Das Tagebuch von Reinhard Pfaffenberg
Bitte besuchen Sie auch mein löbliches Tagebuch Archiv Drücken Sie hier

01.12.2008
07.00 Uhr Eine neue Woche bricht an und ich erfahre anhand des Wandkalender, dass bereits in 24 Tagen das Christkind vor der Türe stehen wird - wie aufregend. Schwungvoll hüpfe ich aus den Federn und beginne den sonnigen Tag mit der Morgengymnastik im Freien. Während ich meine eingerosteten Muskeln stähle, wird die Ruhe plötzlich durch das unüberhörbare Bimmeln meiner Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) unterbrochen. Zu meiner Überraschung meldet sich Herr Wang und lädt mich zum gemeinsamen Frühstück in Julies Restaurant ein. Da das wichtigste Mahl des Tages in Gesellschaft viel besser schmeckt, sage ich prompt zu und verspreche, gegen halb neun loszufahren. 
07.30 Uhr Ich entspanne mich bei einem löblichen Wirbelbad und denke währenddessen an den UFO Kongress, der am Wochenende im Old Town Hotel stattfand. Ich erinnere mich an die Diskussion mit Herrn Dwayne Brown (66) aus Phoenix, der mir weismachen wollte, dass die amerikanische Regierung in den 1950er Jahren ein Geheimprojekt namens "Blue Book" (löblich: Blaues Buch) durchführte und darin sämtliche UFO Sichtungen protokollierte. Anstatt einer geregelten Arbeit nachzukommen, ziehen es die Ufologen augenscheinlich vor, Unsinn am laufenden Band zu verbreiten und die Bevölkerung mit Endzeitvisionen zu verunsichern. Lachend rufe ich mir ausserdem den Vortrag eines unterbelichteten Engländers ins Gedächtnis, der felsenfest davon überzeugt war, dass Herr Elvis Presley ein Ausserirdischer war. HEUREKA - diesen Unsinn muss man gehört haben. 
08.30 Uhr Nachdem ich die Morgenwäsche beendet und mich in Schale geworfen habe, verlasse ich das Eigenheim und trete radiohörend die Fahrt zum Gasthaus meines Vertrauens an. Nebenbei fröne ich dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und lausche den angesagten Schlägen (unlöblich: Hits) diverser Interpreten wie Kenny Chesney, Alan Jackson, Taylor Swift und Jamey Johnson - was kann es schöneres geben. 
09.00 Uhr Mit quietschenden Bremsen komme ich vor Julies Restaurant zum Halten und erkenne mit geschultem Auge, dass Herr Wang auch schon da ist. Selbstverständlich setze ich mich sogleich dazu und gebe bei Bedienung Peggy ein grosses Frühstück in Auftrag. Während ich kraftvoll zubeisse und mich an hausgemachten Biscuits, delikatem Honig und gesunden Rühreiern labe, bringt mein Bekannter die Footballsaison zur Sprache und zeigt auf, dass wir am 14. Dezember nach Miami krusen werden, um dem Spiel der San Franzisko 49ers gegen die Miami Dolphins beizuwohnen. Eifrig nickend stimme ich zu erwidere, dass ich es kaum erwarten kann, die spannende Begegnung aus der Endzonenkurve zu verfolgen - das wird ein Spass. 
09.30 Uhr Just als uns Frau Peggy etwas Kaffee nachschenkt, wechsle ich das Thema und komme noch einmal auf den lächerlichen UFO Kongress zu sprechen. Herr Wang kann sich vor Lachen kaum halten und berichtet, dass ein Teilnehmer eine sonderbare Kiste vergessen hat, in der mehrere UFO Modelle aus Plastik verstaut waren. Als ich neugierig nachfrage, klopft sich Herr Wang auf die Schenkel und behauptet, dass er den Tand direkt in den Müll geworfen hat. 
10.15 Uhr Nachdem ich die Zeche mit mehreren Geldscheinen beglichen und meinem Bekannten einen erfolgreichen Arbeitstag gewünscht habe, unternehme ich eine kleine Ausfahrt ans Meer. Bei stimmungsvoller Musik fahre ich gen Süden und finde mich nach fünf Meilen in einem schicken Wohngebiet wieder, das direkt an den Ozean grenzt. HEUREKA - diese Idylle muss man gesehen haben. 
10.45 Uhr Da ein Spaziergang nicht schaden kann, parke ich mein Auto kurzerhand am Gardon Drive und unternehme eine kleine Wanderung am Golf von Mexiko. Nach wenigen Metern stosse ich auf eine Gruppe Jugendlicher, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, einem Lederball hinterherzulaufen und dem Fussballspiel zu frönen. Da die Amerikaner bekanntlich kaum Ahnung von besagter Sportart haben, klatsche ich in meine Hände und animiere die Sportler, einen Kreis zu bilden. Als renommierter Übungsleiter der Rentnerfussballmannschaft bringe ich den Leuten einige taktische Finessen näher und zeige auf, dass der Spielführer feste Positionen, wie zum Beispiel Abwehrspieler, Linksaussen und Stürmer ernennen sollte. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Kinder hellauf begeistert und fordern mich auf, meine Flip Flops auszuziehen und mich an dem Spiel zu beteiligen. Gutgelaunt schnappe ich mir das Spielgerät und zirkle die Kugel kurzerhand in Richtung eines Tores. Dummerweise hat ein Spieler der gegnerischen Mannschaft aufgepasst und kann den Ball gerade noch abwehren - wie unlöblich. 
11.15 Uhr Als es nach fünfzehn Minuten immer noch 0:0 steht, nehme ich alle Kraft zusammen und drängle mich geschickt durch die Abwehrreihe. Als mich ein rastabezöpfter Mitspieler mit einer mustergültigen Flanke versorgt, fackle ich nicht lange und dresche den Ball gekonnt über die Torlinie - das soll mir erst mal einer nachmachen. 
11.45 Uhr Nachdem ich nach fünfundvierzig Minuten insgesamt vier Tore geschossen und einen passablen Vorsprung für meine Mannschaft herausgespielt habe, lasse ich mich erschöpft unter einer schattenspendenden Palme nieder. HEUREKA - diese Hitze hält nicht einmal der stärkste Rentner aus. Völlig ausser Atem beobachte ich den weiteren Spielverlauf und komme schnell zu dem Schluss, dass meine Mannschaft ohne mich recht wenig ausrichten kann. Um die drohende Niederlage abzuwenden, stürze ich mich wieder ins Getümmel und sorge mit einem lupenreinen Hattrick für einen haushohen 12:6 Sieg. 
12.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Mittagessen in einer einladenden Strandgaststätte einzunehmen. Ich verabschiede mich von den jungen Leuten und kehre in eine TIKI Bar namens "Champagne Bar & Grille" (löblich: Champagner Tränke und Grill) ein. Zungeschnalzend bestelle ich bei einer leichtbekleideten Maid mit ekelerregendem Tattoo auf dem Rücken ein eisgekühltes Budweiser sowie einen Thousand Island Salad (löblich: Tausend Insel Salat) mit gegrillten Truthahnstreifen - schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen. 
12.45 Uhr Während ich an der Bierflasche nippe und auf das glitzernde Wasser spähe, werde ich durch das aggressive Klingeln der Schwarzbeere gestört. Zu allem Überfluss meldet sich meine Untermieterin und teilt mir mit, dass sich der Schornsteinfeger für kommenden Donnerstag angemeldet hat. Aufgeregt falle ich dem Kind ins Wort und erkläre, dass es den Kaminkehrer zur Heizungsanlage führen muss. Wie jeder weiss, ist man in Deutschland als Hauseigentümer gesetzlich verpflichtet, jährlich den Erdgasbrenner überprüfen zu lassen. Um Sandra eine kleine Freude zu bereiten, verspreche ich, die Rechnung in vollem Umfang zu übernehmen und am Nachmittag die Überweisung zu tätigen. 
13.30 Uhr Nachdem ich mein wohlverdientes Mittagessen verzehrt und einige Münzen auf dem Tisch hinterlassen habe, laufe ich mit schnellen Schritten zum JEEP. Zufrieden stelle ich den Wählhebel der Automatikschaltung auf "D" und fahre gemütlich ins Wohngebiet zurück. 
14.15 Uhr Daheim angekommen, stelle ich die Carrier Klimaanlage etwas höher und nehme dann auf dem Wohnzimmersofa platz, um mich etwas zu entspannen. Schon bald döse ich ein und träume von meinen beiden Haustieren, die leider im Waldweg 11 zurückbleiben mussten. 
15.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und verspüre ein unangenehmes Ziehen in beiden Beinen. Ächzend rolle ich vom Kanapee und bemerke, dass ich mich beim Fussballspielen etwas überanstrengt habe. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und befülle den Kaffeevollautomaten mit Leitungswasser und duftendem Bustelo Kaffeepulver. Nebenbei schiebe ich eine stimmungsvolle George Strait Kompaktscheibe in die Musikanlage und komme beim Lied "Troubardour" so richtig in Fahrt. 
15.45 Uhr Bei würzigem Arabica-Kaffee und Käsekuchen aus der PUBLIX Bäckerei sitze ich gemütlich auf der Terrasse und lasse die Seele redlichst baumeln. Leider ist mir die Ruhe nicht sehr lange gegönnt. Just als ich mir Gedanken bezüglich des Weihnachtsfestes mache, poltert Frau Gomez herein und sagt, dass sie jetzt das Badezimmer reinigen und die Wäsche waschen wird. Um der fleissigen Perle nicht im Weg zu stehen, finde ich mich am Schreibtisch ein und beginne mit der Anschnurarbeit. Wie immer segle ich auf meine löbliche Heimseite und beantworte ernstgemeinte Fragen besorgter Erziehungsberechtigter. Unter anderem schreibt Herr Hans-Dieter G. aus Bonn, dass seine Tochter Lydia (19) Eintrittskarten für ein Hartfelsenkonzert gekauft hat und unbedingt die finnische Combo "Satan's Saint" (löblich: Teufels Heiligkeit) sehen möchte - wie schrecklich. Natürlich schrillen bei mir sofort sämtliche Alarmglocken und ich sehe mich gezwungen, einen Antwortbrief zu verfassen und den Familienvater über die Gefahren eines solchen Spektakels aufzuklären. 
16.15 Uhr Nachdem ich weitere Depeschen abgeschickt habe, kümmere ich mich um meine eigene Korrespondenz. Neben Werbung für Viagra und anderen Mist, finde ich auch einen netten Brief meines ehemaligen Studienkollegen Thomas Kronach im Postkasten vor. Der gute Mann gibt bekannt, dass er im Laufe der übernächsten Woche geschäftlich nach St. Petersburg kommen wird. Thomas bringt ein gemeinsames Mittagessen ins Spiel und schreibt, dass er sich kurzfristig bei mir melden wird - das ist phantastisch.
16.45 Uhr Just als ich mein elektronisches Gästebuch in Augenschein nehme und die Rubrik mit den dümmsten Heimseitenbesucher aktualisiere, stürzt Frau Gomez aufgeregt dazu und behauptet, dass sich im Garten ein bissiges Reptil räkelt. Da es sich hierbei nur um die Echse Billy handeln kann, spreche ich der Putzfrau gut zu und antworte, dass sie dem lustigen Vierbeiner etwas Käsekuchen abgeben kann. Meine Zugehfrau rümpft angeekelt die Nase und meint, dass sie den Garten unter keinen Umständen betreten wird - wie unlöblich. 
17.15 Uhr Während sich die Dame wieder ans Werk macht und den Boden wischt, genehmige ich mir ein Bad im hauseigenen Jacuzzi. Währenddessen studiere ich den Reklameteil in der "Naples Daily News" und lese, dass der Winn Dixie Einkaufsmarkt ab Wochenmitte eine Preisoffensive startet und allerhand Kompaktscheiben und DVD Filme für nur 5,98 Dollars feilbieten wird - wie aufregend. Da man sich diese Schnäppchen nicht entgehen lassen darf, entschliesse ich mich, in den nächsten Tagen ordentlich abzuschoppen. 
18.00 Uhr Nachdem endlich Ruhe und Frieden im Willoughby Drive eingekehrt ist, stelle ich einen Topf mit Wasser auf die Herdplatte und zaubere in Minutenschnelle nahrhafte Langnudeln mit feiner Peccorinosauce aus dem Glas - wie gut das duftet. Dazu gibt es einen vitaminreichen Gurkensalat mit etwas Dill und frisch geriebenem Pfeffer.
18.30 Uhr Als ich mir die mediterrane Mahlzeit zungeschnalzend auf der Terrasse schmecken lasse, werde ich durch lautes und sehr aggressives Klingeln gestört. HEUREKA - in diesem Haus findet man keine ruhige Minute. Nörgelnd lege ich das Besteck zur Seite und finde Scherriff Bradfort auf der Einfahrt vor. Als ich den Gesetzeshüter zu Speis und Trank einladen möchte, windet er sich aus der Verantwortung und sagt, dass er nur vorbeigekommen ist, um sich eine Bohrmaschine sowie eine Wasserwaage auszuborgen. Als ich mir weiterführende Infos erbete, rückt der Gute mit der ganzen Wahrheit heraus und erzählt, dass er einige Bilder in seinem Scherriffbüro anbringen möchte. Da ich ein besonders zuvorkommender Zeitgenosse bin, biete ich ihm sogleich meine Hilfe an. Der Scherriff zeigt sich einverstanden und sagt, dass ich morgen nach dem Frühstück aufs Präsidium kommen soll - wie schön. 
19.30 Uhr Als die Geschirrspülmaschine endlich läuft, setze ich mich ins Wohnzimmer und entspanne bei einem Spielfilm auf meinem Lieblingssender HBO. Kartoffelchipsverzehrend und colatrinkend lehne ich mich zurück und werde bei "Hills Have Eyes" (löblich: Hügel haben Augen) Zeuge, wie eine Familie in New Mexiko mit unterbelichteten Bürgern aneinander gerät. Um keine schlaflose Nacht zu riskieren, schalte ich wegen der unglaublichen Gewaltdarstellungen schnell weiter und verfolge auf "Food Network" (löblich: Essen Netzwerk) eine sehenswerte Schau mit Fernsehköchin Paula Deen - da kommt Freude auf. 
21.00 Uhr Da mir immer wieder die Augen zufallen, beende ich den Fernsehabend und unternehme einen letzten Rundgang durch Haus und Garten. Nachdem ich Fenster und Türen fachgerecht verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und schlafe bald ein. Gute Nacht.


30.11.2008
Hallo Leute, 

während Pfaffenberg im Old Town Hotel schuften und sich mit wahnsinnigen Ufologen herumschlagen musste, habe ich gestern das sensationelle Konzert von Slipknot im Münchner Zenith besucht. Die Jungs haben Machine Head und Children Of Bodom mitgebracht und eine brachiale Heavy Metal Show der Superlative abgeliefert ;-) 
Wie ihr euch denken könnt, waren viele Bauernburschen aus dem Münchner Umland anwesend und haben mit Bierbechern geworfen, gemoscht und anderen Unsinn angestellt. Die Security war ständig unterwegs, um Leute aus der Halle zu werfen und Hausverbote auszusprechen. Alles in allem war's aber trotzdem ein genialer Abend. 

Eben habe ich mit Pfaffenberg telefoniert. Er musste am Wochenende im Old Town Hotel arbeiten und Mädchen für alles spielen. Er hat mir erzählt, dass Herr Wang gut ein Dutzend Ufologen an Land gezogen hat, die im Hotel einen Kongress abgehalten haben. Scheint ein rechter Spass gewesen zu sein. Pfaffi hat während der Mittagspause an einem Vortrag zum Thema "Elvis Presley war ein Alien" teilgenommen und nach eigenen Aussagen ganz neue Hintergründe über Elvis Presleys Tod in Erfahrung gebracht. 

Ausserdem hat mein Vermieter aus einem Informationsheft vorgelesen und wollte mir weissmachen, dass Weizen nicht von der Erde stammt, sondern ausserirdischen Ursprungs ist. Ich kann nur hoffen, dass er nicht auch noch auf diesen Unsinn hereinfällt. 

In der kommenden Woche wird Reinhard übrigens eine Motelanlage vor den Toren Naples besichtigen. Angeblich laufen Herrn Wangs Geschäfte so gut, dass er sich entschlossen hat, in ein Motel mit eigenem Restaurant, Schwimmbecken sowie Tennisplatz zu investieren. Wenn Herr Wang noch eine Public Relations Managerin braucht, kann er sich gerne bei mir melden. Ich wäre nicht abgeneigt, im sonnigen Florida zu leben :-) 

  Das soll's für diese Woche gewesen sein. 
  Ich wünsche Euch alles Gute 
  Eure Sandra Corte


29.11.2008
Hi Fans,
 
wenn man Pfaffenbergs Erlebnisse der letzten Wochen liest, kann man wirklich neidisch werden. Er säuft Champagner, lädt sich zum Truthahnessen ein und shopt ständig in den Miromar Outlet Stores ab - und das alles bei 25°C und strahlendem Sonnenschein.
 
Von soviel Luxus kann ich nur träumen. Es ist zwar schön, über ein eigenes Haus mit fast 200 qm zu verfügen, aber ich hätte nie gedacht, dass man so viele zusätzliche Ausgaben mit einrechnen muss. Neben der Miete muss ich ausserdem die Stromrechnung (90€/Monat) sowie die Heiz- und Wasserkosten (~ 190 €/Monat) aufbringen. Glücklicherweise darf ich die Hälfte der Pensionseinnahmen behalten und kann damit einen Grossteil der Nebenkosten bedienen.
 
Derzeit darf ich einen ganz netten Musiker im Pensionszimmer beherbergen. Martin ist 31 Jahre alt und spielte am Donnerstag bzw. Freitag in der Unterbrunzbacher Mehrzweckhalle. Als Berufsbezeichnung hat er auf dem Anmeldebogen "Singer/Songwriter" angegeben. Ausserdem habe ich erfahren, dass er schon zwei Alben veröffentlicht und vor vier Jahren als Support Act von "Austria 3" Tausende Konzertbesucher begeistert hat :-)
Wie ihr euch denken könnt, hat James vorbeigeschaut und mit Martin ordentlich gejammt. Am Dienstag haben sich die beiden bis 4 Uhr früh in James Tonstudio vergnügt und die ganze Nacht abgerockt.
 
Die Woche war sehr stressig. Neben der vielen Arbeit im Betrieb, musste ich auch die Villa auf Vordermann bringen, zum Einkaufen fahren und den Garten in Schuss halten.
Gott sei Dank ist jetzt Wochenende !!! 
Gleich werde ich mit Bärbel nach München fahren und auf einem Konzert abrocken :-) 
 
  Ich wünsche Euch bis morgen alles Gute
  Eure Sandra Corte


28.11.2008
07.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und höre, wie ein brummender Lieferwagen an meiner Villa vorbeigleitet und vor dem Haus von Familie Booth zum Halten kommt. Neugierig schlüpfe ich in den Morgenmantel und eile hinaus, um mir einen genaueren Überblick zu verschaffen. 
07.30 Uhr Während ich den Frühsport im Garten durchführe, werde ich auf zwei Handlanger aufmerksam, die zu früher Stunde eine Leiter aus dem LKW holen und mit dem Hauseigentümer diskutieren. Da ich stets über alles informiert sein muss, stelle ich den Kriegsveteran zur Rede und erfahre, dass die Arbeiter einige Dachschindeln erneuern und die holzvertäfelte Fassade mit frischer Farbe bepinseln werden. Herr Booth geht noch weiter und sagt, dass sein Eigenheim zum diesjährigen Weihnachtsfest in ganz neuem Glanz erstrahlen wird - das soll mir auch recht sein. 
08.00 Uhr Verschwitzt kehre ich ins Haus zurück und läute den Tag mit einem Wirbelbad der Extraklasse ein. Während ich mich wasche und rasiere, fröne ich dem Kurzwellenprogramm aus meiner alten Heimat und lerne, dass vor genau 214 Jahren der deutschstämmige General Friedrich Wilhelm von Steuben das Zeitliche gesegnet hat. Wie jedes Kind weiss, erblickte der schlaue Mann anno 1730 in Magdeburg das Licht der Welt und machte es sich schon in jungen Jahren zur Aufgabe, der preussischen Armee beizutreten und sich am siebenjährigen Krieg zu beteiligen. In der Folgezeit machte er sich auch in Amerika einen Namen und schaffte es, der Kontinentalarmee zu neuer Stärke zu verhelfen. In seiner Funktion als Generalmajor disziplinierte er die freiheitsliebenden Soldaten und galt zeitlebens als enger Vertrauter von Generalstabsscheff Georg Washington. Letztendlich verstarb Friedrich von Steuben im Alter von 64 Jahren im heutigen Oneida County im Bundesstaat New York. Um seine Verdienste für die Unabhängigkeit Amerikas nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, findet alljährlich im September die weltbekannte Steubenparade auf der New Yorker Fifth Avenue statt - das ist phantastisch. 
09.00 Uhr Düdeldü - nachdem ich mich in Schale geworfen habe, setze ich mich hungrig an den Küchentisch und verzehre ein kleines Frühstück in Form gerösteter Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), Rühreiern und herzhaftem Virginia Schinken. Während ich kraftvoll zubeisse, blättere ich in der "Naples Daily News" und lese, dass während des Wochenendes am "Naples Bay Marina" eine Bootsausstellung stattfindet. Neben internationalen Ausstellern aus aller Herren Ländern, werden auch örtliche Gewerbetreibende allerhand Neuheiten vorführen und die Besucher mit günstigen Schnäppchen verwöhnen - das hört sich interessant an. Da ich ausnahmsweise keine wichtigen Termine in meiner Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) verzeichnet habe, klatsche ich in die Hände und entschliesse mich, gleich nach dem wichtigsten Mahl des Tages zum Meer zu krusen. 
09.30 Uhr Just als ich die Windschutzscheibe meines JEEPS reinige, klopft mir ganz überraschend General a.D. Booth auf die Schulter und erkundigt sich, ob ich handwerklich begabt bin. Als ich eifrig nickend zustimme, lotst mich der Heini in sein Haus und behauptet, dass er eine helfende Hand gebrauchen könnte. Neugierig frage ich meinen Nachbarn aus und höre, dass seine Frau mit der Idee spielt, die Terrasse zu renovieren und den 4 Meter langen Zaun zu erneuern. In meiner Funktion als gelernter Schweisser und Experte für alles folge ich dem Mann in den Garten und zeige auf, dass die Arbeit ein Kinderspiel wird. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, deute ich auf den in die Jahre gekommenen Holzzaun und erkläre, dass man den Schrott gegen einen schicken Schmiedeisenzaun ersetzen sollte. Herr Booth ist hellauf begeistert und bittet mich, ihm während der Renovierung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen - wie aufregend. 
10.15 Uhr Nachdem ich mich redlichst verabschiedet habe, hüpfe ich in den Geländewagen und schicke mich an, mit quietschenden Reifen nach Westen zu rasen. Während der kurzweiligen Fahrt lausche ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und komme in den Genuss, dem neuen Nummer 1 Schlag (unlöblich: Number One Hit) des "Alabama" Sängers Randy Owens lauschen zu dürfen. HEUREKA - bei "Brand New Hair" (löblich: brandneue Haare) kommt gleich beste Stimmung auf. 
10.45 Uhr Wenig später treffe ich am Ziel ein und kann mein Auto ohne Probleme vor einem Geschäft namens "World Antiques" (löblich: Welt Antiquitäten) parken - das klappt wie am Schnürchen. Mit einem schönen Lied auf den Lippen lege ich die kurze Wegstrecke zur Hafenanlage zurück und staune angesichts der vielen Motorboote nicht schlecht. Beeindruckt komme ich mit einem gestriegelten Verkäufer ins Gespräch und erfahre, dass seine Jacht mit 489.000 Dollars zu Buche schlägt. Obwohl ich unmöglich so viel Geld locker machen kann, folge ich dem Vertreter an Bord und sehe, dass die Jolle nicht nur mit Schlafplätzen für vier Personen, sondern auch mit einem Badezimmer sowie einem Esszimmer aufwartet. Der Fachverkäufer ist bestens informiert und sagt, dass dieses Schiff hochseetauglich ist und auch grösseren Wellengang unbeschadet überstehen kann. Zu allem Überfluss kredenzt mir der Herr auch noch ein Gläschen Schaumwein und animiert mich, das Steuer zu übernehmen und den Motor aufheulen zu lassen. Als ich mich jedoch als Laie zu erkennen gebe und meine lächerliche Rente ins Spiel bringt, zeigt mir der Verbrecher den Vogel und meint, dass ich den Sektkelch schleunigst austrinken und das Schiff verlassen sollte - das ist ja allerhand. Um nicht in eine Schlägerei verwickelt zu werden, hüpfe ich sportlich über die Reling und tauche ganz schnell im Getümmel der vielen Leute unter. 
11.30 Uhr Während ich eisschleckend einen rothaarigen Bengel (11) aus dem Weg schiebe und ein Sportruderboot für 1.280 Dollars beäuge, kommt plötzlich Herr Wongler des Weges. Mein Bekannter aus dem Lowbank Drive freut sich sehr, mich hier zu treffen und unterbreitet den Vorschlag, dass wir der Hitze ein Schnippchen schlagen und in eine klimatisierte Biertränke einkehren sollten. Da ich ebenfalls durstig bin, nicke ich eifrig und folge Herrn Wongler mit schnellen Schritten in "Joe's Crab Shack" (löblich: Joes Krabben Bretterbude) an der 5. Avenue. Völlig ausser Atem lassen wir uns am Tresen nieder und geben beim bärtigen Barmann zwei eisgekühlte Budweiser in Auftrag. Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, entscheiden wir uns zudem für vitaminreiche Hühnerfinger mit köstlicher Honig-Senf-Sauce und würzigen Kartoffelspalten. 
12.00 Uhr Als wir unser wohlverdientes Mittagessen verzehren, komme ich auf meine Tätigkeit im Old Town Hotel (löblich: alte Stadt Hotel) zu sprechen und gebe vor, dass ich Herrn Wang an den Samstagen und Sonntagen nach Kräften unterstütze. Ferner verweise ich auf meinen Tschob im Willoughby Drive und gebe zu Protokoll, dass ich meinen netten Nachbarn nebenbei als Bauleiter behilflich sein werde. Mein Tischnachbar ist überrascht und erwidert, dass ich etwas kürzer treten und meinen Lebensabend in vollen Zügen geniessen sollte - papperlapapp. 
12.45 Uhr Nach einer zweiten Hopfenkaltschale setzen wir unseren Spaziergang fort und sehen unbezahlbare Schnellbote, luxuriöse Jachten sowie lustige Motorboote, die schon unter 4.000 Dollars zu haben sind. Mein Nebenmann versorgt mich mit wissenswerten Fakten und stellt die Behauptung auf, dass man in Florida ohne weiteres in den Besitz einer Bootsführerlizenz kommen kann. Herr Wongler ist bestens informiert und sagt, dass ich lediglich bei der Stadtverwaltung vorstellig werden und einen viertägigen Anfängerkurs absolvieren müsste - das hört sich verlockend an. 
13.30 Uhr Da das schwülwarme Klima sogar den stärksten Rentner umwirft, kehren wir kurzerhand zu unseren Fahrzeugen zurück und verabreden, uns morgen Nachmittag zum Kaffeekränzchen in Herrn Wangs Hotelanlage zu treffen. Winkend stelle ich den Wählhebel der Automatikschaltung auf "D" und trete radiohörend die Heimfahrt ins Wohngebiet an. 
14.00 Uhr Zuhause angekommen, wechsle ich die Kleidung und nehme dann auf dem bequemen Sofa im Wohnzimmer platz. Schon kurze Zeit später döse ich ein und sehe mich im Traum becksbiertrinkend am Steuer einer Luxusjacht mit überdimensionalen Ausmassen stehen - wie aufregend. 
15.00 Uhr Ich werde durch das unerträgliche Gekreische einiger Ajajavögel geweckt und fühle mich ganz schlapp. Da man bei diesem Wetter auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten sollte, giesse ich mir ein grosses Glas Dr. Pepper Brause ein und setze mich dann an den Heimrechner. Gekonnt segle ich auf meine beliebte Internetzplattform und beginne mit der wichtigen Anschnurarbeit. Unter anderem berichtet Frau Leonore K. aus Würzburg, dass ihre Tochter Hildegard (12) vitaminreiche Hausmannskost verschmäht und stattdessen ins Schnellessgasthaus "Subway" (löblich: Unterführung) pilgert, um dort kalorienreiche Langbrote und Weicheis (unlöblich: Softeis) zu verzehren - das ist ja allerhand. Natürlich gebe ich qualifizierte Ratschläge ab und empfehle der Frau, dem frechen Mädchen das Taschengeld zu kürzen und es eventuell mit Hausarrest zu belegen. 
15.45 Uhr Kopfschüttelnd beende ich die Beratungsstunde und sorge anschliessend im elektronischen Gästebuch für Ordnung. Wie immer lese ich die neuesten Einträge ganz genau durch und freue mich über die netten Botschaften löblicher Heimseitenbesucher. Danach kümmere ich mich um meine persönlichen Korrespondenz und eruiere, dass Sandra während der Woche einen Stromgitarrenmusikanten in der Pension Waldblick beherbergen konnte - wie schön.
16.30 Uhr Just als ich den leistungsstarken Heimrechner mausdrückend herunterfahre, klingelt Herr Wang an der Türe und lädt mich in ein Strandgasthaus ein. Als ich genauer nachfrage, rückt der Hotelbesitzer mit der ganzen Wahrheit heraus und meint, dass in den nächsten Tagen viel Arbeit bevorsteht - das hat gerade noch gefehlt. 
17.00 Uhr Nach etwa zwei Meilen kommen wir vor einer Familiengaststätte namens "Island Club of Naples" (löblich: Inselverein von Naples) am Neapolitan Way zum Halten. Herr Wang schnalzt demonstrativ mit der Zunge und behauptet, dass man in besagter Wirtschaft ganz hervorragende Fisch- und Nudelgerichte vorgesetzt bekommt - wie schön. Ein gestriegelter Knecht im dunkelblauen Anzug nimmt uns in Empfang und führt uns zu einem Tisch mit Blick auf einen der vielen Flusswege, die sich durchs Hafengebiet schlängeln. Mein Begleiter lässt sich nicht lumpen und bestellt zur Feier des Tages lustige "Sex on the Beach" (löblich: Unzucht am Strand) Langgetränke sowie zwei Tagesmenüs. In freudiger Erwartung reibe ich mir den Bauch und höre, dass während des Wochenendes ein UFO-Kongress im Old Town Hotel stattfinden wird. Herr Wang kann sich vor lachen kaum mehr halten und berichtet, dass eine weltweit agierende Organisation namens "CONDON INTERNATIONAL" sämtliche Zimmer reserviert hat. Staunend folge ich den Erzählungen und bringe in Erfahrung, dass wir während des Wochenendes damit beschäftigt sein werden, den Kongressteilnehmern kalte Getränke und Snacks (löblich: Brotzeiten) bereitzustellen. 
17.30 Uhr Als unsere Mahlzeit endlich serviert wird, präsentiert mir Herr Wang eine Hochglanzbroschüre und fährt fort, dass sich am Sonntag sogar eine Fernsehmannschaft angekündigt hat - wie aufregend. Herr Wang zeigt sich grosszügig und verspricht, dass er sich für meine Hilfe mit mehreren grünen Banknoten erkenntlich zeigen wird. 
18.15 Uhr Als es ans Bezahlen geht, zückt Herr Wang seine prallgefüllte Geldbörse und bedankt sich für den hervorragenden Service mit einem stattlichen Trinkgeld. Danach verlassen wir erheitert die schöne Wirtschaft und krusen ohne Umwege in den Willoughby Drive
19.00 Uhr Nachdem ich meinem Bekannten einen schönen Abend gewünscht habe, falle ich erschöpft aufs Sofa und drücke auf den "ON" (löblich: AN) Knopf der neumodischen Fernbedienung. Ich informiere mich auf CNN über die tagesaktuellen Geschehnisse und höre, dass sich im Norden Afghanistans erneut ein verheerender Selbstmordanschlag ereignet hat. HEUREKA - man kann nur hoffen, dass der neue Präsident Barack Obama seine Ankündigungen wahr machen und noch mehr Truppen an den Hindukusch entsenden wird. 
19.30 Uhr Kopfschüttelnd drücke ich mich weiter durch die unzähligen Kabelprogramme und verweile letztendlich auf dem "History Channel" (löblich: Geschichtskanal), wo heute eine Sondersendung über das Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben ausgestrahlt wird. Kartoffelchipsknabbernd lege ich die Füsse hoch und erhalte kompetentes Hintergrundwissen über das Wirken des deutschstämmigen Soldaten. Ferner berichtet der Moderator, dass Herr Steuben stets einen Hund an seiner Seite hatte und als grosser Tierfreund galt - das ist super trouper. Genüsslich nippe ich an meiner Budweiserflasche und komme prompt zu dem Schluss, dass ich auch bald einen Hund mit langen Ohren an meiner Seite haben werde. HEUREKA - gleich nach dem Weihnachtsfest werde ich das ortsansässige Tierheim besuchen und mir einen vierbeinigen Gefährten ausspähen.
21.30 Uhr Da morgen ein schwerer Arbeitstag bevorsteht, schalte ich das Fernsehgerät laut gähnend aus und mache einen letzten Rundgang durchs Haus. Nachdem ich sämtliche Fenster und Türen sicher verschlossen habe, gehe ich zufrieden ins Bett und lese noch etwas in der Bibel. Gute Nacht.


27.11.2008
07.15 Uhr Ein neuer Tag im Sonnenscheinstaat bricht an und ich fühle mich hervorragend. Während im Radio das stimmungsvolle Toby Keith Lied "That Don't Make Me A Bad Guy" (löblich: Das macht mich nicht zu einem schlechten Typen) läuft, hüpfe ich aus den Federn, um die wichtige Morgengymnastik im Freien durchzuführen. Als ich meine Muskeln spielen lasse und auf dem satten Grün eine Rolle vorwärts absolviere, fällt mir ein, dass wir heute den löblichen "Thanksgiving Day" (löblich: Erntedanktag) feiern. Wie jedes Kind weiss, wurde dieses Fest von den Gründervätern initiiert und wird jährlich am vierten Donnerstag im November begangen - das ist phantastisch. 
07.45 Uhr Da ich heute Mittag bei Herrn Wang zum Essen eingeladen bin, laufe ich mit schnellen Schritten in die Nasszelle und gönne mir ein Wirbelbad der Extraklasse. Als ich zu Schwamm und Seife greife, erfahre ich im Kurzwellenprogramm des BR, dass sich das Pharmazieunternehmen Grünenthal GmbH vor 47 Jahren entschlossen hat, das Arzneimittel Contergan mit sofortiger Wirkung vom Markt zu nehmen. Vorausgegangen war ein Zeitungsbericht in der "Welt am Sonntag", in dem über verheerende Nebenwirkungen bei Schwangeren berichtet wurde. Das westfälische Gesundheitsamt nahm sich der Sache an und fand heraus, dass das Medikament in mehreren Tausend Fällen zu Fehlbildungen bei Neugeborenen geführt hatte. Nach Informationen des Bundesverbands Contergangeschädigter, sollen weltweit zirka 10.000 Menschen betroffen sein. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl von Kindern, die während der Schwangerschaft gestorben sind - das ist ja allerhand. Gott sei Dank setzte sich die Bundesregierung für ein Entschädigungsprogramm ein und sorgte dafür, dass die Herstellerfirma den Betroffenen Leistungen in Millionenhöhe zahlen musste. 
08.45 Uhr Nachdem ich mich abgetrocknet habe und in bequeme Freizeitkleidung geschlüpft bin, setze ich mich an den Küchentisch und verzehre ein kleines Frühstück. Nebenbei studiere ich die Zeitung und lese im Lokalteil, dass viele Geschäftstreibende bereits morgen mit dem Weihnachtsverkauf beginnen werden. Unter anderem lockt das Miromar Auslassgeschäft (löblich: Miromar Outlet Store) mit Preisnachlässen bis zu 50% - wie aufregend. Ausserdem lerne ich, dass am morgigen Freitag, dem sogenannten "Black Friday" (löblich: Schwarzer Freitag), viele Läden rund um die Uhr geöffnet haben und super Schnäppchen feilbieten. 
09.30 Uhr Während ich meine ausgetrocknete Kehle mit einem grossen Schluck Orangensaft öle, werde ich durch sehr lautes Telefonklingeln gestört. Nörgelnd nehme ich das Telefonat entgegen und staune nicht schlecht, Herrn Wang zu hören. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und animiert mich, schon um 10 Uhr in den Lowbank Drive zu kommen - das soll mir recht sein. Gutgelaunt beende ich das Gespräch und besteige unverzüglich meinen JEEP, um mit durchdrehenden Reifen nach Süden zu preschen. 
10.00 Uhr Wenig später treffe ich am Ziel ein und werde von Fräulein Carol zuvorkommend ins Haus gebeten. Das kesse Mädchen kredenzt mir ein Gläschen Schaumwein und setzt mich darüber in Kenntnis, dass ihr Vater am Schwimmbecken sitzt und die Seele baumeln lässt - wie schön. Ich gehe nach draussen und werde Zeuge, wie Herr Wang kopfüber ins Schwimmbecken springt und sich im Rückenschwimmen übt. Bei dieser Gelegenheit nehme ich am Terrassentisch platz und frage, ob ich beim Zubereiten des Truthahns helfen kann. Mein Bekannter schüttelt jedoch den Kopf und sagt, dass seine Tochter eine begnadete Freizeitköchin ist und die Sache in die Hand genommen hat - das ist phantastisch. 
10.30 Uhr Während wir entspannt im Schatten sitzen und auf das Gewässer hinterm Haus spähen, deutet mein Bekannter plötzlich auf das gegenüberliegende Anwesen und sagt, dass die frechen Engländer gestern Abend angereist sind und einen Höllenlärm veranstaltet haben. Als ich erschrocken die Hände über dem Kopf zusammenschlage, meint Herr Wang, dass er bald Nägel mit Köpfen machen und die Polizei rufen wird. HEUREKA - um schlimmeres Unheil abzuwenden, rede ich meinem Freund ins Gewissen und rate, eine Kartoffelschleuder zu bauen. Als Herr Wang weiterführende Infos fordert, seufze ich laut und erinnere daran, dass ich in jungen Jahren aus einem alten Auspuffrohr und einer Sprühdose besagte Kanone gefertigt habe. Um Herrn Wang einen genaueren Einblick zu gewähren, lasse ich mir ein Blatt Papier bringen und zeichne auf, dass man lediglich das Auspuffrohr an einer Seite luftdicht verschliessen und ein kleines Loch für den Zünder bohren muss. Der Hausherr ist hellauf begeistert und meint, dass wir uns gleich an die Arbeit machen sollten. Ich bringe jedoch den Grasmüller Paul (17) ins Spiel, der beim Versuch, mit einer Kartoffelkanone auf einen fahrenden Güterzug zu schiessen, anno 1950 tödlich verunglückt ist. Trotz aller Unkenrufe ist Herr Wang fest entschlossen, in den nächsten Tagen einen Baumarkt aufzusuchen und sich die benötigten Werkstoffe zu kaufen - das soll mir auch recht sein. 
11.00 Uhr Wir gehen Carol redlichst zur Hand und sorgen dafür, dass der köstliche Kartoffelauflauf ins Backrohr geschoben wird - wie gut das duftet. Ferner nehme ich eine undefinierbare Sauce in Augenschein und erfahre, dass es sich hierbei um eingelegte Cranberries (löblich: Kranichsbeeren) handelt. Herrn Wangs Tochter ist bestens informiert und erzählt, dass zu einem Thanksgiving Essen nicht nur Kartoffelauflauf, Kürbiskompott, selbstgebackenes Brot, sondern auch eine deftige Sauce gehört - wie schön. 
11.30 Uhr Just als ich den Tisch decke und köstlichen Rotwein aus Kalifornien dekantiere, klingelt es plötzlich an der Türe. Herr Wang eilt geschwind zur Pforte und freut sich, Herrn Wongler in unserer Runde begrüssen zu dürfen. Der 78jährige reibt sich demonstrativ den Bauch und behauptet, dass es in der ganzen Gegend nach gebratenem Truthahn duftet. Herr Wongler setzt sich zu uns an den Tisch und sagt, dass er zur Feier des Tages sein bestes Tröpfchen aus dem Weinkeller geholt hat. Der Gute präsentiert uns eine verstaubte Flasche aus Chile und sagt, dass er dafür 100 Dollars locker machen musste - wie unlöblich. 
12.15 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit ruft uns Fräulein Carol zu Tisch und kredenzt ordentliche Portionen Kartoffelauflauf sowie Kürbiskompott. Zudem serviert mir die Maid einen saftigen Schenkel und möchte wissen, ob ich auch von der Apfelfüllung kosten möchte - dazu sage ich nicht nein. 
12.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und mit unseren Weinkelchen anstossen, macht Herr Wongler einen hervorragenden Vorschlag und ruft uns auf, am Sonntag einen Bootsausflug zu den Ten Thousand Islands (löblich: Zehntausend Inseln) zu unternehmen. Obwohl ich am Wochenende im Old Town Hotel (löblich: alte Stadt Hotel) arbeiten muss, zeige ich mich einverstanden und antworte, dass wir gegen 15 Uhr in See stechen können. Mein Bekannter ist begeistert und kündigt an, dass wir die "Jack Daniels Insel" ansteuern und Sumpfschildkröten bestaunen werden - wie aufregend. 
13.15 Uhr Nach dem dritten Nachschlag muss ich leider die Segel streichen. Ich lege das Besteck beiseite und gebe zu Protokoll, dass das Thanksgivingmahl vorzüglich gemundet hat. Um Carol eine kleine Freude zu bereiten, bringe ich ein gemeinsames Abendessen in der nächsten Woche zur Sprache und verspreche, Grillspezialitäten sowie eine bayerische Kreme mit frischen Feigen zu zaubern. Meine Tischnachbarn zeigen sich begeistert und meinen, dass ich zu dieser Sause auch meine neuen Nachbarn einladen sollte. 
14.00 Uhr Nachdem wir das Geschirr in die Küche verfrachtet haben, fahren Frau Carol und Herr Wang auf der Terrasse frischen Bohnenkaffee sowie vitaminreichen Apple Creme Pie (löblich: Apfel Kremkuchen) aus dem Winn Dixie Einkaufsmarkt auf. Genüsslich nippe ich an meiner Tasse und beobachte mit geschultem Auge, wie sich die rüpelhaften Engländer im Nachbargarten einfinden. Anstatt in sich zu gehen und das Erntedankfest gebührend zu feiern, ziehen es die Gammler vor, ohrenbetäubende Hartfelsenmusik zu spielen und mit den Hüften zu wackeln - wie unlöblich. Herr Wang ist stinksauer und meint, dass er bald Amok laufen und ein Massaker anrichten wird. Bevor ich etwas erwidern kann, springt Herr Wongler auf und lässt es sich nicht nehmen, den Heinis lautstark die Leviten zu lesen. 
14.30 Uhr Als nach geschlagenen dreissig Minuten immer noch keine Ruhe herrscht, entscheiden wir uns, ins Haus zu gehen und die Terrassentüre fest zu verschliessen. Unser Gastgeber gibt sich deprimiert und sagt, dass er den Krach kaum mehr ertragen kann und vielleicht übers Wochenende ins Hotel umziehen wird. Herrn Wangs Tochter schlägt in die gleiche Kerbe und betont, dass man im Lowbank Drive kaum mehr Ruhe finden kann. Ganz nebenbei kommt Herr Wang plötzlich auf einen abgelegenen Motelkomplex am Naples Manor zu sprechen und munkelt, dass sich der Inhaber (88) zum Jahresende in den verdienten Ruhestand verabschieden wird. Als ich genauer nachfrage, klopft Herr Wang mit den Fingerkuppen auf den Wohnzimmertisch und berichtet, dass die Herberge über 49 Zimmer, ein kleines Restaurant, Schwimmbecken sowie Tennisplatz verfügt und in der Abgeschiedenheit des Eagle Lakes Community Parks liegt. Carol mischt sich in die Unterhaltung ein und erzählt, dass Herr Goulding sein alteingesessenes Familienunternehmen unter keinen Umständen an eine landesweite Motelkette abtreten will. Herr Wang nickt eifrig und behauptet, dass er das Motel zum Spottpreis von nur 630.000 Dollars kaufen und dort gute Geschäfte machen könnte. Als ich auf das Old Town Hotel verweise, zuckt Herr Wang mit den Schultern und antwortet, dass er die Herberge in der Stadt mit Gewinn abstossen könnte - das hört sich interessant an. 
15.15 Uhr Nachdem wir einen Besichtungstermin für die kommende Woche vereinbart haben, bedanke ich mich für die nette Einladung und entscheide mich, nach Hause zu fahren und mich vom Stress der letzten Tage zu entspannen. Während der kurzweiligen Fahrt mache ich mir meine eigenen Gedanken und komme zu dem Schluss, dass ich mich am Motel beteiligen und mir ein echtes Standbein aufbauen könnte - das wäre phantastisch. 
15.45 Uhr Daheim angekommen, falle ich müde aufs Wohnzimmersofa und lege die Füsse hoch. Schon nach wenigen Augenblicken schlummere ich ein und sehe mich im Traum mit meinem Grossneffen David (3) vor dem Christbaum sitzen. 
16.45 Uhr Just als ich von einer knusprigen Weihnachtsgans mit Knödeln träume, werde ich durch lautes und besonders aggressives Telefonklingen geweckt. Misstrauisch nehme ich die Schwarzbeere zur Hand und habe Amanda in der Leitung. Meine ehemalige Scheffin klagt mir ihr Leid und erzählt, dass sie heute vor dem Donutladen ausgerutscht ist und den ganzen Vormittag in einer Zahnarztpraxis verbracht hat - wie furchtbar. Ferner höre ich, dass sich die Maid beim Sturz einen Backenzahn ausgeschlagen hat und nun fast 2.000 EUROS für ein Implantat bezahlen muss. Da ich mich leider nicht um alles kümmern kann, beende ich das Gespräch schnellstmöglich und eile dann in die Küche, um zwei Donuts auf einen Teller zu legen und frischen Kaffee aufzubrühen. 
17.15 Uhr Danach finde ich mich am Heimrechner ein und beginne mit der wichtigen Anschnurarbeit. Wie jeden Tag stosse ich auch heute auf unzählige Anfragen besorgter Heimseitenbesucher und bemerke, dass es die Jugend auch während der kalten Jahreszeit sehr bunt treibt. Unter anderem berichtet Herr Gert K. aus Coburg, dass sein Sohn Joachim (16) unverschämte Weihnachtswünsche hat und sich unter anderem einen Flachbildfernseher, eine X-Schachtel Spielkonsole sowie ein Mofa wünscht - das ist ja allerhand. Da man den Kleinen nicht alles durchgehen lassen kann, stehe ich dem Vater mit hilfreichen Ratschlägen zur Seite und bitte ihn, RTL Diplompädagogin Katharina Saalfrank zu verständigen und dem Bürschchen das Taschengeld zu streichen. 
17.45 Uhr Nachdem ich meinen beliebten Andenkenladen besucht und eine kleine Bestandsaufnahme gemacht habe, werfe ich zu guter Letzt einen prüfenden Blick in das elektronische Gästebuch. Da schon wieder dumme PISA Absolventen den Weg auf meine löbliche Heimseite gefunden haben, sehe ich mich gezwungen, auch die Rubrik mit den dümmsten Heimseitenbesucher zu aktualisieren. 
18.00 Uhr Endlich ist die anstrengende Arbeit erledigt und ich kann den leistungsstarken Heimrechner mausdrückend ausschalten. Da ich vom reichhaltigen Mittagessen immer noch satt bin, verzichte ich auf ein warmes Abendessen und bereite mir lediglich ein Wurstbrot mit Capocollo zu - das geht schnell und schmeckt. 
18.45 Uhr Nachdem ich die Küche auf Vordermann gebracht habe, lasse ich den Feiertag mit einem rentnergerechten Fernsehabend ausklingen. Während ich zur Feier des Tages ein Glas Cristal Champagner trinke und schmackhafte Kartoffelchips verzehre, verfolge ich eine lehrreiche Nachrichtensendung auf CNN und bringe in Erfahrung, dass der neue amerikanische Präsident Barack Obama mittlerweile seine Regierungsmannschaft vorgestellt hat - das kann ja heiter werden. 
19.30 Uhr Kopfschüttelnd drücke ich mich weiter durch die Programme und verweile letztendlich auf dem Bezahlsender HBO COMEDY (löblich: HBO Komödie), wo just im Moment der amerikanische Spielfilm "Forrest Gump" mit Tom Hanks und Sally Field in den Hauptrollen anfängt. Ich schenke etwas Schaumwein nach und gebe mich den Erlebnissen des unterbelichteten Forrest hin, der auf seiner Suche nach Glück durch die amerikanische Zeitgeschichte stolpert - da kommt Freude auf. 
21.45 Uhr Nach 120 spannenden Filmminuten beende ich den langen Tag und unternehme einen letzten Rundgang durchs Haus. Selbstverständlich nutze ich die Gelegenheit, um die eingeschaltete Weihnachtsdekoration zu begutachten. HEUREKA - sieht echt super aus. Nachdem ich Fenster und Türen sicher verschlossen habe, gehe ich ins Bett und lese noch etwas in der Bibel. Gute Nacht.


26.11.2008
07.00 Uhr Der Radio bimmelt und weckt mich mit einem schönen Musikbeitrag des in Jacksonville geborenen Sängers Ryan Adams. Beschwingt von "Born into a Light" (löblich: In ein Licht geboren) hüpfe ich aus den Federn. Bei angenehmen 22°C (72°F) führe ich im Freien die Morgengymnastik durch und erspähe den zahmen Leguan Billy, der sich gerade in der aufgehenden Sonne tummelt. HEUREKA - diese Idylle muss man einfach erlebt haben. 
07.30 Uhr Nachdem ich die Tageszeitung aus dem Vorgarten geholt und die Kaffeemaschine eingestellt habe, entspanne ich bei einem löblichen Wirbelbad. Während ich zur Kernseife greife, lausche ich einer Radiorückschau auf der Kurzwellenfrequenz des Bayerischen Rundfunks und lerne, dass in vier Tagen der erste Advent gefeiert wird. Um den netten Nachbarn etwas besonderes zu bieten, werde ich gleich nach der wichtigsten Mahlzeit des Tages zum Wal Mart krusen, um farbenfrohe Girlanden, Lichterketten und beleuchtete Weihnachtsfiguren einzukaufen. HEUREKA - das wird ein Spass. 
08.30 Uhr Als ich mich in Schale werfe und in eine frisch gewaschene Tschiens von WRANGLER schlüpfe, wird die Ruhe durch sehr lautes Telefonschellen unterbrochen. In Erwartung eines Werbeanrufs nehme ich das Gespräch entgegen und freue mich, meine Untermieterin in der Leitung zu haben. Sandra wünscht mir einen guten Morgen und möchte wissen, wo sie die Unterlagen für die Heizungsanlage finden kann. Auf Anfrage teilt mir die unterbelichtete Maid mit, dass es sehr kalt geworden ist und sie deswegen die Raumtemperatur höher stellen muss. Laut seufzend falle ich der jungen Frau ins Wort und erkläre, dass sie lediglich die Abdeckung des elektronischen Heizungsreglers hochklappen und den Menüpunkt "TEMP" auswählen muss. Während sich Sandra Notizen macht, fahre ich fort, dass man danach den "PROG" Knopf betätigen und die gewünschte Temperatur von Hand regulieren kann. Meine Untermieterin kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und behauptet, dass es zu Hause so kalt geworden ist, dass sich sogar Eisblumen an den Fensterscheiben bilden - wie unlöblich. Lachend wische ich mir die Schweissperlen von der Stirn und lasse das Kind wissen, dass es in Südflorida derzeit angenehm warm ist. 
09.00 Uhr Endlich kann ich mich an den Küchentisch setzen und ein kleines Frühstück in Form gerösteter Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), Rühreiern mit Virginiaschinken und delikater Marmelade verzehren. Während ich kraftvoll zubeisse und an meinem Kaffeebecher nippe, klopft plötzlich Frau Pontecorvo ans Küchenfenster und fordert mich auf, ihr die Türe zu öffnen. Als ich der Bitte nachkomme, hält mir meine Nachbarin eine italienische Wurstspezialität unter die Nase und sagt, dass es sich hierbei um Capocollo handelt. Neugierig bitte ich die Dame herein und lasse es mir nicht nehmen, ein Stückchen zu kosten. Während ich demonstrativ mit der Zunge schnalze, setzt mich Frau Pontecorvo darüber in Kenntnis, dass diese Fleischwurst aus den besten Stücken vom Nacken und Kopf des Schweins hergestellt werden. Mein Gast ist bestens informiert und sagt, dass das ausgelöste Fleisch für eine Woche gepökelt und zudem in Rotwein eingelegt wird - schmeckt nicht schlecht, Herr Specht. 
09.30 Uhr Just als ich etwas Kaffee nachschenke, blickt Frau Pontecorvo auf ihre diamantbesetzte Armbanduhr und meint, dass wir das angenehme Klima ausnutzen und einen Ausflug nach Fort Myers unternehmen sollten. Da ich wichtigeres zu tun habe, winke ich ganz schnell ab und stelle klar, dass ich Weihnachtsschmuck für mein Eigenheim erwerben muss. Die gute Frau ist begeistert und erwidert, dass Herr Booth sein Haus gestern auch schon mit Fähnchen, Weihnachtslichtern und lustigen Plastiktieren geschmückt hat - wie schön. 
10.00 Uhr Nachdem ich meine Nachbarin als Kavalier der alten Schule mit Handkuss verabschiedet habe, hüpfe ich in den JEEP Patriot und schicke mich an, den Wal Mart am Tamiami Trail North anzusteuern. Während der kurzweiligen Ausfahrt, lasse ich mir den Wind durchs Haar wehen und denke daran, wie weihnachtlich meine Villa doch aussehen wird. 
10.30 Uhr Mit schlitternden Reifen komme ich vor dem Einkaufsparadies zum Stehen und zögere nicht, das Gebäude zu betreten und ordentlich abzuschoppen. Unter anderem entscheide ich mich für eine Lichterkette mit 2.500 verschiedenfarbigen LED Leuchten, einen überdimensionalen Weihnachtsmann, lustige Fensterstrohsterne sowie für einen knallbunten Schlitten, der meinen Vorgarten verschönern wird. Ferner spähe ich mir in der Handwerker- und Bastelabteilung einen praktischen Handtacker aus und vergesse nicht, die dazugehörigen Klammern in den Einkaufswagen zu legen. 
11.00 Uhr Nachdem ich die Einkäufe mit meiner Kreditkarte bezahlt und zum Auto geschleppt habe, kehre ich in das benachbarte McDonalds Schnellgasthaus ein und lasse mir an der Essensausgabe einen McFlurry Strawberry (löblich: McFlurry Erdbeere) aushändigen. Danach stelle ich die Autoklimaanlage etwas höher und presche eisschleckend ins Wohngebiet zurück. 
11.30 Uhr Zuhause angekommen, verfrachte ich die tollen Weihnachtsartikel in den Vorgarten und beginne, die Lichterketten auf dem satten Grün auszubreiten. Wenige Augenblicke später klopft mir General a.D. Kenneth Booth auf die Schulter und möchte wissen, was ich heute wieder anstelle. Stolz verweise ich auf die schönen Sachen und gebe zu Protokoll, dass ich das Haus weihnachtlich schmücken werde. Der Kriegsveteran ist hellauf begeistert und sagt, dass ich an den Fensterscheiben auch künstlichen Schnee und Eisblumen anbringen sollte - das ist eine hervorragende Idee. 
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, giesse ich mir eine eisgekühlte Diät Coca Cola ein und verzehre auf der Einfahrt ein mit Capocollo belegtes Brot. Ausserdem rufe ich bei meinem löblichen Neffen in der alten Heimat an und bitte ihn, mir den Kletternikolaus mitzubringen, den ich vor einigen Jahren im Baumarkt erworben habe. James lacht laut auf und erkundigt sich, ob ich den lustigen Gesellen an meiner Villa anbringen möchte. Eifrig nickend stimme ich zu und gebe vor, dass es solchen Weihnachtsschmuck in Florida leider nicht zu kaufen gibt. Nach langem Hin und Her willigt der Bube ein und verspricht, nach dem Abendessen in der Garage nach dem Nikolaus Ausschau zu halten und ihn am 19. Dezember mit nach Florida zu nehmen - wie schön. 
12.30 Uhr Nachdem ich die Spülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, mache ich mich an die Arbeit und steige aufs Dach, um die Beleuchtungskabel fachmännisch zu verlegen. Im Anschluss stelle ich den Weihnachtsmann gut sichtbar aufs Garagendach und binde ihn mit Draht sicher an - sieht wirklich prima aus. 
13.15 Uhr Just als ich schwitzend mit dem Tacker hantiere, kommt der widerspenstige Rentner (90) von nebenan daher und schimpft wie ein Rohrspatz. Als ich den Heini zur Rede stelle, deutet er wild gestikulierend auf die Leiter und meint, dass ich gleich zu Boden stürzen und mir den Hals brechen werde - papperlapapp. Um den Mann eines besseren zu belehren, stelle ich klar, dass ich jahrelang als Schweisser gearbeitet habe und auch in schwindelerregenden Höhen den Schweissbrenner zum Einsatz gebracht habe. Herr Rhodes schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt, dass er rasch nach Hause gehen und die Polizei sowie einen Notarzt verständigen wird - das soll mir auch recht sein. 
14.00 Uhr Nach getaner Arbeit betrachte ich mein Werk und glaube, dass die 2.500 Lichter kaum ausreichen, um das Haus ins rechte Licht zu rücken. Um mich vor den Nachbarn nicht zu blamieren, muss ich wohl in den nächsten Tagen noch einmal die Geldbörse öffnen und weitere Dekorationsartikel erwerben. Fürs erste räume ich die Leiter in die Garage und ziehe es vor, mir ein kühles Löwenbräu Weissbier zu gönnen und ein weiteres Wurstbrot zu verzehren. HEUREKA - die aus Kalabrien stammende Wurst schmeckt wirklich vorzüglich. Da ich italienische Lebensmittel wie Provolone, Sfogliatelles, Profiteroles und mit Sahne gefüllte Cannolis während meines Aufenthalts zu schätzen gelernt habe, klingle ich kurzerhand am Nachbarhaus und erkundige mich, wo man Capocollo kaufen kann. Frau Pontecorvo versorgt mich mit wissenswerten Infos und behauptet, dass neben der Bäckerei "Biscotti Farrugia" in der Taylor Road eine Metzgerei beheimatet ist, die allerhand Wurst- und Käsespezialitäten vom Stiefel feilbietet - wie aufregend. Gutgelaunt vermerke ich die Adresse in meiner Schwarzbeere und kündige an, gleich morgen besagtes Gewerbe zu besuchen. 
14.30 Uhr Nachdem ich mein verschwitztes NYPD T-Hemd ausgezogen habe, nehme ich im Liegestuhl auf der fliegenvergitterten Terrasse platz und strecke genüsslich die Füsse aus. Schon bald döse ich ein und träume von meinem vielumjubelten Konzertauftritt in Dallas vor zwei Jahren - das waren noch Zeiten.
15.15 Uhr Ich erwache ausgeruht und begebe mich ins Haus, um frischen Bohnenkaffe aufzubrühen und etwas Gebäck auf einem Porzellanteller anzurichten. Nebenbei schiebe ich eine stimmungsvolle Alan Jackson Weihnachtskompaktscheibe in die multimediale Unterhaltungsanlage und erfreue mich an weihnachtlichen Landmusikklängen der Extraklasse - da kommt Freude auf.
15.45 Uhr Ich lasse mir Kaffee und zwei Donuts aus der Publix Bäckerei zungeschnalzend auf der Terrasse schmecken und blättere bei dieser Gelegenheit etwas in der Tageszeitung. Unter anderem erfahre ich, dass mit dem morgigen Thanksgiving Tag nicht nur einer der wichtigsten Feiertage des Jahres begangen wird, sondern dass gleichzeitig die Weihnachtssaison eingeläutet wird - wie aufregend. Beim Stichwort Thanksgiving erinnere ich mich plötzlich an Herrn Wangs Einladung und bin nicht mehr sicher, wann das Festessen stattfinden soll.
16.00 Uhr Ohne lange zu fackeln, rufe ich in Herrn Wangs Old Town Hotel an und habe auch gleich den Scheff persönlich in der Leitung. Der Gute ist kurz angebunden und teilt mir schnell mit, dass wir um 13.00 Uhr gemeinsam mit seiner Tochter Carol im Lowbank Drive essen werden. Ferner erfahre ich, dass Herr Wang den Truthahn morgen Vormittag mit einer köstlichen Füllung verfeinern und ihn dann nach allen Regeln der Kunst herausbraten wird. HEUREKA - da läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
16.30 Uhr Düdeldü - da ich hier bekanntlich nicht im Urlaub bin, muss ich mich auch heute wieder um die Anschnurarbeit kümmern. Ruckzuck stelle ich die Verbindung zum weltweiten Internetz her und überprüfe als erstes die Bestellungen im Andenkenladen. Zu meiner Freude stelle ich fest, dass sich die T-Hemden auch in der kalten Jahreszeit ganz gut verkaufen - wie schön.
17.00 Uhr Nachdem ich meinem Grosshändler in Indonesien per E-Post einen Auftrag über 1000 T-Hemden in den Grössen L und XL erteilt habe, widme ich mich der wichtigen Elternberatung. Unter anderem lese ich den Hilferuf einer alleinerziehenden Mutter aus Cottbus und erfahre, dass ihr Sohn Mario (16) keine Lust mehr auf Schule hat und sich stattdessen einem Circus anschliessen möchte - wie aufregend. Ich beruhige die Dame redlichst und tröste sie damit, dass sie auf diese Weise wenigstens an verbilligte Circuseintrittskarten kommen könnte.
17.45 Uhr Nun empfehle ich noch schnell einem Familienvater aus Bremen, seiner Tochter Lisa (14) das Taschengeld zu streichen und sorge dann im elektronischen Gästebuch für Ordnung. Wie immer lese ich alles genau durch und freue mich besonders über die netten Botschaften freundlicher Heimseitenbesucher - wie schön.
18.00 Uhr Mit den Nerven am Ende, fahre ich das Arbeitsgerät herunter und genehmige mir als kleine Belohnung ein eisgekühltes Budweiser - das tut gut. Während ich mir den Hopfentrunk redlichst auf der Terrasse schmecken lasse, lausche ich dem abendlichen Gezwitscher der exotischen Vögel und kann kaum glauben, dass die Leute in Bayern frierend vor ihren Öfen sitzen.
18.30 Uhr Weil Bier bekanntlich nicht nur gesund ist, sondern auch den Appetit anregt, gehe ich zu den Klängen von "Let it be Christmas" (löblich: Lass es Weihnachten sein) in die Küche und mache mich daran, ein löbliches Abendessen zuzubereiten. Fachmännisch schiebe ich eine Tiefkühlpizza ins Rohr und zaubere nebenbei einen knackigen Salat mit Oliven und frischen Kräutern - wie gut das duftet.
19.15 Uhr Bei Kerzenschein und angenehmen Temperaturen lasse ich mir das mediterrane Abendessen redlichst munden und trinke zur Feier des Tages ein Gläschen kalifornischen Rotwein dazu - schmeckt echt prima.
20.00 Uhr Nachdem ich die Küche ordentlich aufgeräumt und das Geschirr in die Spülmaschine verfrachtet habe, stöbere ich in einer noch nicht ausgepackten Kartonage vom Umzug und finde darin mehrere DVD Schachteln vor. Ich bemerke, dass sich nicht nur meine eigenen DVDs mit diversen Fernsehserien, sondern auch die eine oder andere Scheibe aus Sandras Sammlung in der Kiste befinden - da kommt Freude auf.
20.30 Uhr Erdnussverzehrend und colatrinkend schaue ich mir eine Folge der 80er Jahre Serie "Diese Drombuschs" an und komme angesichts der haarsträubenden Geschichten aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Ich werde Zeuge, wie Vera und Sigfried Drombusch ein Eigenheim erwerben möchten und dabei einen Fehler nach dem anderen machen. HEUREKA - die Leute hätten nicht ihren Onkel Ludwig, sondern mich als Experten hinzuziehen sollen.
21.45 Uhr Als es mir zu bunt wird, beende ich knopfdrückend den DVD Abend und unternehme noch einen Rundgang durch Haus und Garten. Danach gehe ich zufrieden ins Bett und freue mich schon auf das Festessen bei Herrn Wang morgen Mittag. Gute Nacht.


25.11.2008
07.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und hüpfe voller Vorfreude aus den Federn, um den 330. Tag des gregorianischen Kalenders mit der wichtigen Morgengymnastik zu beginnen. Während ich Kniebeugen im Garten durchführe, erblicke ich General a.D. Kenneth Booth am Ufer des nahen Teichs. Neugierig spreche ich den Kriegsveteranen an und erfahre, dass er den handzahmen Leguan Billy mit Lebensmittelresten füttert. Kopfschüttelnd folge ich dem Schauspiel und werde Zeuge, wie der Mann vertrocknete Kuchenreste sowie mehrer Äpfel ins trübe Wasser wirft - wie unlöblich. 
07.45 Uhr Um nicht in eine Diskussion hineingezogen zu werden, eile ich in die Villa und entspanne mich bei einem Wirbelbad. Nebenbei fröne ich dem Kurzwellenprogramm des BR und lerne, dass heute vor 35 Jahren in Deutschland und der Schweiz erste Sonntagsfahrverbote erlassen wurden. Angesichts des gestiegenen Ölpreises von drei auf zwölf Dollar entschloss sich die Bundesregierung unter Federführung Willy Brandts (SPD), hart durchzugreifen und an vier Sonntagen Fahrverbote zu verhängen. Ferner wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt und die Automobilfirmen beauftragt, umweltfreundlichere Fahrzeuge zu entwickeln. Die erste Ölkrise, die im Herbst 1973 die ganze Welt erschütterte, führte in Deutschland zu einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie zu zahlreichen Unternehmensinsolvenzen - das ist ja allerhand. 
08.30 Uhr Nachdem ich in bequeme Strandkleidung geschlüpft bin, laufe ich mit schnellen Schritten zum JEEP und schicke mich an, mit quietschenden Reifen vom Grundstück zu brettern und einen Geldautomaten der Bank of Amerika anzusteuern. Fachmännisch führe ich die Geldkarte in den Schlitz ein und gebe meine siebenstellige Geheimnummer ins Tastenfeld ein, um 500 Dollars in Bar abzuheben - das klappt wieder wie am Schnürchen. Anschliessend setze ich meine Ausfahrt fort und komme wenig später vor Julies Restaurant zum stehen. Zu meiner Freude finde ich Scherriff Bradfort an einem Fenstertisch vor und erfahre, dass er vor dreissig Minuten seine Nachtschicht beendet hat und sich vor dem Zubettgehen eine kleine Brotzeit gönnt. Um dem Gesetzeshüter eine kleine Freude zu bereiten, leiste ich ihm Gesellschaft und gebe bei Bedienung Peggy ein Frühstück in Auftrag. 
09.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, komme ich unter anderem auf meinen Plan zu sprechen, den Appalachian Trail abzulaufen. Der Scherriff ist überrascht und erinnert, dass ein Bürger der Stadt den knapp 3.460 Kilometer langen Wanderweg neulich bezwungen hat. Eifrig nickend stimme ich zu und antworte, dass ich einen aufschlussreichen Zeitungsbericht in der Naples Daily News (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) gelesen habe. Just als ich mich zurücklehne und mir etwas Kaffee nachschenken lasse, wechselt der Scherriff das Thema und erzählt, dass seine Tante, Frau Rabkin, in der übernächsten Woche nach Naples kommen wird, um wichtige Bankgeschäfte zu erledigen. Mein Tischnachbar geht noch weiter und sagt, dass wir die Gelegenheit beim Schopfe packen und ein Abendessen in einer schicken Strandgaststätte einnehmen sollten. Selbstverständlich erhebe ich sofort Einspruch und stelle klar, dass ich mich nicht lumpen lassen und zur Feier des Tages eine grosse Grillfeier in meinem neuen Zuhause steigen lassen werde - das wird super. 
09.45 Uhr Frisch gestärkt kehre ich zum Auto zurück und entschliesse mich, vor dem Wocheneinkauf einen kleinen Strandlauf zu absolvieren. Bei stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Musikuntermalung kruse ich gen Westen und erfreue mich an milden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein - was kann es schöneres geben. 
10.15 Uhr Als ich meinen PS-strotzenden Geländewagen am "Delnor Wiggins Pass State Park" abstelle und jauchzend zum Meer laufe, werde ich durch das unüberhörbare Schellen meiner Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) unterbrochen. Missgelaunt nehme ich das Gespräch entgegen und habe James in der Leitung. Der gute Junge behauptet, dass er soeben Nägel mit Köpfen gemacht und seine Stromgitarren nach Kanada geschickt hat. Aufgeregt frage ich nach den Hintergründen und vernehme, dass die Kinder am 19. Dezember mit einem Flugzeug der British Airways (löblich: britische Luftwege) nach Miami ausfliegen und bis zum 9. Januar im Lowbank Drive bleiben werden. Der gute Junge legt beste Laune an den Tag und plappert weiter, dass er anschliessend nach Toronto reisen und mit seiner Combo für die anstehende Amerikatournee proben wird - wie aufregend. Natürlich vermerke ich die Daten sofort in meinem elektronischen Kalender und verspreche, die jungen Leute in 24 Tagen in Miami zu empfangen. 
10.30 Uhr Gutgelaunt spaziere ich an der Brandung entlang und freue mich, schon in drei Wochen meine Liebsten im Sonnenscheinstaat begrüssen zu dürfen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Verwandten weder Kosten noch Mühen scheuen und mir besonders wertvolle Präsente unter den Christbaum legen werden. 
11.00 Uhr Nachdem ich es mir unter einer schattenspendenden Palme bequem gemacht habe, nehme ich meine Schwarzbeere ein weiteres Mal zur Hand und kontaktiere diesmal Prof. Kuhn. Der schlauen Mann meldet sich nach dem dritten Klingeln und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er bereits mit James gesprochen hat. Ferner erinnert mich Edelbert, dass er schon am 16. Dezember anreisen wird und gegen 21.30 Uhr vom Flughafen in Fort Myers abgeholt werden möchte - wie schön. 
11.30 Uhr Nachdem ich auch dieses Datum im Kalender markiert habe, verschränke ich die Arme und lausche dem stetigen Rauschen der Wellen. Wenig später schlummere ich ein und finde mich im Traum zwischen meinen Freunden im Wilden Esel wieder. 
12.30 Uhr Ich werde durch das aufgeregte Kreischen einer Möwe geweckt und bemerke, dass ich nicht mehr im Schatten, sondern in der prallen Sonne liege - wie unlöblich. Um keinen Sonnenbrand zu bekommen, rapple ich mich hoch und kehre in eine einladende TIKI Bar am Boardwalk (löblich: Strandweg) ein. Durstig lasse ich mich an einem Plastiktisch mit Meerblick nieder und bestelle bei einer aufreizend gekleideten Maid mit Rastazöpfen ein Budweiser sowie einen deftigen Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben. Während ich es mir schmecken lasse, spähe ich auf den nicht enden wollenden Ozean und sehe, wie übermütige Jugendliche waghalsige Manöver auf ihren Stehsegelbrettern (unlöblich: Surfboards) vorführen - da kommt Stimmung auf. 
13.15 Uhr Nachdem ich der Kellnerin ein stattliches Trinkgeld beschert habe, laufe ich mit einem schönen Lied auf den Lippen zum Fahrzeug zurück. Radiolauschend trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und entscheide mich, den Winn Dixie Einkaufsmarkt am Golden Gate Parkway aufzusuchen. Mit quietschenden Reifen parke ich mein KFZ auf einem Behindertenparkplatz und schnappe einer besonders dumm dreinblickenden Hausfrau einen Einkaufswagen weg. Anschliessend betrete ich den Markt und lade Tombstone Pizzas im Fünferpack, Grillkohle, Boneless Steaks (löblich: knochenlose Schnitzel, eine Schachtel Muffins, Zehnerpack Capri Sun (löblich: Capri Sonne) Apple Creampie (löblich: Apfel Kremkuchen, Weissbrot, mehrere Dosen Baked Beans, Lay's Kartoffelchips, Coca Cola, Medium Cooked Shrimps (löblich: mittel gekochte Schrimps), rote Äpfel, Turkey Breast (löblich: Truthahn Brust) sowie weitere Produkte des täglichen Bedarfs ein.
14.00 Uhr Als es ans Bezahlen geht, überreicht mir die Kassiererin eine Informationsbroschüre und animiert mich, meine Einkäufe per Kreditkarte zu bezahlen und 5% Rabatt einzustreichen - das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Nachdem mir ein hilfsbereiter Mitarbeiter die schweren Tragetüten zum JEEP geschleppt hat, mache ich bei Bob's Liquor Store Halt und erwerbe Budweiserbier in rauen Mengen, 6 Flaschen Löwenbräu Weissbier sowie fruchtigen Weisswein aus dem goldenen Kalifornien. Nebenbei halte ich mit dem Ladeninhaber ein kleines Schwätzchen und gebe zu Protokoll, dass ich mich bisher hervorragend in Florida eingelebt habe.
14.45 Uhr Verschwitzt und mit den Nerven am Ende treffe ich endlich wieder im Willoughby Drive ein und setze mich augenblicklich auf das bequeme Sofa im Wohnzimmer. HEUREKA - nach diesem Stress kann ein kleines Nickerchen nicht schaden. Schon kurze Zeit später schlummere ich ein und träume von meinen schnurrenden Haustiere, die leider im Waldweg zurückbleiben mussten. 
15.45 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und brühe als erstes frischen Bohnenkaffee auf. Danach finde ich mich am Heimrechner ein und widme mich der wichtigen Anschnurseelsorge. Unter anderem stosse ich im elektronischen Postkasten auf den Hilferuf eines 57jährigen Frührentners aus dem Saarland. Der besorgte Mann schildert gar Schreckliches und schreibt, dass sich seine garstige Tochter Helene (23) standhaft weigert, sich im Haushalt nützlich zu machen. Stattdessen sitzt das unterbelichtete Kind stundenlang vor dem Fernseher und lässt sich von zwielichtigen Schopping- und Seifensendungen berieseln - wie unlöblich. Ich verfasse ein Antwortschreiben und rate dem Mann, härtere Saiten aufzuziehen und der Maid ordentlich ins Gewissen zu reden.
16.30 Uhr Just als ich eine elektronische Depesche meines ehemaligen Studienkollegen Thomas Kronach beantworte, poltert Frau Gomez dazu und sagt, dass sie sich jetzt um den Hausputz kümmern wird. Während die gute Seele mit dem Lappen durchs Haus läuft und sich über die deutschsprachigen Bücher im Wohnzimmerregal amüsiert, ziehe ich mich auf die Terrasse zurück und lasse es mir nicht nehmen, ein Bad im Jacuzzi zu nehmen. Währenddessen blättere ich in der Tageszeitung und lese, dass während der kommenden Wochenenden in der Innenstadt von Fort Myers Weihnachtsmärkte stattfinden - wie interessant. Bei dieser Gelegenheit wische ich mir die Schweissperlen von der Stirn und kann gar nicht glauben, dass ich das diesjährige Fest unter Palmen verbringen werde - das ist traumhaft. 
17.00 Uhr Just als ich zum Handtuch greife und mich redlichst abtrockne, erscheint Herr Wang auf der Terrasse und sagt, dass er von meiner Putzperle hereingelassen wurde. Mein Bekannter tippt demonstrativ auf seine Armbanduhr und möchte wissen, ob ich das Abendessen in der Vereinsgaststätte des Tiburon Golf Resorts einnehmen will. Da ich tatsächlich keine Lust habe, stundenlang den Kochlöffel zu schwingen, erkläre ich mich einverstanden und dränge zur sofortigen Abfahrt. 
17.45 Uhr Als die Dämmerung hereinbricht, treffen wir in besagtem Gasthaus ein und werden von einem gestriegelten Kellner an einen Tisch geführt - wie schön. Da man gerade im Alter auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten sollte, bestellen wir umgehend einen grossen Krug (unlöblich: Pitcher) Rolling Rock Bier. Dazu gibt es fangfrischen Catfish (löblich: Katzenfisch) mit Butterbohnen, Kartoffeln und leichter Weissweinsauce - schmeckt nicht schlecht, Herr Specht. 
18.00 Uhr Während wir uns zuprosten und das feine Essen geniessen, lasse ich meine Tageserlebnisse Revue passieren und gebe meinem Bekannten zu verstehen, dass in drei Wochen meine Verwandten aus Bayern anreisen werden. Herr Wang ist hellauf begeistert und munkelt, dass über das Weihnachtsfest einiges geboten sein wird - wie wahr. Ich bin mir sicher, dass David (3) keine Gelegenheit auslassen wird, plärrend im Schwimmbecken zu planschen und mir den letzten Nerv zu rauben. 
19.00 Uhr Nach italienischen Schaumkaffees und lustigen Keksen, winke ich den Knecht herbei und fordere ihn auf, mir die Rechnung zu bringen. Als mir Herr Wang einige Geldscheine zustecken möchte, winke ich weltmännisch ab und stelle klar, dass ich ihm noch ein Abendessen schuldig bin. 
19.45 Uhr Daheim angekommen, stelle ich fest, dass Frau Gomez das Haus mittlerweile auf Vordermann gebracht hat - wie schön. Ich reguliere die moderne Carrier Klimaanlage und nehme dann vor dem Flachbildschirm im Wohnzimmer platz, um den langen Tag bei einem rentnergerechten Fernsehabend ausklingen zu lassen. Gekonnt drücke ich mich durch die vielen Kabelprogramme und stosse plötzlich auf eine neue Folge der beliebten Krimiserie "The Sopranos" (löblich: Die Sopranos) - wie aufregend. Kartoffelchipsverzehrend gebe ich mich den Abenteuern von Tony, Pauli Walnut und Silvio Dante hin und sehe, wie der Mafiaboss mit einer Lebensmittelvergiftung zu kämpfen hat. Ausserdem erkennt Tony während eines Fiebertraums, dass er jahrelang von seinem besten Freund "Big Pussy" bespitzelt und ans FBI verraten wurde. Wie nicht anders zu erwarten, lockt der Ganove den Übeltäter auf eine Jacht und zögert nicht, ihn "zu den Fischen" zu schicken - das ist ja allerhand. 
20.30 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, schalte ich weiter und verweile einige Minuten auf dem "History Channel" (löblich: Geschichtskanal), wo über die Entstehung der Vereinten Nationen in New York informiert wird. 
21.30 Uhr Ein anstrengender Tag geht langsam zu Ende und ich schalte das Fernsehgerät knopfdrückend aus. Zu guter Letzt verschliesse ich sämtliche Fenster und Türen und gehe dann zufrieden ins Bett, um noch etwas Radio zu hören. Gute Nacht.


24.11.2008
07.00 Uhr Eine neue Woche beginnt und ich fühle mich von der schweren Arbeit im Hotel immer noch schlapp - wie unlöblich. Trotz allem stehe ich auf und läute den Tag mit der Morgengymnastik an der frischen Luft ein. Während ich meine eingeschlafenen Muskeln stähle und von einem Bein aufs andere hüpfe, fällt mir ein, dass heute in Immokalee eine grosse Autoausstellung stattfindet - wie aufregend. Da ich nichts besseres zu tun habe, entschliesse ich mich, gleich nach dem Frühstück loszufahren und mir dieses Spektakel aus nächster Nähe anzusehen. 
07.30 Uhr Bevor ich das wichtigste Mahl des Tages einnehme, entspanne ich mich bei einem Vollbad mit Schaum. Nebenbei lausche ich dem Radioprogramm des Bayerischen Rundfunks und erhalte die Auskunft, dass in einem Monat das Christkind vor der Türe stehen wird - wie schön. Nachdenklich wasche ich mir die Haare und erwäge, David in diesem Jahr einen schönen Baukasten von LEGO zu schenken. Ausserdem werde ich für James einige Kompaktscheiben angesagter Landmusiksterne erwerben und Amanda mit einem praktischen Haushaltsgerät überraschen. HEUREKA - die Kinder werden Augen machen. 
08.30 Uhr Nachdem ich in meine bequemen Flip Flops geschlüpft bin, setze ich mich an den Küchentisch und verzehre eine schmackhafte Mahlzeit in Form von gerösteten Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), zwei Spiegeleiern mit Speck sowie einem Apfel aus dem PUBLIX Einkaufsmarkt. Just als ich die "Naples Daily News" (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) aufschlage und mich über die Geschehnisse der letzten Tage schlau mache, wird die Ruhe durch sehr lautes Klingeln gestört - wie unlöblich. Missgelaunt öffne ich die Türe und staune nicht schlecht, Herrn Wongler (78) vor meinem bescheidenen Heim vorzufinden. Der gute Mann aus dem Lowbank Drive begrüsst mich überschwänglich und behauptet, dass er einen Becher Kaffee vertragen könnte. Selbstverständlich bitte ich meinen Bekannten spornstreichs herein und erzähle, dass ich gleich aufbrechen und nach Immokalee krusen werde. Als ich die Autoausstellung zur Sprache bringe, schnalzt mein Gast mit der Zunge und meint, dass er mich begleiten könnte - das soll mir recht sein. 
09.15 Uhr Wenig später sitze ich in Herrn Wonglers goldenem Cadillac und komme in den Genuss, stimmungsvolle Lieder einer mir unbekannten Combo namens "The Ronettes" lauschen zu dürfen. Als ich auf die Musikanlage deute, plappert Herr Wongler ohne Punkt und Komma auf mich ein und sagt, dass das Gesangstrio während der 60er Jahre grosse Erfolge gefeiert hat - wie interessant. Just als "Walking In The Rain" (löblich: Spazieren gehen im Regen) erklingt, wechsle ich das Thema und berichte, dass ich demnächst die Wanderstiefel schnüren und den Appalachian Trail abmarschieren werde. Herr Wongler wirft mir skeptische Blicke zu und erwidert, dass er während seiner Militärzeit in Pennsylvania stationiert war und einige Märsche auf besagtem Wanderweg hinter sich bringen musste. Neugierig erbete ich mir weiterführende Infos und erfahre, dass die Wegstecke in diesem Bundesstaat durch felsiges und zerklüftetes Gebiet führt. Herr Wongler geht noch weiter und meint, dass es nur erfahrenen Bergsteigern möglich ist, die 200 Meilen zwischen Harpers Ferry im Süden und dem Green Mountains National Forest im Norden zu bewältigen - papperlapapp. Da ich trotz meines Alters immer noch gut beieinander bin, erhebe ich Einspruch und stelle klar, dass ich den ganzen Trail mit seinen 3.000 Kilometern packen werde. 
10.00 Uhr Nach einer fünfundvierzigminütigen Fahrt auf der Strasse 846, erreichen wir endlich die 18.000 Einwohner zählende Stadt. Herr Wongler steuert seinen Cadillac gekonnt in Richtung Flughafen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass die schlauen Stadtoberen mehrmals pro Monat interessante Ausstellungen organisieren und viele Besucher aus allen Teilen des Landes anlocken. Eifrig nickend stimme ich zu und berichte, dass ich schon im Januar hier war, um mir eine Flugzeugausstellung anzusehen - das war aufregend. 
10.30 Uhr Nachdem wir den frisch polierten Wagen sicher vor "Mary's Boutique" an der New Market Road abgestellt haben, schlendern wir zum Flughafengelände und plaudern währenddessen über dies und das. Unter anderem lasse ich meine Arbeit im Old Town Hotel (löblich: alte Stadt Hotel) Revue passieren und erzähle, dass ich Herrn Wang an den Wochenenden als Hotelmenetscher zur Seite stehe. Mein Begleiter ist bestens informiert und sagt, dass sein Nachbar in den höchsten Tönen schwärmt und für meine Hilfe sehr dankbar ist - wie schön. 
10.45 Uhr Wir betreten das Ausstellungsareal und finden uns zwischen unzähligen Fahrzeugen der verschiedensten Hersteller wieder. Herr Wongler zerrt mich direkt zu den Cadillacs und meint, dass wir als erstes die neuen Entwicklungen aus dem Hause General Motors sehen sollten - das soll mir auch recht sein. Während mein Bekannter mit einem Verkäufer ins Gespräch kommt und sich die technischen Finessen des ESCALADE EXT erklären lässt, lasse ich die Neuwagen links liegen und bestaune stattdessen einen Cadillac V-16 Roadster aus dem Jahre 1930. HEUREKA - dieses Strassenschiff muss man gesehen haben. Als ich den Radlauf berühre, gesellt sich ein ölverschmierter Heini an meine Seite und gibt sich mir als Besitzer dieses Schmuckstücks zu erkennen. Herr Oleson (63) aus Cape Coral steht mir Rede und Antwort und sagt, dass er dieses KFZ vor einigen Jahren auf dem Schrottplatz entdeckt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, den 16-Zylinder auf Vordermann zu bringen. Der Fachmann öffnet schwungvoll die Motorhaube und berichtet, dass diese Fahrzeuge zwischen den Jahren 1930 und 1937 hergestellt wurden und rund 6.000 Dollars kosteten. Neugierig frage ich genauer nach und vernehme, dass guterhaltene Exemplare heutzutage einen Marktwert von weit über 500.000 Dollars erreichen - das ist ja allerhand. 
11.30 Uhr Just als ich mit dem Gedanken spiele, mir ein vitaminreiches Softeis in der Waffel zu kaufen, winkt uns ein hochnäsiger "Hummer" Vertreter zum Modell "H2 SUT". Herr Wongler ist schier aus dem Häuschen und verkündet, dass dieses Gefährt erst im Frühjahr auf den Markt kommen wird. Vogelzeigend verweise ich auf die Fahrzeugbeschreibung und stelle klar, dass es angesichts der Benzinpreise kaum ratsam wäre, solch ein Ungetüm zu kaufen. Als ich mich kopfschüttelnd abwende, hält mich Herr Wongler zurück und sagt, dass wir uns wenigstens einmal ins Auto setzen sollten. Missgelaunt komme ich dem Vorschlag nach und erkenne in meiner Funktion als Autoliebhaber, dass der Geländewagen mit einer hervorragenden Serienausstattung daherkommt. Herr Wongler ist begeistert und kündigt an, dass er seinen in die Jahre gekommenen Cadillac veräussern und durch einen Hummer mit Vierradantrieb ersetzen wird. 
12.30 Uhr Da das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, gehen wir in eine flughafeneigene Wartungshalle und erkennen mit geschultem Auge, dass hier allerhand Schmankerl feilgeboten werden. Um nicht verhungern zu müssen, zücke ich meine prall gefüllte Geldbörse und gebe meinem Begleiter zu verstehen, dass ich ihn zu heissen Hunden (unlöblich: Hot Dogs) und Dr. Pepper Brause einladen werden. 
13.00 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen und unsere ausgetrockneten Kehlen ölen, kommt mein Tischnachbar auf das anstehende Weihnachtsfest zu sprechen und gibt zu Protokoll, dass er über die Feiertage nach Alabama reisen wird. Neugierig horche ich Herrn Wongler aus und höre, dass seine Schwester in Alexander City am Martin Lake wohnt und trotz ihrer mittlerweile 68 Jahre immer noch als Lehrerin tätig ist - das ist phantastisch. Mein Gegenüber seufzt in einer Tour und sagt, dass er in Gesellschaft seiner Schwester das neue Jahr begrüssen und alte Freunde treffen wird. 
14.00 Uhr Nachdem wir uns redlichst gestärkt haben, setzen wir den Spaziergang fort und begutachten schicke BMWs, die nicht in München, sondern in Spartanburg, South Carolina gefertigt wurden. Herr Wongler kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und sagt, dass er niemals ausländische Autos kaufen würde - wie recht der Mann doch hat. Bei dieser Gelegenheit bringe ich Herrn Wangs defekten Wagen ins Spiel und berichte, dass unser gemeinsamer Bekannter eine Panne hatte und viel Geld für die Reparatur seiner bayerischen Karosse ausgeben musste. 
14.30 Uhr Mit vielen Werbeprospekten unter dem Arm, kehren wir zum Cadillac zurück und schicken uns an, die Heimfahrt nach Naples anzutreten. Herr Wongler legt während der kurzweiligen Fahrt beste Laune an den Tag und meint, dass sich unser Ausflug ins Landesinnere wirklich gelohnt hat. Ich gebe dem Guten uneingeschränkt recht und antworte mit erhobenem Zeigefinger, dass die amerikanische Autoindustrie mit schönen Fahrzeugen und besonders günstigen Preisen aufwartet. 
15.15 Uhr Völlig erschöpft treffen wir endlich wieder im Willoughby Drive ein. Als ich Herrn Wongler zu Kaffee und Kuchen einlade, windet er sich heraus und gibt vor, dass er um 16 Uhr bei seiner Therapeutin erscheinen muss - wie schade. Winkend verabschiede ich mich und laufe dann ganz schnell ins redlichst klimatisierte Haus, um ein Bad im Jacuzzi zu geniessen - das tut gut. Während meine Muskeln von den Wirbeldüsen durchmassiert werden, fröne ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und erfahre, dass Frau Taylor Swift mit ihrem Schlag (unlöblich: Hit) "Love Story" (löblich: Liebesgeschichte) auf Platz 1 der Landmusikhitparaden steht - das ist super. 
16.15 Uhr Nachdem ich mich umgezogen habe, brühe ich frischen Bohnenkaffee von BUSTELO auf und finde mich am Heimrechner ein, um mit der Anschnurarbeit zu beginnen. Ich segle donutverzehrend auf meine beliebte Internetzpräsenz und mache mich daran, Fragen besorgter Erziehungsberechtigter zu beantworten. Unter anderem schildert mir Frau Carmen F. aus Mannheim ihr Leid und meldet, dass sich ihr Sohn Marco (13) täglich mit gleichaltrigen Kindern in einem McDonalds Schnellgasthaus trifft - wie unlöblich. Natürlich gebe ich wertvolle Ratschläge und empfehle der Frau, ordentliche Hausmannskost auf den Tisch zu bringen und dem Kleinen mit Taschengeldentzug zu drohen - das sollte ihm eine Lehre sein.
17.00 Uhr Kopfschüttelnd sende ich weitere Depeschen im Rahmen der Elternberatung ab und kümmere mich danach um meine private Korrespondenz. Neben vielen Werbedepeschen für zwielichtige Medikamente finde ich auch einen Brief meiner Untermieterin vor. Sandra berichtet von ihrer Reise nach Florida und schreibt, dass sie mich höchstwahrscheinlich Anfang Januar mit einer Stippvisite beglücken wird - das kann ja heiter werden. 
17.30 Uhr Nun habe ich aber genug gearbeitet. Mausdrückend schalte ich den leistungsstarken Heimrechner aus und entschliesse mich, ausnahmsweise auswärts zu Abend zu essen - man gönnt sich ja sonst nichts. Laut jauchzend hüpfe ich in den JEEP und rase mit quietschenden Reifen zur nahegelegenen "New York Pizza & Pasta" Gaststätte am "Old Collier Golf Club". Gutgelaunt betrete ich die einladende Wirtschaft und freue mich, vom Ladeninhaber persönlich begrüsst und an einen Fenstertisch mit Ausblick auf das satte Grün der Sportanlage geführt zu werden. Der aus Catania stammende Wirt kredenzt mir die Tageskarte und empfiehlt, das "New York Rib Eye Steak" (löblich: New York Rippen Augen Schnitzel) mit Kartoffelstäben und frischem Gemüse zu kosten. HEUREKA - das hört sich verlockend an. Da eine saubere Portion Fleisch bekanntlich sehr gesund ist, stimme ich prompt zu und ordere ausserdem ein Miller Bier vom Fass mit prima Schaumkrone. 
18.00 Uhr Zungeschnalzend lasse ich mir mein wohlverdientes Abendessen munden und denke daran, dass meine Verwandten in der alten Heimat just in diesem Augenblick frierend vor dem Fernseher sitzen und sich dumme Sendungen wie "TV Total" ansehen. Gleich nach dem Abendessen werde ich nach Hause preschen und den Tag bei einem sehenswerten Spielfilm auf dem Bezahlsender HBO ausklingen lassen. HEUREKA - davon können andere nur träumen. 
18.45 Uhr Wieder zurück in der Villa, schenke ich mir ein spritziges Budweiser ein und erkenne beim Blick in den Eiskasten, dass nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Biervorräte langsam zur Neige gehen. Um nicht zu verdursten, werde ich gleich morgen Bob's Liquor Store ansteuern und ordentlich abschoppen. 
19.00 Uhr Gähnend lege ich die Füsse hoch und entspanne mich bei einer neuen Ausgabe der Spielschau "Who wants to be a Millionaire" (löblich: Wer wird Millionär) mit Moderatorin Meredith Vieira. Die Dame führt gekonnt durch die Rateschau und möchte von einem Heini mit Schnauzbart wissen, wie der Name eines spanischen Schutzpatrons lautet. Kopfkratzend mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Ergebnis, dass nur Johannes in Frage kommen kann. Leider belehrt mich Frau Vieira eines besseren und verkündet, dass die richtige Antwort "Jakobus" lauten muss - wie unlöblich. 
20.00 Uhr Nach einer lehrreichen Nachrichtensendung auf CNN, drücke ich mich weiter durch die vielen Programme und verweile letztendlich auf HBO, wo gerade der Musikfilm "Almost Famous" (löblich: Fast berühmt) beginnt. Kartoffelchipsknabbernd lehne ich mich zurück und verfolge die Abenteuer des 15jährigen William Miller, der kurzerhand sein Elternhaus verlässt, um mir einer Hartfelsencombo quer durch Amerika zu ziehen - wie aufregend. 
22.00 Uhr Nach einer erfrischenden Dusche unternehme ich einen letzten Rundgang durch Haus und Garten und verschliesse sämtliche Fenster und Türen. Danach gehe ich zufrieden ins Bett und lese noch etwas in der Bibel. Gute Nacht.


23.11.2008
Hallo Leute, 

das gestrige Konzert im Zenith war wirklich geil toll. 'Bullet for my Valentine' haben eine super Show geboten und 120 Minuten ordentlich abgerockt. Neben den bekannten Hits wie '4 Words' und 'All these Things I Hate' durften wir auch die neuen Songs 'Cream Aim Fire' und 'Hearts Burst into Fire' hören. Wenn ihr Zeit und Lust habt, solltet ihr euch die weiteren Deutschlandauftritte am 28. November in Wiesbaden und am 29. November in Berlin nicht entgehen lassen :-) 

Pfaffenberg musste heute übrigens wieder im Old Town Hotel arbeiten. Vorhin hat er angerufen und wollte mir weismachen, dass er mittlerweile zum Nachmittagsschichtleiter und Manager aufgestiegen ist. 
Unter anderem musste er bei 25°C und strahlendem Sonnenschein den Pool säubern, den Parkplatz kehren, Gäste bedienen und sich um die Zimmeraufteilung für die kommende Woche kümmern.

Mittlerweile habe ich meine Reise nach Florida gebucht. 
Ich werde am 25. Dezember von Frankfurt mit einer United Airlines Maschine nach Miami fliegen und mir dort ein Auto mieten. Anschliessend geht's für einige Tage nach Key West, wo ich im Casa Marina Resort unterkommen werde. Danach steht ein Besuch des Everglades National Parks auf dem Programm. 
Am 1. oder 2. Januar werde ich Pfaffenberg, Amanda, James und David in Naples besuchen und höchstwahrscheinlich bei meinem Vermieter für einige Tage wohnen. Der Heimflug ist für den 9. Januar gebucht. 
Ich freu mich riesig, zwei Wochen richtig ausspannen und mich in der Sonne aalen zu können. 

Jetzt muss ich mich aber beeilen. Bärbel hat sich um zwei Kinokarten bemüht und mich zu "Der Mann, der niemals lebte" eingeladen. Der Film von Ridley Scott läuft seit Donnerstag in den deutschen Kinos und bricht derzeit sämtliche Rekorde. 

  Bis bald 
  Sandra Corte


22.11.2008
Hi Fans,

Pfaffenberg hat am Nachmittag angerufen und klargestellt, dass er wegen der vielen Arbeit in Herrn Wangs Old Town Hotel nicht in der Lage ist, den heutigen Tagebucheintrag zu verfassen. Nach einer etwas längeren Diskussion habe ich mich breitschlagen lassen, ihm die Schreibarbeit am Wochenende abzunehmen. Das heisst, dass ich ab jetzt nicht nur am Sonntag, sondern auch schon am Samstag dieses sogenannte Tagebuch betreuen muss :-) 

Während mein Vermieter mit Frau Pontecorvo flirtet, den Leuten im Hotel auf die Nerven fällt und mit der Idee spielt, sich einen Hund zuzulegen, musste ich während der Woche hart schuften. Derzeit beschäftige ich mich mit einem Werbeprojekt für einen neuen Billig-Kleidermarkt im Industriegebiet. Ganz nach dem Motto 'Geiz ist geil' habe ich eine Broschüre mit aktuellen Preisknüllern designt. Für die nächsten Tage sieht es mit der Arbeit total düster aus. Die Wirtschaftskrise wirkt sich jetzt auf den Werbemarkt in Deutschland aus und beschert der Branche krasse Umsatzeinbrüche :-(. 

Übrigens logierte von Mittwoch bis Freitag ein neuer Gast in der Pension Waldblick. Herr Niedermeier stammt aus Regensburg und kam in unsere Stadt, um geothermische Versuchsreihen in einem Waldgebiet bei Unterbrunzbach durchzuführen. Wenn ich's richtig verstanden habe, soll es dort mehrere Wasserquellen geben, die sich angeblich für die Gewinnung von Fernwärme eignen.

Gleich werde ich mit meiner Mitbewohnerin Bärbel nach München fahren und das Konzert der walisischen Metalcoreband 'Bullet for my Valentine' im Zenith besuchen. Danach geht's zum abfeiern nach Schwabing, wo wir Marlene und eine weitere Freunde treffen werden.

  Alles Gute 
  Sandra Corte XOXO

  

Ältere Einträge finden Sie Hier

Bitte besuchen Sie auch mein löbliches Tagebuch Archiv 

 

© Kopierrechte liegen ausschliesslich bei Reinhard Pfaffenberg