der fliegenvergitterten Terrasse durch und lasse Hund Dixon wissen, dass wir gleich nach nebenan gehen und dem Geburtstagskind die besten Glückwünsche übermitteln werden.
07.45 Uhr Nachdem ich meine eingerosteten Muskeln gestählt habe, nehme ich ein sprudelndes Wirbelbad. Nebenbei folge ich dem Internetzradioprogramm des BR und lerne, dass die Tageszeitung "New York Herald" just heute vor 162 Jahren zum ersten Mal über Goldfunde in Kalifornien berichtet hat. Daraufhin entschlossen sich viele Abenteurer aus allen Teilen des Landes, nach Westen zu ziehen und ihr Glück als Goldsucher zu finden. Diese Menschen wurden "Forty-Niners" (löblich: Neunundvierziger) genannt und sorgten dafür, dass sich die Bevölkerung Kaliforniens innerhalb von nur 12 Monaten fast verfünffachte. In Folge dessen strömten auch unzählige Chinesen ins Land und schufteten in den Claims der Sierra Nevada - wie aufregend.
08.45 Uhr Als ich mich vor dem Spiegel einfinde und mir eine hellblaue Krawatte umbinde, pocht Sandra an die Türe und erkundigt sich, ob wir in Julies Restaurant frühstücken wollen. Ich falle dem Mädchen sogleich ins Wort und informiere, dass wir jetzt Frau Pontecorvo besuchen werden. Sandra reibt sich die Hände und sagt, dass wir die Gelegenheit beim Schopf packen und im Nachbarhaus das wichtigste Mahl des Tages einnehmen sollten - wie schön. 
09.15 Uhr Ausgestattet mit einem farbenfrohen Blumenstrauss und dem schönen Tierkalender aus dem PUBLIX Einkaufsmarkt laufen wir nach nebenan und betätigen die Klingel. Frau Pontecorvo lässt nicht lange auf sich warten und ist überrascht, schöne Geschenke überreicht zu bekommen. Als Kavalier der alten Schule begrüsse ich die Frau per Handkuss und gebe ihr zu verstehen, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, ihr ein Präsent zu überreichen. Die Gute winkt uns freudig herein und sagt, dass Prof. Kuhn auch schon angerufen und sich zum Frühstück eingeladen hat - das ist wieder typisch. 
09.45 Uhr Wenig später kommt Edelberts schneeweisser JEEP vor dem Anwesen zum Stehen und wir können uns endlich an die Tafel setzen und echten Bohnenkaffee sowie hausgemachte Eierkuchen geniessen. Unterdessen präsentiert der schlaue Mann zwei Eintrittskarten für das örtliche Theater und sagt, dass es ihm eine Ehre wäre, Frau Pontecorvo am 11. November zum Konzert der "Doobie Brothers" begleiten zu dürfen. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben. Anstatt in schallendes Gelächter auszubrechen, freut sich Frau Pontecorvo und gibt zu Protokoll, dass besagte Combo zu ihren Favoriten zählt. Um dem Professor in nichts nachzustehen, erhebe ich den Zeigefinger und erkläre, dass wir am Mittag ausgehen und uns auf Sandras Kosten die Bäuche voll schlagen werden. Das Geburtstagskind ist begeistert und erwidert, dass wir Sushi im neu eröffneten "Mr. Wok's Restaurant" am Tamiami Trail essen könnten. Obwohl ich Bedenken anmelde und klarstelle, dass ich gekochte Kuh rohem Fisch vorziehe, wollen meine Bekannten nicht auf mich hören - das ist typisch. 
10.30 Uhr Während Frau Pontecorvo die Kaffeebecher auffüllt, greife ich spontan zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe bei James an. Der gute Junge meldet sich nach dem zweiten Schellen und teilt mir auf Anfrage mit, dass er sich mit seinen Liebsten in Punta Gorda tummelt. Weil ich über alles informiert sein will, frage ich nach und bringe in Erfahrung, dass die Kinder den "History Park" (löblich: Geschichtspark) besichtigen und hinterher ein TIKI Bar am Peace River ansteuern wollen. Natürlich bringe ich meine Tagesaktivitäten ins Spiel und entgegne, dass ich gleich das Vergnügen haben werde, Edelbert, Sandra und meine Nachbarin in ein Sushilokal zu begleiten. Mein löblicher Neffe kennt meinen Geschmack und wünscht mir spöttisch einen guten Appetit - wie unlöblich.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten leeren wir die Sektkelche und fassen den Entschluss, einen Tisch im Fischrestaurant zu reservieren. Weil es mir nicht möglich sein wird, Hund Dixon mitzunehmen, eile ich mit dem Vierbeiner im Schlepptau zum Eigenheim von Familie Crane und beauftrage die ehemalige Eiskunstläuferin, während der Mittagszeit auf das Haustier Acht zu geben. Wie nicht anders zu erwarten, nimmt die nette Frau die Hundeleine mit Freude an und sichert zu, Dixon wie ihren Augapfel zu hüten. Ich bin erleichtert und antworte, das ich Frau Pontecorvo zu "Mr. Wok's Restaurant" begleiten muss und in spätestens zwei Stunden zurück sein werde. Frau Crane ist der Meinung, dass es bei schweisstreibenden 90°F (32°C) nicht ratsam ist, rohen Fisch zu verzehren - wie wahr.
12.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Autofahrt in Prof. Kuhns Geländewagen treffen wir vor der Wirtschaft ein und können das KFZ sicher am Seitenstreifen parken. Ich folge meinen Bekannten skeptisch in das Chinarestaurant und staune nicht schlecht, als uns ein kleinwüchsiger Chinese mit Sprachfehler recht herzlich Willkommen heisst. Der gelbe Mann führt uns an den Tresen und serviert als kleine Aufmerksamkeit grüne Kaltgetränke, die aus Seetang hergestellt wurden. HEUREKA - diesen Dreck muss man probiert haben. 
12.30 Uhr Kopfschüttelnd nehme ich die Speisekarte in Augenschein und registriere, dass hier ausschliesslich Rohkost feilgeboten wird. Während meine Freunde aus dem Zungeschnalzen gar nicht mehr herauskommen, fasse ich mir an die Stirn und bin sicher, dass ich morgen mit Bauchschmerzen das Bett hüten werde. Trotz allem mache ich gute Miene zum bösen Spiel und ordere Thunfischrollen mit Reis.
12.45 Uhr Nach wenigen Augenblicken tritt ein grinsender Chinese auf den Plan, die Mahlzeit vor unseren Augen vorzubereiten. Der Heini schneidet rohen Thunfisch in hauchdünne Scheiben und macht es sich zur Aufgabe, den Fisch mit einer Gewürzpaste namens Wasabi zu bestreichen. Weil ich bekanntlich Neuem stets aufgeschlossen gegenübertrete, koste ich vorsichtig und bemerke, wie mein Magen zu rebellieren beginnt. Frau Pontecorvo ist jedoch voll des Lobes und meint, dass diese Gaststätte zu den besten Adressen in der Stadt zählt - papperlapapp.
13.30 Uhr Nachdem ich genötigt wurde, Heuschreckenkrebs im Norimantel und scharfen Daikon-Rettich zu probieren, zückt Sandra ihre Geldböse und zählt dem Kellner 80 Dollars in Bar auf die Hand. Ich wische mir unterdessen den Angstschweiss von der Stirn und kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Wortlos hüpfe ich in Edelberts JEEP und lasse mich ruckzuck in den Willoughby Drive kutschieren.
14.15 Uhr Während meine Freunde die Geburtstagsfeier im Zuhause meiner Nachbarin ausklingen lassen, laufe ich mit schnellen Schritten zum Eigenheim der Cranes und hole Dixon ab. Bei dieser Gelegenheit klage ich der netten Frau mein Leid und fordere sie auf, mir einen Tequila zu kredenzen. Frau Crane kommt der Bitte anstandslos nach und erzählt, dass sie zu Mittag ein Steak mit Butterkartoffeln und grünen Bohnen aus dem Nachbarstaat Georgia verzehrt hat. 
14.45 Uhr Nachdem ich auch noch ein Glas Jack Daniels getrunken habe, nehme ich Dixon an die Leine und spaziere nach Hause. Weil etwas Ruhe nicht schaden kann, lege ich auf dem Sofa die Beine hoch und schlummere bald ein, um von einem vitaminreichen Schweinebraten mit Knödel im Wilden Esel zu träumen. 
15.45 Uhr Ich werde durch ohrenbetäubendes Gepolter geweckt und sehe, wie sich Sandra an der Musikanlage zu schaffen macht. Da das Kind augenscheinlich zu tief ins Weinglas geschaut hat, werfe ich ihm skeptische Blicke zu und frage nach dem Rechten. Sandra grinst mich frech an und sagt, dass die Geburtstagsfeier bei der Pontecorvo sehr schön war - wie unlöblich. 
16.15 Uhr Während die Maid Musik hört und ein Hochglanzmagazin namens "COSMOPOLITAN" aufschlägt, finde ich mich pflichtbewusst am Schreibtisch ein. Wie es sich für einen staatlich anerkannten Anschnurseelsorger gehört, rufe ich Fragen besorgter Heimseitenbesucher ab und helfe leidgeprüften Eltern bei schwerwiegenden Problemen. Unter anderem lese ich die Depesche einer 42jährigen Hausfrau aus Duisburg und erfahre, dass ihr garstiger Sohn einen Kredit aufgenommen hat, um eine sündteure Reise auf die Malediven zu finanzieren. Selbstverständlich verfasse ich augenblicklich ein gepfeffertes Antwortschreiben und lege der armen Frau nahe, meinen Bericht zum Thema Urlaub zu studieren und dem Buben Hausarrest zu verordnen. 
17.00 Uhr Nachdem ich weitere elektronische Briefe abgesendet und Grussbotschaften im beliebten Gästebuch freigeschalten habe, gehe ich von der Leine. Ich gönne mir als kleine Belohung eine süffige Dr. Pepper Brause und leiste Sandra in der klimatisierten Stube Gesellschaft. Mein Hausgast legt die Zeitschrift weg und erinnert daran, dass James, Amanda und David (bald 5) in der kommenden Woche nach Deutschland zurückkehren werden. Ich zucke mit den Schultern und erkläre, dass die Kinder bald wiederkommen und spätestens im Mai nach Kanada auswandern werden.
17.30 Uhr Da mein Magen knurrt und sein Recht auf eine reichhaltige Mahlzeit herausfordert, mache ich mich in der Küche nützlich und richte eine Wurstplatte mit Capocollo, luftgetrockneter Salami, Cheddarkäse und Gurkenhappen aus dem Glas an. Um dem Schmankerl eine besondere Note zu verleihen, lege ich ein Sträusschen Petersilie aus eigenem Anbau dazu - wie gut das duftet.
18.00 Uhr Ich lasse mir die deftige Brotzeit in Dixons und Sandras Beisein im Wohnzimmer munden und blättere währenddessen in der Fernsehzeitung. Das Kind Sandra ist wie immer bestens informiert und berichtet, dass am Abend die sehenswerte Stephen King Verfilmung "Desperation" auf HBO läuft. Sandra erhebt sich ächzend vom Sofa und sagt, dass sie vorher einen ausgedehnten Spaziergang mit Dixon unternehmen wird - wie schön.
19.00 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit und Ordnung gesorgt und ein Fläschchen Schaumwein der Nobelmarke Cristal entkorkt habe, beginnt endlich der wohlverdiente Feierabend. Ich wähle den im grossen Apfel beheimateten Bezahlsender aus und werde während der folgenden 135 Minuten Zeuge, wie mehrere Urlauber im Bundesstaat Nevada von einem verrückten Polizisten gefangen genommen werden. Letztendlich stellt sich heraus, dass der Gesetzeshüter vom hinterlistigen Erddämon "Tak" befallen wurde. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gesehen haben. 
21.00 Uhr Als mir langsam die Augen zufallen, reiche ich die neumoderne Fernbedienung an Sandra weiter und mache mit dem Hund einen kleinen Gassigang durch den gepflegten Garten. Nachdem ich alle Fenster und Türen sicher verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schlafe bald ein. Gute Nacht. 


18.08.2010
07.15 Uhr Ich erwache schreiend und wische mir die Schweissperlen von der Stirn. Sandra poltert nach wenigen Augenblicken zur Türe herein und erkundigt sich, warum ich so laut bin. Selbstverständlich stehe ich dem Kind Rede und Antwort und zeige auf, dass ich von 
Guido geträumt habe. Die Maid beruhigt mich und sagt, dass es meinem kriminellen Neffen nicht möglich sein wird, nach Naples zu kommen. Ich nicke eifrig und antworte, dass der Ganove höchstwahrscheinlich bald im Waldweg auftauchen wird, um David zu entführen. Sandra schüttelt entschieden den Kopf und verspricht, ein Auge auf meinen Grossneffen zu werfen - das will ich hoffen. 
07.45 Uhr Nachdem sich mein Pulsschlag normalisiert hat, laufe ich hinaus und stähle meine eingerosteten Muskeln bei subtropischen Temperaturen. Sandra leistet mir Gesellschaft und sagt, dass wir trotz der Hitze zum PUBLIX Markt fahren müssen. HEUREKA - das hat gerade noch gefehlt. 
08.15 Uhr Bevor wir uns auf den Weg machen, genehmige ich mir ein löbliches Wirbelbad. Nebenbei fröne ich dem Internetzradioprogramm des Bayerischen Rundfunks und höre, dass wir heute den 18. August schreiben. Ich überlege ganz genau und erinnere mich, dass Frau Pontecorvo morgen ihr Wiegenfest feiert. Obwohl ich nicht weiss, in welchem Jahr die Gute das Licht der Welt erblickt hat, fasse ich den Entschluss, der Dame etwas zu schenken.
09.15 Uhr Wenig später setze ich mich zu Sandra an den gedeckten Frühstückstisch und frage nach, wie viele Jahre Frau Pontecorvo auf dem Buckel hat. Meine Mieterin kann sich ein Lachen nicht verkneifen und behauptet, dass meine Nachbarin aus ihrem Alter ein Geheimnis macht. Ich zucke mit den Schultern und erkläre, dass sich die Frau bestimmt über einen farbenfrohen Blumenstrauss freuen würde. Das Kind ist jedoch alles andere als begeistert und sagt, dass wir etwas tiefer in die Tasche greifen und meiner Nachbarin einen erlesenen Wein schenken sollten - papperlapapp. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schlage ich die Tageszeitung auf und studiere die aktuellen Meldungen aus dem Collier County. Dabei erfahre ich, dass Scherriff Bradfort am Wochenende eine Razzia in einem Spielcasino am Hafen durchgeführt hat und zwei illegale Einwanderer aus Puerto Rico mit vier Pfund Rauschgift stellen konnte - wie aufregend. 
09.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, in den JEEP einzusteigen und zum Supermarkt unseres Vertrauens zu fahren. Just als ich schwungvoll die Pforte öffne, sehe ich mich mit meiner Zugehfrau konfrontiert. Frau Gomez wünscht mir einen guten Morgen und präsentiert einen neuwertigen Wischmop mit ausziehbarer Teleskopstange. Als ich mich gelangweilt an der Schläfe kratze, macht sich die Putzperle ans Werk und führt besagtes technisches Wunderwerk vor. Weil meine Zeit jedoch knapp bemessen ist, tippe ich auf meine goldene ROLEX und lasse Frau Gomez wissen, dass ich mich nicht um alles kümmern kann. Im Anschluss helfe ich Hund Dixon auf den Rücksitz des PS-strotzenden Geländewagens und rase mit durchdrehenden Reifen davon. 
10.15 Uhr Wir kommen radiohörend vor dem PUBLIX Einkaufsmarkt zum Halten und registrieren, dass heute besonders viele Autos auf dem Parkplatz stehen. Trotz des grossen Andrangs lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und schnappen uns ruckzuck einen Einkaufswagen. Danach schlendern wir durch die Gänge des Marktes und laden Lebensmittel sowie diverse Pflegeprodukte ein. Sandra hält bei den Duftwässern kurz inne und sagt, dass Frau Pontecorvo luxuriöse Düfte zu schätzen weiss und stets "Coco Mademoiselle By Chanel" aufträgt. Ich lache herzlichst und stelle klar, dass ich nicht bereit bin, 65 Dollars für ein französisches Parfum auszugeben. Stattdessen deute ich zu einer "AquaBella Deluxe" Rückenbüste und spiele mit dem Gedanken, dieses praktische Accessoire zu kaufen. Sandra zeigt mir jedoch den Vogel und behauptet, dass ich mich mit diesem Geschenk lächerlich machen werde. 
10.45 Uhr Seufzend setzen wir unseren Weg durch den Supermarkt fort und landen letztendlich in der hauseigenen Buchabteilung. Nach kurzer Suche werde ich fündig und verfrachte einen Kalender mit sehenswerten Tiermotiven in den Einkaufswagen. Sandra verdreht die Augen und meint, dass Frau Pontecorvo bestimmt nicht erfreut sein wird - wie unlöblich. 
11.15 Uhr Nachdem wir auch noch einen sündteuren Blumenstrauss gekauft haben, laufen wir zur Kasse und bezahlen die ellenlange Rechnung mit meiner praktischen Meisterkarte (unlöblich: Mastercard). Als wir die schweren Tüten zum Auto schleppen, frage ich Sandra aus und möchte wissen, wie lange sie noch im Rentnerparadies bleiben wird. Das Mädchen überlegt kurz und antwortet, dass sie einen Tag nach dem "Labor Day" (löblich: Tag der Arbeit) das Ränzlein schnüren und nach München zurück fliegen muss. Ich rechne ganz genau nach und bemerke, dass mir das Kind noch zwanzig Tage auf der Tasche liegen wird - das kann ja heiter werden.
11.45 Uhr Zurück in der klimatisierten Villa, öle ich meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck aus der Colaflasche und mache es mir zur Aufgabe, Sandra beim Einräumen der Lebensmittel zu helfen. Unterdessen tausche ich mich mit der Putzfrau aus und gebe ihr zu verstehen, dass ich in diesem Jahr nicht das Oktoberfest besuchen werde. Als sich die Gomez nach den Gründen erkundigt, bringe ich meinen kriminellen Neffen ins Gespräch und verdeutliche, dass ich keine Lust habe, dem Ganoven in der alten Heimat zu begegnen. Bei dieser Gelegenheit verweise ich auf unseren geplanten Ausflug nach San Franzisko und gebe zu Protokoll, dass ich mich im September auf eine spannende Reise quer durch Amerika begeben werde - das wird super. 
12.30 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten schalte ich den Herd ein und schiebe zwei vitaminreiche TOMBSTONE Fertigpizzas in den Backofen. Während sich die Schmankerln im Ofenlicht sonnen, tippe ich James Handtelefonnummer ins Tastenfeld der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und treffe den jungen Mann im Beisein seiner kleinen Familie am Strand an. Mein löblicher Neffe ist begeistert und berichtet, dass er mit David eine Sandburg baut und ausserdem im kühlen Nass planscht. Weil mir das Wohl meiner Verwandten sehr am Herzen liegt, ermahne ich James zur Vorsicht und bitte ihn, sich von den Schnappschildkröten und Giftschlangen fernzuhalten. 
13.00 Uhr Endlich ist es soweit und wir können uns auf der fliegenvergitterten Terrasse niederlassen und das Mittagessen verzehren. Während stimmungsvolle WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik aus dem Lautsprecher dröhnt, nippe ich genüsslich am Bierglas und schlage vor, dass wir Frau Pontecorvo an ihrem Ehrentag zum Essen ausführen könnten. Sandra zeigt sich schnell einverstanden und sichert sogar zu, in diesem Fall die Rechnung zu übernehmen - wie schön. 
13.45 Uhr Weil ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, stelle ich die Teller in die Geschirrspülmaschine und lege dann auf dem bequemen Sofa eine wohlverdiente Pause ein. Ich döse nach wenigen Augenblicken ein und träume von meinen braven Katzen Jenny und Tony
14.45 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und sehe, dass Frau Gomez die Hausarbeit mittlerweile erledigt hat und nach Hause gegangen ist. Um die Nachmittagsstunden sinnvoll zu gestalten, nehme ich die DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb und setze mich dann an den Schreibtisch, um mich um Fragen besorgter Erziehungsberechtigter zu kümmern. Unter anderem klagt mir ein 47jähriger Mann aus Lüneburg sein Leid und berichtet, dass seine Ehefrau Uschi ständig an elektronischen Versteigerungen teilnimmt. Weil bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen, verfasse ich ohne zu Zögern ein Antwortschreiben und rate dem Heini, noch heute die Scheidung einzureichen. Immerhin kann es nicht sein, dass die Frau den Haushalt vernachlässigt und Unsummen für sinnloses Zeug aus dem Fenster wirft - wo kämen wir denn da hin. 
15.30 Uhr Nachdem ich einer verzweifelten Mutter aus Hamburg geraten habe, ihrem Sohn Lars (15) den täglichen Gang zum Schnellessgasthaus zu verbieten, aktualisiere ich noch geschwind das elektronische Gästebuch. Auch heute haben wieder viele Menschen den Weg auf meine löbliche Internetzpräsenz gefunden und nette Botschaften hinterlassen - wie schön.
16.00 Uhr Gerade als ich den Heimrechner mausdrückend herunterfahre und mich auf ein kühles Budweiser freue, flitzt Sandra im Bikini durchs Haus und sagt, dass sie jetzt im Jacuzzi baden wird - das ist ja allerhand.
16.30 Uhr Nachdem ich den Hopfentrunk aus dem Hause Anheuser Busch ausgetrunken habe, nehme ich die Leine zur Hand und animiere Hund Dixon, mir nach draussen zu folgen. Mit einem schönen Lied auf den Lippen unternehme ich einen Spaziergang durchs Wohngebiet und treffe nach wenigen Metern auf Herrn Rhodes (90). Ich begrüsse den netten Mann redlichst und werde Zeuge, wie er einen Hochglanzprospekt aus der Tasche zieht. Der Alte strahlt wie ein Honigkuchenpferd und sagt, dass er heute Abend den neuen Club (löblich: Verein) "Flashdance" (löblich: Blitztanz) besuchen und sich an Oben-ohne Bedienungen und Tischtänzerinnen erfreuen wird - das soll mir auch Recht sein.
16.45 Uhr Ich setze den Gassigang fort und passiere die Nachbarhäuser, die mit amerikanischen Flaggen geschmückt sind - wie schön. Bei dieser Gelegenheit mache ich mir eigene Gedanken und komme schnell zu dem Ergebnis, dass eine löbliche US-Fahne auch auf meinem Grundstück sehr gut aussehen würde. Vielleicht sollte ich in den nächsten Tagen einen Baumarkt aufsuchen und mich bezüglich eines passenden Fahnenmastes beraten lassen - wie aufregend.
17.15 Uhr Zurück in der Villa, finde ich Sandra romanlesend auf dem Sofa vor. Selbstverständlich stelle ich das faule Kind zur Rede und fordere es auf, keine Maulaffen feilzuhalten, sondern ein nahrhaftes Abendessen zuzubereiten. Die Maid schaut jedoch nur auf ihre Armbanduhr und meint, dass es noch viel zu früh ist - wie unlöblich.
17.45 Uhr Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, greife ich zum Telefonhörer und rufe bei Prof. Kuhn in der Innenstadt an. Der schlaue Mann meldet sich nach dem ersten Schellen und fragt, was abgeht. Ich komme sogleich auf den Punkt und erzähle Edelbert, dass ich beschlossen habe, dem Beispiel der Nachbarn zu folgen und eine dekorative Fahne auf meinem Grundstück zu hissen. Edelbert will Details hören und erkundigt sich, ob ich an einen Fahnenmast denke, oder das Sternenbanner am Haus befestigen möchte. Weil ich das selbst noch nicht weiss, seufze ich laut und erkläre, dass wir nächste Woche gemeinsam einen Baumarkt aufsuchen und uns beraten lassen sollten.
18.15 Uhr Nachdem ich noch etwas mit dem Professor geplaudert habe, wende ich mich Sandra zu und stelle klar, dass ich vor Hunger umkomme. Meine Mieterin beruhigt mich redlichst und sagt, dass wir um sieben Uhr essen können - wie schön.
19.00 Uhr Endlich ist es soweit und Sandra bringt das löbliche Abendessen in Form eines Gemüsenudelschichtgerichts (unlöblich: Gemüselasagne) mit Salat auf den Tisch - wie gut das duftet. Dazu gibt es französisches Langbrot sowie ein Fläschchen Rotwein aus dem fernen Italien. Während wir uns das köstliche Gericht zungenschnalzend munden lassen, frage ich die Maid bezüglich ihrer Pläne für den Abend aus und höre, dass sie daheim bleiben und eventuell mit dem Hund einen ausgedehnten Spaziergang durch die Nachbarschaft unternehmen wird - das soll mir Recht sein.
19.45 Uhr Gemeinsam bringen wir die Küchenarbeit ruckzuck hinter uns und können zum gemütlichen Teil des Abends übergehen. Nachdem Sandra mit Hund Dixon die Villa verlassen hat, greife ich zur Flasche und mache es mir budweisertrinkend vor dem Fernsehgerät bequem. Weil ich keine Lust habe, mich durch die vielen Programme zu schalten, schiebe ich zur Abwechslung eine DVD der Serie "Diese Drombuschs" ins Abspielgerät und unternehme einen virtuellen Ausflug ins Hessen der 1980er Jahre - da kommt Freude auf.
20.30 Uhr In der Episode "Um keinen Preis" aus der fünften Staffel werde ich Zeuge, wie Veras Sohn Chris mit schweren Kopfverletzungen im Koma liegt. Leider muss Vera erkennen, dass Onkel Ludwig einem Gammler namens Woody, der an dem Angriff auf Chris beteiligt war, Unterschlupf gewährt - wie unlöblich.
21.15 Uhr Kopfschüttelnd schalte ich den Flachbildschirm aus und unternehme einen kleinen Rundgang durchs Haus. Nachdem ich alle Fenster und Türen sicher verschlossen habe, gehe ich müde ins Bett und schlafe schon bald ein. Gute Nacht.


17.08.2010
07.15 Uhr Ich erwache durstig und greife umgehend zur Wasserflasche, um meine staubtrockene Kehle zu ölen. Just als ich einen Schluck nehme, stösst Hund Dixon die Schlafzimmertüre auf und animiert mich, schnell 
aufzustehen und ihm ein Stöckchen zuzuwerfen. Weil ich mich nicht um alles kümmern kann, rufe ich nach Sandra und bemerke, dass das Kind bereits ausgeflogen ist - wie schade. Missmutig erhebe ich mich von der Matratze und lasse den Vierbeiner an die frische Luft hinaus.
07.45 Uhr Nachdem ich Dixon beim Spielen beobachtet und meine eingerostete Muskulatur auf der Terrasse gelockert habe, schaue ich vor dem Haus nach dem Rechten. Ich hole die Milchflasche herein und finde im Postkasten einen Brief aus der Hansestadt Hamburg vor. In freudiger Erwartung öffne ich das Kuvert und erkenne mit geschultem Blick, dass die handschriftlich aufgesetzten Zeilen nicht von Elsbeth, sondern von meinem kriminellen Neffen Guido stammen. Mit zitternden Händen überfliege ich das Pamphlet und erfahre, dass der Ganove mittlerweile einen Tschob als Landschaftsgärtner angenommen hat und in seiner Freizeit bei der CARITAS arbeitet. Guido lässt seinen langjährigen Gefängnisaufenthalt in allen Einzelheiten Revue passieren und schreibt, dass er die Geiselnahme vom 15. Oktober 2005 sehr bereut - papperlapapp. Um mich nicht ärgern zu müssen, lege ich den Brief auf den Küchentisch und ziehe es vor, mich bei einem Wirbelbad zu entspannen. 
08.15 Uhr Während ich mich rasiere, mache ich mir meine eigenen Gedanken und komme zu dem Schluss, dass es Guido wegen seiner Bewährungsauflagen nicht möglich ist, nach Amerika zu kommen. Trotzdem nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und tippe ganz spontan die Festnetznummer meiner Schwester ins Tastenfeld ein. Elsbeth nimmt das Gespräch nach dem dritten Klingeln an und teilt mir auf Anfrage mit, dass es Guidos grösster Wunsch ist, sich bei mir zu entschuldigen. Meine Schwester plappert ohne Unterlass und sagt, dass der Rabauke vor wenigen Tagen aus ihrer Wohnung ausgezogen ist und in einer Wohngemeinschaft im Stadtteil St. Georg ein neues Zuhause gefunden hat. Ferner bringt die gute Seele Guidos Freizeitaktivitäten ins Gespräch und meldet, dass sich ihr Sohn aufopferungsvoll um hilfsbedürftige Rentner und Penner kümmert. Als Elsbeth auch noch andeutet, dass mich Guido anlässlich meines anstehenden Oktoberfestbesuchs treffen will, falle ich der kleinen Frau ins Wort und erwidere, dass ich unter diesen Umständen nicht nach München ausfliegen werde. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, lege ich das Schnurlostelefon weg und steige aus der Badewanne. 
09.00 Uhr Frisch in Schale geworfen leiste ich meinem Hausgast beim wichtigsten Mahl des Tages Gesellschaft. Bei dieser Gelegenheit präsentiere ich Sandra den Brief und erkläre, dass Guido anscheinend auf den Pfad der Tugend zurückgekehrt ist. Die Maid kann sich ein Lachen nicht verkneifen und unkt, dass mich der Heini nur besuchen möchte, um mich um mein Erspartes zu bringen - wie unlöblich. 
09.30 Uhr Als ich duftenden BUSTELO Bohnentrunk nachschenke, klingelt es an der Türe und wir können James, Amanda und David (bald 5) in meinem bescheidenen Heim begrüssen. Die Kinder haben eine Gebäckschachtel aus der Italienbäckerei "Biscotti Farrugia" mitgebracht und sind einstimmig der Meinung, dass ein zweites Frühstück nicht schaden kann. Als perfekter Gastgeber biete ich den lieben Menschen Plätze an und vergesse auch nicht, meinem goldigen Grossneffen eine durstlöschende Limonade zu kredenzen. Während wir gemütlich zusammensitzen, halte ich Amanda das Schreiben unter die Nase und verdeutliche, dass mein krimineller Neffe nichts Gutes im Schilde führt. James Ehefrau wird ganz grün im Gesicht und sagt, dass es der Verbrecher faustdick hinter den Ohren hat - wie wahr. 
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 zugeht, kommt Frau Pontecorvo in Begleitung meines Haustieres zur Terrassentüre herein. Die nette Frau von nebenan erzählt, dass sie mit Hund Dixon einen Spaziergang unternommen hat. Amanda zuckt mit den Schultern und lässt Frau Pontecorvo wissen, dass uns derzeit nicht zum Lachen zumute ist. Wie nicht anders zu erwarten, löchert uns die Dame mit Fragen und lässt sich von James die Neuigkeiten in allen Einzelheiten berichten. 
10.30 Uhr Während der Bube von der schrecklichen Geiselnahme und Guidos Flucht nach Kanada erzählt, lehne ich mich kopfschüttelnd zurück und denke daran, dass es wohl das Beste ist, die Villa im Waldweg zu verscherbeln und sämtliche Kontakte in die alte Heimat abzubrechen. Frau Pontecorvo kommt unterdessen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und sagt, dass ich mir nichts gefallen lassen darf. Mein löblicher Neffe schlägt in die gleiche Kerbe und wirft ein, dass wir Herrn Porello um Schutz bitten könnten - wie unlöblich. Ich werfe meinem Tischnachbarn skeptische Blicke zu und antworte, dass ich ein seriöser Rentner mit Prinzipien bin und ganz bestimmt nicht Schutz bei zwielichtigen Italienern suchen werde. 
11.15 Uhr Nun wird es mir zu bunt. Weil ich es Leid bin, mich dauernd zu ärgern, schlage ich kurzerhand vor, dass wir nun in die Innenstadt krusen könnten, um ein reichhaltiges Mittagessen einzunehmen. Bevor die jungen Leute antworten können, nehme ich die Schwarzbeere zur Hand und rufe kurzerhand bei Edelbert an. Der Professor freut sich und sagt, dass er uns in dreissig Minuten im Italiengasthaus "D'Angeli" treffen wird - wie schön. Ich setze meinen schicken Cowboyhut aus Dallas auf und eile mit Hund Dixon und Sandra im Schlepptau zum JEEP. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt presche ich in Richtung Innenstadt und freue mich, James im dichten Verkehr abhängen zu können. Leider kommt der junge Mann an der nächsten roten Ampel hinter mir zum Stehen und nimmt sich das Recht heraus, mich mit der Lichthupe zu belästigen. 
11.45 Uhr Ich treffe als zweiter Sieger am Ziel ein und kann den auf Hochglanz polierten Geländewagen ordnungsgemäss parken. Weil das Thermometer auf schwindelerregende 82°F (28°C) angestiegen ist, betrete ich schnell die gutbesuchte Familiengaststätte und finde Edelbert an einem Fenstertisch vor. Der schaue Mann heisst uns herzlich Willkommen und lotet aus, ob wir ebenfalls Bier bestellen wollen. Ich nicke eifrig und beauftrage den Kellner, zwei Pitcher (löblich: Krüge) Budweiser sowie sieben Gläser aufzufahren. Amanda erhebt jedoch Einspruch und sagt, dass David mit einer Limonade Vorlieb nehmen wird - das soll mir auch Recht sein. Im Anschluss werfe ich einen prüfenden Blick in die Speisekarte und wähle ein Nudelgericht namens "Sedani" aus. Der Knecht in der bis zum Boden reichenden Schürze schnalzt mit der Zunge und weist mich darauf hin, dass besagtes Gericht aus Sardinen stammt und vorzüglich mundet. Meine Begleiter folgen meinem Beispiel und ordern ebenfalls köstliche Spezialitäten vom Stiefel.
12.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, zeige ich dem Professor den Brief und gebe zu Protokoll, dass unser geplanter Oktoberfestbesuch in diesem Jahr leider ausfallen muss. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, erhebe ich den Zeigefinger und stelle klar, dass ich keine Lust habe, Guido zu treffen. Edelbert macht grosse Augen und entgegnet, dass wir stattdessen einen Ausflug nach San Francisco planen könnten - wie aufregend. Ich reibe mir die Hände und bestätige, dass es ein Vergnügen wäre, quer durch den Kontinent zu fahren und Familie Oggleview in Vermillion, SD einen Besuch abzustatten.
13.15 Uhr Nachdem ich die Leute zu Speis und Trank eingeladen und ein stattliches Trinkgeld gegeben haben, vertreten wir uns die Beine und schlendern an den einladenden Geschäften vorbei. Währenddessen tausche ich mich mit dem Professor aus und zeige anschaulich auf, dass wir während der Fahrt nach Westen auch in Amarillo, TX und Denver, CO Station machen sollten. Edelbert ist hellauf begeistert und sagt, dass wir für diesen Urlaub mindestens vier Wochen einplanen müssen. Anstatt sich zu freuen, gibt sich Sandra deprimiert und meint, dass sie uns sehr gerne begleiten würde. HEUREKA - das hätte gerade noch gefehlt. 
14.00 Uhr Zurück am Fahrzeug, wünsche ich den Kindern und Edelbert einen schönen Nachmittag. Danach lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und kruse in Sandras und Frau Pontecorvos Begleitung hupend nach Hause. 
14.30 Uhr Daheim angekommen, fülle ich Hund Dixons Napf mit Trockenfutter auf und nehme dann völlig erschöpft im klimatisierten Wohnzimmer Platz. Ich schlummere bald ein und sehe mich im Traum jetzt schon durch Texas fahren. HEUREKA - das wird eine Gaudi. 
15.30 Uhr Ich werde durch ohrenbetäubendes Donnergrollen geweckt und stelle beim Blick aus dem Fenster fest, dass sich dunkle Wolken vor die Sonne geschoben haben. Da es bei diesem Wetter nicht ratsam ist, ein Kaffeekränzchen im Freien abzuhalten, setze ich mich an den Schreibtisch und beginne mit der Anschnurarbeit. Auch heute rufe ich elektronische Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und lese, dass Frau Clara F. aus Berlin Probleme mit ihrem vorlauten Sohn Roman (14) hat. Anstatt brav für die Schule und das Leben zu lernen, zieht es der Lausbube vor, die Nachmittage am Kinderspielplatz zu verbringen und Bier zu trinken - das ist ja allerhand. Um schlimmeres Unheil abzuwenden, verfasse ich ein Antwortschreiben und rate dazu, dem Bürschchen das Taschengeld zu streichen und ihn ins Internat zu stecken.
16.15 Als endlich alles abgearbeitet ist, schalte ich die neuesten Botschaften im beliebten Gästebuch frei und verfasse auch eine Grussbotschaft an Admiral a.D. Friedbert Bürstenbinder. Unter anderem lasse ich meinen Bekannten an meinen Problemen teilhaben und schreibe, dass ich mich von Guido bedroht fühle.
16.45 Uhr Nachdem ich den leistungsstarken Heimrechner mausdrückend heruntergefahren habe, genehmige ich mir ein gesundes Budweiser aus dem Eiskasten. Nebenbei tausche ich mich mit Sandra aus und bringe in Erfahrung, dass die Maid am Abend ausgehen und sich in einem Tanzlokal amüsieren will - wie unlöblich. Natürlich spreche ich der Maid ins Gewissen und bitte sie, sich nicht mit tätowierten Reppern einzulassen.
17.30 Uhr Als meine Wanduhr zweimal schlägt, finde ich mich im Wohnzimmer ein und führe mir ein extraordinäres Abendessen in Form vitaminreicher Käsebrote zu Gemüte. Nebenher blättere ich in der Zeitung und lerne, dass im neu eröffneten "Silverspot" Lichtspielhaus am kommenden Wochenende eine Matinee mit ausgewählten Filmen aus Frankreich stattfinden wird - wie langweilig. 
18.15 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit gesorgt habe, lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und vertreibe mir die Zeit mit hunde- und rentnergerechten Fernsehformaten. Ich verfolge eine Nachrichtensendung auf FOX und höre, dass der weltbekannte Schauspieler Robert De Niro heute seinen 67. Geburtstag feiert. Wissbegierig lausche ich den Aussagen des Moderators und vernehme, dass der Gute im Oktober mit dem abendfüllenden Spielfilm "Stone" (löblich: Stein) auf die Kinoleinwand zurückkehren wird.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit zitiere ich Hund Dixon in die gute Stube und schalte auf HBO um. Ich lehne mich zurück und fröne dem nervenaufreibenden Krimi "Red Dragon" (löblich: Roter Drache), der von den haarsträubenden Erlebnissen des FBI-Agenten Will Graham erzählt. Während der folgenden 124 Filmminuten werde ich Zeuge, wie der Polizeibeamte dem Serienmörder "Tooth Fairy" (löblich: Zahnfee) auf die Schliche kommt - wie unheimlich.
21.00 Uhr Als der Abspann über den überdimensionalen Farbbildschirm flimmert, drücke ich gähnend auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf und unternehme mit dem Vierbeiner einen Rundgang durch Haus und Garten. Danach sperre ich die Pforte ab und gehe zufrieden ins Bett. Gute Nacht.

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