Reinhard Pfaffenbergs löbliches Tagebuch Archiv

 

 

16.07.2005

16.07.2005
06.30 Uhr Ich erwache löblichst und habe überhaupt keine Orientierung. Erst als ich aus dem Fenster blicke und die weite Strasse vor mir sehe, wird mir klar, dass wir uns in einem Motel in Pulaski, Tennessee befinden - wie schön. Schnell stelle ich die Klimaanlage höher und absolviere die Morgengymnastik - wer rastet, der rostet.
07.00 Uhr Düdeldü - lauf pfeifend schalte ich meinen leistungsstarken Weltempfänger ein und wähle das Nachrichtenprogramm von BAYERN 5 . Ich erfahre, dass ein Selbstmordattentäter in Bagdad 30 Kinder und einen löblichen US-Soldaten ermordet hat. Spätestens jetzt sollten die deutschen Medien nicht mehr von "Aufständischen" oder "Widerstandskämpfern", sondern von feigen Mördern und Terroristen sprechen. HEUREKA - die Feinde der Freiheit werden niemals siegen. Schon sehr bald wird der Irak ein vorbildliches Beispiel für Freiheit und Demokratie im nahen Osten sein - unser Dank gilt George W. Bush und den löblichen Verbündeten, die das blutige Terrorregime Saddam Husseins für immer beseitigt haben.
07.45 Uhr Nachdem ich ein löbliches Vollbad genommen habe, ziehe ich eine moderne Tschiens und ein geschmackvolles Hawaiihemd an.
08.15 Uhr Ich treffe Herrn Wang an der Rezeption und wünsche ihm einen guten Morgen. Nachdem wir redlichst ausgetscheckt haben, besteigen wir den Chevrolet Blazer und fahren zu einer netten Gaststätte auf der anderen Strassenseite.
08.45 Uhr Wir sitzen gemütlich am Fenster und lassen uns ein delikates hausgemachtes Frühstück mit Speckstreifen, Rühreiern, Frühstückskartoffeln und Toast (löblich: geröstetes Weissbrot) servieren - wie gut das wieder duftet. Selbstverständlich trinken wir frisch aufgebrühten kolumbianischen Kaffee und Orangensaft dazu.
09.00 Uhr Während wir redlichst speisen, erzählt Herr Wang, dass die Jack Daniels Brauerei wirklich einen Besuch wert ist. Angeblich hat die ganze Sache einen familiären Charakter - aber das scheint in diesem wunderbaren Land wohl ganz normal zu sein.
09.30 Uhr Nachdem ich die Rechnung in Bar bezahlt habe, verlassen wir die nette Gaststätte und brausen im Blazer in Richtung Osten. Im Radio läuft ein Lied namens "The Shoes you`re wearing" (löblich: die Schuhe, die du trägst) von Landmusiksuperstern Clint Black - wie schön. Herr Wang singt laut mit und sagt, dass dies eines seiner Lieblingslieder ist - das kann ich gut verstehen.
10.30 Uhr Als wir gerade auf dem Pulaski Highway direkt über Fayetville hereinkommen, sagt Herr Wang, dass wir gleich am Ziel sind - wie aufregend. Angeblich ist die Jack Daniels Distille nur noch wenige Kilometer entfernt.
11.00 Uhr Nachdem wir den schönen Blazer vor der Brauerei geparkt haben, eile ich zu einem öffentlichen Fernsprecher und rufe mit Hilfe einer keuschen Telefonkarte im Waldweg 7 an. Nach dem dritten Klingeln nimmt meine Untermieterin Sandra keuchend den Hörer ab. Die Maid sagt, dass sie gerade vom Badesee zurückgekommen ist - wie unlöblich. Ich frage natürlich sofort nach dem Rechten und erfahre, dass Amanda heute einen unlöblichen Ladendieb geschnappt hat - wie aufregend. Angeblich hat Polizeiobermeister Schöninger den Verbrecher persönlich in Handschellen abgeführt - wie löblich. Ferner erzählt das Kind, dass gerade ein unlöbliches Gewitter mit Blitz und Donner aufzieht. HEUREKA - ich fordere das Kind auf, sämtliche Fenster zu verschliessen und mein modernes Fernsehgerät auszustecken - schliesslich will ich mich redlichst vor Blitzschlag schützen. Sandra lacht nur und meint, dass sie jetzt gleich auf ein Bierfest in die Stadt gehen wird. Ich wünsche dem Kind viel Vergnügen und ermahne es noch zur Löblichkeit. Ausserdem teile ich Sandra mit, dass ich gerade in Lynchburg vor der Jack Daniels Brauerei stehe und jetzt gleich an einer Führung teilnehmen werde.
12.00 Uhr Wir starten den Rundgang plaudern mit keuschen Menschen aus einem Nachbardorf. Die Heinis erzählen, dass sie sich furchtbar langweilen und deswegen fast täglich an dieser Führung teilnehmen - wie aufregend.
12.15 Uhr Als erstes besuchen wir das Eingangsgebäude und erfahren alles über den Mulberry Creek und Herrn Jack Daniels - wie aufregend. Ferner finden wir in dem ersten Besucherraum seltene Flaschen und wertvolle Karaffen aus dem letzten Jahrhundert - wie schön. Wir besteigen einen löblichen Bus und werden auf einen Berg zu den Lagerhallen kutschiert. Dort werden wir Zeuge, dass der amerikanische Schnaps auch heute noch in Eichenfässern gelagert wird. Die nette Tourführerin stellt uns im Lagerhaus einen redlichen Herrn namens Sam vor und gibt uns zu verstehen, dass dieser Mann für die Lagerung des löblichen Trunks zuständig ist. HEUREKA - ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus und stelle fest, dass es in der Wirklichkeit genauso zugeht, wie in der bekannten Jack Daniels Werbesendung - wie aufregend.
12.45 Uhr Die Führung geht weiter und bringt uns zu einer keuschen Quelle namens "Cave Spring" (löblich: Höhlen Frühling) und einem Holzverschlag, in dem Herr Daniels persönlich gearbeitet hat.
13.30 Uhr Die nächste Station führt uns in das Brauhaus - diesen Geruch muss man erlebt haben. Während Herr Wang neugierig in einen kupfernen Braukessel schaut, verfolge ich den Gärvorgang redlichst. Die löbliche Jack Daniels Maid sagt, dass wir gerne die keusche Maische probieren dürfen. HEUREKA - das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Ich stecke meinen Zeigefinger in den gigantischen Topf und koste redlichst - schmeckt wirklich merkwürdig. Ich bevorzuge dann doch lieber das Endprodukt.
14.00 Uhr Zum Abschluss der Führung führt uns das Fräulein in eine holzgetäfelte Halle und erklärt, dass es nun löbliche Erfrischungsgetränke gibt. HEUREKA - ich freue mich auf einen löblichen Jack Daniels. Leider müssen wir erfahren, dass in diesem County (löblich: Landkreis) Alkoholausschank streng verboten ist. HEUREKA - hier könnte ich niemals heimisch werden. Statt eines gesunden Schnapses, wird uns Quellwasser aus dem Mulberry Creek mit Zitronensaft kredenzt. Ich nehme einen grossen Schluck und proste Herrn Wang redlichst zu. Als wir uns das zweite Glas schmecken lassen, werde ich auf die extraordinäre Klimatisierung dieses Gebäudes aufmerksam. HEUREKA - hier strömt die kalte Luft aus löblichen Öffnungen im Boden - so etwas würde mir auch in meinem Eigenheim gefallen. Leider kann ich mir als armer Rentner solchen Luxus unmöglich leisten.
14.30 Uhr Langsam knurrt mir der Magen. Ich dränge zur Abfahrt und erkläre Herrn Wang, dass man als älterer Mensch seine Essenszeiten explizit einhalten sollte. Mein Mitreisender gibt mir ganz Recht und steuert ein löbliches Gasthaus in der Nachbarschaft an - wie schön.
15.00 Uhr Ich springe mit Elan aus dem KFZ und strebe zu "Sam & Bobs BBQ" hinüber. HEUREKA - als wir die Lokalität betreten, werden wir von latzhosentragenden Bauarbeitern, langhaarigen Holzfällern und schwerbewaffneten Jägern freundlichst begrüsst. Mit einem mulmigen Gefühl nehmen wir direkt am Eingang platz und bestellen bei einer übergewichtigen Maid zwei wohlschmeckende Koka Kolas und Fleischpflanzerlsemmeln mit Käse (unlöblich: Cheeseburger) mit Kartoffelstäben und Kätschap. Plötzlich kommt ein Holzfäller herüber und fragt nach dem Rechten. Wir erklären dem löblichen Mann, dass wir gerade die Jack Daniels Brauerei besichtigt haben und noch heute nach Nashville weiter reisen werden. Der gute Mann sagt, dass wir unbedingt noch die löbliche "Cascade Hollow Brennerei" von George Dickel im Norden anschauen sollten - wie aufregend. HEUREKA - ich bedanke mich redlichst für den Hinweis und erkläre dem Mann, dass ich leider noch heute unbedingt nach Nashville fahren muss. Schliesslich nimmt mein Neffe James seine neue Kompaktscheibe in den "Southern Tracks Studios" auf.
16.00 Uhr Wir beenden unsere Pause und starten im Chevrolet in Richtung Nashville. Wir brausen auf der Landstrasse Nummer 55 und biegen dann auf die Interstate 24 in Richtung Norden ab - das nennt man Fahrvergnügen. Keine Drängler, hupende Unholde oder vogelzeigende Idioten sind hier unterwegs - welch wunderbare Zustände.
17.30 Uhr Nach einer entspannten neunzigminütigen Hochgeschwindigkeitsfahrt tut sich am Horizont die Luftlinie (unlöblich: Skyline) von Nashville auf. HEUREKA - als ich grosse amerikanische Fahnen am Strassenrand entdeckt, singt im Radio plötzlich Herr Neil Diamond das schöne Lied "America" - diesen Augenblick muss man erlebt haben.


Everywhere around the world
They're coming to America
Every time that flag's unfurled
They're coming to America

Got a dream to take them there
They're coming to America
Got a dream they've come to share
They're coming to America


18.00 Uhr Herr Wang steuert den Blazer gekonnt durch den dichten Verkehr und findet auch gleich den Weg zu den "Southern Track Tonstudios". HEUREKA - da ich nun zwei Tage weg war, will ich jetzt auch gerne wissen, was mein Neffe treibt.
18.30 Uhr Wir besuchen James Kapelle im Studio und staunen nicht schlecht. Die Kinder sitzen biertrinkend an den elektronischen Gerätschaften und lachen laut. Ich frage nach dem Rechten und höre, dass mittlerweile 9 Lieder aufgenommen wurden - wie schön. James erklärt, dass die Arbeiten schon am kommenden Montag abgeschlossen sein werden. HEUREKA - mein Neffe ist wirklich ein fleissiger Bursche.
19.15 Uhr Nach diesem Abstecher fahren wir zurück zum Hotel und stellen unser Fahrzeug fachmännisch auf dem Parkplatz der Herberge ab.
19.45 Uhr Nachdem wir unsere Koffer auf die Zimmer gebracht haben, treffen wir uns wieder in der Halle und streben unaufhaltsam in die hoteleigene Gaststätte. Ein schönes Abendessen haben wir uns nach diesem anstrengenden Tag wirklich verdient.
20.00 Uhr Während uns ein Kellner kühle Budweiser Biere kredenzt, wähle ich einen löblichen Fisch namens "Red Snapper" (löblich: roter Schnapper) mit Bratkartoffeln, Gemüse und Salat. Herr Wang folgt meinem Beispiel und bestellt das gleiche - wie schön.
20.30 Uhr Wir speisen redlichst und lassen den Tag noch einmal Revue passieren. HEUREKA - der Ausflug nach Memphis und Lynchburg hat alles übertroffen, was ich mir erhofft hatte. Auch Herrn Wang hat dieser Ausflug sehr viel Freude bereitet - wie schön.
21.30 Uhr Ich bezahle die Rechnung in Bar und verabschiede mich redlichst von Herrn Wang. Nun wird es aber Zeit, ins Bett zu gehen - schliesslich stehen auch morgen wieder viele Termine auf dem Programm.
22.15 Uhr Bevor ich ins Bett gehe, nehme ich noch eine kalte Dusche und wasche mich redlichst. Gute Nacht.

Herr Sam arbeitet bei Jack Daniels:

http://pfaffenberg.permuda.net/jackdanielssam.jpg

Die Heimseite von Jack Daniels:

http://www.jackdaniels.com/

Meine Untermieterin Sandra:

http://pfaffenberg.permuda.net/sandra.html

Mein schönes Eigenheim im Waldweg 7:

http://pfaffenberg.permuda.net/eigenheim.html

Bericht: Löbliche Schuhe:

http://pfaffenberg.permuda.net/schuhe.html

 

verfasst von Reinhard Pfaffenberg am 16.07.2005
© Reinhard Pfaffenberg