Reinhard Pfaffenbergs löbliches Tagebuch Archiv

 

 

11.11.2004

11.11.2004
06.15 Uhr Ich erwache löblichst und springe umgehend aus dem Bett. Schnell schalte ich meinen leistungsstarken Weltempfänger ein und absolviere bei löblicher Volksmusik aus der Heimat meine Morgengymnastik. Ich strecke und recke mich löblichst und mache einige Purzelbäume. HEUREKA - Frühsport hält mich in Schwung.
06.45 Uhr Beim täglichen Vollbad mit Rosenöl mache ich mir meine eigenen Gedanken und plane den heutigen Tagesablauf. Ich singe ein Wanderlied und freue mich des Lebens.
07.45 Uhr Löbliches Frühstück auf der Terrasse. HEUREKA - bei 22°C lässt es sich im Garten aushalten. Ich verspeise Rühreier, geröstetes Weissbrot (unlöblich: Toast), Frühstücksspeck und einen gesunden Apfel. Dazu trinke ich kolumbianischen Kaffee und ein Glas Orangensaft - das schmeckt.
08.45 Uhr Ich nehme im Liegestuhl am Schwimmbecken platz und lese die Tageszeitung. Ich erfahre, dass heute der löbliche "Veterans Day" (löblich: Veteranen Tag) begangen wird. Das ganze Land gedenkt heute seiner Kriegshelden - wie schön. Ferner erfahre ich, dass in der Innenstadt von Naples ein löblicher Umzug zu ehren der Soldaten stattfinden wird. Dieses Spektakel darf ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.
09.30 Uhr Ich schnappe mir den Besen und sorge für Sauberkeit auf der Einfahrt. Wie jedes Kind weiss, ist eine gepflegte Einfahrt die Visitenkarte eines jeden Eigenheims. Während ich den Besen schwingen lasse, gleitet ein Polizeiwagen am Haus vorbei. HEUREKA - Scherriff Bradford steigt aus und wünscht mir einen guten Tag - wie schön. Ich lade den Gesetzeshüter umgehend zu einer Tasse Kaffee ins Eigenheim ein - da sagt der Scherriff natürlich nicht nein. Der verhaftete jugendliche Rabauke auf dem Rücksitz kann ruhig etwas schmoren.
10.00 Uhr Ich kredenze Herrn Bradford Kaffee sowie einen Bagel und erzähle ihm, dass es in meiner Heimat nur 2°C hat und bereits schneit. Der Scherriff winkt ab und meint, dass er dieses kalte Wetter gar nicht leiden kann. Er ist im Alter von 12 Jahren mit seinen Eltern von Minneapolis in den schönen Sonnenscheinstaat gezogen - wie aufregend. Deswegen weiss er dieses Klima auch redlichst zu schätzen.
10.30 Uhr Herr Bradford verlässt das Eigenheim, um den jugendlichen Verbrecher im Wagen schnurstracks ins Kittchen zu verfrachten. Ich hoffe nur, dass dem Unhold eine lebenslange Freiheitsstrafe droht - immerhin hat der Jugendliche eine Bank im Vinyards Park mit Graffitti (löblich: Geschmiere) verschandelt. Wo soll das noch hinführen mit dieser Jugend.
11.00 Uhr Jetzt wird es Zeit für einen Anruf im Eigenheim im Waldweg 7. Schon nach zwei Mal Klingeln habe ich Untermieterin Sandra am Rohr. Ich begrüsse die Maid freundlichst und frage nach dem Rechten. Sandra beschwert sich über Herrn Admiral a. D. Bürstenbinder und meint, dass der Herr täglich vorbeikommt, um sie zu beaufsichtigen. HEUREKA - darüber kann ich nur lachen, schliesslich müssen Kinder ja wohl redlichst überwacht werden. Sandra findet das gar nicht lustig und erzählt, dass der Winter Einzug gehalten hat. Letzte Nacht ist sogar schon der erste Schnee gefallen. Ich lache sehr und berichte meiner Untermieterin von den sommerlichen Temperaturen in Südwest Florida. Ich richte noch schöne Grüsse an Amanda, James und Katze Jenny aus und beende dann das kostspielige Ferngespräch.
11.45 Uhr Langsam bekomme ich Hunger. Ich bereite mir löbliche Sandwiches (löblich: Wurstbrote) mit Schinken, Käse und Gewürzgurken zu. Dazu trinke ich kühles Koka Kola Licht aus der Dose - das schmeckt.
12.30 Uhr Ich räume die Küche redlichst auf und breche dann auf in Richtung Innenstadt.
13.00 Uhr Ich starte den JEEP Karaoke und steuere ihn fachmännisch in Richtung Innenstadt. Ich brause mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Westen und biege dann auf die Strasse Nummer 45 in südliche Richtung ab. HEUREKA - vor dem Cambier Park herrscht ein diabolisches Verkehrskaos. Ich steuere das Fahrzeug gekonnt auf einen Parkplatz und wandere dann durch die Menschenmassen zum Umzug.
13.30 Uhr HEUREKA - diese Pracht muss man gesehen haben. Redliche Rentner in Uniformen, löbliche Kinder mit kleinen amerikanischen Flaggen sowie stolze Veteranen aus längst vergangenen Kriegen machen den Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ich stehe am Strassenrand und feiere redlichst mit den anderen Menschen. Als dann noch eine Blaskapelle der städtischen Feuerwehr die amerikanische Nationalhymne aufspielt, bleibt kein Auge trocken. Bei der Textstelle "Land of the Free, Home of the Brave" (löblich: Land der Freiheit, Heimat der Tapferen) kann ich es mir nicht verkneifen, laut mitzusingen - da kommt Stimmung auf.
14.30 Uhr Ich schwitze sehr und begebe mich in ein kühles Eiskaffee. Ein schmackhaftes Zitroneneis dürfte jetzt nicht schaden. Während ich mir die Köstlichkeit redlichst munden lasse und zum JEEP zurück wandere, fällt mir ein, dass James heute seinen 33. Geburtstag feiert. HEUREKA - ich eile zu einem öffentlichen Fernsprecher und wähle umgehend die Nummer vom Waldweg 5. James meldet sich prompt und freut sich sehr über meinen Anruf. Ich wünsche ihm alles Gute zu seinem Geburtstag und frage nach dem Rechten. James meint, dass er gerade mit Amanda das Haus verlassen wollte, um im "La Casareccia" ein festliches Abendessen einzunehmen - wie schön. Ich wünsche den Kindern viel Vergnügen und beende dann das teure Ferngespräch.
15.00 Uhr Düdeldü - gutgelaunt steuere ich das KFZ durch den dichten Verkehr. Bei schöner amerikanischer Landmusik von Herrn Clint Black macht das Fahren wirklich grosse Freude.
16.00 Uhr Zurück im Eigenheim parke ich den Wagen fachmännisch in der renovierten Garage. Danach strebe ich ins Haus und öffne eine Dose eisgekühlte Dr. Pepper Brause - das tut gut. Dr. peppertrinkend schreite ich in den Garten und erblicke einen ekelerregenden Vogel. HEUREKA - bei diesem Federvieh handelt es sich um einen unlöblichen Ajaja Vogel. Dieser Piepmatz ist mir noch vom letzten Besuch in unangenehmer Erinnerung. Ich mache laute Geräusche und versuche redlichst, das Vieh zu verscheuchen. Leider ohne Erfolg - der Vogel glotzt mich dumm an und hüpft dann frech ins Schwimmbecken. Gleich trifft mich der Schlag - ich ziehe mich ins Haus zurück, um dieses Tier nicht länger anschauen zu müssen.
16.30 Uhr Lautes und sehr aggressives Telefonklingeln stört mich bei meiner Ruhe. Ich melde mich sofort und vernehme Herrn Wangs Stimme in der Leitung - wie schön. Der gute Mann lädt mich zum gemeinsamen Abendessen in ein chinesisches Lokal namens "HUNAN LION" ein - wie aufregend. Da ich mit meinen 2.900 EUROS Rente sowieso kaum über die Runden komme, nehme ich die Einladung natürlich sofort an. Herr Wang wird mich um 18.30 Uhr löblichst mit seinem Wagen abholen - wie schön.
17.00 Uhr Ich gehe Anschnur und arbeite an meiner löblichen Heimseite. Nachdem ich das Gästebuch durchgesehen habe, beantworte ich Fragen von besorgten Eltern. Ich gebe wertvolle Ratschläge und helfe, wo ich kann.
18.30 Uhr Lautes Hupen stört mich bei der Anschnurarbeit. HEUREKA - das ist sicher Herr Wang. Ich eile nach draussen steige sofort in Herrn Wangs luxuriösen Mercedes ein. Der gute Mann begrüsst mich redlichst und steuert das Fahrzeug in Richtung Gaststätte. Schon nach wenigen Minuten treffen wir auf dem Parkplatz des chinesischen Restaurants ein.
19.00 Nachdem wir von einer mandeläugigen Maid an einen schönen Tisch geführt wurden, bestellen wir gleich die Getränke. Während Herr Wang ein Koka Kola nimmt, entscheide ich mich für ein Glas keuschen Weisswein. Ich studiere die Speisekarte und entscheide mich dann für ein keusches Hühnergericht mit Gemüse Süss Sauer. HEUREKA - Herr Wang wählt eine keusche Peking Ente mit Reis und Sojasprossen. Wir plaudern redlichst und lassen uns das delikate Essen schmecken. Herr Wang erzählt, dass er bald Besuch von seiner Stieftochter und deren Freundin bekommen wird - wie aufregend. Ferner erfahre ich, dass Herrn Wangs geschiedene Ehefrau im der schönen Stadt Palm Springs in Kalifornien wohnt.
19.45 Uhr Als Nachspeise wird uns nun noch eine klebrige Pampe serviert. HEUREKA - diesen Mist muss man gekostet haben. Angeblich handelt es sich um eine Honigbanane - wie ekelerregend. Schnell dränge ich Herrn Wang zur Abreise.
20.30 Uhr Nachdem ich mich redlichst von Herrn Wang verabschiedet habe, betrete ich das Eigenheim und mache es mir vor dem Fernseher bequem. Ich schalte das Gerät an und verfolge die aktuellen Nachrichten auf CNN. HEUREKA - ich erfahre, dass Terrorscheff Arafat heute morgen um 03.30 mitteleuropäischer Zeit verstorben ist.
21.30 Uhr Ich knipse den Zenith Fernseher aus und setze mich mit einem kühlen Budweiser Bier auf die Terrasse. Ich geniesse die gute Luft und mache mir meine eigenen Gedanken. Das Gezirpe der keuschen Grillen ist wirklich äusserst beruhigend - HEUREKA.
22.15 Uhr Ich ziehe mich zufrieden auf mein Schlafzimmer zurück und lese noch etwas in der Bibel. Gute Nacht.

Ein ekelerregender Ajaja Vogel:

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verfasst von Reinhard Pfaffenberg am 11.11.2004
© Reinhard Pfaffenberg