Reinhard Pfaffenbergs löbliches Tagebuch Archiv

 

 

20.09.2010

07.15 Uhr Mein praktischer Reisewecker bimmelt und ich hüpfe spornstreichs aus dem Bett, um die Vorhänge auf zu ziehen. Während sich Dixon ausgiebig streckt, blicke ich auf den beeindruckenden "Larry McDonald Memorial Highway" und lasse den Vierbeiner wissen, dass uns diese Strasse heute tief ins Kuhjungenland (unlöblich: Cowboyland) bringen wird. Der Hund interessiert sich nur am Rande für meine Ausführungen und macht sich daran, etwas Trockenfutter aus dem Hause ROYAL CANIN zu verzehren - wie schön.
07.45 Uhr Nachdem ich am Fenster die Morgengymnastik durchgeführt habe, eile ich ins Badezimmer und gönne mir ein Vollbad. Nebenbei rufe ich in Edelberts Zimmer an und erkläre, dass es kein Vergnügen ist, mit der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) Anschnur zu gehen. Mein Bekannter zeigt Verständnis und sagt, dass wir nach dem Frühstück ein Heimrechnergeschäft aufsuchen und nach einem günstigen Netzbuch (unlöblich: Netbook) Ausschau halten könnten. Der schlaue Mann ist bestens informiert und behauptet, dass ein solches Gerät gar nicht teuer ist und mit maximal 250 Dollars zu Buche schlagen wird. 
08.15 Uhr Ich beende das Telefonat und greife zum Schwamm, um mich ordentlich abzuschrubben. Zeitgleich lausche ich dem Radioprogramm von WKHX KICKS (löblich: Tritte) und komme in den Genuss, dem schönen Lied "The Poet" (löblich: Der Poet) aus der Feder Ryan Binghams lauschen zu dürfen - da kommt Freude auf. 
08.45 Uhr Nach dem Badevergnügen verfrachte ich meine Habseligkeiten in die Reisetasche und vergesse auch nicht, Dixons Schlafdecke sowie die Näpfe einzupacken. Im Anschluss klopfe ich an Edelberts Zimmertüre und fordere ihn auf, endlich in die Hotelgänge zu kommen. Der Professor gähnt in einer Tour und sagt, dass er sehr müde ist und noch Stunden im bequemen "Howard Johnson Inn Marietta" Queen-Size-Bett liegen könnte - papperlapapp. Ungeduldig schiebe ich den Mann zur Rezeption und zögere nicht, meine Schlüsselkarte zurückzugeben und der aus Indien stammenden Empfangsdame einen netten Tag zu wünschen. 
09.15 Uhr Wir verstauen das Reisegepäck sicher auf der Ladefläche des JEEPS und rollen dann zur benachbarten HARDEE'S Schnellessgaststätte. Mit Dixon im Schlepptau betreten wir das Familienrestaurant und werden von einer zuvorkommenden Mitarbeiterin mit Südstaatenakzent herzlich Willkommen geheissen. Ich stelle mich als Reinhard Pfaffenberg aus Naples, FL vor und bitte die kleine Frau, mir zwei "Bacon, Egg and Cheese Biscuits" (löblich: Speck, Ei und Käse Semmeln) zu kredenzen. Ausserdem deute ich auf das Bild eines "Frisco Breakfast Sandwich" (löblich: San Franzisko belegtes Frühstücksbrot) und erkläre, dass mein tierischer Begleiter auch Hunger hat.
09.45 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, aktiviert Edelbert sein strahlendes Schnurlostelefon und navigiert gekonnt durchs Internetz. Mein Tischnachbar wird prompt fündig und berichtet, dass es am Copp Parkway einen WAL MART gibt, in dem wir ganz bestimmt ein günstiges Netzbuch finden werden - das ist phantastisch. Wir essen ganz schnell auf und eilen dann zum Auto, um die besagte Adresse im Süden anzufahren.
10.15 Uhr Nach wenigen Meilen kommen wir mit quietschenden Bremsen vor dem Supermarkt zum Halten und können das KFZ sicher auf einem "Mother & Child" (löblich: Mutter und Kind) Parkplatz abstellen. Während Dixon bei laufendem Motor im Auto verweilt, rennen wir zur Heimrechnerabteilung und lassen uns von einem gestriegelten Knecht beraten. Der unterbelichtete WAL MART Mitarbeiter versorgt mich mit allerhand Fakten und legt mir nahe, das "ACER 10.1" AOD260 Netbook" für 278 Dollars zu kaufen. Weil meine Zeit äusserst knapp bemessen ist, stimme ich augenblicklich zu und nehme ein Exemplar vom Stapel. Danach begleiche ich die Rechnung mit meiner praktischen Meisterkarte und setze die Reise ins 280 Meilen entfernte Nashville im Bundessstaat Tennessee fort. 
10.30 Uhr Um mich mit der Neuanschaffung vertraut machen zu können, überlasse ich Prof. Kuhn das Steuer. Während der Mann gemächlich nach Nordwesten krust, studiere ich die Gebrauchsanweisung und lerne, dass auf dem Netzbuch bereits die Fenster 7 Weichware (unlöblich: Windows 7 Software) vorinstalliert ist. Um auch auf das Internetz zugreifen zu können, aktiviere ich die Bluetooth (löblich: Blauzahn) Schnittstelle und stelle die Verbindung zu meinem Mobiltelefon her - das klappt wie am Schnürchen. Innerhalb weniger Minuten ist es mir möglich, meine lehrreiche Heimseite aufzurufen und die elektronische Post zu lesen. Bei dieser Gelegenheit verfasse ich eine Grussbotschaft an meinen Bruder Georg und schreibe, dass ich mich just im Augenblick auf der Interstate 75 befinde.
11.00 Uhr Nach dreissig Minuten passieren wir die kleine Gemeinde Acworth und erhaschen beeindruckende Blicke auf den "Lake Acworth". Weil ich stets über alles informiert sein will, tippe ich den Begriff in den Mozilla-Brauser ein und bringe heraus, dass dieses Gewässer von Menschenhand erschaffen wurde und viele Touristen aus allen Teilen des Landes anlockt. Edelbert setzt hupend zu einem waghalsigen Überholmanöver an und lotet aus, wann wir eine Rast machen wollen. Ich spähe auf meine goldene ROLEX und erwidere, dass wir bis nach Chattanooga weiterfahren sollten.
11.45 Uhr Kurz vor der Mittagszeit öffne ich eine Diät Coca Cola Dose und wende mich Dixon zu, der sich gemütlich auf der Rückbank eingerollt hat. Ich streichle dem treuen Vierbeiner übers Fell und verspreche ihm, dass er am späten Nachmittag in Nashville Gassi gehen darf. Der brave Hund wird sofort hellhörig und macht es sich zur Aufgabe, laut zu fiepen und seine nasse Schnauze gegen die Fensterscheibe zu drücken. 
12.30 Uhr Just als George Strait auf der Frequenz von WUSY 101 seinen Hitparadenerfolg "The Breath You Take" (löblich: Den Atemzug, den du nimmst) trällert, rasen wir am "Johns Mountain Wildlife Management Area" vorbei und erblicken am Strassenrand unzählige Gürteltiere, die sich in der Mittagssonne bräunen. Edelbert ist hellauf begeistert und erzählt, dass diese Gattung in den Vereinigten Staaten "Armadillos" genannt wird - das soll mir auch Recht sein. 
13.15 Uhr Wenig später erreichen wir das Grenze zu Tennessee. Der Professor reguliert die Geschwindigkeit und biegt letztendlich auf die Interstate 24 ab, die uns in Windeseile ins Zentrum der viertgrössten Stadt der Staates bringt. Wir folgen dem Tennessee River nach Norden und halten nach kurzer Suche vor dem "Vaudeville Cafe", unweit der weltbekannten "Ross Landing Marina" (löblich: Ross Anlege Hafen). Bevor wir ein reichhaltiges Mittagessen geniessen, vertreten wir uns die Füsse und verschaffen Dixon etwas Auslauf. Wir besuchen auch die Anlegestelle der "Southern Bell Company" (löblich: Südliche Glocke Firma) und lesen auf einer Bronzetafel, dass hier einst der einflussreiche Cherokee Häuptling John Ross eine Handelsstation errichten lies. 
14.00 Uhr Nachdem wir stattliche Flussdampfer beäugt haben, kehren wir ins Kaffeehaus ein und lassen uns an einem Ecktisch mit Ausblick auf das schimmernde Gewässer nieder. Eine gelangweilt dreinblickende Bedienung lässt nicht lange auf sich warten und serviert einen Krug Eiswasser sowie die Speisekarten. Da mein Magen bereits knurrt, entscheide ich mich für einen saftigen Cheeseburger mit Krautsalat. Edelbert tut es mir gleich und ordert ebenfalls ein vitaminreiches Fleischgericht. 
14.30 Uhr Während ich Hund Dixon etwas von der Spezialität abgebe, plaudert Edelbert aus dem Nähkästchen und meldet, dass diese Stadt nicht nur die Universität von Tennessee, sondern auch das grösste Volkswagenwerk ausserhalb Deutschlands beheimatet. Edelbert deutet nach Osten und stellt die Behauptung auf, dass im "Enterprise Industrial Park" jährlich 150.000 Fahrzeuge vom Band laufen - wie interessant.
15.15 Uhr Um nicht Wurzeln zu schlagen, bezahle ich die Rechnung in Bar und bugsiere meine Begleiter ganz schnell zum Auto. Ich schiebe den Wählhebel der Automatikschaltung in die "D" Stellung und erfahre anhand des GARMIN Navigationssystems, dass immer noch 160 Meilen vor uns liegen - wie unlöblich. Missmutig fahre ich auf die Interstate 24 auf und bringe Meile für Meile hinter mich. Unterdessen frönen wir stimmungsvollen George Strait Liedern und plaudern über den gestrigen Aufenthalt in der Millionenmetropole Atlanta. Edelbert ist voll des Lobes und sagt, dass wir auf der Rückfahrt etwas länger in der "A-Town" bleiben und das Coca Cola Museum besichtigen sollten - das ist eine hervorragende Idee. 
16.00 Uhr Um für beste Stimmung zu sorgen, vertreiben wir uns die Zeit mit KFZ-Kennzeichenraten. Unter anderem sehen wir einen verrosteten Buick Skylark aus dem fernen Montana - wie aufregend. Als Autoliebhaber schnalze ich mit der Zunge und berichte, dass dieser Strassenkreuzer mit einer 5,7 Liter Maschine und weit über 200 Pferdestärken überzeugen kann. 
17.00 Uhr Nach zwei langweiligen Stunden auf der Autobahn erblicken wir am Horizont die Himmelslinie (unlöblich: Skyline) von Nashville. Ich gebe mich erleichtert und teile Edelbert mit, dass wir jetzt nur noch eine Herberge für die Nacht benötigen. Mein Beifahrer klappt das neumodische Netzbuch auf und sucht auf der Internetzpräsenz der renommierten RAMADA Hotelkette nach einer bezahlbaren Bleibe. Mit flinken Fingern navigiert der gute Mann durchs Angebot und entschliesst sich, auf elektronischem Wege zwei luxuriöse Zimmer im "Ramada Inn and Suites Airport North" zu buchen. Danach lotst mich Edelbert in Richtung Flughafen und merkt an, dass wir unsere Uhren um eine Stunde zurückstellen müssen. 
16.45 Uhr Kurze Zeit später kommen wir endlich vor dem Hotelkomplex zum Stehen und können unser Reisegepäck zur Rezeption schleppen. Ein langhaariger Heini in einem schlecht sitzenden Anzug wünscht uns einen guten Abend und bestätigt, dass Haustiere im "Ramada Inn" stets Willkommen sind. Bei dieser Gelegenheit überreicht uns Herr Danny (39) zwei Schlüsselkarten und unterbreitet, dass wir im Parterre des Nordflügels logieren werden. Ich wische mir demonstrativ über die Stirn und antworte, dass nach der langen Fahrt eine Dusche gerade recht kommt. 
17.30 Uhr Als ich die Zimmertüre aufstosse und meine Tasche aufs Bett werfe, schleicht Hund Dixon an die Terrassentüre und blickt wehmütig nach draussen. Als Hundeexperte weiss ich, dass sich der Racker nach der langen Autofahrt etwas austoben möchte. Weil mir das Wohl des Tieres sehr am Herzen liegt, lege ich ihm die Leine um und breche zu einem erquickenden Spaziergang auf. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen schlendern wir dem Atrium Way entlang und geniessen die angenehme Abendbrise. Um etwas Abwechslung zu bekommen, zücke ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe kurzerhand bei Sandra an. Das Kind nimmt das Gespräch nach dem zweiten Klingeln entgegen und freut sich, meine Stimme zu hören. Selbstverständlich lasse ich meine Tageserlebnisse Revue passieren und gebe zu Protokoll, dass ich just im Moment in der Musikstadt Nashville Gassi gehe. Sandra gähnt ohne Unterlass und erzählt, dass sie heute auf dem Oktoberfest war und eine Mass getrunken hat - wie aufregend. 
18.15 Uhr Wieder zurück im Hotel, poche ich an Edelberts Zimmertüre und lade den Professor zu einem extraordinären Abendessen in die nahegelegene "SHONEY'S" Gaststätte ein. Edelbert reibt sich den Bauch und folgt mir prompt zum KFZ. Mit knurrenden Mägen legen wir die kurze Strecke zurück und sind einstimmig der Meinung, dass die zweite Etappe unserer Transamerikareise wie im Flug vergangen ist. 
18.45 Uhr Wir betreten gutgelaunt die einladende Wirtschaft an der White Bridge Road und werden von einem Kellner an einen Zweiertisch geführt. Der freundliche Zeitgenosse freut sich, Touristen aus Florida zu treffen und reicht uns die Menükarten sowie eine Schüssel H²O für Dixon. Ich überfliege die in Plastik eingeschlagene Essensfolge ganz genau und wähle einen vitaminreichen Swiss Burger mit Kartoffelstäben. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und bestellt ausserdem einen Krug mit köstlicher Mello Yello Zitronen Limonade. 
19.30 Uhr Während des Abendessens tauschen wir uns über die am Dienstag anstehende Etappe aus und fassen den Entschluss, am Vormittag einen Abstecher in die Innenstadt zu machen. Edelbert zeigt sich einverstanden und meint, dass wir dann gemütlich nach St. Louis weiterfahren und die Nacht am Mississippi verbringen können - das soll mir Recht sein. 
20.15 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Rechnung zu begleichen und ins Hotel zurückzukehren. Prof. Kuhn hat heute die Spendierhosen angezogen und hinterlegt druckfrische Geldscheine neben seinem Teller. Danach lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und laufe völlig erschöpft zum JEEP. 
21.00 Uhr Als sich die Nacht über die Musikstadt der USA legt, werfe ich die Zimmertüre ins Schloss und fahre für Dixon eine Extraportion ROYAL CANIN Trockenfutter auf. Während sich der Hund auf die wohlverdiente Mahlzeit stürzt, geniesse ich eine Dusche und freue mich auf einen hunde- und rentnergerechten Fernsehabend. 
21.30 Uhr Ich lasse den Tag bei einer Nachrichtensendung auf FOX ausklingen und lösche bald das Licht, um mich von den Strapazen der nervenaufreibenden Reise zu erholen. Gute Nacht.

 

verfasst von Reinhard Pfaffenberg am 20.09.2010
© Reinhard Pfaffenberg