Reinhard Pfaffenbergs löbliches Tagebuch Archiv

 

 

08.10.2010

07.15 Uhr Mein praktischer SONY Reisewecker geht an und ich erkenne beim Blick aus dem Fenster, dass dichte Nebelwolken um das "Sheraton Fisherman's Wharf" ziehen - wie unlöblich. Trotz der schlechten Witterung stehe ich auf und laufe ins Badezimmer, um ein löbliches Vollbad zu nehmen. Bevor ich mich ausgiebig wasche, streichle ich Hund Dixon übers Fell und sichere ihm zu, dass wir morgen nach Hause fliegen werden. Der Vierbeiner leckt sich die Pfoten und freut sich, bald wieder mit den Nachbarshunden Joey und Max spielen zu können. 
07.30 Uhr Während ich im heissen Badewasser die Seele baumeln lasse, greife ich ganz spontan zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe bei Sandra im Waldweg 11 an. Das Kind nimmt das Gespräch nach wenigen Augenblicken an und möchte wissen, ob ich gestern wirklich das Sheraton Hotel in San Franzisko in die Luft gesprengt habe. Ich komme aus dem Nörgeln gar nicht mehr heraus und stelle klar, dass ich mir keiner Schuld bewusst bin. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, bringe ich die defekte Autobatterie ins Spiel und lege anschaulich dar, dass eine Überspannung den Schwelbrand im Motorraum ausgelöst hat. Sandra bricht in schallendes Gelächter aus und meint, dass ich im Laufe des Tages verhaftet und zu einer langjährigen Gefängnisstrafe auf Alcatraz verdonnert werde - papperlapapp. Vogelzeigend beende ich das Gespräch und wasche mir mit einem Pflegeprodukt aus dem Hause "Schwarzkopf" die Haare
08.30 Uhr Nachdem ich mich in Schale geworfen habe, eile ich zum Nachbarzimmer und gebe dem Professor zu verstehen, dass wir in neunzig Minuten Herrn Balakrishnan im Frühstücksraum treffen werden. Edelbert nickt eifrig und lotet aus, ob wir vorher Gassi gehen wollen - das soll mir Recht sein.
09.00 Uhr Mit dem Vierbeiner im Schlepptau spazieren wir zur Fisherman's Wharf und bestaunen die unzähligen Akrobaten, die am Pier 39 Kunststücke vorführen. Edelbert macht grosse Augen und schlägt vor, dass wir uns auch die Gesichter weiss anmalen und mit Orangen jonglieren könnten - wie unlöblich. Seufzend schlendere ich weiter und lasse meinen Bekannten wissen, dass ich angesichts der gestrigen Ereignisse gar nicht zum Scherzen aufgelegt bin. Prof. Kuhn beruhigt mich redlichst und unterbreitet, dass meine Versicherung sämtliche Schäden regulieren und höchstwahrscheinlich auch für ein neues Auto bezahlen wird - das wäre zu schön. 
09.45 Uhr Pünktlich auf die Minute stehen wir wieder in der Hotelhalle und können Herr Balakrishnan von der Anwaltskanzlei "Pruzansky & Besunder" herzlich begrüssen. Der aus Indien stammende Advokat folgt mir ins hoteleigene Gasthaus und erzählt, dass er mit der Aufgabe betraut wurde, mich in einer wichtigen Angelegenheit zu vertreten. Während wir uns an einen Tisch setzen und Frühstücke bestellen, lasse ich die Geschehnisse Revue passieren und berichte, dass gestern in aller Frühe mein JEEP in der Parkgarage ausgebrannt ist. Herr Balakrishnan notiert sich die Angaben ganz genau und erkundigt sich, ob ich bereits mit einem Vertreter des Versicherungsträgers gesprochen habe. Ich schüttle entschieden den Kopf und gebe zu Protokoll, dass ich den Hotelmenetscher beauftragt habe, mit 21CENTURY zu verhandeln. Bei dieser Gelegenheit überreiche ich meinem Tischnachbarn das von mir unterzeichnete Dokument und erläutere, dass ich Herrn Harris die Erlaubnis erteilt habe, mit der Versicherung in Kontakt zu treten. Thomas Kronachs Kollege greift sich an die Stirn und entgegnet, dass ich mit meiner Unterschrift auch das Recht verwirkt habe, den Autokonzern zu verklagen. Herr Balakrishnan geht noch weiter und stellt die Behauptung auf, dass das Hotel nun sämtliche juristischen Kniffe zur Anwendung bringen wird, um den Schadensverursacher zu verklagen. Trotz der schlechten Nachrichten schenkt mir der Jurist ein Lächeln und bestätigt, dass ich nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden kann - wie schön.
10.30 Uhr Während wir brühfrischen Kaffee trinken und kraftvoll zubeissen, präsentiert der Fachmann die Geschäftsbedingungen meiner Autoversicherung und zitiert, dass das Unternehmen verpflichtet ist, im Schadensfall die Kosten für einen Neuwagen zu tragen. Zudem ermutigt mich Herr Balakrishnan, nach meiner Rückkehr nach Naples beim örtlichen JEEP Händler vorstellig zu werden und mir ein neues Auto auszusuchen. Ich schnalze mit der Zunge und stelle klar, dass sich ein JEEP LIBERTY hervorragend auf der Einfahrt machen würde.
11.00 Uhr Nach sechzig Minuten schütteln wir Hände und vereinbaren, dass wir nächste Woche telefonieren werden. Der Anwalt wünscht uns einen schönen Tag und beteuert, dass es keinen Grund gibt, den Kopf hängen zu lassen - wie wahr. 
11.30 Uhr Nachdem wir den Mann verabschiedet haben, fahren wir mit dem Lift nach oben und machen es uns in Edelberts Zimmer zur Aufgabe, Heimflüge zu buchen. Ich segle mit dem praktischen Netzbuch (löblich: Netbook) auf die Heimseite von Expedia.com und lerne schnell, dass der Direktflug morgen Abend nach Miami leider ausgebucht ist. Stattdessen wähle ich die Mittagsmaschine nach Houston, TX und erkläre, dass wir nach einem kurzen Zwischenstopp in der Ölhauptstadt der Vereinigten Staaten gegen 22 Uhr in Fort Myers landen werden. Der Professor ist begeistert und ermutigt mich, zwei Plätze zu je 197 Dollars zu buchen. 
12.00 Uhr Just als die Bestätigung im elektronischen Postkasten eintrudelt, tippe ich die Telefonnummer von "Continental Airlines" ins Tastenfeld der Schwarzbeere und kläre die Dame am anderen Ende der Leitung darüber auf, dass wir am Samstag via Houston ins Rentnerparadies ausfliegen werden. Ausserdem bringe ich meinen tierischen Begleiter ins Spiel und bitte die kleine Frau, einen geeigneten Transportcontainer bereitzuhalten.
12.45 Uhr Endlich haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und können nach unten gehen, um das wohlverdiente Mittagessen einzunehmen. Weil wir es leid sind, im Hotel zu essen, winken wir ein Taxi herbei und animieren den Kraftdroschkenführer, uns zum "Alamo Park" im Süden zu bringen. Während wir uns durch den dichten Verkehr schlängeln, macht mich Edelbert auf den Umstand aufmerksam, dass unweit der Grünanlage die "Painted Ladies" (löblich: angemalten Frauen) zu sehen sind - wie aufregend. 
13.15 Uhr Nach drei Meilen stehen wir plötzlich vor einer Reihe viktorianischer Holzhäuser, die im 19. Jahrhundert erbaut wurden und von den Einheimischen "Painted Ladies" genannt werden. Edelbert ist wie immer bestens informiert und erklärt, dass der Name auf die Autorin Elizabeth Pomada zurückzuführen ist, die im Jahre 1978 in einem Roman die schönen Fassaden zum ersten Mal erwähnte. Darüber hinaus vernehme ich, dass in dieser Gegend zur Jahrhundertwende viele Spielhöllen und Bordelle beheimatet waren - wie unlöblich.
14.00 Uhr Nachdem wir im Park Stöckchen geworfen haben, halten wir nach einer einladenden Gaststätte Ausschau. Wenig später kehren wir ins "Little Star Pizza" (löblich: Kleiner Stern Pizza) Italiengasthaus ein und ordern köstliche Pizzas mit Artischocken, luftgetrockneter Salami und würzigem Käse. Dazu gibt es durstlöschende Diät Coca Colas sowie eine Schüssel Wasser für den Vierbeiner - das schmeckt. Unterdessen tratschen wir über den anstehenden Heimflug und fassen den Entschluss, am Nachmittag noch einige Ansichtskarten an unsere Liebsten zu schreiben.
14.30 Uhr Um nicht Wurzeln zu schlagen, bezahlen wir die Zeche in Bar und stecken dem Ober ein stattliches Trinkgeld zu. Danach folgen wir der Grove Strasse in Richtung Westen und finden uns nach einer Meile an der Kreuzung Haight- und Ashbury Street wieder. Edelbert staunt nicht schlecht und merkt an, dass dieses östlich des Golden Gate Parks gelegene Viertel in den 1960er Jahren ein beliebter Treffpunkt von langhaarigen Gammlern und Drogensüchtigen war. Der Professor knipst Photos am laufenden Band und plappert davon, dass bekannte Musikanten wie Tschennis Tschoplin oder Jimmy Hendricks hier zu Hause waren - das ist mir Wurst.
15.15 Uhr Nun haben wir aber genug gesehen. Wir halten kurzerhand ein Taxi auf und ziehe es vor, schnellstmöglich zum Sheraton zurückzufahren und uns einen ruhigen Nachmittag in der klimatisierten Herberge zu machen. Der Taxifahrer prescht in einem Affenzahn nach Norden davon und wir haben das Vergnügen, auch die kurvenreichste Strasse der Welt am sogenannten "Russian Hill" (löblich: Russischer Hügel) zu sehen - da kommt Freude auf. 
16.00 Uhr Wieder zurück im Luxushotel, besuchen wir einen Kiosk und erwerben für kleines Geld farbenfrohe Ansichtskarten und Briefmarken. Danach erklimme ich die Stufen ins zweite Obergeschoss und freue mich auf ein Päuschen auf dem bequemen Bett. Bevor ich mich jedoch zur Ruhe bette, serviere ich dem braven Vierbeiner eine ROYAL CANIN Trockenfuttermahlzeit sowie frisches H²0. Im Anschluss strecke ich die Füsse aus und döse nach wenigen Sekunden ein, um von meiner beschaulichen Villa im Willoughby Drive zu träumen.
17.00 Uhr Leider wird mein Nickerchen bald durch den Hotelmenetscher gestört. Herr Harris überreicht mir im Namen der Geschäftsführung einen Obstkorb und möchte wissen, ob ich mich trotz des grossen Ärgers im "Sheraton at Fisherman's Wharf" wohlfühle. Ich bitte den Mann spornstreichs herein und antworte, dass ich mit dem Gedanken spiele, im nächsten Jahr wiederkommen und erneut hier zu logieren. Der Hotelheini freut sich und erklärt gutscheinüberreichend, dass ich ein Wochenende kostenlos in jedem Sheraton der USA wohnen darf - das ist phantastisch. 
17.30 Uhr Weil mein Magen laut knurrt, ziehe ich ein modisches Sakko an und poche an Edelberts Zimmertüre. Der schlaue Mann lässt nicht lange auf sich warten und sagt, dass wir den letzten Abend an der Westküste geniessen und das Nachtmahl im "Crab House" (löblich: Krabbenhaus) einnehmen sollten. Ich nicke eifrig und erwidere, dass ich die Spendierhosen anhabe und bezahlen werde. Gutgelaunt rennen wir nach draussen und marschieren zu besagtem Fischrestaurant am Pier 39. 
18.00 Uhr Wir werden von einem hochnäsigen Schnösel im Anzug begrüsst und an einen Tisch mit Ausblick auf die Bucht geführt. Ausserdem plappert der Kellner dummes Zeug und informiert, dass Scheffkoch Andrea Froncillo Zanderfilets an Blattspinat empfiehlt. Da ich nicht Popeye heisse, winke ich ab und gebe "Lobster Thermidoro" mit Caesars Salad (löblich: Cäsar Salat) in Auftrag. Edelbert folgt meinem Beispiel und entscheidet sich ebenfalls für einen vitaminreichen Hummer.
19.00 Uhr Während wir mit den Weinkelchen anstossen und Blicke auf die San Franzisko Bucht werfen, schellt das Telefon und Frau Pontecorvo meldet sich. Meine Nachbarin gibt sich besorgt und möchte wissen, ob es uns gut geht. Ich bejahe und lasse die gute Seele wissen, dass zwar der JEEP explodiert ist, aber wir uns trotzdem bester Gesundheit erfreuen. Zudem komme ich auf unseren Rückflug zu Sprechen und beauftrage die kleine Frau, uns morgen gegen 22 Uhr am Flughafen in Empfang zu nehmen - immerhin können wir uns als Rentner kein teueres Taxi leisten. Die Gute ist überrascht und sichert zu, zur Feier des Tages Macaroni vorzubereiten und eine Flasche Schaumwein auf Eis zu legen - wie schön.
20.00 Uhr Nachdem wir hausgemachten Apfelkuchen mit Schlagobers verspeist haben, zücke ich die Meisterkarte und sehe mich genötigt, mein Konto mit 154,50 Dollars zu belasten - wie unlöblich. Danach vertreten wir uns die Füsse und schauen ein letztes Mal auf die hell erleuchtete Gefängnisinsel Alcatraz. HEUREKA - das muss man einfach gesehen haben. 
20.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten sind wir wieder im Hotel und ziehen uns auf die Zimmer zurück. Während Edelbert vorgibt, im weltweiten Internetz stehsegeln zu wollen, falle ich erschöpft ins Bett und drücke mich mit der neumodernen Fernbedienung durch die unzähligen Kabelprogramme. Letztendlich verweile ich weintraubenverzehrend auf CBS und fröne der Sitzkomödie (unlöblich: Sitcom) "The Big Bang Theory" (löblich: Die grosse Knall Theorie). Das Fernsehformat handelt von zwei jungen Physikerinnen, deren Wohngemeinschaft direkt neben der einer hübschen Kellnerin liegt. Anstatt friedlich nebeneinander her zu leben, geraten die Frauen immer wieder aneinander und liefern sich lautstarke Streitereien im Treppenhaus - das ist ja allerhand.
22.00 Uhr Als der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, lösche ich das Licht und freue mich, morgen endlich nach Hause ausfliegen zu können. Gute Nacht.

 

verfasst von Reinhard Pfaffenberg am 08.10.2010
© Reinhard Pfaffenberg