Reinhard Pfaffenbergs löbliches Tagebuch Archiv

 

 

23.09.2010

07.15 Uhr Mein praktischer SONY Reisewecker geht an und ich werde durch wunderschöne Musik geweckt. Während die beliebte Sängerin Taylor Swift "American Girl" (löblich: Amerikanisches Mädchen) trällert, trete ich ans Fenster und schaue auf den verdreckten Missouri River. Unterdessen streckt sich Hund Dixon ausgiebig und macht es sich zur Aufgabe, meine Kuhjungenstiefel anzuknabbern - wie unlöblich. Um die Reise nach Vermillion, SD nicht barfuss fortsetzen zu müssen, klatsche ich in die Hände und fordere den Vierbeiner auf, sich gefälligst mit seinem quietschenden Spielzeug zu beschäftigen.
07.45 Uhr Nach der Morgengymnastik ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem Vollbad baumeln. Nebenher stecke ich meine Nase in eine ausgelegte Informationsbroschüre und lese, dass St. Joseph nicht nur mit dem "Pony Express Museum", sondern auch mit dem Wohnhaus des gefürchteten Scharfschützen Jesse James aufwartet. Weil ich mich für den Wilden Westen sehr interessiere, greife ich augenblicklich zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe bei Edelbert an. Als der Professor das Telefonat nach dem zweiten Klingeln endlich annimmt, stelle ich klar, dass wir es heute etwas ruhiger angehen und besagtes Wohnhaus in der Lafayette Strasse besuchen sollten. Meine Reisebegleitung ist begeistert und kündigt an, in einer Stunde abfahrbereit zu sein - das ist prima. 
08.45 Uhr Just als ich in eine frisch gewaschene WRANGLER Tschiens schlüpfe, klopft Edelbert an die Türe und behauptet, dass er grossen Hunger hat und ein Schwein auf einer Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) verzehren könnte. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und biete dem schlauen Mann einen vitaminreichen "Baby Ruth" Schokoladenriegel an. Mein Gegenüber lehnt dankend ab und meint, dass er lieber mit einer ordentlichen Portion Rühreier Vorlieb nehmen würde - wie schön. Da mein Magen ebenfalls knurrt, verfrachte ich meine Habseligkeiten in die Reisetasche und eile mit schnellen Schritten zur Rezeption. Danach hüpfen wir in den JEEP und halten nach einem Frühstückrestaurant Ausschau. Nach wenigen Meilen parke ich vor dem "Le Peep" Restaurant und lasse Edelbert wissen, dass diese Gaststätte mit dem "besten Frühstück der ganzen Stadt" wirbt. Mein Bekannter reibt sich den Bauch und lädt mich spontan zu Speis und Trank ein. 
09.15 Uhr Während wir uns an einem Tisch unweit des Büffets niederlassen, kommt eine kleinwüchsige Kellnerin (63) mit strohblonden Haaren daher und stellt sich uns als Darleen vor. Die Maid zückt einen Bleistift und lotet aus, ob wir uns selbst bedienen wollen. Wir nicken eifrig und ordern ausserdem eine Kanne mit frisch aufgebrühtem Bohnentrunk. Im Anschluss laufen wir zur Essensaugabe und laden die Teller mit vitaminreichen Omelettes, hausgemachtem Apfelkuchen, Virginia Schinken und anderen Delikatessen voll.
10.00 Uhr Nachdem wir die Zeche in Bar bezahlt und ein Trinkgeld hinterlegt haben, krusen wir zum "Patee House Museum" und sind überrascht, plötzlich vor einem überdimensionalen Ziegelhaus zu stehen, welches 1858 als bestes Hotel des Wilden Westens auch über die Grenzen Missouris hinaus bekannt war. Ferner war das "Patee Hotel" auch Anlaufstelle des Postzustelldienstes "Pony Express". Wir umrunden das alte Gemäuer und finden auf der Rückseite das "Jesse James Haus" vor, das heutzutage Besuchern aus aller Welt als Museum offen steht. Obwohl wir finanziell keineswegs auf Rosen gebettet sind, löhnen wir 3 Dollars und haben das Vergnügen, im Inneren alte Photografien zu sehen. Ein gelangweilt dreinblickender Museumswächter führt uns durch die lichtdurchfluteten Räume und unterbreitet, dass Jesse James hier im Jahre 1882 Zuflucht fand und am 3. April des gleichen Jahres von seinem geldgierigen Kompagnon Robert Ford hinterrücks erschossen wurde. Wir lauschen gespannt den Aussagen des Fachmannes und vernehmen, dass Herr Ford dem berüchtigten Revolverhelden ins rechte Ohr geschossen hat. Des weiteren deutet der alte Mann auf ein Loch in der Wand und berichtet, dass die Kugel Jesse James linkes Auge durchschlagen und letztendlich die Wandverkleidung beschädigt hat – wie aufregend. 
11.00 Uhr Nach einem kurzen Abstecher in den museumseigenen Andenkenladen, steigen wir in den JEEP ein und fassen den Entschluss, am Missouri River entlang nach Omaha, Nebraska zu fahren. Um nicht wieder hinter dem Lederlenkrad zu versauern, überlasse ich Edelbert das Steuer und nehme neben Dixon auf den Rücksitz Platz. Der Professor lässt den Wählhebel der Automatikschaltung in der "D" Stellung einrasten und bringt uns sicher auf die Interstate 29, die uns im Handumdrehen in die 130 Meilen entfernte Grossstadt führen wird - da kommt Freude auf.
11.45 Uhr Während der kurzweiligen Fahrt fördere ich interessante Fakten zu Tage und verweise auf den sehenswerten Spielfilm "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" mit Hollywoodstern Bratt Pitt. Unter anderem gebe ich zu Protokoll, dass Jesse James Mörder nach der Bluttat als Schausteller über die Lande tingelte und auf heruntergekommenen Theaterbühnen die Ermordung nachspielte. Zu guter Letzt eröffnete Robert Ford in Colorado eine Wirtschaft und wurde vom Herumtreiber Ed O'Kelley niedergestreckt. Anstatt die Bluttat zu sühnen, entschloss sich der Scherriff, O'Kelley nach kurzer Haft auf freien Fuss zu setzen. Edelbert kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und merkt an, dass Jesse James von der Landbevölkerung als "Robin Hood des Wilden Westens" gefeiert wurde - wie aufregend.
12.45 Uhr Nach einer neunzigminütigen Hochgeschwindigkeitsfahrt verlassen wir die Autobahn und legen eine kurze Pause im "McPaul State Wildlife Park" ein. Wir kommen mit quietschenden Bremsen auf einem Rastplatz zum Stehen und lernen, dass wir uns gar nicht mehr in Missouri, sondern im Bundesstaat Iowa befinden. Edelbert ist wie immer bestens unterrichtet und erzählt, dass dieser Staat auch "Hawkeye State" genannt wird. Weil ich stets über alles informiert sein will, löchere ich meinen Begleiter während des Spaziergangs mit Fragen und erhalte die Auskunft, dass Hawkeye (löblich: Falkenauge) ein einflussreicher Häuptling der Sauk Indianer war - wie aufregend. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen laufen wir durch den gepflegten Park und können im Dickicht sogar lustige Stinktiere erspähen. 
13.30 Uhr Nachdem wir Sandwiches verzehrt und leere Diät Coca Cola Getränkedosen in einen Mülleimer geworfen haben, setzen wir die Fahrt fort und krusen mit 65 Meilen pro Stunde weiter gen Norden. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, nehme ich die Schwarzbeere zur Hand und rufe ganz spontan in meiner weissblauen Heimat an. Nach wenigen Augenblicke habe ich Sandra an der Strippe und höre, dass sich das Kind heute Nachmittag abermals auf dem Oktoberfest vergnügt hat. Meine Mieterin plappert ohne Unterlass und sagt, dass sie sich ein neues Minidirndl mit Ausschnitt gekauft hat - wie unlöblich. Ich falle der unterbelichteten Maid prompt ins Wort und lege anschaulich dar, dass wir heute auf den Spuren Jesse James gewandert sind und bald in Omaha eintreffen werden. Sandra ist begeistert und sagt, dass sie nun meine Katzen Jenny und Tony füttern muss – wie schön.
14.15 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten passieren wir die Grenze nach Nebraska und finden uns in Omaha, der grössten Stadt des Bundesstaates wieder. Edelbert nimmt den Fuss vom Gaspedal und sagt, dass wir im Zentrum ganz bestimmt eine günstige Herberge finden werden - das will ich hoffen. Um mir einen Überblick verschaffen zu können, klappe ich das praktische Netzbuch (unlöblich: Netbook) auf und finde heraus, dass es an der 72th Strasse ein einladendes RAMADA INN gibt. Um nicht Hunderte Dollars aus dem Fenster werfen zu müssen, lotse ich meine Reisebegleitung zur besagten Adresse und kann es gar nicht mehr erwarten, einen ruhigen Nachmittag in einem Hotelzimmer zu verbringen. 
15.00 Uhr Am Ziel angekommen, gleite ich vom Beifahrersitz und renne mit gezückter Meisterkarte (unlöblich: Mastercard) zum Empfang. Der Heini hinter dem Tresen gibt unverständliche Laute von sich und möchte wissen, ob ich einen Käse kaufen möchte. Ich schüttle entschieden den Kopf und erkläre, dass ich Fleisch bevorzuge. Erst nach dem zweiten Nachfragen wird mir klar, dass der fernöstliche Knecht der englischen Sprache kaum mächtig ist - wie unlöblich. Mit Händen und Füssen mache ich dem Mann klar, dass ich zwei Zimmer buchen möchte. Nach langem Hin und Her zeigt der Mitarbeiter Einsicht und überreicht mir die Schlüsselkarten. Ich wische mir die Schweissperlen von der Stirn und führe Hund Dixon und den Professor ganz schnell ins erste Obergeschoss.
15.30 Uhr Endlich kann ich die Reisetasche aufs Bett werfen und mich von den Strapazen der langen Fahrt entspannen - das tut gut. 
16.15 Uhr Just als ich im Traum mit meinen Stubentigern im Garten spiele, wird die himmlische Ruhe durch ohrenbetäubendes Klopfen unterbrochen. Missgelaunt öffne ich die Türe und finde Edelbert auf dem Gang vor. Der Professor tippt auf seine TIMEX Armbanduhr und sagt, dass es in der Stadt viel zu erleben gibt. Gähnend nehme ich Hund Dixon an die Leine und folge meinem Bekannten an die frische Luft, um dem Vierbeiner etwas Auslauf zu ermöglichen. 
16.15 Uhr Als wir durch den Pipal Park spazieren und Stöckchen werfen, versorgt mich Edelbert mit wissenswerten Infos und meldet, dass die Stadt durch den Büffeljäger William Frederick Cody weltweit bekannt wurde. Der Jäger, der auch den Namen Buffalo Bill trug, wohnte viele Jahre im Zentrum von Omaha und schrieb es sich auf die Fahnen, mit seiner legendären "Buffalo Bill's Wild West Show" durch die Lande zu ziehen. Die Schau stellte ein riesiges Aufgebot an Komparsen und Tieren und Buffalo Bill schaffte es, den Indianerhäuptling Sitting Bull zu engagieren. Edelbert deutet nach Osten und fährt fort, dass Herr Cody auch nach Europa reiste und unter anderem in Karlsruhe auftrat - das ist ja allerhand.
17.00 Uhr Nachdem wir an einem Bürogebäude der "Berkshire Hathaway Incorporation" vorbeimarschiert sind, kehren wir in ein Gasthaus namens "Crystal Jade" ein. Eine zuvorkommende Bedienung mit roten Haaren lässt nicht lange auf sich warten und überreicht uns lächelnd die Speisekarten. Ich überfliege zungeschnalzend die Gerichte und wähle "Crispy Shrimp" (löblich: Knusprige Schrimps) mit Kartoffelstäben und ein süffiges Budweiser. Edelbert legt seinen Zeigefinger an die Unterlippe und entscheidet sich für "Chicken Tikka Masala" (löblich: Hühnchen nach indischer Art) - wie schön. 
17.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und unsere ausgetrockneten Kehlen spülen, kommt mein Tischnachbar auf das weltweit agierende "Berkshire Hathaway" Unternehmen zu Sprechen und behauptet, dass der reichste Mann der Vereinigten Staaten, Herr Warren Buffett, die Firma anno 1955 in Omaha, NE gegründet hat. Der schlaue Mann ist begeistert und setzt mich über die Tatsache in Kenntnis, dass besagte Firma Jahr für Jahr einen Umsatz weit über 100 Milliarden Dollars erwirtschaftet - das soll mir auch Recht sein. 
18.15 Uhr Nachdem wir unsere Teller geleert haben, machen wir uns auf den Heimweg. Dabei fällt mit auf, dass es mittlerweile dunkel und ziemlich kühl geworden ist. Ich ziehe mir fröstelnd den Cowboyhut ins Gesicht und gebe Edelbert zu verstehen, dass der Herbst hier sehr früh Einzug hält. 
19.00 Uhr Wieder zurück im Hotel, serviere ich Dixon eine Extraportion ROYAL CANIN Trockenfutter. Danach genehmige ich mir eine kalte Dusche und ziehe es vor, bald ins Bett zu gehen und mir den Abend mit hunde- und rentnergerechten Fernsehformaten zu versüssen. Ich schalte mich mit der neumodernen Fernbedienung durch die unzähligen Programme und bleibe zu guter Letzt auf FOX hängen, wo zur besten Sendezeit meine Lieblingssendung "COPS" läuft. Ich strecke genüsslich die Beine aus und werde Zeuge, wie schwerbewaffnete Polizisten Jagd auf gemeingefährliche Rauschgifthändler machen - da kommt Freude auf. 
20.30 Uhr Als eine Werbesendung für eine neuartige Gartenkralle aus dem Hause "Black&Decker" ausgestrahlt wird, lösche ich das Licht und wünsche Dixon angenehme Träume. Gute Nacht.

 

verfasst von Reinhard Pfaffenberg am 23.09.2010
© Reinhard Pfaffenberg