Reinhard Pfaffenbergs löbliches Tagebuch Archiv

 

 

13.07.2005

13.07.2005
06.30 Uhr Ich erwache löblichst und springe mit Elan aus den Federn. Als ich das Fenster öffne, bläst mir ein heisser Wind ins Gesicht - dieses schwülwarme Klima haut sogar den stärksten Rentner um.
07.00 Uhr Nachdem ich die schweisstreibende Morgengymnastik redlichst hinter mich gebracht habe, nehme ich ein schönes Vollbad und wasche mich ordentlich. Nebenbei studiere ich die Fernsehzeitung und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die amerikanische Fernsehlandschaft ist wirklich einzigartig und bietet für jeden Geschmack ein eigenes Programm - wie aufregend. HEUREKA - neben religiösen Sendern, Landmusik- und Sportkanälen gibt es sogar einen eigenen Halma-Kanal - wie schön. In Deutschland kann man von solch einer Programmvielfalt nur träumen. Für eine staatlich erhobene Fernsehgebühr über 17,03 EUROS im Monat bietet das Fernsehen in der Heimat nur Aufzeichnungen alter "Tatort" Folgen, die langweilige Lindenstrasse, SPD-nahstehende Politiksendungen wie zum Beispiel "Monitor" und Jugendpropagandasendungen namens "Verbotene Liebe" und "Marienhof" - wie schade.
08.00 Uhr Ich steige mit Schwung aus der Wanne und ziehe mich sofort geschmackvoll an. Heute wähle ich eine luftige Leinenhose und ein modernes Hawaiihemd mit buntem Papagei-Aufdruck - gerade heutzutage ist ein gepflegtes Äusseres besonders wichtig.
08.30 Uhr Düdeldü - ich greife zum Telefon und wähle die Nummer von James Zimmer. Leider ohne Erfolg - der Junge scheint nicht zu Hause zu sein. Schnell lege ich auf und probiere mein Glück bei Herrn Wang. Der gute Mann meldet sich nach dem zweiten Klingeln und erklärt, dass er sehr hungrig ist und jetzt in den Frühstücksraum gehen wird - wie schön.
09.00 Uhr Gutgelaunt treffe ich Herrn Wang in der hoteleigenen Gaststätte und nehme direkt neben dem einladenden Büffet platz. Während wir uns Kaffee und Orangensaft kredenzen lassen, sehe ich meinen Neffen James mit seinen Musikkollegen zwei Tische weiter sitzen. Natürlich winke ich den Jungen redlichst herüber und frage sofort nach dem Rechten. James gähnt laut und freut sich sehr, Herrn Wang zu sehen. Ferner erfahren wir, dass James Musikkombo bis spät in die Nacht gearbeitet und mittlerweile vier Lieder aufgenommen hat.
09.15 Uhr Wir lassen uns Rühreier mit Speck, geröstete Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) und frische Früchte redlichst munden und plaudern über den heutigen Tag. Obwohl James heute frei hat, will er uns nicht begleiten und zieht einen faulen Tag am Hotelschwimmbad vor - wie unlöblich. Wir lassen uns nicht weiter beeindrucken und planen den Tag ganz genau. Herr Wang schlägt einen Besuch im weltbekannten "Ryman Auditorium" und anschliessend einen Ausflug zum "Riverfront Park" am Cumberland Fluss vor - das ist eine ausgezeichnete Idee.
09.45 Uhr Wir begleiten James noch zum Fahrstuhl und verlassen dann das Hotel auf schnellstem Weg.
10.00 Uhr Wir besteigen den Chevrolet Blazer und brausen sofort in Richtung Innenstadt los. Während wir auf dem Broadway fahren, erzählt Herr Wang, dass das "Ryman Auditorium" 1892 erbaut wurde und löblichen Musikanten seitdem eine Heimat bietet - wie schön. Zwischen 1943 und 1974 war das Auditorium sogar Schauplatz der "Grand Ole Opry" und begeisterte Tausende Besucher mit löblichen Konzertereignissen. Im Jahre 1994 wurde das Konzerthaus aufwändig renoviert und für interessierte Besucher wieder eröffnet - wie aufregend.
10.30 Uhr Gekonnt parke ich das Fahrzeug auf einem Parkplatz an der "Commerce Street" und schwinge mich aus dem KFZ. Gutgelaunt wandern wir die wenigen Schritte zur "Fifth Avenue" hinüber und finden eine lange Warteschlange vor dem Gebäude vor - wie unlöblich.
11.00 Uhr Nachdem wir den gesalzenen Eintrittspreis über 5,50 DOLLARS beglichen haben, können wir das Auditorium endlich betreten. Wir schliessen uns einer Führung an und erfahren interessante Anekdoten über die Geschichte dieses Hauses.
11.30 Uhr Als wir die Bühne betreten, erzählt der Reiseführer, dass viele bekannte Opernsterne, wie zum Beispiel John McCormack, Enrico Caruso, Rosa Ponselle und sogar Marian Anderson in diesem Theater grosse Erfolge feierten. Ferner hören wir, dass auch Charlie Chaplin, Orson Welles, Bela Lugosi, Katharine Hepburn, Bob Hope, Doris Day, die Marx-Brüder, Elvis Presley, Johnny Cash, Patsy Cline, Dolly Parton und sogar Hartfelsenmusikant Bruce Springstein in diesem Haus zu Gast waren - wie aufregend. Ich blicke mich beeindruckt um und möchte am liebsten ein schönes Lied singen - aber leider hat der Reiseführer etwas dagegen.
12.15 Uhr Nun dürfen wir auch noch einen Blick hinter die Kulissen werfen - wie aufregend. Wir erfahren Interessantes über die technischen Möglichkeiten dieses Theaters und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Haus verfügt nicht nur über eine Drehbühne, sondern auch über ausgeklügelte Bühnenaufzüge und moderne Licht- und Tonanlagen.
13.00 Uhr Wir finden uns im Foyer des Theaters wieder und stehen immer noch unter dem Eindruck der spannenden Führung. Herr Wang ist ganz rot im Gesicht und meint, dass er jetzt ein kühles Bier vertragen könnte.
13.30 Uhr Nachdem wir das Ryman Auditorium verlassen haben, kehren wir in ein Gasthaus namens "Rymna Brewery" ein und nehmen bequem platz. Einem kleinen Umtrunk steht nun nichts mehr im Weg - wie schön. Wir lassen uns kühle Budweiser Biere kredenzen und nehmen einen grossen Schluck - schmeckt gar nicht schlecht, Herr Specht. Ausserdem bestellen wir auch gleich eine löbliche Brotzeit - die haben wir uns nach den Anstrengungen des Vormittags auch redlichst verdient.
14.00 Uhr Während wir uns Schinken-Käse-Brote mit Kartoffelstäben und Kätschap schmecken lassen, plaudern wir über unseren Ausflug nach Memphis morgen. Herr Wang meint, dass wir schon früh aufbrechen sollten, um Zeit für Abstecher ins Hinterland zu haben - das soll mir ganz Recht sein. Hauptsache, ich kann Elvis Presleys legendäres Eigenheim "Graceland" in Memphis besuchen.
14.30 Uhr Düdeldü - im Chevrolet Blazer geht es jetzt wieder zurück zum Marriott Hotel. Ich lenke den Wagen fachmännisch durch den dichten Stadtverkehr und winke einem Landmusikstern im Cabriolet zu. Herr Wang glaubt, dass es sich bei dem Stern um den bekannten Sänger Tim McGraw handelt - wie aufregend.
15.00 Uhr Zurück im Hotel verabschiede ich mich von Herrn Wang und ziehe mich auf mein Zimmer zurück. Vorher verabreden wir uns aber für 17.00 Uhr in der Hotelhalle. Schliesslich wollen wir noch einen Spaziergang im Riverfront Park unternehmen. Im 7. Stock lasse ich mich sofort auf mein Bett fallen und schlafe gleich ein.
16.15 Uhr Ich erwache ausgeruht und hüpfe gutgelaunt vom Bett. Danach nehme ich eine erfrischende Dusche und wasche mich ordentlich mit der hoteleigenen Seife - wie gut das duftet. Danach ziehe ich eine moderne Tschiens, ein gelbes Polohemd und löbliche Cowboystiefel an.
17.00 Uhr Nachdem ich Geldbörse, Zeichenblock und Buntstifte redlichst eingepackt habe, verlasse ich mein Zimmer und fahre in die Hotelhalle hinunter. Herr Wang wartet bereits ungeduldig und drängt zur Abfahrt. Wir besteigen den schönen Chevrolet und brausen in Richtung Nordosten schnurstracks zum Riverfront Park. HEUREKA - Herr Wang hat sich nun auch schon in Nashville eingelebt und trägt einen geschmackvollen Cowboyhut und löbliche Stiefel - wie schön.
17.30 Uhr Nachdem wir den Wagen sicher an besagtem Park abgestellt haben, spazieren wir gemütlich zum Cumberland Fluss hinunter und beobachten das bunte Treiben. Neben unlöblichen Dauerläufern, schreienden Kindern und auf und ab hüpfenden Jugendlichen, tummeln sich hier auch viele löbliche Rentner und brotzeitverzehrende Menschen. Wir nehmen entspannt auf einer Bank platz und ich ziehe meinen Zeichenblock und die Buntstifte hervor. HEUREKA - dieses eindrucksvolle Panorama der Stadt Nashville muss ich unbedingt auf Papier festhalten. Herr Wang unternimmt in der Zwischenzeit einen Spaziergang die Uferpromenade hinauf.
18.15 Uhr Gerade als ich das Kunstwerk vollendet habe, kommt Herr Wang zurück. Der Gute betrachtet das schöne Gemälde und ist sichtlich beeindruckt. Da mir bereits der Magen knurrt, schlage ich vor, jetzt das löbliche Abendessen einzunehmen. Herr Wang sagt, dass er ganz in der Nähe ein italienisches Gasthaus namens "Alfredos" entdeckt hat - das soll mir ganz Recht sein.
18.45 Uhr HEUREKA - Herr Wang hat nicht zu viel versprochen. Diese Gaststätte liegt direkt am Fluss und bietet eine löbliche Terrasse mit Blick auf den Cumberland - wie schön. Wir nehmen platz und lassen uns von einem löblichen Kellner die Speisekarten bringen. Während Herr Wang italienische Langnudeln mit deftiger Hackfleischsosse und Salat wählt, entscheide ich mich für ein Thunfischschnitzel mit Kartoffeln und Salat von der Tageskarte. Selbstverständlich darf zu solch einem Mahl kühles Budweiser Bier nicht fehlen.
19.15 Uhr Wir lassen uns die italienischen Spezialitäten redlichst munden und plaudern über Dies und Das. Herr Wang meint, dass er nach unserer Rückkehr aus Memphis James gerne einen Besuch im Studio abstatten würde. HEUREKA - ich erkläre Herrn Wang, dass er sich im Studio nur langweilen wird.
19.45 Uhr Ich winke den Kellner an den Tisch und fordere die Rechnung heraus. Da ich die Spendierhosen anhabe, werde ich heute bezahlen - ausserdem muss ich mich für die Einladung gestern Abend revanchieren. Als der Angestellte die Rechnung auf den Tisch legt, traue ich meinen Augen kaum: 45,77 DOLLARS sind für einen armen Rentner kaum zu ertragen. Ich blättere das Geld auf den Tisch und verlasse dann zusammen mit Herrn Wang das Lokal.
20.00 Uhr Im Park halten wir nochmals kurz Rast und plaudern mit einem Rentner namens Ron aus Los Angeles. Der 77jährige berichtet, dass er mit seinem löblichen Wohnmobil durchs ganze Land reist und nun drei Tage Zwischenstop in der Musikstadt plant - wie aufregend. Angeblich will der rüstige Rentner noch bis nach Chicago weiterfahren, um dann auf der bekannten Route 66 nach Kalifornien zurückzureisen. Wir wünschen dem löblichen Mann noch eine schöne Reise und verabschieden uns mit Handschlag.
20.30 Uhr Endlich können wir die Heimfahrt antreten. Ich steuere den Wagen sicher in Richtung Hotel und stelle das Radio an. HEUREKA - gerade läuft ein Lied von Superstern Tim Mc Graw. Herr Wang erinnert mich daran, dass wir just diesem Herrn heute Nachmittag in der Stadt begegnet sind - wie aufregend.
21.00 Uhr Ich wünsche Herrn Wang eine gute Nacht und verabrede mich für 08.00 Uhr zum Frühstück. Gleich danach wollen wir dann in Richtung Memphis aufbrechen.
21.45 Uhr Nachdem ich eine kalte Dusche genommen habe, gehe ich ins Bett und informiere mich auf CNN über das aktuelle Weltgeschehen. Gute Nacht.

Ich male ein schönes Bild:

http://pfaffenberg.permuda.net/nashvillepanorama.jpg

Die Heimseite des Ryman Auditoriums:

http://www.ryman.com/

 

verfasst von Reinhard Pfaffenberg am 13.07.2005
© Reinhard Pfaffenberg