Das Tagebuch von Reinhard Pfaffenberg
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06.03.2010
Hallo Leute,

und wieder haben wir eine Woche hinter uns gebracht. Die letzten Tage waren sehr stressig. Neben der vielen Arbeit in der Werbeagentur habe ich fast jeden Abend in Bernds Werkstatt mitgeholfen und an meinem JEEP geschraubt. Wir haben gestern die verrosteten Türeinstiege lackiert, Unterbodenschutz aufgetragen und erste Vorbereitungen für den Motorwechsel getroffen. Morgen in aller Frühe werden wir den Motorblock einsetzen und uns um die Elektrik kümmern. Spätestens am kommenden Wochenende werde ich wieder im Geländewagen durch die Gegend fahren können :-)

Derzeit muss ich mit einem VW POLO FOX (Baujahr 1990) Vorlieb nehmen. Mit dem Leihauto ist es nicht möglich, in die Münchner Innenstadt zu fahren, weil die Schrottkiste über keine Feinstaubplakette verfügt. Weil ich wichtige Unterlagen bei einem Webdesigner in der Schellingstrasse abliefern musste, hatte ich am Mittwoch das zweifelhafte Vergnügen, eine 45minütige S-Bahn Fahrt mit MP3 hörenden Jugendlichen und anderem Gesindel anzutreten :-(

Aber egal, bevor es wieder ans Schrauben und Schweissen geht, werde ich mir heute einen chilligen Abend im Kino gönnen. Wie ihr wisst, ist am vergangenen Donnerstag der neue Tim Burton Film "Alice im Wunderland" mit Mia Wasikowska und Johnny Depp angelaufen. Hinterher will ich mit Marlene und Bärbel in der 089 Bar abrocken und coole Leute kennen lernen :-)

  Ich wünsch' euch alles Gute
  Sandra


05.03.2010
07.15 Uhr Der Radiowecker geht an und ich hüpfe voller Vorfreude aus dem Bett. Als ich nach draussen eile und meine Muskeln
stählen möchte, läuft mir Dixon zwischen die Füsse und animiert mich, mit ihm durchs Wohngebiet zu spazieren. Da man dem braven Vierbeiner kaum etwas abschlagen kann, schlüpfe ich unverzüglich in legere Freizeitkleidung und nehme das schwanzwedelnde Tier an die Leine. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 60°F (16°C) schlendere ich an den Nachbargrundstücken vorbei und treffe dabei auf den Milchmann. Herr Forrest wünscht mir einen schönen guten Morgen und teilt mir mit, dass ich vergessen habe, die letzte Monatsrechnung zu begleichen - wie unlöblich. Um auch in Zukunft mit frischer Kuhmilch versorgt zu werden, nicke ich eifrig und versichere, die Zahlung augenblicklich per Anschnurüberweisung zu tätigen. 
08.00 Uhr Bevor ich mich bei einem Vollbad entspanne, setze ich mich an den Schreibtisch und segle auf die Heimseite meiner Hausbank. Mit flinken Fingern tippe ich meine Kundennummer ein und drücke auf den Auswahlknopf "Transfer". Wie es sich gehört, schreibe ich dem freundlichen Milchmann 30 Dollars gut und nutze die Gelegenheit, um meinen Kontostand zu überprüfen. Mit Schrecken stelle ich fest, dass Sandra ihre Pflichten vernachlässigt und mir die letzte Monatsmiete schuldig geblieben ist - wie unlöblich. Da man sich nicht alles gefallen lassen darf, greife ich verärgert zum Telefon und lasse es mir nicht nehmen, die Handtelefonnummer der Maid zu wählen. Sandra nimmt den Anruf prompt entgegen und plappert davon, dass sie derzeit viel um die Ohren hat und kaum eine freie Minute findet - papperlapapp. Selbstverständlich lese ich der jungen Frau die Leviten und lasse sie wissen, dass ich die Kündigung aussprechen werde, sollte das Geld nicht ganz schnell auf meinem Konto sein. Anstatt in Tränen auszubrechen, wird das Mädchen auch noch frech und kontert, dass sie sich nicht um alles kümmern kann - wie unlöblich. 
08.30 Uhr Nachdem sich mein Pulsschlag normalisiert hat, steige ich in die Badewanne und gönne mir ein löbliches Wirbelbad. Währenddessen folge ich dem lehrreichen Internetzprogramm des BR und lerne, dass der ORF in Zusammenarbeit mit der ARD und dem Schweizer Fernsehen just heute vor 29 Jahren die erste Folge der Unterhaltungssendung "Musikantenstadl" ausgestrahlt hat. Ich lehne mich seufzend zurück und denke daran, wie Karl Moik mit dem Hias durch die Schau geführt und für beste Unterhaltung gesorgt hat. Leider gibt es solch hochwertige Fernsehformate heute kaum mehr. Die Öffentlich Rechtlichen Fernsehanstalten schröpfen die Zuschauer zwar mit horrenden Zwangsgebühren, präsentieren aber im Gegenzug zwielichtige Seifensendungen wie "Rote Rosen" oder "Lindenstrasse".
09.30 Uhr Frisch in Schale geworfen finde ich mich am Küchentisch ein und verzehre im Beisein meines Haustieres eine Portion Kelloggs Maisflocken mit frischer Milch. Während ich es mir schmecken lasse, studiere ich die Berichte in der "Naples Daily News" (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) und bringe heraus, dass gestern ein Unbekannter eine Bankfiliale im Stadtgebiet überfallen hat. Als ich die Bilder der Überwachungskameras beäuge, fällt mir auf, dass es sich beim Verbrecher um meinen Nachbarn handelt. Da eine Belohnung von 5.000 Dollars für die Ergreifung des Täters ausgerufen ist, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und kontaktiere das Polizeipräsidium.
10.00 Uhr Als ich Scherriff Bradfort mit sachdienlichen Hinweisen versorge und anschaulich darlege, dass der Vietnamveteran Kenneth Booth als Täter in Frage kommt, lacht der Polizeibeamte laut auf und erinnert daran, dass der nette Zeitgenosse einen Oberlippenbart trägt. Mein Gesprächspartner ist heute zu Scherzen aufgelegt und behauptet, dass der Täter eine gewisse Ähnlichkeit mit mir aufweist. Zu allem Überfluss löchert mich der Mann mit Fragen und möchte wissen, wo ich gestern zwischen halb Elf und Elf Uhr war. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, verweise ich auf Prof. Edelbert Kuhn und stelle klar, dass ich einen Ausflug nach Fort Myers unternommen habe und mit einem wasserdichten Alibi aufwarten kann. 
10.30 Uhr Nachdem ich den Hörer auf die Gabel geknallt und mir den Angstschweiss von der Stirn gewischt habe, verfrachte ich das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine. Danach schenke ich mir eine Diät Coca Cola ein und öle meine ausgetrocknete Kehle mit kräftigen Schlucken. Leider wird mein Müssiggang wenige Augenblicke später durch ohrenbetäubendes Türschellen gestört. Ich öffne die Pforte und freue mich, Prof. Kuhn und Friedbert in meinem bescheidenen Heim begrüssen zu dürfen. Meine Bekannten drängen sich ins Wohnzimmer und plappern davon, dass sie soeben ein Immobilienbüro besucht und nach einem geeigneten Häuschen für den Seefahrer nachgefragt haben. Friedbert schnalzt mit der Zunge und sagt, dass es nette Eigenheime im Grossraum Naples geben würde. Edelbert bestätigt dies und fährt fort, dass sie Preise seit Jahresbeginn ordentlich angestiegen und kaum erschwinglich sind. Friedbert schaut traurig zu Boden und kündigt an, dass er unter diesen Umständen leider in zwei Wochen in die alte Heimat zurückkehren muss. 
11.15 Uhr Während wir gemütlich zusammensitzen und Kaffee geniessen, bringe ich den gestrigen Bankraub zur Sprache und informiere, dass ich den Täter auf den Bildern identifizieren konnte. Der Professor macht grosse Augen und sagt, dass ich schnellstmöglich Scherriff Bradfort benachrichtigen sollte. Achselzuckend falle ich dem schlauen Mann ins Wort und erläutere, dass mir der Polizist leider nicht glauben wollte. Friedbert klatscht aufgeregt in seine Hände und schlägt vor, dass wir selbst zur Tat schreiten und Herrn Kenneth Booth überwältigen sollten. Da mir ein gutes Nachbarschaftsverhältnis sehr am Herzen liegt, winde ich mich aus der Verantwortung und erteile dieser Schnapsidee eine sofortige Absage. 
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, verlassen wir die Villa und wandern mit schnellen Schritten zur "Pelican Larry's Raw Bar & Grill" Gaststätte an der Immokalee Road. Edelbert legt beste Laune an den Tag und verspricht, uns zu Speis und Trank einzuladen - wie schön. 
12.30 Uhr Herr Larry heisst uns herzlich Willkommen und bietet uns Plätze an der Jukebox (löblich: Musikautomat) an. Um für gute Stimmung zu sorgen, krame ich funkelnde Münzen aus meiner Hosentasche und wähle den George Strait Welthit (löblich: Weltschlag) "Baby Blue" (löblich: Mädchen Blau) aus. Während der texanische Sänger von grünen Wiesen und schneeweissen Bergen in Colorado erzählt, schlagen wir die Speisekarte auf und entscheiden uns für vitaminreiche "Cheeseburger" (löblich: Käseburger) mit hausgemachten Kartoffelstäben und Krautsalat. Der Gaststättenbetreiber gibt die Bestellung ans Küchenpersonal weiter und serviert eisgekühltes Budweiser vom Fass. 
13.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und mit den Bierkelchen anstossen, präsentiert mir Friedbert die Visitenkarte einer in der Innenstadt ansässigen Oben-Ohne-Wirtschaft und flüstert, dass er gestern aus Forschungsgründen besagtes Etablissement besucht hat. Als ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage, mischt sich Herr Larry ins Gespräch ein und behauptet, dass man in der "Red Carpet Bar" (löblich: Roter Teppich Gasthaus) die schönsten Mädchen des Collier County treffen kann. Friedbert schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass ich heute Abend gerne mitkommen kann - das hätte gerade gefehlt. 
13.45 Uhr Nach dem Bezahlvorgang verlassen wir die Biertränke und kehren ohne Umwege ins Wohngebiet zurück. Weil Edelbert am Nachmittag Frau Gomez erwartet, wünsche ich ihm alles Gute und lasse die Pforte ins Schloss fallen. Im Anschluss fülle ich Hund Dixons Napf mit Trockenfutter auf und vergesse auch nicht, frisches Wasser bereitzustellen. Während sich das Haustier auf die Mahlzeit stürzt, setze ich mich aufs Wohnzimmersofa und leiste mir eine wohlverdiente Pause.
14.45 Uhr Just als ich mich im Traum vor dem Petersdom in der italienischen Hauptstadt Rom sehe, wird mein Nickerchen durch lautes Pochen gestört. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und bemerke, dass Frau Pontecorvo winkend am Wohnzimmerfenster steht. Die Dame von nebenan präsentiert mir einen selbstgebackenen Apfelkuchen und erkundigt sich, ob ich ihr beim Kaffeekränzchen Gesellschaft leisten will. Da etwas Abwechslung nicht schaden kann, bitte ich meine Nachbarin herein und setze den den DeLonghi Vollautomaten in Gang.
15.15 Uhr Danach strecken wir auf der fliegenvergitterten Terrasse die Beine aus und tratschen über meinen anstehenden Heimatbesuch im Mai. Ich versorge meine Nachbarin mit wissenswerten Infos und gebe bekannt, dass ich während meines Aufenthalts den Reisepass verlängern werde und einige Banktransaktionen vornehmen muss. Frau Pontecorvo freut sich und erklärt, dass sie mich gerne begleiten würde. Um einen genaueren Überblick zu bekommen, setzen wir uns an den Heimrechner und segeln auf die Heimseite von EXPEDIA.DE. Ich tippe das gewünschte Abflugdatum ins Auswahlfeld und erkenne mit geschultem Auge, dass es am 13. Mai möglich wäre, günstig nach Deutschland zu gelangen. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, werfe ich prüfende Blicke in den Kalender und finde heraus, dass am Abflugtag "Christi Himmelfahrt" gefeiert wird - wie schön. Frau Pontecorvo ist begeistert und meint, dass wir zwei Wochen bleiben und erquickende Ausflüge unternehmen könnten - wie wahr. Weil wir uns für die Buchung noch etwas Zeit lassen können, kehren wir auf die Terrasse zurück und genehmigen uns Apfelkuchen mit Schlagobers. 
16.00 Uhr Nachdem sich die gute Frau verabschiedet hat, nehme ich die Anschnurarbeit in Angriff und helfe besorgten Heimseitenbesucher aus der Klemme. Frau Lieselotte J. aus Köln schreibt, dass ihr Sohn Jürgen (15) den Verstand verloren hat und sich immer öfter in virtuelle Welten diverser Anschnurspiele (unlöblich: Onlinegames) flüchtet. Um schlimmeres Unheil abzuwenden, rate ich der Dame, den Heimrechner im Wohnzimmerschrank einzuschliessen und den Buben auf den Spielplatz zu schicken.
16.45 Uhr Zu guter Letzt schalte ich die neuesten Einträge im elektronischen Gästebuch frei und führe ausserdem eine Inventur in meinem beliebten Andenkenladen durch. HEUREKA - der Luxusduft RP Lob verkauf sich derzeit besonders gut. 
17.15 Uhr Nachdem ich das Arbeitsgerät mausdrückend heruntergefahren habe, renne ich in die Küche und bereite mir unter den skeptischen Blicken meines Haustieres ein feines Abendessen zu. Um für ausgewogene Ernährung zu sorgen, stelle ich einen Topf mit Nudelwasser aufs Cerankochfeld und zaubere italienische Langnudeln mit vitaminreichem Pesto - wie gut das duftet. 
17.45 Uhr Während die Sonne hinter einer hochgewachsenen Palme verschwindet, nehme ich im Freien platz und lasse mir die nahrhafte Mahlzeit zu einem Glas KERBEL Weisswein schmecken. Bei dieser Gelegenheit überfliege ich den Wetterbericht in der "Naples Daily News" und bringe in Erfahrung, dass die Temperaturen am Wochenende weiter ansteigen sollen. 
18.30 Uhr Als die Küche blitzt und blinkt, finde ich mich neben Dixon im Wohnzimmer ein und versüsse den Feierabend mit hunde- und rentnergerechter Fernsehunterhaltung. Da ich stets auf dem neuesten Stand sein möchte, verfolge ich die Nachrichten auf FOX und vernehme, dass Barack Obamas Ansehen immer weiter sinkt. Anstatt für Freiheit und Demokratie einzutreten, hat es sich der Heini zur Aufgabe gemacht, bürokratische Hürden aufzubauen und das Land in den Sozialismus zu führen - wie unlöblich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Obama nur eine Amtsperiode überstehen und im Jahre 2012 abgewählt werden wird. 
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wähle ich das Qualitätsprogramm von HBO aus und staune nicht schlecht, als ich den Vorspann zu "Pat Garrett and Billy the Kid" über den Bildschirm flimmern sehe. Da der Western zu meinen Favoriten zählt, öffne ich eine Packung Kartoffelchips von LAYS und tauche in die Welt von schiesswütigen Revolverhelden ein. Die Produktion erzählt die Geschichte vom jungen Billy, der sich als Viehdieb einen Namen macht und von Scherriff Garrett gejagt wird - wie aufregend. 
21.00 Uhr Nach zwei spannungsgeladenen Stunden schalte ich das Farbfernsehgerät ab und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Nachdem ich sämtliche Türen verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schmökere noch etwas in einem spannenden Stephen King Gruselroman. Gute Nacht.


04.03.2010
07.15 Uhr Ein neuer Tag im Rentnerparadies beginnt und ich fühle mich blendend. Wie es sich für einen rüstigen Senior gehört, stehe 
ich augenblicklich auf und führe auf der fliegenvergitterten Terrasse den wichtigen Frühsport durch. Während ich den Hampelmann absolviere, blicke ich skeptisch in den Nachbargarten und werde auf Herrn Booth aufmerksam, der zu früher Stunde mit einer Drahtbürste hantiert. Selbstverständlich winke ich meinem Nachbarn freundlichst zu und frage, mit welcher Tätigkeit er sich die Zeit vertreibt. Der Vietnamveteran wünscht mir einen guten Morgen und erwidert, dass er gerade damit beschäftigt ist, die Abdeckhaube der leistungsstarken Klimaanlage vom Rost zu befreien. In meiner Funktion als Freizeitbastler leiste ich dem Mann Gesellschaft und gebe zu Protokoll, dass man das Metallteil zuerst mit einer Grundierung bestreichen und anschliessend mit einem wetterfesten Lack überziehen sollte. Herr Booth nickt eifrig und meint, dass er auch alleine zurecht kommt und keine Ratschläge benötigt - das soll mir auch Recht sein. 
07.45 Uhr Kopfschüttelnd ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und lasse mir ein löbliches Vollbad einlaufen. Während meine eingerosteten Knochen vom Sprudelwasser umspült werden, folge ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und bringe in Erfahrung, dass Gesangsstern Blake Shelton vor zwei Tagen sein siebtes Studioalbum "Hillybilly Bone" veröffentlicht hat. Morgenmoderator Rick McGee überschlägt sich vor Freude und gibt bekannt, dass besagte Kompaktscheibe super ist und sich bald auf Platz 1 der Landmusikhitparade wiederfinden wird - wie aufregend. Weil ich gute Musik zu schätzen weiss, klatsche ich in meine Hände und fasse den Entschluss, gleich zum WAL MART zu rasen und mir die Scheibe zu sichern. 
08.45 Uhr Just als ich vor dem Spiegel stehe und in modische Kleidung schlüpfe, wird die himmlische Ruhe durch lautes Dauerklingeln unterbrochen. Zu allem Überfluss stehen Prof. Kuhn und Admiral a.D. Büstenbinder vor dem Haus und animieren mich, endlich in die Gänge zu kommen. Als ich mich nach dem Grund des Besuchs erkundige, erklärt mir Edelbert, dass wir heute die "Miromar Auslass Geschäfte" (unlöblich: Miromar Outlet Stores) in Fort Myers ansteuern werden. Da ich keine wichtigen Termine in der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) verzeichnet habe, zeige ich mich einverstanden und bitte die netten Menschen herein. 
09.15 Uhr Bevor wir uns auf den Weg machen, verzehren wir radiohörend das wichtigste Mahl des Tages. Friedbert belegte eine geröstete Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) fingerdick mit geräuchertem Capocollo und kündigt an, dass er sich nicht lumpen lassen und viel Geld für neue Kleider ausgeben wird - wie schön.
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 deutet, hüpfen wir in Edelberts JEEP und krusen dauerhupend los. Der Professor kutschiert uns auf dem Tamiami Trail gen Norden und berichtet, dass wir eigentlich Frau Pontecorvo über unseren Ausflug in Kenntnis setzen sollen - papperlapapp. Friedbert rümpft demonstrativ die Nase und sagt, dass er keine Lust hat, sich stundenlang die Füsse in einem Frauenschuhladen in den Bauch zu stehen - wie wahr. 
10.45 Uhr Nach 16 Meilen kommen wir mit quietschenden Bremsen vor dem wunderschönen Einkaufsmarkt zum Halten. Der ehemalige Seebär steigt beeindruckt vom Rücksitz und lässt uns wissen, dass er selten ein grösseres Schoppingparadies gesehen hat. Um meinem Freund einen genaueren Einblick zu ermöglichen, erzähle ich aus dem Nähkästchen und merke an, dass hier 140 der angesehensten Markenhersteller Geschäfte betreiben und neuwertige Fabrikware zu besonders günstigen Konditionen feilbieten. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, laufen wir mit Hund Dixon im Schlepptau über das weitläufige Areal und bestaunen die Auslagen in den Schaufenstern. Friedbert ist kaum zu bremsen und führt uns spornstreichs ins J. CREW Fachgeschäft, um die aktuelle Mode der Saison in Augenschein zu nehmen. Als ich auf schöne T-Hemden mit Aufdruck deute, schüttelt Friedbert den Kopf und sagt, dass er sich etwas besonderes leisten und eine LEVI'S Tschiens anprobieren wird. Als ich mich skeptisch gebe und anschaulich darlege, dass Hosen aus dem Hause WRANGLER aktuell der letzte Schrei sind, winkt der ehemalige Seefahrer ab und fischt sich eine blaue Hose vom Regal. 
11.00 Uhr Während der gute Mann in einer geräumigen Umkleidekabine verschwindet, setze ich mich zu Edelbert auf eine Bank und stelle klar, dass ich mir den Vormittag ganz anders vorgestellt habe. Anstatt in menschenüberlaufenen Geschäften zu sein, würde ich lieber auf meiner Terrasse ein kühles Budweiser trinken. 
11.30 Uhr Nach geschlagenen 30 Minuten hat sich Friedbert endlich eine passende Hose zum Vorzugspreis von nur 39 Dollars gekauft. Augenrollend bugsiere ich die zwei aus dem Laden und erkläre, dass jetzt ein vitaminreiches Schokoladeneis in der Waffel nicht schaden kann. Der Admiral ist jedoch anderer Meinung und rennt wie der Wind in einen Sonnenbrillenladen. HEUREKA - was muss ich denn noch alles ertragen. Als ich mir die Haare raufe und mich in den Willoughby Drive sehne, werde ich plötzlich auf eine wasserstoffblonde Maid aufmerksam, die ich aus dem Fernsehen kenne. Ich stosse Edelbert aufgeregt in die Seite und mutmasse, dass es sich hierbei um die Landmusiksängerin Mindy McCready handeln muss. Mein Nebenmann schaut genau hin und entgegnet, dass die gute Frau derzeit in der Fernsehschau "Celebrity Rehab with Dr. Drew" (löblich: Prominenten Entzugsprogramm mit Dr. Drew) mitwirkt - wie aufregend. 
12.00 Uhr Nachdem sich Friedbert für eine modische ROBERTO CAVALLI Sonnenbrille entschieden hat, schlendern wir in die benachbarte SUBWAY Gaststätte und ordern an der Essensausgabe vitaminreiche Thuna Sandwiches (löblich: Thunfischbrote) sowie durstlöschendes Dr. Pepper. Wir lassen uns die Brotzeit an einem Ecktisch munden und beobachten währenddessen mehrere übermütige Jugendliche, die am Nebentisch Platz genommen haben. Weil die Rabauken mit ihren strahlenden Handtelefonen spielen und urheberrechtlich geschützte Musikdateien austauschen, erhebe ich mahnend den Zeigefinger und rechne vor, dass den Rechteinhabern durch diese kriminellen Handlungen Jahr für Jahr mehrere Milliarden Dollars durch die Lappen gehen. HEUREKA - wo soll das noch hinführen mit dieser Welt. 
12.45 Uhr Um mir auch etwas Gutes zu tun, lotse ich meine Begleiter in ein Film- und Musikgeschäft. Während meine Bekannten die neuesten Hollywoodproduktionen begutachten, stelle ich einen Verkäufer zur Rede und frage ihn bezüglich der neuen Blake Shelton Veröffentlichung aus. Herr Will (31) ist bestens informiert und sagt, dass die Kompaktscheibe während der vergangenen Tage sehr oft über den Ladentisch gewandert und derzeit vergriffen ist - wie unlöblich. Mit hängendem Kopf verlasse ich das Geschäft und gebe Edelbert zu verstehen, dass ich die Landmusikscheibe wohl im Amazon Anschnurladen herunterladen muss.
13.30 Uhr Wieder zurück am KFZ, verfrachten wir die Einkaufstüten auf die Ladefläche und treten zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY Radiomusik die Heimfahrt an. Um schneller voran zu kommen, fährt der Professor auf die Interstate 75 auf und sagt, dass wir uns jetzt einen ruhigen Nachmittag machen sollten - das ist eine hervorragende Idee. 
14.15 Uhr Zuhause angekommen, wünsche ich meinen Bekannten alles Gute und ziehe es vor, im klimatisierten Wohnzimmer eine wohlverdiente Pause einzulegen. Ich strecke genüsslich die Füsse aus und döse bald ein, um von meinem umjubelten Konzertauftritt in Dallas zu träumen - das waren noch Zeiten. 
15.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und verspüre ein ganz flaues Gefühl in der Magengegend. Da ich zu Mittag mit einem spärlichen Sandwich Vorlieb nehmen musste, richte ich ein Stück Käsekuchen auf einem Porzellanteller an und befülle meinen Kaffeebecher mit duftendem Bohnentrunk. Danach setze ich mich an den Schreibtisch und mache mich an die Anschnurarbeit. Ich finde gut ein Dutzend Fragen besorgter Heimseitenbesucher im elektronischen Postkasten vor und lese, dass Frau Ludmilla H. (77) vor einigen Wochen in den Hamburger Rotlichtbezirk St. Pauli gezogen ist und ständig mit den lärmenden Nachbarn aneinander gerät. Da mit leichten Mädchen und gewaltbereiten Rockern nicht gut Kirschen essen ist, rate ich der Rentnerin, schnellstmöglich ihr Ränzlein zu schnüren und aufs Land zu ziehen.
16.00 Uhr Nachdem ich eine Grussbotschaft an Sandra verfasst und ein Schreiben an meinen ehemaligen Studienkollegen Thomas Kronach abgesendet habe, schalte ich die neuen Einträge im beliebten Gästebuch frei. 
16.30 Uhr Nach der Arbeit besuche ich die Internetzpräsenz von Amazon.com und navigiere gekonnt durchs reichhaltige Angebot. Nach kurzer Suche werde ich im Empe 3 Geschäft fündig und sehe, dass die sechs Lieder umfassende Blake Shelton Veröffentlichung lediglich 4 Dollars kosten soll. Weil ich bekanntlich auf den Taler achten muss, nehme ich das Schnäppchen augenblicklich in Anspruch und speichere die Musikstücke dank modernster Datenfernübertragung auf der Festplatte - da kommt Freude auf. 
17.00 Uhr Zufrieden rufe ich den 1by1 Spieler auf und komme in den Genuss, wunderschöner Musik zu frönen. Während der aus Oklahoma stammende Sänger seinen Nummer 1 Schlag "Hillybilly Bone" anstimmt, schenke ich mir ein Budweiser ein und geniesse den köstlichen Hopfentrunk bei angenehmen Temperaturen auf der Terrasse. Dummerweise kommt just in diesem Moment Frau Pontecorvo an die Grundstücksgrenze und möchte wissen, wo ich heute Vormittag war. Obwohl ich meiner Nachbarin keine Rechenschaft schuldig bin, stehe ich ihr Rede und Antwort und erläutere, dass ich mit Edelbert und Friedbert nach Fort Myers fahren musste. Mein Gegenüber straft mich mit bösen Blicken und sagt, dass wir eigentlich in der kommenden Wochen die Miromar Auslass Geschäfte besuchen wollten. Um Frau Pontecorvo nicht zu verärgern, zwinkere ich ihr redlichst zu und gebe das Versprechen ab, dass wir in den nächsten Tagen erneut die Nachbargemeinde ansteuern werden. 
17.45 Uhr Während Dixon im Garten bleibt, um mit den Nachbarshunden zu spielen, kehre ich in die gute Stube zurück und schütte etwas Rapsöl in eine Pfanne. Um nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, hole ich ein tiefgefrorenes T Knochen Schnitzel (unlöblich: T-Bone Steak) aus dem Eiskasten und zaubere dazu einen leckeren Gurkensalat mit Zwiebelringen und lustigen Paprikastreifen - das geht schnell und schmeckt. 
18.15 Uhr Während das köstliche Fleisch im heissen Fett zischt, rufe ich ganz spontan bei James und Amanda im Waldweg 5 an. Meine ehemalige Untermieterin nimmt das Gespräch nach dem vierten Klingeln an und behauptet, dass es in meiner weissblauen Heimat Mitternacht ist. Weil ich nicht auf alles und jeden Rücksicht nehmen kann, komme ich auf den Grund meines Anrufs zu sprechen und frage die junge Frau bezüglich ihres verunglückten Sohnes aus. Amanda beruhigt mich und beteuert, dass David den Zahnarztbesuch gut überstanden hat und friedlich schläft - wie schön.
18.45 Uhr Nachdem ich der Maid eine ruhige Nacht gewünscht habe, setze ich mich erschöpft ins Wohnzimmer und lasse mir zu den FOX NEWS (löblich: Fuchs Nachrichten) das Abendessen schmecken. Der dunkelhäutige Moderator berichtet von den aktuellen Geschehnissen in der Welt und meldet, dass die aus Japan stammenden Immigranten bis zum Sonntag das sogenannte Mädchenfest begehen. Der Sprecher informiert über die Ursprünge dieses lächerlichen Brauchs und sagt, dass die Asiaten Puppen in die Fenster stellen, um böse Geister zu vertreiben. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben.
19.30 Uhr Nach der Hausarbeit rufe ich den Vierbeiner herein und lasse bei einem sehenswerten Spielfilm auf dem Bezahlsender HBO die Seele baumeln. Der Sender hat heute den preisgekrönten Streifen "Master & Commander" (löblich: Meister und Kommandant) ins Abendprogramm genommen. Ich öle meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck Schaumwein und werde Zeuge, wie Kapitän Jack Aubrey sein Segelschiff mitsamt der 197 Mann Besatzung durch die Weltmeere lenkt - da kommt Spannung auf. 
21.00 Uhr Als der Abspann über den überdimensionalen Bildschirm flimmert, drücke ich auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf und breche zu einem Gassigang durchs Wohngebiet auf. Ich summe die schöne Melodie von Garth Brooks Weltschlag "It's Your Song" (löblich: Es ist dein Lied) und erkläre meinem tierischen Begleiter, dass dieses schwülwarme Klima sogar den stärksten Rentner aus der Bahn wirft. 
21.30 Uhr Nachdem ich die Fenster sicher verschlossen und die Klimaanlage reguliert habe, gehe ich zufrieden ins Bett und höre noch etwas Radio. Gute Nacht.


03.03.2010
07.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und bemerke, dass Hund Dixon am Bett steht und mich ganz genau fixiert. Da mir das Haustier 
ans Herz gewachsen ist, streichle ich ihm über den Kopf und gebe bekannt, dass wir heute einen ruhigen Tag einlegen werden. Der Vierbeiner ist begeistert und hüpft ausgelassen auf die Matratze, um sich neben mir einzurollen - wie schön. 
08.00 Uhr Nachdem ich den Frühsport bei angenehmen 69°C (21°C) hinter mich gebracht habe, lasse ich mir ein löbliches Vollbad einlaufen. Ich wasche mich ordentlich und erfahre nebenher im Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land), dass heute vor 85 Jahren das von John Gutzon de la Mothe Borglum in Stein gemeisselte "Mount Rushmore National Memorial" (löblich: Berg Rushmore National Denkmal) in den Schwarzen Bergen (unlöblich: Black Hills) von South Dakota eingeweiht wurde. Wie jedes Kind weiss, zeigt das Monument die Köpfe der ehemaligen Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Obwohl die Lakota Indianer einst Sturm liefen und sich gegen die Eröffnung des Nationalmuseums aussprachen, verdienen sich die Rothäute heutzutage an den Touristenströmen eine goldene Nase. HEUREKA - vielleicht sollte ich einmal nach South Dakota fahren und mir dieses Denkmal aus nächster Nähe ansehen. 
09.00 Uhr Bevor ich das wichtigste Mahl des Tages verzehre, greife ich zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe in Edelberts Stadtwohnung an. Mein Bekannter meldet sich nach dem vierten Klingeln und erzählt, dass er bis in die frühen Morgenstunden mit Admiral a.D. Büstenbinder geplaudert und unzählige Flaschen Budweiser geleert hat - wie unlöblich. Als ich ein gemeinsames Frühstück anrege, windet sich der schlaue Mann aus der Verantwortung und meint, dass er noch ganz wacklig auf den Beinen ist und erst am Abend das Haus verlassen wird - das soll mir auch Recht sein. Um meinen Bekannten eine kleine Freude zu bereiten, zeige ich mich spendabel und bringe ein Abendessen in Julies Restaurant zur Sprache. Edelbert ist einverstanden und sagt, dass wir uns gegen 18 Uhr in unserer Stammwirtschaft treffen sollten. 
09.30 Uhr Achselzuckend lasse ich mir einen Becher Bohnentrunk sowie eine Portion Rühreier schmecken und blättere nebenher in der "Naples Daily News" (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten). Weil ich als Rentner zum Sparen verdammt bin, nehme ich die Schnäppchenprospekte in Augenschein und lerne, dass WINN DIXIE diese Woche besonders günstige Preise ausruft - wie schön.
10.00 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, scheuche ich meinen tierischen Mitbewohner zum JEEP und schicke mich an, mit quietschenden Reifen aus der Garage zu preschen. Während Gesangsstern Garth Brooks seinen Nummer 1 Schlag "Beaches of Cheyenne" (löblich: Strände von Cheyenne) singt, drücke ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und lasse mir die kühle Brise durchs Haar wehen - was kann es schöneres geben. 
10.15 Uhr Dreissig Minuten später finde ich mich in den klimatisierten Gängen des Supermarkts wieder und kann Produkte des täglichen Bedarfs in den Einkaufswagen verfrachten. Da man auf ausgewogenen Ernährung grössten Wert legen sollte, lade ich vitaminreiche Chicken Breasts (löblich: Hühnerbrüste), drei Flaschen KERBEL Weisswein, NILLA Cheese House Cracker (löblich: Nilla Käse Hausknacker), Edy's Ice Cream (löblich: Eiskreme), Brot, Salatkopf, Butter, Sechserpackung Budweiser sowie Royal Canin Trockenfutter für Dixon ein. 
10.45 Uhr Als ich an der Fleischtheke stehe und zungeschnalzend die Steaks (unlöblich: Schnitzel) begutachte, kommt eine übergewichtige Wurstfachverkäuferin namens Roxanne (41) daher und behauptet, dass gesundes Rinderhack hervorragend zum KERBEL Weisswein passt. Eifrig nickend stimme ich zu und beauftrage die Frau, zwei Pfund abzuwiegen und mir einen guten Preis zu machen. Immerhin habe ich keinen Goldesel im Vorgarten stehen.
11.00 Uhr Wenig später werde ich an der Kasse vorstellig und sehe mich genötigt, mein Kreditkartenkonto mit 57,22 Dollars belasten zu lassen. Da ich nicht auf den Kopf gefallen bin, bringe ich die 10% Rabattaktion ins Spiel und fordere die unterbelichtete Kassiererin auf, mir diesen Nachlass von der Gesamtrechnung abzuziehen. Anstatt meiner Bitte nachzukommen, verweist die Frau auf das Kleingedruckte und belehrt, dass der Rabatt ausschliesslich auf Produkte aus dem Hause KRAFT gewährt wird - das ist wieder typisch. 
11.15 Uhr Nachdem ich die schweren Einkaufstüten auf den Rücksitz meines PS-strotzenden Geländewagens gestellt habe, schlendere ich mit Hund Dixon in die benachbarte "Dairy Queen" (löblich: Molkerei Königin) Gaststätte und genehmige mir ein schmackhaftes BLIZZARD Eis mit Schokoladenstücken und Schlagobers. Die nette Maid hinter dem Tresen schenkt mir ein Lächeln und zögert nicht, mir eine lustige Waffel für meinen schwanzwedelnden Begleiter zu kredenzen - wie freundlich
11.45 Uhr Kurz vor dem Zwölfuhrläuten treffe ich wieder im Eigenheim ein und sehe mich mit Frau Gomez konfrontiert. Meine Zugehfrau flitzt mit dem Staubwedel durchs Wohnzimmer und fragt, ob ich auf einem Kindergeburtstag war. Seufzend belehre ich die Dame eines besseren und stelle klar, dass mir lediglich beim Ausparkversuch die Eistüte auf Hemd und Hose gefallen ist. Um nicht wie ein Gammler daher zu kommen, eile ich ins Schlafzimmer und entledige mich der verschmutzten Kleidung. Im Anschluss bereite ich belegte Brote zu und animiere die mexikanischen Putzfrau, mir auf der fliegenvergitterten Terrasse Gesellschaft zu leisten. 
12.30 Uhr Während wir gemütlich zusammensitzen und kraftvoll zubeissen, bringe ich meinen Ausflug zu den Keys zur Sprache und erwähne, dass ich in der vergangenen Woche einen Kurzurlaub eingelegt habe. Frau Gomez schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und erwidert, dass sie sich solche Luxusreisen beim besten Willen nicht leisten kann. Ausserdem spreche ich den Besuch meines Bekannten an und gebe zu Protokoll, dass Admiral a.D. Büstenbinder für drei Wochen bei Prof. Kuhn wohnt. Frau Gomez staunt nicht schlecht und entgegnet, dass sie am Freitag Edelberts Wohnung auf Hochglanz bringen und die Gelegenheit nutzen wird, um ein Kleingespräch mit meinem bayerischen Freund zu führen. 
13.00 Uhr Nachdem ich meinen Durst mit einem Glas Eistee gelöscht und die Putzfrau beauftragt habe, das Badezimmer zu reinigen, lege ich mich aufs Sofa und schliesse die Augen. Ich schlummere bald ein und träume von meiner Mieterin Sandra, die auch heute in der Werbeagentur "Dynamic Flow" (löblich: dynamischer Fluss) schuften und meine Rente erwirtschaften muss - wie schön. 
14.00 Uhr Gerade als ich meiner ehemaligen Untermieterin im Traum die Leviten lese, werde ich durch schrilles Telefonklingeln gestört. Augenreibend nehme ich das Gespräch entgegen und habe meinen löblichen Neffen in der Leitung. James kommt umgehend auf den Grund seines Anrufs zu sprechen und sagt, dass er heute mit David beim Zahnarzt war. Der gute Junge seufzt in einer Tour und gibt bekannt, dass sein Sohn beim Spielen von der Schaukel gefallen ist und sich einen Milchzahn ausgeschlagen hat - wie furchtbar. Als ich mir Sorgen mache, beruhigt mich James redlichst und fährt fort, dass der Kleine laut Aussage des Zahnarztes auch ohne den Milchzahn gut zurecht kommen wird. HEUREKA - an diesem Beispiel sieht man anschaulich, dass James und Amanda nicht fähig sind, auf meinen Grossneffen aufzupassen.
14.30 Uhr Nachdem ich James zur Ordnung gerufen und damit gedroht habe, bei weiteren Katastrophen das Sorgerecht einzuklagen, beende ich das Telefonat. Danach setze ich mich an den Heimrechner und beginne mit der täglichen Anschnurarbeit. Als erstes segle ich auf meine löbliche Heimseite und erkenne schnell, dass auch heute viele Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter eingetrudelt sind. Kopfschüttelnd lese ich den Brief einer alleinerziehenden Mutter aus Lüdenscheid und erfahre, dass ihr Sohn Kevin (13) heimlich Zigaretten raucht und sogar Schnaps trinkt - wie unlöblich. Selbstverständlich gebe ich qualifizierte Ratschläge und empfehle der Frau, dem Rüpel das Taschengeld zu streichen und ihn ins Internat zu stecken - so kann es jedenfalls nicht weitergehen. 
15.00 Uhr Zu guter Letzt schalte ich nette Grussbotschaften im beliebten Gästebuch frei und kümmere mich um meine persönliche Korrespondenz. Unter anderem verfasse ich einen Brief an meinen ehemaligen Studienkollegen Thomas Kronach und fordere ihn auf, mir bei Gelegenheit einen Besuch im Willoughby Drive abzustatten. 
15.30 Uhr Als endlich alles abgearbeitet ist, fahre ich das Fenster XP (unlöblich: Windows XP) Betriebssystem mausdrückend herunter und schalte den PHILIPS Flachbildschirm aus. Anschliessend finde ich mich diätcocacolaschlürfend auf der Terrasse ein und rufe bei meinem Bruder im fernen Toronto an. Da Georg heute sein 67. Wiegenfest feiert, wünsche ich ihm alles Gute und frage, ob er seinen Geburtstag im grossen Kreis feiert. Mein löblicher Bruder wiegelt ab und sagt, dass er lediglich seine Tochter Laura und ihren Lebensgefährten Herrn William zum Abendessen eingeladen hat - wie schön. Georg ist begeistert und kündigt flüsternd an, dass er seiner lieben Frau eine kleine Freude bereiten und sie am Wochenende zu einem Schoppingausflug in den grossen Apfel einladen wird. Georg geht noch weiter und plappert davon, dass er standesgemäss im "Peninsula Hotel" logieren und zigarrerauchend durch den Zentralpark (unlöblich: Central Park) flanieren wird - wie aufregend. 
16.00 Uhr Nachdenklich beende ich das kostspielige Ferngespräch und richte meinen Blick auf den künstlich angelegten See. Ich würde zu gerne meinen Koffer packen, um ebenfalls nach New York auszufliegen und dort ein luxuriöses Wochenende zu verbringen. Aber leider kann man im Leben nicht alles haben.
16.30 Uhr Während ich in der Küche stehe und Hund Dixons Trinknapf auffülle, mache ich mir Gedanken bezüglich meiner Reiseaktivitäten und komme zu dem Schluss, dass ich mich bereits im Frühling auf einen Abstecher in meine alte Heimat begeben werde. Bei dieser Gelegenheit erkläre ich dem Vierbeiner, dass wir uns einige entspannte Tage in meiner Villa im Waldweg machen und vielleicht sogar einen Ausflug zum Starnberger See unternehmen werden. Dixon ist begeistert und freut sich schon, mit meiner Mieterin Sandra ausgedehnte Spaziergänge zu machen - wie schön.
17.15 Uhr Nachdem ich das Haustier mit Wasser und Trockenfutter versorgt habe, denke ich an mein persönliches Wohl und werfe einen Blick in den Gefrierschrank. Nach kurzem Überlegen entscheide ich mich für ein Fischgericht in Form von Fischstäbchen mit vitaminreichen Kartoffelstäben als Beilege - da kommt Freude auf.
17.45 Uhr Ich hantiere gekonnt mit dem Kochlöffel und schaffe es im Handumdrehen, Fischstäbchen in Olivenöl herauszubraten und nebenbei einen gesunden Tomatensalat mit Zwiebelringen zu zaubern. Die tiefgefrorenen Kartoffelstäbe sonnen sich in der Zwischenzeit im Backrohr und verbreiten einen wunderbaren Duft in der Küche.
18.30 Uhr Düdeldü - endlich ist es soweit und ich kann mir das maritime Schmankerl zungeschnalzend auf der Terrasse schmecken lassen. Ich salze die Kartoffelstäbe etwas nach und vergesse auch nicht, mir ein Gläschen Weisswein aus dem goldenen Kalifornien einzuschenken. HEUREKA - diesen fruchtigen Tropfen muss man einfach probiert haben. Selbstverständlich lässt Dixon nicht lange auf sich warten und fordert winselnd ein Fischstäbchen - wie unlöblich. Weil man dem Hund bekanntlich keinen Wunsch abschlagen kann, gebe ich ihm etwas ab und stelle mit erhobenem Zeigefinger klar, dass es sich für einen Hund nicht gehört, am Tisch zu betteln.
19.30 Uhr Nachdem ich redlichst gespeist und in der Küche für Sauberkeit und Ordnung gesorgt habe, leine ich mein Haustier an und nehme es auf einen kleinen Spaziergang mit. Wir geniessen die milde Abendluft und denken an die armen Menschen im Norden, die sich immer noch mit Eis und Schnee herumärgern müssen. HEUREKA - wie gut, dass wir in Südflorida leben.
20.15 Uhr Zurück in der schmucken Villa, leine ich Dixon ab und lasse mich erschöpft auf das Wohnzimmersofa fallen. Da im Fernsehen offensichtlich nichts gescheites ausgestrahlt wird, greife ich auf meine DVD Sammlung zurück und entscheide mich für eine Folge der beliebten 80er Jahre BR Serie "Der Schwammerlkönig" mit Wolfgang Fiereck und Walter Sedlmayr.
20.45 Uhr Ich werde Zeuge, wie der Schwaiger Fritz einen Kiosk an der Rennbahn in Riem pachtet und 20.000 Bratwürste bestellt. Der Jungunternehmer organisiert zum Unabhängigkeitstag eine grosse Westernveranstaltung und lässt bei dieser Gelegenheit sogar seine Mutter, eine Landmusiksängerin, aus den USA einfliegen. HEUREKA - diesen Schmarrn muss man einfach gesehen haben.
21.30 Uhr Ein unterhaltsamer Fernsehabend geht zu Ende und ich drücke auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der Fernbedienung. Nachdem ich alle Fenster sicher verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schlafe schon bald ein. Gute Nacht.


02.03.2010
07.15 Uhr Ich werde durch ohrenbetäubendes Telefonbimmeln geweckt und habe Admiral a.D. Bürstenbinder in der Leitung. Der 
Besucher aus meiner weissblauen Heimat plappert ohne Unterlass und meint, dass er sehr schlecht geschlafen hat. Der pensionierte Seefahrer legt trotz allem beste Laune an den Tag und sagt, dass Edelbert gerade unter der Dusche steht und ihn beauftragt hat, alles für das Frühstück einzukaufen. Da ich mich in der Innenstadt bestens auskenne, falle ich Friedbert ins Wort und lasse ihn wissen, dass in der direkter Nachbarschaft eine kleine Familienbäckerei beheimatet ist, in der es ab 8 Uhr köstliche Backkreationen zu kaufen gibt. Mein Gesprächspartner schnalzt mit der Zunge und erwidert, dass er sich sofort auf den Weg machen und französische Hörnchen (unlöblich: Croissants) besorgen wird - wie schön. 
07.45 Uhr Nachdem wir vereinbart haben, uns gegen halb 10 Uhr im Willoughby Drive zu treffen, beende ich das Ortsgespräch. Um mir etwas Gutes zu tun, ziehe ich mich spornstreichs in die Nasszelle zurück und beginne den Tag mit einem löblichen Wirbelbad. Nebenher lausche ich dem Internetzprogramm des BR und lerne, dass die englische Sängerin Dusty Springfield vor 11 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Wie jedes Kind weiss, wurde die kleine Frau zeitlebens als "White Queen of Soul" (löblich: Weisse Königin der Seelenmusik) bezeichnet. Frau Springfield veröffentlichte während ihrer fast vierzigjährigen Karriere unzählige Schallplatten und verzeichnete mit "Son of a Preacher Man" (löblich: Sohn eines Predigers) einen Weltschlag. Leider verstarb die talentierte Musikerin am 2. März 1999 an den Folgen einer Krebserkrankung - wie traurig.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten steige ich ächzend aus der Wanne und werfe mich in farbenfrohe Freizeitkleidung. Weil noch etwas Zeit bleibt, führe ich Hund Dixon auf die Terrasse und mache es mir zur Aufgabe, sein zerzaustes Fell zu bürsten. Der Vierbeiner lässt die Prozedur nur widerwillig über sich ergehen und knurrt mich in regelmässigen Abständen an. Ich erhebe den Zeigefinger und mache dem Haustier klar, dass gutes Aussehen auch für Hunde sehr wichtig ist. 
09.15 Uhr Wenig später treffen Prof. Kuhn und der Admiral in der Villa ein und überraschen mich mit vitaminreichen Cannolis, warmen Semmeln und zwei Pfund Jacobs Kaffee aus der Hansestadt Hamburg. Wir nehmen bei angenehmen Temperaturen auf der fliegenvergitterten Terrasse platz und verzehren das wichtigste Mahl des Tages. Währenddessen redet Friedbert unaufhörlich auf mich ein und erzählt, dass er fünf Kilo Bohnenkaffee sowie mehrere Dosen Tomatenfisch ins Land geschmuggelt hat. Edelbert schnalzt mit der Zunge und kündigt an, dass er sich am Abend eine schöne Makrele schmecken lassen wird. Da ich mich nicht um alles kümmern kann, wechsle ich das Thema und informiere, dass wir gleich nach Fort Myers krusen sollten, um mit Frau Pontecorvo die "Miromar Outlet Stores" (löblich: Miromar Auslass Geschäfte) zu erkunden. Meine Tischnachbarn reiben sich die Hände und sind einstimmig der Meinung, dass man das schöne Wetter ausnutzen sollte, um eisschleckend durch das einladende Einkaufsparadies zu flanieren. 
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 deutet, kommt meine Nachbarin an die Grundstücksgrenze und winkt uns freundschaftlich zu. Als Kavalier der alten Schule begrüsse ich die Gute mit Handkuss und fordere sie auf, sich zu uns zu setzen. Die nette Dame nimmt die Einladung lächelnd an und sagt, dass sie jetzt ihre Freundin im Krankenhaus besuchen wird. Als ich nachfrage, seufzt Frau Pontecorvo und berichtet, dass sich Frau Blanche gestern Abend den Ringfinger der rechten Hand gebrochen hat - wie schrecklich. Selbstverständlich mache ich mir sogleich die grössten Sorgen und vermute, dass sie uns unter diesen Umständen nicht begleiten kann. Meine Nachbarin stimmt zu und versichert, dass wir den Ausflug nächste Woche nachholen werden. 
10.30 Uhr Nachdem sich die Frau verabschiedet hat, rücke ich meine NY YANKEES Kappe zurecht und gebe bekannt, dass wir aus gegebenem Anlass unsere Planung über den Haufen werfen und stattdessen zum "Bonita Bay Club" (löblich: Bonita Bucht Verein) im Norden fahren könnten. Als ich klarstelle, dass besagte Wohnanlage direkt am Meer liegt und von Floridas grösster Golfanlage umsäumt ist, mache der Admiral grosse Augen und meint, dass wir sofort losfahren sollten - wie schön.
11.00 Uhr Gutgelaunt steigen wir in Edelberts schneeweissen Geländewagen ein und schicken uns an, mit durchdrehenden Reifen vom Grundstück zu brettern. Der Professor dreht am Frequenzknopf des Radios und bringt uns in Windeseile zur 7 Meilen entfernten Estero Bay. Während der Fahrt seufzt Friedbert in einer Tour und sagt, dass er an Naples Gefallen gefunden hat und sich vorstellen könnte, hier alt zu werden. Um dem Gast aus dem verschneiten Bayern einen genaueren Einblick zu gewähren, verweise ich auf das angenehme Klima und gebe zu Protokoll, dass die Menschen in Südflorida 300 Sonnentage pro Jahr geniessen können.
11.30 Uhr Bei stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY Musikberieselung gleiten wir durch das Bonita Bay Wohngebiet und beäugen die hochgewachsenen Palmen am Strassenrand. Während Alan Jackson seinen neuen Schlag "It's Just That Way" (löblich: Es ist einfach so) trällert, erzähle ich aus dem Nähkästchen und offenbare, dass allerhand Prominente wie Buzz Aldrin, Bill Gates und Donald Trump hier die Winter verbringen und sich im Golfspiel üben. 
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, fahren wir aus der schicken Wohngegend heraus und entschliessen uns, den "Carl E. Johnsons Park" auf der vorgelagerten Insel anzusteuern. Edelbert holt alles aus seinem Allradfahrzeug heraus und versichert, dass er sich nicht lumpen lassen und uns zum Mittagessen einladen wird.
12.30 Uhr Hungrig und durstig parken wir das KFZ vor dem "Pincher's Crab Shack" (löblich: Pfennigfuchser Krabben Bude) Gasthaus am Estero Boulevard und setzen uns an einen einladenden Tisch auf der Sonnenterrasse. Der Wirt lässt nicht lange auf sich warten und versorgt uns mit einer Karaffe Eiswasser sowie den Speisekarten. Während Friedbert seine Meerschaumpfeife stopft, überfliege ich das reichhaltige Angebot und entscheide mich für "Fried Calamari" (löblich: frittierte Tintenfische) mit gekringelten Kartoffelstäben und Salat. 
13.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, blickt Friedbert wehmütig auf das azurblaue Wasser und sagt, dass er sich nach dem Essen ein Bad im Ozean genehmigen wird. Da sich Friedbert in jungen Jahren gerne zu den Nackedeien in den Isarauen gesellt hat, spreche ich ihm gut zu und merke an, dass Nacktbaden in Florida verboten ist - wo kämen wir denn da hin.
13.45 Uhr Nachdem wir die opulente Mahlzeit mit Schaumkaffees abgerundet haben, laufen wir mit Hund Dixon im Schlepptau zum Strand. Weil etwas Ruhe nicht schaden kann, lassen wir uns auf einer Bank nieder und animieren den Vierbeiner, die frechen Möwen aufzuscheuchen. Friedbert steckt sich währenddessen sein Pfeifchen an und bläst lustige Rauchringe in den wolkenlosen Himmel. Während wir tschillen und den Hund beim Spielen beobachten, lässt Edelbert unsere Reise nach Key West in allen Einzelheiten Revue passieren. Der Professor ist voll des Lobes und sagt, dass die Bürger der Stadt der Weltwirtschaftskrise trotzen und sich schon zur Mittagszeit ordentlich betrinken. Friedbert lacht laut auf und sagt, dass ein kühles Weissbier jetzt gerade Recht käme. 
14.30 Uhr Um nicht einem Hitzeschlag zum Opfer zu fallen, kehren wir plaudernd zum JEEP zurück und machen uns auf den Heimweg. Admiral a.D. Bürstenbinder ist heute zu Scherzen aufgelegt und erklärt, dass wir in Edelberts Stadtwohnung die Sektkorken knallen lassen und einen über den Durst trinken sollten - papperlapapp. Da ich bekanntlich ein Vorbild für die Jugend bin, schüttle ich entschieden den Kopf und entgegne, dass ich schnellstmöglich nach Hause gebracht werden möchte.
15.15 Uhr Wieder zurück in der Villa, wünsche ich meinen Freunden einen ruhigen Nachmittag. Danach lasse ich die Türe ins Schloss fallen und genehmige mir im klimatisierten Wohnzimmer eine wohlverdiente Pause. Während die CARRIER Klimaanlage stetig surrt, schliesse ich die Augen und döse nach wenigen Sekunden ein. 
16.15 Uhr Just als ich mich schneeschaufelnd vor meinem Haus im Waldweg 11 stehen sehe, wird die himmlische Ruhe durch sehr aggressives Dauerklingeln unterbrochen. Als ich nörgelnd die Pforte öffne und den Ruhestörer zur Rede stellen möchte, finde ich Frau Pontecorvo vor. Meine Nachbarin schiebt mich schimpfend zur Seite und sagt, dass es ältere Leute heutzutage nicht leicht haben. Als ich mir weiterführende Infos erbete, kommt meine Nachbarin auf ihren Krankenhausbesuch zu sprechen und setzt mich über die Tatsache in Kenntnis, dass Frau Blanche die Nacht in einer fensterlosen Rumpelkammer verbringen musste - wie unlöblich. Ferner bringe ich heraus, dass die arme Frau stundenlang auf einen Facharzt warten und schlimme Schmerzen ertragen musste. Als bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen, rede ich der Frau gut zu und animiere sie, noch heute einen Anwalt zu konsultieren. Um der netten Dame eine kleine Freude zu bereiten, kredenze ich frischen Bohnenkaffee und serviere zudem Donuts aus dem PUBLIX Einkaufsmarkt. 
16.45 Uhr Während ich den Heimrechner einschalte und unzählige Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher abrufe, gibt sich Frau Pontecorvo deprimiert und sagt, dass Frau Blanche morgen Gott sei Dank die Klinik wiederverlassen darf. Da ich meine Zeit nicht gestohlen habe, beginne ich die Anschnurarbeit und lese das Schreiben einer 41jährigen Hausfrau aus Bad Nauheim, die grosse Probleme mit ihrer 12jährigen Tochter Rosi hat. Anstatt fleissig im Haushalt mitzuhelfen, sitzt das unterbelichtete Ding an den Nachmittagen im Wohnzimmer, um sich zu schminken und Lippenstift aufzutragen - wie unlöblich. Weil Pflegeprodukte sehr gefährlich sind, verfasse ich ein gepfeffertes Antwortschreiben und rate, der frechen Maid das Taschengeld zu streichen.
17.15 Uhr Nachdem ich einer Studentin (27) aus Berlin klargemacht haben, dass sie auf keinen Fall zum sogenannten Spring Break (löblich: Frühlingsbruch) nach Daytona Beach ausfliegen sollte, schalte ich die neuesten Einträge im beliebten Gästebuch frei. Frau Pontecorvo leistet mir Gesellschaft und sagt, dass ich mir die harte Arbeit bezahlen lassen sollte. Da es mir als engagiertem Anschnurseelsorger nicht auf den Gewinn ankommt, winke ich ab und gebe zu Protokoll, dass ich mich gerne in den Dienst der Löblichkeit stelle. 
17.30 Uhr Nach getaner Arbeit lasse mir als kleine Aufmunterung ein Diät Coca Cola munden. Nebenbei mache ich mir Gedanken bezüglich des Abendessens und lade Frau Pontecorvo kurzerhand zum Essen ein. Ruckzuck schiebe ich die Alte zum JEEP und presche hupend in Richtung Julies Restaurant davon. 
18.00 Uhr Wir werden von der Wirtin begrüsst und an einen Fenstertisch mit Ausblick geführt - wie schön. Nach kurzem Überlegen sind wir uns einig und bestellen den Fang des Tages (löblich: Catch of the Day) sowie etwas angebratenen Speck für meinen braven Hund. 
18.30 Uhr Während wir uns über die maritime Speise hermachen, plaudern wir über Admiral a.D. Bürstenbinder. Frau Pontecorvo ist alles andere als begeistert und sagt, dass meine Stammtischbekanntschaft schlechte Manieren an den Tag legt und nach Zigarettenrauch stinkt - wie wahr. 
19.15 Uhr Nachdem wir Schaumkaffees verköstigt und einen selbstgebackenen Streuselkuchen probiert haben, bezahle ich die gesalzene Rechnung mit meiner praktischen Meisterkarte. Danach bringe ich Frau Pontecorvo sicher nach Hause und wünsche ihr einen angenehmen Abend. 
19.45 Uhr Zurück im kultivierten Eigenheim, steige ich aus den Kuhjungenstiefel (unlöblich: Cowboyboots) und lasse den Tag bei hunde- und rentnergerechten Fernsehformaten ausklingen. Wie es sich für einen mündigen Bürger gehört, verfolge ich als erstes die Nachrichten auf FOX. Danach wähle ich den Bezahlsender HBO aus und fröne dixonkraulend der sehenswerten Dokumentation "Blair Witch Project" (löblich: Blair Hexen Projekt) aus dem Jahre 1999. Erzählt wird die wahre Geschichte dreier Studenten, die in den Wäldern von Burkittsville in Maryland spurlos verschwinden. Zu allem Überfluss fanden die ermittelnden Behörden Monate später eine Filmkamera und kamen zu dem Schluss, dass die Jugendlichen in die Fänge einer garstigen Hexe geraten sind - das ist ja allerhand. 
21.30 Uhr Als der Abspann über den überdimensionalen Flachbildschirm flimmert, drücke ich verängstigt auf den "OFF" (löblich: AUS) Knopf und unternehme einen Rundgang durch Haus und Garten. Nachdem sich sichergestellt habe, dass sich keine Hexen im Gebäude aufhalten, lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.


01.03.2010
07.15 Uhr Eine neue Woche im Rentnerparadies Florida beginnt und ich werde durch wunderschöne Radiomusik geweckt. 
Gutgelaunt eile ich auf die fliegenvergitterte Terrasse und begrüsse den Tag mit dem schönen Volkslied "Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt" - da kommt Freude auf. 
07.30 Uhr Als ich meine eingeschlafenen Muskeln mit dem Hampelmann lockere, kommt Frau Pontecorvo an die Grundstücksgrenze und möchte wissen, welches Lied ich auf den Lippen habe. Natürlich erhebe ich sogleich den Zeigefinger und informiere, dass es sich hierbei um eine alte Volksweise aus meiner weissblauen Heimat handelt. Meine Nachbarin schwärmt in den höchsten Tönen und meint, dass ich noch heute nach Nashville ausfliegen sollte, um in der "Grand Ole' Opry" zu pörformen - papperlapapp. 
08.00 Uhr Nachdem wir etwas geplaudert haben, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und gönne mir ein Wirbelbad. Während das Sprudelbad blubbert, tippe ich Edelberts Festnetznummer ins Tastenfeld der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und erkundige mich, wann Admiral a.D. Bürstenbinder in Fort Myers ankommen wird. Der Professor ist bestens unterrichtet und erwidert, dass unser Bekannter mit DELTA Airlines über den grossen Teich fliegen und gegen 18 Uhr im Sonnenscheinstaat eintreffen wird - wie schön. Mein Gesprächspartner freut sich und kündigt an, dass wir gemeinsam nach Fort Myers fahren könnten, um den Seebären in Empfang zu nehmen - das soll mir Recht sein. 
09.00 Uhr Nach dem Badevergnügen setze ich mich an den Frühstückstisch und lasse mir das wichtigste Mahl des Tages im Beisein meines bettelnden Haustieres schmecken. Nebenher blättere ich in der "Naples Daily News" (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) und bringe in Erfahrung, dass heute vor 78 Jahren eines von Charles Lindberghs Kindern entführt wurde. Die Ganoven forderten vom weltbekannten Piloten ein stattliches Lösegeld und versprachen, den kleinen Charles (2) nach der Geldübergabe frei zu lassen. Leider wurde der Bube am 12. Mai des gleichen Jahres tot aufgefunden - wie traurig.
09.30 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, schlage ich die Kreuzworträtselseite auf und entspanne mich bei einem japanischen SUDOKU. Mit flinken Fingern trage ich Zahlen ein und denke an die wunderschönen Tage, die ich in Key West verbringen durfte. 
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten bimmelt das Telefon und ich habe meine Schwägerin aus dem fernen Toronto dran. Maria redet ohne Unterlass auf mich ein und sagt, dass ihr Ehemann auf Anraten des Hauarztes etwas Kürzer treten muss. Als ich mir Sorgen mache, beruhigt mich die Gute und meint, dass Georg in den letzten Wochen viel um die Ohren hatte und am Samstag von einem Schwindelanfall übermannt wurde - wie unlöblich. Maria legt jedoch beste Laune an den Tag und erklärt, dass sie Georg überzeugen konnte, einige freie Tage einzulegen und seinen anstehenden Geburtstag im kleinen Kreis zu feiern. Als ich mich schon in Gesellschaft meiner Verwandten unter einer nochgewachsenen Palme sitzen sehe, windet sich Maria aus der Verantwortung und meint, dass derzeit keine Reise nach Naples geplant ist - wie schade.
10.15 Uhr Nach dem Telefonat setze ich mir meine NY YANKEES Mütze auf und scheuche Hund Dixon zum JEEP. Mit durchdrehenden Reifen presche ich aus der Garage und erkläre meinem Haustier, dass wir jetzt Getränke in "Bob's Liquor Store" besorgen müssen.
10.45 Uhr Wenig später komme ich hupend vor dem Alkoholgeschäft meines Vertrauens zum Stehen und wünsche dem Ladeninhaber einen schönen guten Morgen. Herr Bob begrüsst mich redlichst und gibt zu Protokoll, dass ich eine gesunde Bräune habe und ganz hervorragend aussehe. Ich nicke eifrig und berichte, dass ich mich in der letzten Woche in Key West vergnügt habe. Mein Gegenüber schnalzt mit der Zunge und antwortet, dass es nichts schöneres gibt, als auf den vorgelagerten Inseln die Sektkorken knallen zu lassen - dem ist nichts hinzuzufügen. 
11.15 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, stelle ich drei Sechserpackungen Budweiser, 10 Flaschen Löwenbräu Weissbier sowie ein Fläschchen "Southern Comfort" (löblich: Südlicher Komfort) in den Einkaufswagen. Herr Bob beglückwünscht mich für die Auswahl und belehrt, dass dieser Likör aus Whiskey, Pfirsichsaft, Orangen und diversen Gewürzen gemischt wird und besonders bekömmlich ist - wie wahr. 
11.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang steuere ich den PS-strotzenden Geländewagen zu Julies Restaurant. Mit Hund Dixon im Schlepptau lasse ich mich am Stammtisch nieder und ordere bei Bedienung Peggy einen Eistee sowie eine Portion Homestyle Meatloaf (löblich: Hackbraten nach Art des Hauses). Dazu gibt es köstlichen Kartoffelbrei sowie einen Caesars Salad (löblich: Cäsar Salat) mit Yoghurtdressing - das schmeckt. 
12.00 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse, komme ich mit der Kellnerin ins Gespräch und erhalte die Auskunft, dass die Restaurantinhaberin nicht da ist. Frau Peggy versorgt mich mit wissenswerten Infos und plappert, dass ihre Scheffin nach Miami gefahren ist, um auf einer Küchenmaschinenmesse nach einer günstigen Friteuse Ausschau zu halten. Als ich genauer nachfrage, kann sich die Bedienung ein Schmunzeln nicht verkneifen und erzählt, dass sich vor wenigen Tagen eine kleine Maus ins Frittiergerät verirrt hat - das ist ja allerhand. 
12.45 Uhr Da mir nun der Appetit vergangen ist, lasse ich mir die Rechnung bringen und hinterlege ein stattliches Trinkgeld. Danach trete ich radiohörend den Heimweg an und fahre ruckzuck ins Wohngebiet zurück. 
13.15 Uhr Während Dixon im Garten bleibt und mit den Nachbarshunden Toby und Max spielt, verfrachte ich die Getränkeflaschen in den Kühlschrank und lege mich dann aufs Sofa. Ich strecke genüsslich die Beine aus und döse bald ein. 
14.15 Uhr Sehr lautes Telefonschrillen reisst mich aus einem schönen Traum. Als ich mir den Hörer ans Ohr halte, meldet sich Prof. Kuhn und unterbreitet, dass er sich soeben im Internetz schlau gemacht und herausgefunden hat, dass Friedberts Flug bereits um 17.45 Uhr landen wird. Der schlaue Mann kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und sagt, dass er mich in drei Stunden abholen wird. Seufzend beende ich das Ortsgespräch und setze mich dann an den Heimrechner, um meinen Pflichten als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger nachzukommen.
14.45 Uhr Nachdem ich eine kleine Inventur im beliebten Andenkenladen gemacht und neue Ware bei meinem indonesischen Grosshändler Bambang nachbestellt habe, rufe ich Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter ab. Unter anderem stolpere ich über den elektronischen Brief einer 44jährigen Mutter aus Hoyerswerda und lese, dass ihr Sohn Felix (17) immer aufmüpfiger wird und Geld aus ihrer Börse stibitzt. Anstatt artig zur Schule zu gehen, schwänzt der Bube ständig den Unterricht und hat es sich zur Aufgabe gemacht, biertrinkend am Bahnhof herumzulungern - wie schrecklich. Weil mir das Wohl der heutigen Jugend sehr am Herzen liegt, stehe ich der leidgeprüften Ostdeutschen zur Seite und rate ihr, dem Jungen ins Gewissen zu reden und ihm den Umgang mit sogenannten Punkern zu verbieten.
15.30 Uhr Zu guter Letzt schalte ich Grussbotschaften im Gästebuch frei und gehe dann von der Leine. Als kleine Belohung schenke ich mir ein gesundes Budweiser ein und lasse es mir in grossen Schlucken auf der Terrasse munden - das tut gut. 
16.00 Uhr Just als ich zum Füllfederhalter greife und ein lustiges Mondgesicht auf die Zeitung male, kommt Frau Pontecorvo dazu und serviert hausgemachte Quarktaschen. Da zu einer schmackhaften Backkreation gewöhnlich Kaffee serviert wird, eile ich spornstreichs in die Küche und giesse kräftigen Bohnentrunk in die Hahn und Hennen Tassen. Meine Nachbarin nimmt das Heissgetränk entgegen und möchte wissen, ob wir morgen zum Abschoppen nach Fort Myers fahren wollen. Nachdem ich ausnahmsweise keine wichtigen Terminen habe, zeige ich mich einverstanden und erwähne, dass wir Admiral a.D. Büstenbinder die "Miromar Auslass Geschäfte" (unlöblich: Miromar Outlet Stores) zeigen könnten. Frau Pontecorvo ist begeistert und deutet plötzlich auf das von mir in Minutenschnelle gelöste SUDOKU Rätsel. Anstatt mich mit Lob zu überschütten, lacht die Frau laut und behauptet, dass es nicht Ziel des Spiels ist, wahllos Zahlenkombinationen ins Gitter zu schreiben. Da ich mich nicht um alles kümmern kann, wechsle ich das Thema und merke an, dass ich demnächst das von Wind und Wetter in Mitleidenschaft gezogene Wohnzimmerfenster abschleifen werde.
16.30 Uhr Nachdem ich Frau Pontecorvo verabschiedet habe, kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und verzehre ein Schinkenbrot. Bei dieser Gelegenheit spähe ich auf meine goldene ROLEX und komme schnell zu dem Schluss, dass Edelbert gleich vorbeikommen wird. Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, mache ich mich nützlich und jäte vor der Haustüre Unkraut. Währenddessen werde ich Zeuge, wie Herr Rhodes von nebenan eine Truhe aus dem Haus schleppt. Herr Rhodes steht mir Rede und Antwort und sagt, dass er seine Oben-Ohne Magazine sortiert hat und die kostbarsten Stücke nun in der Garage lagern wird. Weil bei Herrn Rhodes Hopfen und Malz verloren ist, mache ich kopfschüttelnd kehrt und warte auf die Ankunft des Professors.
17.00 Uhr Pünktlich auf die Minute fährt der schneeweisse JEEP vor und ich kann einsteigen. Während Hund Dixon auf dem Rücksitz auf und ab hüpft, schiebt Prof. Kuhn den Wählhebel der Automatikschaltung in die "D" Stellung und prescht hupend los - das kommt Freude auf.
17.45 Uhr Nach 20 Meilen parken wir den Geländewagen vor der Ankunftshalle und laufen voller Vorfreude ins Flughafengebäude. Zu unserer Überraschung treffen wir Admiral a.D. Büstenbinder pfeifestopfend auf einer Bank an und erfahren, dass er sich bereits seit fünfzehn Minuten die Beine in den Bauch steht. Da man bekanntlich in öffentlichen Einrichtungen nicht rauchen darf, erhebe ich Einspruch und erkläre dem Admiral, dass er sich seine Meerschaumpfeife unter keinen Umständen anstecken sollte. Der ehemalige Seefahrer zeigt mir den Vogel und kontert, dass es ein Grundrecht sein sollte, Tabak zu konsumieren und lustige Rauchringe in die Luft zu blasen. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schnappe ich mir Friedberts Seesack und lotse ihn schnellstmöglich zum Auto. 
18.15 Uhr Während der Professor die Tachonadel an die 45 Meilen Grenze bringt, frage ich den Besucher bezüglich seiner Anreise aus und höre, dass es während der Atlantiküberquerung zu einem Tumult gekommen ist. Friedbert schiebt alle Schuld von sich und verdeutlicht, dass er für den Schwelbrand in der Flugzeugtoilette nicht verantwortlich war. HEUREKA - wo soll das noch hinführen mit dieser Welt. 
19.00 Uhr Als ich vorschlage, das Abendessen im Italiengasthaus "Bravissimo" einzunehmen, winkt Friedbert demonstrativ ab und sagt, dass er sich wegen der langen Reise kaum mehr auf den Beinen halten kann - wie schade. Edelbert zuckt mit den Schultern und schlägt vor, dass wir uns morgen zum gemeinsamen Frühstück in meiner Villa treffen könnten - das ist eine hervorragende Idee.
19.15 Uhr Zuhause angekommen, winke ich meinen Bekannten hinterher und lasse die Pforte ins Schloss fallen. Danach schiebe ich eine Fertigpizza aus dem Hause TOMBSTONE ins Ofenrohr und zaubere ausserdem einen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen. 
19.45 Uhr Zur besten Sendezeit aktiviere ich den überdimensionalen Flachbildschirm und registriere, dass heute keine hunde- und rentnergerechten Filme laufen. Um etwas Abwechslung zu haben, verfrachte ich eine DVD mit den Abenteuern der Familie Drombusch ins Abspielgerät und fröne pizzaverzehrend der Folge "Der Zerfall". In besagter Episode kündigt Vera ganz überstürzt ihren Tschob im Alice-Hospital. Zu allem Überfluss beschädigt sie beim Einparkversuch auch noch ein fremdes Fahrzeug und wird von der Polizei mit dem Vorwurf konfrontiert, zu tief ins Glas geschaut zu haben. HEUREKA - was muss die arme Frau denn noch alles ertragen.
20.30 Uhr Als der Abspann läuft, wähle ich das Qualitätsprogramm von "FOX" aus und lasse beim Fernsehformat "Dr. House" die Seele baumeln. Da ich nur Bahnhof verstehe, schalte ich ab und unternehme einen letzten Rundgang durch Haus und Garten. Im Anschluss lege ich mich ins Bett und schmökere im nervenaufreibenden Stephen King Buch "Die Arena". Gute Nacht.


28.02.2010
Hi Fans,

gestern Abend musste ich in Bernds Werkstatt ordentlich mit anpacken. Bis weit nach Mitternacht habe ich meinem Cousin geholfen, Radläufe an den JEEP anzuschweissen. Ausserdem haben wir die Stossdämpfer ausgewechselt und die komplette Auspuffanlage ausgetauscht. Bernd wird heute nach Bessenbach bei Aschaffenburg fahren, um einen Austauschmotor für den Jeep zu besorgen. Wenn alles nach Plan läuft, können wir die Maschine am nächsten Wochenende einsetzen. Spätestens Mitte März wird mein Auto in neuem Glanz erstrahlen und mir hoffentlich noch viele Jahre gute Dienste leisten :-)

Mit meinem Vermieter habe ich heute auch telefoniert und erfahren, dass er am Nachmittag bei Frau Pontecorvo zum Kaffeekränzchen eingeladen ist. Prof. Kuhn, Scherriff Bradfort und die ehemalige Eigentümerin der Pfaffenberg Villa im Willoughby Drive - Frau Rabkin - werden ebenfalls kommen. Ausserdem hat Herr Pfaffenberg angekündigt, dass er im Mai nach Deutschland fliegen wird, um zwei Wochen James, Amanda und mir auf die Nerven zu gehen ;-) Er will seinen Reisepass verlängern lassen, Bankgeschäfte erledigen und alte Freunde treffen.

Aber bis dahin geht noch viel Zeit ins Land. Ich werde mich jetzt aufs Sofa knallen und mir "Pretty Baby" auf ARTE anschauen. Der Film erzählt die Geschichte der Prostituierten Hattie (gespielt von Susan Sarandon), die mit ihrer Tochter Violet (Brooke Shields) in New Orleans lebt. Für Filmfans ist dieser Streifen ein Muss !!!

  Wir lesen uns spätestens am kommenden Samstag wieder.
  Ich wünsche euch eine angenehme Woche.
  Sandra Corte 


27.02.2010
Servus,

als ich am Dienstag das Tagebuch las, ist mir fast die Limoflasche aus der Hand gefallen. Mein Vermieter ist tatsächlich nach Key West gefahren und hat sich schöne Tage im Sheraton gemacht. Was würd' ich dafür geben, wenn ich mit Pfaffi tauschen und ebenfalls in Key West abhängen könnte. Für mich zählt die Stadt auf den Keys zu den schönsten Orten auf dem nordamerikanischen Kontinent.

Aber leider muss ich im kalten Deutschland leben und hart arbeiten. Mein Vermieter hat heute übrigens seine Reisetasche gepackt und ist mit Prof. Kuhn zurück nach Naples gefahren. Er hat mich vor wenigen Minuten angerufen und mir mitgeteilt, dass er mit Edelbert in einem Subway Restaurant sitzt und sich ein Sandwich schmecken lässt. In wenigen Stunden werden die zwei in Naples eintreffen und das Wochenende chillig angehen lassen.

Übrigens wird Pfaffenbergs Stammtischbruder Admiral a.D. Bürstenbinder morgen nach Amerika fliegen, um für drei Wochen in Edelberts Stadtwohnung zu wohnen. Pfaffi freut sich schon und hat mich wissen lassen, dass er mit Friedbert Ausflüge unternehmen und ihm die Vorzüge des Sonnenscheinstaats näher bringen wird. Ich denke, dass der olle Admiral irgendwann ebenfalls den Sprung über den grossen Teich wagen und sich ein Häuschen zulegen wird.

So, mehr gibt's nicht zu berichten. Ich werd' jetzt meinem Cousin Bernd einen Besuch abstatten und ihm bei der Instandsetzung meines Jeeps helfen. Es gibt viel zu tun, denn mein Geländewagen bekommt neue Radläufe und einen neuen Auspuff. 

  Bis morgen wünsche ich euch alles Gute
  Sandra C.


26.02.2010
07.30 Uhr Mein praktischer SONY Reisewecker klingelt und läutet den letzten Freitag des Monats ein. Um nicht den ganzen Tag im
Bett zu liegen, schiebe ich Hund Dixon von der Matzratze und stehe dann auf. Wie es sich für einen sportbegeisterten Rentner gehört, öffne ich das Fenster und führe die wichtige Morgengymnastik durch. Nebenher spähe ich auf das nicht enden wollende Blau des Ozeans und denke daran, dass 90 Meilen südlich der kommunistische Inselstaat Kuba liegt - wie unlöblich. Während die Menschen in den Vereinigten Staaten in Freiheit und Wohlstand leben, sind 52% aller Kubaner bitterarm und haben nicht einmal die Möglichkeit, Sanitäranlagen oder Frischwasserquellen zu nutzen - wie traurig. 
08.00 Uhr Da ich mich nicht um alles kümmern kann, schliesse ich das Fenster und gönne mir ein Vollbad. Hund Dixon legt sich währenddessen auf den kühlen Fliesenboden und macht es sich zur Aufgabe, in regelmässigen Abständen auf sein Quietschspielzeug zu beissen. Um auf andere Gedanken zu kommen, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und tippe Edelberts Handtelefonnummer ins Tastenfeld ein. Mein Bekannter meldet sich nach dem zweiten Klingeln und teilt mir auf Anfrage mit, dass Herr Wang nach dem Frühstück einen Angeltörn unternehmen und mit einer Reisegruppe zu der "Dry Turtuga" Inselgruppe schippern wird. Weil ich keine Lust habe, stundenlang auf einem unbequemen Schiff festzusitzen, erteile ich dem Professor eine Absage und gebe bekannt, dass ich eine spannende Busrundfahrt durch die Innenstadt geplant habe. Edelbert zeigt sich einverstanden und sagt, dass er mich gerne begleiten würde - das soll mir Recht sein. 
09.00 Uhr Nach dem Badevergnügen schlüpfe ich in meine bequemen Flip Flops und eile mit Hund Dixon im Schlepptau ins hauseigene Frühstücksgasthaus. Dort treffe ich Edelbert und Herrn Wang und zögere nicht, ihnen Gesellschaft zu leisten. Während ich mir gebutterte Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) mit Rühreiern und Speck munden lasse, löchere ich Herrn Wang mit Fragen und finde heraus, dass der Gute gegen 10 Uhr in See stechen und mit 18 weiteren Angelfreunden nach Junghaifischen Ausschau halten wird. Als ich grosse Augen mache, beruhigt mich mein Bekannter und sagt, dass er seinen Fuss unter keinen Umständen ins kühle Nass setzen wird. Mein Tischnachbar kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und plappert, dass er mit einem stattlichen Fang rechnet und bestimmt viel Freude haben wird. 
09.30 Uhr Nachdem ich meinen Teller geleert habe, reiche ich Herrn Wang die Hand und gebe ihm zu verstehen, dass wir uns am Abend an der TIKI Bar treffen sollten. Der Motelbesitzer nickt eifrig und verspricht, uns zu Speis und Trank einzuladen - wie aufmerksam. 
10.00 Uhr Düdeldü - bei angenehmen Temperaturen schlendere ich mit Prof. Kuhn und Hund Dixon zum Roosevelt Boulevard und informiere, dass es in Key West die Möglichkeit gibt, an einer kostspieligen "Trolley Tour" (löblich: Strassenbahn Ausfahrt) teilzunehmen. Da ich jedoch nicht auf den Kopf gefallen bin, erhebe ich den Zeigefinger und lasse Edelbert wissen, dass wir Geld sparen und uns kurzerhand Tageskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen werden. Um dem Professor einen genauen Einblick zu gewähren, verweise ich auf die Informationsbroschüre des Tourismusbüros und stelle klar, dass der Bus mit der Nummer 5 ebenfalls alle Sehenswürdigkeiten der Stadt ansteuert.
10.30 Uhr Nach einer erquickenden Wanderung entlang des Boardwalks (löblich: Strandweg) machen wir an einem Bushäuschen Halt und lesen auf einer Infotafel, dass der nächste Stadtbus nicht lange auf sich warten lassen wird - das klappt wieder wie am Schnürchen. Edelbert lobt mich in den höchsten Tönen und behauptet, dass ich trotz meines hohen Alters ein richtiger Fuchs bin - wie unlöblich. Selbstverständlich strafe ich meinen Begleiter mit bösen Blicken und entgegne, dass ich in der Mitte des Lebens stehe und längst nicht zum alten Eisen gehöre.
10.45 Uhr Wenige Augenblicke später können wir in einen klimatisierten Omnibus besteigen und zwei Fahrkarten für je 7 Dollars lösen. Während Hund Dixon eine alte Schachtel (83) mir roten Haaren anknurrt, nehmen wir entspannt platz und können es kaum erwarten, durch die sehenswerte Innenstadt zu krusen. Edelbert reibt sich die Hände und meint, dass eine kühle Hopfenkaltschale in "Sloppy Joe's" Biertränke jetzt nicht schaden kann - wie wahr. 
11.15 Uhr Anstatt in Richtung Altstadt weiterzufahren, biegt der garstige Busfahrer an der nächsten Ampel rechts ab und schlägt den Weg zum "Key West International Airport" (löblich: Key West Internationaler Flughafen) ein. Als ich den langhaarigen Schoffeur zur Rede stelle, zuckt er nur mit den Schultern und merkt an, dass wir uns im Bus 18 befinden - das ist wieder typisch.
11.45 Uhr Kurz vor der Mittagszeit stehen wir wieder auf der Strasse und müssen geduldig auf den nächsten Bus warten. Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, erwerbe ich in einem Kiosk zwei Dosen Diät Coca Cola und animiere den Professor, seinen Durst zu löschen. Mein Begleiter nimmt das Kaltgetränk mit Freude entgegen und sagt, dass unser Kurzurlaub viel zu schnell vergangen ist. Ich blicke traurig drein und erwidere, dass wir morgen leider nach Naples zurückrasen müssen - wie schade. Der Professor redet mir jedoch gut zu und erinnert daran, dass Admiral a.D. Bürstenbinder am Montag im Sonnenscheinstaat ankommen und uns für drei lange Wochen Gesellschaft leisten wird - wie schön. 
12.15 Uhr Nach dreissig Minuten ist es endlich soweit und wir können mit der Linie 5 in die Innenstadt fahren. Während Edelbert unentwegt Photos knipst, erzähle ich aus dem Nähkästchen und gebe zu Protokoll, dass die Menschen in Key West bis zum Jahre 1912 in Armut leben mussten. Erst als die Gemeinde an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, stieg das Pro-Kopf-Einkommen auf den Landesdurchschnitt an. Heutzutage kommen weit über 2.000.000 Touristen pro Jahr auf die vorgelagerten Inseln, um in den luxuriösen Hotelbetrieben zu übernachten und das milde Klima zu geniessen - das ist phantastisch. 
13.15 Uhr Nachdem wir eine ganze Stunde kreuz und quer durch das Zentrum gefahren sind, hüpfen wir an der Haltestelle "Simonton / Southard Street" aus dem Gefährt und spazieren zur Jimmy Buffett Musikkneipe "Margaritaville". Edelbert freut sich und glaubt, dass wir den weltbekannten Sänger höchstwahrscheinlich hinter dem Tresen antreffen werden. Lachend falle ich dem Professor ins Wort und merke an, dass Herr Buffett gestern vor Zehntausenden jubelnden Anhängern in Miami pörformt hat und heute bestimmt kein Bier ausschenkt. 
13.45 Uhr Hungrig und durstig lassen wir uns an einem einladenden Holztisch nieder und bestellen zu stimmungsvollen Landmusikklängen gegrillte "Cheeseburger in Paradise" (löblich: Käseburger im Paradies) sowie lustige Biere vom Fass. Da Hund Dixon nicht zu kurz kommen darf, stecke ich der kessen Bedienung (23) einen Schein zu und bitte sie, meinem Haustier ebenfalls etwas feines zu kredenzen.
14.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und mit den Bierkelchen anstossen, macht mein Tischnachbar einen hervorragenden Vorschlag und unterbreitet, dass wir nach dem Essen in Ernest Hemingways Stammkneipe "Sloppy Joe's" einkehren sollten - wie aufregend. 
15.00 Uhr Nachdem ich im Andenkenladen noch eine schicke "Margaritaville" Kappe erworben habe, verlassen wir erheitert die Wirtschaft und flanieren auf der Duval Street gen Norden. Edelbert ist begeistert und kündigt an, dass er bald wieder nach Key West reisen wird, um ordentlich abzufeiern und die Sektkorken knallen zu lassen. Wir laufen in das ehemalige Stammlokal des weltbekannten Autors ein und stossen an der Bar auf zwei deutschsprachige Rucksacktouristen, die sich über die gesalzenen Preise aufregen. Da ich heute die Spendierhosen anhabe, klopfe ich den aus Dresden stammenden Personen auf die Schulter und lasse es mir nicht nehmen, zwei Budweiser auszugeben. 
15.30 Uhr Danach folge ich Edelbert an einen Tisch und spüle meine Kehle mit kräftigen Schlucken durch. Mein Bekannter blickt sich neugierig um und berichtet, dass Herr Hemingway fast jeden Tag in "Sloppy Joe's Bar" das Abendessen eingenommen hat. Weiter lerne ich, dass an diesem Ort auch eine Szene für die wegweisende Hollywoodproduktion "Citizen Cane" (löblich: Bürger Cane) gedreht wurde. 
16.15 Uhr Nach einem weiteren Bier hüpfen wir gutgelaunt in ein Taxi und beauftragen den Fahrer, uns schnellstmöglich zum
"Sheraton Suites Key West Hotel" zurückzubringen. Der Heini drückt das Gaspedal bis zum Anschlag durch und rast mit quietschenden Reifen los - da kommt Freude auf. 
16.45 Uhr Wieder zurück im Hotel, lüfte ich meine neue Kappe und weise Edelbert auf die Tatsache hin, dass wir um 19 Uhr mit Herrn Wang in der TIKI Bar verabredet sind. Edelbert schnalzt mit der Zunge und sagt, dass er zur Feier des Tages gegrillten Hummer bestellen und sich an diversen Langgetränken laben wird. HEUREKA - wo soll das noch hinführen. 
17.15 Uhr Weil ich ganz verschwitzt bin, kehre ich augenblicklich auf mein Zimmer zurück und erfrische mich mit einer Dusche. Anschliessend kredenze ich meinem erschöpften Haustier eine Trockenfuttermahlzeit und lege im bequemen Ohrensessel eine wohlverdiente Pause ein. Ich schlummere bald ein und sehe mich im Traum vor dem Petersdom in der italienischen Millionenmetropole Rom stehen. 
18.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und könnte Bäume ausreissen. Hund Dixon rennt ausgelassen zur Türe und fordert mich auf, endlich in die Gänge zu kommen und ihm etwas Auslauf zu verschaffen. Da noch etwas Zeit bleibt, nehme ich den Racker an die Leine und eile mit schnellen Schritten zum Strand, um Stöckchen zu werfen und meine Füsse im karibischen Wasser zu baden - was kann es schöneres geben. Der brave Vierbeiner ist ganz aus dem Häuschen und macht es sich zur Aufgabe, den frechen Möwen hinterher zu jagen und laut zu bellen. 
19.00 Uhr Nach dem Gassigang besuchen wir die TIKI Bar im Innenhof und finden Edelbert und Herrn Wang plaudernd an einem einladenden Tisch unweit des Schwimmbeckens vor. Weil mein Magen knurrt, setze ich mich spornstreichs dazu und ordere beim Kellner ein vitaminreiches Rancho Steak (löblich: Bauernhof Schnitzel) sowie etwas angebratenen Speck für Dixon. 
19.30 Uhr Während wir uns am Abendessen laben, redet Herr Wang ohne Unterlass auf uns ein und sagt, dass sein heutiger Angelausflug sehr lustig war. Unter anderem erfahren wir, dass ein Wolldeckenvertreter aus Georgia zu tief ins Glas geschaut und kopfüber ins Wasser gestürzt ist. Herr Wang kann sich ein Lachen nicht verkneifen und meint, dass er 18 Kilo Fisch gefangen hat, den wir morgen mit nach Naples nehmen müssen. Edelbert ist alles andere als begeistert und kontert, dass er unter keinen Umständen die stinkende Fracht transportieren wird. 
20.30 Uhr Nach einer exquisiten Nachspeise wechsle ich das Thema und frage nach, wann wir morgen losfahren wollen. Edelbert schaut skeptisch auf seine TIMEX Armbanduhr und rechnet vor, dass wir für die 260 Meilen lange Strecke mindestens 7 Stunden einplanen sollten. Um nicht stundenlang im Stau zu stehen, fassen wir den Entschluss, gleich nach dem wichtigsten Mahl des Tages aufzubrechen. 
21.00 Uhr Nachdem ich mein Bierglas geleert habe, erhebe ich mich von der Tafel und wünsche meinen Bekannten einen schönen Abend. Herr Wang zwinkert mir redlichst zu und sagt, dass er sich jetzt zu der einsamen Blondine am Nebentisch gesellen und sie zu einem Schlummertrunk einladen wird - wie unlöblich. 
21.30 Uhr Ein aufregender Tag geht langsam zu Ende und ich kehre aufs Hotelzimmer zurück. Während sich Dixon auf seine Spielsachen stürzt, mache ich mich bettfertig und verfolge auf CNN die Nachrichten. Da keine brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, drücke ich mich weiter durchs Kabelprogramm und verweile letztendlich auf dem "SCI-FI Channel", wo über ausserirdische Lebensformen auf dem Mond berichtet wird. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben. 
22.00 Uhr Um nicht ganz zu verblöden, beende ich den Fernsehabend und mache alle Lichter aus. Gute Nacht.


25.02.2010
07.15 Uhr Ein neuer Tag im Sonnenscheinstaat fängt an und ich habe gar keine Orientierung. Erst als ich aus 
dem Fenster schaue und den azurblauen Ozean sehe, fällt mir ein, dass ich mich seit gestern in Key West aufhalte - wie schön. Da es viel zu erleben gibt, hüpfe ich sogleich vom bequemen King Size Bett und begrüsse den neuen Tag mit dem Frühsport am Fenster. Danach greife ich zum Telefon und rufe bei Prof. Kuhn an. Mein Bekannter wünscht mir einen schönen guten Morgen und sagt, dass er in Kürze Herrn Wang in der Wellnessoase (löblich: Wohlfühl Oase) treffen wird. Als ich ein gemeinsames Frühstück anrege, windet sich der Professor aus der Verantwortung und erinnert daran, dass er nach dem Saunieren eine Massage geniessen wird - das soll mir auch Recht sein. 
07.45 Uhr Gutgelaunt gönne ich mir eine Vollbad und studiere währenddessen eine Informationsbroschüre des örtlichen Tourismusbüros. Unter anderem lerne ich, dass Key West nicht nur über hunderte Gaststätten verfügt, sondern auch allerhand Sehenswürdigkeiten bereithält. Da etwas Kultur nicht schaden kann, entschliesse ich mich, nach dem wichtigsten Mahl des Tages zum "Southernmost Point" (löblich: Südlichster Punkt) zu wandern und meinem liebgewonnenen Vierbeiner etwas Auslauf zu verschaffen. 
08.45 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, beende ich das Badevergnügen und schlüpfe in legere Freizeitkleidung. Im Anschluss verlasse ich das Zimmer und laufe spornstreichs in den hoteleigenen Frühstücksraum. Ein gestriegelter Kellner im Anzug heisst mich herzlich Willkommen und zögert nicht, mir einen Einzeltisch unweit des Büfetts anzubieten. Ich lasse mich hungrig nieder und bestelle Kaffee sowie etwas angebratenen Speck für mein Haustier. Während Dixon brav unter dem Tisch verweilt, belade ich einen Teller mit köstlichen Rühreiern, kross angebratenem Schinken sowie Hash Browns (löblich: Kartoffelpuffer) - wie gut das duftet. 
09.15 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, komme ich mit einer Witwe (69) am Nebentisch ins Gespräch und vernehme, dass sie in Key West den Winter verbringt. Die Dame stellt sich mir als Frau Rosfort aus Lincoln, NE vor und sagt, dass sie finanziell unabhängig ist. Seufzend falle ich der Dame ins Wort und entgegne, dass ich ein armer Rentner aus Deutschland bin, der mit seiner bescheidenen Rente kaum über die Runden kommt. Frau Rosfort wendet sich naserümpfend ab und sagt, dass sie mit armen Leuten nicht redet - das ist wieder typisch. Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und nippe genüsslich am Kaffeebecher. 
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten verlasse ich die Gaststätte und treffe am Empfang auf Herrn Wang und Edelbert. Meine Freunde freuen sich und plappern davon, dass jetzt die Massage ansteht. Ich tippe demonstrativ auf meine wertvolle ROLEX und erkläre, dass ich gleich die Stadt erkunden und gegen halb Eins das Mittagessen im "Coral Crab Café" (löblich: Korallenkrabben Kaffeehaus) einnehmen werde. Herr Wang ist begeistert und sagt, dass wir uns zur besagten Uhrzeit treffen könnten.
10.00 Uhr Ich schlendere mit Dixon im Schlepptau zum Boardwalk (unlöblich: Strandweg) und betrachte die vielen Badegäste, die sich im Beachvolleyball (unlöblich: Strandflugball) üben. Mein Haustier ist ganz aus dem Häuschen und lässt es sich nicht nehmen, an den vertrockneten Mangrovengewächsen seine Duftmarken zu hinterlassen. 
10.30 Uhr Weil es mir kaum möglich ist, den stark befahrenen Roosevelt Boulevard zu überqueren, winke ich kurzerhand ein Taxi herbei und lasse mich zum zwei Meilen entfernten Südlichsten Punkt der Vereinigten Staaten kutschieren. Der Taxifahrer (52) versorgt mich während der kurzweiligen Fahrt mit allerhand Infos und sagt, dass am Wochenende die ersten Frühlingsbruch (unlöblich: Spring Break) Besucher nach Key West kommen werden. Ich schlage erschrocken die Hände über dem Kopf zusammen und erwidert, dass ich Gott sei Dank am Samstag abreisen werde. Der nette Zeitgenosse schimpft in einer Tour und meint, dass er von den jugendlichen Menschenmassen die Schnauze voll hat und deswegen nicht arbeiten wird. 
11.00 Uhr Am Ziel angekommen, steige ich voller Vorfreude aus der Kraftdroschke und lasse Dixon wissen, dass wir uns nun am Südlichsten Punkt des Nordamerikanischen Kontinents aufhalten. Ich zücke augenblicklich meine leistungsstarke NIKON Digitalkamera und lichte einen von Wind und Wetter in Mitleidenschaft gezogenen Betonpfeiler ab, auf dem geschrieben steht, dass Kuba 90 Meilen entfernt liegt - wie aufregend.
11.30 Uhr Da noch etwas Zeit bleibt, besuche ich das nahegelegene Stadtzentrum und begutachte die reich bestückten Schaufenster der Geschäfte. Nebenbei kaufe ich für kleines Geld einige Ansichtskarten und setze mich dann völlig verschwitzt in ein einladendes Kaffeehaus. Ich verzehre ein mit Erdbeeren und Sahne gefülltes Cannoli und nehme meinen Füllfederhalter zur Hand, um Urlaubsgrüsse an meine Schwestern Hildegard und Elsbeth niederzuschreiben.
12.00 Uhr Als die Kirchenglocken der Stadt läuten, bezahle ich die Zeche in Bar und nehme ein Taxi, um schnellstmöglich zum "Sheraton Suites Key West Hotel" zurückzukehren. Während der Fahrt tratsche ich mit dem Schoffeur und merke an, dass diese Gemeinde wirklich prima ist. Der dunkelhäutige Fahrer blickt jedoch skeptisch drein und antwortet, dass das Leben in Key West kaum erschwinglich ist. 
12.30 Uhr Pünktlich auf die Minute betrete ich die hoteleigene Gaststätte und finde Herrn Wang und Prof. Kuhn plaudernd an einem Ecktisch vor. Meine Bekannten kommen aus dem Schimpfen gar nicht mehr heraus und setzen mich darüber in Kenntnis, dass Edelbert während des Saunagangs einen Anruf seiner Nachbarin bekommen hat. Wissbegierig frage ich nach und erhalte die Auskunft, dass in Frau Brandie Creams Garage während der Nacht eingebrochen wurde. Da ich mich nicht um alles kümmern kann, schlage ich die Speisekarte auf und entscheide mich für die karibische Spezialität Jambalaya. Meine Tischnachbarn bestellen ebenfalls und lassen ihre Tagesaktivitäten in allen Einzelheiten Revue passieren. Während ich meine ausgetrocknete Kehle öle, redet der Professor ohne Unterlass auf mich ein und verdeutlicht, dass er frühmorgendliche Saunagang super war. Ausserdem pocht der schlaue Mann mit dem Zeigefinger auf die Tischplatte und meint, dass ich morgen unbedingt mitkommen muss - papperlapapp. Weil ich ein seriöser Rentner mit Prinzipien bin, schüttle ich entschieden mit dem Kopf und erkläre, dass ich lieber der Kultur frönen und Jimmy Buffetts Musikkneipe "Margaritaville" in der Duval Street besuchen werde.
13.30 Uhr Nach der reichhaltigen Mahlzeit kehre ich aufs Zimmer zurück und lasse mich erschöpft auf die bequeme Matratze fallen. Während sich Dixon mit einem Kauknochen beschäftigt, schliesse ich die Augen und schlummere bald ein. 
14.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und fühle mich wegen der schwülen Witterung ganz schlapp. Da Rentner bekanntlich viel Ruhe und Entspannung benötigen, klatsche ich in meine Hände und fordere den Hund auf, mich ans Schwimmbecken zu begleiten. Nachdem ich eine Bermudahose angezogen und in ein graues T-Hemd mit NYPD Aufdruck geschlüpft bin, eile ich hinunter und lasse mich in einem Liegestuhl nieder - wie schön. Wenig später kommt Edelbert dazu und serviert mir ein alkoholhaltiges Getränk namens "Floral Martini" - wie aufmerksam. Der Professor schnalzt mit der Zunge und sagt, dass dieses Langgetränk (unlöblich: Longdrink) aus Holunderblütenschnaps, Gin und weissem Rum gemischt wird und besonders bekömmlich ist - wie schön.
15.00 Uhr Während ich die Seele baumeln lasse, halte ich mit dem Professor ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk) und gebe zu Protokoll, dass es eine hervorragende Idee war, nach Key West zu fahren. Mein Bekannter nickt eifrig und sagt, dass das SHERATON Hotel ausgezeichnet ist und keine Wünsche offen lässt - wie wahr. 
16.00 Uhr Nach einer geschlagenen Stunde wird es mir zu bunt. Nörgelnd erhebe ich mich vom Liegestuhl und gebe Edelbert zu verstehen, dass ich nun die wichtige Anschnurarbeit in Angriff nehmen werde. Prof. Kuhn zeigt sich einverstanden und erinnert daran, dass wir uns gegen halb Sieben an der TIKI Bar zum Abendessen einfinden sollten. 
16.30 Uhr Während sich der Professor weiter in der prallen Sonne aalt, laufe ich mit Dixon ins hoteleigene Internetzkaffeehaus und finde mich diätcocacolaschlürfend an einem freien Arbeitsplatz ein. Wie es sich für einen staatlich anerkannten Anschnurseelsorger gehört, segle ich auf meine lehrreiche Internetzpräsenz und rufe Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab. 
16.45 Uhr Im Postkasten finde ich neben vielen Werbedepeschen auch ernstgemeinte Zuschriften und bringe heraus, dass es die Jugend in meiner alten Heimat derzeit besonders bunt treibt. Frau Petra T. (33) aus Würzburg klagt mir ihr Leid und schreibt, dass sie die Faxen dicke hat und es nicht mehr mit ansehen kann, wie sich ihr Sohn Maximilian das Leben versaut. Anstatt artig für die Schule und das Leben zu lernen, hat es sich der 13jährige zur Aufgabe gemacht, sogenannten Killerspielen zu frönen und auf virtuellem Wege Millionen Menschen zu töten - wie unlöblich. Weil bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen, verfasse ich sogleich ein gepfeffertes Antwortschreiben und rate der armen Frau, dem Buben das Taschengeld zu streichen und ihm das Heimrechnerspiel "Tecken" wegzunehmen. 
17.15 Uhr Nachdem ich weiteren Erziehungsberechtigten aus der Patsche geholfen habe, schalte ich die neuesten Einträge im Gästebuch frei. Ferner recherchiere ich im weltweiten Internetz für neue Berichte und erfahre, dass sich die FDP auf dem absteigenden Ast befindet und aktuell kaum 10% der Wähler mobilisieren könnte. An diesem Beispiel sieht man anschaulich, dass die Menschen in Deutschland nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. 
17.45 Uhr Um mich nicht ärgern zu müssen, beende ich die Anschnursitzung und kehre mit Hund Dixon aufs Hotelzimmer zurück. Als Tierfreund kredenze ich dem Vierbeiner eine stattliche Portion Trockenfutter und vergesse auch nicht, den Trinknapf mit Leitungswasser aufzufüllen. Danach wechsle ich die Kleidung und ziehe zur Feier des Tages meinen schönsten Sommeranzug an.
18.15 Uhr Während der Hund im angenehm temperierten Doppelzimmer zurückbleibt und sich die Zeit mit Fernsehschauen vertreibt, laufe ich mit einem schönen Lied auf den Lippen zum vereinbarten Treffpunkt im begrünten Innenhof. Edelbert und Herr Wang stossen wenige Augenblicke später dazu und vertreten einstimmig die Meinung, dass ein Abendessen nicht schaden kann - wie wahr. Um nicht zu verhungern, kehren wir in die hoteleigene TIKI Bar ein und nehmen neben einem überdimensionalen Aquarium Platz, in dem sich lustige Zierfische tummeln. HEUREKA - diese Farbenpracht muss man gesehen haben.
18.45 Uhr Eine rothaarige Hotelbedienstete lässt nicht lange auf sich warten und erzählt, dass der Scheffkoch gegrillten Zander an Zitronengras empfehlen kann. Da mir der Gusto nach einem vitaminreichen Fleischgericht steht, erhebe ich Einspruch und trage der Maid auf, ein saftiges T-Bone Steak (löblich: T Knochen Schnitzel) mit schwarzen Bohnen und Bratkartoffeln aufzufahren. Dazu gibt es einen grossen Krug (unlöblich: Pitcher) Rolling Rock Bier - das Leben kann wirklich schön sein. 
19.30 Uhr Wir lassen uns die Mahlzeit voller Genuss schmecken und tratschen währenddessen über unsere Heimreise in zwei Tagen. Edelbert schaut traurig drein und meint, dass wir unseren Urlaub verlängern und bis zum kommenden Wochenende bleiben sollten. Um meinen Tischnachbarn einen genauen Einblick zu gewähren, verweise ich auf den anstehenden Frühlingsbruch und erkläre, dass im Laufe der nächsten Tage Tausende marodierende Jugendliche nach Key West kommen werden, um ausgelassen zu feiern und einen Höllenlärm zu veranstalten. Edelbert macht grosse Augen und sagt, dass wir unter diesen Umständen schnellstmöglich nach Naples zurückkehren sollten. 
20.30 Uhr Ein netter Abend geht zu Ende und ich wünsche meinen Freunden eine geruhsame Nacht. Weil ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, eile ich aufs Zimmer und beschliesse den Tag mit einer Dusche. Danach streiche ich Hund Dixon übers Köpfchen und erfreue mich am HBO-Serienerfolg "The Sopranos"
21.30 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, betätige ich den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der neumodischen Fernbedienung und mache das Licht aus. Gute Nacht.

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