Das Tagebuch von Reinhard Pfaffenberg
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24.02.2010
06.45 Uhr Ich werde durch merkwürdige Klopfgeräusche geweckt und bemerke beim Blick auf den Reisewecker, dass es noch nicht
Click for Naples, Florida Forecast einmal 7 geschlagen hat - wie unlöblich. Da man bei diesem Krach kein Auge schliessen kann, stehe ich augenblicklich auf und entspanne mich bei einem Vollbad mit Schaum. Während ich meine Beine ausstrecke und die Spinnennetze an der Badezimmerdecke beäuge, hallt plötzlich ein markerschütternder Frauenschrei durchs "Hungry Pelican" (löblich: Hungriger Pelikan) Motel. HEUREKA - gleich platzt mir der Kragen. Kopfschüttelnd greife ich zum Handtuch und schlüpfe dann in bequeme Freizeitkleidung.
07.30 Uhr Nachdem ich meine Tasche gepackt und etwas Kleingeld für das Reinigungspersonal hinterlegt habe, stapfe ich zum benachbarten Zimmer und lasse Edelbert wissen, dass ich in dieser Absteige keine Minute länger bleiben werde. Der Professor öffnet die Pforte und informiert, dass sein Zimmernachbar seit Stunden stöhnt und in regelmässigen Abständen an die Wand pocht. Da wir hier augenscheinlich in einer Drogenhölle gelandet sind, klatsche ich in die Hände und fordere meinen Bekannten auf, endlich in die Gänge zu kommen. 
08.00 Uhr Wenig später sitzen wir im schneeweissen JEEP und krusen radiohörend von dannen. Der Professor wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn und bestätigt, dass er letzte Nacht keinen Schlaf finden konnte. Ich verweise vogelzeigend auf die schäbige Inneneinrichtung und gebe bekannt, dass ich so schnell nicht wieder in einem zweitklassigen Motel übernachten werde. Edelbert beruhigt mich redlichst und verspricht, dass wir bald im renommierten SHERATON Hotel eintschecken können. 
08.30 Uhr Nach fünf Meilen drosselt mein Bekannter die Geschwindigkeit und kommt vor einem einladenden Frühstücksgasthaus namens "Harriett's Restaurant" zum Stehen - wie schön. Ich hüpfe hungrig vom Beifahrersitz und laufe mit Hund Dixon im Schlepptau in die einladende Wirtschaft. Ein freundlicher Kellner weist uns zwei Plätze an einem Fenstertisch zu und mutmasst, dass wir uns am Büfett bedienen wollen - wie wahr. Weil man sich nicht ohne das wichtigste Mahl des Tages auf eine lange Reise begeben sollte, schnappe ich mir einen Teller und lade lustige Bratkartoffeln, Rühreier, Speckstreifen und eine undefinierbare Mehlspeise auf. Edelbert ist wie immer bestens unterrichtet und sagt, dass es sich hierbei um eine karibische Spezialität handelt, die von den Einheimischen "Hula Hut" genannt wird. Ich koste die Spezialität und registriere, dass dieses Gericht aus Bananen und in Rum getränkten Rosinen hergestellt wurde. Edelbert ist voll des Lobes und sagt, dass er selten eine bessere Süssspeise gegessen hat.
09.00 Uhr Während der Kellner etwas Bohnentrunk nachschenkt, zücke ich meine Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe kurzerhand bei Herrn Wang im 100 Meilen entfernten Key West an. Der gute Mann ist gerade im hauseigenen Massagesalon und berichtet, dass er sich hervorragend eingelebt hat und gestern mit leichtbekleideten Blondinen in der Hotelbar war. Ich falle Herrn Wang ins Wort und gebe zu Protokoll, dass ich nun doch über mein Schatten gesprungen bin und mich kurzfristig entschlossen habe, mit Prof. Kuhn nach Key West zu kommen. Mein Scheff ist überrascht und erkundigt sich, wann wir ankommen werden. Ich schiele auf meine wertvolle ROLEX und entgegne, dass wir gegen Mittag im SHERATON eintreffen sollten. Herr Wang schnalzt mit der Zunge und gibt das Versprechen ab, gleich einen Tisch im "Coral Crab Café" (löblich: Korallenkrabbe Kaffeehaus) zu reservieren und uns zu Speis und Trank einzuladen - das ist phantastisch. 
09.45 Uhr Nachdem wir uns gestärkt haben, setzen wir die Fahrt fort. Edelbert lässt den Motor aufheulen und folgt dem Highway 1 unaufhaltsam gen Süden. Währenddessen redet mein Begleiter ohne Punkt und Komma auf mich ein und verkündet, dass diese Strasse die einzige Landverbindung zwischen den Florida Keys und dem Festland ist. Ich weiss Bescheid und informiere, dass die sogenannte "Seven Mile Bridge" (löblich: Sieben Meilen Brücke) zwischen Marathon und Bahia Honda zu den beeindruckendsten Bauwerken der Neuzeit zählt. HEUREKA - diese Landschaft muss man einfach gesehen haben. 
10.30 Uhr Zu stimmungsvoller Radiomusik gleiten wir durch die 12.000 Einwohner zählende Gemeinde Marathon und bestaunen die Restaurants und Nachtclubs am Strassenrand. Ferner erfahren wir, dass die Stadt sogar über einen Flughafen verfügt, der Touristen aus allen Teilen des Landes auf die vorgelagerten Inseln bringt. Edelbert legt beste Laune an den Tag und sagt, dass er am liebsten seine Stadtwohnung verkaufen und hierher ziehen würde - papperlapapp. Um meinen Bekannten vor einem Fehler zu bewahren, bringe ich die vielen Urlauber ins Spiel und zeige anschaulich auf, dass hier viel zu viel Andrang und Hektik herrscht.
11.15 Uhr Kurz vor dem Ziel passieren wir das Willkommensschild von Key West und lernen, dass in dieser Ortschaft einige der namhaftesten Schriftsteller der USA Immobilien besessen haben. Edelbert ist begeistert und erzählt, dass nicht nur Ernest Hemingway, sondern auch Tennessee Williams und Truman Capote in Key West gelebt und gearbeitet haben - wie aufregend.
11.45 Uhr Kurze Zeit später kommen wir mit quietschenden Bremsen vor dem "Sheraton Suites Key West Hotel" am Roosevelt Boulevard zum Halten. In freudiger Erwartung hüpfe ich vom Beifahrersitz und sauge die salzige Meerluft tief in meine Lungen ein - das tut gut. Danach folge ich Edelbert zum Empfang und höre, dass wir zwei Zimmer im vierten Stock des Westflügels beziehen werden. Eine zuvorkommende Rezeptionistin überreicht Prof. Kuhn eine gesalzene Rechnung und kündigt an, dass das Unternehmen demnächst 1.036,75 Dollars von seinem Kreditkartenkonto abbuchen wird - das ist ja allerhand. Um nicht als Schmarotzer zu gelten, zücke ich meine silberne Geldscheinklammer und zähle Edelbert 500 Dollars auf die Hand. Mein Begleiter lehnt dankend ab und meint, dass es ihm ein Vergnügen ist, mich zu diesem Kurzurlaub einzuladen.
12.30 Uhr Während ein blonder Handlanger unser Gepäck auf die Zimmer schleppt, sehen wir uns in der hoteleigenen Gaststätte um. Nach kurzer Suche treffen wir Herrn Wang schaumweinschlürfend an einem Tisch mit Ausblick auf das Schwimmbecken an - wie schön. Nachdem wir uns redlichst begrüsst haben, setzen wir uns dazu und bestellen ebenfalls köstlichen Rebensaft aus dem Hause Louis Roederer. Herr Wang seufzt in einer Tour und sagt, dass es nichts schöneres gibt, als Abends an der Poolbar zu sitzen und Zigarre zu rauchen. Während Edelbert ins Schwärmen gerät, erhebe ich mahnend den Zeigefinger und stelle klar, dass Rauchen allerhand Gefahren birgt. Der Professor verdreht jedoch die Augen und bittet mich, ein anderes Thema anzuschneiden - das soll mir auch Recht sein. Als mein Magen laut knurrt, winke ich einen Kellner herbei und ordere ein saftiges "New York Strip Steak" (löblich: New Yorker Streifenschnitzel) mit Pasta (löblich: Nudeln) und Salat. Meine Tischnachbarn tun es mir gleich und entscheiden sich ebenfalls für gesunde Fleischgerichte. 
13.15 Uhr Als das wohlverdiente Essen endlich serviert wird, streiche ich dem hechelnden Dixon aufmunternd übers Köpfchen und erkläre, dass dieses schwülwarme Klima kaum auszuhalten ist. Herr Wang nickt eifrig und setzt mich darüber in Kenntnis, dass die Quecksilberanzeige in Key West selten unter die 65°F (18°C) Grenze fällt. Ausserdem erfahre ich, dass in diesen Breiten ständig eine Luftfeuchtigkeit von sagenhaften 80% herrscht. HEUREKA - dieses Klima hält nicht einmal der stärkste Rentner aus.
13.45 Uhr Nach dem üppigen Hauptgang serviert der Ober vitaminreiche Eisbecher mit Schirmchen. Ich lasse es mir munden und berichte nebenher von der nervenaufreibenden Anreise. Edelbert kann sich ein Lachen nicht verkneifen und erzählt, dass wir die letzte Nacht in einem heruntergekommenen Motel in Key Largo verbringen mussten. Herr Wang rümpft angeekelt die Nase und meint, dass wir den Betreiber bei der Motelgewerkschaft anschwärzen und Schadenersatz fordern sollten. 
14.30 Uhr Ganz nach dem Motto "Nach dem Essen sollst du ruh'n oder Tausend Schritte tun", schlendern wir über das weitläufige Areal und bestaunen die unzähligen Freizeitangebote. Herr Wang reibt sich die Hände und sagt, dass er jeden Morgen schwimmt und sich hinterher von einer thailändischen Masseuse verwöhnen lässt. Edelbert wird prompt hellhörig und verspricht, seinen geschundenen Gliedern ebenfalls etwas Gutes zu tun und Herrn Wang morgen zu begleiten - wie unlöblich.
15.15 Uhr Als der Minutenzeiger meiner goldenen Armbanduhr auf Viertel nach 3 zeigt, finden wir uns im Hotelfoyer wieder und sind uns einig, dass nun eine Pause nicht schaden kann. Herr Wang wünscht uns einen ruhigen Nachmittag und sagt, dass wir uns gegen Acht Uhr an der TIKI Bar treffen könnten - das soll mir Recht sein. 
15.45 Uhr Ich lüfte meine NY YANKEES Kappe und fahre dann im Aufzug nach oben. Als erstes inspiziere ich die Zimmereinrichtung und komme schnell zu dem Ergebnis, dass das "Sheraton Suites Key West" wirklich spitze ist. Hund Dixon ist ebenfalls begeistert und springt aufs Bett, um ein Nickerchen einzulegen. Selbstverständlich folge ich dem Beispiel meines Vierbeiners und genehmige mir ebenfalls eine kleine Pause - das tut gut.
16.45 Uhr Just als ich von meinem letzten Aufenthalt in der italienischen Metropole Rom träume, werde ich durch lautes Telefonschrillen geweckt - wie unlöblich. Laut gähnend nehme ich den Hörer ab und habe Prof. Kuhn in der Leitung. Der gute Mann will wissen, ob ich ihn ins hauseigene SPA begleiten möchte. Weil ich auf solchen Schnickschnack nichts gebe, winke ich ab und erkläre Edelbert, dass ich lieber einen kleinen Spaziergang mit dem Hund unternehmen werde.
17.15 Uhr Nachdem ich eine löbliche Dusche genommen habe und in frische Bermudahosen geschlüpft bin, leine ich meinen Vierbeiner an und fordere ihn auf, mich auf eine kleine Wanderung zu begleiten. Dixon ist begeistert und zerrt mich wie ein Verrückter in Richtung der Aufzüge.
17.30 Uhr Gutgelaunt spazieren wir die Bertha Strasse nach Norden und entscheiden uns, die von Touristen bevölkerte Route zu verlassen und eine etwas abgelegenere Gegend zu besichtigen. Bei angenehmen 24°C laufen wir an altertümlichen Gebäuden vorbei und erkennen, dass die Uhren in diesem Teil Floridas anders ticken.
18.00 Uhr Da ich langsam durstig werde, halte ich nach einem Gasthaus Ausschau und muss feststellen, dass es hier nur Wohnhäuser und kleinere Läden gibt. Nach wenigen Minuten betrete ich einen winzigen "Tante Emma Laden" und werde von einer braungebrannten Maid freundlichst begrüsst. Während mir die junge Frau eine Dose eisgekühltes Diät Coca Cola verkauft, nehme ich merkwürdige Geräusche wahr und frage, ob im Hinterzimmer jemand im Sterben liegt. Die kleine Frau winkt jedoch ab und erklärt, dass ihre Grossmutter Franca (102) meditiert und sich auf eine spiritistische Sitzung heute Abend vorbereitet - wie unlöblich. Ich erkundige mich nach Details und höre, dass die alte Frau ursprünglich aus Albanien stammt und am Ende des ersten Weltkrieges mit ihren Eltern nach Amerika ausgewandert ist. Angeblich besitzt Frau Franca nicht nur hellseherische Fähigkeiten, sondern kann auch Menschen mit garstigen Flüchen belegen - das ist ja allerhand. 
18.15 Uhr Gerade als ich noch ein SNICKERS kaufen will, wird ein Vorhang zur Seite gezogen und die Alte nähert sich mir grinsend, um mich mit Bewegungen ihres verkrümmten Zeigefingers nach hinten zu locken - wie schrecklich. Um nicht verflucht zu werden, oder in noch schlimmeres hineinzugeraten, zerre ich Dixon aus dem Laden heraus und bewege mich schnellen Schrittes in Richtung Hauptstrasse. HEUREKA - wo soll das noch hinführen.
18.45 Uhr Endlich zurück auf einer von Touristen belebten Strasse, nehme ich auf einer bequemen Bank platz und kann kaum glauben, dass an den Zauber - und Voodoogeschichten womöglich doch etwas wahres sein könnte. Schliesslich tue ich das ganze jedoch als Sinnenstäuschung ab und entscheide mich, auf direktem Weg ins Hotel zurückzukehren.
19.30 Uhr Wieder im luxuriösen "Sheraton Suites Key West" Hotel, begebe ich mich auf mein Zimmer und mache Dixon klar, dass ich mich jetzt mit meinen Freunden in der TIKI Bar treffen werde und dass Hunde dort keinen Zutritt haben. Der Vierbeiner scheint zu verstehen und rollt sich brav auf dem Bett ein - wie schön.
20.00 Uhr Pünktlich auf die Minute komme ich an die Bar und werde von Herrn Wang und Prof. Kuhn freundlichst begrüsst. Ich geselle mich dazu und bestelle ein frisch gezapftes Budweiser sowie die Speisekarte. Nach kurzem Überlegen habe ich mich entschieden und wähle eine Brotzeit in Form köstlicher Hühnerfinger mit Kartoffelstäben und Honig-Senf-Sauce - da kommt Freude auf.
20.30 Uhr Wir lassen uns die Speisen redlichst munden und plaudern angeregt über dies und das. Als Herr Wang das Gespräch auf Voodoozauber und mysteriöse Vorkommnisse in Key West lenkt, winkt Edelbert ab und gibt zu Protokoll, dass es sich dabei lediglich um Märchen handeln kann. Ich lächle gequält und stelle klar, dass ich ebenfalls nicht an Übersinnliches glaube und den ganzen Mumpitz für eine Legende halte.
21.15 Uhr Während das Bier in Strömen fliesst, plaudern wir über unseren Aufenthalt auf der Insel und sind einstimmig der Meinung, dass wir es ruhig angehen lassen sollten und eventuell noch das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Hemingway besichtigen werden. Weil ich besagtes Anwesen bekanntlich schon vor Jahren besucht habe, plaudere ich aus dem Nähkästchen und berichte, dass man die auf dem Grundstück lebenden Katzen einfach gesehen haben muss.
22.00 Uhr Als ich langsam müde werde, verabschiede ich mich von Herrn Wang und dem Professor. Danach ziehe ich mich auf mein super Zimmer im vierten Stock zurück und werde von meinem Haustier auf- und abhüpfend begrüsst - wie schön.
22.30 Uhr Nachdem ich noch eine erfrischende Dusche genommen habe, falle ich erschöpft aufs Bett und informiere mich auf CNN über das aktuelle Weltgeschehen. Wenige Minuten später fallen mir allerdings die Augen zu und ich schlafe ein. Gute Nacht.


23.02.2010
07.30 Uhr Ich mache die Augen auf und fühle mich wie gerädert. Weil ich gestern bei Frau Pontecorvo zum Abendessen eingeladen 
war und viel zu viel Wein getrunken habe, fällt es mir besonders schwer, in die Gänge zu kommen. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und eile mit schnellen Schritten auf die Terrasse, um die wichtige Morgengymnastik zu absolvieren - das macht Freude. 
08.00 Uhr Nachdem ich eine ASPIRIN® Tablette eingenommen und meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck Diät Coca Cola geölt habe, ziehe ich mich ins Badezimmer zurück. Bei angenehmer WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Musikuntermalung wasche ich mich redlichst und denke an Herrn Wang, der just im Augenblick seine Koffer packt, um in Key West schöne Tage zu erleben.
08.30 Uhr Während ich mir meine eigenen Gedanken mache, schrillt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu meiner Freude meldet sich Edelbert und gibt bekannt, dass er gleich zum Schoppen fahren wird. Da ich ebenfalls Lebensmittel einkaufen muss, schnalze ich mit der Zunge und gebe zu Protokoll, dass wir uns im WINN DIXIE treffen könnten. 
09.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, verzehre ich in Gesellschaft meines Haustieres eine Portion Rühreier mit Speck. Dazu lasse ich mir geröstete Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) und ein grosses Glas Milch schmecken. Um auf dem Laufenden zu bleiben, zücke ich abermals mein Schnurlostelefon und lasse es mir nicht nehmen, Herrn Wang zu kontaktieren. Der gute Mann meldet sich nach dem zweiten Klingeln und sagt, dass er soeben sein Ränzlein geschnürt und in Kürze losfahren wird. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und bestätigt, dass er für eine ganze Woche in der 250 Meilen entfernten Stadt Key West die Sektkorken knallen lassen und dem Angelsport frönen wird. Ferner erfahre ich, dass der Motelbesitzer im renommierten Sheraton logieren und die Sonnenuntergänge in der hoteleigenen "Cabana Bar" erleben wird. HEUREKA - von solchem Luxus kann ich nur träumen. Herr Wang lässt jedoch nicht locker und schlägt vor, dass ich ihn begleiten könnte. Um weiteren Diskussionen aus den Weg zu geben, bringe ich meine angespannten Finanzlage ins Spiel und stelle klar, dass ich mir solche Sperenzchen unter keinen Umständen leisten kann.
09.30 Uhr Nach dem Frühstück scheuche ich Hund Dixon zum JEEP und presche mit quietschenden Reifen aus der Garage. Zu stimmungsvollen Josh Turner Klängen folge ich dem Tamiami Trail gen Süden und summe bei "Your Smile" (löblich: Dein Lachen) redlichst mit. 
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute treffe ich am Ziel ein und kann meinen PS-strotzenden Geländewagen neben Edelberts Auto parken. Der schlaue Mann begrüsst mich und informiert, dass das Einkaufsparadies in dieser Woche mit besonderen Angeboten lockt. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, machen wir zwei keifenden Hausfrauen (55, 59) die Einkaufswägen streitig und laden Produkte des täglichen Bedarfs ein. Nebenher halte ich mit dem Professor ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk) und lasse ihn wissen, dass sich Herr Wang heute in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet hat. Mein Begleiter wird prompt hellhörig und meint, dass wir uns Herrn Wang anschliessen und ebenfalls nach Key West rasen sollten - wie unlöblich. Da ich leider keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, rede ich Edelbert ins Gewissen und erkläre, dass ich es mir kaum leisten kann, für mehrere Tage in einem Fünf-Sterne-Hotel zu wohnen. Prof. Kuhn will nicht hören und nimmt schmunzelnd sein neumodisches NOKIA Cellphone (löblich: Handtelefon) zur Hand, um sich mit dem protzigen Hotelbetrieb verbinden zu lassen. 
10.30 Uhr Als wir uns an der Fleischtheke wiederfinden, beendet Edelbert das Telefonat und berichtet stolz, dass er einen hervorragenden Preis ausgehandelt und kurzerhand zwei Zimmer mit Meerblick im SHERATON reserviert hat. Vogelzeigend falle ich dem Professor ins Wort und weise auf die Tatsache hin, dass ich unter keinen Umständen nach Key West fahren werde. Mein Gegenüber beruhigt mich und sagt, dass er sich nicht lumpen lässt und mich für drei Tage einladen wird. Nebenbei tippt Edelbert auf seine TIMEX Armbanduhr und meint, dass wir nach dem Mittagessen losfahren und am Abend in Key Largo übernachten sollten - nun habe ich den Salat. Obwohl ich skeptisch bleibe und auf die horrenden Kosten verweise, winkt Edelbert demonstrativ ab und verspricht, dass dieser Urlaub prima wird. 
11.00 Uhr Missmutig bezahle ich die Lebensmittel in Bar und komme dabei zu dem Schluss, dass mein Bekannter über ein stattliches Vermögen verfügen muss. Edelbert schenkt mir ein Lächeln und berichtet, dass er demnächst einen Aufsatz für eine deutschsprachige Psychologenzeitung schreiben wird und mit einem Honorar in Höhe von 2.700 EUROS rechnen kann - wie aufregend. 
11.30 Uhr Nachdem ich die schweren Tüten im JEEP verstaut und Edelbert aufgefordert habe, mich gegen 14 Uhr abzuholen, kruse ich hupend davon. Während der Heimfahrt rede ich auf Hund Dixon ein und erkläre ihm, dass wir am Nachmittag zu einer spannenden Reise aufbrechen werden. Der Vierbeiner ist kaum zu beruhigen und hüpft fröhlich auf und ab - wie schön. 
12.00 Uhr Zuhause angekommen, verfrachte ich die Lebensmittel in den Eiskasten und schiebe eine Tiefkühlpizza aus dem Hause TOMBSTONE ins Backrohr. Während sich die italienische Köstlichkeit im Ofenlicht sonnt, werfe ich meine DELSEY Reisetasche aufs Bett und befülle sie mit mehreren Garnituren Unterwäsche, farbenfrohen Hawaiihemden, Digitalkamera, Badehose sowie einem Sommeranzug. Ausserdem vergesse ich nicht, den Kulturbeutel sowie eine Tüte Royal Canin Hundefutter dazuzulegen. 
12.30 Uhr Anschliessend nehme ich am Terrassentisch platz und greife bei annähernd 77°F (25°C) ordentlich zu. Just als ich am Bierglas nippe, kommt Frau Pontecorvo daher und erkundigt sich, ob ich sie am Nachmittag in die Stadt begleiten möchte. Selbstverständlich schüttle ich entschieden mit dem Kopf und entgegne, dass ich mich spontan entschlossen habe, einen Kurzurlaub in Key West einzulegen. Meine Nachbarin macht grosse Augen und meint, dass eine Reise in die Bezirkshauptstadt des Monroe County sehr kostspielig sein kann. 
13.00 Uhr Nach der feinen Mahlzeit lege ich mich aufs Wohnzimmersofa und schliesse die Augen, um von meinem Schwarzwaldurlaub im Jahre 2002 zu träumen - das waren noch Zeiten. 
14.00 Uhr Ich werde durch ohrenbetäubendes Türschellen geweckt und stelle mit Freude fest, dass Edelbert wieder einmal pünktlich ist. Da wir bis zum Abend eine 160 Meilen lange Autofahrt stemmen müssen, laufe ich blitzschnell nach draussen und werfe mein Gepäck auf den Rücksitz. Danach helfe ich Hund Dixon ins Auto und beauftrage den Professor, ordentlich auf die Tube zu drücken. Edelbert lässt sich nicht zweimal bitten und lässt den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten. 
14.30 Uhr Während wir auf der Autobahn 75 nach Osten gleiten, schlage ich den Rand McNally Strassenatlas auf und erzähle, dass diese Interstate in Michigan seinen Anfang hat und sich über 2.000 Meilen bis nach Miami schlängelt. Edelbert nickt eifrig und fährt fort, dass besagte Trasse Teil des "Dixie Highways" ist und unter anderem am "Stones River National Battlefield" (löblich: Steinfluss Nationales Schlachtfeld) in Tennessee vorbeiführt. 
15.30 Uhr Als wir einen verlassenen Autohof passieren, schnalzt Edelbert plötzlich mit der Zunge und sagt, dass er eine kleine Brotzeit in der Ablagekonsole deponiert hat. Neugierig ziehe ich eine Plastikdose aus dem klimatisierten Stauraum und freue mich, zwei Flaschen Dr. Pepper sowie belegte Brote vorzufinden. Während ich meine staubtrockenen Kehle spüle, tratsche ich mit dem Professor und höre, dass wir die Nacht in einer schicken Pension in Key Largo verbringen werden. Mein Begleiter hat sich bereits im Internetz schlau gemacht und ein günstiges Motel namens "Hungry Pelican" (löblich: Hungriger Pelikan) ausgesucht. Weil ich kein Schmarotzer bin, stosse ich den Professor in die Seite und verspreche, für Kost und Logis in besagter Herberge aufzukommen. 
16.15 Uhr Fünfundvierzig Minuten später taucht endlich die Himmelslinie (unlöblich: Skyline) von Miami am Horizont auf. Als Floridaexperte nehme ich erneut die Strassenkarte zur Hand und lotse meinen Bekannten gekonnt durch die Millionenstadt am Atlantischen Ozean. Nebenbei frönen wir dem Qualitätsradioprogramm von KISS COUNTRY (löblich: Kuss Land) und singen bei Carrie Underwoods neuestem Schlag (unlöblich: Hit) "Song like this" (löblich: Lied wie dieses) laut mit - da kommt Freude auf.
17.00 Uhr Als der Stundenanzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 5 deutet, erreichen wir die Manatee Bay und können über den kostenpflichtigen "Florida Oversea Highway" (löblich: Florida Übersee Schnellstrasse) die vorgelagerten Inseln erreichen. Beeindruckt richte ich meinen Blick auf das azurblaue Wasser und kann es kaum erwarten, ein vitaminreiches Abendessen am Meer zu verzehren. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass wir Gambas bestellen und uns an eisgekühlten Budweiser erfreuen werden. 
17.30 Uhr Wenig später kommen wir vor einem heruntergekommenen Motel zum Halten und können endlich aus dem Wagen aussteigen. Hund Dixon rennt wie ein Wilder zu einer vertrockneten Palme und setzt ruckzuck eine Duftmarke. Um vom Besitzer nicht geschimpft zu werden, nehme ich den Racker an die Leine und zerre ihn zum Empfang. Ein zuvorkommende Mitarbeiter heisst uns herzlich Willkommen und zögert nicht, uns zwei Zimmer mit Aussicht auf den frisch geteerten Parkplatz zuzuweisen. Bei dieser Gelegenheit erkunden wir uns nach einer einladenden Gaststätte und lernen, dass in der Nachbarschaft "Mrs. Mac's Kitchen" (löblich: Frau Macs Küche) beheimatet ist - wie schön. Ich bezahle mit meiner praktischen Meisterkarte (unlöblich: Mastercard) und scheitere mit dem Versuch, einen zusätzlichen Rentnerrabatt herauszuschlagen - wie unlöblich. 
17.45 Uhr Im Anschluss schleppen wir unser Reisgepäck in die Zimmer und verabreden, dass wir in dreissig Minuten das Abendessen einnehmen werden. Da ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, stelle ich meine Tasche neben das Bett und mache mich frisch. Ferner kredenze ich dem Vierbeiner eine Brotzeit und halte es wegen der Hitze für klüger, alleine zur Gaststätte zu wandern. HEUREKA - dieses subtropische Klima wirft sogar den stärksten Rentner aus der Bahn. 
18.15 Uhr Nachdem ich mein Hemd gewechselt und etwas Luxusduft aus dem Hause RP Lob aufgesprüht habe, lasse ich die Türe ins Schloss fallen und begleite Edelbert zum nahegelegenen Gasthaus. Wir setzen uns hungrig auf die Sonnenterrasse und ordern bei einer braungebrannten Bedienung mit Pferdeschwanz zwei durstlöschende Budweiser sowie gegrillte Gambas mit Kartoffelstäben. Dazu gibt es Caesar Salad (löblich: Cäsar Salat) mit Thousand Island Dressing (löblich: 1000 Insel Sauce) und in Knoblauchbutter geschwenktes Knusperbrot - das schmeckt. 
18.45 Uhr Während ich es mir munden lasse, schaue ich mich skeptisch um und registriere, dass dieses Viertel nicht zu den besten Gegenden der Stadt zählt. Edelbert deutet auf zwei grimmig dreinblickende Exil-Kubaner auf der gegenüberliegenden Strassenseite und unkt, dass wir in einem von Immigranten dominierten Wohnviertel gelandet sind - wie schrecklich. Um nicht Opfer eines Raubüberfalls zu werden, ziehen wir es vor, schnellstmöglich aufzuessen und die Rechnung mit mehreren Scheinen zu begleichen.
19.30 Uhr Wieder zurück im Motel, wünsche ich Edelbert eine ruhige und erholsame Nacht. Ich verschliesse die Zimmertüre besonders sicher und gönne mir dann eine erfrischende Dusche. 
20.15 Uhr Nachdem ich mich abgetrocknet und das Handtuch achtlos auf den Boden geworfen habe, schlüpfe ich ins Bett und vertreibe mir den Abend mit einem hunde- und rentnergerechten Fernsehprogramm. Während Dixon alle Viere von sich streckt, wähle ich das Programm von ABC aus und verfolge mit Genuss eine neue Ausgabe der beliebten Zukunftssendung "Lost" (löblich: Verloren).
21.00 Uhr Obwohl das Sendeformat ziemlich spannend daherkommt, fallen mir schon bald die Augen zu. Weil morgen eine lange Fahrt bevorsteht, schalte ich den in die Jahre gekommenen Röhrenfernseher aus und lösche das Licht. Gute Nacht.


22.02.2010
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Heimseitenbesucher,

heute wird in den Vereinigten Staaten von Amerika ein immens wichtiger Feiertag begangen. Die freiheitsliebenden Bürger feiern den 278. Geburtstag des Gründers der Nation. Wie jedes Kind weiss, war George Washington ein hervorragender Staatsmann, der es schaffte, die zerstrittenen Bundesstaaten unter einen Hut zu bringen und den garstigen Besatzern aus dem fernen Europa die Stirn zu bieten.

Washington erblickte am 22. Februar 1732 das Licht der Welt und wuchs auf einer beschaulichen Plantage in Virginia auf. Seine Eltern Augustine und Mary stammten aus England und verdienten sich ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau von Obst und Getreide. Da die Familie über ein immenses Vermögen verfügte, war es ihr möglich, den kleinen George auf eine Schule in Williamsburg, VA zu schicken. Der Bube übte sich in Mathematik und fand mit 17 Jahren eine Anstellung als Vermesser im Shenandoah Tal, wo es ihm gelang, sich wichtige Grundkenntnisse in der Menschenführung anzueignen.

Der stellvertretende Gouverneur von Virginia, Robert Dinwiddie, betraute Washington im Jahre 1753 mit der Aufgabe, die Franzosen, die westlich der Allegheny Mountains zwei Stellungen errichtet hatten, zu vertreiben. Daraufhin zog Washington mit einer Miliz aus Freiwilligen in die Schlacht. Ein Jahr später quittierte er den Dienst und trat den englischen Streitkräften bei, um die Westgrenze Virginias gegen einbrechende Feinde zu verteidigen. Während dieser Zeit hatte er ausserdem den Vorsitz der staatlichen Bürgerversammlung inne und erkannte, dass das englische Königshaus den Amerikanern zu hohe Steuern abverlangte. Um diesen Missstand abzuschaffen, schloss er sich der Unabhängigkeitsbewegung an und machte es sich zur Lebensaufgabe, für Freiheit und Gerechtigkeit auf dem nordamerikanischen Kontinent einzutreten. 

Bei Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges wurde Washington zum Befehlshaber der amerikanischen Armee befördert. Ein erster Sieg gegen die Briten gelang ihm im Dezember 1776 bei Trenton, NJ. Am 19.Oktober 1781 konnte seine Kolonialarmee mit Unterstützung französischer und hessischer Truppen die Engländer in der Schlacht von Yorktown, VA entscheidend schwächen und zur Kapitulation zwingen - das ist phantastisch. 

Der schlaue Mann trug in der Folgezeit wesentlich dazu bei, dass eine neue Verfassung ratifiziert und ein unabhängiges Parlament zusammengestellt wurde. Er wurde als erster Präsident vereidigt und trat dafür ein, dass ehemalige Mitstreiter wie Thomas Jefferson und Alexander Hamilton wichtige Posten einnahmen. George Washington regierte das Land von 1789 bis 1797 und zog sich dann aus der aktiven Politik zurück, um seinen Lebensabend auf dem Landgut Mount Vernon in Virginia zu verbringen. 
Nach seinem Tod im Jahre 1799 wurde Mount Vernon zur nationalen Gedenkstätte ausgebaut und lockt Jahr für Jahr Hunderttausende Touristen aus allen Teilen der Welt an.

  Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Feiertag
  Reinhard Pfaffenberg


21.02.2010
Hallo,

der geplante Kinobesuch musste leider ausfallen. Pfaffenbergs Katzen kamen gestern Abend nicht nach Hause und ich musste die Stubentiger suchen. Ich hab' mit Bärbel den ganzen Waldweg abgegrast und bei sämtlichen Nachbarn geklingelt. Letztendlich fanden wir die Viecher gegen Mitternacht im eigenen Keller. Dummerweise ist die Saunatüre zugefallen und die Katzen sassen in der Falle :-) 

Jenny und Tony waren ganz verunsichert und sitzen seitdem brav auf dem Sofa. Ich hab mittlerweile auch mit Herrn Pfaffenberg telefoniert und ihm die ganze Geschichte erzählt. Er war ganz schön sauer und hat mich wissen lassen, dass er bei weiteren Verfehlungen das Mietverhältnis mit sofortiger Wirkung kündigen wird. Er kommt immer mit der gleichen Leier, aber vergisst dabei, dass im Mietvertrag eine Kündigungsfrist von 12 Monaten vereinbart wurde. 

Aber egal. Am Abend werde ich ins Kino gehen und mir mit Amanda den neu angelaufenen Film "The Book of Eli" anschauen. Der Streifen erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach einer nuklearen Katastrophe durch das verwüstete Amerika zieht und sein Glück sucht. "The Book of Eli" wurde von der internationalen Presse mit viel Lob überschüttet und scheint ein richtig toller Film zu sein. Danach steht dann ein gepflegter DVD Frauenabend - mit Prosecco und Chips - auf dem Programm. Etwas Entspannung kann nicht schaden, immerhin muss ich morgen in der Werbeagentur schuften und neue Projekte betreuen. 

Das soll's aber für diese Woche gewesen sein. Ich wünsche Euch nur das Beste und freue mich, wenn wir uns am kommenden Wochenende wieder lesen. 

  Viel Spass wünscht 
  Sandra Corte 


20.02.2010
Hallo Leute,

es gibt sehr gute Nachrichten. Mein in die Jahre gekommener Jeep bekommt demnächst einen neuen Motor. Mein Cousin Bernd hat keine Kosten und Mühen gescheut und im I-Net nach einem Austauschmotor gesucht. Heute ist er fündig geworden und konnte bei einem Vertragshändler in Aschaffenburg ein günstiges Schnäppchen ergattert :-)

Der ganze Spass kostet mich inkl. Einbau 3000 €. Ausserdem wird mir Bernd neue Einstiege anschweissen, die Lichtanlage überprüfen, den Auspuff reparieren und die komplette Lackierarbeit übernehmen. Ich bin jetzt richtig happy, weil ich nun doch keinen neuen Wagen kaufen muss. Der Austauschmotor ist erst 17000 Kilometer gelaufen und wird mir hoffentlich noch einige Jahre gute Dienste leisten :-)

Ansonsten musste ich während der Woche sehr viel Lachen. Wie ihr wisst, war mein Vermieter bei einer Vorsorgeuntersuchung im Krankenhaus. Der behandelnde Arzt hat Herrn Pfaffenberg mitgeteilt, dass er zu viel Speck auf den Hüften angesetzt hat und bei ihm deswegen eine erhöhte Krebsgefahr besteht. Pfaffi war total besorgt und hat gleich bei seiner Schwägerin in Toronto angerufen, um ihr mitzuteilen, dass er in Kürze das Zeitliche segnen wird. Aber er hat sich bald wieder beruhigt und den Entschluss gefasst, in Zukunft gesünder zu leben und auf schädliche Lebensmittel (Blumenkohl, Brokkoli und Spargel) zu verzichten. Zudem will er sich in der kommenden Woche im Fitnessstudio anmelden und dort trainieren :-) 

So, nun geht's aber erst einmal ins Kino. 

Ich habe mich mit Marlene und Amanda verabredet und werde mir "The Book of Eli" anschauen.

  Bis morgen wünsche ich Euch alles Gute
  Sandra Corte


19.02.2010
07.15 Uhr Der Radiowecker bimmelt und läutet einen weiteren Tag im Rentnerparadies ein - wie schön. Da ich Frau Pontecorvo zu 
einer erquickenden Ausfahrt ans Meer eingeladen habe, schlüpfe ich sogleich in die Hausschuhe und führe auf der fliegenvergitterten Terrasse den Frühsport durch - wer rastet, der rostet. 
07.45 Uhr Danach entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und rufe mir das gestrige Informationsgespräch mit Dr. Venturi ins Gedächtnis. Um noch viele schöne Jahre unter Floridas Sonne erleben zu können, fasse ich den Entschluss, mich in Zukunft gesünder zu ernähren und auf schädliche Lebensmittel wie Blumenkohl, Brokkoli oder Spargel gänzlich zu verzichten. Ausserdem greife ich zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und durchforste dank modernster Funkfernübertragung die "Gelben Seiten" (unlöblich: Yellow Pages) des Collier County. Ich werde bald fündig und lese, dass im "Golden Gate Center" ein Fitnessstudio beheimatet ist. Weil körperliche Ertüchtigung nicht schaden kann, tippe ich die Telefonnummer ins Tastenfeld ein und informiere mich über die Aufnahmebedingungen. Ein zuvorkommendes Fräulein namens Soozie nimmt sich meiner Probleme an und bestätigt, dass "Jim's Gym Saloon" (löblich: Jims Gymnastik Salon) über die modernsten Trimm-Dich-Geräte verfügt - wie aufregend. Ferner höre ich, dass eine Monatsmitgliedschaft mit 39 Dollars zu Buche schlägt. Um gleich Nägel mit Köpfen zu machen, zeige ich mich einverstanden und verspreche, im Laufe der Woche vorbeizukommen. 
08.45 Uhr Nach der Morgenwäsche setze ich mich an den Frühstückstisch und lasse mir zu den Klängen meines Lieblingsradiosenders WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) das wichtigste Mahl des Tages munden. Nebenher rufe ich bei Edelbert an und teile ihm mit, dass ich gleich mit Frau Pontecorvo ans Meer fahren werde. Der Professor ist begeistert und sagt, dass er sich dem Ausflug gerne anschliessen würde - das soll mir recht sein.
09.15 Uhr Just als ich kraftvoll in ein vitaminreiches Honigbrot beisse, pocht meine Nachbarin ans Küchenfenster und bittet mich, ihr Einlass zu gewähren. Ich heisse die nette Frau recht herzlich Willkommen und lade sie kurzerhand zu einem Becher Bohnentrunk ein. Während sich Frau Pontecorvo neben mich setzt, berichte ich vom Telefonat mit der Sportstudiodame und gebe zu Protokoll, dass ich in Zukunft auf meine Gesundheit achten und grössten Wert auf ballaststoffreiche Ernährung legen werde. Meine Bekannte macht grosse Augen und kündigt an, dass sie mich zu besagtem Fitnessstudio begleiten wird - wie schön. 
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten scheuchen wir Hund Dixon zum JEEP und schicken uns an, dauerhupend aus der Garage zu gleiten. Um für beste Stimmung zu sorgen, schiebe ich den Lady Antebellum Silberling "Need You Now" (löblich: Brauche dich jetzt) in die Musikanlage und wähle den gleichnamigen Nummer 1 Schlag aus - das macht Spass.
10.15 Uhr Wenig später kommen wir snickersverzehrend vor Edelberts Wohnanlage zum Stehen und freuen uns, den Professor am Strassenrand anzutreffen. Der schlaue Mann teilt sich den Rücksitz mit meinem aufgedrehten Haustier und möchte wissen, wohin uns die Reise führen wird. Ich schlage vor, dass wir nach Sansibel Island krusen und das "Shell Museum" (löblich: Muschel Museum) besichtigen könnten. Frau Pontecorvo schnalzt mit der Zunge und sagt, dass wir hinterher in ein einladendes Strandgasthaus einkehren werden. Gutgelaunt lasse ich den PS-strotzenden Motor aufheulen und bringe das Auto ruckzuck auf den Tamiami Trail.
10.45 Uhr Während wir uns den Wind durch die Haare wehen lassen, redet der Professor ohne Unterlass auf mich ein und erzählt, dass er gestern Abend ein einstündiges Telefonat mit Admiral a.D. Bürstenbinder geführt hat. Wissbegierig frage ich genauer nach und bringe in Erfahrung, dass unser gemeinsamer Bekannter im weltweiten Internetz nach einer geeigneten Flugverbindung Ausschau gehalten hat. Edelbert ist erfreut und sagt, dass Friedbert am 1. März in Fort Myers eintreffen und für drei Wochen in seiner Stadtwohnung logieren wird. HEUREKA - das ist die beste Nachricht des ganzen Tages. 
11.15 Uhr Nach vierzig Meilen finden wir uns vor dem "The Bailey-Matthews Stell Museum" wieder und lesen auf einer Informationstafel, dass Erwachsene 7 Dollars bezahlen müssen - das ist wieder typisch. Nörgelnd zücke ich meine prallgefüllte GOLDEN HEAD Geldbörse und lasse es mir nicht nehmen, meine Begleiter zu einem Rundgang durch die Ausstellungshallen einzuladen. 
11.30 Uhr Mit Hund Dixon im Schlepptau schlendern wir durch die klimatisierten Räume und begutachten farbenfrohe Muscheln aus allen Ozeanen. Der Professor deutet fasziniert auf eine Schautafel und erklärt, dass Muscheln Weichtiere sind und in Meerestiefen bis zu 11.000 Meter gedeihen. Ich nicke eifrig und fahre fort, dass sich diese Lebewesen gewöhnlich von Plankton ernähren, welches sie mit ihren Kiemen aus dem Wasser filtern - wie aufregend. 
12.00 Uhr Weiter lernen wir, dass die in Florida heimischen Calusa Indianer schon vor Jahrhunderten von den Muschelschalen und Schneckengehäusen Gebrauch machten. Interessiert beäuge ich das lebensgrosse Modell einer Indianerfamilie und bringe heraus, dass die Ureinwohner Schmuckstücke aus Muschelschalen herstellten und das köstliche Fleisch verzehrten. 
12.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb Eins deutet, stehen wir plötzlich vor einem Schaukasten, in dem die "Schätze aus der Tiefe" (unlöblich: Treasure of the Deep) aufbewahrt werden. Ein bärtiger Museumsmitarbeiter steht uns Rede und Antwort und sagt, dass einige Exemplare der Conus Gattung sehr wertvoll sind und für Tausende von Dollars über den Ladentisch wandern. Der gute Mann verweist voller Stolz auf eine gelbe Kegelschnecke und erzählt, dass dieses Prachtstück aus der Karibik stammt und von einem Sammler am Strand der Leeward Inseln gefunden wurde - das ist phantastisch.
13.00 Uhr Da mein Magen knurrt, stosse ich Frau Pontecorvo in die Seite und erkläre, dass nun ein gesundes Mittagessen nicht schaden kann. Mit schnellen Schritten verlassen wir das Museum und kehren ins "Timbers Restaurant" an der Tarpon Bay Road ein. Eine übergewichtige Kellnerin mit roten Haaren führt uns an einen einladenden Tisch und freut sich, uns im besten Gasthaus der ganzen Stadt begrüssen zu dürfen. Die kleine Frau kredenzt die Tageskarten und serviert durstlöschendes Eiswasser mit Zitronenscheiben - das tut gut. Während ich mich für "Florida Lobster Tail" (löblich: Florida Hummer Schwanz) mit Saisongemüse und Reis entscheide, wählen meine Freunde eine "Triple Shrimp" (Dreifach Krabben) Platte für zwei Personen. Dazu gibt es hausgemachten Mangoeistee sowie köstlichen Caesars Salad (löblich: Cäsar Salat). HEUREKA - diese stattlichen Portionen muss man gesehen haben. 
13.30 Uhr Wir greifen ordentlich zu und verabreden, dass wir nach dem Essen zum Strand spazieren und Hund Dixon etwas Auslauf verschaffen sollten. Der schlaue Vierbeiner spitzt seine Ohren und legt sein Köpfchen auf meinen Fuss, um etwas vom Hummerschwanz zu erbetteln. 
14.00 Uhr Nachdem Frau Pontecorvo die gesalzene Rechnung mit ihrer American Express Card (löblich: Amerikanische Schnellkarte) beglichen hat, marschieren wir plaudernd zur nahegelegenen Tarpon Bay und vertreiben uns die Zeit mit Stöckchenwerfen. Der Vierbeiner ist ganz aus dem Häuschen und rennt wie von der Tarantel gestochen ins kühle Nass. Währenddessen setzen wir uns auf eine Bank am Boardwalk (unlöblich: Strandweg) und geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen, die Petrus zur Erde schickt. Frau Pontecorvo seufzt in einer Tour und berichtet, dass gestern ein offenbar geisteskranker Heini ein Kleinflugzeug in ein siebenstöckiges Gebäude der Steuerbehörde IRS in Austin, TX gelenkt hat. Lachend falle ich der Guten ins Wort und gebe bekannt, dass der Volldepp ausserdem auf seiner Heimseite erklärt hat, dass Gewalt die einzige Umgangsform sei, die das Finanzamt verstehen würde.
15.00 Uhr Als sich Schleierwolken vor die Sonne schieben, kehren wir zum Fahrzeug zurück und treten die Heimfahrt an. Bei stimmungsvoller Radiomusik überqueren wir den Sanibel Causeway (löblich: Sanibel Wasserweg) und können einen letzten Blick auf die romantisch gelegene San Carlos Bucht erhaschen. Edelbert ist begeistert und macht sich daran, einige Photografien mit seiner neumodernen Digitalkamera zu knipsen.
15.45 Uhr Wieder zurück in Naples setze ich den Professor sicher in der Innenstadt ab und erinnere, dass ich am Wochenende in Herrn Wangs Motel aushelfen muss. Edelbert reibt sich die Hände und versichert, mich morgen mit einem Besuch zu erfreuen - wie schön. Als nächstes fahre ich zügig in Richtung Wohngebiet weiter und bedanke mich bei Frau Pontecorvo für die netten Stunden. Meine Nachbarin schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass ich ihr am Abend gerne beim Fernsehschauen Gesellschaft leisten kann. 
16.15 Uhr Endlich kann ich den JEEP in der Garage abstellen und ein wohlverdientes Päuschen auf dem Sofa einlegen. Während sich Dixon gierig auf seinen Fressnapf stürzt, strecke ich die Beine aus, um von meiner letzten Kulturreise nach Rom zu träumen. 
17.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und registriere beim Blick auf meine geschmackvolle Wanduhr, dass es schon bald Abend ist. Weil ich als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger meine Zeit nicht gestohlen habe, finde ich mich am Heimrechner ein und beginne, Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter abzurufen. Unter anderem klagt mir Frau Kunigunde F. (56) aus Zwickau ihr Leid und schreibt, dass ihre Tochter Janina (13) immer frecher wird und sich täglich mit heruntergekommenen Punkern am Bahnhof trifft - wie unlöblich. Da mit diesen Gammlern nicht gut Kirschen essen ist, rate ich der armen Frau, ihrer Tochter das Taschengeld zu streichen und sie ausserdem mit Stubenarrest zu belegen. 
18.00 Uhr Nachdem ich weitere Depeschen verfasst habe, sehe ich mich im beliebten Gästebuch um und aktualisiere die Rubrik mit den dümmsten Heimseitenbesuchern. HEUREKA - kaum zu glauben, dass so viele PISA Absolventen den Weg auf meine Heimseite finden. 
18.30 Uhr Als alles abgearbeitet ist, beende ich die Anschnursitzung und zaubere im Handumdrehen ein vitaminreiches Abendessen in Form belegter Wurstbrote mit Gurkenhappen aus dem Glas. Diätcocacolaschlürfend setze ich mich ins Wohnzimmer und wähle das Qualitätsprogramm von FOX aus. Wie es sich für einen seriösen Rentner gehört, verfolge ich gespannt die Fuchs Nachrichten (unlöblich: FOX NEWS) und informiere mich über die aktuellen Geschehnisse ganz genau. 
19.15 Uhr Zur besten Sendezeit öffne ich eine Tüte LAYS Kartoffelchips und schaue mir einen Spielfilm auf dem Bezahlsender HBO an. Die Verantwortlichen haben sich nicht lumpen lassen und mit dem preisgekrönten Kriminalfilm "Zodiac" ein besonderes Schmankerl ins Abendprogramm genommen. Ich lehne mich genüsslich zurück und werde Zeuge, wie anno 1968 ein wahnsinniger Mörder ganz San Francisco in Schach hält. In Briefen an Polizei und Presse nennt er sich Zodiac und macht sich über die Bemühungen der Ermittlungsbehörden lustig. Während der folgenden 158 Filmminuten erfahre ich, dass sich die heimtückischen Morde tatsächlich zugetragen haben und der Täter bis heute nicht überführt werden konnte - wie unheimlich.
22.00 Uhr Nachdenklich schalte ich den Fernsehapparat aus und unternehme mit Hund Dixon einen kleinen Rundgang durch Haus und Garten. Nachdem ich sämtliche Fenster besonders sicher verschlossen habe, gehe ich ins Bett und schlafe bald ein. Gute Nacht.


18.02.2010
07.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und fühle mich blendend. Da Morgenstund' bekanntlich Gold im Mund hat, stehe ich 
augenblicklich auf und stähle meine Muskeln mit der Morgengymnastik. Nebenher spähe ich zum künstlich angelegten Teich und werde auf General a.D. Kenneth Booth aufmerksam, der die handzahme Echse Billy mit Essensresten verwöhnt - wie schön. 
07.45 Uhr Nachdem ich den futuristischen DeLonghi Kaffeeautomaten in Betrieb genommen und Hund Dixon mit einem getrockneten Schweineohr überrascht habe, lasse ich mir ein löbliches Vollbad einlaufen. Währenddessen kontaktiere ich Edelbert und lasse ihn wissen, dass ich ihn in zwei Stunden abholen werde. Der Professor freut sich und kündigt an, dass wir uns gegen 10 Uhr dem Informationsgespräch mit Dr. Venturi stellen und danach zum Abschoppen fahren könnten - das soll mir Recht sein. Gutgelaunt beende ich das Ortsgespräch und gebe mich dem Internetzradioprogramm des Bayerischen Rundfunk hin. Der Moderator berichtet, dass die englische Regierung heute vor 5 Jahren ein Gesetz erlassen hat, welches es den Jägern verbietet, Füchse zu jagen. Während in Deutschland diesem zwielichtigen "Sport" weiter gefrönt wird, hat sich der damalige Premierminister Tony Blair entschlossen, den Treibjagden den Kampf anzusagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte sich diesem Vorstoss anschliessen und sich für ein europaweites Verbot aussprechen. 
08.45 Uhr Frisch in Schale geworfen setze ich mich an den Frühstückstisch und verzehre im Beisein meines auf und ab hüpfenden Haustieres eine reichhaltige Mahlzeit. Ich beisse kraftvoll in eine mit Honig bestrichene Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) und blättere in der "Naples Daily News" (löblich: Naples tägliche Nachrichten). Unter anderem werde ich auf ein unschlagbares Angebot aufmerksam und erfahre, dass es im PUBLIX Einkaufsmarkt während dieser Woche 10% Rabatt bei Barzahlung gibt - wie aufregend. Ich zwinkere Hund Dixon zu und erkläre mit erhobenem Zeigefinger, dass ich mich nicht lumpen lassen und eine Tüte Royal Canin Trockenfutter kaufen werde. 
09.15 Uhr Nach dem wichtigsten Mahl des Tages setze ich meine NY YANKEES Kappe auf und eile mit dem Vierbeiner zum JEEP. Ich lasse den Motor aufheulen und presche mit quietschenden Reifen in Richtung Innenstadt davon. Während der kurzweiligen Fahrt lausche ich den angesagtesten Schlägen auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und erfreue mich an Jamey Johnsons Hitparadenerfolg "In Color" (löblich: In Farbe) - was kann es schöneres geben. 
09.45 Uhr Wenig später betätige ich die Türklingel und animiere meinen Bekannten, in die Gänge zu kommen und mich zur "Cleveland Clinic" (löblich: Cleveland Krankenhaus) zu begleiten. Der schlaue Mann lässt nicht lange auf sich warten und hüpft ausgelassen auf den Beifahrersitz.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten finden wir uns in Dr. Venturis Büro wieder und werden von der Sprechstundenhilfe freundlichst begrüsst. Das platinblonde Mädchen teilt uns auf Anfrage mit, dass der Arzt sehr beschäftigt ist und wir uns noch einige Minuten im Wartezimmer gedulden müssen - wie unlöblich. Missmutig nehmen wir auf einer Bank platz und vertreiben uns die Zeit mit einem Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk). Mein Begleiter ist zu Scherzen aufgelegt und unterbreitet, dass das junge Ding weisse Haare hat, weil es womöglich einmal zu Tode erschreckt wurde - papperlapapp. Ich belehre den Professor eines Besseren und erkläre, dass blondierte Mähnen bei der jungen Generation sehr angesagt sind. Edelbert kratzt sich an der Schläfe und entgegnet, dass er sich vielleicht auch die Haare färben sollte - das hätte gerade noch gefehlt. 
10.45 Uhr Nach einer halben Stunde ist es endlich soweit und wir werden ins Behandlungszimmer gerufen. Der Facharzt begrüsst uns per Handschlag und freut sich, uns wiederzusehen. Da der gute Mann in Kürze eine Blinddarmoperation in Angriff nehmen muss, hält er sich kurz und bestätigt, dass wir uns bester Gesundheit erfreuen. Ich wische mir erleichtert über die Stirn und antworte, dass die tägliche Morgengymnastik sehr wichtig ist und mich in Schuss hält. Herr Venturi winkt jedoch ab und sagt, dass bei mir ein "erhöhtes Krebsrisiko" vorliegt - wie furchtbar. Als ich nachfrage, tippt der Arzt mit dem Zeigefinger auf seine Unterlagen und informiert, dass meine Leberwerte leicht erhöht sind und ich etwas zu viel Speck auf den Hüften angesetzt habe. Um mir einen genauen Einblick zu gewähren, plaudert mein Gegenüber aus dem Nähkästchen und stellt klar, dass bereits leichtes Übergewicht zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen kann. HEUREKA - nun habe ich den Salat.
11.30 Uhr Als wir zum Fahrzeug zurücklaufen, klage ich Edelbert mein Leid und gebe bekannt, dass ich noch heute mein Testament aufsetzen werde. Der Professor hat nur Hohn und Spott übrig und meint, dass ich noch viele Jahrzehnte im Rentnerparadies erleben kann. 
12.00 Uhr Nachdem ich Edelbert in der Innenstadt abgesetzt habe, fahre ich ruckzuck nach Hause. Ich streichle Dixon unterdessen durchs Fell und gebe zu Protokoll, dass er nach meinem Ableben bei Frau Pontecorvo Asyl finden wird.
12.30 Uhr Zurück in der Villa, greife ich spornstreichs zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und lasse es mir nicht nehmen, bei Georg und Maria im verschneiten Toronto anzurufen. Meine Schwägerin nimmt das Telefonat nach dem zweiten Klingeln entgegen und wünscht mir einen schönen Nachmittag. Selbstverständlich komme ich sogleich auf den Grund meines Anrufs zu sprechen und erzähle, dass mein Hausarzt ein erhöhtes Krebsrisiko diagnostiziert hat. Ich lasse die Voruntersuchung in allen Einzelheiten Revue passieren und verkünde, dass ich im Laufe der Woche einen Notar zu Rate ziehen und die Villa im Willoughby Drive auf James und Amanda überschreiben werde. Maria bricht in schallendes Gelächter aus und berichtigt, dass ein erhöhtes Krebsrisiko keine lebensgefährliche Krankheit ist - das kann jeder behaupten.
13.15 Uhr Nachdem ich mich verabschiedet habe, serviere ich dem Hund eine Trockenfuttermahlzeit und ziehe dann alle Vorhänge zu. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und lege auf dem bequemen Wohnzimmersofa eine Pause ein.
14.15 Uhr Leider wird mein Nickerchen nach wenigen Minuten durch ohrenbetäubendes Türeschellen unterbrochen. Ich schleiche seufzend zur Pforte und finde Frau Pontecorvo vor. Meine Nachbarin grinst mich frech an und erzählt, dass sie soeben mit Prof. Kuhn telefoniert hat. Während ich es mir auf dem Kanapee bequem mache und mir eine Decke überwerfe, beruhigt mich die Perle und sagt, dass es keinen Grund zum Klagen gibt. Nörgelnd verweise ich auf die Diagnose des Arztes und erläutere, dass es nur noch eine Frage von Monaten ist, bis der todbringende Krebs ausbrechen wird. Weil ich es Leid bin, mich zu rechtfertigen, eile ich in die Küche und befülle meinen Kaffeebecher mit köstlichem Bohnentrunk. Frau Pontecorvo gesellt sich dazu und möchte wissen, ob ich schon zu Mittag gegessen habe. Als ich entschieden mit dem Kopf schüttle, klopft mir die Dame aufmunternd auf die Schulter und sagt, dass sie Nudelwasser aufsetzen und eine köstliche Mahlzeit zaubern wird - das soll mir Recht sein. 
15.00 Uhr Als meine geschmackvolle Wanduhr drei Mal schlägt, können wir uns an den Terrassentisch setzen und italienische Teigwaren mit Pesto verspeisen. Mein Gast schenkt mir etwas KERBEL Rebentrunk aus Kalifornien ein und sagt, dass das Leben viel zu schön ist, um sich ständig Sorgen zu machen - wie wahr. Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich das Thema und bringe für Morgen eine Ausfahrt ans Meer zur Sprache. Frau Pontecorvo schenkt mir ein Lächeln und meint, dass wir gegen 10 Uhr losfahren könnten - wie schön. 
16.00 Uhr Nachdem die gute Seele das Geschirr in die leistungsstarke Spülmaschine verfrachtet und sich verabschiedet hat, finde ich mich am Heimrechner ein. Trotz aller schlechten Nachrichten nehme ich auch heute die wichtige Anschnurseelsorge in Angriff und versorge leidgeprüfte Heimseitenbesucher mit hilfreichen Ratschlägen. Frau Katharina W. aus Paderborn schreibt, dass ihr Sohn Christian (12) den Verstand verloren hat und einmal pro Woche ins Lichtspielhaus wandert. Da bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen, verfasse ich sogleich ein gepfeffertes Antwortschreiben und rate der kleinen Frau, dem Buben die Leviten zu lesen und ihm das Taschengeld zu kürzen. 
16.30 Uhr Im Anschluss kümmere ich mich um meine persönliche Korrespondenz und finde zwischen unzähligen Werbedepeschen einen elektronischen Brief von Felix Rudolph vor. Der 15jährige berichtet, dass er vor einigen Wochen dem örtlichen Photoverein beigetreten ist - wie schön. Um mir eine kleine Freude zu bereiten, hat der Jugendliche einige Schnappschüsse meines Eigenheims im Waldweg 11 über den grossen Teich geschickt. Ich begutachte die Photos mit Argwohn und erkenne mit geschultem Auge, dass Sandra ihren Pflichten als Hausverwalterin kaum nachkommt. Anstatt Schnee zu schaufeln und auf der Einfahrt für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen, zieht es das faule Ding vor, keinen Finger zu rühren - das ist wieder typisch. 
17.15 Uhr Nach getaner Arbeit schiebe ich eine TOMBSTONE Fertigpizza ins Ofenrohr und bereite ausserdem einen gesunden Tomatensalat mit Zwiebeln zu. Ferner nehme ich mir Dr. Venturis Ansprache zu Herzen und genehmige mir dazu ein gesundes Glas Milch - das schmeckt.
18.00 Uhr Während sich Dixon im Garten tummelt und frechen Eidechsen hinterherläuft, setze ich mich entspannt ins Wohnzimmer und versüsse mir den Abend mit einem sehenswerten Spielfilm auf dem Bezahlsender HBO. Ich lehne mich gähnend zurück und verfolge die Hollywood Produktion "Mangolia" aus dem Jahre 2000. Der Streifen erzählt die Geschichte mehrerer Menschen, deren Wege sich eines Tages im San Fernando Valley kreuzen. Zum einen lerne ich den sterbenskranken Fernsehmagnat Big Earl Patridge kennen, dessen Pfleger verzweifelt versucht, seinen Sohn ausfindig zu machen. Gleichzeitig sucht der Moderator einer Kinderspielschau die Aussöhnung mit seiner drogensüchtigen Tochter - da kommt Freude auf. 
21.00 Uhr Als nach drei langen Filmstunden der Abspann über den neumodischen Flachbildschirm flimmert, betätige ich den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der Fernbedienung und unternehme einen Rundgang durch den Garten. Mit Hund Dixon im Schlepptau spähe ich in den sternenklaren Himmel und kann es kaum erwarten, morgen ans Meer zu fahren - das wird ein Vergnügen. Anschliessend lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.


17.02.2010
07.15 Uhr Ein neuer Tag im Sonnenscheinstaat Florida beginnt und ich springe voller Tatendrang von der bequemen Matratze. Weil 
ich gleich eine Vorsorgeuntersuchung in der "Cleveland Clinic" (löblich: Cleveland Krankenhaus) über mich ergehen lassen muss, eile ich mit schnellen Schritten auf die fliegenvergitterte Terrasse, um meine Muskeln zu stählen. Hund Dixon schlecht währenddessen um meine Füsse und fordert mich winselnd auf, die Terrassentüre zu öffnen. 
07.45 Uhr Im Anschluss lasse ich bei einem löblichen Wirbelbad die Seele baumeln. Während mich das Sprudelwasser redlichst umspült, fröne ich dem Internetzradioprogramm des BR und lerne, dass der "Sozialistische Deutsche Studentenbund" (SDS) vor 42 Jahren die bis Dato grösste Protestversammlung gegen den Vietnamkrieg in Deutschland organisierte. Wie jedes Kind weiss, tummelten sich auf dem zweitätigen Kongress in West-Berlin allerhand gewaltbereite Personen, die sich wenig später in der RAF wiederfinden sollten. Unter den Teilnehmern war auch Ulrike Meinhof, die ein Mobilisierungsflugblatt für die Gammler verfasst hatte. In ihrem lächerlichen Pamphlet hat die linksradikale Journalistin verlauten lassen, dass man "den paramilitärischen Einsatz der Polizei mit paramilitärischen Mitteln begegnen müsse". Gott sei Dank gehört dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte längst der Vergangenheit an. 
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten beende ich die Morgenwäsche und schlüpfe in farbenfrohe Freizeitkleidung. Da es vonnöten ist, nüchtern zur Untersuchung zu erscheinen, verzichte ich auf das Frühstück und lasse mir lediglich einen Schluck Mineralwasser von EVIAN schmecken. Danach eile ich mit Hund Dixon im Schlepptau zum Nachbarhaus und gebe Frau Pontecorvo zu verstehen, dass sie während meiner Abwesenheit ein Auge auf das Tier werfen muss. Der Vierbeiner begrüsst die nette Dame besonders freundlich zu zögert nicht, aufs Sofa zu hüpfen und sich die Pfoten zu lecken. Frau Pontecorvo kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und sagt, dass sie ihren Pflichten nachkommen und dem Kerlchen eine Brotzeit zubereiten wird - wie schön. 
09.00 Uhr Wenige Augenblicke später kommt Edelberts schneeweisser Geländewagen im Willoughby Drive zum Stehen. Ich hüpfe ausgelassen auf den Beifahrersitz und animiere den Professor, den Motor aufheulen zu lassen und ruckzuck zum Krankenhaus weiterzufahren. Mein Bekannter lässt den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und beteuert, dass die Untersuchung nicht viel Zeit in Anspruch nehmen wird - wie schön. Weil mein Magen bereits laut knurrt, schlage ich vor, dass wir hinterher in Julies Restaurant einkehren und fürstlich speisen sollten. 
09.30 Uhr Nachdem wir den JEEP vor dem Haupteingang geparkt haben, betreten wir das weitläufige Gebäude und erkundigen uns an der Rezeption nach dem Büro von Dr. Venturi. Die brünette Telefonistin (27) steht uns Rede und Antwort und sagt, dass der Mediziner die Vorsorgeuntersuchung im Zimmer 217 durchführen wird. Wir steigen in den erstbesten Aufzug ein und finden uns bald in einem menschenüberlaufenen Wartezimmer wieder. Da wir uns gestern angemeldet haben, werden wir prompt zum behandelnden Arzt vorgelassen und erfahren, dass uns zuerst etwas Blut abgenommen wird. Dr. Venturi greift selbst zum Blutentnahmeröhrchen und weist uns darauf hin, dass der Lebenssaft von hauseigenen Laboranten auf Krankheiten überprüft wird - wie aufregend.
10.00 Uhr Als nächstes führt mich eine Blondine mit Sprachfehler in einen weiteren Raum und kündigt an, dass wir jetzt ein Belastungs-EKG durchführen werden. Zu allem Überfluss sehe ich mich gezwungen, mein Hawaiihemd auszuziehen und auf einem sogenannten Ergometer Platz zu nehmen. Die Arzthelferin klebt einige Elektroden auf meine Brust und sagt, dass ich ordentlich in die Pedale treten soll. HEUREKA - was muss ich denn noch alles ertragen. Missgelaunt komme ich der Aufforderung nach und schaffe es ohne Probleme, eine Belastung von 225 Watt zu stemmen. Das nette Fräulein blickt währenddessen auf einen überdimensionalen Heimrechnerbildschirm und bestätigt, dass ich fit wie ein Turnschuh bin und gerade eine Pulsfrequenz von 210 Schlägen pro Minute erreicht habe - das soll mir erst mal einer nachmachen. 
10.30 Uhr Völlig verschwitzt steige ich vom Übungsfahrrad und kann mich kaum mehr auf den Beinen halten. Als mir schwarz vor Augen wird, beruhigt mich die Maid und sagt, dass ich tief einatmen und im Warteraum zur Ruhe kommen sollte. Ich schlüpfe nörgelnd in mein frisch gewaschenes Hemd und setze mich zu den Leuten ins Vorzimmer. Da mein Begleiter mittlerweile zum Screening (löblich: Durchleuchten) geführt wurde, halte ich ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk) mit einer alten Schachtel (77) und lasse sie wissen, dass ich Leistungssportler bin und voraussichtlich bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 teilnehmen werde.
10.45 Uhr Als der Minutenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf Viertel vor 11 deutet, kommt Edelbert dazu und wischt sich die Schweissperlen von der Stirn. Mein Bekannter versorgt mich mit wissenswerten Infos und berichtet, dass er beim Leistungstest sehr schlecht abgeschnitten hat. Lachend klopfe ich mir auf die Schenkel und antworte, dass eben nicht jeder so sportlich sein kann. Bevor Edelbert etwas erwidern kann, lotst mich Dr. Venturi in den nächsten Behandlungsraum und sagt, dass jetzt das sogenannte Screening ansteht. Ich lege mich auf eine Pritsche und höre, dass ich mich während der Untersuchung nicht bewegen darf. 
11.00 Uhr Der freundliche Doktor macht mich mit der Funktionsweise der futuristisch anmutenden Apparatur vertraut und sagt, dass ein sündteurer Elektronenstrahl-Scanner der 5. Generation meinen Körper durchleuchten wird - das soll mir Recht sein. Nachdem ich meine Armbanduhr abgelegt und sämtliche Metallteile in einen Korb verfrachtet habe, zwinkert mir der Arzt redlichst zu und sagt, dass ich jetzt die Augen schliessen und mich entspannen kann. Ich komme dem Aufruf mit Freuden nach und vernehme, wie der Computertomograph merkwürdige Geräusche von sich gibt.
11.45 Uhr Nach dreissig Minuten kann ich endlich aufstehen und zu Edelbert zurückkehren. Dr. Venturi leistet uns Gesellschaft und erklärt, dass wir zu guter Letzt einen Fragebogen ausfüllen müssen. Ich greife prompt zum Füllfederhalter und notiere auf dem Heimrechnerausdruck, dass ich mich mit dem Frühsport in Form halte und täglich Wanderungen unternehme. Ausserdem gebe ich mein Gewicht sowie meine Ess- und Trinkgewohnheiten preis. Schliesslich überreichen wir der Sprechstundenhilfe die ausgefüllten Blätter und bringen in Erfahrung, dass uns Dr. Venturi morgen Vormittag zu einem Informationsgespräch erwartet - wie schön. 
12.15 Uhr Gutgelaunt verlassen wir das Hospital und preschen in einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt zum Gasthaus unseres Vertrauens. Der Professor redet während der Fahrt ohne Unterlass auf mich ein und behauptet, dass wir morgen in aller Frühe zum Krankenhaus fahren sollten. Ich zeige mich einverstanden und weise darauf hin, dass ich anschliessend den Wocheneinkauf erledigen werde. 
12.45 Uhr Wir treffen hungrig und durstig im Familienrestaurant ein und setzen uns an den schönsten Fenstertisch. Frau Julie heisst uns herzlich Willkommen und serviert zwei Gläser Wasser sowie die Karten. Da ich noch kein Frühstück hatte, bestelle ich den "Fang des Tages" (unlöblich: Catch of the Day) und ordere dazu eine Portion Kartoffelstäbe.
13.30 Uhr Während wir die köstliche Mahlzeit verzehren, lassen wir unsere Tageserlebnisse Revue passieren und berichten der Wirtin von der Vorsorgeuntersuchung. Frau Julie schnalzt mit der Zunge und meint, dass es im Alter sehr wichtig ist, sich einmal pro Jahr ordentlich durchtschecken zu lassen. Edelbert erhebt mahnend den Zeigefinger und berichtet, dass man so schlimme Krankheiten wie Krebs oder sogar den gefährlichen Gehirnbrand frühzeitig erkennen kann - wie wahr.
14.30 Uhr Nachdem wir uns redlichst gestärkt und die Rechnung in Bar bezahlt haben, wünschen wir Frau Julie alles Gute. Wir kehren plaudernd zum PS-strotzenden Geländewagen zurück und preschen spornstreichs in Richtung Wohngebiet weiter. 
15.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, winke ich Edelbert zum Abschied hinterher und laufe dann ganz schnell zu Frau Pontecorvos Anwesen. Hund Dixon begrüsst mich schwanzwedelnd und hüpft auf und ab. Meine nette Nachbarin schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass sie das sonnige Wetter genutzt hat, um mit dem Racker einen Spaziergang durchs Wohngebiet zu unternehmen - wie schön. Weil ich von dem Krankenhausbesuch ganz geschlaucht bin, reiche ich der netten Frau die Hand und verabschiede mich in meine Villa.
15.30 Uhr Zu den Klängen der Lady Antebellum Kompaktscheibe "Need You Now" (löblich: Brauche dich jetzt) serviere ich Dixon eine Portion Royal Canin Trockenfutter und vergesse auch nicht, eine Schüssel mit Wasser bereitzustellen. Danach lasse ich mich aufs Sofa fallen und lege ein wohlverdientes Päuschen ein - das tut gut.
16.30 Uhr Just als ich von einem Weissbier im Biergarten des Wilden Esel träume, werde ich durch schrilles Telefonläuten geweckt - wie unlöblich. Trotz allem nehme ich das Gespräch entgegen und freue mich sehr, meinen Bruder aus dem fernen Kanada in der Leitung zu haben. Georg erkundigt sich nach dem Rechten und will wissen, wie es mir bei der Vorsorgeuntersuchung ergangen ist. Selbstverständlich stehe ich meinem Bruder Rede und Antwort und schildere, dass ich alles gut überstanden habe und laut Aussagen der Ärzte die Konstitution eines 30jährigen habe. Georg freut sich für mich und entgegnet, dass er im März ebenfalls zu einer Untersuchung ins Krankenhaus gehen wird.
17.00 Uhr Nachdem wir noch etwas über dies und das geplaudert haben, beende ich das Ferngespräch und mache es mir mit meinem Haustier auf der Terrasse bequem. Während Dixon einen ekelerregend duftenden Kauknochen verzehrt, trinke ich ein kühles Budweiser und lausche dem Gezwitscher der exotischen Vögel - da kommt Freude auf.
17.45 Uhr Um nicht im Liegestuhl einzuschlafen, erhebe ich mich laut ächzend und begebe mich in die Küche. Unter den Blicken meines Vierbeiners beginne ich mit der Zubereitung des löblichen Abendessens und entscheide mich für ein maritimes Gericht der Spitzenklasse. Fachmännisch brate ich sieben Fischstäbchen in Olivenöl heraus und erhitze buntes, aber keusches Buttergemüse im futuristischen Kleinwellenofen (unlöblich: Mikrowelle) - wie gut das duftet. Zudem zaubere ich einen kleinen Tomatensalat mit Zwiebeln und decke nebenbei den Tisch im Esszimmer.
18.30 Uhr Ich lasse mir das köstliche Fischgericht zungeschnalzend munden und trinke ein Gläschen Weisswein aus Italien dazu. HEUREKA - diesen sizilianischen Tropfen muss man einfach probiert haben.
19.00 Uhr Nachdem ich Hund Dixon ein halbes Fischstäbchen abgegeben habe, verfrachte ich alles Geschirr in die Spülmaschine und vergesse auch nicht, die Pfanne zu reinigen sowie die Weinflasche sicher zu verschliessen. Bei dieser Gelegenheit mache ich meinen Hund darauf aufmerksam, dass ich von der Vorsorgeuntersuchung immer noch erschöpft bin und wir uns deshalb mit einem kleinen Spaziergang durch den Garten begnügen werden.
19.30 Uhr Nach einem kurzen Abstecher zum nahegelegenen Teich kehren wir ins Haus zurück und nehmen fix und fertig auf dem bequemen Sofa platz. Da ich in der Fernsehzeitung kein hunde- und rennergerechtes Programm entdecken kann, schiebe ich kurzerhand eine DVD ins Abspielgerät und erkläre meinem Haustier, dass wir jetzt einen virtuellen Ausflug ins Bayern der 1960er Jahre unternehmen werden.
20.00 Uhr Ich verfolge die Episode "Manhattan“ aus der Erfolgsserie "Irgendwie und sowieso" und werde Zeuge, wie sich Sepp, Sir, Effendi und Herr Binser auf die Suche nach Christel machen und gemeinsam nach München fahren. Während Sepp und Martin Binser die arme Christel aus den Fängen eines Zuhälters befreien, treibt sich Sir Quickly im Schwabinger Nachtleben herum und macht mit der sogenannten Gräfin Bekanntschaft - wie aufregend.
21.00 Uhr Ein unterhaltsamer Fernsehabend geht zu Ende und ich schalte den Flachbildschirm aus. Nachdem ich alle Fenster und Türen sicher verriegelt habe, gehe ich müde ins Bett und schlafe schon bald ein. Gute Nacht.


16.02.2010
07.15 Uhr Der Wecker geht an und läutet den 47. Tag des gregorianischen Kalenders ein. Da ich nicht den ganzen Vormittag im Bett 
liegen kann, schlüpfe ich in meine bequemen Hausschuhe und läute den Tag mit dem Frühsport auf der Terrasse ein - Morgenstund' hat bekanntlich Gold im Mund. 
07.45 Uhr Danach entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und tippe Edelberts Handtelefonnummer ins Tastenfeld der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein. Der Professor meldet sich nach dem zweiten Klingeln und erinnert daran, dass wir zum Jahresende vereinbart hatten, uns in der "Cleveland Clinic" (löblich: Cleveland Krankenhaus) einer Vorsorgeuntersuchung zu stellen. Eifrig nickend stimme ich zu und stelle klar, dass eine einfache Blutdruckmessung in unserem Alter längst nicht mehr ausreicht. Edelbert vertritt die gleiche Meinung und ergänzt, dass die medizinischen Möglichkeiten weit fortgeschritten sind und bei einem sogenannten "Screening" (löblich: Durchleuchtung) sogar mikroskopischkleine Krebszellen erkannt werden können. Um gleich Nägel mit Köpfen zu machen, rede ich dem schlauen Mann ins Gewissen und trage ihm auf, dass er gleich einen Termin in Naples grösstem Krankenhaus vereinbaren sollte. Prof. Kuhn ist begeistert und verspricht, gegen 9 Uhr zum Frühstück vorbeizukommen - wie schön.
08.45 Uhr Frisch in Schale geworfen, nehme ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb und sorge ausserdem dafür, dass Hund Dixon mit einer Portion Trockenfutter versorgt wird. Ferner decke ich bei angenehmen Temperaturen den Terrassentisch und richte eine Platte mit vitaminreichen Wurstwaren an - das Auge isst bekanntlich mit. 
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten trifft der Professor in meinem bescheidenen Heim ein und teilt mir auf Anfrage mit, dass wir morgen um halb Zehn nüchtern bei Dr. Venturi im Kellergeschoss der besagten Klinik vorstellig werden müssen. Edelbert giesst sich etwas Bohnentrunk ein und erzählt, dass uns zuerst Blut abgenommen werden wird. Als ich auf die Kosten zu Sprechen komme, beruhigt mich mein Tischnachbar und rechnet vor, dass das Krankenhaus für die gesamte Prozedur lediglich 650 Dollars in Rechnung stellen wird. HEUREKA - was tut man nicht alles für seine Gesundheit. Der Professor ist wie immer bestens informiert und fährt fort, dass neben der routinemässigen Blutuntersuchung auch ein Belastungs-EKG sowie ein einfaches Screening auf dem Programm steht. Ich beisse kraftvoll in eine mit Capocollo belegte Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) und füge an, dass uns der behandelnde Arzt sehr loben wird. Mein Bekannter stimmt uneingeschränkt zu und sagt, dass wir sehr gut in Schuss sind und es jederzeit mit jungen Menschen aufnehmen können - wie wahr.
10.00 Uhr Nachdem wir unsere Teller geleert haben, spähe ich auf die wertvolle ROLEX und schlage vor, dass wir jetzt an den Strand fahren könnten. Hund Dixon wird gleich hellhörig und läuft wie von der Tarantel gestochen zur Haustüre. Weil man dem Vierbeiner nichts abschlagen kann, folgen wir ihm zu Edelberts JEEP und schicken uns an, mit durchdrehenden Reifen vom Grundstück zu brettern. Der Professor drückt das Gaspedal bis zum Anschlag durch und bringt uns in einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt zum vier Meilen entfernten "Delnor Wiggins State Park". 
10.30 Uhr Am Ziel angekommen, hüpfe ich voller Elan vom Beifahrersitz und sauge die frische Luft tief in meine Lungen ein. Der Professor tut es mir gleich und merkt an, dass es nichts schöneres gibt, als an einem sonnigen Frühlingstag am Golf von Mexiko zu flanieren. Mit Dixon im Schlepptau laufen wir zum Boardwalk (unlöblich: Strandweg) und beobachten junge Mädchen, die sich im Fussballspiel üben. Da ich stets über alles informiert sein will, spreche ich den däumchendrehenden Erziehungsberechtigen an und finde heraus, dass er an der "DeSoto Middleschool" (löblich: De Soto Mittelschule) als Sportlehrer fungiert und den Übungsleiterposten der örtlichen Mädchenauswahl inne hat - wie schön. Herr Remmings (57) versorgt uns mit allerhand Fakten und sagt, dass er viele Jahre in Englands zweithöchster Spielklasse die Fussballschuhe geschnürt und es sich nun zur Lebensaufgabe gemacht hat, junge Talente zu fördern. 
11.00 Uhr Wir leisten dem netten Mann etwas Gesellschaft und werden Zeugen, die ein langhaariges Mädchen namens Vicky (13) zu einem atemberaubenden Dribbling ansetzt. Herr Remmings schnalzt mit der Zunge und behauptet, dass die Maid möglicherweise bald den internationalen Durchbruch schaffen wird. 
11.30 Uhr Kurz vor der Mittagszeit setzen wir unseren Spaziergang fort und betreten eine einladende Strandgaststätte. Eine rothaarige Kellnerin lässt nicht lange auf sich warten und kredenzt süffiges Miller Light (löblich: Müller Leicht) sowie die Speisekarten. Da mein Magen bereits knurrt, nehme ich die Speisenfolge in Augenschein und bestelle kurzerhand einen saftigen Double-Cheeseburger (löblich: Doppel Käseburger) mit Kartoffelspalten sowie etwas angebratenes Fleisch für Hund Dixon. Edelbert nimmt ein vitaminreiches Reisgericht und ordert dazu eine Portion Black Beans (löblich: Schwarze Bohnen). 
12.00 Uhr Während wir es uns schmecken lassen, bringe ich abermals die Routineuntersuchung zur Sprache und erkundige mich, ob unser Krankenversicherer die Kosten übernehmen wird. Edelbert schüttelt entschieden mit dem Kopf und sagt, dass wir leider in den sauren Apfel beissen und selbst für die Vorsorgeuntersuchung bezahlen müssen - das ist typisch. An diesem Beispiel sieht man anschaulich, dass das deutsche Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps steht und völlig unsozial daherkommt. Während arbeitsscheue HARTZ IV Bezieher sämtliche Leistungen für Lau in Anspruch nehmen können, werden die Rentner wieder einmal zu den Melkkühen der Nation gemacht - wo soll das noch hinführen mit dieser Welt.
12.30 Uhr Nachdem mein Begleiter seine praktische VISA Karte gezückt und die gesalzene Rechnung beglichen hat, machen wir uns auf den Rückweg. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 75°F (23°C) Grenze, werfen wir dem Hund Stöckchen zu und tratschen über die mutigen Stehsegler (unlöblich: Surfer), die in der Brandung waghalsige Kunststücke vorführen. HEUREKA - dieses Schauspiel muss man erlebt haben. 
13.15 Uhr Zuhause angekommen, wünsche ich dem Professor einen ruhigen Nachmittag und fordere ihn auf, mich morgen pünktlich gegen 9 Uhr abzuholen. Edelbert lüftet seine MIAMI DOLPHINS Kappe und prescht mit quietschenden Reifen von dannen. Bevor ich mich aufs Ohr lege, führe ich meinen tierischen Mitbewohner auf die Terrasse und bürste sein zerzaustes Fell ordentlich durch. Dixon ist begeistert und zögert nicht, mir mit seiner nassen Zunge übers Gesicht zu schlecken. 
14.00 Uhr Ich strecke auf dem bequemen Wohnzimmersofa zufrieden die Füsse aus und döse bald ein, um von meinen Katzen Jenny und Tony zu träumen, die leider in der weissblauen Heimat zurückbleiben mussten. 
15.00 Uhr Als ich im Traum mit den Stubentigern im Garten spiele, werde ich durch ohrenbetäubendes Scheppern geweckt. Ich stehe augenblicklich auf und erkenne, dass Hund Dixon eine wertvolle Obstschale zu Boden geworfen hat - wie schrecklich. Natürlich erhebe ich sogleich den Zeigefinger und gebe dem Racker zu verstehen, dass er bei weiteren Verfehlungen ins Tierheim gebracht wird - wo soll das noch hinführen.
15.15 Uhr Nachdem ich die Scherben kopfschüttelnd in den Mülleimer geworfen habe, brühe ich frischen Bohnentrunk auf und richte zwei Muffins auf einem Porzellanteller an. Im Anschluss finde ich mich am Schreibtisch ein und nehme die wichtige Anschnurarbeit in Angriff. Wie es sich für einen staatlich anerkannten Anschnurseelsorger gehört, rufe ich als erstes Fragen besorgter Heimseitenbesucher ab und stehe leidgeprüften Menschen mit Rat und Tat zur Seite. Herr Oliver J. aus Unna schreibt, dass seine Tochter Mona (16) einschlägige Tanzlokale besucht und dort nicht nur Alkopops trinkt, sondern auch Kreck in rauen Mengen konsumiert. Da mir das Wohl der jungen Generation sehr am Herzen liegt, tröste ich den armen Mann und rate ihm, seiner Tochter das Taschegeld zu kürzen und das Jugendamt einzuschalten - so kann es jedenfalls nicht weitergehen.
16.00 Uhr Ich beantworte weitere Hilferufe und sorge zu guter Letzt im beliebten Gästebuch für Ordnung. Ausserdem verfasse ich eine elektronischen Grussbotschaft an meinen Bruder Georg und gebe zu Protokoll, dass ich morgen eine Vorsorgeuntersuchung im Krankenhaus über mich ergehen lassen muss.
16.30 Uhr Nachdem ich den leistungsstarken Heimrechner mausdrückend heruntergefahren habe, schenke ich mir als kleine Belohnung ein süffiges Budweiser ein. Ich öle meine ausgetrocknete Kehle mit kräftigen Schlucken und freue mich, als Frau Pontecorvo an die Terrasse kommt. Meine Nachbarin winkt mir zu und kündigt an, dass sie gleich mit Herrn Fisher ins Lichtspielhaus gehen wird. Zu allem Überfluss lädt mich die Dame ein und meint, dass wir hinterher in einem Gasthaus zu Abend essen könnten. Achselzuckend falle ich der Frau ins Wort und entgegne, dass ich leider wenig Zeit habe. Frau Pontecorvo zeigt Verständnis und sagt, dass sie mich morgen zum Abendessen einladen wird - das werden wir erst noch sehen.
17.15 Uhr Weil es draussen unangenehm schwül geworden ist, ziehe ich mich in die klimatisierte Stube zurück und verfrachte einen Topf auf die Herdplatte. Zu den Klängen der aktuellen "Lady Antebellum" Kompaktscheibe gebe ich ein halbes Pfund Farfalle ins Nudelwasser und zaubere ausserdem eine deftige Tomatensauce mit frischen Gewürzen und einem Schluss Olivenöl - wie gut das duftet. 
18.00 Uhr Während ich das mediterrane Abendessen geniesse, kommt Hund Dixon hechelnd von seinem Ausflug an den künstlich angelegten Teich zurück und animiert mich, ihm etwas von der Mahlzeit abzugeben. Ich streiche dem Vierbeiner schmunzelnd übers Köpfchen und stelle klar, dass Hunde keine stark gewürzten Speisen essen sollten. 
18.45 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine in Gang gesetzt habe, finde ich mich erschöpft im Wohnzimmer ein und lasse den nervenaufreibenden Tag bei einem hunde- und rentnergerechten Fernsehabend ausklingen. Schaumweinschlürfend quäle ich mich durch die unzähligen Programme und registriere, dass heute leider keine neue Folge meiner Lieblingssendung "Cops" (löblich: Polizisten) ausgestrahlt wird - wie schade. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und verfrachte eine DVD mit den Abenteuern der Familie Drombusch ins Abspielgerät. Ich wähle die Folge "Liebe ist Unvernunft" aus und sehe, wie Sigi aus dem Krankenhaus entlassen wird und in die "Alte Mühle" vor den Toren Darmstadts zurückkehrt. Anstatt sich von seinem schweren Herzanfall zu erholen, packt der Familienvater ordentlich an und hilft seiner Ehefrau, das heruntergewirtschaftete Antiquitätengeschäft auf Vordermann zu bringen - da kommt Freude auf.
19.45 Uhr Nach sechzig heiteren Minuten schalte ich ab und gebe mich auf CNN den aktuellen Meldungen aus der Welt der Politik hin. Da jedoch keine brechenden Neuheiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, schalte ich weiter und verweile auf dem Bezahlsender HBO, um einer Wiederholung der beliebten Mafiasendung "The Sopranos" zu frönen. Diesmal muss sich der Hauptprotagonist Tony mit seiner unterbelichteten Schwester Janice herumschlagen, die im Streit ihren Lebensgefährten erschossen hat - wie aufregend.
21.00 Uhr Gähnend betätige ich den "OFF" (löblich: AUS) Knopf der neumodernen Fernbedienung und unternehme im Beisein meines Haustieres einen Rundgang durch den Garten. Nachdem ich die Verandatüre sicher verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und lese noch etwas in der Bibel. Gute Nacht.


15.02.2010
Sehr verehrte Damen und Herren,

heute wird in Amerika der sogenannte "President's Day" (löblich: Präsidenten Tag) begangen. Hierbei handelt es sich um einen landesweiten Gedenktag, der auf den "Monday Holiday Act" (löblich: Montag Ferien Verordnung) zurückgeht. Im Jahre 1968 verabschiedete der Kongress ein Gesetz, welches allen Amerikanern am dritten Montag des Februars einen gesetzlichen Feiertag zusicherte. Dieser wurde bis 1971 als "Washington's Birthday" (löblich: Washingtons Geburtstag) bezeichnet.

Um alle früheren Präsidenten gleichermassen zu ehren, entschloss sich Richard Nixon anno 1971 "Washington's Birthday" um eine Woche zu verschieben und am dritten Montag im Februar den "President's Day" auszurufen. Obwohl einige Bundesstaaten den "President's Day" zum Feiertag deklariert haben, müssen landesweit sämtliche Kinder trotzdem die Schule besuchen. Die meisten Lehranstalten bringen ihren Schülern an diesem Tag jedoch etwas über das Leben und Wirken der amerikanischen Präsidenten bei - wie schön.

Da mich die amerikanische Geschichte schon seit meiner Jugendzeit fasziniert, habe ich den sonnigen Tag genutzt, um mit Edelbert eine spannende Ausstellung in der Stadtbibliothek zu besuchen. Wir haben Bildbände und alte Dokumente aus längst vergangenen Epochen inspiziert und einiges über die Gründung der USA gelernt. Der Professor hat ausserdem ein Kleingespräch (unlöblich: Smalltalk) mit dem Leiter der örtlichen Bücherei geführt und herausgefunden, dass Florida im Jahre 1810 von einem blutigen Bürgerkrieg heimgesucht wurde. Damals erhoben sich britische Siedler gegen die spanischen Herrscher und riefen am 23. September die "Freie Republik Westflorida" (unlöblich: Free Republic of West Florida) aus. Am 27. Oktober desselben Jahren wurden Teile des Landes von den Vereinigten Staaten beansprucht. Die Amerikanisierung Floridas wurde im Frühjahr des Jahres 1819 mit dem "Adam-Onis-Vertrag" abgeschlossen - wie aufregend.

Um dem heutigen Gedenktag einen würdigen Rahmen zu verleihen, werde ich mich nicht lumpen lassen und ein Fläschchen Cristal Schaumwein aus dem Hause Louis Roederer köpfen. Hinterher werde ich mit Hund Dixon einen erquickenden Spaziergang zum "Pelican Larry's Raw Bar & Grill" Gasthaus an der Immokalee Road unternehmen und einen hausgemachten Cheeseburger (unlöblich: Käseburger) verzehren - da kommt Freude auf. 

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg


14.02.2010
Hallo Leute,

gestern war's endlich soweit. Ich war mit Amanda und James im Kino und habe mir das mit viel Vorschusslorbeeren überschüttete Remake des Horrorfilmklassikers "Wolfman" aus dem Jahre 1941 angeschaut. Die Neuverfilmung handelt vom reichen Gutsherren Lawrence Talbot, der eines Tages erfahren muss, dass sein Bruder verschwunden ist. Daraufhin kehrt er in seine walisische Heimat zurück und hört, dass in den Wäldern eine gefährliche Bestie haust, die die Dorfbewohner reihenweise tötet ...
Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Aber ich kann euch sagen, der Film wird euch vom Hocker hauen. Selten habe ich einen spannenderen Schocker gesehen.

Da Bärbel auf David aufgepasst hat, sind wir hinterher in den Wilden Esel eingekehrt. Dort fand der alljährliche "Lumpen und Bazi Faschingsball" statt. Wie ihr euch denken könnt, waren Pfaffenbergs alte Stammtischfreunde auch da. Admiral Bürstenbinder war als "Herrscher der sieben Meere" verkleidet und hat allen Frauen nachgestellt. Alte Leute können manchmal ganz schön peinlich sein.

Heute werde ich es etwas ruhiger angehen lassen und mir die Olympia Liveübertragung im ZDF anschauen. Am Abend steht die 10 Kilometer Sprintentscheidung im Biathlon auf dem Programm. Ausserdem werde ich den Pizzabringdienst bemühen und mir etwas Leckeres ins Haus liefern lassen.

  Mehr gibt's nicht zu berichten.
  Deswegen verabschiede ich mich jetzt. Wir lesen uns am kommenden Samstag wieder
  Eure Sandra C.


13.02.2010
Hi Fans,

Leider hat der Winter Bayern immer noch fest im Griff. Überall liegt Schnee und es ist bitter kalt. Ich hab' von der "weissen Pracht" und der sibirischen Kälte langsam die Schnauze voll und würde am liebsten nach Naples fliegen, um im Willoughby Drive abzuhartzen und mich in der Sonne zu aalen.

Bekanntlich bin ich aber kein Hartz IV Empfänger und auch kein Rentner, sondern stehe fest im Arbeitsleben. Deswegen kann ich mich nicht das ganze Jahr über in Südflorida tummeln, um die Sektkorken knallen zu lassen und Freunde zum Schweinebratenessen einzuladen ;-)

Die Woche war wirklich stressig. Ich musste einige Geschäftsreisende in der Pension Waldblick bewirten und mich ausserdem mit einem Techniker des örtlichen Stromanbieters herumschlagen, der mir ein sogenanntes "Smart Meter" aufschwatzen wollte. Angeblich sollen alle Häuser bis zum Jahr 2022 mit "intelligenten Stromzählern" ausgestattet werden. Der Servicemitarbeiter erklärte mir, dass diese Dinger beim Stromsparen helfen sollen. Zudem kann man per WLAN Verbindung den Zählerstand vom Energieversorgungsunternehmen abrufen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch der viel zu hohe Preis. Unser Energieanbieter stellt den Kunden eine Extragebühr von monatlich 19 € in Rechnung. Ich hab' dankend abgelehnt und auch keinen neuen Stromvertrag abgeschlossen. Nächste Woche werde ich mich im I-Net schlau machen und auf verivox.de nach einer Alternative Ausschau halten. 

Aber egal, jetzt ist Wochenende. Ich werde gleich mit James und Amanda ins Kino gehen und mir den Horrorthriller Wolfman anschauen.

  Bis morgen wünsche ich euch viel Fun
  Sandra Corte

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